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This Sporting Life (S11:Ep8)

von | 2024 | 29. September | Die Serie, Staffel 11 - If We Hold On ...

Bild: Frieden. Herbst 2024.

 

 

So.
Die erste der zweiten Jahreshälfte
ist dann auch durch
und der Herbst ist gleich
in seiner Hochzeit angekommen.
Zeit also, sich fit zu machen,
für die dunkle Hälfte.
Dementsprechend aktivistisch
ist die Deadline gerade auch
zum Herbstlauf aufgebrochen,
angeblich trifft sie sich da
mit der German Angst, der (Social) Anxiety
und irgendwelchen anderen
düsteren Zukunftsaussichten
zum lockeren Halbmarathon
entlang der Schluchten und Täler
der heimischen Provinzberge,
während ich bis zu ihrer Rückkehr
also alle Ruhe der Welt habe
und schon vor dem Mittag anfangen kann,
dieser Chronik meinen allwöchentlichen Dienst zu erweisen.
Einer Chronik,
die es also schon fast bis ans Ende
ihrer ersten Hälfte geschafft hat
und die das Kritische Weitermachen
inzwischen so sehr zu ihrem Hauptmotiv aufgeblasen hat,
dass selbst Karl Kraus
einen Like dalassen würde.

Und irgendwie auch ganz in diesem Sinne,
hat dann Sybille „Donna“ Berg
Anfang der Woche auch endlich
ihre erste EU-Parlamentsrede gehalten,
ein Paradebeispiel für Understatement,
und zur Krönung auch noch
leicht verschnupft:

„Uh-aah, schnief, vielen Dank. Liebe Anwesende, liebes Volk, ich bin neu hier und habe bereits verstanden, dass wir hier drin dem Aufbegehren der Massen, gegen den Untergang des Systems da draußen, vorbeugen müssen. (genuschelt:) Darum empfiehlt die intransparente EU-Auskennergruppe „Going Dark“, zum Beispiel, die effektive Abschaffung der Kryptographie, also für die anderen. Ich verstehe, dass wir wenigen alles vom Rest wissen wollen können und SMS einfach löschen dürfen, weil wir die Guten sind, dass wir die im (genuschelt:) AI-Akt versteckte biometrische Gesichtsüberwasserung (sic) gutheißen, weil die meisten hier ein wenig gesichtslos wirken. Mithin scheint es, als hätten wir hier drin eine (rasiermesserscharf gesprochen:) digitale Diktaturlust, aber zur Vorbereitung auf meine Arbeit habe ich die Charta der Grundrechte der EU gelesen. Artikel Sieben: Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, schnief, ihrer Wohnung sowie ihrer Kommunikation. Nun glaube ich, die Errichtung von Überwachungsstaaten ist undemokratisch. Wir könnten jene da draußen auch einfach (das erste Mal aufschauend) in Ruhe lassen und die Entwicklung von peer-to-peer Chats fördern, (ein zweites Mal aufschauend) zum Beispiel. Danke.“ (drei vereinzelte Klatscher)

Von Peer to Peer haben sich zeitgleich
übrigens auch zwei der Frontfiguren
des globalen Extremkapitalismus unterhalten:
Xavier Milei und Ursula von der Leyen
haben dabei sogar ein Foto schießen lassen,
in irgendeinem Kellergang in Brüssel.

