(Bild: „Upside Down (upside down)“. Quedlinburg. Januar 2024)
„Wer Augen hat,
hat Augen gemacht,
als gestern Nacht
die Welt gekracht,
hat leise geweint,
weil er weiß was das heißt:
Dass die heutige Zeit
die Menschheit entzweit.“
So.
Gleich die erste Woche
des fünften Jahres
von #DieDoppeltenZwanziger
sucht in der Rückschau
zunächst vergeblich
nach einer vergleichbaren
Eskalationsstufe,
findet sie nicht
und weiß gleichzeitig,
dass die folgende
nicht lange auf sich warten lassen wird.
Aber dazu gleich ausführlich,
denn zunächst müssen
#DieDoppeltenZwanziger
eine Selbsterkenntnis offenbaren,
von wegen Epiphanie und so:
Mir ist endgültig aufgegangen,
dass ich ja eigentlich
gar nicht
über den Weltuntergang schreibe,
sondern in erster Linie
über den Untergang
meiner Welt,
also den Niedergang
des Westens.
Und ich werde immer noch (nicht immer)
darüber fertig,
dass ich (und ein paar andere)
auch schon mal zu einer anderen „Seite“
gehört haben,
nur um jetzt dem westlichen Kapitalismus
von innen
beim Auseinanderbrechen
beiwohnen zu müssen.
Und ich muss auch gestehen,
ganz langsam
wird es auch hier,
in der friedlichsten und beschaulichsten Provinz,
irgendwie unheimlich.
Und zwar nicht nur
wegen der inzwischen fast stündlichen Schockmeldungen,
sondern weil dieses ungute Gefühl
seit Jahren nicht nur nicht verschwinden will,
sondern momentan unbestritten zunimmt.
Ein erstes, kleines Beispiel:
Aufgeheizt wie nur was
ist die Stimmung unter den hiesigen
Einzelhändler*innen und Klein- bis Mittelunternehmer*innen.
Einige werden nämlich morgen (8. Januar)
sich selbst und ihren eventuellen Angestellten
entweder den ganzen Tag frei geben
(bei gleichzeitigem Lohnausgleich)
oder mindestens die Mittagspause verlängern
und Pizza für alle spendieren,
falls die Pizzabäcker*innen
nicht auch mitmachen.
Wobei?
Achtung, anschnallen!
Beim „Generalstreik“.
Ein Ergebnis dieses Witzes von Revolte
gegen „die da oben“
wird aber auf jeden Fall sein,
dass ab morgen alle wissen,
wer noch alle Latten am Zaun hat,
und wer mindestens ein Ei zu viel
am Wandern hat;
ich bin sooo kurz davor,
eine Liste erstellen zu wollen…
Doch erstmal genug
mit provinzieller Empörung
und somit ja auch nur indirekter Spaltung,
der Rest der Welt
eskaliert immerhin
in noch ganz anderen Dimensionen:
Das Jahr beginnt
irgendwie erwartbar
mit einer Naturkatatstrophe,
die vor nicht allzu langer Zeit
noch locker für einen ARD-Brennpunkt gereicht hätte,
heutzutage aber kaum zwei Tage
in den Newszyklen überdauert:
Am Neujahrstag bebt die Erde in Japan,
beinahe hundert Menschen sterben dabei,
tausende werden obdachlos
und leben tagelang in der ängstlichen Erwartung
eines dem Beben folgenden Tsunamis
verheerenden Ausmaßes.
Der ist glücklicherweise ausgeblieben,
dafür aber explodiert
in Tokio eine gerade noch vollbesetzte Passagiermaschine,
die mit einem Hilfstransportflugzeug
für die Erdbebenregion
kollidiert war,
und die aber auch glücklicherweise
noch evakuiert werden konnte,
bevor sie in einem spektakulären Feuerball aufging,
der stundenlang auf allen Kanälen übertragen wurde,
und nur ganz kurz unterbrochen
durch die Meldung,
dass in der Türkei
jetzt der Prozess gegen die Bauunternehmer begonnen hat,
in deren zusammengestürtzten Hotel
beim bisherigen Jahrhundertbeben
vor fast einem Jahr
72 Menschen gestorben sind
(die ebenfalls mitverantwortlichen Baubeamten
stehen übrigens nicht auf der Anklagebank).
Aber auch hier
beginnt das Jahr
wie das alte geendet ist.
