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Accelerate (S11:Ep11)

von | 2024 | 17. November | Die Serie, Staffel 11 - If We Hold On ...

 

„The last thing I remember
was climbing up the stairs.
I threw the window open
in challenge and despair.
I don’t know what I needed.
I needed time.
I needed to escape.
I saw the future turn
upside-down
and hesitate.“

 

 

Alter!
(und ja,
so hat noch niemals
eine Episode von #DieDoppeltenZwanziger begonnen),
What.
The.
Actual.
Frickin’.
Fuck?!
Wie geht das?
Wie kann ein Jahrzehnt
nur so dermaßen
das Gaspedal durchdrücken?
Wie?
Warum?
Wozu?
Absolut gar nichts läuft mehr
auch nur halbwegs okay,
außer dem jeweils eigenen Leben.
Während wir gerade dabei sind,
dem erlahmenden Massenkonsum
seine alljährliche Ration Nächstenliebe
zukommen zu lassen
(nächstes Wochenende ist ein Dorf weiter
der alljährliche „Vorfreude Weihnachtsmarkt“),
bricht der Westen schneller zusammen
als es die wenigsten
hatten kommen sehen können.
Was sich nämlich auch stetig beschleunigt:
Die Verringerung an Zukunftsszenarien,
die wenigstens nicht völlig postapokalyptisch sind,
sogar für uns People of No Colour
hier,
tief im Osten
des Alten Westens.

Denn es geht mal wieder
schon wieder
erst richtig los.
Der aktuelle Beschleunigungsschub des Zeitgeistes,
von dem man paradoxerweise(?)
doch immer wieder noch überrascht ist,
und der paradoxerweise(!)
gleichzeitig unglaublich lähmt
(denn außer der Technik
entwickelt sich alles
immer langsamer werdend
wieder zurück),
übertrifft naturgemäß alle Erwartungen,
sogar die allerschlimmsten.
Ich meine:
Elon Musk
ist momentan
der reichste
und jetzt gerade auch
der mächtigste Mann
der Welt.
Elon.
Fuckin’.
Musk!
Kein Wunder,
dass auf Spotify
schon die Weihnachtssongs
nach oben schießen,
die entsprechenden Serien und Filme
auf Netflix dito.
Zu einem Zeitpunkt (Kipppunkt?) der Moderne
wie diesem
wären zu jedem anderen Zeitpunkt
im letzten Jahrhundert
wenigstens irgendwo
wenigstens richtig derbe
Sozial-Revolutionen ausgebrochen.
Aber gerade jetzt,
paradoxerweise,
wo das Problem
offensichtlicher
wirklich nicht mehr werden kann,
und Trump 2.0
(aka die X-te Urkatastrophe des Jahrzehnts)
nur noch zwei Monate entfernt ist,
ist irgendeine Form von Sozialistischem Ansatz
(also fast das Gegenteil
zum Muskschen Anarchokapitalismus)
„bedeutungslos“ geworden.
Gewerkschaften u.ä.
haben nicht mal mehr die Kraft,
über die aktuellen Krankheitswellen wenigstens aufzuklären.
Ja klar, Ausnahmen gibt’s immer,
aber wir wissen ja auch,
was Ausnahmen gerne bestätigen:
In Sri Lanka (weit weg, Richtung Osten)
hat die regierende Linkspartei
bei 20.000.000 Wähler*innen
gerade eine,
Achtung!, festhalten,
2/3 Mehrheit geholt.
Pure Utopie!
Wahrscheinlich aber auch nur eine Meldung,
die sich irgendeine russische KI
zum linke Nerds-Trollen im Internet ausgedacht hat.

