„And in the naked light I saw
ten thousand people,
maybe more.
People talking
without speaking.
People hearing
without listening.
People writing songs
that voices never share.
No one dare
disturb
the sound of silence.“
(Simon & Garfunkel. 1964)
Pscht!!
Bitte nicht stören.
#DieDoppeltenZwanziger
träumen bereits vom Sommer.
Die haben damit
schon mal
vollumfänglich angefangen,
denn:
Die Chancen stehen nicht schlecht,
dass dieser,
zumindest relativ betrachtet,
vielleicht wirklich
der letzte halbwegs
gute Sommer
für eine sehr lange Zeit
werden könnte.
Glaubt man
der wieder wachsenden Zahl
der realistischen Apokalyptiker,
wird‘s nie wieder
so geil wie dieses Jahr.
Und außerdem passen
ja auch die Temperaturen
schon zum August:
Fast die ganze Woche über,
waren die 30°C nicht wirklich weit weg;
die richtigen Gewitter
blieben (zumindest auf dieser Seite des Harzes)
weiterhin aus,
und somit auch der Regen.
Aber hallo?
30°C, Sonnenschein,
keine Pandemie mehr,
Krieg weit weg,
Hunger auch,
Klimakatastrophe noch weiter weg,
und sogar Nazis
muss man inzwischen
schon mit der Lupe suchen,
so klein und unbedeutend
scheinen die gerade zu sein.
Kurzum:
Alles wieder Gold.
Also, haut die Chronik
heute gleich noch
den nächsten Superevergreen
unter den (Episoden-)Titeln raus.
Denn:
Kommt es nur mir so vor,
oder ist es in dieser Woche
irgendwie wirklich endlich mal
leiser geworden,
um alles?
Fast schon unheimlich still?
Oder ist inzwischen alles
so laut geworden,
dass einfach niemand mehr
irgendwas hört?
Oder hören wir nur noch weg?
Klingt so etwa diese berühmte
„ohrenbetäubende Stille“?
Anyways,
klingt auch mal gut.
Hatte ich schon fast vergessen.
Fast so wie früher,
als alle Neuigkeiten,
über alles
was nicht gerade Weltuntergang war,
so unwichtig erschienen,
dass sie beinahe stumm geworden waren;
irgendwie da
und irgendwie egal.
Hätte uns früher, zum Beispiel
irgend so etwas angehoben,
wie ob es in Schleswig-Holstein
jetzt eine Jamaikakoalition gibt,
oder vielleicht auch nicht?
– Eben!
Egal!
Nach langem Nachdenken
ist mir jetzt doch noch eingefallen,
woran mich diese erholsame Stille
erinnert.
Die Sommerpause
steht vor der Tür!
Dieses Zeitfenster,
einige erinnern sich vielleicht,
wo alles so runtergefahren war,
dass die Nachrichten
eher so Entertainment waren.
Richtig,
das Sommerloch.
Mit diesen ganzen schrägen Meldungen
über mysteriöse Krankheiten,
über neue Sekten,
über den letzten Skandal
um irgendwelche Prominenten,
über irgendwelche wissenschaftlichen Entdeckungen,
deren Nutzen wir erst
in hunderten von Jahren verstehen werden,
oder über den Eurovision Songcontest.
Irgendwie schon auch interessant,
aber absolut egal.
Herrlich war das.
Und herrlich wird das wieder.
Und wenn es das letzte Mal wird…
Bis dahin aber werden
#DieDoppeltenZwanziger
weiter geschrieben,
auch wenn mir selbst
das Klacken der Tastaturanschläge
schon viel zu lange
viel zu laut ist.
Denn es gibt weiterhin genug Sachen,
über die sich keine Stille legen darf.
Nazis zum Beispiel.
Ich weiß, die nerven.
Aber Nazis zu beschweigen,
endet gemeinhin im Faschismus,
besonders dann,
wenn es sich um Organisierte Nazis handelt,
egal wie egal
die im Moment erscheinen.
