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How long would it take me to walk across the United States, all alone? (S9b:Ep1) (Teil 1)

von | 2023 | 20. Juni | Die Serie, Staffel 9b - Blister

 

„Leave home today.
Escape your region.
It’s in your head.
Keep moving on.

Choose starlight, no way to retrace.
(No way to retrace all your good days, add them up.)
It is gone.

Choose star bright, no way to retrace.
(None of you knew any more than who’s in here.)
It is gone.

Become your dad.
Live unquestioned.
It’s in your head.
Nostalgia’s dead.“

 

(Jimmy Eat World: Call it in the air. 1996)

 

 

 

Teil 1 – On the Fly

 

Nur ganz kurz,
und nur nebenbei:
Charlie Brooker
ist ein verdammtes Genie!
Aber um mich bei Streamberry zu registrieren,
dafür habe ich jetzt erstmal keine Zeit.
Denn endlich, endlich, endlich
kann ich anfangen,
diese Staffel hier zu schreiben!
Ich habe vor vielen Wochen aufgehört zu zählen,
wieviele Stunden, Tage, Wochen, Monate
ich damit verbracht habe,
diese Staffel schon x-mal zu erleben.
Das muss der gleiche Zeitpunkt gewesen sein,
an dem ich aufgehört habe,
irgendetwas wirklich zu erwarten,
also außer vielleicht,
dass ich halbwegs heile wieder zurückkomme.
Es sind einfach zu viele Erwartungen,
das Abenteuer zu groß,
die Unsicherheiten zu riesig,
die Ängste zu beklemmend.
Und dann,
vor genau einer Woche,
knallte es am späten Abend
gegen mein Schlafzimmerfenster
und flatterte und brummte dann
am Boden neben dem Bett weiter.
Ich war starr vor Schreck.
Eine Schwalbe?
Eine Fledermaus?
Nach einer halben Stunde legte ich das Buch beiseite
und schaute vorsichtig nach.
Unter dem Fensterbrett
lag ein Maikäfer auf dem Rücken
und versuchte sich zu berappeln.
Ich sprach ihn mit Gregor an,
er reagierte nicht,
dann versuchte ich es mit Franz,
auch keine Reaktion,
nur noch mehr panisches Flattern.
Minutenlang wollte er sich nicht helfen lassen,
ich drehte ihn um,
er drehte sich wieder zurück,
so als ob er gar nicht wieder
raus in die Nacht fliegen wollte.
Kurz vor Mitternacht
hatte er sich aber doch entschlossen
und ließ sich mit großem Schwung
in die Freiheit werfen;
guten Flug!

Jetzt ist es kurz nach halb 11.
Gerade bin ich problemlos
durch den Sicherheitscheck gelangt,
die Atmosphäre am BER ist unheimlich entspannt,
das hilft.
In 90 Minuten hebe ich das erste Mal ab,
der erste Flug geht nach Paris.
Am Charles de Gaulle
soll es wesentlich hektischer und unübersichtlicher sein,
haben zumindest alle gesagt.
Also genieße ich wohl noch etwas die Ruhe.
Draußen braut sich
das erste richtig große Gewitter des Jahres zusammen,
aber das soll sich erst entladen,
wenn ich den Kontinent schon verlassen habe.
Wenn.
Denn „Air Defender“ läuft ja auch immer noch.
Auf die Flüge scheint aber beides
noch keinen Einfluss zu haben,
auf der Anzeigetafel sind nur 4 von 60 gestrichen,
nicht einer ist verspätet.
Ihr seht, der erste Teil der ersten Episode dieser Sonderstaffel
wird also so eine Art Liveblog von meinem allerersten Überseeflug.
Und ich muss mir die Tipperei einteilen,
sonst wird das Ergebnis nur wieder noch weniger konsumerabel,
und ich sitze/fliege irgendwo in der Weltgeschichte rum,
und meine Hände haben nichts zu tun.