Mit einer Naturkatastrophe epischen Ausmaßes,
die gleichzeitig ein Blick in die Zukunft zu sein scheint:
Das Westeuropäische Winterhochwasser.
Selbst in Frankreich
sind momentan acht Departments
(der gesamte Norden des Landes)
überflutet.
In Deutschland
müssten die Dämme eigentlich schon gebrochen sein,
es regnet wieder beinahe ohne Pause,
glücklicherweise verwandelt sich der Niederschlag
vorübergehend in Schnee.
Von Oldenburg bis in den Kyffhäuserkreis
bangen die Menschen inzwischen seit zwei Wochen,
nicht wenige sind evakuiert.
Weder ist abzusehen,
wie die nächsten Wochen aussehen werden,
noch, wie hoch der Schaden bereits ist;
ansscheinend aber sehr hoch,
denn niemand wagt sich mit einer Schätzung vor,
und die „Schuldenbremse 2024“
ist schon nach einer Woche endgültig Geschichte.
Und während die Dämme langsam fester frieren,
besucht sogar der Kanzler die Katatstrophengebiete,
doch auch dazu später noch mehr.
„Weil Menschlichkeit
sich auf Dummheit reimt,
hat der Zeitgeist bereits
vor Jahren gezeigt:
Wer was hat,
der kommt weit,
wenn er es behält
und nicht teilt.“
Und?
Wer also soll daran
dann schon wieder Schuld haben?
Natürlich…
Die Grünen.
Also zumindest für diejenigen,
die es mit dem Teilen nicht so haben.
Und dabei war es jenen
ja nicht einmal gelungen,
trotz jahrelanger Bemühungen,
auch nur irgendetwas
am Status Quo zu verändern,
zumindest jedenfalls,
wenn es um die
bis zum nächsten Silvester schlummernde Debatte
um das Böllerverbot geht.
Ansonsten soll Silvester
wohl soweit im Rahmen geblieben sein,
ich jedenfalls bin unter „Feuerwerk in der Ferne“ eingeschlafen,
und am nächsten Tag stand der Kölner Dom noch,
und Neukölln war immer noch in Neukölln.
Das allerdings hat den Berliner Bürgermeister
nicht davon abgehalten,
die „vereinzelten Auseinandersetzungen“
zwischen Bürgern und der Polizei
als „Angriffe auf unsere Art zu leben“ zu bewerten;
kein CDU-Kommentar
ohne deutsche Leitkultur.
Die Berliner Polizei selbst
hatte an Silvester selbst
aber sogar noch Sinn für Humor,
denn nirgendwo Anzeichen des Bürgerkriegs:
„10 Personen
sollen vor einem Späti in #Neukölln stehen.“
Woanders war es schon anders:
In Hamburg brennt es in einem Gymnasium,
und in Connewitz brennt kurz mal
eine Polizeiwache.
Die Zahl der Toten bei Böllerunfällen
beläuft sich bundesweit auf vier,
abgesprengte Extremitäten belaufen sich
auf deutlich höhere Zahlen.
Aber wie erwähnt,
Silvester 23 in Deutschland:
In Anbetracht der Erwartungen:
Noch mal gut gegangen.
Da will sogar die FDP
erstmal weiterampeln,
die Mitgliederbefragung
hat ergeben:
Lieber schlecht regieren
als gar nicht regieren.
Schwamm drüber,
nur wenige Tage später,
auf dem „Dreikönigstreffen“,
hat ausgerechnet Christian Lindner
eine Sternstunde der Schlagfertigkeit:
Als bei seiner Rede
auf einer viel zu großen Bühne
in der Stuttgarter Oper
auf einem der Balkons
ein Transpi geflaggt wird,
nimmt er sich kurz die Zeit,
liest aufmerksam,
lässt einige Sekunden verstreichen
und holt dann zu einem vernichtenden Konter aus:
„Wenn attac jetzt für das Klimageld wirbt,
dann ist das das erste Mal,
dass linke Autonome
für das Wahlprogramm der FDP werben.“
Tosender Applaus, Grinsen zum Balkon,
und im nächsten Satz
die Solidarität
mit den derzeitigen Flutopfern betonen.
Die (Noch-)Opposition
ist da natürlich ganz anderer Meinung,
wer wäre sie sonst noch
im Vergehen unserer Demokratie?
Der bayrische Teil
der zukünftigen Kanzlerpartei
darf wie immer vorpreschen:
Auf der CSU-Klausur auf Schloss Seeon
sagt Dobrindt trocken:
Die Ampel hat fertig.
