Bild: More to come.
„It was the best of times, it was the worst of times,
it was the age of wisdom, it was the age of foolishness,
it was the epoch of belief, it was the epoch of incredulity,
it was the season of light, it was the season of darkness,
it was the spring of hope, it was the winter of despair.“
(Charles Dickens: A Tale of Two Cities. 1859)
Der Mai
ist immer
noch nicht vorbei.
Denn wenn
ein einziger Monat
schon mal volle fünf Wochenenden hat,
dann ja wohl dieser hier.
Gerade so nicht zu kleine Picknickdecken
unter flüsternden Pappeln
am stillen Bodeufer
könnten davon
nur eine
von hundert Geschichten erzählen;
und jede einzelne davon lang genug,
um alle noch kommenden Monate,
auch die kalten,
mit genug Wärme zu füllen.
Alle. Noch kommenden.
Und alle Winter
warten vergeblich
in der Ewigkeit.
Zu allem Überfluss an Schönheit
sind heute morgen
auch noch die ersten Blüten
des kalifornisch-orangenen Mohns
im Balkonkasten aufgeplatzt.
Im Moment lassen sich
ganze vier,
von noch vielen kommenden,
alle paar Minuten
die Sonne in den Kelch scheinen.
Unter dem heiteren Himmel,
nur sechs bis sieben Katzensprünge
übers weltkulturerbige Kopfsteinpflaster,
macht das Demokratiefest
auf dem Marktkirchhof
gerade Pause,
bis eben klangen
noch bekannte Widerstandsmelodien
durch die Gassen,
in ziemlich genau einer Stunde
beginnt in der Kirche
eine Gesprächsrunde mit dem Titel:
„Unser Kreuz hat keinen Haken“.
Na immerhin.
Wie sehr auf Anschlag
die Stimmung hier in der Provinz ist,
davon hat sich sogar Herbert Grönemeyer
jetzt ein Bild gemacht.
Bei seinem Überraschungsbesuch in Ballenstedt
sorgt er nicht nur für
die erwartbaren Schlumpfkommentare auf Social Media,
sondern, so stellt er sie selbst fest,
er findet auch eine „Unglaubliche Aufbruchstimmung!“
Na immerhin.
Und Bildungsminister Riedel
setzt auch weiter auf das richtige Pferd:
Kleine Schulen sollen gerettet werden!
Blöd nur,
dass das auch alle vorherigen
Bildungsminister versprochen hatten;
das Ergebnis ist bekannt.
Aber immerhin.
So wohl wie sich Ulreich Siegheilschwund
trotzdem gerade zu fühlen scheint
(weiterhin 40+% für die AfD in S-A),
so sehr wünsche ich mir,
dass meine Hoffnungen
sich über den Sommer bestätigen.
Was wird er machen,
wie wird er reagieren,
denn etwas anderes können die Faschos
ja eigentlich nicht,
wenn auch dieser Sommer vorbeigeht
wie jeder andere,
und wenn die Umfragewerte
dann doch irgenwann
mal wieder fallen?
Es regnet nämlich auch
für Nazis, im Sommer.
Immerhin.
Bleiben wir also noch
eine kurze Weile
vor Ort,
(22°C, Sonnenschein)
bevor mir die Deadline
aus dem morgigen Sonntag heraus
(angeblich Gewitter)
doch noch irgendwelche Zweifel
zurufen wird.
Der Harzbote titelt nämlich gestern:
„Ist das Welterbe in Gefahr?“
Der „Verein Zukunft Quedlinburg“
sieht seine propagierten „Befürchtungen“ bestätigt:
Die beiden Sprecher*innen des Vereins
greifen dazu eine Stellungnahme der UNESCO auf,
die vom Stadtrat gerade noch bewertet wird;
immer schön vorne auf der Welle reiten, ne?
Mehr als eine Unterschriftensammlung
fällt den Welterberetter*innen aber noch nicht ein,
die soll allerdings eine Klage ermöglichen.
Natürlich nicht gegen den „Klimaschwindel“,
auch nicht gegen die „Industrie“
und vor allem auf absolut gar keinen Fall
gegen das richtige.
Scheindebatten
sind sowieso das Ding der Woche,
wozu schon echte Erwartungen,
wenn man auch einfach nur so tun kann?
Wichtige Reformen
werden genauso „debattiert“
wie die Kanzlerfrage.
Denn Friedrich Merz ist so unbeliebt,
dass selbst ein Kanzlerwechsel
so mir nichts dir nichts
durch die Gazetten gejagt wird.
Dem Profil von Hendrik Wüst schadet das sicher nicht,
für die Regierung allerdings
war schon mal mehr Lametta.
Den sichtbarsten Vogel dieser Brut
hat aber gerade eben erst
die FDP abgeschossen:
Kubicki gewinnt
gegen die überraschende Kampfkandidatur
von Strack-Zimmermann.
Darauf keine Weißweinschorle.