Um kurz vor 4 scheint in Paris
noch die Sonne,
aber auch hier soll ein Gewitter aufziehen.
Meine Flucht aus Europa
ist also auch eine Flucht vor dem ersehnten Regen.
Die Gerüchte sind jedenfalls wahr:
Deutschlands Internet
ist vergleichsweise sehr langsam.
Dafür muss man sich hier
erstmal Chanel-Werbung anschauen,
bevor man das kostenlose Wi-Fi
des Charles de Gaulle nutzen kann.
Entgegen der Unkenrufe
ist auch hier die Stimmung maximal relaxt:
Kinder spielen fröhlich fangen
während andere ein Nickerchen
auf bequemen riesen Sitzsäcken halten.
Auf dem Rollfeld draußen
scheint ebenfalls gerade Pause zu sein.
Mein Flug nach D.C. geht in knapp 90 Minuten.
Und dauert dann, wie ich gerade erfahren habe,
fast 9 Stunden.
Bei 6 Stunden Zeitverschiebung
lande ich also gegen 2 Uhr nachts/20 Uhr abends
in der US-Hauptstadt.
Und da ich in sich bewegenden Objekten
schon immer absolut gar nicht schlafen kann,
werde ich mir wohl die Zeit
mit lesen und schreiben vertreiben;
was ja auch so geplant war,
es gibt zu Beginn dieser Staffel noch einiges zu erklären.
Als literal digital nomad (buchstäblicher digitaler Nomade)
habe ich mir einiges vorgenommen.
Vor allem aber:
Nicht zurückschauen!
Nur nach vorn.
Und ab und zur Seite.
Und vielleicht nach oben und unten.
Wieviel Zeit ich dabei überhaupt
zum Schreiben haben werde,
das kann ich momentan nur erahnen.
So oder so
sehe ich mich aber schon
in irgendwelchen Diners im Mittleren Westen sitzen,
wo ich Leuten irgendwie erzähle,
ich wäre irgendwie Schriftsteller,
der aber eigentlich Lehrer ist,
der eigentlich, vielleicht, irgendwie …

Mit weit über zwei Stunden Verspätung
bin ich jetzt endlich wieder in der Luft.
Mittlere Reihe, Sitz immerhin am Gang.
Der Bildschirm in der Rückenlehne meiner Vorderfrau
hat wirklich alles im Angebot:
Kinofilme, Fernsehserien, Musik, Spiele,
Meditationen, Flugpläne, Front- und Heckkameras.
Auf dem Sitz liegen Kopfhörer,
ein Kissen und eine Decke.
Bis eben war es fürchterlich warm,
die Klimaanlage war wohl komplett ausgefallen,
es hatte 40+°C in der Kabine,
deswegen auch die Verspätung.
Immer mehr Menschen haben sich Luft zugefächert
und begonnen zu ächzen.
Dann endlich das Aufatmen;
einige fächern aber einfach automatisch weiter.
Für das Safety-Video hat Air-France
offensichtlich bei „Amélie“ geklaut,
aber wenn schon, denn schon,
und die Flugbegleiter*innen
können sich die Gymnastik sparen.
Meine Lieblingsentertainmentoption
ist aber instant das Bild der Kamera,
die irgendwo direkt über mir sein muss
(ich sitze ziemlich weit hinten),
und auf der ich sehen kann,
was mit mir passiert:
Hoch über den höchsten Wolken
der Sonne hinterher fliegen,
die Küste des Ozeans
nur noch ein paar Flugminuten entfernt.
Bis in die Hauptstadt des Westens
sind es aktuell noch 7 Stunden und 10 Minuten,
die Uhrzeit dort: Halb 4 p.m.
Wie viele um mich herum,
schließe ich kurz die Augen,
wir haben unsere Reiseflughöhe erreicht.