Aber egal,
die Fabel vom Scheitern trotz/wegen Weitermachens
geht auch nicht immer schlecht aus.
Mir, zum Beispiel,
ist es vor einer guten Stunde gelungen,
meine gefühlt 222. Weißwäsche
vor einer roten Socke zu retten,
die Shirts, Hemden und Socken
hängen jetzt wieder, unverfärbt, auf dem Dachboden,
und die Deadline
wird vor Sonnenuntergang nicht zurück sein,
weswegen die Couch mich beinahe schon anbettelt.
Nur was sollte ich darauf tun?
Lesen etwa?
Aber was denn noch?
Immerhin habe ich „Die Projektoren“
in sportlichen fünf Wochen zu Ende gelesen
und sitze ratlos,
wie immer nach so einem Jahrhundertroman,
im Sessel und weiß nicht weiter,
weil ich wieder so viel mehr weiß.
Immer noch mag ich Rezensionen nicht,
komme aber einfach nicht umhin,
wenigstens ein paar Gedanken niederzuschreiben,
auch um sie loszuwerden
wie ein sich heftig schüttelnder Hund,
damit ich weiter weitermachen kann.
Clemens Meyers Bewerbung für den Literaturnobelpreis
ist nämlich sehr vieles,
eigentlich ja irgendwie alles,
aber eben auch
und vor allem
das beste und unmissverständlichste
Anti-Kriegsbuch
seit „Schlachthof Fünf“,
so übervoll
mit so vielen Beweisen
für die Sinnlosigkeit
egal welchen Krieges,
eine einzige posttraumatische Belastungsstörung,
die aber auch noch mit so viel Humor gespickt ist,
dass den Leser*innen
die Faust von hinten durchs Auge
wie eine Erleuchtung nach der anderen vorkommt,
die die Innenseiten ihrer Augenlider
noch so viele Nächte
mit noch so vielen Projektionen erhellen wird,
dass bald niemand mehr weiß,
wo Osten, Westen, Norden und Süden sind.
Hier nur eines von tausenden Lieblingsdetails:
Hitler und eine der vielen
schattenhaften Figuren des Romans
lauschen begeistert einem Vortrag Dr. Mays,
betitelt mit „Empor ins Reich des Edelmenschen“,
irgendwann vor dem ersten Weltkrieg…
„Die Kriege nahmen kein Ende.“
ist nicht nur deswegen
einer der finalen Sätze des Romans,
die ein bis dahin (nicht mehr wirklich) vorstellbares
letztes Kapitel durchziehen,
das aber gleichzeitig so viel Hoffnung stiftet,
dass das Buch vermutlich
einfach für immer
auf meinem Nachtschrank
liegen bleiben wird.

Gut,
so viel zur deeskalierenden Zauberkraft der Literatur.
Um den endgültigen Ausbruch des Dritten Weltkrieges
aber möglichst schnell herbeizuführen,
oder eben zu verhindern,
setzt die Regierung Israels weiterhin
auf „Deeskalation durch Eskalation“,
und ja, das musste sogar
Jon Stewart bei George Orwell nachlesen,
denn so sah die Deeskalationsspirale in dieser Woche aus:
Die Al Jazeera-Büros in der Westbank werden gestürmt.
Die Krankenhäuser im Libanon sind bereits überlastet,
die Zahl der zivilen Opfer steigt täglich um hunderte,
denn, so Benjamin Netanyahu:
„Jedem, der versucht, uns zu schaden, schaden wir noch mehr.“
Das beantwortet die Hisbollah dann mit den richtigen Raketen,
die es sogar bis nach Tel Aviv schaffen.
Als in New York die UN-Vollversammlung beginnt,
wird die israelische Bodenoffensive im Libanon vorbereitet.
Frankreich fordert natürlich als erstes
eine Sondersitzung des Sicherheitsrats.
Die Forderung nach einer dreiwöchigen Waffenruhe
steht im Raum.
Und während am Freitag
das Hisbollah-Hauptquartier in Beirut angegriffen wird,
erklärt Netanyahu in New York folgendes:
Eigentlich wollte er ja überhaupt gar nicht kommen,
aber nach den ganzen Lügen und Verleumdungen
der ganzen Antisemiten,
musste er doch noch mal das Narrativ gerade rücken.
Dazu hat er eine Karte des Nahen Ostens dabei,
auf der der Libanon, der Irak und der Iran
eigentlich eine einzige, große und schwarze Bedrohung darstellen,
oder einen Fluch, wie er es nennt.
Er erinnert nochmals daran,
dass die Massaker des 7. Oktobers
im Grunde das gleiche waren wie der Holocaust,
und das deswegen kein anderer Weg bleibe
als der „totale Sieg“.
Am nächsten Tag wird also
der Tod des Hisbollah Chefs Nasrallah verkündet,
und sämtliche Krankenhäuser in Beirut werden evakuiert.
In Tel Aviv wird Netanyahu bei seiner Rückkehr
dann mit landesweitem Luftalarm begrüßt.

