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Blackened Sky (Spezialepisode)

von | 2022 | 1. Dezember | Die Serie, Staffel 8 - Fallen Leaves

 

Keine Sterne

 

Seit Tagen schon
lag der Nebel über dem Land;
die Wolken
waren auf die Erde gefallen.

Die Nacht brach
schon über den Tag,
als der Schnee
begann sich zu verballen.

Und der Himmel blieb weiß,
und die Flocken orange erleuchtet,
von den Feuern der Stadt.

 

 

Adventsgedicht?
Check.
Aber darum soll es heute
nicht gehen.
Sondern mal wieder
um die beste Band der Welt.
Period.
Denn die machen nicht nur die beste Musik,
sondern haben auch sonst so
die besten Ideen:
Was anfänglich nach
dem absoluten mega Sellout klingt,
wird zur geilsten Charityaktion
der modernen Kulturgeschichte.
Und zwar so:
Tim Wakefield, ein US-Künstler,
ursprünglich aus dem UK,
macht schon seit Jahrzehnten Multimediakunst.
Seit mehr als zehn Jahren
hat er sich dabei auf folgendes Geschäftsmodell spezialisiert:
Mit allerhand digitalen Werkzeugen
verwandelt er die Soundspuren
von berühmten Songs
in fancy Drucke für die Wohnzimmerwand.
Und das hat er jetzt auch
mit einem der allerbesten Songs
der allerbesten Band
aller Zeiten gemacht:
57.
Zum 20jährigen Geburtstag
dieses Meilensteins der modernen,
ernstgemeinten Rockmusik
gibt es auf der Seite von Soundwavesartfoundation
ein ganzes Arsenal dieser Drucke:
In drei verschiedenen Größen,
unterschiedlichen Farbmischungen,
mit oder ohne Unterschriften der Band,
für jeden Geldbeutel etwas dabei.
Das Herzstück dieser Produktpalette
ist eine Kollektion von Originalen.
Auf vier farblich variierenden Großdrucken
ist jeweils eine Zeile des Refrains
von Simon Neil persönlich
unter das Motiv geschrieben,
einem perfekten Kreis,
augenfällig die Tonspur desselben Refrains,
in feinstem Neonlaser,
auf spiegelschwarzem Hintergrund.
Eine absolute Augenweide.
Wirklich.
Wäre man so irre,
dieses Quartett erwerben zu wollen
(damit man den kompletten Refrain hat),
dann würde einen das (Stand heute)
knapp 10.000 Euro kosten.
Das Ding ist:
Es gibt anscheinend genug die hard Biffy Fans,
die das bereits getan haben.
Können die auch.
Denn wir waren halt vor 20 Jahren
noch dabei erwachsen zu werden,
und gleichzeitig clever genug,
u.a. die Brillianz dieser Band zu erkennen,
weswegen nicht wenige von uns
inzwischen auch
in ganz guten Verhältnissen leben.

Und jetzt kommt
der versprochene Twist:
Sämtliche Einnahmen werden gespendet.
Und zwar an die sinnvollste Charityorganisation,
die ich mir im Moment vorstellen kann:
War Child.
Und weil Biffy-Fans nun mal clever sind,
machen die sogar noch mehr draus:
Die jeweils auf 100 Stück limitierten Exemplare
werden bereits auf einem
eigenen Schwarzmarkt hin und her verkauft,
und jedes Mal geht der Gewinn an eine Charity.
Kunstleasing
in moralisch
ganz schwer in Ordnung.

Und nein,
das war keine Werbung.
Nur eine kleine Erinnerung daran,
was im Moment das einzig tröstliche zu sein scheint:
Auch wenn wir denken,
nichts gegen all die Scheiße machen zu können,
dann können wir immer noch teilen;
wir haben mehr als genug.
Unser Himmel leuchtet
noch.

 

„If my hope is gone, the way I feel
Until the end is near, bellow my
Stress on the sky“

(Biffy Clyro: Stress on the sky. 2002.)

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