Das Abendessen sieht enttäuschender aus,
als es schmeckt,
dazu gibt es Bier
und danach Kaffee, schwarz.
Die Menschen unterhalten sich angeregt
mit ihren Nachbar*innen,
die Flugbegleiter*innen bieten sogar Cognac an.
Das Licht vor den Fenstern
verändert sich nicht,
in Paris und Berlin
geht die Sonne gerade unter.
Morgen erst ist der längste Tag des Jahres;
in meiner Blase, hier, hoch oben in der Luft,
aber schon heute.

Gut.
Dann also weiter im (Episoden-)Text.
Ich hatte ja vorhin schon
die Tür in der vierten Wand
ganz schön weit aufgemacht,
wagt also noch einige kurze Blicke
auf meine Seite des Schwarzen Spiegels:
Natürlich wird das
keine normale Staffel.
Die Grundstruktur bleibt allerdings,
mehr oder weniger,
aufrechterhalten,
das Rückgrat von #DieDoppeltenZwanziger
ist inzwischen ganz gut verknöchert:
Serienepisoden werden sich abwechseln
mit Kurzgeschichten
und irgendwelchen Fragmenten eines Romans
aus irgendeinem Paralleluniversum.
Das ganze zeitgeistig angerührt
und in pretty german style
(Why do it simple when you can do it complicated?).
Besonderes aber
gibt es (neben dem Inhalt) eben auch:
Kürzere Abstände zwischen den Texten,
dafür aber auch kürzere Texte,
schließlich fliege ich
ja nicht nur zum Schreiben über den Teich.
Euch und mich erwartet also
viel mehr Tagebuch als sonst,
noch mehr Reportage
und viel weniger Weltgeschehen.
Und noch viel mehr als sonst gilt:
All this happened.
Not more or less;
Gespreiztes Storytelling
hebe ich mir für die dunkleren Tage auf,
die kommen früh genug.
Ich hätte diese Staffel sogar
ganz gerne auch
mit „Fables of the Reconstruction“ betitelt;
habe ich aber nicht.

Zu all diesem Nicht-Schnickschnack
kommen in den nächsten Wochen
drei (Leit-)Motive:
Erstens:
My very own private bubble.
Zweitens:
Wandern vs. Autofahren.
Drittens:
Provinz/Flyoverstates vs. Metropolen/große weite Welt.
Zu Erstens:
Die Staffel trägt ihren Titel
also auch nicht ohne Grund.
Welche Sonderform der Bubble
ein/e Blister allerdings ist,
das dürft ihr selber chatGPTen.
Und „my own private“?
Dazu kommen wir sicherlich noch
mehr als mir lieb sein kann,
hier nur so viel:
Mein Teenager-Pre-Mid-Western-Emo-Ich
hat jetzt knapp 30 Jahre lang
genug von den USA geträumt
und will sich endlich
mit eigenen Augen und Ohren davon überzeugen,
dass diese Staaten,
und gerade der Mittlere Westen,
doch viel besser sind
als ihr echt beschissener Ruf.
Zu Zweitens:
Das mache ich einfach beides unwahrscheinlich gerne,
was liegt also näher,
als das ganze einfach mal auf die Spitze zu treiben.
Zu Drittens:
Das kennen wir schon
als Motiv aus den letzten acht Staffeln,
Kontinuität weitergedacht, und so.

