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Geschenkt!

#DieDoppeltenZwanziger gibt es übrigens auch als durchgestylte .pdf-Datei für Euren Breitbildschirm!

Und jetzt sogar Band 6 !!

Wer also Lust hat, sich den Speicher damit vollzuhauen, der melde sich doch einfach. Und für die ganz eisernen gerne auch wieder mit Widmung.

Fanservice: Falls jemand auch noch Interesse an den Bänden 1, 2, 3, 4 und 5 hat, ich krame auch gerne noch mal im Papierkorb.

Geschenkt!

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Und jetzt sogar Band 6 !!

Wer also Lust hat, sich den Speicher damit vollzuhauen, der melde sich doch einfach. Und für die ganz eisernen gerne auch wieder mit Widmung.

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Über den Autor

Springer

Der 1981 in Berlin geborene und in Quedlinburg/Sachsen-Anhalt lebende, 44jährige Mathias Schück ist Sternzeichen Skorpion, nicht religiös, in keiner Partei, oder durch Stammbäume patriarchisch an sinngenerierende Institutionen gebunden.

Eingeschult in der Ostprovinz, kurz vor den Baseballschlägerjahren der Neunziger, irgendwo zwischen Pionierausweis und Westfernsehen, zwischen Grunge, Techno und den Onkelz, zwischen Skins und Zecken, dürfte er dabei gelernt haben, die populistischen (Anti-)Ismen der Zeit an die Leine zu legen. Streber, Sorgenkind und Aushängeschild zugleich. Mit Hassliebe, Verachtung und Bewunderung, die skeptisch und immun machen gegen das Mitlaufen.

Sein Ton: Ein Ergebnis aus andauernden Fragen und Antworten. Neugier essen Angst auf – eine Strategie die funktioniert, zumindest beim Lesen seiner Texte.

Ein Springer zwischen Pop- und Peer-Welten; denn wer senden will, sollte Mut haben zu empfangen. So ergeben sich thematische Bandbreite und Haltung, Position und Spielraum zur Veränderung. Um von der Gegenwart zu erzählen sicherlich kein Nachteil. Warum die anderen nicht mitspringen können oder wollen, ist seine fortlaufende Grundfrage, die einlädt über sich selbst und die Gegenwart fachzusimpeln. Seine Antworten sind Plädoyers gegen das Festfahren und für den Diskurs. Zeitzeugnisse von der Front, die sich Leben nennt.

Ob er an Sternzeichen glaubt, weiß ich nicht, wohl aber, dass ich ihn fragen werde. Und dass wir bei der Erörterung der Tierkreiszeichen ganz bestimmt auch japanisch/amerikanische Comicsprache, Medium-Form-Diskussionen des Sozialen, als auch Spielergebnisse der NBA und den akuten Kleinstadttratsch erledigen werden. Inklusive der Frage, was das alles mit uns zu tun hat.

Viel Spaß beim Mitspringen

Tobias Peuke, Berlin, 2021.

 

***

 

Nachwort: Warum ich springe

Als eines der letzten Wendekinder, das sein Abitur dann auch noch exakt im Jahr 2000 abgelegt hat, gehöre ich zudem also auch zu den allerersten Millenials, die sich selbst schon zu viele Stempel aufgedrückt haben, weil ihnen doch immer gesagt worden war, ihnen würden alle, aber wirklich alle Türen offen stehen.

Und, wieder als einer der letzten, folglich auch die des Langzeitstudenten (mit Abschlüssen). Nach acht prägenden Jahren Lehramtsstudium (Germanistik und Philosophie) an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) und diversen Nebenjobs (Pflegeeinrichtungen, Tankstellen, Verwaltungen, Supermärkte), gehe ich seit 2009 an einer Gemeinschaftsschule im Landkreis Harz als Vollblut meinem Beruf nach und wohne downtown Weltkulturerbe.

Bis auf zwei kleine Erzählungen in einer Quedlinburger Erinnerungen-Sammlung („Durch meine Brille“, Letterado Verlag, 2005 und 2007) sind bis heute keine Texte von mir publiziert. Der kurze Fast-Debut-Roman („Fingerübungen“) liegt seit fünfzehn Jahren in der Schublade neben den Gedichten, die ich schreibe, seit ich die „Dead Poets Society“ kenne.

Deswegen habe ich auch sehr bewusst nie die Nähe von Literatenkreisen gesucht, Kurse für kreatives Schreiben belegt, mich für Stipendien oder auf ein Volontariat beworben, noch bin sonderlich davon überzeugt, dass meine Stimme unbedingt gehört werden sollte, oder eine Karriere als Schriftsteller irgendwie erstrebenswert sei. Wenn ich bei Beruf und Hobbys Lesen und Schreiben angebe, dann ist das schließlich doppelt ernst gemeint.

Ob der Literaturkanon also will oder nicht: Ich höre nun mal liebend gerne zu, singe mit und weiß oft nicht, welches davon lieber. In drei Regalen stapeln sich die Vorbilder, welche mir zudem noch so viel Ehrfurcht einjagen, dass sich meine Stimme in meinen eigenen Ohren auch nach gut 30 Jahren noch viel zu dünn anhört, um neben Mark Z. Danielewski, David Mitchell, Margaret Atwood, Markus Zusak, Ben Lerner, Jonathan Safran Foer, Suzanne Collins, Orson Scott Card, Naomi Klein, Dave Eggers und Karl Kraus, Georg Simmel, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, George Orwell, Christa Wolf, Philip Roth, Sibylle Berg, Juli Zeh, oder gar Mircea Cartarescu und Mo Yan irgendwas anderes zu tun als zuzuhören und mich zu fragen, was es denn bitte noch für ein Buch sein söllte, das von mir geschrieben werden wöllte.

Die Antwort darauf kann nur sein: Kein Buch.

Die Antwort darauf kann nur

das hier

sein.

 

#DieDoppeltenZwanziger.

Springer

Springer

Wenn ich bei „Beruf“ UND „Hobbys“ „Lesen“ und „Schreiben“ angebe, dann ist das schließlich doppelt ernst gemeint.

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Neu hier? – Leseguide

Wie? Was? Warum?

Rückblick

Genau vor ungefähr einem Jahr

31. August 2025

Hunting Season

So.
Here.
We.
Are.
Again.
Zum verflixten 13. Mal
eine erste Episode.
Weswegen heute auch,
Achtung!, Zahlenmystik,
der 31.8.2025 ist.
Weil,
wenn Ihr nämlich
die Quersumme des Datums
durch die Anzahl seiner Ziffern teilt
und vor das Ergebnis
die Nummer der Episode setzt,
dann, na Ihr wisst schon.
In anderen Worten:
Die Jagdsaison auf den Zeitgeist
ist ein dreizehntes Mal eröffnet,
Waidmannsheil.
Und leider, leider, leider
erwartet Euch nicht nur
eine „kleine“ Review,
also wirklich nur die Highlights,
was man selbst im Urlaub
und am Schuljahresanfang eben so mitbekommt,
genug immerhin,
um den TÜV (zwei mal) zu vergessen.
Sondern eben das hier,
die jetzt schon längste Episode der Chronik.
Keine lesegerechte Aufteilung,
keine groß auffällige Rubrifizierung,
sondern einfach nur
die übliche Armee des Weltschmerzes,
den ich für sechs Wochen
hab Weltschmerz sein lassen.
Ey!
Zeitgeist!
Wer jagt hier eigentlich wen?!

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Genau vor ungefähr einem Jahr

31. August 2025

Hunting Season

So.
Here.
We.
Are.
Again.
Zum verflixten 13. Mal
eine erste Episode.
Weswegen heute auch,
Achtung!, Zahlenmystik,
der 31.8.2025 ist.
Weil,
wenn Ihr nämlich
die Quersumme des Datums
durch die Anzahl seiner Ziffern teilt
und vor das Ergebnis
die Nummer der Episode setzt,
dann, na Ihr wisst schon.
In anderen Worten:
Die Jagdsaison auf den Zeitgeist
ist ein dreizehntes Mal eröffnet,
Waidmannsheil.
Und leider, leider, leider
erwartet Euch nicht nur
eine „kleine“ Review,
also wirklich nur die Highlights,
was man selbst im Urlaub
und am Schuljahresanfang eben so mitbekommt,
genug immerhin,
um den TÜV (zwei mal) zu vergessen.
Sondern eben das hier,
die jetzt schon längste Episode der Chronik.
Keine lesegerechte Aufteilung,
keine groß auffällige Rubrifizierung,
sondern einfach nur
die übliche Armee des Weltschmerzes,
den ich für sechs Wochen
hab Weltschmerz sein lassen.
Ey!
Zeitgeist!
Wer jagt hier eigentlich wen?!

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Letzte Episode

The Darkest Hour? (S14:Ep16)

Bild: Noch nicht.

 

 

So,
natürlich ist zum Staffelfinale
nicht Sonntag.
Nicht in dieser Staffel.
Wegen so vielen Gründen.