In welche Richtung
also in den kommenden Jahren marschiert wird,
das darf dann Söder selbst verkünden:
Er fordert eine 7-monatige Wehrpflicht,
wegen ihm auch gerne für alle.
Die CDU selbst distanziert sich umgehend
und spricht von einem „Allgemeinen Dienstjahr“.
Die Wehrbeauftragte findet das schwedische Modell gut,
aber „die alte Wehrpflicht kommt nicht zurück“,
aber vielleicht ein „Gesellschaftsjahr“;
wording matters.
Und die aktuelle Kanzlerpartei
startet auch denkbar schlecht ins neue Jahr:
Die Tagesschau bringt eine fiese Text-Bild-Schere:
Kevin Kühnert am Redepult,
darunter:
„Warum die SPD im Osten schlecht ankommt“.
Ach, wenn es doch nur
so einfach wäre.
Oder wenigstens
einfach so
bleiben würde.
„Damit unsere heile Welt
noch eine Weile hält,
halten wir uns raus,
nur so fühl’n wir uns zuhaus.
Damit unsere heile Welt
noch eine Weile hält,
stellen wir uns nicht quer,
denn unser Staat ist fair.“
(Steiner & Madlaina: Heile Welt. 2021)
Zugestanden,
dieses Zitat bezieht sich explizit auf die Schweiz,
aber die Überleitung funktioniert
auch deswegen:
Denn, es ist doch noch soweit,
der Bürgerkrieg(!!11!!) beginnt doch noch:
Alle, die Tell anscheinend falsch verstehen wollen (oder sollen),
sofern sie mehr als Apfel und Bogen damit verbinden,
dürfen ab morgen beweisen,
wie weit abseits der Gegenwart
sie inzwischen sind.
Die Vorbereitungen für Phase Eins aka „Bauernkrieg“
laufen seit Wochen auf Hochtouren.
André Poggenburg (Aufbruch Deutschland)
erinnerte schon vor Weihnachten an Thomas Müntzer,
und auf den einschlägigen Kanälen wurde gefragt,
„was die an dem Tag für Wetter machen“.
Und während bundesweit
die Trecker geputzt und vollgetankt werden,
um morgen das Land lahmzulegen,
richtet sich der Hass
schon gegen die vermeintlich Hauptverantwortlichen,
und zwar in der direkten Konfrontation:
Am Donnerstag vor der „Ampelabschaltung“
wird Olaf Scholz
bei einem Besuch im Süden von Sachsen-Anhalt
im volkssprachlichen Sinne bepöbelt.
Unser Landesvater,
der ihn mit ebenfalls betroffenem Gesicht
auf seinem Rundgang
durch das Südharzer Wattenmeer begleitet,
soll dabei einem der Pöbler angeblich folgendes zugerufen haben:
„Geh arbeiten!“
Am Nachmittag des nächsten Tages
wird in Berlin verkündet,
dass der Staat den Bauern entgegenkommt,
die meisten Subventionen bleiben,
oder sollen deutlich langsamer abgebaut werden.
Das allerdings
hält die Esel in ihrem Lauf nicht auf:
Am Abend wird der Vizekanzler
nicht von seiner Nordseefähre gelassen,
ein wütender Mob versperrt die Anlegestelle.
Auf das Angebot von Robert Habeck,
mit zwei der Wütenden zu reden,
geht niemand ein,
soweit hatte sich anscheinend niemand vorbereitet,
und das obwohl die Aktion so hübsch geplant war,
denn wie einen Tag später bekannt wird,
sollen dafür wohl „Rechte“ verantwortlich sein;
wer hätte das nur ahnen können.
Bevor wir aber noch
zu deren neuesten „Erfolgen“ kommen,
sei (nochmal) ernsthaft angemerkt,
welche unheimlichen Ausmaße
die Spaltung
auch hier bereits angenommen hat.
Ein zweites, schon größeres Beispiel:
Für die nächste Woche gilt landesweit
ernsthafte Verunsicherung.
Niemand kann sich sicher sein,
morgens zur Arbeit,
in Kita oder Schule zu kommen,
und keiner weiß genau,
wo man morgen was nicht bekommt.
Der Landrat unseres Kreises
stimmt entsprechend ein:
„Die Bauern bringen den Protest auf die Strasse
den viele Bürger in sich tragen.
