Bild: Look Around – Leaves Are Brown. Quedlinburger Hinterhof. Februar 2025.
„Time, time, time!
See what’s become of me
while I looked around
for my possibilities.“
So.
Immer noch Temperaturen,
als wäre tiefster Dezember,
obwohl es, hier in der Provinz,
seit ein paar Tagen schon
verdächtig nach Frühling aussieht.
Morgens hört man die ersten Singvögel,
Frühblüher suchen seit über einer Woche
ihren Platz an der Sonne,
gerüchteweise sogar der Bärlauch im Brühl.
Nur am Donnerstag
hing der Himmel den ganzen Tag lang
mit dickem, nassen Dunst voll,
von Schnee noch lange keine Spur.
Aber so ein Tag reicht im Moment völlig hin,
um am nächsten schon wieder auszusehen
wie das Leiden Christi.
Vitamin D-Mangel verträgt sich nicht gut
mit der Nachrichtenlage,
und ich werde erneut besorgt (kind of and twice)
auf meinen Zeitgeistkonsum angesprochen.
Während der Provinz-Frühling also
noch weiter auf sich warten lässt,
werden am Nordpol
zwanzig Grad Celsius (plus) gemessen.
Der Januar war,
global betrachtet,
Ihr ahnt es,
der wärmste Wintermonat
ever.
#DieDoppeltenZwanziger
bleiben gnadenlos.
Und in diesem Sinne
hebe ich mir die provinziellen Konterereignisse
(Mehrzahl)
auch für das Ende der Episode auf,
ohne Winter
kein Frühling.
Zieht Euch warm an,
der Absturz durch die Zeit
kennt nur eine Richtung.
Beginnen wir mit den ganz normalen Meldungen.
Anfang der Woche
ist die Welt
mal ganz kurz wegen etwas anderem bestürzt:
Elf Tote
nach einem Mass Shooting.
Nein, nicht in den USA.
Aber an einer Schule,
keiner Highschool,
aber auch jede andere Bildungseinrichtung
bietet Massenmördern genug Opfer.
In einer Art VHS in Örebro (Schweden)
erschießt ein junger Mann
zehn Menschen,
die gerade an einem Sprachkurs teilnehmen.
Bevor er das Feuer eröffnet,
schreit er:
„Haut ab aus Europa!“
Dann richtet er sich selbst.
Und wie reagiert Europa?
Wie immer,
wenn es um einen der ihren geht,
mit kaltem Schweigen.
„Ich habe vom Massenmord in Schweden gestern nur flüchtig auf social Media gelesen und erst heute morgen nachgeschaut, was da eigentlich genau passiert ist. Meine erste Reaktion war: WTF, elf Tote in einem europäischen Land und das ist NICHT Sondersendungsthema, sondern innerhalb eines Tages schon wieder auf Seite zwei gerutscht??!! Dann nach dem Täter gegoogelt – ah, okay, ein Rickart. Ergo ein rein individuelles psychisches Problem, das mit der ihn umgebenden Gesellschaft rein gar nichts zu tun hat und über das es nichts zu diskutieren gibt. Folglich alle AfD- und Merzfanaccounts nach anfänglicher kurzer Erregung still und tief enttäuscht darüber, dass es nur ein Rickart und kein Mohammed war. Bitte weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen, schalten Sie stattdessen lieber um zur neuen Spiegel TV-Doku ,Neukölln – im Reich der Messer-Libanesen’.“
(Fabian Lehr auf Facebook)
Vielleicht ja auch nur,
weil ich seit Anfang der Woche
mein nächstes neues Lieblingsbuch lese
(Marshall Berman: All That Is Solid Melts Into Air, 1981)
und über neue Tätowierungen nachdenke,
fallen mir die Zusammenhänge
wieder mal so direkt ins Auge.
Denn auch für solche Ereignisse
wie dieses in Schweden
scheinen die Ursachen
immer wieder die gleichen zu sein:
Die gesellschaftlichen Umstände.
Es hat sich schon so lange nichts wirklich geändert:
Vormoderne,
Frühmoderne,
Hochmoderne,
Spätmoderne,
Nachmoderne.
Alles löst sich
mit zunehmendem Tempo auf.
Und Die Zeit
ist auch schon wieder kurz davor
zu fragen,
ob Marx nicht doch irgendwie Recht gehabt hat.