Oder wie lächerlich:
Der inoffizielle Chat der AfD-Bundestagsfraktion,
intern auch „Quasselgruppe“ genannt,
hat es endlich an die Öffentlichkeit geschafft.
Sein Inhalt überrascht niemanden,
denn um Inhalte geht es bei den AfD-Abgeordneten
ja sowieso nie.
Bei der NPD ja schließlich auch nicht.
Da macht momentan
eine gescheiterte Umbenennung die Schlagzeilen:
„Die Heimat“ ist
als neuer Parteiname
abgelehnt worden.
Wäre ja auch
ein totaler Quatschname gewesen.
Der Jugendorganisation, den Jungen Nationalisten,
ist das ganze aber immerhin
die Ankündigung
eines Bruches mit der Partei wert.
Die Jugend hat ja aber nichts zu sagen,
das ist bei Nazis nicht anders.
Vor Ort ist es (nur vorerst) auch sehr ruhig geworden.
Momentan sind sämtliche
Nazisticker in der Stadt überstickert,
und das einzige,
was hier noch nach rechts riecht,
sind die tätowierten Typen
in dem kleinen weißen Skoda,
die („Incognito“) „Stadtstreife“ fahren.
Oder, wer es gerne etwas anspruchsvoller mag,
die Lutheraner hier vor meinem Fenster,
in der Hölle,
die inzwischen Führungen
durch ihr Haus anbieten,
so wie Themenabende
zu vergessenen Denkern in Quedlinburg,
und den Touristen,
per großem weißen Plakat im Hauseingang,
wertvolle Weisheiten
mit auf den Weg geben.
Irgendwas mit „die da oben“
und Gehorsam nur gegenüber Gott;
Lutheraner halt.
Interessanter sind,
wie immer,
nur die Gerüchte.
Denn die kleinste
unter den „rechten Parteien“
(Organisierte Nazis),
„Der III. Weg“
macht hier in Quedlinburg
von sich Reden.
Noch ist es nur ein Raunen
im Antifa-Wind,
aber die Schlüsselperson
zwischen dieser Kleinstpartei aus Sachsen
und der hiesigen Schwurbelszene
ist identifiziert.
Und ich sag mal so:
Sollte an den Gerüchten was dran sein,
und sollte es
zu irgendwelchen öffentlichkeitswirksamen
Aktionen kommen,
dann könnten die Konsequenzen
einschneidend sein,
für eine ganze Menge Menschen.
Dazu dann aber erst,
wenn das alles kein Gerücht mehr ist.
Denn, noch ein bisschen interessanter,
weil wirklich passiert:
Quedlinburgs very own Antifaqueen
im Landtag von Sachsen-Anhalt,
Susan Sziborra-Seidlitz,
wurde in eben diesem Landtag
angegriffen.
Nur verbal, dafür aber richtig hässlich,
denn nicht nur sie,
sondern auch ihre Familie
wurde von einem AfD-Fascho attackiert.
Zum Glück hat es der Wortlaut
nicht in die Presse geschafft.
Man kann jetzt sagen:
Dann hat sie wohl alles richtig gemacht.
Man muss aber auch sagen,
dass Nazis jetzt wissen,
wie „der Feind“ aussieht, wie er heißt,
und wo seine Familie wohnt.
Es bleibt zu wünschen,
dass die lokale Antifa
nicht ihre gesamte Aufmerksamkeit
auf die Chaostage auf Sylt konzentriert.
„Und jetzt postest du begеistert
das Grünen-Wahlergеbnis aus deinem Kiez.
Und „Nazis raus!“
ruft es sich leichter,
da, wo es keine Nazis gibt.
Doch Wittenberg ist nicht Paris.“
(Kraftklub. 2022)
So.
Die Nazis dürfen jetzt aber erst mal
wieder das Maul halten,
die Chronik hat sich warm geschrieben.