Nach so einem standesgemäßen Untergangsblues
steht mir aber auch
gerade irgendwie
nicht der Kopf.
Die erste Erkältung
des diesjährigen Deutschen Herbstes
hat mich vor zwei Tagen
aus dem Alltag gekegelt.
Es geht aber,
keine Kopfschmerzen,
kein Fieber,
nur eine geschwollene Mandel,
immer mindestens ein Nasenloch zu
und halt hässlichster Husten.
Aber noch gibt es nette Ärztinnen,
wirksame Medikamente,
bezahlte Krankentage und liebevolle Pflege
und ein kuscheliges Bett.
Sogar hier in Sachsen-Anhalt.
Die wirklich
Dunklen Zeiten
liegen immer noch
vor uns.
Es rieht noch nicht mal
nach Winter…

Und es ist
wie immer
auch immer noch
etwas Hoffnung übrig.
Die hebe ich mir aber natürlich
für das finale Finale auf.
Zuerst durchschreiten wir
wie immer
das lange Tal der Frustration.
Ohne Untergang
keine Wiederauferstehung.
Ohne Krankheit
keine Heilung.
Ohne Hinfallen
kein Wiederaufstehen.
Ohne Tunnel
kein Licht an dessen Ende.

Außer im Falle von Ulrich Siegmund.
Der darf nach seinem kommenden Sturz
gerne im Dunkeln liegen bleiben.
Und stürzen wird er;
bis jetzt sind alle gestürzt.
Hier meine aktuelle Theorie dazu:
Da sein Höhenflug
ihn sogar selbst überrascht haben dürfte,
wird er dem Druck
nicht so lange standhalten
wie sein dummes Grinsen
noch scheint zu hoffen.
Sollte es ihm gelingen,
seinen einzigen Ausweg
(Neuwahlen)
irgendwie doch hinzukriegen,
wird die Ernüchterung groß sein,
wenn es dann wieder nicht
mit der absoluten Mehrheit klappt.
Ein Grund dafür
heißt übrigens Suse,
die inzwischen schon
zu Recht
mitverantwortlich gemacht wird
für den bundesweiten
Wiederaufstieg der Grünen.
Um dann also von dieser Schmach abzulenken,
wird er sich aus der Opferrolle heraus
auf den finalen Feldzug
der Neuen Rechten begeben:
Ost-, Ost-, Ostdeutschland!
Sezession!
Endgame!
Faschismus oder nix.
Vielleicht spielt ja auch
eine Weltwirtschaftskrise
wieder mal eine Rolle,
oder Polen,
oder irgendein anderer
immer weiter
eskalierender
Krieg.

Ja, ein Horrorszenario,
ich weiß,
aber vorerst
bleibt festuzuhalten:
Die Spaltung des Landes
darf als abgeschlossen gelten.
Sinnbildlich dafür
grinst Pfarrer Michaelis nur dämlich
als es im Quedlinburger Stadtrat
um die sicher kommende Stornierungswelle geht.
Tja, US-Amerikanische Verhältnisse,
auch hier wird
der nächste Kanzler
die ewige Aufgabe haben,
das Land wieder zu „einen“.
Nur wer zur Hölle
sollte das sein?
Wenn die Rechten
falsche/linke Politik machen
und die Linken die richtige/rechte?
Wahrscheinlich kein/e Politiker/in.
Ein tatsächlich ganz viel versprechender Kandidat
macht seit vorgestern von sich Reden;
zu dieser „Überraschung“
aber auch erst zum Schluss.

Um der Event-Flaute
nach dem Wahlkampf
nicht das Feld zu überlassen,
machen die Faschos gerade,
was Faschos eben so können:
Ulrich schwingt gut gelaunte,
aber vergiftete Reden
auf Massenveranstaltungen
(in Mecklenburg-Vorpommern).
Der Rest der Partei
fürchtet sich vorm Parlamentarismus.
Und die GD (Generation Deutschland aka HDJ 2.0)
marschiert
am Dritten Oktober
auf den Brocken;
„Verbundenheit über Landesgrenzen hinweg“.
Goslar, pass gut auf,
sonst bist du auch bald Ostdeutschland.
Damit das mit dem Faschismus
aber auch nach dem Showdown von Magdeburg
munter weitergehen kann,
hat kein anderer als unser aller Zweitlieblingsösterreicher,
Martin S.,
eben in diesem Magdeburg
das „Institut für Remigration Martin Sellner“
gegründet,
das gerade eben erst seinen ersten eigenen Beitrag
zur Faschistenscheiße rausgequetscht hat.
Es gibt ein
Strategiepapier
für „Landes*Re*Migration in Sachsen-Anhalt“.
Wie viel Scheiße
passt in ein Gehirn?
Und lernt Svenja Liebich
im Knast demnächst auch Stenographie,
um bald in Magdeburg
dem Martin
seinen Stift zu halten?

Ein ganz anderes Wahlkampfthema
bleibt allerdings weiter Mode:
Die Spritpreise eskalieren erneut.
Anfang der Woche
sprudeln die Liter auf einem neuen Allzeithoch,
die Tagesschau prognostiziert drei Euro
noch vor Jahresende.
Kanzler Merz sagt seine Reise
zu den Vereinten Nationen ab,
kündigt staatsmännisch Entlastungen an
und ist der festen Meinung,
„dass wir handeln müssen“.
Am Mittwoch kündigt die Wirtschaftsministerin an,
die Mehrwertsteuer auf Sprit soll runter,
bis zu 25 Cent pro Liter sind drin,
über Gegenfinanzierungen
dürfen sich andere Gedanken machen.
Der Finanzminister hat sofort eine Idee:
Übergewinnsteuern!
Wie sich Probleme doch
weggewundert werden können.

Die Augen reiben müssten wir uns
ebenso über den Verteidigungsminister,
aber dazu sind die Aussichten wohl zu düster.
Während also die Kartoffeln
immer teurer werden,
ist Boris Pistorius
zu Besuch in Washington, D.C.
Schlimm genug,
dass er „Kriegsminister“ Hegseth
lächelnd die Hand gibt,
nein, man einigt sich
auf eine „engere Zusammenarbeit“.
Wobei genau,
bleibt ebenfalls im Dunkeln.

Deswegen doch schon
ganz kurz mal was
vom angekündigten Licht:
In Brüssel
sind die Lampen
nach der Sommerpause
auch wieder angegangen.
Und eine der besseren Neuerungen
dürfte die Annäherung
zwischen der EU
und Kanada sein.
Es seie denn,
man heißt Donald Trump,
dann droht man
natürlich postwendend
mit Mega-Strafzöllen;
wie schnell doch
aus so einem „Golden Age“
ein Dark Age werden kann.
Stephen Colbert
traut sich beim Gewinn des Emmys
für seine beerdigte Show
noch nicht wirklich zu lachen.

Unter anderem
auch wegen solcher Nachrichten;
wenn es auf Erden
nicht mehr dunkler werden kann,
können die Menschen ja immer noch
den Himmel verdunkeln:
Washington hat die Stationierung
von Waffen
im Weltraum
offiziell bestätigt.
Luftwaffen-Staatssekretär Troy Meink
will das als Warnung an China und Russland gewertet wissen.
Die Waffen seien zum Schutz von US-Streitkräften
und als Reaktion auf
«sich wandelnde Bedrohungen»
notwendig.
Details zu den Waffen
und zum Zeitpunkt ihrer Stationierung
lässt Meink natürlich offen.
Er betont stattdessen
die Bedeutung des Schrittes
für die «Abschreckung».
Es sei möglich,
dass das US-Militär
unter anderem über die Fähigkeit verfüge,
feindliche Satelliten zu zerstören,
sollten diese US-Truppen oder US-Satelliten
ins Visier nehmen.
Diese Ankündigung
rückt die 2019
unter Präsident Donald Trump
gegründete «US Space Force (USSF)» ins Zentrum,
deren oberster ziviler Chef Meink ist.
Chinas Aussenministerium fordert,
angesprochen auf die Einschätzung der Space Force der USA,
die Einstellung des Wettrüstens im All.
China setze sich konsequent
für die friedliche Nutzung
und die Wahrung der Sicherheit im Weltraum ein
und lehne dessen Militarisierung ab.

Und auch für das irdische US-Militär
lief es schon mal besser:
Die Vereinten Nationen
stellen über ein halbes Jahr
nach Kriegsbeginn fest:
Der Angriff auf die Kinderklinik,
mit dem dieser irrsinn
eingeläutet wurde,
war ein Kriegsverbrechen.
No Shit.

Dass sich der Rachekrieg Israels
(mit Unterstützung der USA)
gegen die Hamas
so langsam auch
für die letzten Geschichtsverweigerer
nicht mehr gut reden lässt,
zeigt sich auch weitab der Schlachtfelder
im Nahen Osten:
Ed Sheeran
gehen sämtlichste Vorprogrammacts seiner Welttournee
von der Fahne,
nachdem er sich deutlich gegen
Solidarität mit den Kriegsopfern in Gaza
ausgesprochen hat,
indem er einen der prominenteren
Befürworter dieser Solidarität
deswegen aus seinem Vorprogramm
geschmissen hat.
Musik kann gar nicht
nicht politisch sein.
Und das weiß der Ed auch.
Oder wusste es zumindest mal.