Deshalb sollte wir in der nächsten Woche
auch Verständnis haben,
wenn es nicht immer so läuft wie gewohnt.
Demokratischer Protest ist nur dann legitim,
wenn er friedlich verläuft.
– Genug ist genug.“
Und der Chef des Bauernverbandes
vergisst nicht zu erwähnen,
dass „Rechte“ auf Demos nicht willkommen sind.
Laut Umfragen läuft es bei denen auch weiterhin erschreckend gut:
In Sachsen liegt die AfD aktuell bei 37%,
die absolute Mehrheit ist zur Ergreifung nahe.
Derweil gibt Hans-Georg Maaßen
die Sahra Wagenknecht von rechts:
Er lässt wissen,
eine „Werteunionspartei“
irgendwo rechts der CDU gründen zu wollen.
Dass sich Faschos untereinander aber noch immer nicht ganz grün sind,
kann man noch daran erkennen,
dass Mussolini-Enkelin Meloni
die AfD nicht mag.
Allerdings nur wegen deren Nähe zu Russland.
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe. Woche 96.
Mindestens noch weitere 96 Wochen. Montag: Gegenseitiger Beschuss, in Odessa, Mykolajiw, Dnipro und Donezk sterben Zivilisten. Der Bürgermeister von Odessa weiß: „Man sagt, dass die Art und Weise, wie man das neue Jahr begrüßt, die Art und Weise ist, wie man das Jahr leben wird. Dieses Jahr wird die Ukraine diese Regel brechen: Wir werden durchhalten und wir werden siegen.“ Am Nachmittag wird Kiew getroffen und der ukrainische Präsidentenberater ordnet ein: „Manchmal, wenn der Mensch stirbt, weiß er das nicht, aber er ist tot. Und genau das ist der Fall mit Russland – es ist bereits tot, aber es versteht dies noch nicht ganz.“ Dienstag: Die Flugabwehr über Kiew kämpft die ganze Nacht, für das ganze Land gilt Luftalarm. Norwegen verkauft ab sofort direkt Waffen nach Kiew. In Belgorod schlagen ukrainische Raketen ein. Auch ACAB spricht wieder vom Vernichtungs-willen Putins. An der Ostfront gehen mehrere Leopard-Panzer in Flammen auf. Mittwoch: Belgorod steht weiter unter Feuer, auch die Krim wird weiter beschossen. Die russischen Gaslieferungen an China sind weiter deutlich gestiegen. Die Nato bestellt neues Gerät („Patriots“) bei Comlog, demnächst werden die US-Flugabwehrraketen also in Deutschland gebaut. Die Ukraine bittet für 2024 um 37 Milliarden Dollar Finanzhilfe. Die Ukraine und Russland tauschen hunderte Gefangene aus. Donnerstag: Das ukrainische Militär beklagt Munitionsmangel bei der Flugabwehr. Die USA wissen: Russland kauft Kurzstrecken-raketen vom Iran und setzt bereits nordkoreanische Raketen ein. In der Zentralukraine (Kropywnyzkyj) wird die Energieinfrastruktur getroffen. Die Polizei in Moldau nimmt einen Schleuser von Wehrdienst-verweigerern aus der Ukraine fest. Ausländischen Kämpfern, die sich für Russland verdingen, wird die Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt. Über der Krim wir die Flugabwehr aktiv. Laut ARD-Deutschlandtrend rechnen 87% der Deutschen nicht mit einem Kriegsende in diesem Jahr. Freitag: Über Sewastopol steigt Rauch auf. Die USA sehen in der behaupteten Raketenlieferung Nordkoreas ein weiter „Eskalation“, die Ukraine möchte das noch nicht bestätigen. Die Bürger*innen in Belgorod sollen evakuiert werden. ACAB, Agnes Strack-Zimmermann und Anton Hofreiter bekommen ukrainische Verdienstorden. Samstag: Über der Krim brennt weiter der Himmel, die Ukraine behauptet sogar, eine Kommandozentrale in Saky zerstört zu haben. Auch Söder fordert jetzt die Lieferung von Marschflugkörpern. Bei einem russischen Raketenangriff auf Pokrowsk sterben 11 Zivilisten. Selenskyj reagiert: „Wir arbeiten so hart wie möglich daran, dass unsere Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sich in diesem Jahr bei einem erheblichen Teil ihrer Aktionen auf unsere eigene ukrainische Produktion stützen können.“ Sonntag: Putin feiert das orthodoxe Weihnachtsfest mit den Familien von russischen Soldaten: „Viele unserer Männer, unsere mutigen, heldenhaften Jungs, russische Krieger, verteidigen auch jetzt, an diesem Feiertag, die Interessen unseres Landes mit der Waffe in der Hand.“ Die japanische Außenministerin taucht überraschend in Kiew auf und verspricht 37 Millionen Dollar für die Luftabwehr. In Cherson treffen russische Geschosse einen Markt und ein Wohnviertel. An der tausend Kilometer langen Front immer noch Nichts Neues.