Wir kommen zu den nächsten
verstummten Nebensächlichkeiten;
Ihr wisst schon,
das Trio Infernale
der frühen ZweitausendZwanziger:
Eins: Pandemie(n),
Zwei: Krieg(e)
und Drei: Klima(katastrophe).
Der Reihe nach:
In Deutschland ist die Covid-19-Pandemie
erst im Herbst wieder wirklich wichtig,
weswegen es jetzt,
wie auch in den letzten beiden Sommern,
wieder gilt:
Vorbereitungen nicht zu treffen,
aber wenigstens darüber zu reden.
Aber bloß nicht zu laut!
Lieber nur ein paar Zahlen,
denn die haben ihren Schrecken
ja schon lange verloren
(geht es nach einer MZ-Titelseite der letzten Woche,
hat gleich das ganze Virus seinen Schrecken verloren).
Weltweit befinden wir uns
leicht unter dem Durchschnitt der letzten beiden Jahre,
was die erkannten Neuinfektionen angeht.
Die Opferzahlen sinken aber weiterhin deutlich.
Aufgrund der im Grunde völlig entfallenen Maßnahmen
kommt es aber immer wieder zu lokalen Großausbrüchen,
die dann auch wieder
höhere Opferzahlen mit sich bringen;
im Harzkreis
sind in der letzten Woche
elf Menschen
vor ihrer Zeit
an den Folgen einer Infektion
gestorben.
Die USA sind das erste Land,
in dem inzwischen mehr als eine Million
(in Ziffern: 1.000.000)
an Covid-19 verreckt sind.
Und wie schon im letzten Jahr,
sind sie momentan wieder
das einzige Land,
dass eine Sommerwelle erlebt,
die ihresgleichen sucht
und jetzt schon
die dortige erste Winterwelle übertrifft.
Redet aber groß keiner drüber.
Weder hüben noch drüben.
Man redet lieber über Nordkorea,
da sei es ja besonders schlimm.
Oder doch nicht?
Alles nur Propaganda
für Kims Diktatur?
Corona-Diktatur?,
nur in strange?
Egal.
Hauptsache,
man redet nicht so viel drüber,
wie die Vorbereitungen auf den Herbst
hier so laufen.
Die Fieberambulanz in Halberstadt
hat jedenfalls erst mal geschlossen.
Und das war es dann auch schon.
Long-Covid wird ein immer größeres Problem?
Eine auffälliger werdende Häufung
von normalen Atemwegserkrankungen
ist nicht mehr zu übersehen?
Die notwendige Aufwertung der Pflegeberufe
ist ausgeblieben,
dafür immerhin die Impfpflicht in eben diesen
vom Verfassungsgericht gerettet/erzwungen?
Alles egal!
Denn:
Ende Mai 2022:
Affenpocken!
Jetzt auch in Deutschland!
Es geht nicht mehr um die Gesundheit,
nur noch darum,
wer am lautesten Aua schreit.
Das Sommerloch wird
tiiiiiieef und weit
in diesem Jahr.
Da wird es eine Menge
nicht mehr zu hören geben,
für die, die das alles
nicht mehr hören können.
Denn was man nicht hört,
darüber braucht man auch
nicht zu schreiben.
Oder warum schreiben
nur die allerwenigsten
über den Krieg
eines Nato-Mitglieds (Türkei)
gegen gleich zwei
unabhängige Staaten (Syrien und Irak)
und gegen ein ganzes Volk (Kurden)?
Warum ist Rojava
nicht auch die Ukraine?
Wie laut und wie lange
kann so ein „Westen“
eigentlich schweigen?
Und wann reist Scholz nach Ankara?
Wenigstens für ein Foto?
Morgen jedenfalls nicht.
Da ist er in Afrika.
Nein, nicht etwa in Mali,
denn da bleibt alles soweit „unter Kontrolle“,
nein:
„Im Niger,
dem neuen Hauptbezugspunkt
des Westens im Sahel,
wird am Montag
Bundeskanzler Olaf Scholz erwartet.