Hätte die Reise übrigens
aus irgendwelchen Gründen nicht geklappt,
dann hätte ich selbstverständlich
den Karl May gemacht
und mir einfach alles ausgedacht.
Ich wäre in die Sächsische Schweiz gefahren,
hätte mit räudigen Präriehunden,
Cowboys ohne Kuhherden,
und Ureinwohnern am Lagerfeuer gesessen
und Geschichten von wilden Schießereien
wegen irgendwas erfunden,
alles mit ganz, ganz viel Abenteuer
und lustig-peinlichen Nebenfiguren.
Das alles aber natürlich
im Stile einer Philomena Cunk,
damit die selbstironische Brechung,
die der großen Lebenslüge
als Identitätsstifterin,
das fleischgewordene Impostersyndrom,
nicht ganz untergeht,
schließlich ist das hier immer noch
post-post-post-irgendwas;
ich schweife ab.
Ein Versprechen gebe ich übrigens
was den Weniger-Weltgeschehen-Teil angeht:
Ganz ohne wären #DieDoppeltenZwanziger
natürlich nicht sie selbst,
aber:
Ich werde ganz und gar in den USA sein,
also absolut null deutsche Medien verfolgen
(außer privaten Nachrichten von zu Hause),
sondern vorwiegend CNN und Fox News.

Wir haben immer noch nicht mal
die Hälfte des Weges übers Meer geschafft,
die ersten werden sichtlich unruhig,
können nicht mehr sitzen
oder rutschen in einen ungemütlichen Schlaf.
Unsere innere Uhr geht auf Mitternacht zu,
draußen sieht es höchstens nach Feierabendlicht aus.
Und doch bin ich schon so weit weg,
dass schon langsam beginnt zu verblassen,
wovor ich eigentlich auch geflohen bin.
Und ja, ja,
ich hatte mit vorgenommen nicht zurückzuschauen,
aber ein kleiner Blick kann nicht schaden,
um das Anliegen noch ein letztes Mal deutlich zu machen,
und außerdem habe ich gerade noch Zeit genug;
ich beeile mich auch
und lasse es möglichst nebensächlich klingen.
In Deutschland war nämlich
zuletzt das hier Fakt:
Am 18. Juni, also vorgestern,
wollten sich die Burschis
allen Ernstes in der Paulskirche treffen
und vor allen anderen Demokraten
den 175. Geburtstag der Republik feiern,
oder den des Reiches,
je nach dem, welchen Boysclub man gefragt hätte.
Frankfurt allerdings
hat zwei Tage vorher
noch die Notbremse gezogen.
Dann ist Uwe Tellkamp
wieder verhaltensauffällig geworden
und hat sich als Rammsteinfan geoutet.
Deren Auftritte, demnächst
im Berliner Olympiastadion, dürften
das Sommerloch dann auch endgültig
auf das nächste Level heben:
Ein Sommerarschloch namens Till Lindemann.
Vielleicht kriegt Berlin ja aber auch
noch eine vernünftige Entscheidung hin,
ohne dass Björn Höcke
die Chance zum Umsturz nutzen lassen will.
Das hätte im thüringischen Sonneberg
nämlich schon fast geklappt:
Der erste AfD-Landrat der Geschichte
konnte erst in einer Stichwahl verhindert werden.
Da kann Friedrich Merz
also die Zusammenarbeit mit den Nazis
vorerst noch grundsätzlich ausschließen,
applaudiert dafür aber Claudia Pechstein,
die den Preis für den Obermegacringe des Jahres
gewonnen haben dürfte
(sie hat eine Rede „gehalten“,
in Polizeiuniform,
die richtig schlecht war,
welche Merz aber als „genial“ bezeichnen durfte).
Ansonsten regen sich Kartoffeln
weiter über die Heizdiktatur auf,
erfinden neue krasse Wörter
wie Grundsteuerbescheideinspruchsflut,
oder laden Neugierige mit flotten Slogans
zum Schlimmsein ein:
„Kaffee und Kuchen genießen und dabei schießen“
(original Plakatspruch des Schützenhauses Quedlinburg).
Die meisten schaffen es so immerhin,
die fürchterlichste Flüchtlingskatastrophe des Jahres wegzuignorieren:
Im Mittelmeer, vor dem griechischen Kalamata,
ertrinken mehrere hundert Menschen,
die Rolle der griechischen Küstenwache wird gerade geklärt.
Schleuser sind jedenfalls schon reichlich festgenommen.
Und im Harz?
Herrscht aktuell wieder Waldbrandstufe 4.