 

Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 133.
Zum Frieden zwingen. Montag: Selenskyj besucht in den USA als erstes eine Munitionsfabrik. Die russische Luftwaffe fliegt Angriffe auf Saporischija. Litauen kommt mit der US-Waffenschmiede Northrop Grumman ins Geschäft. Scholz bleibt auch in New York bei seinem Nein zum Langstreckenwaffeneinsatz. In Kiew wird mit einer Open-Air-Ausstellung der toten Asow-Kämpfer gedacht. Saporischjia bleibt unter Beschuss aus der Luft. Dienstag: Poltawa ist nach anhaltendem Beschuss zunehmend ohne Energieversorgung. Russlands Positionen bleiben unverändert: „Sobald diese Ziele (die zu Kriegsbeginn formulierten) auf die eine oder andere Weise erreicht worden sind, wird die spezielle Militäroperation abgeschlossen sein.“ In Charkiw schlagen Gleitbomben ein. Pistorius fordert jetzt eine „schnellstmögliche“ Kriegstüchtigkeit. Moskau rekrutiert demnächst auch Straftäter. Donald Trump sieht nur noch einen Ausweg: „Ich glaube, wir stecken in diesem Krieg fest. Es sei denn, ich werde Präsident. Dann regele ich das. Ich werde das verhandeln. Wir müssen raus.“ Mittwoch: Selenskyjs Siegesplan sieht so aus: „Russland kann nur zum Frieden gezwungen werden, und genau das ist nötig.“ China ruft zur Deeskalation auf: „Dringendste Priorität ist es, drei Prinzipien einzuhalten: keine Ausweitung des Kampfgebiets, keine Eskalation der Kämpfe und keine Provokation durch irgendeinen Beteiligten.“ Im Donezk fällt der Ort Ukrainsk an die russische Armee, auf die Dörfer Hostre und Hryhorivka sind „befreit“. Die Ukraine lässt Munition auf das AKW Saporischija fallen, Schäden bleiben aber aus. Deutschland spendet weitere 70.000.000, damit die Ukrainer*innen über den Winter kommen. Die nächsten russische Gleitbomben fallen auf Kramatorsk. Der Kreml ändert seine Atomdoktrin: „In der aktualisierten Fassung des Dokuments wird vorgeschlagen, dass eine Aggression gegen Russland durch eine Nicht-Atommacht, aber mit Beteiligung oder Unterstützung einer Atommacht, als gemeinsamer Angriff auf die Russische Föderation betrachtet werden sollte.“ Donnerstag: In der Nacht ist Kiew erneut Ziel der russischen Luftschläge. Pistorius blickt in Vilnius in die Zukunft: „Wir erleben, wie Russland schnell seine Waffenproduktion hochfährt und seine Streitkräfte dramatisch aufbaut. All das lässt keinen Zweifel: Für Russland, für Putins Russland, ist die Ukraine nur der Anfang.“ Der ukrainische Militärflughafen bei Starokostjantyniw wird von Kinschal-Raketen getroffen. Selenskkyj bringt ein neues Militärhilfspaket aus den USA mit (7.000.000.000), auch Kamala Harris spricht von weiterer „unerschütterlicher Unterstützung“. Freitag: Westlich von Cherson schlagen russische Geschosse ein, auch Ismajil an der Donau wird getroffen. Das Dorf Maryniwka sowie die Kleinstadt Ukrajinsk werden eingenommen. Auch Krywyj Rih steht wieder unter Beschuss. Selenskyj beendet seinen USA-Trip mit einem Besuch bei Trump. Samstag: Bei einem Angriff auf eine Poliklinik in Sumy sterben neun Zivilisten. In Charkiw stirbt ein Richter des obersten ukrainischen Gerichtshofes durch einen direkten Treffer seines Autos durch eine russische Drohne. Sonntag: Ausnahmsweise mal Nichts Neues.