Scholz will zunächst
der „Operation Gazelle“
einen Truppenbesuch abstatten,
bevor er sich in der Hauptstadt Niamey
von Präsident Bazoum
mit militärischen Ehren begrüßen lässt.“
(Jörg Kronauer: Deutschland
weitet Spezialoperation aus. Mai 2022)
Und nein, „Spezialoperation“,
das klingt doch nur nach Kolonialismus.
Aber vor allem
klingt das
viel leiser.
Brrrrrrring.
Brrrrrrring.
… Himmel, ich hatte vergessen,
wie laut dieses rote Telefon sein kann…
Hello? … London! …
You‘re calling! … again! …
No! … No. … You‘re not. …
No. … Anytime. …
No reason to …
Oh. Okay. …
So, … how are things? …
What about your …
What? …
Which Food? …
You call that food? …
Yes, … no, I mean …
yeah okay, … what about it? …
No Fish? … No Chips? …
So, what? … No problem? …
Big problem? … But why? … I mean, you know…
it‘s not a very good food… so…
Yeah okay, … I got it.
Yes, because of that bloody war over here…
… Anything else you want to share? …
Yeah, because I … eh, I have to go…
Yeah, you know … like having dinner.
No, maybe just Fish…
Or Chips. …
Thank you! … you too! …
Bye. …
London hat wirklich
immer die krassesten Probleme
mit dem Essen.
Nicht so wie
die Milchpulverknappheit in den USA,
wo tausende Mütter
vor leeren Regalen
im Walmart oder Bioshop stehen.
Oder wie auf
mindestens der Hälfte des Planeten.
Denn die unvermeidliche
Nahrungsmittelkatastrophe
zieht schon mächtig an.
„Der stille Tod“,
wie der Hunger
nun mal genannt wird,
beginnt sich grausamer auszuweiten,
als jede neue Pandemie es könnte.
Und dabei sind es eben nicht die alten,
sondern die jungen,
die sterben.
Die Ukraine kann kriegsbedingt
kaum ein Drittel ihres Weizens exportieren.
Das weltweit wichtigste Exportland
dieses Nummer-Eins-Grundnahrungsmittels
muss dabei zusehen,
wie das Getreide in den Silos verschimmelt,
wenn es denn überhaupt rechtzeitig
von den Feldern geholt werden kann.
Aber so was macht eben
nicht so laute Schlagzeilen
wie die, immer noch, beschissene
Kriegsberichterstattung.
Here.We.Go.
„Hurra!“
Mariupol hat kapituliert.
Nach zwölf Wochen aussichtslosem Kampf
hat Kiew die Asow-Kämpfer
in die russische Kriegsgefangenschaft entlassen.
Da sind die wenigstens noch was wert.
Als Verhandlungsmasse,
als „Verräter“ und „Feiglinge“,
oder als „gefallene Helden“.
Für Russland ist die Spezialoperation
damit fast beendet,
es fehlen nur noch einige Städte
in den Separatistengebieten.
Nach der Hafenstadt
geht es aktuell um Sjewjerodonezk,
einer 100.000-Einwohnerstadt
im Zentrum des Donbass.
Die Ukraine jedenfalls hat am Dienstag
sämtliche Versuche
an Friedensverhandlungen
endgültig abgebrochen.
Kein „Diktatfrieden“.
Stattdessen hat sie,
auch das wieder unter schreiendem Schweigen,
den „Rechten Sektor“
offiziell in ukrainische Armee integriert.
Sehr zur Freude der russischen Propaganda.
Denn da sind sie wieder,
diese Nazis.
10.000, bald top bewaffnete auch noch.
Da kann die Spezialoperation ja weiter gehen,
ohne dass es an Gründen fehlen würde.
Also holt Moskau
die nächste Karte aus dem Ärmel:
Laser!
Ja, echte Laserwaffen.
Luftabwehr.
Präzisester Drohnenbeschuss. Flak 4.0.