Wenn Ihr mich fragt,
der hat das alles
noch viel zu rosig gesehen.
„Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeois-Epoche vor allen früheren aus. Alle festen, eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können.“
(Manifest der Kommunistischen Partei. Februar 1848)
Denn nicht nur alles Ständische verdampft,
seit Beginn der Gegenaufklärung
löst sich auch alles Ideele immer schneller auf.
Gesellschaftliche Übereinkünfte
und gemeinsame Vorstellungen davon,
wie „wir“ leben wollen,
werden erst zum Sieden gebracht,
der Dampf wird schockgefrostet
und dann mit einem Vorschlaghammer zerschlagen.
Und von wem?
Von einer Bourgeoisie,
vor der sich Marx in seinen schlimmsten Träumen
nicht hätte mehr fürchten können.
FTZ(WS)
oder: Autokraten-Takeover for real
oder: You Ain’t Seen Shit Yet
Die einzig gute Storyline
der vergangenen Woche von Trump 2.0
entpuppt sich schnell
als labbriger Strohhalm:
Die „Verschwörungstheorie“,
Trump hätte (mit Hilfe von Elon)
die Wahlen in ungeahntem Ausmaß manipuliert,
hält sich nur kurz,
denn wahrscheinlich war es nur
die gute alte Wählerunterdrückung,
die zum US-Wahlsystem dazugehört,
seit Unterdrückte und Minderheiten „wählen“ dürfen.
Das neue Kriterium,
um Ämter zu bekleiden,
ist aber ab sofort sowieso:
Merit.
Also der Verdienst,
den eine Person vorzuweisen hat.
Für die aktuelle Regierung ist dabei
eine Leistung vor allen anderen ausschlaggebend:
Ein weißer Mann sein;
siehe z.B. Pete Hegseth,
der nicht müde wird,
genau diese Eignung
Tag für Tag gleichzeitig
zu fordern und zu verkörpern.
Marco Rubio setzt weiter die Welt unter Druck,
und zwar immer noch erfolgreich:
Er fordert das Ende von Chinas Einfluss
in Panama.
Und Panama gehorcht,
die Gebühren für die Nutzung des Kanals
werden den USA komplett erlassen
und die Bedingungen für chinesische Schiffe
deutlich erschwert.
Und wie erwartet
dreht Elon Musk,
nach kurzer „Denk“-pause,
wieder auf:
Seine Beratungsfirma DOGE
will USAID zerschlagen,
Trump begründet das öffentlich
mit der Absurdität
„100.000.000 für Kondome für die Hamas??“
Quasi in der nächsten Minute
reicht Musk Klage gegen den Weltwerbeverband ein,
wegen einer angeblichen Boykottverschwörung.
U.a. Nestlé, Colgate, Lego, Pinterest und Shell
wollen nicht mehr mit dem Spinner zusammenarbeiten.
Trump schaltet derweil
auch auf Durchhalteparolen um,
nicht dass seine Wähler sich noch daran erinnern,
dass eigentlich ja heute schon
das neue Goldene Zeitalter
in hellstem Glanz erstrahlen sollte,
was es ja für ihn und die Oligarchie
aber immerhin tut;
mit „Wir“ können eben nicht alle gemeint sein:
„We will have pain!“
Der von anderen erwartete Crash der US-Wirtschaft
(der DAX ist sehr nervös),
wartet aber anscheinend noch ab,
beziehungsweise verhandelt der Frisurensohn
irgendwie erfolgreiche Deals:
Meistens kriegt er als Gegenleistung
aber nur Versprechen zu Dingen,
die sowieso schon geplant waren;
aber für Fox News reichts.
Als erstes schiebt Mexiko die Zölle auf die lange Bank
und schickt 10.000 Soldaten an die Grenze.
Ganz schnell sind auch die meisten US-Newsoutlets
zum Publizieren simplifizierender Timelines übergegangen,
für tiefere Analysen oder gar Einordnungen
lassen Trump und Musk niemandem mehr Zeit.
Die Kanäle werden von oben bis unten
und von hinten nach vorne
zugeschissen,
und zwar im Stundentakt:
– Das nächste Opfer: Südafrika.
Es gibt keine Hilfen mehr,
bis die „Enteignungen“ aufhören.
