Bild: Latschenkiefer.
„Ach, du glaubst gar nicht, wie schön es dann doch war.“
„Wirklich? Ne Konfifeier? Schön?“
„Na was denn sonst? Warst du schon mal auf einer?“
Der Brillenträger senkte kurz den Blick. „Nein. Stimmt. Aber … „
„Nichts aber! Ich fasse kurz für dich zusammen, dann darfst du noch mal urteilen, vielleicht ein bisschen weniger von Außen Vor dann, ja?“ Der Buchträger rückte auf seinem Stuhl nach vorne und begann im Takt der Songs leicht mitzuwippen: „Bevor die Sause richtig losging, gab’s erstmal Überraschungslivemusik von der Patentante: Komm auf die Beine, komm her zu mir, es wird bald hell und wir ham nich ewig Zeit. Und dann einmal quer durch vier Jahrzehnte. Zu Mitternacht herzliches Gejohle bei In-ter-ga-lac-tic! Inter-ga-lac-tic! In-ter-galatic! Inter-ga-lac-tic.“
„Ich darf den letzten Song erraten?“
„Nicht schwer, oder?“
„One love!
One blood!
One life,
you got to do
what you should.
One life,
with each other,
sisters, brothers.
One life
but we’re not the same.
We get to carry each other,
carry each other.
One.
One.“
(U2: 1991)
Am ersten Sonntag der letzten Fußball-Weltmeisterschaft des Jahrzehnts saßen die beiden Freunde kurz nach dem Mittag zu einem späten Frühstück auf dem Markt, der Wind war kalt genug, um einen Pulli zu rechtfertigen und auch die Sonne spielte noch Haschen mit den Regenschauern des Hochjunis. Vor ihnen lagen halbangebissene belegte Brötchen, die Kaffeetassen wollten bereits nachgefüllt werden, der Aschenbecher war noch leer.
„Was is mit Public Viewing? Kommt die fette Leinwand noch?“
„Glaub ich nich. Gucken eh alle zu Hause. Couch is viel gemütlicher. Außerdem: Leutegucken beim Fußballgucken. Merkste selber, ne?“
„Na hör mal, mit der Haltung wird das aber nix mit Olympia 2036!“
„36?!“
„Na und?“
„Während der zweiten Amtszeit von Höcke?“
„Du meinst, immer noch die erste?“
„Okay. Reicht. Keine Böcke auf Zynismus heute.“ Der Buchträger machte sich die erste Zigarette an, das Renterpaar am Nebentisch rückte auffällig einige Zentimeter weiter weg.
„Vielleicht ja auch nur Kanzler von Ostdeutschland? Wie lange dauert so eine Sezession eigentlich?“
„Ich habe gesagt, es reicht.“
„Nein“, der Brillenträger nahm ihm das Feuerzeug aus der Hand, „es reicht eben nicht. Kann doch alles nicht sein, ey! ,Echte Deutsche gibt es nur im Osten?‘, wieviel Lack verträgt so ein Fascho eigentlich?“ Das Rentnerpaar am Nebentisch war plötzlich ganz Ohr. „Hab ich schon erzählt, was bei Till und seinen Buddies los war, nachdem der Harzkreis-Rundumschlag abgeschlossen war?“
„War denn nach Thale und Wernigerode noch irgendwo was los?“
„Sicher doch! In Halberstadt saß sogar der Heuer feixend neben dem neuen Landesdaddy.“
„Ist der nicht sogar Fraktionschef der CDU in Machdeburch?“
„Eben.“
„Na Scheiße. Und jetzt och noch WM.“
„Korrekt.“
Karoline und Marie lagen zum gleichen Zeitpunkt gemeinsam auf der großen Couch in Thale und hörten mit den Mädchen den Traumzauberbaum. Zum dritten Mal. Rosa und Violetta hatten bereits begonnen, bei einigen der Geschichtenlieder mitzusummen. Eine kleine Stadt geht müde schlafen, macht die vielen Fensteraugen zu, Legt sich lang, besinnt, was so gewesen, in den Straßen wird es langsam Ruh. Kurz bevor die Nadel ganz zur Mitte des Tellers rutschte, waren die Mädchen tief und fest eingeschlafen. „Mittagsschlaf? Das hatten wir ja schon eine ganze Weile nicht mehr“, flüsterte Marie und strich beiden die Haare aus den Gesichtern. Karoline sah ihr liebevoll auf ihren Bauch: „Gewöhn dich noch nicht wieder dran.“