Aber wahrscheinlich ist auch der,
wie wir alle,
nur ein weiteres Opfer
der KI,
die uns gerade übernimmt.
Der „AI-Doomsday“
rückt immer schneller
immer näher.
Sagen jetzt sogar die Entwickler.
Und zwar alle.
Sogar Elon.
Also muss etwas daran nicht stimmen.
Denn Impotente
behaupten ja auch nicht einfach,
sie würden nicht mehr können,
weil er einfach mal zu groß ist.
Obwohl ich Elon
sowas sogar zutrauen würde,
wenn das Viagra bald auch nicht mehr hilft.

Sorry,
not sorry,
so dunkel sollte es eigentlich
doch gar nicht werden.
Denn auch an der Digitalfront
werden wieder kleine Siege gefeiert:
Die EU hat sich geeinigt:
„Unter 13, bis 15 und bis 18“
– in diesen Schritten soll
die Nutzung Sozialer Medien
durch Minderjährige geregelt werden:
Das ganze heißt „EU Kids Act“.
Süchtig machende Funktionen
sollen ganz verboten werden.
Warum dann nicht gleich
das Gesamtkonstrukt „Social Media“
in seiner aktuell vorherrschenden Ausführung?

Und ja, Ihr vermutet mal wieder richtig,
mit diesem Hoffnungsschimmerchen
bereitet sich diese Episode darauf vor,
zum Ende der Staffel zu kommen.
Und das sollte ja immerhin
etwas positiver ausfallen;
das Licht am Ende des Tunnels
muss ja jeden Moment um die Ecke kommen,
so dunkel
wie es hier gerade ist.
Und bis dahin
werde ich dieses Jahrzehnt
ganz einfach
mal wieder
sich selbst überlassen.
Dunkler wird es
von ganz allein,
wie wir wissen.

 

Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 234.
An der Schwelle zum Vernichtungskrieg? Montag: Die Drohnenangriffe auf Kiew, besonders die Vororte, werden weiter intensiviert.Dienstag: Nichts Neues. Mittwoch: In Nikopol, nahe der Südfront, werden ein Linienbus und zwei Züge getroffen, mindestens fünf Zivilisten sterben. Donnerstag: Donald Tusk warnt vor einem „russischen Plan“, bei dem sein Land, Polen, das nächste Ziel sein könnte. Freitag: Wie immer Nichts Neues.

 

Und damit
endlich ins Licht,
oder wenigstens zu den paar Nachrichten,
die ins Hoffnungsnarrativ passen wollen:

Schweden sagt als nächstes Land
Tschüss zu Faschos.
Die Achse Ungarn-Polen-Schweden
ist wieder demokratisch.

Bei der Stadtratswahl in Göttingen
fliegen die Faschos brutal auf die Fresse.

Für die Wahlen
im MV und in Berlin
am Sonntag
sehen die Prognosen
ebenfalls so aus,
als ob der Niedergang
der Faschos überfällig ist.

Und ausgerechnet dabei hilft dann
seit dieser Woche
auch der eingangs angekündigte
Überraschungskandidat
um die Deutungshoheit
der deutschen Farben.
Jürgen Klopp,
damit endgültig
beim Hyperlegendenstatus angekommen,
traut sich,
was keiner mehr machen will:
„Wir holen uns unsere Fahne zurück.“
Der Mann weiß
wie man die wichtigen Spiele gewinnt.
Ach,
wäre das alles
doch eins.

 

Here Comes The Unfuckening!
Aus dem Tagebuch irgendwelcher Millenials 7

freitag, 18. september:
– eine nachbarin ist sich sicher,
hat sie sich schon gedacht,
dass sich da bald was ändert
– „erfolgreich“ ein auto gekauft und eins verkauft,
4,7 liter verbrauch,
das nächste wird elektrisch
– warten auf nachrichten
von der recording session
in den bergen
– warten auf das licht
eines sonnenuntergangs,
die nächte sind jetzt
wieder länger

 

 

End Of Season

 

Chronicle (letztes Kapitel)

Innere Sicherheit (Chronicle 24)

Bild: Latschenkiefer.

 

„Ach, du glaubst gar nicht, wie schön es dann doch war.“
„Wirklich? Ne Konfifeier? Schön?“
„Na was denn sonst? Warst du schon mal auf einer?“
Der Brillenträger senkte kurz den Blick. „Nein. Stimmt. Aber … „
„Nichts aber! Ich fasse kurz für dich zusammen, dann darfst du noch mal urteilen, vielleicht ein bisschen weniger von Außen Vor dann, ja?“ Der Buchträger rückte auf seinem Stuhl nach vorne und begann im Takt der Songs leicht mitzuwippen: „Bevor die Sause richtig losging, gab’s erstmal Überraschungslivemusik von der Patentante: Komm auf die Beine, komm her zu mir, es wird bald hell und wir ham nich ewig Zeit. Und dann einmal quer durch vier Jahrzehnte. Zu Mitternacht herzliches Gejohle bei In-ter-ga-lac-tic! Inter-ga-lac-tic! In-ter-galatic! Inter-ga-lac-tic.“
„Ich darf den letzten Song erraten?“
„Nicht schwer, oder?“

 

„One love!
One blood!
One life,
you got to do
what you should.
One life,
with each other,
sisters, brothers.

One life
but we’re not the same.
We get to carry each other,
carry each other.
One.
One.“

(U2: 1991)

 

Am ersten Sonntag der letzten Fußball-Weltmeisterschaft des Jahrzehnts saßen die beiden Freunde kurz nach dem Mittag zu einem späten Frühstück auf dem Markt, der Wind war kalt genug, um einen Pulli zu rechtfertigen und auch die Sonne spielte noch Haschen mit den Regenschauern des Hochjunis. Vor ihnen lagen halbangebissene belegte Brötchen, die Kaffeetassen wollten bereits nachgefüllt werden, der Aschenbecher war noch leer.
„Was is mit Public Viewing? Kommt die fette Leinwand noch?“
„Glaub ich nich. Gucken eh alle zu Hause. Couch is viel gemütlicher. Außerdem: Leutegucken beim Fußballgucken. Merkste selber, ne?“
„Na hör mal, mit der Haltung wird das aber nix mit Olympia 2036!“
„36?!“
„Na und?“
„Während der zweiten Amtszeit von Höcke?“
„Du meinst, immer noch die erste?“
„Okay. Reicht. Keine Böcke auf Zynismus heute.“ Der Buchträger machte sich die erste Zigarette an, das Renterpaar am Nebentisch rückte auffällig einige Zentimeter weiter weg.
„Vielleicht ja auch nur Kanzler von Ostdeutschland? Wie lange dauert so eine Sezession eigentlich?“
„Ich habe gesagt, es reicht.“
„Nein“, der Brillenträger nahm ihm das Feuerzeug aus der Hand, „es reicht eben nicht. Kann doch alles nicht sein, ey! ,Echte Deutsche gibt es nur im Osten?‘, wieviel Lack verträgt so ein Fascho eigentlich?“ Das Rentnerpaar am Nebentisch war plötzlich ganz Ohr. „Hab ich schon erzählt, was bei Till und seinen Buddies los war, nachdem der Harzkreis-Rundumschlag abgeschlossen war?“
„War denn nach Thale und Wernigerode noch irgendwo was los?“
„Sicher doch! In Halberstadt saß sogar der Heuer feixend neben dem neuen Landesdaddy.“
„Ist der nicht sogar Fraktionschef der CDU in Machdeburch?“
„Eben.“
„Na Scheiße. Und jetzt och noch WM.“
„Korrekt.“

Karoline und Marie lagen zum gleichen Zeitpunkt gemeinsam auf der großen Couch in Thale und hörten mit den Mädchen den Traumzauberbaum. Zum dritten Mal. Rosa und Violetta hatten bereits begonnen, bei einigen der Geschichtenlieder mitzusummen. Eine kleine Stadt geht müde schlafen, macht die vielen Fensteraugen zu, Legt sich lang, besinnt, was so gewesen, in den Straßen wird es langsam Ruh. Kurz bevor die Nadel ganz zur Mitte des Tellers rutschte, waren die Mädchen tief und fest eingeschlafen. „Mittagsschlaf? Das hatten wir ja schon eine ganze Weile nicht mehr“, flüsterte Marie und strich beiden die Haare aus den Gesichtern. Karoline sah ihr liebevoll auf ihren Bauch: „Gewöhn dich noch nicht wieder dran.“
„Ich weiß“, antwortete Marie und strich ihr Umstandskleid glatt, „es ist noch etwas zu groß, aber wir freuen uns so dermaßen. … Aber jetzt erzähl doch endlich mal! Seit Wochen machst du ein riesen Geheimnis draus, obwohl ich schon länger sehe, was bei euch los ist.“
„Marie, was soll ich denn erzählen? Es … es … fühlt sich irgendwie so unheimlich … „
„ … sicher an?“
„Ja, das macht es ja so unheimlich.“ Marie lachte leise auf: „Auch eine Art von Horror. Aber die gute.“ Ihre Hände fanden sich zwischen den Köpfen der Mädchen. „Wollt ihr ein Kind?“
Karoline schwieg einen Augenblick. Later in Life; das war wohl der Preis, den sie für ihr Glück zahlen sollten. Sie schüttelte langsam ihren Kopf. „Zu spät. Schon zu spät. Schon länger zu spät.“
„Was meinst du?“
Sie sahen sich für einen langen Moment an, dann nickte Marie vorsichtig. „Wenn du mehr erzählen willst, hör ich zu. Egal wann.“
„Danke.“
„Aber erzähl wenigstens eine schöne Sache, bitte.“
„Gut“, Karoline dachte keine Sekunde nach, „es war ganz am Ende des Mais, am Sonntag Abend. Kurz vor Zehn gab es doch noch das erste richtige Sommergewitter, drei Wochen zu früh. Da haben wir es uns zum ersten Mal gesagt. Wir waren beide so aufgeregt, haben fast darum gestritten, wer es zuerst sagen darf.“
„Und?“
„Er war schneller. Aber ich werde seinen Blick nach meiner Antwort wohl nie vergessen. Ganz abgesehen von dem folgenden Kuss. Kribbeln vom Bauch bis zum Scheitel, so richtig mit zitternden Lippen.“
„Frau Salthusser, du ahnst wie ich mich freue. Die richtigen Entscheidungen werden nie zu spät getroffen, sondern immer nur im richtigen Moment. … Ich weiß wie altklug das klingt.“
„Nein. Klingt nur klug.“ Karoline rückte näher an ihre Freundin heran. „Habt ihr schon Paten für euer drittes Kind?“
„Ihr macht das super. Schafft ihr ganz locker noch eins.“
„Mit Sicherheit.“