Und damit zum Klima,
das in dieser Woche langsam wieder auffälliger wird:
Für den Sommer werden neue weltweite Temperaturrekorde erwartet,
die Wissenschaft ist sich einig:
Dieses Jahr
fickt uns El Nino
wohl richtig hart.
Die aktuellen Vorboten:
Tropennächte in der Bretagne noch vor Sommerbeginn.
Zwei Mai-Hitzerekorde in Folge in London (35+°C).
Temperaturen von mehr als 45 Grad
und kaum Schatten in Indien,
im südlichen Bundesstaat Telangana
sterben an einem Tag mindestens 16 Menschen.
Aber, immerhin,
das aller oberste Extremszenario (+5,6°C bis 2100)
wird wohl gerade wieder unwahrscheinlicher.
Und zwar auch
wegen der Energiewende.
Gut,
wenn wir dann also
endlich wieder
auf der großen Weltbühne angekommen sind,
werfen wir doch mal einen kurzen Blick
in die Türkei,
einfach mal
weil hier lange nicht
von ihr Rede war,
vom westlichen Seitenaus
des Nahen Ostens.
Letzten Sonntag,
in einer „umstrittenen Gerichtsentscheidung“
wird der Chef
der größten türkischen Oppositionspartei CHP
abgesetzt.
Daraufhin verschanzt er sich
in der Zentrale seiner Partei,
woraufhin die Polizei
die Büros der CHP stürmt.
Einsatzkräfte dringen
unter dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen
in das Gebäude in der Hauptstadt Ankara ein.
Sie durchbricht dabei Barrikaden,
CHP-Parteimitglieder haben den Eingang
mit Möbeln blockiert.
Im Gebäude hängen
dicke Rauchschwaden.
Genau
das nennt mensch
einen Justizputsch.
Für diese Sorte autoritaristischer Kinkerlitzchen
bleibt jedoch, wie immer, wenig Zeit.
Alles wartet weiter,
wie seit Jahren schon,
auf den endgültigen Zusammenbruch
der US-Regierung.
Und es läuft aber auch beschissen:
„According to U.S. officials,
Trump used a Saturday conference call
about ending the Iran war
to suddenly push
Saudi Arabia,
Qatar,
Pakistan and others
to sign peace agreements
with Israel.
The response?
Silence.
So much silence
that Trump reportedly joked
to ask if they were still there.“
Aber kaum hat die Woche begonnen,
werden eben iranische Minenboote und Raketenstellungen angegriffen,
als ob es eine Waffenruhe
nur in einem Paralleluniversum geben würde.
Berichte über israelische Geheimstellungen im Irak
machen eben so schnell die Runde,
wie die israelischen Angriffe
auf Hisbollah im Libanon verstärkt werden:
Am Mittwoch werden
große Teile des Südlibanon zur „Kampfzone“ erklärt,
trotz, auch hier, Waffenruhe.
Die Bevölkerung wird zur Flucht
in den Norden des Landes aufgerufen.
Am Donnerstag erklärt Trump,
der US-Angiff auf Bandar Abbas,
sei „zurückhaltend und rein defensiv“ gewesen.
Wahrscheinlich, damit
der von gestern bis heute
im Rahmen der Türschwelle
irgendeines Raumes
stehende „Deal“,
sowas wie eine Chance haben soll.
Und ja,
auch innenpolitisch läuft es Bombe
für den Frisurensohn:
Der Hauptact zum Memorial Day wird Kid Rock sein.
Dieser wird in einer extra gebauten UFC-Arena
im ehemaligen Rose Garden
hinterm Goldenen Haus auftreten.
Schlimm.
Zum 250. Geburtstag der USA
wird eine 250-Dollar Note herausgebracht.
Mit Trumps Mugshot.
Richtig schlimm.
Deswegen noch schnell die guten News,
der Krieg kommt schneller zurück
als mensch denkt:
New York
will die Jan6th-Fund-Zahlungen
an die damaligen Randalierer
mit 100% besteuern,
ein Bundesgericht stoppt daraufhin
vorerst den gesamten Fund;
schlaffe 1.800.000.000 sollten
die Opfer der Demokratie erhalten.
Viel Viagra bleibt da nicht übrig für jeden.
Dann wird auch noch Trumps Name
vom Kennedy Center entfernt.
Und dann platzt auch schon
die nächste Bombe:
Trump liegt in den Umfragen
2 Punkte
hinter J.D. Vance.
Ob Ihr auch
Erwartungen
an den Herbst habt,
hab ich gefragt!
Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 216.
Die erste Sommeroffensive beginnt. Sonntag: Nächtlicher Oreschnik-Angriff auf Kiew. Montag: Nichts Neues. Dienstag: Ausländische Diplomaten sollen Kiew verlassen. (Endgame?) Mittwoch: Selenskyj droht Belarus, lieber keine neue Front aufzumachen. Donnerstag: Nichts Neues. Freitag: Eine Drohne schlägt in einem Wohnhaus in Galati (Romania, Nato-Mitglied) ein. Samstag: Die Nato macht Russland für den Absturz verantwortlich; Absturz, (noch) nicht Angriff.