„Ich weiß“, antwortete Marie und strich ihr Umstandskleid glatt, „es ist noch etwas zu groß, aber wir freuen uns so dermaßen. … Aber jetzt erzähl doch endlich mal! Seit Wochen machst du ein riesen Geheimnis draus, obwohl ich schon länger sehe, was bei euch los ist.“
„Marie, was soll ich denn erzählen? Es … es … fühlt sich irgendwie so unheimlich … „
„ … sicher an?“
„Ja, das macht es ja so unheimlich.“ Marie lachte leise auf: „Auch eine Art von Horror. Aber die gute.“ Ihre Hände fanden sich zwischen den Köpfen der Mädchen. „Wollt ihr ein Kind?“
Karoline schwieg einen Augenblick. Later in Life; das war wohl der Preis, den sie für ihr Glück zahlen sollten. Sie schüttelte langsam ihren Kopf. „Zu spät. Schon zu spät. Schon länger zu spät.“
„Was meinst du?“
Sie sahen sich für einen langen Moment an, dann nickte Marie vorsichtig. „Wenn du mehr erzählen willst, hör ich zu. Egal wann.“
„Danke.“
„Aber erzähl wenigstens eine schöne Sache, bitte.“
„Gut“, Karoline dachte keine Sekunde nach, „es war ganz am Ende des Mais, am Sonntag Abend. Kurz vor Zehn gab es doch noch das erste richtige Sommergewitter, drei Wochen zu früh. Da haben wir es uns zum ersten Mal gesagt. Wir waren beide so aufgeregt, haben fast darum gestritten, wer es zuerst sagen darf.“
„Und?“
„Er war schneller. Aber ich werde seinen Blick nach meiner Antwort wohl nie vergessen. Ganz abgesehen von dem folgenden Kuss. Kribbeln vom Bauch bis zum Scheitel, so richtig mit zitternden Lippen.“
„Frau Salthusser, du ahnst wie ich mich freue. Die richtigen Entscheidungen werden nie zu spät getroffen, sondern immer nur im richtigen Moment. … Ich weiß wie altklug das klingt.“
„Nein. Klingt nur klug.“ Karoline rückte näher an ihre Freundin heran. „Habt ihr schon Paten für euer drittes Kind?“
„Ihr macht das super. Schafft ihr ganz locker noch eins.“
„Mit Sicherheit.“
Seit diesem für immer in schönster Erinnerung bleibenden Mai hatten sich die Gewitter gehäuft, im Zwei Tage-Rhythmus wechselten sie sich mit Schauern und Sonnenschein ab, Karoline und der Brillenträger übten mit Leichtigkeit einen gemeinsamen Alltag ein, als ob sie schon seit Jahren zusammen leben würden, nur teilten sie jetzt auch immer öfter ihren Schlaf, woran sich beide schneller gewöhnt hatten als sie es nach Jahren einsamer Morgen erwartet hätten.
Und noch brauchten sie dafür mehr als eine Decke, der Sommer sollte erst am kommenden Wochenende auch nachts zu spüren sein. Denn das wärmste Jahr der Menschheitsgeschichte hatte nun auch offiziell begonnen. Die US-Behörde NOAA war sich absolut sicher: El Nino war da. Und zwar rrrrichtig: Sogar das Eis am Südpol schmolz schneller als jemals zuvor. Doch auch dafür hatten die beiden die Lösung bereits gefunden: Der eine Ort, in dem der Hochsommer nur schön ist, lag direkt vor den Toren der Städte, sie brauchten nur loszugehen um anzukommen.