Und, klar, vor nichts davon
kann ich wirklich fliehen,
denn ich habe ja auch nichts weniger vor,
als genau dahin wieder zurückzukehren,
aber:
mein selbstbewilligtes Stipendium,
meine Inde-fucking-pendence
treibt mich vor allem
ans andere Ende
des Hinterlands
hiervon:

 

18. Juni

Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe. Woche 68.
Eine weitere Woche, in der alles schlimmer wird; ansonsten: Business as usual. Montag: Melnyk fordert noch mehr Panzer, besonders deutsche. In Saporischschija werden sieben weitere davon (und fünf Bradleys) zerstört, es werden weitere Orden verteilt. Angeblich kriegen sich Selenskyj und Klitschko (Bürgermeister von Kiew) zunehmend in die Haare. Mit „Achmat“ wird die erste Privatarmee von Russland unter Vertrag genommen, Kadyrow ballt die Faust für die Kameras. In Donezk werden weitere Dörfer befreit. Russland behauptet das Gegenteil. Ein neues Gutachten soll die westlichen Bürger*innen aufklären: „Noch lange kein Frieden“. Derweil ist „Air Defender“ angelaufen, bislang ohne Probleme („si vis pacem para bellum“ heißt es als Rechtfertigung auf allen Kanälen). Die G20 können sich in Indien nicht auf eine Abschlusserklärung einigen. Scholz, Macron und Duda („Weimarer Dreieck“) beraten sich in Paris. „Wir hoffen, dass die Gegenoffensive so siegreich wie möglich ist, damit danach eine Verhandlungsphase unter guten Bedingungen eingeleitet werden kann.“ Putin verteilt am „Tag Russlands“ Orden in einem Krankenhaus in Krasnogorsk. Deutschland und die Ukraine trennen sich bei einem Freundschaftsspiel 3:3 in Bremen. Dienstag: Die Luftabwehr über Kiew vereitelt den nächsten Beschuss, in Krywyj Rih treffen Raketen unter anderem ein Wohnhaus (mindestens 11 Tote). Auf der anderen Seite (russische Oblast Kursk) schlagen ebenfalls Geschosse ein, auch hier werden zivile Gebäude getroffen. Moskau präsentiert eroberte Leopard-Panzer auf Telegram. Putin diktiert seinen Militärbloggern im Fernsehen: Die ukrainischen Verluste sind seit Beginn der Gegenoffensive zehn mal höher als die russischen, bereits 30% aller vom Westen gelieferter Ausrüstung ist zerstört, es besteht kein Grund zur Verhängung des Kriegsrecht oder einer weiteren Mobilmachung, Bedingung für Friedensverhandlungen ist der Stopp westlicher Waffenlieferungen, über weitere Gebietsbesetzungen in der Ukraine wird nachgedacht. Die IAEA (Atomaufsicht) ist inzwischen wieder „sehr besorgt“ wegen des AKW Saporischschija. Die Pegel des Dnipro fallen weiter. Auch die Bundesregierung wusste wohl von dem ukrainischen Anschlagsplan auf NordStream2. Die USA kündigen das nächste Hilfspaket an (325 Millionen Dollar). Mittwoch: In der Nacht schlagen Raketen in Odessa und Kramatorsk ein. Putin beziffert die ukrainischen ukrainischen Verluste der Gegenoffensive auf 160 Panzer und 360 gepanzerte Fahrzeuge. Medwedew droht mit der Sabotage der Atlantikleitungen. In Deutschland wird eine neue nationale Sicherheitsstrategie vorgestellt: „Die ganze Palette unserer Sicherheit“ (Scholz): Wehrhaftigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit. Das DRK warnt vor Wasserknappheit oberhalb des Kachowka-Damms. Die Ukraine meldet jeden Meter Landgewinn. Der Report Psychotherapie schreibt: Krieg ist schlimmer als Pandemie. Am späteren Abend sind auch über Quedlinburg