In Other Wars
In Israel
wird die lange umstrittene Justizreform
vom Obersten Gericht gekippt,
Netanyahu macht ein langes Gesicht.
Auch weil in der Türkei
33 israelische Spione verhaftet werden.
Ab Mittwoch greift der Krieg
dann wieder weiter um sich:
Israelische Drohnen treffen Ziele
in einem Vorort von Beirut (Hamasunterschlupf),
die Hisbollah droht umgehend Vergeltung an.
Macron mahnt noch zur Zurückhaltung
und lässt ein französisches Kriegsschiff
zum Krankenhaus für Verwundete aus Gaza umrüsten,
als auf der Gedenkfeier für General Soleimani
in seiner Heimatstadt Kerman (Iran)
100 Menschen bei einem Terroranschlag ums Leben kommen,
dem größten Terroranschlag der Landesgeschichte.
Nicht nur dort wird sofort
Israel als Urheber benannt.
Dann aber bekennt sich ein anderer Staat:
Der Islamische Staat ist also schon wieder da;
die USA glauben das am liebsten von allen.
Da es an der israelischen Grenze zum Libanon inzwischen pausenlos knallt,
ruft die deutsche Bundesregierung
am Donnerstag alle Deutschen auf,
das Land umgehend zu verlassen;
wir haben gelernt,
was das heißt.
Und im Irak
wird dem iranischen Regime
der nächste Kopf abgeschlagen,
in Bagdad wird einem Milizenführer
das Licht ausgeknipst,
mit besten Grüßen
an seinen Vorgänger,
der wohl in der Hölle auf ihn
und seine Mörder warten wird.
Im Netz kann mensch täglich
dem Geschichtsrevisionismus
von allen Seiten zuschauen;
das immer wiederkehrende erste Opfer des Krieges
wird im Äther zerfetzt.
Immerhin wollen noch
70% der Israelis Neuwahlen,
nach dem Krieg.
Der weltweit wieder weiter
gewachsene Antisemitismus
hat sich derweil auch
bis in die provinziellsten deutschen Oberstufen durchgearbeitet.
Aber nein, keine Sorge,
es folgt keine weitere Gruselgeschichte
aus irgendeiner Dorfschule im „Osten“,
sondern eher das Gegenteil,
denn auch sowas gibt es noch.
Ich arbeite mich zur Zeit
durch relativ lange Aufsätze junger Erwachsener
zur Frage nach der deutschen Sonderrolle
im Kampf gegen den Antisemitismus.
Ich mach es kurz,
auch weil ich natürlich nichts wirklich preisgeben kann:
Robert Habeck schafft es als einziger,
die letzte Charge der Gen Z zu überzeugen,
Markus Lanz ist beim ZDF schon ganz richtig,
und noch gibt es Menschen,
die aus der Geschichte lernen können,
ohne sie wiederholen zu müssen,
oder zu denken,
dieser Dieter Nuhr,
also das wäre doch eigentlich auch
ein ganz guter Lehrer geworden.
Gut.
Ich bin diese falsch rum fahrende Rolltreppe von Episode
jetzt lange genug hochgelaufen,
am oberen Ende wartet die Deadline,
und ich setze zum Endspurt an.
Während ich mich noch einmal
bis in den Keller dieses Jahrzehnts
zurückrollen lasse,
schnüre ich meine Sneaker neu,
suche bei Spotify die richtige Musik
und laufe los,
wie immer der Sonne hinterher
nach Westen,
you know
what’s coming.
In Colorado attackieren bisher Unbekannte
den Supreme Court.
Die Presse beruhigt sofort,
das ist natürlich „unrelated“,
hat also mit Trumps Streichung vom Wahlzettel
absolut überhaupt gar nichts zu tun.
An sechs weiteren State Capitols
gibt es Bombendrohungen
(Connecticut, Georgia, Hawaii,
Kentucky, Michigan and Mississippi).