Der Brillenträger und der Buchträger hatten ihre dritte Zigarette geraucht, und der zweite Kaffee war auch nur noch einen Schluck vom Ausgetrunkensein entfernt. Das Rentnerpaar am Nebentisch hatte sich hinter seine Schwarzen Spiegel zurückgezogen. „Ob die auch schon Affären mit ihren KIs haben?“ Der Brillenträger legte seinen Schwarzen Spiegel wieder umgedreht auf seinen Tisch. „Wie meinen?“
„Na die beiden da. Ob die auch schon Chat-Bots benutzen? … Du weißt schon: Chatti, sollte ich meine Frau doch noch verlassen? Chatti, sollten wir vielleicht doch wieder in einem Bett schlafen? Chatti, wie lange wird unsere Ehe noch halten? Chatti, wer von uns beiden stirbt wahrscheinlich zuerst und woran? Chatti, checke die letzten Fragen auf psychatrische Auffälligkeiten.“
„Chatti?“
„So nennen viele ihre besten Freund*innen inzwischen.“
„In welcher Black Mirror-Folge?“
„In echt.“
„Okay.“ Der Brillenträger entsperrte kopfschüttelnd seinen Schwarzen Spiegel: Ein einzelnes blutrotes Herz. Gesendet vor fünf Minuten. Ganz in der Nähe.
„So“, er steckte das Handy in seine rechte hintere Hosentasche, „auf dem Weg zum Bahnhof gehen wir euren Plan nochmal durch. Bin mir sicher, dass doch noch irgendwas unsicher ist.“
„Was meinst du? Wölfe heulen am Lichtungsrand, wenn wir uns vor euch allen küssen?“
„Harzrandwölfe haben besseres zu tun, als euch beide beim Küssen zu beobachten.“
„Ach ja, nämlich was?“
„Liest du wirklich gar keine Zeitung mehr? Kajolan? … Nein, schlägt nichts an? Stammt aus Thale. Ist im Zoo von Tokio Vater von drei Grauwolf-Welpen geworden. Hat nach schwierigen Zeiten in seiner alten Heimat doch noch ein echtes Happy End erlebt.“
„In Tokio? Wild.“
„Eben. Also, eure Wilde Hochzeit. Habt ihr schon eine Waldwiese ausgesucht?“
„Noch nicht.“
„Wisst ihr, wen ihr dabei haben wollt?“
„Noch nicht ganz.“
„Habt ihr schon Tätowiertermine?“
„Noch nicht.“
„Habt ihr schon ein Datum?“
„Noch nicht.“
„Habt ihr über Kleidung gesprochen?“
„Noch nicht ganz ernsthaft.“
„Hast du schon angefangen, deinen Schwur zu schreiben?“
„Auch noch nicht.“
„Habt ihr euch wenigstens schon gefragt?“
„Brauchen wir nicht.“
„Und ihr seid euch wirklich sicher?“
„Ja.“
„Warum?“
„Wegen solcher Sätze hier:“, er brauchte den Chat nicht extra aufzumachen, das Handy blieb in der Tasche, er flüsterte gerade so laut, dass sein Freund ihn verstehen konnte, „Ich bin überall nicht mit meinen Gedanken.. aber bei dir.“
Der Buchträger ließ die Worte kurz im Wind stehen. „Aber was es zu essen gibt, das wisst ihr schon, oder?“
„Haben wir noch nicht besprochen, aber auf Bigosch darfst du dich mit Sicherheit schon mal freuen.“
„Yes. Dreibein. Lagerfeuer. Singen zum Sonnenuntergang. Klingt nach einem Plan. Tanzt ihr?“
„Wissen wir … auch noch nicht.“
Eine Stunde später saß der Brillenträger nach zwei Wochen das erste Mal wieder zum Schreiben am Tisch. Ausgerechnet in diesem Sommer hatte er also seine Sicherheit gefunden. Ausgerechnet heute würde die deutsche Fußballnationalmannschaft ihr erstes Spiel der Weltmeisterschaft spielen. Ausgerechnet gegen Curacao. Ausgerechnet in Texas. Ausgerechnet am 14. Juni, dem 80. Geburtstag des momentanen Präsidenten der USA. Ausgerechnet am Tag der Siegesparade der New York Knicks. Er ging seine Notizen durch: Jap, das einzige Spiel, das die Mannschaft um Superstar und Triple-Saison-MVP Jalen Brunson in der Finalserie verloren hatte, war das Spiel, bei dem der Präsident vom gesamten Madison Square Garden ausgebuht wurde, bevor er in der zweiten Halbzeit eingeschlafen war und dann noch weit vor Abpfiff ging. Immerhin wartete aber heute vor dem Goldenen Haus sein Geburtstagsmatch in einem riesigen Käfig auf ihn. Der Brillenträger klickte sich einige Tage zurück: „A federal lawsuit filed just days before Trump’s planned UFC event at the White House is asking a court to stop the event immediately, calling the scheme “deeply corrupt” and accusing Trump of using public property to enrich