– Trumps Meme-Coin
schmiert nach kaum zwei Wochen so tief ab,
dass sich erneut zehn Milliarden
in Luft aufgelöst haben.
– Die National Oceanic and Atmospheric Administration
kriegt eine Mail,
in der die Behörde aufgefordert wird,
sämtliche Materialien zu entfernen,
die Wörter wie „schwarz“,
„Fairness“,
„Empathie“
und „Behinderung“ enthallten.
– Der kanadische Bundesstaat Ontario
macht seinen 100.000.000 Deal mit Starlink rückgängig.
– Der „Deal“ mit Kanada steht,
die Zölle werden ebenfalls noch aufgeschoben,
und, wie schon länger vereinbart,
wird an der Grenze jetzt besser aufgepasst,
auch beim Fentanylschmuggel,
trotzdem wäre doch das ganze Land
als 51st State immer noch besser dran.
– Die USA verlassen
den Menschenrechtsrat (again).
– Elons DOGE erpresst sich
den Zugang zu den Daten des Finanzamts.
– Die Resistance 2.0 versucht,
dem Dauerdurchfall etwas entgegenzusetzen:
„Flood The Zone With Acts!“,
das House tritt zum ersten Mal zusammen,
die Dems erklären den Krieg um die Verfassung
zum Schutz der Amerikaner*innen
vor einem „scheme to rip off tax payers“.
– Das Weiße Haus verschickt Fragebögen,
mit dem sich FBI-Beamte zu ihrem Verhalten
am 6. Januar 2021 rechtfertigen sollen.
– China kontert mit Gegenzöllen:
15% auf Kohle und Flüssiggas.
– Den Demokraten wird der Zugang
zu USAID verweigert,
außerdem sind sowieso alle Angestellten
im Homeoffice,
bzw. ab Freitag „beurlaubt“.
– Die Gewerkschaften drohen Klagen gegen Musk an,
der sich schon die ersten Sozialversicherungsnummern
auf seiner externen Festplatte gespeichert hat.
– Trump lässt die Staudämme in Kalifornien öffnen,
da sind die Feuer schon gelöscht.
– El Salvador bietet seinen neuen mega Knast
für Abgeschobene und auch Amis an (40.000 Plätze).
Na ja, nicht ganz El Salvador,
sondern nur der nächste Bewerber
für den Club der Vollarschlöcher:
Nayib Bukele verspricht,
die „Bandengewalt“ im Land kompromisslos zu bekämpfen.
Seine Politik der »mano dura« (»eiserne Faust«)
hat dazu geführt,
dass ein Prozent der Gesamtbevölkerung,
darunter rund 3.000 Kinder,
in festungsähnlichen Mega-Gefängnissen inhaftiert sind.
Laut Amnesty International
beinhaltet Bukeles Kreuzzug gegen die Banden
»massive Menschenrechtsverletzungen,
darunter Tausende willkürliche Verhaftungen
und Verstöße gegen das Recht auf ein ordnungsgemäßes Verfahren
sowie Folter und Misshandlungen«.
Trotzdem liegt Bukeles Zustimmungsrate
bei etwa 90 Prozent.
Für seine Fans ist er
»der coolste Diktator der Welt«.
Und er selbst ist wiederum Fan
von Ihr wisst schon wem.
– Die ersten „illegal aliens“
werden nach Guantanamo Bay geflogen,
aber nicht ins Terrorlager,
sondern in den Knast daneben.
– Elon geht auf Ilhan Omar („The Squad“) los,
und zwar weil sie Menschen ihre Rechte erklärt hat.
– Tulsi Gabbard wird als Chefin der Geheimdienste bestätigt,
Pam Bondi als Justizministerin.
– Der erste Staatsbesuch im Weißen Haus
kommt dann Benjamin Netanyahu zu
und endet mit einer weiteren Ungeheuerlichkeit:
Trump will die US-Kontrolle
über den Gazastreifen.
Inklusive der „Umsiedlung“ aller dort lebenden Palästinenser,
er kann sich auch die Annexion der West Bank vorstellen,
immerhin noch durch Israel selbst.
Der Schlachtruf der Hamas
bekommt eine Gegenparole:
From the Riviera to the Sea.
– Saudi Arabien will aber lieber
ein unabhängiges Palästina,
auch China ist dagegen,
der Iran kuscht,
irgendein SPD-Louie erinnert nochmal ans Völkerrecht,
selbst die Türkei is not amused.