Seit diesem für immer in schönster Erinnerung bleibenden Mai hatten sich die Gewitter gehäuft, im Zwei Tage-Rhythmus wechselten sie sich mit Schauern und Sonnenschein ab, Karoline und der Brillenträger übten mit Leichtigkeit einen gemeinsamen Alltag ein, als ob sie schon seit Jahren zusammen leben würden, nur teilten sie jetzt auch immer öfter ihren Schlaf, woran sich beide schneller gewöhnt hatten als sie es nach Jahren einsamer Morgen erwartet hätten.
Und noch brauchten sie dafür mehr als eine Decke, der Sommer sollte erst am kommenden Wochenende auch nachts zu spüren sein. Denn das wärmste Jahr der Menschheitsgeschichte hatte nun auch offiziell begonnen. Die US-Behörde NOAA war sich absolut sicher: El Nino war da. Und zwar rrrrichtig: Sogar das Eis am Südpol schmolz schneller als jemals zuvor. Doch auch dafür hatten die beiden die Lösung bereits gefunden: Der eine Ort, in dem der Hochsommer nur schön ist, lag direkt vor den Toren der Städte, sie brauchten nur loszugehen um anzukommen.

Der Brillenträger und der Buchträger hatten ihre dritte Zigarette geraucht, und der zweite Kaffee war auch nur noch einen Schluck vom Ausgetrunkensein entfernt. Das Rentnerpaar am Nebentisch hatte sich hinter seine Schwarzen Spiegel zurückgezogen. „Ob die auch schon Affären mit ihren KIs haben?“ Der Brillenträger legte seinen Schwarzen Spiegel wieder umgedreht auf seinen Tisch. „Wie meinen?“
„Na die beiden da. Ob die auch schon Chat-Bots benutzen? … Du weißt schon: Chatti, sollte ich meine Frau doch noch verlassen? Chatti, sollten wir vielleicht doch wieder in einem Bett schlafen? Chatti, wie lange wird unsere Ehe noch halten? Chatti, wer von uns beiden stirbt wahrscheinlich zuerst und woran? Chatti, checke die letzten Fragen auf psychatrische Auffälligkeiten.“
„Chatti?“
„So nennen viele ihre besten Freund*innen inzwischen.“
„In welcher Black Mirror-Folge?“
„In echt.“
„Okay.“ Der Brillenträger entsperrte kopfschüttelnd seinen Schwarzen Spiegel: Ein einzelnes blutrotes Herz. Gesendet vor fünf Minuten. Ganz in der Nähe.
„So“, er steckte das Handy in seine rechte hintere Hosentasche, „auf dem Weg zum Bahnhof gehen wir euren Plan nochmal durch. Bin mir sicher, dass doch noch irgendwas unsicher ist.“
„Was meinst du? Wölfe heulen am Lichtungsrand, wenn wir uns vor euch allen küssen?“
„Harzrandwölfe haben besseres zu tun, als euch beide beim Küssen zu beobachten.“
„Ach ja, nämlich was?“
„Liest du wirklich gar keine Zeitung mehr? Kajolan? … Nein, schlägt nichts an? Stammt aus Thale. Ist im Zoo von Tokio Vater von drei Grauwolf-Welpen geworden. Hat nach schwierigen Zeiten in seiner alten Heimat doch noch ein echtes Happy End erlebt.“
„In Tokio? Wild.“
„Eben. Also, eure Wilde Hochzeit. Habt ihr schon eine Waldwiese ausgesucht?“
„Noch nicht.“
„Wisst ihr, wen ihr dabei haben wollt?“
„Noch nicht ganz.“
„Habt ihr schon Tätowiertermine?“
„Noch nicht.“
„Habt ihr schon ein Datum?“
„Noch nicht.“
„Habt ihr über Kleidung gesprochen?“
„Noch nicht ganz ernsthaft.“
„Hast du schon angefangen, deinen Schwur zu schreiben?“
„Auch noch nicht.“
„Habt ihr euch wenigstens schon gefragt?“
„Brauchen wir nicht.“
„Und ihr seid euch wirklich sicher?“
„Ja.“
„Warum?“
„Wegen solcher Sätze hier:“, er brauchte den Chat nicht extra aufzumachen, das Handy blieb in der Tasche, er flüsterte gerade so laut, dass sein Freund ihn verstehen konnte, „Ich bin überall nicht mit meinen Gedanken.. aber bei dir.“
Der Buchträger ließ die Worte kurz im Wind stehen. „Aber was es zu essen gibt, das wisst ihr schon, oder?“
„Haben wir noch nicht besprochen, aber auf Bigosch darfst du dich mit Sicherheit schon mal freuen.“
„Yes. Dreibein. Lagerfeuer. Singen zum Sonnenuntergang. Klingt nach einem Plan. Tanzt ihr?“
„Wissen wir … auch noch nicht.“

Eine Stunde später saß der Brillenträger nach zwei Wochen das erste Mal wieder zum Schreiben am Tisch. Ausgerechnet in diesem Sommer hatte er also seine Sicherheit gefunden. Ausgerechnet heute würde die deutsche Fußballnationalmannschaft ihr erstes Spiel der Weltmeisterschaft spielen. Ausgerechnet gegen Curacao. Ausgerechnet in Texas. Ausgerechnet am 14. Juni, dem 80. Geburtstag des momentanen Präsidenten der USA. Ausgerechnet am Tag der Siegesparade der New York Knicks. Er ging seine Notizen durch: Jap, das einzige Spiel, das die Mannschaft um Superstar und Triple-Saison-MVP Jalen Brunson in der Finalserie verloren hatte, war das Spiel, bei dem der Präsident vom gesamten Madison Square Garden ausgebuht wurde, bevor er in der zweiten Halbzeit eingeschlafen war und dann noch weit vor Abpfiff ging. Immerhin wartete aber heute vor dem Goldenen Haus sein Geburtstagsmatch in einem riesigen Käfig auf ihn. Der Brillenträger klickte sich einige Tage zurück: „A federal lawsuit filed just days before Trump’s planned UFC event at the White House is asking a court to stop the event immediately, calling the scheme “deeply corrupt” and accusing Trump of using public property to enrich allies and political supporters. The lawsuit argues: The event, billed as ‘UFC Freedom 250,’ is being organized by the UFC, whose chief executive, Dana White, is a close friend and ally of the President. The President is giving White and his company what none have enjoyed before: unfettered access to the White House and Lincoln Memorial to stage a private, for-profit sports event.” The suit points to reports that UFC VIP packages are being sold for between $1 million and $1.5 million per person and notes that sponsors are “clambering over each other to see their brands plastered adjacent to the Executive Residence and Reflecting Pool.” The lawsuit also highlights the role of Paramount Skydance, stating: “No American will be able to take in this ‘celebration of America’ without first paying $8.99 plus tax for a Paramount Plus streaming subscription.” So viel zum Thema Technofaschismus; das Alte Rom rieb sich staunend die übermüdeten Augen. Er klickte weiter, scheinbar ziellos, so ziellos wie ihm der Zeitgeist da draußen vor der Tür auch nur bloß erschien. Immer noch war nichts vorbei. Immer noch war nichts besser. Immer noch war Krieg.