allies and political supporters. The lawsuit argues: The event, billed as ‘UFC Freedom 250,’ is being organized by the UFC, whose chief executive, Dana White, is a close friend and ally of the President. The President is giving White and his company what none have enjoyed before: unfettered access to the White House and Lincoln Memorial to stage a private, for-profit sports event.” The suit points to reports that UFC VIP packages are being sold for between $1 million and $1.5 million per person and notes that sponsors are “clambering over each other to see their brands plastered adjacent to the Executive Residence and Reflecting Pool.” The lawsuit also highlights the role of Paramount Skydance, stating: “No American will be able to take in this ‘celebration of America’ without first paying $8.99 plus tax for a Paramount Plus streaming subscription.” So viel zum Thema Technofaschismus; das Alte Rom rieb sich staunend die übermüdeten Augen. Er klickte weiter, scheinbar ziellos, so ziellos wie ihm der Zeitgeist da draußen vor der Tür auch nur bloß erschien. Immer noch war nichts vorbei. Immer noch war nichts besser. Immer noch war Krieg.
Open Letter
To the President of the Russian Federation
From the President of Ukraine
When you came to power in Russia more than 26 years ago, many people in Ukraine viewed you positively. That is how it was. But that is now in the past.
Now, the overwhelming majority of Ukrainians view it positively that our long-range drones paid a visit to the opening of your forum in St. Petersburg, covering a distance of more than 1,000 kilometers. As you know very well, that distance is not the limit of our capabilities.
For 26 years, your time in power has completely changed the agenda of relations between Ukraine and Russia. From discussions about trade and other civilian matters, our nations have moved to talking almost exclusively about strikes and losses.
You have spent nearly half of your 26 years in power in Russia waging war against Ukraine.
Whatever you may say about NATO, geopolitics, or the Russian language, this war is your personal choice — a war without a real cause. That is how history will remember it.
Those years could have been very different.
We often hear that you are comfortable with this war. Of course, not in those cases when it comes to the security of your residence in Valdai or your parade in Moscow. Your own life is valuable to you.
But now we can all see that Russians are finally becoming less comfortable with this reality — with the fact that the war is bringing more and more negative consequences to Russia.
They do not like our drones and missiles.
They do not like gasoline shortages and constantly rising prices.
They do not like constant restrictions.
They do not like your intention to launch a second wave of mobilization in order to expand the war into another direction in Ukraine or to use it against other countries neighboring Russia.
They do not like the fact that there is no end in sight to your war.
Yes, you can still force Russians to exist this way. But your resources are shrinking significantly.
You will not have enough money or political capital to keep buying the loyalty of Russians the way you have for the past 26 years.
And we will do everything we can to ensure that the world helps bring that moment closer.
As you yourself like to say, “we need to run the numbers.”
Yesterday, I received a report on the losses of your army on the front in Ukraine during May. Once again, the number exceeded 30,000 Russian soldiers killed and seriously wounded. We have been maintaining that level month after month, and we have video confirmation of every one of your losses — these are not empty claims.
We know that 63 percent of your battlefield losses are killed, while only 37 percent are wounded. In the 21st century, no army can afford such a ratio. And the share of those killed will continue to grow.