Zum Zustand der Linken
und Linksaffinen hier im Weltkulturerbe
schreibe ich heute auch noch,
aber (Spannung!) erst am Ende der Episode.
Wer also bis hierher zunächst nur gelesen hat,
um zu erfahren,
was irgendein Brillenträger
über die Quedlinburger Brandmauer
weiß und denkt,
der kann auch gerne
die nächsten Meter überspringen…

Alle anderen seien ebenfalls gewarnt,
die nächsten 500-1000 Zeilen
könnte es rasant werden,
denn ich habe zwar Zeit
(die Deadline macht noch Mittagsschlaf),
aber eigentlich wenig Kraft.
Ein hässlicher Rotz,
so nennt man das hier.
Ich bilde mir aber einfach ein,
ich würde einfach nur total schlau
mein Immunsystem updaten,
wobei es eben
immer ein bisschen ruckelt.
In diesem Sinne rotzig,
werde ich deswegen jetzt das machen,
was ich schon so lange mal machen wollte:
Die Schlagzeilen der Woche
einfach in Höchstgeschwindigkeit durchballern,
natürlich auch,
um so schnell wie möglich
wieder damit abgeschlossen zu haben,
um mich dann
wieder hinlegen zu können;
Doing Loss;
Danke noch mal, Schriftstellerei!

Besonders leicht wird mir das übrigens fallen,
weil ich vorgestern
meine wahrscheinlich
letzte Brille bekommen habe,
mal abgesehen von der Glasstärke,
und begleitet von
einem jahrzehntelang eingeübten Spiel
zwischen jahrzehntelangen Freunden.
Noch rutscht das Gestell
noch etwas zu sehr,
aber es soll ja nicht schaden,
ab und an auch mal etwas nachzujustieren,
und nicht selten dabei
dann halt auch mal
mit dem Mittelfinger;
Brillenträger*innen Unite!

Beginnen wir
mit der angeblichen Wieder-Unterscheidbarkeit
der angeblichen Mitte-Parteien
in Deutschland.
Denn darüber reden endlich mal wieder alle,
darüber was uns voneinander unterscheidet:
Der Wahlkampf hat begonnen.
Noch kurz vor dem Volkstrauertag,
das sagt auch was.
Zunächst wird noch ein bisschen gestritten,
ob die Vertrauensfrage nicht doch besser
noch vor Weihnachten gestellt werden sollte?
Vielleicht sogar am Mittwoch schon?
Und Wahlen dann noch vor
oder am besten zu Weihnachten?
Sollten wir uns Merz nicht einfach
schon unter den Baum legen?
Nein, sagt der Kanzler.
Neuwahlen am 23. Februar.
Wahlkampf wäre dann ab sofort
immer zu Weihnachten.
Das kündigt er an,
obwohl die Vertrauensfrage noch gar nicht gestellt ist,
was er jetzt aber
in vier Wochen tun möchte.
Und dann geht’s eben los:
Söder unterscheidet sich schon mal,
und zwar von allen,
wie so ein richtiger
Möchtegern Innenminister in spe.
Die CDU hat das erste Wahlversprechen:
Eine Steuerreform!
Inklusive einer einheitlichen Mehrwertsteuer auf Lebensmittel!
Wie reagiert darauf der Hauptgegner,
die AfD?
Einfach:
Mit Totalkonfrontation,
vorne weg:
Kanzler*inkandidatin Alice Weidel,
der restliche Dreck der Partei
übernimmt Whatsapp,
Vereine und Stammtische:
„Merz muss weg!“
Dann schon wieder Söder:
Deutschlandticket muss weg!
Und während die IGM
5% mehr Lohn erstreitet
und ein Pflegeheim in Wilstedt (Rotenburg)
schließen muss,
weil 10 Pfleger*innen abgeschoben werden sollen,
wird der Wahlkampf auch offiziell eröffnet:
Olaf Scholz hält seine vermeintlich letzte Regierungserklärung.
Ich habe sie nicht gehört,
aber die AfD soll eh ständig reingepöbelt haben,
woraufhin Merz sich
im Dschungel der Spaltungs- und Mauermetaphern verrennt:
Scholz hat das Land gespalten!
Und er dichtet jetzt die Risse in der Brandmauer ab!
Damit meint er wohl tatsächlich,
dass er eine Koalition mit den Faschos schon mal ausschließt.
Immerhin.
Und immerhin bestätigt das auch Söder,
sogar aus innerer Überzeugung,
wie die Tagesschau analysieren darf.
Einen Tag später geht Merz
sogar noch einen staatsmännischen Schritt weiter:
Eine Lockerung der Schuldenbremse
sei unter gewissen Umständen
durchaus vorstellbar.
Lindner wittert irgendwo bei den Privaten
„Lockerungsübungen“;
boah, Christian.
Und gestern kommt dann auch noch raus,
dass der Christian und seine Gang
den Koaltionsbruch auch bloß schon
lange im Voraus geplant hatten.
Ich habe nur eine Frage:
Warum haben die alle
dann so lange damit gewartet?
Wenn es schon mal schnell genug gehen sollte,
dann macht’s auch bloß wieder niemand.

