Leute,
es ist soweit,
darauf haben wir alle gewartet:
Der Frühling ist da,
ganz offiziell.
Und: Die aktuelle Staffel ist zu Ende.
Es ist also mal wieder fünf vor zwölf,
bitte alles auf Anfang!
Und womit fängt das Ende an?
Mit dem Beginn der Vorbereitungen
auf den nächsten Anfang.
Oder wie man heute sagt:
Pandemie, das zweite Jahr.
Hier die Ausgangslage,
grob zusammengefasst:
In China ist schon lange
wieder Ruhe eingekehrt,
man legt sich inzwischen
sogar schon offen mit den USA an,
wo die schwindelerregende Impfkampagne,
die, ja, unter Donald Trump ihren Anfang nahm,
tatsächlich Anlass zum Aufatmen gibt;
auch wenn einige
etwas von einer vierten Welle flüstern,
der 4. Juli wird schon mal
als Ende der „Pandemie“
in Stellung gebracht.
Auch im UK läuft bis jetzt alles nach Plan,
hier will man noch zwei Wochen eher
die letzten Maßnahmen aufheben,
AstraZeneca sei Dank.
Der Rest von Europa
findet sich völlig überraschend
in einer fulminanten
dritten Welle wieder.
Das Verimpfen von irgendwas
kommt nicht hinterher,
die Angst bleibt noch eine Weile.
Die Angst, dass es doch noch so kommt,
wie gerade in Brasilien,
oder demnächst in Indien,
wo sich gerade erst
die zweite Welle aufbaut.
Alle sollten sich noch
gut daran erinnern können,
wie lächerlich klein die erste
im Vergleich zur zweiten war.
Das auf das bevölkerungsreichste Land der Welt
hochzurechnen, dazu fehlt mir gerade der Mut.
Eindeutig über den Berg
scheinen im Moment nur wenige Regionen:
Israel ist durch,
Ozeanien wahrscheinlich auch.
Auch in Chile sieht es,
zumindest was das Impfen angeht,
schon ziemlich gut aus.
Fast ganz Afrika war nie
vergleichsweise schwer getroffen.
Der Rest struggelt so vor sich hin.
Wie die Situation in Deutschland ist,
darüber sollten die letzten 330 Seiten
dieses Textes genug Auskunft gegeben haben.
Und auf immer die momentan
immer gleichen Stories
über korrupte Politiker,
Bürokratieschwachsinn
und Schwurbeldemos
habe ich heute einfach mal keine Lust,
denn:
#DieDoppeltenZwanziger feiern
ihr 50. Jubiläum!
Um genauer zu sein:
Das hier ist die 50. Episode,
dazu kommen noch ca. 20 Kurzgeschichten
und drei Kapitelchen eines Romanfragments.
Der richtige Zeitpunkt also,
um kurz zurück
und dann ganz weit
nach vorne zu schauen.
Hier bei Facebook
kann ich noch keine zwanzig,
aber immerhin zehn Jahre zurück schauen.
Wegen Fotos aus Kanada,
wo sich Thomas Muschal damals befand,
bin ich hier so reingeschliddert.
Und trotz aller
Überlegungen und Alternativen
dabei geblieben.
Zehn Jahre Teil der größten
Prokrasti-Nation der Welt.
Zehn Jahre zwischen
Bullshit und Weltgeschichte.
Zwischen Arabischem Frühling,
Obama, Trump, Klimawandel
und Werbung für Coachingseminare
von und für Coaches.
Hoffentlich geht das Internet
nicht allzu bald kaputt.
Denn das waren ja wohl krasse zehn Jahre,
wer will da schon verpassen,
wie es weitergeht?
Und sollte das Internet
dann doch das Jahr 2023 überstehen
(for more detail: „2023“
by The Justified Ancients of Mu Mu),
dann kommt da einiges auf uns zu.
Bitte wieder anschnallen,
Notizblock raus,
Stichwörter merken,
in zwei Wochen ist Generalprobe,
das Lampenfieber steigt:
Wenig überraschend eröffnet mit
Chinas Durchbruch zur führenden Weltmacht.
Den USA wird nicht viel bleiben,
als sich unter lautstarkem Protest
geschlagen zu geben,
zumal Erzfeind Russland als Seniorpartner
drüben immer noch hinten im Boot sitzt.
Die Art und Weise
wie wir alle konsumieren und also leben,
bestimmt Asien schon seit einer Weile.
In den nächsten Jahren
wird sich dadurch
eine dystopisch-utopische
Arbeits- und Konsumgesellschaft entwickeln,
deren Wurzeln aber genauso im „Westen“ liegen.
