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Dancing in the DARK (S2:Ep9)

von | 2020 | 27. Juni | Die Serie, Staffel 2 - We didn't start the fire

(Ja, die erste Folge nach der Staffelpause
muss immer
ein bißchen verwirrend,
ein bißchen spannend,
ein bißchen überzogen
und ein bißchen vertraut sein.)

Nur ein paar (ca. 20) Jahre ist es her,
da machte man das „Unbehagen an der Moderne“
noch an dieser deprimierenden
„Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ fest.
Schlimm genug,
dass die Menschen in den „Entwicklungsländern“
immer noch im Mittelalter lebten,
nein, jetzt mussten wir uns das auch noch
regelmäßig im Fernsehen
und bald im Internet anschauen.
Schrecklich, dieser Hunger, diese Krankheiten,
diese Kriege
auf dem Balkan,
im Nahen Osten,
in Afrika
und Südamerika.
Uns ging es ja gold.
Wir hatten (sogar) den (Kalten) Krieg
ein für alle mal
hinter uns gelassen.
Als dann die Mauer
zwischen dem gleichzeitig Ungleichzeitigen
eingerissen wurde,
waren alle ähnlich irritiert wie heute,
aber immerhin:
die Landschaften würden blühen
(was sie seitdem (noch) tun)
und für Krieg hat ja heute
gar keiner mehr die Zeit (außer Erdogan).
Denn wirklich alle haben gerade
das gleiche Problem
zur gleichen Zeit
und wissen das auch
(ob sie es leugnen oder relativieren,
ändert daran nichts).
Entscheidend ist nicht mehr wann,
sondern nur noch wo etwas passiert.
Kreis Gütersloh? (noch mal Schwein gehabt*)
Bergamo? (Massengräber im Frühling)
Mexiko? (Massengräber, Hitze, Drogenkartelle,
Polizeigewalt, Armut, Erdbeben)

Indien? (Massengräber, Hitze, Drogenkartelle,
Armut, strukturelle Gewalt gegen Frauen,
Überschwemmungen, Heuschreckenplagen).
Berlin?
(Auf‘n Samstach nur wenich Touris,
n paar jute Demos
und bei die Hitze jerne och
noch‘n zweetet Eis).
Das passiert alles gleichzeitig.
Während wir im Hochsommer (es ist erst Juni)
unser Leben erst mal weiterleben,
verschieben sich die Platten der Geschichte
mit rasender Geschwindigkeit.
Anfang und Ende fallen ineinander.
Alle Diskurse drehen leer
und der verkrustete Asphalt schmilzt in der Hitze.
Jeder erwartet das Gewitter, den Regen,
den Neuanfang.
Was wird in die Kanäle und Flüsse gespült,
was geht erst mal unter?

Ein Zurück (zur Normalität) gibt es nicht mehr,
wenn sich die Geschichte neu ausrichtet.
Nur unendlich viele Versionen von Vorwärts.
Schon vielen Jahrzehnten
ist eine Janusköpfigkeit angedichtet worden,
#DieDoppeltenZwanziger
tragen diesen Anspruch bereits im Namen*.
Just sayin‘.

 

*too soon?

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