Egal.
Und genau das
sagt sich jetzt übrigens auch Österreich.
Denn da wird gerade eine eigene „Ampel“ zusammengezimmert,
von Deutschland lernen,
heißt irgendwas lernen.
FPÖ,
SPÖ
und die Neos.
Cool.
Vielleicht kriegen die es ja wenigstens
eher hin mitzukriegen,
dass Sozial und Neoliberal
zusammen nicht funktionieren,
man wäscht sich auch nicht mit Schmutz.
Irgendwas mit Schmutz
ist auch schon wieder in Ungarn los,
wenn wir schonmal in der Ecke sind:
Das Watergate der Orban-Regierung!
Der ungarische Nixon
dürfte froh sein,
dass ein anderes Arschloch
gerade wieder den Job
des Oberarschlochs übernimmt,
aber zu dem auch erst etwas später,
sonst würde diese Episode
viel zu früh überdrehen.
Lieber noch schnell ein Blick nach Brasilien,
Oberste Bundesgerichte
werden auch noch nicht alle Tage angegriffen;
auch im globalen Süden
lauert der Faschismus noch.

Heute ist übrigens das Ende der zweiten Woche
ohne das einzige bisschen Sonnenschein,
nicht mal für Nazis,
hier über den Dächern der Provinz.
An der bald zehn Meter hohen Birke vor meinem Fenster
halten sich keine fünfzig gelben Blätter mehr fest,
der kalte Wind könnte jeden Moment
nach Winter riechen,
auf dem Brocken lag schon Schnee.

Das sollte er normalerweise
gerade auch an der nördlichen US-Ostküste machen,
aber die brennt in diesem Jahr nun mal:
New York,
New Jersey,
Massachusetts
and Connecticut,
überall lodern die Flammen aus den Wäldern,
Mitte November.
Die Folgen der Klimakatastrophe
belaufen sich im abgelaufenen Jahr
auf über 2.000.000.000.000 Dollar.
Die Hauptbetroffenen:
Die USA.
Die Konsequenzen?
Dazu nur ein Beispiel:
Ein Zivilgericht in Den Haag
hob ein Klimaurteil der ersten Instanz auf
und wies die Klage von Umweltschützern ab,
und Shell muss seinen CO2-Ausstoß
jetzt doch nicht mehr drastisch reduzieren.
Also rufen die UN
die „höchste Klimawarnstufe“ aus,
nach oben ist keine Luft mehr.
In Neu-Delhi (33.000.000 Einwohner*innen)
schließen erneut alle Schulen,
Smog.
Die beiden Superstürme der Woche
heißen „Sara“ (Zentralamerika)
und „Man-yi“ (Philippinen),
eine halbe Million Menschen werden evakuiert,
hundertausende Existenzen vernichtet.
Die Cop29 in Baku ist der Tagesschau
aber immerhin noch einen Extraplatz im Header wert:
Es geht ums Geld.
Und Trump wird kritisiert.
Und die Tagesschau fragt:
„Lohnt sich 1,5°C Ziel noch?“

Leute,
ich glaub es nicht!
Gerade eben leuchten die eben genannten Birkenblätter
tatsächlich im Sonnenschein.
Ich gehe mal kurz auf den Balkon,
denn vor dem nächsten Block dieser Episode
kann das nicht schaden …