 

Open Letter

To the President of the Russian Federation
From the President of Ukraine

When you came to power in Russia more than 26 years ago, many people in Ukraine viewed you positively. That is how it was. But that is now in the past.
Now, the overwhelming majority of Ukrainians view it positively that our long-range drones paid a visit to the opening of your forum in St. Petersburg, covering a distance of more than 1,000 kilometers. As you know very well, that distance is not the limit of our capabilities.
For 26 years, your time in power has completely changed the agenda of relations between Ukraine and Russia. From discussions about trade and other civilian matters, our nations have moved to talking almost exclusively about strikes and losses.
You have spent nearly half of your 26 years in power in Russia waging war against Ukraine.
Whatever you may say about NATO, geopolitics, or the Russian language, this war is your personal choice — a war without a real cause. That is how history will remember it.
Those years could have been very different.
We often hear that you are comfortable with this war. Of course, not in those cases when it comes to the security of your residence in Valdai or your parade in Moscow. Your own life is valuable to you.
But now we can all see that Russians are finally becoming less comfortable with this reality — with the fact that the war is bringing more and more negative consequences to Russia.
They do not like our drones and missiles.
They do not like gasoline shortages and constantly rising prices.
They do not like constant restrictions.
They do not like your intention to launch a second wave of mobilization in order to expand the war into another direction in Ukraine or to use it against other countries neighboring Russia.
They do not like the fact that there is no end in sight to your war.
Yes, you can still force Russians to exist this way. But your resources are shrinking significantly.
You will not have enough money or political capital to keep buying the loyalty of Russians the way you have for the past 26 years.
And we will do everything we can to ensure that the world helps bring that moment closer.
As you yourself like to say, “we need to run the numbers.”
Yesterday, I received a report on the losses of your army on the front in Ukraine during May. Once again, the number exceeded 30,000 Russian soldiers killed and seriously wounded. We have been maintaining that level month after month, and we have video confirmation of every one of your losses — these are not empty claims.
We know that 63 percent of your battlefield losses are killed, while only 37 percent are wounded. In the 21st century, no army can afford such a ratio. And the share of those killed will continue to grow.
It is not as if we in Ukraine are concerned about the fate of Russian soldiers after everything your war has brought to our country.
But I do care about Ukrainians.
We are losing our people, and every loss is painful to us. Even when the ratio of Ukrainian losses to Russian losses is one to five or one to six, it still matters greatly.
It also matters that you regularly postpone, every few months, your own deadlines for capturing our regions — especially the Donetsk region. And you will not capture it this year either.
But we in Ukraine do not want a permanent war. We know very well that life without war is infinitely better. And we want to achieve that.
I am convinced that the majority of Russians would respond positively to this as well — and you know it.
Many did not believe that Ukraine would be able to hold out for so long. You did not believe it. And those who advised you did not believe it either. That was a mistake.
You did not expect full-scale resistance from Ukraine, and you did not foresee that things would go this far. Yet here we all are — in the fifth year of this full-scale war.
Do not be afraid to take the path out of this war. That is the main thing that is required of you now.
Ukraine has preserved its independence. And it will preserve it. Despite all predictions to the contrary.
We have united many around the world to stand with Ukraine and against you. We found the weapons and the financing we needed.
We receive support. You receive sanctions. And this will continue until there is justice for Ukraine — the justice we seek and the justice that can be achieved.
We will not allow those who are trying to convince you that sanctions against Russia will be significantly eased, and that support for Ukraine will be significantly reduced, without any meaningful change in your position toward Ukraine, to succeed. The example of Orban shows how those who choose to help Russia in its war against us end in disgrace.
Ukraine has endured harsh winters while you tried to destroy our energy system. We held firm — and even in darkness, the resilience of Ukrainians remained intact.
We brought the war onto your territory, and you would not have been able to cope with it without North Korea’s help. You are the first ruler of Russia to turn to Pyongyang for assistance.
And today you are fully dependent on China — also for the first time in Russia’s history.
You believed Ukrainians would not have the strength to defend themselves. Yet today, our people are helping our partners in the Middle East and the Gulf build their own defenses.
You hoped for internal unrest in Ukraine. Instead, it was your own military formations that staged a mutiny against you. June 23 will mark another anniversary of that event, and silence will not erase this fact from history.
And now it is you whom your own officials, businessmen, and propagandists look at with obvious fatigue. The world can see it.
The world has not grown tired of Ukraine, as you long hoped it would. But there is growing fatigue with Russia — even among those in the wider world who help you bypass sanctions and keep your economy afloat.
You cannot fail to notice it. After 26 years in power, age is beginning to take its toll. And with time, the fatigue with you will only grow.
We have seen intelligence reports showing that you are now considering plans to continue the war into 2027 and 2028. We also know that you hope ballistic missiles will achieve for you what everything else has failed to achieve. You want to draw Belarus even deeper into this war, and we are now forced to prepare for that as well. We see that you are trying to orchestrate something around Transnistria. Your propagandists threaten, in one way or another, every country neighboring Russia. Do you really want to go through all of this?
The choice is yours now.
Enough of war.
Ukraine proposes to end this war.
This must be done honestly, with dignity, and with guarantees that the war will not be reignited.
We see that the United States is fully focused on the issue of Iran, and it would be wrong to simply wait until the war in Europe returns to the center of its attention.
Ukraine proposes ending this war through direct engagement between us — and you.
I am proposing a meeting.
Everyone heard your representatives, smiling, say that I could supposedly come to Moscow. But after these 26 years, there is nothing for a Ukrainian leader to do in your capital — just as there is nothing for a Russian leader to do in Kyiv.
There are countries that have traditionally hosted leaders to resolve issues of war and peace. Switzerland, Türkiye, the countries of the Arab world — many are able and willing to host such a meeting.
It is leaders who resolve the key issues. That has always been the case, and it always will be.
I propose to set a clear date for such a meeting.
We have heard that you were promised in Alaska the resolution of certain issues concerning Ukraine and Europe. But you can see for yourself that Ukrainian and European issues are not decided in Anchorage.
Other agreed participants could join the bilateral track to be established between us.
Since the war is taking place in Europe, and since Ukraine needs security guarantees, while you also seek security guarantees for yourself, it would be logical to involve those who can genuinely serve as guarantors.
We believe Europe should be part of this process — those who truly have the capacity to influence the situation.
We also believe that the United States must be part of the process. This is what could help shape a new security architecture for our part of the world.
We’ve already experienced many agreements with Russia, including the Minsk agreements, that ultimately failed. That is why we must first find direct answers between us to the questions that remain, and not hide from difficult issues behind formulas, technical working groups, or endless time lost in shuttle diplomacy.
Your war has permanently set Ukraine and Russia apart.
The front line today is the line from which diplomacy must begin.
Ukraine is ready for a full ceasefire for the duration of the negotiations. This is standard practice, and current developments around Iran only reinforce that point. An attempt to establish real silence is the best way to begin talking to one another. We believe it would not simply be an attempt, but a real ceasefire — if that is what you want.
You know that the United States has the capability to monitor a ceasefire along the line where hostilities stop.
Ukraine is ready for an all-for-all exchange of prisoners of war, and this could become a good prologue to ending the war.
Serious steps must be taken to return civilians and children who were taken away during the war.
We must determine what kind of future awaits the generations of Ukrainians and Russians who will come after us.
If you do not personally come to the conclusion that it is time to end this war, Ukraine will continue fighting for its existence. We will have those who support us.
But you, too, will have to fight much harder for your own existence — not Russia’s, but your own. And this is not a threat from me or from Ukraine. It is a fact of Russian history that you know well: when Russia grows tired, change comes.
We can work toward that fatigue.
You can stop your war.
Eternal memory to all those whose lives were taken by this war.
Glory to Ukraine!

 

Der Brillenträger klappte sein Notebook zu. Worte waren nur noch Worte. Putin hatte nur schmallippig geantwortet: Kein Interesse. Der Krieg dauerte weiter ewig. Und war doch weit genug, noch ewig weit weg. Er schaute auf seinen anderen Schwarzen Spiegel, Karoline hatte vor ein paar Minuten geschrieben: „Route rausgesucht. Socken rausgelegt. Schuhe eingefettet. Ist nicht weit. Dafür viele Orte, um Vögel, Bienen und Blumen zu sehen. Ums Essen hab ich mir auch schon Gedanken gemacht. Du um den Rest?“ Er las den Plan noch zwei weitere Male. „Schon gemacht. Deine neuen Schuhe? Stehst du sicher drin?“
„Noch nie sicherer. Versprechen uns alle Jahre. Wir sehen uns nachher. Schreibst du noch?“
„Ja, aber nur noch eine kurze Geschichte.“
„Worüber?“
„Über ein Paar, das auf dem Galgenberg zusammenziehen will.“
„Macht Sinn.“
„Eben drum. Pass auf: Im Jahre 2029 beginnt er damit, für die Kinder in der Nachbarschaft Privatunterricht anzubieten, die AfD hatte vor einem halben Jahr tatsächlich die Schulpflicht abgeschafft.“
„Oha. Welche Art von Elternhäusern?“
„Alle des Viertels. Alles Kleingruppenunterricht. Bunt wie im Zentrum, nur hinter Zäunen und Hecken versteckt. Deswegen kann er bald seine Stelle am städtischen Gymnasium kündigen, die Elternhäuser sind solvent und dankbar.“
„Wofür?“
„Dass hinterm Gartenzaun die Brandmauer noch steht.“
„Klingt gut. Wie lange brauchst du noch?“
„Bin eigentlich schon fertig. Suche nur noch nach einem Titel.“
„Findest du. Mit Sicherheit.“
„So sicher wie wir den richtigen Weg durch den tiefen Wald finden werden nächste Woche, an einem Hochsommertag vor einer der beiden zweitlängsten Nächte des Jahres. Wie verbringen wir die?“
„Haben doch immer einen Plan.. auf jeden Fall barfuß.“ Die letzte Antwort schrieben sie gleichzeitig: „Ganz sicher.“