 

Weitergemacht wird also,
selbst die Dauereskalation
wird langsam eintönig,
denn immer weniger Eskalationsstufen
verheißen noch Abwechslung.
Doch einige, die versuchen es trotzdem weiter:
Weitermachen als Chance,
Scheitern als Lebenszweck.
Zum Beispiel: Donald Trump.
Der treibt die Dämonisierung seiner Gegnerin
zu immer neuen Tiefen
und spielt das komplette Misogynie Playbook
einfach mehrfach und in Dauerschleife durch,
jüngstes Beispiel:
Kamala habe „Cognitive Problems“;
haben Spiegelneuronen
denn wirklich gar keinen Stolz?

Völlig unbeeindruckt auch davon
macht auch die Klimakatastrophe weiter
als ob sie eben erst noch ein Klimawandel gewesen wäre:
Niederschläge wie niemals zuvor
gibt es in Japan (540 Liter pro Quadratmeter in 72 Stunden),
auch in Nepal rutschen nach
(nicht mehr so) unvorstellbaren Regenfällen
ganze Stadtteile ab,
in den USA wütet ein einziger Tropensturm („Helene“)
in gleich fünf Bundesstaaten,
und nur Brandenburg kommt bis jetzt noch
mit ein paar vollgelaufenen Kellern zu viel davon.

Warum also selbst der Deutsche Herbst
zu dieser Bedrohung nichts aber auch gar nichts konstruktives beiträgt,
bleibt weiterhin unbegreiflich.
Denn während in China
zum ersten Mal mehr E-Autos
als Verbrenner produziert werden,
sieht sich hier inzwischen eine Partei
als „Partei der Zukunft“,
die von Umweltschutz genauso viel Ahnung hat
wie die aktuellen Grünen vom Pazifismus
(und eigentlich hätte ich diese Episode auch beinahe
„Deutschland, halt’s Maul!“ gennant),
aber der Reihe nach:

Alice Weidel ist also die Kanzlerkandidatin der AfD,
es bleibt zu erwarten,
dass sie nach ihrer Niederlage im nächsten Herbst
die Partei dann endgültig
in die Hände des Flügels legen darf.
Den ersten Stresstest hat unsere Verfassung
in dieser Woche aber zunächst bestanden.
Im Thüringer Landtag kam es zur
erwarteten kalkulierten Eskalation
noch vor der Konstituierung eben dieses Landtages.
Der AfD-Alterpräsident aus Sonneberg
blockiert einen CDU/BSW-Antrag
mit allen legalen und illegalen Mitteln,
die sein Chef von der Abgeordentenbank abnickt.
Tontechniker und die Anrufung des Landesverfassungsgerichts
verhindern am Ende gerade noch so die vorzeitige Machtergreifung,
und die hoffnungsfrohe Landtagspräsidentschaftskandidatin der Faschos
guckt erstmal wieder doof.
Direkt am nächsten Tag werden
die Forderungen nach einem Parteiverbot
sofort wieder sehr laut,
schließlich hat es sich um den nächsten Versuch
eines Bruches der Landesverfassung gehandelt.
Bereits einen Tag später,
an einem Samstag,
gibt das Gericht dem Antrag der CDU statt,
und kurz darauf wird Thadäus König (CDU)
zum neuen Landtagspräsidenten gekrönt,
im ersten Wahlgang.
Die Welt ordnet diese Niederlage der Faschos
als Zeigen von „Respekt“ (der Demokratie gegenüber) ein,
aber in Bornhagen werden schon die Koffer gepackt,
voll mit ausschließlich ideologischem Scheißdreck,
denn Björn Höcke kündigt umgehend seine Kandidatur für den Bundestag an;
die nächste Eskalationsstufe
soll also erst im nächsten Herbst gezündet werden?
Ach was, sagt sich der Bernd,
das geht auch gleich:
Direkt nach dem Urteil
stellt er das thüringische Landesverfassungsgericht
als parteiisch hin,
wie immer ohne weitere Beweise
als die üblichen drei:
Mi, Mi und Mi.
Um ihr Kernthema müssen sich die Faschos
aber auch weiterhin keine Sorgen machen,
am Wochenende spuken schon wieder
Videoaufnahmen eines „Machetenmannes“
in irgendeiner Innenstadt im Ruhrgebiet durchs Netz,
dem Mob reicht das.
Und damit auch der rechtsoffene Flügel des (Klein-)Bürgertums
nicht zu schnell das Interesse verliert,
lässt CDU-Rechtsausleger Kiesewetter
darüber nachdenken,
ob es nicht klüger wäre,
Höcke in Thüringen regieren zu lassen
als mit dem BSW zu koalieren.