It is not as if we in Ukraine are concerned about the fate of Russian soldiers after everything your war has brought to our country.
But I do care about Ukrainians.
We are losing our people, and every loss is painful to us. Even when the ratio of Ukrainian losses to Russian losses is one to five or one to six, it still matters greatly.
It also matters that you regularly postpone, every few months, your own deadlines for capturing our regions — especially the Donetsk region. And you will not capture it this year either.
But we in Ukraine do not want a permanent war. We know very well that life without war is infinitely better. And we want to achieve that.
I am convinced that the majority of Russians would respond positively to this as well — and you know it.
Many did not believe that Ukraine would be able to hold out for so long. You did not believe it. And those who advised you did not believe it either. That was a mistake.
You did not expect full-scale resistance from Ukraine, and you did not foresee that things would go this far. Yet here we all are — in the fifth year of this full-scale war.
Do not be afraid to take the path out of this war. That is the main thing that is required of you now.
Ukraine has preserved its independence. And it will preserve it. Despite all predictions to the contrary.
We have united many around the world to stand with Ukraine and against you. We found the weapons and the financing we needed.
We receive support. You receive sanctions. And this will continue until there is justice for Ukraine — the justice we seek and the justice that can be achieved.
We will not allow those who are trying to convince you that sanctions against Russia will be significantly eased, and that support for Ukraine will be significantly reduced, without any meaningful change in your position toward Ukraine, to succeed. The example of Orban shows how those who choose to help Russia in its war against us end in disgrace.
Ukraine has endured harsh winters while you tried to destroy our energy system. We held firm — and even in darkness, the resilience of Ukrainians remained intact.
We brought the war onto your territory, and you would not have been able to cope with it without North Korea’s help. You are the first ruler of Russia to turn to Pyongyang for assistance.
And today you are fully dependent on China — also for the first time in Russia’s history.
You believed Ukrainians would not have the strength to defend themselves. Yet today, our people are helping our partners in the Middle East and the Gulf build their own defenses.
You hoped for internal unrest in Ukraine. Instead, it was your own military formations that staged a mutiny against you. June 23 will mark another anniversary of that event, and silence will not erase this fact from history.
And now it is you whom your own officials, businessmen, and propagandists look at with obvious fatigue. The world can see it.
The world has not grown tired of Ukraine, as you long hoped it would. But there is growing fatigue with Russia — even among those in the wider world who help you bypass sanctions and keep your economy afloat.
You cannot fail to notice it. After 26 years in power, age is beginning to take its toll. And with time, the fatigue with you will only grow.
We have seen intelligence reports showing that you are now considering plans to continue the war into 2027 and 2028. We also know that you hope ballistic missiles will achieve for you what everything else has failed to achieve. You want to draw Belarus even deeper into this war, and we are now forced to prepare for that as well. We see that you are trying to orchestrate something around Transnistria. Your propagandists threaten, in one way or another, every country neighboring Russia. Do you really want to go through all of this?
The choice is yours now.
Enough of war.
Ukraine proposes to end this war.
This must be done honestly, with dignity, and with guarantees that the war will not be reignited.
We see that the United States is fully focused on the issue of Iran, and it would be wrong to simply wait until the war in Europe returns to the center of its attention.
Ukraine proposes ending this war through direct engagement between us — and you.
I am proposing a meeting.
Everyone heard your representatives, smiling, say that I could supposedly come to Moscow. But after these 26 years, there is nothing for a Ukrainian leader to do in your capital — just as there is nothing for a Russian leader to do in Kyiv.
There are countries that have traditionally hosted leaders to resolve issues of war and peace. Switzerland, Türkiye, the countries of the Arab world — many are able and willing to host such a meeting.
It is leaders who resolve the key issues. That has always been the case, and it always will be.
I propose to set a clear date for such a meeting.
We have heard that you were promised in Alaska the resolution of certain issues concerning Ukraine and Europe. But you can see for yourself that Ukrainian and European issues are not decided in Anchorage.
Other agreed participants could join the bilateral track to be established between us.