Militärmaschinen zu hören. Die Ukraine meldet eine „Erfolgsquote“ von 9:1 in Bachmut und 5:1 in Cherson und Saporischija. Donnerstag: Russland stellt 20 Soldaten des Asow-Regiments vor Gericht. Weitere Luftangriffe auf Odessa und Krywyj Rih. Über der Krim werden Drohnen abgeschossen. Moskau kündigt für den 10. September Wahlen in den besetzten Gebieten an. Selenskyj schlägt dem Schweizer Parlament einen internationalen Friedensgipfel vor. Der Westen schickt neue Flugabwehrsysteme und 14 weitere Leopard-Panzer. Die Nato plant ein neues Gesprächsformat mit der Ukraine (Nato-Ukraine-Rat). Kadyrows Achmat-Söldner haben ihren ersten Job: die Verteidigung von Belgorod. Freitag: Bei einem ukrainischen Angriff stirbt der General der 35. Armee, die zu Kriegsbeginn in Butcha dabei war. Deutschland liefert weitere Patriot-Raketen, Luftalarm über Kiew, Einschläge in Cherson. Selenskyj sagt NBC: „Unser heldenhaftes Volk, unsere Truppen an der vordersten Front sehen sich sehr hartem Widerstand gegenüber“, glaubt aber fest an den Sieg. In St. Petersburg kündigt Putin höhere Rüstungsausgaben an und glaubt an ein russisches Wirtschaftswachstum von 2% in diesem Jahr. Zudem bestärkt er die Behauptung, die Ukraine sei in der Hand von Neonazis, und Selenskyj sei eine Schande für das jüdische Volk. Für die Nato sollen 2% des BIP der Mitgliedsstaaten zukünftig die Untergrenze sein. Das ukrainische Militär beziffert die russischen Verluste an der Südfront inzwischen auf mehr als vier Kompanien. Stoltenberg versichert, auf dem kommenden Natogipfel werde es keine Einladung für die Ukraine geben, dem Bündnis beizutreten. Selenskyj lehnt einen südafrikanischen Vorschlag für Friedensverhandlungen ab. Samstag: Bis zum Mittag erscheint bei der Tagesschau kein Liveblog, stattdessen „70. Jahrestag des 17. Juni“ bis kurz vor die Geschichtsrevision. In der Nacht hat Russland einen Angriff auf die Drushbapipeline vereitelt. Der russische Verteidigungsminister fordert die Beschleunigung der Panzerproduktion. Der südafrikanische Präsident landet in St. Petersburg. Pistorius sagt auf einem kleinen Kirchentag in Osnabrück: „Das Streben nach Differenzierung von Dingen, die sonnenklar sind, verwischt die Verantwortlichkeiten.“ Sonntag: Sunak und Selenskyj kündigen für die kommende Woche eine Geberkonferenz an, für private Geber. Stoltenberg: „Je mehr besetztes Territorium die Ukraine befreien kann, desto bessere Karten hat sie am Verhandlungstisch, um einen gerechten und dauerhaften Frieden zu erreichen.“ Bei Henitschek geht ein russisches Munitionslager in Flammen auf. Die NYT legt in einem Bericht nahe, dass der Kachowka-Damm von Russland gesprengt wurde. Besonders an der Südfront eskalieren die Kämpfe, unter enormen Verlusten wird das Dorf Pjatychatky zurückerobert. Selenskyj dazu: „Danke an jeden ukrainischen Vater, jede ukrainische Familie für unsere starken und mutigen Soldaten, die die Unabhängigkeit der Ukraine verteidigt haben und für das Leben der Ukraine kämpfen.“ Bundeswehr-General Christian Freuding möchte nicht von der „Berliner Sommerterrasse aus“ die Erfolge der ukrainischen Armee beurteilen, stellt aber fest, die russische Armee ist sehr gut vorbereitet. Wagner hat inzwischen 32.000 ehemalige Häftlinge wegen guter Führung an der Front entlassen.