Ach scheiße,
gerade als ich auf dem Balkon angekommen bin,
ist die Sonne wieder weg.
Dann also Trump.
Und alles Schlechte dieser Welt.
Zu Beginn der ersten Transition Week
lässt der Frisurensohn erstmal wissen,
dass er auch Waffen hat.
Wen lässt er das wissen?
Richtig,
seinen Buddy Putin,
wie der ihn glauben lässt.
Ob sein Team ihn davon unterrichtet,
dass sich in Russland alle über ihn lustig machen,
Putin sagt, er habe seit Jahren nicht mit Trump gesprochen
und sogar seine Frau Melania im Staatsfernsehen dumm gemacht wird?
Hätte der aber eh keine Kapizitäten für übrig,
denn die erste Hochphase
der Info Civil Wars
auf X und Konsorten
hat begonnen,
sogar die SPD ist zurück;
erinnert sich noch jemand an Blue Sky?
Oder an die Original Info Wars?
Zu denen gibt es ausnahmsweise mal gute Nachrichten:
Die ehemalige Hassschleuder von Alex Jones,
für den schwule Frösche und Weltkriege
circa gleich bedrohlich sind,
ist von The Onion ersteigert worden,
also vom dem US-Online/Print-Satireformat überhaupt.
Und was machen The Onion draus?
Eine Satireschleuder?
Mitnichten.
Der erste Sponsor
heißt Everytown for Gun Safety.
Unlearning the Bullshit,
auch ein Ansatz.
Und wo wir grade bei Bullshit sind:
Der Sohn von Döpfner (Springer Oberarschloch)
wird in den USA „in Stellung gebracht“,
bei Fox News.
Der transatlantische Nebenkanal des Trumpismus nach Deutschland
wird in die Korrespondenz umgeleitet.
Und es ist ja nicht so,
als ob es nicht irgendwas zu erklären gäbe.

Denn dieser Teil der Geschichte reimt sich nämlich
immer noch wider Erwarten
beim zweiten Mal
auf Tragödie,
auch wenn er noch so sehr
wie eine Farce wirkt.
Will heißen:
Das Kabinett Trump 2.0 wächst, und zwar schnell.
Schnallt Euch besser an,
ich hatte Euch nicht umsonst
durchgedrückte Gaspedale versprochen:

Der Reigen wird eröffnet
mit dem ehemaligen Chef
der Migrantenschlägertruppe ICE,
für Tom Homans erfindet Trump
den Titel „Border Czar“.
Als nächstes kriegt Marco Rubio
was er verdient hat
und soll Secretary of State werden,
ich wette, dass er einer der ersten ist,
die wieder gefeuert werden.
Mike Waltz als Chef-Sicherheitsberater
und Elise Stefanik als UN-Botschafterin
sind die einzigen,
die bei der jetzt folgenden weiteren Kabinettsankündigung
(über die ganze Woche gezogen)
noch als halbwegs normal durchgehen,
und das will was bedeuten.
Denn:
Mike Huckabee wird Botschafter in Israel,
mehr Hardcore Anti-Palästina war nicht aufzutreiben.
Stephen Miller lässt als nächstes wissen,
er bleibt dann gerne weiter in der zweiten Reihe,
Redenschreiben ist aufreibend genug,
kriegt dafür aber gleich zwei Stellvertreterposten:
Deputy Chief of Policy and of Staff.
Für wie dumm die Trumpadministration
die US-Bürger*innen wirklich hält
zeigt dann die erste wirklich
konkrete politische Ankündigung:
Das Bundesbildungsministerium soll
aufgelöst werden.
Keine Pointe.
Zeit für den nächsthöheren Gang,
denn das geht locker noch:
„The Great Elon“ (Trump) takes over:
Er bekommt auf seinen Wunsch hin
eine neue nicht Bundes-Agentur,
das Department of Government Efficiency,
kurz „Doge“,
und zwar zusammen mit Ramaswamy,
dem neoliberalen Schleimbeutel
aus den republikanischen Vorwahlen.
Was diese Agentur genau machen soll,
bleibt kein Geheimnis:
„Carry out slash-and-burn Cuts“,
also die Salamitaktik der Konzernabwicklung.
Das alles soll auch noch metatransparent
bei X dokumentiert werden:
“Anytime the public thinks
we are cutting something important
or not cutting something wasteful,
just let us know!”
Was soll das werden?
Noch mehr Chaos?
Partner in Crime, Ramaswamy,
sekundiert und droht gleichzeitig:
“We will not go gently, America.“
So weit, so realdystopisch.
Und jetzt erst
folgt der wirklich weirde Teil.
Christy Noem soll sich ab Januar
um die Homeland Security kümmern,
nicht nur nicht jagdtaugliche Welpen
sollten sich schnell nette Halter*innen suchen.
Bevor die letzten Horrorbesetzungen verkündet werden,
geistert schon die erste ernstzunehmende Civil War Theorie durchs Netz:
Sobald die Massendeportationen beginnen,
werden sich die „Red State National Guards“ (Trump-Milizen)
bis in die tiefsten Tiefen der „Blue States“ vorkämpfen,
es seie denn diese kämpfen nicht zurück.
Das würde dann einen Zweifrontenkrieg bedeuten,
War from Sea to Shining Sea,
das fehlt anscheinend noch in den Geschichtsbüchern.
Und genau passend dazu
wird das Pentagon dann neu besetzt:
Pete Hegseth
soll neuer US-Verteidigungsminister werden,
der Feind steht ja bekanntlich im Inneren.
Der Fox and Friends-Moderator
(Samstag und Sonntag Morgen),
der außer ein bisschen Veteransein (Irak, Afghanistan)
null Erfahrung hat,
dafür aber ein Kreuzritter-Tattoo auf der rechten Brust,
wird tausenden von hochrangigen US-Militärs
vor die Nase gesetzt,
und „alle sind einfach schockiert“;
zum Glück wird in den USA
das Recht so selten
mit einer Waffe durchgesetzt.
Was aber auch egal sein kann,
denn Matt Gaetz soll Justizminister werden.
Matt Gaetz!
Hatte Jim Jordan keine Lust?
Die US-Staatsanwaltsschaft ringt nach Luft.
Aber Matt Gaetz
muss dafür erstmal begnadigt werden,
denn mit so einem Strafverzeichnis
kann niemand einfach so Justizminister werden,
nicht mal in den USA.
Was werden das für Senatsanhörungen!
Die letzten drei Ankündigungen
fühlen sich in ihrer Absurdität
dann schon wieder fast normal an,
es sind immerhin schon einige Tage vergangen:
Tulsi Gabbard soll Geheimdienstchefin werden,
logisch, wer wäre besser geeignet
als die führende Verschwörungstheoretikerin des Landes?
Doch, hier,
der Dings,
der RFK Jr.,
der wäre noch absurder.
Aber na ja,
ihr ahnt es,
der soll Gesundheitsminister werden.
Um diese Tragödie von Besetzung vorerst abzuschließen,
wird noch schnell klar gemacht,
wie ernst
der Ernst der Lage genommen wird:
Als Energieminister wird Chris Wright angekündigt,
ein Fossilmagnat,
der schonmal Frackingflüssigkeit getrunken hat,
vor laufender Kamera.

So,
dann können wir ja wohl erstmal
wieder auf Normalbetrieb zurückschalten.
Nein, nur Spaß.
Sogar die Trump Rallys sollen weitergehen,
regieren wird ja eh ein anderer.
Was auch an den Börsen zu bemerken ist,
der Dow Jones verliert in dieser Woche fast 1.000 Punkte,
es wird nur noch in Produktionsmittel,
auf denen ein X steht, investiert.
Der Rest flieht ins Ausland.
Die Einwanderunsganträge in Kanada gehen durch die Decke.
Und dann hat Bernie Sanders auch noch vor,
nächste Woche die nächsten 20.000.000.000 Dollar
Waffenexporte an Israel
zu blockieren.
Wo steht der Feind nochmal?