Wenn die letzten dem Bargeld
noch hinterher trauern,
wird nicht nur biometrisches Bezahlen
immer populärer,
weil einfach einfacher.
Auch alte Geister des Kapitalismus
retten sich in die neue Zeit:
Homeshopping findet
ein neues Zuhause bei Instagram,
wo es nur noch
bei Livestreams
Rabatte gibt
(Stichwort: Kundenbindung).
Auch die Modelinien
gehen mit der Zeit:
“Upper Body Fashion“
reicht nämlich aus in Zeiten von
Zoommeetings,
Zoombriefings,
Zoomhappenings.
Wer nicht in der Produktion
oder dem öffentlichen Dienst,
immerhin überhaupt arbeitet,
dessen Wohnung wird zum Workspace.
Flexible Arbeitszeiten gibt es nicht mehr,
Arbeit und Freizeit finden gleichzeitig statt,
strukturiert durch digitale Eselsohren,
die die mentalen Übergänge begleiten:
Meditationsapps helfen
beim Ab- und Umschalten.
Zwischendrin dann noch Unschooling.
Kinder, die ihre Vormittage
vor Bildschirmen verbringen,
und auf dem Second Screen
mit ihren Freunden chatten.
An den Nachmittagen
treffen sie sich in immer tristeren Innenstädten,
alles durch Augmented Reality aufgehübscht.
Hinter den Kameras der Endgeräte
knistern die Blockchainminen
in den Flammen des Datenhandels.
Der Kapitalismus ist endemisch.
Die urbanen Regionen werden
wieder aufgeforstet,
um den Klimawandel zu bremsen,
der abermillionen Menschen in die Flucht treibt.
Der bereits nicht mehr
zu leugnende Eskapismus
der Menschen im „Westen“
wird durch den radikalen Wandel
der Genussmittelkultur flankiert:
Pilze sind das neue Fleisch,
Shrooms are the new weed,
Keta outchills booze.
Über allem schweben weiter die Ängste:
vor neuen Pandemien,
neuen Kriegen,
neuen Katastrophen,
oder anderen Störungen im Betriebsablauf.
Und hinter allem
erobert sich die Intimität eine neue Welt.
Nur jenseits der Schwarzen Spiegel
finden wir wahre Freundschaft,
wahre Liebe,
wahre Trauer
und wahre Hoffnung.
1984, aber in Neonfarben.
Dazu passend sterben
vorher noch die Musikgenres:
Die modernen Audiotheken
sind nicht mehr
nach Oberflächlichkeiten sortiert,
sondern nach Stimmungen.
Dort wo alles auch
mit geschlossenen Augen funktioniert,
ist jetzt irgendwie
alles Emo.
So,
und jetzt nehme ich
mal kurz und ganz, ganz vorsichtig
die Hände wieder von der Glaskugel,
das Ding fängt gleich an zu qualmen.
Mit etwas Abstand betrachtet
bleibt darin nicht viel mehr
Licht als Schatten,
soweit also alles wie immer.
Die Dramaturgie guckt noch mal drüber
und dann können die Proben beginnen:
Uralte Geschichten,
neuer Plot,
moderner Text, gleiche Message:
Keep on keepin‘ on.
Zugegeben,
der Titel dieser letzten Staffelepisode
steht schon seit circa drei Monaten fest.
Andere Kandidaten waren:
When will we ever learn?
Who‘s got a match?
Oder:
23:55.
Denn nachdem nun einigermaßen klar ist,
dass wir alle spätestens ab Ostern
wieder in einer Art
von verschärftem Lockdown
feststecken werden,
haben hoffentlich alle ihren Text gelernt.
Ein Mal noch!
Wenn dann nichts mehr groß schief geht,
gibt es nach den nächsten Lockerungen,
gegen Mai,
keine erneuten Verschärfungen mehr,
sondern wir können
Stück für Stück aufmachen.
Alles andere wäre
schlicht gesellschaftlicher Selbstmord,
denn wenn die Dritte Welle
hält, was einige versprechen,
dann war nicht nur alles bis jetzt umsonst,
sondern:
Dann war‘s das.
Wir gehen natürlich vom ersten Fall aus.
Denn auch dann stellt sich wie immer die Frage:
Wie geht es weiter?
Oder,
wie Ultraschlaumeier Hamid Dabashi
gefragt hat:
Was bedeutet eigentlich
„Rückkehr zur Normalität“?
Die Chancen stehen,
wie immer
fifty-fifty:
Entweder wir machen wirklich
so weiter wie vorher,
vergessen einfach, wie immer,
ganz schnell, wie schlimm es war.
Ein bisschen woker vielleicht,
ein bisschen engagierter,
ein bisschen netter.