Since the war is taking place in Europe, and since Ukraine needs security guarantees, while you also seek security guarantees for yourself, it would be logical to involve those who can genuinely serve as guarantors.
We believe Europe should be part of this process — those who truly have the capacity to influence the situation.
We also believe that the United States must be part of the process. This is what could help shape a new security architecture for our part of the world.
We’ve already experienced many agreements with Russia, including the Minsk agreements, that ultimately failed. That is why we must first find direct answers between us to the questions that remain, and not hide from difficult issues behind formulas, technical working groups, or endless time lost in shuttle diplomacy.
Your war has permanently set Ukraine and Russia apart.
The front line today is the line from which diplomacy must begin.
Ukraine is ready for a full ceasefire for the duration of the negotiations. This is standard practice, and current developments around Iran only reinforce that point. An attempt to establish real silence is the best way to begin talking to one another. We believe it would not simply be an attempt, but a real ceasefire — if that is what you want.
You know that the United States has the capability to monitor a ceasefire along the line where hostilities stop.
Ukraine is ready for an all-for-all exchange of prisoners of war, and this could become a good prologue to ending the war.
Serious steps must be taken to return civilians and children who were taken away during the war.
We must determine what kind of future awaits the generations of Ukrainians and Russians who will come after us.
If you do not personally come to the conclusion that it is time to end this war, Ukraine will continue fighting for its existence. We will have those who support us.
But you, too, will have to fight much harder for your own existence — not Russia’s, but your own. And this is not a threat from me or from Ukraine. It is a fact of Russian history that you know well: when Russia grows tired, change comes.
We can work toward that fatigue.
You can stop your war.
Eternal memory to all those whose lives were taken by this war.
Glory to Ukraine!
Der Brillenträger klappte sein Notebook zu. Worte waren nur noch Worte. Putin hatte nur schmallippig geantwortet: Kein Interesse. Der Krieg dauerte weiter ewig. Und war doch weit genug, noch ewig weit weg. Er schaute auf seinen anderen Schwarzen Spiegel, Karoline hatte vor ein paar Minuten geschrieben: „Route rausgesucht. Socken rausgelegt. Schuhe eingefettet. Ist nicht weit. Dafür viele Orte, um Vögel, Bienen und Blumen zu sehen. Ums Essen hab ich mir auch schon Gedanken gemacht. Du um den Rest?“ Er las den Plan noch zwei weitere Male. „Schon gemacht. Deine neuen Schuhe? Stehst du sicher drin?“
„Noch nie sicherer. Versprechen uns alle Jahre. Wir sehen uns nachher. Schreibst du noch?“
„Ja, aber nur noch eine kurze Geschichte.“
„Worüber?“
„Über ein Paar, das auf dem Galgenberg zusammenziehen will.“
„Macht Sinn.“
„Eben drum. Pass auf: Im Jahre 2029 beginnt er damit, für die Kinder in der Nachbarschaft Privatunterricht anzubieten, die AfD hatte vor einem halben Jahr tatsächlich die Schulpflicht abgeschafft.“
„Oha. Welche Art von Elternhäusern?“
„Alle des Viertels. Alles Kleingruppenunterricht. Bunt wie im Zentrum, nur hinter Zäunen und Hecken versteckt. Deswegen kann er bald seine Stelle am städtischen Gymnasium kündigen, die Elternhäuser sind solvent und dankbar.“
„Wofür?“
„Dass hinterm Gartenzaun die Brandmauer noch steht.“
„Klingt gut. Wie lange brauchst du noch?“
„Bin eigentlich schon fertig. Suche nur noch nach einem Titel.“
„Findest du. Mit Sicherheit.“
„So sicher wie wir den richtigen Weg durch den tiefen Wald finden werden nächste Woche, an einem Hochsommertag vor einer der beiden zweitlängsten Nächte des Jahres. Wie verbringen wir die?“
„Haben doch immer einen Plan.. auf jeden Fall barfuß.“ Die letzte Antwort schrieben sie gleichzeitig: „Ganz sicher.“

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