Der Stellungskrieg ist aber auch
noch lange nicht aus der Mode gekommen:
Im gesamten Süden
graben sich die Truppen ein
und warten auf die neuen Panzer
aus dem Westen.
Und da Mariupol jetzt „befreit“ ist,
werden auch gleich die Pläne durchgestochen,
die Russland für diese Schutthalde
in der Schublade hatte:
Ein exklusiver Badeort!
Keine Pointe.
Und apropos Strandidylle:
Auf den Liegestühlen in Cannes
lauschten die diesjährigen,
endlich von Pandemiemaßnahmen
befreiten Cineasten
einer weiteren filmreifen Rede
vom Superstar-Weltpolitiker des Facetime-Zeitalters.
Meta bis zum Anschlag
fordert Wolodimyr Selenskyj
einen neuen Charlie Chaplin.
Einen wirklich weltverbessernden Komiker,
wie er selber einer hätte werden können,
wenn nur diese blöde Wirklichkeit
nicht immer so laut wäre.
So schön diese Idee ist,
hat er aber anscheinend vergessen,
dass es Sasha Baron Cohen
schon etwas länger gibt.
Aber gehört hat den
auch bloß keiner wirklich.
Laut genug hat hingegen
Polen gesprochen.
Als erstes ausländisches Staatsoberhaupt
seit Kriegsbeginn
hat sich Duda im ukrainischen Parlament
mit den Nachbarn solidarisiert.
Hätte er so gar nicht machen brauchen,
denn was sein Land gerade an Schutz
für die Millionen Kriegsflüchtlinge bietet,
ist beispiellos.
Bis in diese Woche ebenfalls beispiellos
war auch der erste Kriegsverbrecherprozess
gegen einen russischen Soldaten.
Da die Bilder des jungen Mannes
alle gesehen haben dürften,
hier eine weitere
un/überhörte Geschichte
in diesem Zusammenhang:
Denn an dieser Stelle
hat die Kriegs-PR-Abteilung
der Grünen
mal wieder völlig versagt,
was, ja, ein Euphemismus ist:
Kaum einen Tag
nach dieser allerersten Verurteilung
eines russischen Kriegsverbrechers
zu lebenslanger Haft
(der vor Gericht
den Mord
an einem ukrainischen Zivilisten
gestanden
und um Vergebung gebeten hat)
lässt sich
Parteigrandsenieur Jürgen Trittin
in allen großen Zeitungen des Landes
mit folgendem Vergleich zitieren:
Der russische Angriffskrieg
„ähnelt in vielen Orten
dem Vernichtungskrieg
von SS und Wehrmacht
gegen die Sowjetunion.“
Ich weiß, die meisten von Euch
haben in Geschichte
auch irgendwann mal aufgepasst,
aber für zukünftige Leser*innen
hier kurz ein paar Infos,
um diesen Vergleich einzuordnen;
den Vergleich von
Trittins Äußerung
mit nichts anderem
als ganz gewöhnlicher
Holocaustrelativierung,
den darf dann jeder ziehen,
der sich das zutraut.
Also:
SS und Wehrmacht
haben in den Jahren von 1941 bis 1943
versucht die Sowjetunion zu erobern.
Und nicht nur das,
die Sache mit der „Judenfrage“
sollte ja auch irgendwie noch gelöst werden,
weswegen (noch vor Auschwitz),
die SS und die Wehrmacht
über eine Million (in Ziffern: 1.000.000)
meist jüdische Zivilisten
in schnell ausgehobene Gräben
geschossen hat.
Als ganz normaler Teil ihrer „Arbeit“.
Wer jetzt auch noch weiß,
warum auf der Wannseekonferenz
die Endlösung beschlossen wurde
(Spoiler: Massenerschießungen sind einfach zu teuer
und schaden dann doch auch der „Kampfmoral“),
versteht,
wie widerlich der Vergleich von Jürgen Trittin
wirklich ist.