 

Letzte Kurzgeschichte

Keine Andere Wahl

 

 

Ein weiteres Schreibtischsolo

 

 

„Eine Gesellschaft auf dem Gipfel ihres technischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Könnens stürzte. Sie stürzte tiefer als alles bis heute Bekannte. Weil weltanschauliche Fanatiker in eine Regierung eintraten. Wenn wir die Aufstiegsgeschichte der NSDAP wieder klarer sehen, statt sie zu verfälschen, wäre die Weimarer Republik ein einziges Frühwarnsystem gegen derartige Entwicklungen. Damals hat der große Meinungsumbruch in Sachen Nazis zum Knochen- und Wirbelsäulenbruch der Demokratie geführt.“

(Philipp Ruch: Der Rückfall. 2026)

 

 

Nur drei Minuten, nachdem sie der Zukunft ihren nächsten Versuch geschenkt hatten, saß der Brillenträger an seinem Platz hinter den Fenstern. Über den Dächern rund um den Markt strahlte ein schwer blauer Himmel, auf dem sich nur wenige Schlafschafe herumtrieben, und durch die Gassen schlenderten die Touristen als wäre immer noch Sommer; die ersten vergilbten Laubhaufen sammelten sich an den Bordsteinen. Am Vormittag hatten sie ihre zwei Kreuze gemacht und hatten dabei sogar das Wahllokal ausgerechnet mit den dümmsten, bemitleidenswertesten Vertreter*innen der lokalen Faschoszene geteilt. Der Brillenträger wünschte sich den Abend so sehr herbei, dass er bereits begonnen hatte, ständig und überall drei Kreuze hin zu machen. Er hatte die Schnauze so dermaßen voll von diesem Wahlkampf, dass er nur noch froh sein konnte, dass in weniger als drei Stunden (gerade hatte die große Marktglocke drei mal geschlagen) endlich alles vorbei war, und endlich niemand mehr eine Wahl haben musste. Aller guten Dinge sind drei, oder?

Bis dahin hatte er sich vorgenommen, endlich ein bisschen weiter an seiner ersten Rollenspiel-kampagne zu arbeiten. Am kommenden Tag der Deutschen Einheit, also in weniger als einem Monat, wollte die Party, die zwischenzeitlich um zwei Soldaten (Aasimar-Paladin und Ork-Barbar) angewachsen war, erneut ins Multiversum aufbrechen, also möglichst maximal weit weg von allem. Vor allem aber mal wieder weg aus dem Weltkulturerbe, im Harzkreis, in Sachsen-Anhalt. Selbstverständlich nur metaphorisch, und nur für einen Nachmittag, denn alles andere wäre ja Aufgeben gewesen, nicht Hierbleiben, sondern Weglaufen und die Verantwortung sich selbst überlassen. Außerdem hatte er der Wirklichkeit in letzter Zeit ein paar nette Ideen abgeguckt, die er irgendwie noch in das Abenteuer einbauen wollte. Zum Beispiel, dass sie in einem tief verschneiten Glasgow auf einen Wiedergänger von Batman treffen konnten. Oder in einem stürmisch grauen Berlin auf eine Figur, die wie Sandra Hüller aussieht, sich aber als Wolfgang Herrndorf verkleidet hat, Gesinnung: Chronisch Depressiv (hochfunktional). Oder in einer verqualmten Universitätsbibliothek an der US-Ostküste, auf Kelsey Mitchell, die ihnen verrät, warum sie nicht an den momentanen Basketballweltmeisterschaften teilnimmt (sie schreibt an ihrer Abschlussarbeit). Oder die Party müsste im Verlaufe des Abenteuers erkennen, dass die Map, die sie gezeichnet hat, ganz falsche Relationen hat und das deswegen ein ganzer Weltteil beinahe doppelt so groß sein musste. Aber keine dieser Ideen wollte so richtig in die Zeit passen. Dazu waren sie zu gut. Stattdessen überlegte er, ob er das Sonnenblumenhorrorlabyrinth noch einmal in den Schattensaum versetzen konnte, oder ob er sich das lieber für einen späteren Zeitpunkt, vielleicht den ihrer Rückkehr aus dem Multiversum, aufheben sollte. Er schloss diese Entscheidung jedoch nicht ab; eine Wahl zu haben wurde gerade zum kostbaren Gut. Nur die Farbe des kommenden Endgegners, die stand schon seit Monaten fest: Rot. Feuerrot.

Aber. Stattdessen musste er schreiben. Er konnte nicht anders. Nicht heute. Nicht an diesem Sonntag, als zu Ende ging, was ab Morgen nicht mehr wieder zu erkennen war. Er musste, weil wollte, was er konnte. Nur über die Art und Weise, wie er darüber schreiben sollte, war er lange nicht mit sich übereingekommen. Dann aber stellte er fest, dass ihm eigentlich nur noch eine Möglichkeit blieb.

 

Endzeiten, again
(Hidden Episode)

So,
ein letztes Mal,
wegen Gründen,
so richtig auskotzen.
Denn dieser Landtagswahlkampf
war ja wohl nichts anderes als
der absolut
abgefuckte
Abgesang
auf die Demokratie
in Sachsen-Anhalt,
so wie wir sie kennen.
Und ich darf dann
ab Morgen
mal wieder erklären,
wie es dazu kommen konnte;
dieses Mal aber immerhin in Echtzeit,
und von Anfang an;
Politische Schönheit,
deine Brille sitzt fest
auf der Nase
irgendeines Provinzlehrers.
Der sogar irgendwann mal
im Paulusviertel,
in Halle
(dazu später noch ein kleines bisschen mehr)
gelernt hat,
wie das mit dem Erklären
und das mit dem Deutsch
eigentlich wirklich funktioniert.
Dieses Paulusviertel
ist übrigens der einzige Wahlkreis
des gesamten Bundeslandes
für den ein grüner Direktsieg
prognostiziert wird.
Weitab davon aber,
also auf sämtlichen Spätsommer-Schützenfesten
in der Fläche des Landes,
ist die Sprache eine andere.
Stammtische und scharfe Waffen,
schon immer eine spitzen Idee.
Von da stammt übrigens auch
die schmissigste Parole,
die sich ein Nazischwurbler überhaupt ausdenken kann:
„Erststimme AfD,
Zweitstimme BSW,
damit
der Umbruch
auch sitzt.“
Schlimm,
ich weiß.
Und so unfassbar deutsch.

Apropos:
Bundeskanzler Friedrich Merz
besucht am Montag
das Auge des Sturms:
Quedlinburg!
hat noch Platz im Buch der Stadt.
Bei einem Auftritt unter Gewitterwolken
wird Merz am Montagabend dann
so deutlich wie er werden kann:
Das Land dürfe nicht
zum „Experimentierfeld von Wutbürgern“
werden.
Super, Fritz,
genau das wollten die
von Dir hören.
Was soll das sein?
Ein Antiwahlkampfauftritt?
Ist er sauer,
dass Siegmund
vor ihm hier gegrinst hat?
Danke, für nichts.

Gar keine,
beziehungsweise nur sehr wenige
deutsche Tassen
hat übrigens auch
der künftige Kultusdiktator Tüllschneider
noch im Schrank.
Für die hübscheste davon,
die mit dem roten Stern,
scheint er sich aber doch irgendwie zu schämen.

Nicht mal mehr zum Fremdschämen
reicht dann die Schamlosigkeit
der Dauergrinsebacke (mit den süßen Grübchen)
beim letzten TV-Duell
mit Bulldogge Schulze.
Wie man wiederum souverän
mit Druck umgeht,
zeigt gerade niemand beeindruckender
als eine Krankenschwester aus Quedlinburg.
Momentan gehört Suse bundesweit
zu den zehn bekanntesten Gesichtern
ihrer Partei
und ist auf dem besten Wege,
tatsächlich die Demokratie
doch noch retten zu können.
Ihre Präsenz nimmt dabei
(für provinzielle Verhältnisse)
fast surreale Züge an
(aber eigentlich ist sie ja auch aus Berlin):
Cem Özedemir verkündet in der Welt,
sie verstehe,
wie man aus „Nazis“
„gute Bürger“ macht.
Und dann schießt sie den Vogel
im besten Sinne
selber ab:
Im Zeit-Interview
mit niemand anderer
als der wahren Vordenkerin
der „Generation Wendekinder“
(geboren zwischen 1973 und 1984),
Jana Hensel,
stellt sie sich selbst
zu recht
als die größte (Brand-)Gefahr
für Ulrich Siegmund
und die AfD dar.
Und das gilt ab sofort
nicht mehr nur für Sachsen-Anhalt.

In Mecklenburg-Vorpommern
wendet sich das Blatt
aber wohl doch wirklich noch mal rechtzeitig.
Manuela Schwesig heißt dort die Frau,
die den Faschos in den Weg tritt.
So wie es „Marcant“ tut,
entweder live auf den Straßen der Provinz,
oder digital,
manchmal sogar in Klassenräumen
während des Unterrichts,
wegen Gründen.