Fuck,
immer noch
ist kein Krieg vorbei:
„Völlig unabhängig davon,
was an den Vorwürfen der UNO
bezüglich sexualisierter Gewalt
durch Israelis an Arabern dran ist,
sollte doch klar sein,
dass die Reaktion
der derzeitigen israelischen Regierung
wohl kalkuliert ist.
Indem man nicht etwa sagt,
man werde die Vorwürfe umfassend untersuchen
und, falls man welche findet,
die Schuldigen bestrafen,
tobt man
und gibt sich tödlich gekränkt.“
(Bernhard Torsch)
So viel nur dazu.
Und zu Erwartungen.
Deshalb auch noch kurz
zu alten Erwartungen,
und wie diese dann doch eingetreten sind.
Weil, ja, weil
es manchmal hilft,
zu wissen,
was man nicht verhindert hat:
„Wie nun schön langsam
durch Berechnungen von Statistikerinnen
und Recherchen von Journalisten durchsickert,
war die Zahl der Menschen,
die an und wegen Covid-19 gestorben sind,
viel höher,
als es selbst Pessimisten befürchteten.
An die 70 Millionen Menschen
könnten der Seuche zwischen 2020 und 2024
direkt und indirekt zum Opfer gefallen sein“,
berichtet der Economist.
Aber genug mit Rückschau,
dieses Jahrzehnt
hat längst vergessen,
wie das mit dem Zurückschauen
überhaupt noch mal ging.
Mit dem begonnenen Sommer
beginnt nämlich auch
die Hochzeit
von Brot
und Spielen:
Die inoffizielle Fußball-WM-Hymne
kommt in diesem Jahr aus Bosnien,
und Ihr googelt jetzt einfach mal:
„Dubioza Kolektiv“,
sollte schnell klar werden,
wie cool das tatsächlich ist.
Während also auch hier in der Provinz,
wahrscheinlich besonders hier,
in jeder Kaufhalle
Deutschland-Fußball-Fanartikel und reichlich Bier feilgeboten werden,
macht Andy Obst
(Starting Point Guard der Basketball Nationalmannschaft)
bei Netto Werbung für … ,
Ihr kommt sicher selber drauf.
Für Gemüse wäre natürlich
x-mal lustiger gewesen,
aber Humor ist nur gut,
wenn er richtig gemacht wird.
Die NBA-Finals übrigens
sind nur noch ein Spiel 7 entfernt.
Heute Nacht wird sich nämlich zeigen,
auf wen die New York Knicks
bis nächste Woche noch warten:
Area 51
oder
die Schiris feat. Oklahoma City Thunder?
So viel geiler Sport
hat aber auch noch mehr gutes,
denn er nimmt die Aufmerksamkeit
von nicht geilem Sport weg.
Die „Enchanced Games“
finden im real life statt.
Von Weltrekorden keine Spur.
Nur im Bis-an-die-Kiefer-druff-Sein vielleicht.
Mensch kann manchmal doch zu viel erwarten.
Für die vorerst letzte Story
dieses auf so vielen Ebenen
symbolträchtigsten Monats des Jahrzehnts
stellt Ihr Euch jetzt bitte noch
den spätherbstlichen Nachthimmel
über Sydney vor:
Beim Vividfestival
zerfickt ein Glitch in den Funkfrequenzen
eine aus Drohnen gebaute,
riesengroße, regenbogenfarbene Doppelhelix
über dem Hafen der Stadt.
Die Maschinen stürzen flackernd
ins abgekühlte Wasser.
It’s in our genes.
Die Sonne verschwindet gerade
hinter der gegenüberliegenden Backsteinfassade
und ich hab mir meine Hände
erfolgreich wieder locker geschrieben;
es gibt viel zu tun.
Zum Beispiel auch,
ob es vielleicht doch geht,
aus einer Liebe eine Freundschaft zu machen,
die nicht nur so tut.
Können Erwartungen
eigentlich auch zu hoch sein?
War es besser,
einfach keine zu haben?
Oder ist es besser,
ganz einfach alle zu haben?
Die Antwort:
Bring it on,
letzter/erster Sommer!
Bring.
It.
The Fuck!
On!
Here Comes The Unfuckening!
Aus dem Tagebuch irgendwelcher Millenials 3
mittwoch, 27. mai:
– die letzten tage des alleineaufwachens
haben spätestens heute begonnen,
der alltag wird schritt für schritt neu ausgerichtet,
überstürzen ist das neue richtigmachen
– der letzte neue cd-player im landkreis
wird verkauft, ein grenzaudiophiler fragt sich,
was „pure direct“ bedeutet
– nach dem mittag
lassen sich frösche et. al. beobachten
am voll erblühten gartenteich..
so einfach ist das,
wenn mensch einfach nur
alles erwartet.

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