 

Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 139.
Fahnenflucht direkt von der Front. Montag: In der Nacht werden Mykolajiw und Saporischija bombardiert, über der gesamten Ukraine herrscht erneut Luftalarm. Russische Wehrdienstverweigerer sollen aus Deutschland abgeschoben werden. ACAB stellt fest, dass 2% des deutschen BIP für Rüstung nicht mehr reichen werden. Krywyj Rih wird mit Raketen beschossen, vier Menschen sterben. Für Saporischiija werden Bodenangriffe erwartet. Die ukrainischen Truppen bei Pokrowsk und Kurachowe werden verstärkt. Bei Charkiw werden weitere Ortschaften evakuiert. Dienstag: Finnlands Präsident Alexander Stubb: „Wir in Europa und im Rest der Welt müssen verstehen, dass Donald Trump es sehr ernst damit meint, ein Friedensabkommen eher früher als später zu erreichen.“ Mehr als hundert Drohnen greifen in der gesamten Ukraine an. Selenskyj wird zum EU-Parlament zugeschaltet, Thema seiner Rede: „1.000 Tage der Tapferkeit und des Mutes der Menschen in der Ukraine“. Kiew befürchtet einen Großangriff auf Saporischija. Mittwoch: Am Morgen wird Kiew das erste Mal seit zwei Monaten mit Raketen beschossen. Riwnopil (Donezk) ist „befreit“. In Sewastopol explodiert eine Autobombe, die Ukraine bekennt sich. Im Norden Polens wird ein Stützpunkt für das NATO-Raketenabwehrsystem in Europa offiziell eröffnet. „Die ganze Welt wird klar und deutlich sehen, dass dies hier kein russischer Einflussbereich mehr ist“, sagt Polens Präsident Andrzej Duda. Die Berliner Zeitung berichtet von einer massiven Zunahme Fahnenflüchtiger in der ukrainischen Armee. Ein russischer Vorstoß bei Kupjansk wird zurückgeschlagen, einige russische Soldaten tragen die ukrainische Uniform. Donnerstag: Der Tagesschau Liveticker hat erneut Pause. Vor Pokrowsk halten die ukrainische Soldaten kaum noch Stand. Freitag: Raketen und Drohnen richten in Odessa massive Schäden an. Scholz telefoniert eine Stunde lang mit Putin (das erste Mal seit zwei Jahren), dazu Selenskyj: „Die Büchse der Pandora geöffnet.“ Russland stoppt seine Gaslieferungen an Österreich. ACAB ruft auf dem Parteitag zu weiterer militärischer Unterstützung auf, „gerade weil wir eine Friedenspartei sind.“ Samstag: Die Grünen kritisieren Scholz’ Telefonat, die FDP möchte im Bundestag noch vor der Neuwahl über Taurus-Lieferungen abstimmen lassen. Bei Kurachowe und Pokrowsk wird ununterbrochen weiter gekämpft und gestorben. Selenskyj wünscht sich in einem Radiointerview die diplomatische Beendigung des Krieges im nächsten Jahr. Hryhoriwka und Makariwka (Donezk) sind „befreit“. Sonntag: Bis zum Morgen wird die Ukraine erneut mit einer besonders schweren Angriffswelle überzogen: Kiew, Saporischschja, Mykolajiw, Dnipro, Krywyj Rih und Odessa werden mit Marschflugkörpern beschossen. Sogar Polen versetzt seine Luftverteidigung in Alarmbereitschaft, vor allem das ukrainische Stromnetz wird weiter massiv beschädigt. Die Tagesschau sieht den Beginn der ersten Winterangriffswelle. Die russichen Truppen beginnen Kupjansk einzunehmen. In Berlin kommen Hunderte Exil-Russen zu einer Demonstration gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und gegen Kreml-Chef Wladimir Putin zusammen. Die Stromproduktion in der gesamten Ukraine wird spürbar gedrosselt, für den Winter wird von 20 Stunden ohne Strom am Tag ausgegangen.

 

An dieser Stelle
nur schnell eine irgendwie spaßige Meldung,
die auch nichts am allgemeinen Weltkriegsverlauf ändern wird.
In Russland fällt mehr als eine Grundschullehrerin
auf einen Internetprank aus Deutschland rein:
Auf der Suche nach patriotischen Ideen
für ihre ABC-Schützen
stolperten die nämlich bei Telegram
über Bastelanleitungen
für original „Aluhüte“,
die als „Helme fürs Vaterland“
angepriesen wurden.
Die Fotos der stolzen Jungschwurbler wider Willen
sorgen für in Hälsen steckengebliebene Klöße.