– Die US-Post
will keine Pakete aus China
mehr ins Land lassen,
was vor allem Schottschleudern
wie Temu und Shein trifft,
überlegt es sich dann aber schnell wieder anders.
– Das Pentagon soll ab sofort
keine Holocaust Gedenkveranstaltungen mehr durchführen.
– Das erste Amtsenthebungsverfahren wird gepitcht,
auch dieses mal wieder von Al Green, Texas.
– Vor Journalisten sagt Karoline Leavitt,
immer noch Sprecherin von US-Präsident Donald Trump,
Elon Musk werde selbst darauf achten,
ob und wie er damit umgeht,
sollte er im Rahmen seiner Funktion bei DOGE
auf Verträge und Zahlungen stoßen,
bei denen eben Interessenkonflikte drohen könnten,
und dann werde er sich heraushalten,
er halte sich schließlich an alle betreffenden Gesetze;
glaubwürdiger geht’s ja wohl nicht.
– Tausende weitere Mails werden verschickt,
Bundesagent*innen von D.C. bis Seattle
wird die Kündigung
mit einer Abfindung schmackhaft gemacht.
– Trump unterzeichnet am National Girls Day
einen Transgenderbann für Mädchen- und Frauensport.
– Trump kündigt an,
als erster US-Präsident den heutigen Super Bowl zu besuchen.
– Elon Musk will die Grundsteuer abschaffen.
– Trump streicht
die 4.000.000.000 Klimafondsbeiträge.
– Ein Gericht stoppt die Kündigungen,
die unter Anarchokapitalisten
auch eine „fork in the road“ (Weggabelung) darstellen.
Der Bundesrichter George A. O’Toole Jr. in Boston
bezeichnet das Ultimatum
als „willkürlich, unrechtmäßig und überstürzt.“
– Trump entzieht den Medien
das letzte bisschen staatliches Geld.
– Trump verhängt Sanktionen
gegen den IStGh.
Doch,
macht er tatsächlich.
Wegen der Haftbefehle
gegen Netanyahu und Gallant.
Stimmt ja!,
wäre nicht alles
wie es ist,
hätte der israelische Ministerpräsident
eigentlich im Weißen Haus
verhaftet werden müssen.
– Den Demokraten wird auch der Zugang
zum Bildungsministerium verweigert.
– Auch die letzten US-Medien
haben es mitbekommen:
Das ist alles kein Witz mehr:
DOGE is unleashed;
die Punchline war schon lange überfällig.
– Auch Joe Biden wird
seiner Privilegen als Ex-Präsident beraubt.
– Ein weiterer Richter stoppt
die Entlassungen bei USAID,
während in Houston schon 30.000 Tonnen
an Lebensmitteln für die Dritte Welt verrottet sind.
– Die US-Justizministerin Pam Bondi
hat die Auflösung einer Strafverfolgungseinheit des Ministeriums
zur Durchsetzung von Sanktionen
gegen russische Oligarchen angeordnet.
Ja, auch das habt Ihr richtig gelesen.
– Die Unterbringungsmöglichkeiten
für „illegal aliens“ sind bereits erschöpft,
es werden mehr entlassen
als festgesetzt werden.
Und Stephen Miller grübelt bereits
über der Endlösung der Alienfrage.
– Gestern hat dann sogar die Tagesschau
die offensichtliche Strategie
des Autokratenduos entschlüsselt,
verharmlost aber durch Verkürzung:
Das Zuscheißen der Newsfeeds
wurde von Steven Bannon
schon vor Jahren beschrieben:
„Flood the Zone (With Shit)“.
– Wie dünn der Ausfluss dabei werden kann,
darf zum Wochenabschluss
Kanye West (Rapmusiker, Antisemit) beweisen,
er regt sich darüber auf,
dass Elon Musk
seinen „Nazi-Swag“ geklaut hat.
Keine Pointe.
Boah,
ich war mir grad mal schnell
die Hände waschen,
was für ein Haufen übler Mist,
da kriegt man ja
ganz kalte Finger.
Zum Glück habe ich mir aber vorgenommen,
später noch über schöne Dinge zu schreiben.