Um uns dann
in absehbarer Zeit
in einer noch viel kaputteren Welt
wieder zu finden.
Oder wir denken wirklich um,
geben uns mit weniger zufrieden,
teilen, halten zusammen,
hören auf, schlauer als der andere sein zu wollen,
verlernen die soziale Distanz wieder,
und holen uns ein bisschen Sorglosigkeit zurück.
Aber nicht auf Biegen und Brechen,
sondern mit gut trainierter Geduld,
etwas mehr Weitsicht
und viel mehr viel weniger Egoismus.
So,
dann muss ich wohl zum Ende kommen.
Wie schon in allen anderen Episoden
würde es unendlich viel mehr
zu dokumentieren geben,
aber irgendwann ist‘s auch mal gut.
Wir befinden uns tatsächlich
am Ende von Band 1:
Knapp 88.000 Worte,
gut eine Million Tastenanschläge,
in gut 60 Wochen.
Ungefähr 250 Stunden
schreibend vor dem Schwarzen Spiegel.
Mindestens doppelt so viel
lesend und schauend an gleicher Stelle.
Und nochmal so viel
nachdenkend und korrigierend.
Wenn ich dafür einen Stundenlohn
bekommen hätte,
würde ich ihn natürlich nicht verraten.
Wenn Ihr mich das nächste Mal seht,
klopft mir bitte nicht auf die Schulter,
das kann ich offensichtlich selbst ganz gut.
Aber um das ganze
zu einem würdigen Ende zu bringen,
müsst Ihr Euch jetzt noch
durch den Anhang quälen.
Ohne Quellenverzeichnis geht schon mal nichts,
ich geh‘ aber nicht zu sehr ins Detail,
hier nur die Auswahl der meistgenutzten:
Regelmäßig:
tagesschau
The Guardian
junge welt
Politico
CNN
Last Week Tonight
The Late Show
Die Anstalt
Mitteldeutsche Zeitung
Die Newsfeeds
diverser überregionaler
Tages- und Wochenzeitschriften
(von taz bis Junge Freiheit)
Die sehr unterhaltsame Science-Seite IFLS
Das hochverehrte Katapult-Magazin
Das noch viel hochverehrtere konkret
Aber auch Titelseiten von Drecksblättern
Dazu natürlich die wichtigsten Mediatheken,
Netflix, Youtube
und, vertrauenswürdigste Quelle von allen:
facebook.
An dieser Stelle seien die Profile
von Jörg Piotrowski und Nancy Mickoleit erwähnt.
Mit hoher Sicherheit
haben wir extrem
unterschiedliche Haltungen zur Zeit,
aber das Gute ist:
Geblockt hat hier niemand irgendwen,
ein Austausch ist also weiter möglich;
für diese Erkenntnis bin ich aufrichtig dankbar.
Für die Deepness haben dann ein Haufen Bücher
und eine Menge an CDs gesorgt,
welche bekanntermaßen
im Text selbst ausgewiesen sind.
Die wichtigste Quelle aber
ist und bleibt die Wirklichkeit,
der Alltag, das Leben,
der Austausch mit allen und jedem.
Ohne etwas ganz bestimmtes aber
wäre ich sicherlich nie
bis hierher gekommen.
Und das seid Ihr,
die Leser.
Die Leute,
die hier ab und zu mal
einen Daumen da lassen,
oder was drunter schreiben.
Ihr macht Euch kein Bild davon,
wie wichtig das ist.
In mehr oder weniger
sinnvoll arrangierter Reihenfolge
ein ehrliches Danke für den
mehr oder weniger regelmäßigen Klick auf
„Mehr anzeigen“:
Lisa
Tobias
Göran
Martin
Jörg
Toni
Tillmann
Susi
N‘Rico
Katja
Tommy
Terri
Nancy
Sebastian
Susan
Jule
Conny
Henni
Patrick
Gauner
Andre
Luise
Alex
Stefan
Tobias
Stefanie
Cornelia
Scholle
Grundig
Sebastian van de Birkenhügel
Michel Lönneberger
Christian
Jens
Für jeden von Euch
gibt es als kleine Geste
das Angebot,
den kompletten Band 1
als durchgestylte .pdf-Datei zu kriegen,
wenn‘s sein muss auch mit Widmung.
Allerdings nur so lange,
bis der erste Text aus Band 2 erscheint.
Der ist nämlich schon in Arbeit
und mit dem geht es
in zwei Wochen weiter.
Und jetzt Daumen drücken:
Wenn alles klappt,
auf eine, ich sag mal,
etwas professionellere Weise.
DieDoppeltenZwanziger
verlangen nach mehr.
Und das sollen sie bekommen.
0 Kommentare