Also wieder Schluss mit lustig,
ich mach mir den letzten Kaffee für heute.
Denn bevor ich die gepeinigte Seele
noch, wie versprochen,
im Weltkulturerbe spazieren führen gehe,
sind da ja noch andere Kriege,
und auch außerhalb von Quedlinburg
kriegen auch Nazis
auch noch weiterhin
auf’s Dach.

Der neue israelische Kriegsminister Katz
deutet zu Beginn der Woche
Angriffe auf iranische Atomanlagen an.
Die USA greifen weiter unterstützend Ziele
im Jemen und in Syrien an.
In Israel selbst soll jetzt
auch die Sippenhaft eingeführt werden;
fehlen eigentlich nur noch Goi-Sterne;
too soon?
Die IDF greifen dann Ende der Woche
aber tatsächlich iranische Nuklearwaffenforschungseinrichtungen an.
Auf dem Hof von Netanyahus Haus
landen wütende Leuchtraketen.

Aber schnell zu den richtigen Nazis:
Die AfD in Baden-Württemberg
ist jetzt auch endlich „rechtsextremistischer Verdachtsfall“,
und der Verbotsantrag gegen die gesamte Partei
wird endlich bei der Bundestagspräsidentin abgegeben.
Unterdessen ermittelt
die Staatsanwaltschaft Wien
schon wieder gegen Martin S.,
der sich schnell wieder in sein Loch verkriecht.
In so einem ähnlichen sitzt auch immer noch Maximlian Krah,
erst recht, als dieser Tage bekannt wird,
dass er im Sommer,
zusammen mit anderen Faschos (aus Ungarn)
eine der berüchtigen Partys in Mar-a-Lago besucht hat.
Für deutsche Nazis läuft es also weiterhin schlecht genug.
Genug, damit sich das ZDF Magazin
mal um eine andere Art des Ausländerhasses konzentriert,
nämlich auf den Teil,
der damit mehr als Abgeordnetengehälter verdient
(Private Betreiber sogenannter „Flüchtlingsheime“).

Gut, treten wir sie also an,
die Flucht in die Provinz,
schalten in den niedrigsten Gang
und nehmen den Fuß
mal kurz vom Gas:
Nasses Kopfsteinpflaster im November
ist brandgefährlich.
Zunächst ein Blick nach Dessau-Roßlau,
immerhin auch Sachsen-Anhalt.
Da hat die Brandmauer
gerade den nächsten Anschlag überstanden,
aber auch nur halb:
Mit mehr als genug Stimmen von CDU und AfD
lehnt der Stadtrat
eine Resolution gegen
den AfD-Angriff auf’s Bauhaus ab
(irgendwas mit entarteter Kultur).
Eindeutiger ist es zur Abwechslung mal
in Halberstadt.
Da sind am vergangenen Montag
das erste Mal seit langer Zeit
mal wieder mehr normale Menschen
als Faschos auf dem Domplatz,
zum Beispiel die Omas gegen Rechts aus Berlin
und die bunte Politprominenz hier aus Quedlinburg;
Bella, es geht noch!

Der lange angekündigte Kleinstadtspaziergang
beginnt jetzt also am letzten Wochenende,
denn der 9th of November 2024
hat noch ein paar Stories auf Lager,
die nicht in Schubladen vergessen werden sollen.
Da wäre zum Einen natürlich
der Schwarze Poet,
bei dessen Poesie-Salon Eröffnung
sogar Bürgermeister und Stadtratschefin waren.
Bei „Antik und Feder“ wird ab jetzt
„zu dritt für die Poesie gestritten“,
und es bleibt eigentlich nur eine Frage der Zeit,
bis auch der fast schon vergessene lokale Sagenerzähler
wieder in der Pölle zu sehen ist.