Und später,
das ist ganz bald,
denn gerade wird das Licht vor den Fenstern
schon wieder weniger,
auch wenn sich das eher erahnen lässt,
denn der Nebel
liegt schon wieder bedrohlich tief
über den Dächern.
Deswegen also weiter im Schnelldurchlauf,
was anderes hat diese Woche
auch nicht wirklich verdient,
und so oft kann ich meine Hände
auch gar nicht unter heißes Wasser halten,
damit sie nicht endgültig abfrieren:
Milei ist der nächste Autokrat
der sein Land von der Vernunft abkoppelt:
Argentinien verlässt ebenfalls
die WHO.
Gute Neuigkeiten mal wieder aus Spanien,
da gibt es sowas wie Vernunft also noch:
Das Parlament diskutiert
eine Arbeitszeitsenkung per Gesetz,
auf höchstens 35 Stunden die Woche.
Und hier in Deutschland
lässt eine der größeren Gewerkschaften spüren,
wer es ist,
der dem Laden Beine macht:
Die Öffis dürfen streiken.
Die neue niederländische Regierung
nimmt endlich ihre Arbeit auf.
Die erste Amtshandlung der Mitte-Rechts Koalition
unter Dick Schoof:
Das Wiederanschalten der Atomkraftreaktoren.
Was soll schon passieren?
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 152.
Das Ende zieht sich ganz schön hin. Montag: Die russische Marine übt das U-Boot-Suchen und die Luftabwehr, im Pazifik. In Moskau wird ein pro-russischer Paramillitär getötet. Trump knüpft die US-Hilfen rückwirkend an die Lieferungen bzw. Schürfrechte für Seltene Erden in der Ukraine. Putin kündigt den „Intervision“-Songcontest an. Dienstag: Die Soldaten aus Nord-Korea werden aus Kursk abgezogen. Rheinmetall Electronics GmbH erhält einen Milliardenauftrag für ein neues plattformbasiertes Kommunikations- und Richtfunkmanagementsystem. Russische Geschosse schlagen im ganzen Land ein (besondes in Sumy und Dnipropetrowsk), in Isjum sterben dabei fünf Zivilisten. Die EU bereitet ein Sondertribunal vor. Mittwoch: Selensky ist offen für Trumps Schürfpläne: „Ich möchte, dass US-Firmen (…) diesen Bereich hier entwickeln.“ Außerdem ist er bereit auch direkt mit Putin zu sprechen, wenn die USA und Europa dabei sind. Baranivka und Novomlynsk (Donezk und Charkiw) sind „befreit“. In Kamianets-Podilskyj (Chmelnyzkyj) wird eine Musterungsstelle mit Sprengstoff angegriffen, ein Mensch stirbt. Donnerstag: Drohnen werfen Granaten auf Belgorod, drei Zivilisten sterben. Pam Bondi (neue US-Justizministerin löst die Behörde auf, die über die Sanktionen Aufsicht führt. Freitag: Kiew kündigt an: “Wir sind bereit, einen humanitären Korridor von der Region Kursk bis in die Tiefen Russlands zu öffnen, wenn die Russische Föderation offiziell darum bittet.“ Die nächste ukrainische Gegenoffensive im selben Raum scheitert brutal. Bomben auf Sumy töten drei ukrainische Zivilisten. In mehreren Regionen fällt der Strom aus. Druschba (Donezk) ist „befreit“. Der Kreml verkündet ein Wirttschaftswachstum von 4,1%. Auch Torezk ist gefallen, die Ukraine dementiert das aber noch. Selenskyj winkt den Seltene Erden-Deal durch: „Die Amerikaner haben am meisten geholfen, also sollten die Amerikaner auch am meisten verdienen. Und sie sollten diese Priorität haben.“ Samstag: Das Baltikum kappt seine Verbindungen zum russischen Stromnetz. Selenskyj wirft Putin Aufrüstung vor: „Und das bedeutet eine einfache Sache: Putin bereitet sich nicht auf Verhandlungen vor, nicht auf Frieden, sondern auf die Fortsetzung des Krieges, und zwar nicht nur gegen uns.“ Sonntag: Um Pokrowsk tobt die Kesselschlacht in vollem Ausmaß. Auch Kramatorsk gerät bereits massiv unter Druck. Donald Trump behauptet, aus der Air Force One mit Putin telefoniert zu haben, was der Kreml nicht kommentiert. Orichowo-Wassyliwka (Donezk) IST „befreit“. Das Baltikum ist ans europäische Stromnetz angeschlossen.