So weit, so Rechtsruck.
Aber der Osten kann auch anders:
Landesvater Woidke entzieht der CDU vorläufig die Hand,
und Brandenburg wird vielleicht
bald sogar
Rot-Rot?
Kriegt also wer rechts wählt,
doch immer noch eine linke Regierung?
In Potsdam und Zwickau
werden derweil wieder Teenager
aus Sachsen-Anhalt
mit weißen Schnürsenkeln
in schwarzen Springerstiefeln
und mit maximal ordentlichen Frisuren
über schwarzen Bomberjacken
an Bahnhöfen gesichtet;
das 90er-Comeback ist durchgespielt.

Der Faschoskandal der provinziellen Woche
kommt übrigens mal wieder aus der Bördemetropole,
gleich zu Wochenbeginn kommt nämlich folgendes raus:
Ein Banner im Magdeburger Fanblock
beim Zweitliga-Spiel
gegen den Karlsruher SC (2:2)
beschäftigt ab sofort den Kontrollausschuss
des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
Zu Beginn der Partie war auf dem Banner
– von Pyrotechnik umrahmt –
zu lesen:
„Schützt die Heimat vor fremden Fahnen –
schreitet voran und habt kein Erbarmen.“
Das ist ein Zeile aus dem Lied einer lokalen Nazi-Band.
In der Spruch-Mitte
war zudem ein großes FCM-Logo abgebildet,
das an das Wappen
des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR erinnert.
Der 1. FC Magdeburg nahm umgehend
in einem knappen Statement Stellung:
„Wir befinden uns im ständigen Dialog
mit der aktiven Fanszene
und werden dieses Thema zeitnah offen
sowie mit hoher Priorität besprechen.
Fest steht:
Der 1. FC Magdeburg steht uneingeschränkt
für Toleranz und Vielfalt.
Diese Werte sind für uns von großer Bedeutung
und prägen unser tägliches Handeln.“

Das soll für’s erste aber wieder reichen,
auch beim Thema Faschos
muss ich mir meine Kräfte
immerhin noch weiter einteilen.
Kommen wir also jetzt zu den Grünen.
Beziehungsweise zu dem jämmerlichen Rest,
der am Ende dieser Woche noch davon übrig ist
(Einzelpersonen ausgenommen),
denn erst tritt, längst überfällig,
der Bundesparteivorstand zurück,
dann der komplette Bundesvorstand der Grünen Jugend,
dann (Stand heute)
die Jugendvorstände in Niedersachsen,
dann Bayern,
dann NRW.
Gerüchteweise planen einige davon
tatsächlich was neues.
Und da Personenkult
bei Parteineugründungen oder -neuausrichtungen
gerade total angesagt sind,
hätte ich sogar einen Vorschlag:
Petra Kelly Front.
Würde ich sofort wählen.