Das veranlasst die momentane Hauptkonkurrentin im eigenen Lager,
Nikki Haley, prompt dazu,
sich hypothetisch gnädig zu zeigen.
Sie würde Trump im Falle ihrer Wahl
wahrscheinlich begnadigen,
einfach um des lieben Friedens Willen.
Und deswegen kann der Frisurensohn
seinen Stiefel ganz entspannt weiter durchziehen:
In Iowa versichert er den Massen,
was alle schon lange geahnt haben:
„Wir sind eine Nation im Niedergang.“
Und manchmal frage ich mich,
ob er nicht vielleicht sogar selbst weiß,
dass er mit „Nation“
nur sich und seinesgleichen meint.
Wahrscheinlich kommt ihm die populistische Lüge vom „Wir“
aber genau deshalb so leicht über die schmalen Lippen.
Denn im Niedergang
sind auch in den USA
vor allem die Reichen und Mächtigen,
nur dass die eben noch nicht auf Rolltreppen fahren,
sondern immer noch im Privatjet rumfliegen.
Passend dazu
kommt in dieser Woche
die „Epstein-Liste“ an die Öffentlichkeit.
Wer sich da nicht alles sofort von distanzieren muss
(z.B. Jimmy Kimmel),
aber alle stürzen sich sowieso erst mal
auf den Offensichtlichen,
Bill Clinton darf als öffentliche Person
dann also endlich in Rente gehen.
Schlecht sieht es auch weiterhin
für Elon Musk aus.
X/Twitter hat seit seiner Übernahme
über 70% an Wert verloren,
und der chinesische Teslakonkurrent (BYD)
ist seit dieser Woche erfolgreicher,
sprich wertvoller
als die Autobude aus Kalifornien.
Gut sieht es dafür aber
natürlich
beim Basketball aus.
Jahrhundertsensation Caitlin Clark (Iowa State)
dreht wieder auf
und ist den Weg zur besten Spielerin ever
schon fast bis zu Ende gelaufen.
Das was Luca Doncic gerade in der NBA abzieht,
nämlich zu zeigen,
wie es aussieht,
wenn ein Mensch das Spiel gemeistert hat,
zeigt die Studentin
exakt so auf den Parkettböden
der landesweiten Universitäten.
Und bevor die Episode
mit einer weiteren Sportsensation enden soll,
einem wahren Ausdauersieg,
nur noch schnell ein kurzer Blick
in die nahe und fernere Zukunft,
damit die Stimmung nicht doch noch zu gut wird:
Neueste Studien belegen,
dass das Risiko für Long-Covid
mit jeder Erkrankung an Covid-19 steigt.
Ja, ich weiß.
Hier deswegen auch noch
eine Kontermeldung:
Antibiotikaresistente Keime
kriegen massiven Gegenwind!
In deutschen Krankenhäusern
können bald die alten Tabletten weggeschmissen werden,
gegen die Bakterien
ist im Labor
ein neues Kraut gewachsen.
Diese Episode verklingt nun also
mit einer Melodie,
die sehr vielen bekannt sein dürfte:
„Korobeiniki“, ein russisches Volkslied.
Im Text dazu,
der sehr vielen völlig unbekannt sein dürfte,
geht es übrigens um das Leeren ein sehr vollen Kiste,
nachts in einem Roggenfeld…
Vor dem Hintergrund dieser Melodie
aus dem 19. Jahrhundert
hat es jedenfalls vor einigen Tagen
ein junger (13) US-Amerikaner geschafft,
das Spiel zu besiegen,
das mit dieser Melodie verbunden ist,
solange es Videospiele gibt.
Bei 999999 Punkten friert der Bildschirm
in Oklahoma ein,
der Junge verfällt sofort in Schnappatmung.
Als erster Mensch hat er es geschafft,
Tetris nicht nur durchzuspielen,
sondern zu schlagen.
Nur die KI hat das bis jetzt geschafft.
Wenn diese Aufholjagd so weiter geht,
kriegt die Gen Alpha ja vielleicht doch noch die Kurve.
Aber dazu in einer der nächsten Episoden mehr,
ab morgen beginne ich,
die ersten Halbjahreszeugnisse
für die allererste Charge
der nächsten Hoffnungsträger*innen zu schreiben.
Während die gerade
das Internet von ganz vorne durchspielen,
easy as is riding
on an escalator.

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