Dass da übrigens
immer noch nicht so richtig kapiert werden will,
was geistige Verbrecher
wie Hanns-Thomas Tillschneider
gerne kapiert gehabt hätten,
zeigen die Jugendwahlen
in dieser Woche,
von denen es gleich zwei gab:
Bei der „U18-Wahl“
liegt Die Linke
deutlich vor
der AfD.
Wer die Jugend hat …
Die Ergebnisse der Juniorwahl
sind noch nicht veröffentlicht,
aber das Bild dürfte ähnlich,
wenn auch etwas „provinzieller“ ausfallen.

Die allerletzten Zuckungen
dieses Jahrtausendwahlkampfs
fühlen sich dann so an:
Der Spitzenkandidat der AfD
verliert bereits sichtbar an Zustimmung.
Und die viral gehende Geschichte
seines Parteifreundes, Phillipp-Anders Rau,
AfD-Direktkandidat im Jerichower Land,
hilft da auch nicht weiter.
Der ist nämlich vorbestraft
wegen Urkundenfälschung.
Außerdem
klaute er in Hotels
mehr als 100 Handtücher und Bettlaken.
Seine Entschuldigung:
Sorry,
er sei damals
kokainabhängig gewesen.
Darüber hinaus und sicher auch dadurch bedingt,
zeigte er auch besonderen Einsatz
in Pornofilmen.
Seine zentralen Themen im Wahlkampf
sind deswegen auch absolut folgerichtig:
„Sicherheit“ und „Ordnung“.

Und auch in den letzten Winkelgassen des Internets
treiben die halbbewusst rechten Trolle ihr Unwesen:
Der außerhalb seines Luftschlosses
schon lange wieder in Vergessenheit geratene Sagenerzähler
fabuliert am Vorwahlabend
ein neues Märchen zusammen:
Von einem Schelm,
der sich nichts böses dabei denkt.

Uli jedenfalls hat weiterhin gut Grinsen.
Er bedankt sich lautstark
bei Friedrich Merz,
beim Öffentlich Rechtlichen Rundfunk
und, übersymbolisch selbstentlarvend,
beim Spiegel.
Sein wirklich allerletzter Wahlkampfstunt
geht dann im landesweiten Jubel
über mindestens 15.000 AfD-Hasser*innen
auf dem Magdeburger Domplatz unter.

 

Drei Farben
(Hidden Story)

Vor einer improvisierten Bühne auf einem Kleinlastwagen, die in Hörweite zum Domplatz aufgebaut wurde, stand der Brillenträger als einziger und diskutierte mit dem Redner. Ob er das gerade richtig verstanden hätte, auf dem Domplatz seien Deutschlandfahnen „verboten“? Ja natürlich seien die das, dort stünden ja auch nur schwule Antideutsche. Woher der Redner das denn so überzeugt wisse? Na, man solle doch nur ins Internet schauen. Der Brillenträger zückte sein Handy. Ja, vielleicht nicht wirklich verboten, sondern „nicht erwünscht“. Das wäre ja aber doch ein ziemlicher Unterschied? Nein, wieso denn? Wo solle da ein Unterschied bestehen? Na ja, zum Beispiel bei der Strafbarkeit. Wer würde denn da drüben verhaftet, wenn er eine Deutschlandfahne hissen wollte? Das da drüben? Das sei ja wohl nicht mehr Deutschland! Mindestens ein paar Farben zu viel, und vor allem kein Schwarz! Das wäre ja wohl „Buntland“! Der Brillenträger hielt einen Daumen nach oben: „Gut erkannt!“
Auf dem Domplatz hatten alle Angst. Und deswegen sagten sie sich auch ununterbrochen gegenseitig, dass sie keine hätten. Wut, diese kratzige Kuscheldecke der Angst, konnte immer noch so schöne Gesichter haben. Die wenigen hässlichen, die keine anderen als höhnische Worte dafür finden konnten, übersahen sich leicht. Die Stimmung war gut, sie waren mehr, so viel mehr; Die Alternativdemos rings um den Platz waren spärlich besucht, in ihrer Mickrigkeit und aufgesetzter Ernsthaftigkeit schon fast lachhaft. Die Musik auf dem Platz hielt die Massen bis weit nach Sonnenuntergang.
Der Brillenträger war da aber schon wieder zu Hause, eine Landeshauptstadt, besonders Magdeburg, macht immer schnell wieder Lust auf die eigentliche Heimat. Und statt nach Halle zu fahren, wo sich der 2.000 Menschen große Schwarze Block nach seiner antifaschistischen, und nur antifaschistischen Demo wieder aufgelöst hatte, fuhr er mit dem Bus nach Halberstadt, von wo er mit nach Hause genommen werden würde. Im Bus las er ein kompliziert klingen wollendes Dossier über die komplexe Bevölkerungspsychologie des deutschen Ostens. Zu Wort kamen darin ausschließlich hochprivilegierte Alt-Intellektuelle, die sich ihre Köpfe über den weniger schlauen Rest zerbrachen, wobei sie sich nicht einmal dumm vorzukommen schienen.
Kurz bevor er mit den anderen endlich am Tisch sitzen und essen konnte, versuchte er ein letztes Mal zu begreifen, womit der AfD-Spitzenkandidat seinen Wahlkampf abgeschlossen hatte: Das Video zeigt einen grinsenden Ulrich, der sich darüber empört, dass hinter ihm gerade eine riesige Deutschlandflagge vom Pflaster des Magdeburger Domplatzes geschrubbt wird. Viel dümmer ließ sich den Kartoffeln kaum noch Angst machen vor der eigenen Auslöschung. Politik war mal wieder auf drei Farben reduziert. Für 40% reichte das. In Sachsen-Anhalt. Im September.

 

Und damit schnell,
aber wirklich schnell,
zur Hintergrundmusik;
in weniger als einer Stunde
schließen die Wahlokale.
Der Endzeit-Sound
liest sich heute unter anderem so:

– Die Finanznöte der Pflegeversicherung
spitzen sich angesichts stark steigender Ausgaben weiter zu.
In der ersten Hälfte dieses Jahres
lief ein Defizit von 770 Millionen Euro auf,
wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen mitteilte,
der auch die Pflegekassen vertritt.
Verbandschef Oliver Blatt sagte,
die Pflege sei akut in Not:
„Es herrscht Alarmstufe Rot.“
Die Politik müsse nun schnell handeln,
denn in wenigen Monaten sei „das Geld alle“, so Blatt.
Danach ist voraussichtlich
schon im Oktober
der Punkt erreicht,
ab dem die Einnahmen nicht mehr reichen dürften,
um die Pflegeleistungen voll zu finanzieren.
Bis zum Jahresende brauche es dann nochmals 500 Millionen Euro.

– Inflation steigt weiter (2,9)

– VW macht erst eine nebulöse Ankündigung,
und verkündet dann: 50.000 Jobs weg,
vier Werke frei zum Verkauf
(an die Rüstungsindustrie).

– endlich wieder Linksextremismus!
Umspannwerk in Bergheim,
NRW fast explodiert,
Stromleitungen in Jänschwalde attackiert,
oder doch Russland?
(die eine Drohne da, in Leipzig,
die auf jeden Fall!),
Attacke auf Rüstungsunternehmenbaustelle in München,
Sabotageversuch in Dormagen!
Überhaupt: 160 Versuche seit Jahresbeginn!
Ja, warum wird aber auch gerade jetzt
über jeden einzelnen groß und breit berichtet?
Dobrindt stellt klar: „Klimaextremismus“

– Das niederländische
Institute of Mental Health and Addiction (Trimbos Institute),
gibt eine Warnung vor hochgefährlichen Extasy-Varianten heraus:
Die neuen Pillen sind geformt
wie der Kopf des Frisurensohns.

– Trumps Öl Deal mit Venezuela
klappt auch nicht (1/5 an die USA??)

– J.D. Vance verrichtet derweil
„Gods Work,
and if that leads to the End Times, okay.“
Ihr habt richtig gelesen.

– die Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan
schließen sich zur „Mekka-Verteidigungsallianz“ zusammen,
in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad soll ein Sekretariat entstehen,
der erste Generalsekretär soll ein pakistanischer Vertreter werden.
Was genau die drei Staaten in ihrem Abkommen,
das die Staats- und Regierungschefs
bereits Anfang August in Mekka unterzeichneten,
vereinbart haben,
ist aber nach wie vor nicht bekannt.

– Laut der sehr unternehmerfreundlichen
Organisation Council of the Americas
liegt die Zustimmung
zum argentinischen Kasper-Präsidenten Javier Milei
bei gerade noch 24 Prozent.
62 Prozent sind mit seiner Politik unzufrieden,
drei Prozent haben keine Meinung dazu.
Nun versucht der „Libertäre“,
der ohne Milliardenhilfe von Donald Trump
Argentinien längst in die Staatspleite getrieben hätte,
mit einer neuen Falkland-Eskalation
von seinen katastrophalen Umfragewerten abzulenken.

– China zieht davon.
Billige Sonnenenergie,
Export der weltweiten Elektroinfrastruktur,
billige extrem leistungsstarke KI.
Das hätten wir sein können.
Stattdessen diskutieren wir
immer weiter das Verbrenner-Aus
und das Kernenergie-Aus.