Der noch dazu ein Grüner ist,
und dessen Vater selbst
einer der Mörder war,
mit denen er die russische Armee
gerade verglichen hat.
So.
Ein bisschen Kollateralnews noch,
dann geht auch hier
bald die Sonne wieder unter,
und Stille kann sich wieder
über die Chronik legen,
wenigstens für eine Nacht.
Sucht schon mal die Oropax raus,
was jetzt noch kommt,
kann eh keiner mehr hören:
Erdogan blockiert den Nato-Beitritt
von Schweden und Finnland.
Russland liefert, wie angekündigt,
kein Gas mehr an Finnland,
offiziell weil nicht mehr gezahlt wird.
Altbundeskanzler Schröder
kriegt sein Büro weggenommen
und ist auch kein Gaslobbyist mehr.
Ach ja,
Österreich gibt es auch noch,
aber die sind jetzt auch die Schweiz,
man „sollte sich raushalten.“
Woraus?
Egal.
Österreich.
Ebenfalls weiterhin nicht mehr der Rede wert:
Die Menschenrechtskonventionen.
Dass die Taliban da auch kein Interesse dran haben,
das überrascht niemanden.
Aber dass auch im UK
genau diese Menschenrechtskonventionen
jetzt durch ein neues
„Bill of Rights“ ersetzt werden sollen,
das dann auch nur noch für Staatsbürger gilt,
das hätte London vorhin
auch ruhig mal erwähnen können.
Die allerletzten Meldungen
machen dann das Licht aus
und singen noch ein vertrautes Schlaflied,
immer leiser werdend,
bis wirklich nichts mehr zu hören ist,
und auch nichts mehr zu schreiben,
oder zu lesen:
Das Quedlinburger Postamt
hat endgültig seinen Dienst eingestellt.
Den übernehmen jetzt die Supermärkte und Tankstellen,
oder sonst ein Gewerbe,
in das die Post ausgesourct wurde.
Wie lange wird es eigentlich
noch Briefkästen geben?
Und was war noch mal „Stille Post“?
In aller Stille dann
jetzt noch das Wetter,
Klima,
Katastrophe,
egal:
Der Harz hört gar nicht auf zu brennen:
Diese Woche in Stiege.
Die Temperaturen waren die ganze Woche
viel zu hoch,
der Wind viel zu windig.
Zum Beispiel: Donnerstag.
30°C,
dicke Äste auf der Straße,
aber kaum Regen.
Dafür am selben Abend:
Das krasseste Orange/Gold
am gesamten Abendhimmel.
Und während in Hessen
bereits das Trinkwasser knapp wird,
und die Kleingärtner
zur Räson gerufen werden,
tobt „Emmelinde“
durch Nordrhein-Westfalen.
Drei Tornados schlagen Schneisen der Verwüstung,
hierzulande noch nie gesehene Bilder
von getroffenen Innenstädten,
wie aus Paderborn,
schrecken allerdings
niemanden noch wirklich aus dem Schlaf,
der nicht direkt vor Ort ist.
Dass der Weltüberlastungstag
auch schon über zwei Wochen her ist (5. Mai),
verhallt dabei genauso
wie die letzten Versuche,
irgendwas zu retten:
Die EU versucht es trotzdem,
große Zahlen machen immer noch genug Radau:
300 Milliarden Euro
werden bis 2030
für die Energiewende fließen.
Wohin?
Ihr ahnt es:
Egal.
Aber die beste Idee
hat sich der Harz
für den Schluss aufgehoben:
Windräder statt Totholz!
Die machen wenigstens Krach!
Gut.
Der Rest ist Schweigen.
Aber psst,
Ihr wisst auch, was Schweigen
auch ist:
Lesen und Schreiben.
P.S.
Sorry, dass heute alles so „egal“ geklungen hat. Das kommt davon, wenn Möchtegernautoren, auf der Suche nach dem passenden Begriff, für alles,
zu viel Sibylle Berg lesen (→ top aktueller Literaturtipp – check: RCE).

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