Zu sehen und zu lesen
gab es aber auch sinnvolles am letzten Wochenende,
zum Beispiel ein Schild
auf dem Carl-Ritter-Platz,
unter dem sicher nicht zufällig
Ulrich Thomas (CDU-ganz rechts außen),
und auf dem mit voller Absicht
das hier stand:
„Quedlinburger CDU
Früher Blockpartei
der SED Diktatur.
Heute Steigbügelhalter
der AFD Extremisten
SCHÄMT EUCH WAS!“
Am Dienstag setzt es
einen gepfefferten Leserbrief in der MZ,
der nochmal klar stellt,
um wen es sich bei Ulrich Thomas handelt.
Und dann schon der erste Erfolg:
„DANKE an alle,
die heute in der Ausschusssitzung
dabei sein konnten
und so ein klares Zeichen
für die Soziokultur und das Kuz Reichenstrasse gesetzt haben.
DANKE auch an die KTSQ-Vorsitzende Frau Krause (CDU)
für ihr eindringliches Statement
für die Reiche und für den Ökogarten.
DANKE ebenso an den OB Herrn Ruch (CDU),
für seine klare Aussage pro Reiche und Ökogarten
(leider erst nach der Abstimmung).
Der Haushaltszuschuss von der Stadt für die Reiche
wurde abgestimmt
mit 4x JA, 3x NEIN, 2 Enthaltungen
– knapp, aber immerhin.
Allerdings war das noch kein bindender Beschluss,
sondern nur eine Beschlussempfehlung
für den Stadtrat am 5.12.
Es ist also noch alles offen.“
(Eike Helmholz)
Sofort im Abschluss ruft
eine „Privatinitiative rund um den Schlossberg“ auf:
„Aufruf zum stillen Protest:
Für ein weltoffenes und vielfältiges Quedlinburg!
Aus tiefer Sorge und Empörung
über die zunehmende Nähe
zwischen Teilen der Quedlinburger CDU und der AfD
– sichtbar insbesondere durch das Verhalten des CDU-Stadtrats
und Landtagsabgeordneten Ulrich Thomas,
der seit Jahren Sympathien für die AfD zeigt –
rufen wir zu einem stillen Protest auf.
Wir laden alle Bürgerinnen und Bürger ein,
am 5. Dezember 2024 (Beginn 17:00 Uhr)
an der letzten Stadtratssitzung im Palais Salfeld teilzunehmen,
um ein Zeichen gegen diese bedenkliche Entwicklung zu setzen.
Wir können nicht tatenlos zusehen,
wie unsere Stadt an den rechten Rand gedrängt wird.
Wir stehen für ein Quedlinburg,
das Vielfalt und Weltoffenheit lebt
und schätzen die demokratischen Werte,
die durch eine Zusammenarbeit
mit der verfassungsfeindlichen AfD bedroht werden.
Setzen wir gemeinsam ein Zeichen
für eine offene, demokratische Zukunft unserer Heimatstadt.“
Auch #DieDoppeltenZwanziger
werden entsprechend berichten.

Ich wünschte ich hätte jetzt noch die Kraft,
um von der absolut gelungenen
Abendveranstaltung der diesjährigen ökumenischen Friedensdekade zu erzählen,
aber ich belasse es dabei,
noch immer ganz angefasst zu sein.
Stattdessen krame ich bloß noch
die allerletzte Meldung der Woche raus,
die, kein Wunder,
aus Thale kommt.
Da läuft nämlich noch
bis kurz vor Weihnachten
eine super duper Sonderausstellung.
Das Thema?
Die Mülltonne.
100 Jahre Geschichte einer Institution.

Sorry,
not sorry,
lustiger ging es nicht mehr.
Dann also bis
zum nächsten Beschleunigungsschub!
Und wer jetzt denkt,
da kommt jetzt bestimmt noch
ein total cooles
Hartmut Rosa-Zitat
von vor zwanzig Jahren,
der kann das
ja ruhig weiter denken.

 

 

„Where is the ripcord,
the trapdoor,
the key?
Where is the cartoon
escape-hatch for me?
No time to question
the choices I make.
I’ve got to follow another direction
(although fall down is much cooler).
Accelerate!“

(R.E.M. 2008)

 

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