Und das diskutieren wir
ausgerechnet mit
der AfD.
Willkommen zurück in Sachsen-Anhalt.
Es ist das Jahr 2026.
Es ist der 6. September.
Es ist 18 Uhr.

 

Der Brillenträger war dann doch nicht drumherum gekommen, der Aschenbecher war bereits übervoll, aber um die kommenden Stunden zu überstehen, hatte er nochmal zum Automaten um die Weltkulturerbeecke gehen müssen. Die Touristen saßen in den Lokalen, wandelten über das Kopfsteinplaster, fanden alles so schön wie sie es immer fanden. Als ob der direkt bevorstehende Rückfall sie einfach nichts angehen würde. Begeisterung konnte ebenfalls nur eine Decke sein, der Angst war es egal, womit sie zugedeckt wurde. Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich auch nicht, sie flieht für immer vor ihrem Schatten, und manchmal holt er sie ein.
Punkt 18 Uhr, am 6. September schaltete der Brillenträger den Ton zum Livestream aus Magdeburg dazu. Die letzten Stunden des mdr hatten begonnen.

 

Screen Violence 2.0

So.
Was haben denn nun alle die gesagt,
die bei allen Umfragen
nicht alle gefragt wurden?
Der mdr bringt sofort
die erste Prognose:
Horror.
44+ für die AfD.
CDU deutlich unter 20.
9 für die Grünen.
Das BSW vielleicht drin.
Spannender wird’s nicht.
77% Wahlbeteiligung!
Immerhin.

Uli darf als erster:
Geschichte geschrieben.
Endlich wieder das eigene Land.
Frontalangriff auf Berlin,
und auf Merz.
Er wirkt nicht mal wie auf Kokain.
Schließt erstmal alles aus,
reicht der CDU aber die Hand,
wenn sie wieder so wie früher werden.
Als die CDU-Generalsekretärin danach gefragt wird,
rudert Uli sofort kopfschüttelnd zurück.
Die CDU stellt klar:
Fällt sowieso aus.
Uli kommentiert:
Deutschland!
Berlin!
Ob Merz jetzt wieder zur Diskussion stehe?
Welche Diskussion?
Es fällt uns höchstens schwer,
die Leute emotional zu erreichen,
das wiederholt Frau Oppermann
ausdrücklich.

Die Linke schüttelt,
an Resignation gewöhnt,
den Kopf.
Ein schwarzer Tag.
Die Umfragen weit verfehlt.
Aber wir stehen weiter zusammen.
Auch mit der CDU,
wegen Demokratie.
Den Seitenhieb
gegen Siegmunds Grinsen
lässt sie sich nicht nehmen.
Auch die Erinnerung an gestern
(Magdeburger Domplatz)
hält sie nochmal hoch.

Die SPD ist erstmal „stabil dabei“,
es wird sich sogar noch getraut
zu klatschen,
für irgendwas zwischen 5 und 10 Prozent.
Die Linke steht noch daneben,
profiliert sich notwendigerweise.
Und alle warten auf Suse.

Trotzdem darf das BSW
erstmal noch Angst haben,
5% ist noch 50:50.

Und dann doch
schon Schulze:
Demokratie!
Gratuliere zum Wahlsieg.
Uns bleibt nichts anderes übrig,
als damit umzugehen.
Wahlkampf war historisch,
historisch scheiße,
weil „Niederlage.“
Aber nix schwarzer Tag,
Demokratie!
Langer Applaus.
Der mdr bleibt lange drauf,
Schulze war sichtlich getroffen.

Jetzt Suse.
Wird von Barnacak gedrückt,
sieht ehrlich überrascht aus.
Spricht aber nicht
als erste beim mdr.
Das macht der Felix.
Bestes Ergebnis ever in Sachsen-Anhalt!
Hörst du das, Suse?
Immerhin wird Suse gelobt,
vom Felix.
Und dankbar isser auch,
für so Leute wie mich,
die ihre Stimme hergegeben haben.

Die Erste Hochrechnung
kommt um halb Sieben:
CDU: 18,5
AfD: 44,5
Linke: 9,4
SPD: 8,2
FDP: wer?
Grüne: 8,9
BSW: 5,0
Und damit hat das Endgame begonnen:
Der Stammtisch könnte regieren (44 Sitze für AfD und BSW).
Oder eine von links tolerierte Minderheit.

Wahrlich, mdr,
das sind spannende Zahlen.
Aus Berlin wird Philipp Amthor zugeschaltet,
der auch persönlich der AfD
entgegentreten möchte.
Über den Kanzler
wird hier aber nicht diskutiert.
Dann dichtet er der AfD
einen Kriegsfuß mit der Demokratie an.
Eine Staatskrise sieht er auch nicht.

Dafür Suse,
vor der Kamera.
Freude oder Schreck?
Schwierig für uns.
Jetzt Hoffnung.
In uns.
Danke Zivilgesellschaft.
Bitte, gern.
Die Grünen bleiben
der Antagonist der Rechtsextremen
im Landtag.
Word.
Als letztes,
das wichtigste:
Das Klima.
Geil,
wenn das noch
so unironisch klingen kann.
AfD-Erfolg auch wegen Personenkult.

Auftritt Alice Weidel,
die rückt sich den Kragen nochmal zurecht.
Historisch,
sensationell,
Regierungsauftrag.
Uli hat auch klar gesagt,
er hat die Hand draußen
(sah kurz gar nicht so aus).
Szenario:
Die AfD pickt sich einfach
Abgeordnete der CDU raus.
Der Spaltpilz wuchert.
Soll die CDU mal ruhig so weiter machen.
Die Menschen verlieren das Vertrauen.
Die CDU wird niemals wieder
eine Wahl gewinnen!
Der mdr lässt sie ausreden.
Wegen Brandmauer.
Und BSW?
Ist spannend,
interessant.

Und da kommt es auch schon,
in Form der Spitzenkandidatin Wittig:
Inhaltlich werde immer „richtig“ entschieden.
Sowas gefällt der Alice.
Und was ist mit dem Verfassungsschutz?
Rechtsextreme Partei und so?
Wittig findet den Verfassungsschutz
eh nur so mittel.
Weidel wird richtig geil:
Was ist eigentlich der Verfassungsschutz?
Schädigung des politischen Gegners!
Und was ist eigentlich mit der SED?
Sie klingt nach dem einen
halben Glas Weißwein zu viel.
Würde das BSW
den Siegmund wählen?
Ausweichen kann also auch souverän gehen.
Alice schiebt noch mal:
Wir machens mit allen,
die es so machen
wie wir wollen.
Wittig will den Siegmund
jetzt aber doch nicht wählen.
Irgendwas überparteiliches wär doch schön.

Zurück nach Berlin,
der Kanzleramtschef (CDU)
schaut bedrückt.
Seine erste Einordnung:
Wir müssen damit umgehen,
dass die Faschos am Drücker sind.
Aber was ist denn nun so schiefgelaufen?
Die Antwort kennen wir:
Wir haben die Menschen nicht erreicht.
Auch Frei wird auf Merz angesprochen.
Natürlich:
Nein, keine Diskussion bitte.
Wir bleiben stabil.
Ansonsten gucken wir
jetzt erstmal,
woran es denn nu jelejen hat.

Nach einer Stunde schon
ist der Horror dann erstmal vorbei,
das mdr zeigt
Bilder
von der Straße:
„Endlich
bekommt
die Bande da oben
ihren Denkzettel.“
Der Osten hat gewählt.
Die zweite Hochrechnung
bestätigt nur
den nächsten Horror.

 

Zwei Stunden nach Wahlende waren die Ergebnisse aus Halle und Magdeburg noch nicht Teil der Hochrechnungen, die ersten repräsentativeren, weil echten Zwischenergebnisse kamen aus der Fläche, unter anderem aus Aschersleben: 55% für die AfD. Oder eben aus Quedlinburg, genauer gesagt aber zunächst nur aus Weddersleben: 60% für die AfD. Da ging also noch was, würden erst die Ergebnisse aus seinem Kiez dazugezählt. Sagte sich jedenfalls der Brillenträger, den letzten Strohhalm aber eigentlich schon weggeschmissen.
In der Reiche betrauerten gerade die feierwütigen Reste des Demokratischen Widerstands die Wiederauferstehung der Hoffnung, das dafür aber bis spät in die Nacht. Und das obwohl ja morgen erst der wirkliche Kampf beginnen sollte. Am Arbeitsplatz. In den Schulen. In den Werkstätten. In den Vereinen. Auf den Baustellen. In den Ämtern. In den Familien. In den Köpfen. Der Kampf zwischen Zukunft und Vergangenheit. Der Kampf zwischen Versöhnung und Rachsucht. Der Kampf zwischen Hybris und Demut. Zwischen uns selbst. Hals- und Wirbelsäulenbruch! Wie lange sollte es dauern, bis zur ersten Straßenschlacht des aufziehenden Bürgerkriegs, die zweiten Zwanziger in Folge? Blieb ihnen denn noch eine andere Wahl? Der Brillenträger beendete seinen Kampf mit dem Pathos mit einem Blick auf die letzte Hochrechnung; momentan noch nicht. Der Rückfall war da.