Bevor wir aber damit
bereits zur vorletzten Schicksalswahl des Jahres kommen,
sei nur noch kurz erwähnt,
dass die FDP bei allen „Ostwahlen“
noch viel schlimmer abgeschmiert ist,
weswegen es dort auch
genau null Rücktritte gibt,
just sayin’.

Also gut, Österreich,
was darf’s denn nun sein?
Aha.
Faschos: Knappe 30%,
Konservative: Gute 25%,
Sozen: Gute 20%,
Grüne und Neos: Gute 8%,
Bier: Gute 2%.
Daraus könnte sich eine Koalition gegen die Faschos schmieden lassen,
aber: Die ÖVP hätte übrigens
auch andersrum schon irgendwie gern
wieder mit der FPÖ regiert,
aber dieses Mal bittschö’ ohne den Kickl,
der sich zwar eine „Festung Europa“ wünscht,
genauso wie der Martin S.,
aber der sogar ein halbwegs cleveres Argument
gegen Windräder in Höhenlagen hat
(Bodenversiegelung durch tonnenschwere Betonfundamente),
also mei,
dann eben vielleicht doch andersherum,
halt mit dem Kickl,
als Volkskanzler,
und einer FPÖ,
deren höchste Mitglieder gerade erst
singend an einem Grab
der SS die Treue geschworen haben;
Peter Klien braucht seine Sendung
also auch nicht weiter umzubenennen.
Oder reicht es vielleicht doch auch
mal für eine andere Koalition,
vielleicht sogar nach Thüringer Vorbild?
Hier nämlich noch das Ergebnis
der KPÖ: knapp 3%.
Schade.
Weitermachen!

Wirklich gut an dieser Wahl
war jetzt eigentlich nur,
dass sie bereits eine Stunde eher zu Ende ist,
als das hierzulande der Fall ist,
weswegen meine Aussichten
auf einen früh beginnenden Feierabend
am ersten Sonntag der Herbstferien
um einiges gestiegen sind.
Denn es bleibt auch nur noch
der allwöchentliche Endspurt,
immerhin aber der
vor der kurzen Staffelpause:

Im Weltkulturerbe
geht es weiter vorwärts in die Vergangenheit:
Die Stadt bekommt eine neue Bimmelbahn für Touristen,
und zwar original die gleiche
wie die, die gerade aussortiert wird,
nur in anderen Farben,
die zweite Hälfte
der tobenden Zwanziger in der Provinz
brauchte aber mal neue Sitzpolster und Stoßdämpfer.

Doch noch nicht aussortiert
wird dafür das ehemalige
Europagymnasium Richard von Weizsäcker in Thale,
also zumindest, wenn eine circa zehn Jahre zu späte Idee
doch noch umgesetzt wird:
Die Sekundarschule Thale-Nord
und die Reste des Bildungspalastes der Republik auf den Höhen
sollen zu einer Gesamtschule fusionieren.
Warum das auch für mich
besonders interessant ist,
davon wird in nicht allzu naher Zukunft
vielleicht noch zu schreiben sein,
besonders dann,
wenn Scheitern und Weitermachen
weiterhin Synonyme bleiben.
Denn ausgerechnet zum hiesigen Ferienbeginn
ist vorgestern
auch noch Professor McGonagall
in die ewigen Lesehallen eingezogen,
symbolisch vertreten durch die große Maggie Smith.

Tja,
und jetzt hab ich doch tatsächlich
die ganze Episode durchgehalten,
ohne auch nur ein Mal
wirklich über Sport zu schreiben,
was dann jetzt auch erstmal so bleiben kann.
Nach der kleinen Pause
geht es aber auch damit
wieder weiter
als ob nichts weiter wäre.

Die Deadline ist übrigens tatsächlich
immer noch unterwegs,
aber die Sonne ist ja auch
noch immer nicht wieder untergegangen.
Komm zurück, Deadline!,
ich liege schon wieder auf der Couch.

 

„I’ll prove to the crowd
that I come out stronger
though i think i might
lie here a little longer.“

(The Decemberists. 2005)

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