 

Warum also ausgerechnet jetzt
ausgerechnet die US
of fuckin’ A?
Die uneingeschränkte Führungsmacht der Nato?
Warum nicht Südamerika, Südostasien, Ozeanien?
Da ist es auch beautiful!
Ganz einfach:
Wegen Gründen.
Sehr, sehr vielen davon;
im Zweifel
einfach random zurückblättern …
Hier nur die aktuellsten:
Trump steht schon wieder vor Gericht.
Dieses Mal in Miami(!).
Der nächste „final battle“ steht an,
aber irgendwie zieht’s nicht mehr,
außer vielleicht im Mittleren Westen;
ich werde entsprechend berichten.
Viel frischer auf dem Skandaletisch:
Hunter Biden bekennt sich schuldig
(u.a. Steuerhinterziehung),
mal sehen, was Kentucky dazu meint.
Dann will ich wissen,
ob es diese Gunshops wirklich gibt,
oder dass man wirklich
im Walmart
Knarren kaufen kann,
was ich immer noch für ein Klischee halte.
(FunFact:
In Serbien wurden innerhalb der letzten sechs Wochen
85.000 Waffen und 3.000.000 Schuss Munition abgegeben.
Kann also so schwer nicht sein.)
Und echte Tornados will ich sehen.
In Kansas.
Oder auch in Nebraska.
Durch Texas,
wo die gerade wüten,
komme ich nämlich nicht.
Meine „Climate Resilience“
braucht Anschauungsmaterial,
sonst wird das nicht mit der Gewöhnung.
Und und und.
Ich komme zum Ende für heute/gestern.
Gefühlte Zeit: Kurz nach 1 Uhr.
Zeit am Zielflughafen: kurz nach 20 Uhr.
Draußen spielt sich seit Stunden
ein Sonnenuntergang in Superzeitlupe ab.
Und ich erwähne nur noch schnell,
wie nebensächlich,
einen der heimlichen Gründe dieser Reise;
wenn schon nicht der wichtigste,
dann aber auch nicht der unwichtigste:
Das Fliehen vor meinen Ängsten
ins Leben.
Ängste davor,
mich selber ernster zu nehmen
als andere es jemals tun könnten.
Angst davor,
mir selber nie gerecht zu werden.
Und meine momentanen drei Hauptängste:
Angst 1:
Ich habe mich übernommen,
habe mir wie immer zu viel zugetraut
und stehe quasi morgen schon
vor den Trümmern meiner Hybris.
Angst 2:
Ich komme wieder,
und nichts hat sich verändert,
weder ich, noch die Welt.
Angst 3:
Ich komme wieder
und bin immer noch kein Literatursuperstar.
Irgendeine davon ist natürlich Quatsch,
aber entscheidet Ihr das ruhig.
Eine ganz reale Angst allerdings,
die bekämpfe ich seit heute morgen:
Irgendwas wichtiges irgendwo liegenlassen.
Bis jetzt hab ich noch alles,
habe aber auch noch 44 Tage Zeit.

So.
Glasklarer Fakt ist,
dass das hier alles
mindestens lebensverändernd wird.
Nur wie und warum,
das steht noch hinter den Sternen.
Aber die sind ja gerade jetzt,
in diesem Moment,
fast schon zum Greifen nah.
Fakt ist aber auch:
Der übergroße Don DeLillo
hat in „Americana“
keine 100 Seiten gebraucht,
bis David Bell die Erkenntnis hatte,
endlich mal raus zu müssen.
#DieDoppeltenZwanziger
haben mehr als 1.000 Seiten gebraucht,
um aus dieser Erkenntnis
ein (über)großes Ereignis werden zu lassen.
In welchem sie sich hoffentlich
nicht verlieren.
Aber wozu gibt es denn Karten?
Und wozu Legenden?

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