In Other Wars
stapeln sich 900 Leichen in Goma.
Die Rebellen im Kongo
haben vorerst genug
und kündigen eine Waffenruhe an.
In Other Wars
darf die Bundeswehr
in der sächsischen Stadt Zwickau
künftig nicht mehr ohne Einschränkungen
um Nachwuchs werben.
Das berichtet Radio Zwickau.
Der Stadtrat beschloss am letzten Donnerstag
mehrheitlich ein Verbot
für städtische Liegenschaften,
Veranstaltungen und Fahrzeuge kommunaler Unternehmen.
Auf Antrag der BSW-Fraktion
soll Zwickau als »Stadt des Friedens« positioniert werden.
»Die Werbung ist irreführend,
weil sie nicht die Realität widerspiegelt.
Krieg ist kein Videospiel«,
so die Begründung von BSW-Fraktionschef Bernd Rudolph
am Montag gegenüber Bild.
Auch einige CDU-Räte
stimmten demnach für den Antrag.
Offen bleibt zunächst,
ob und wann die Werbung
an der tarnmusterbeklebten Straßenbahn entfernt wird.
Ihr seht,
wir sind wieder zurück in Deutschland.
Und das ist auch da,
wo das eben erwähnte BSW
weiter seinem eigenen Abstieg beiwohnt:
“Besonders scharf kritisieren die Unterzeichnenden,
dass das BSW im Netz mit Bildern werbe,
die nahe an der Wahlwerbung der AfD seien.
Und sie rügen die Abstimmung
zum »Zustrombegrenzungsgesetz«
im Bundestag in der vergangenen Woche:
»Dass wir hier wohl von einigen Mitgliedern der CDU und FDP
– beim Thema Menschlichkeit –
links überholt wurden,
ist für uns nicht hinnehmbar.«“
Es hagelt nicht,
aber tröpfelt immerhin Parteiaustritte.
Sarah hätte auf Mama hören sollen.
Und bevor es erwartbarerweise
auch wieder um Faschos gehen muss,
hier noch eine Schmunzelstory
zum daran Erinnern,
welche Klasse noch mal das Problem ist:
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder
hat sich wegen einer Burnout-Diagnose
in klinische Behandlung begeben.
Demzufolge muss er auch nicht in Schwerin erscheinen,
zum Untersuchnungsausschuss zu Nord Stream 2.
Was Weißwein alles anrichtet.
Davon machen sich die AfD-Nazis
momentan wohl auch eine Flasche nach der anderen auf,
wenn sie nicht eh einen Kasten Bier pro Tag trinken
oder eben morgens schon Schnaps.
Alice Weidel will am letzten Sonntag Abend
aber erstmal den „Schuldkult“ beenden
und kann nur schwer überspielen,
dass ihr Gegenüber, Caren Miosga,
deutlich tiefer im „Thema“ steckt.
Ich übrigens auch,
denn ich lese grade
auf dem Klo
„Nationalmasochismus“,
eine Pamphletsammlung der Neuen Rechten,
die ich in der blauen Tonne gefunden habe,
und deren Papier ganz schön kratzt.
Auf der gleichen Seite der Brandmauer
doubled Merz wie erwartet down
und spielt gleichzeitig mit Söder
auf dem Parteitag im City Cube Berlin
Antifa:
„Ich kann den Wählerinnen und Wählern in Deutschland
eines sehr klar und sehr deutlich versichern:
Wir werden mit der Partei,
die sich da Alternative für Deutschland nennt,
nicht zusammenarbeiten.
Vorher nicht, nachher nicht, niemals.“
Wie war das noch gleich mit seiner Reputation?
Das „Sofortprogramm“ („Ausländer Raus!“)
wird jedenfalls einstimmig beschlossen.
Und auf der anderen Seite
ist auch weiter Musik drin:
Die Linke verzeichnet
11.000 Neueintritte
in zwei Wochen,
und #TeamSilberlocke (Ramelow, Bartsch, Gysi)
steht als „161 Strassenbande“
in der ersten Reihe
beim Schwarzen Block.
Kanzlerkandidat Habeck (Die Grünen)
legt derweil am Montag
einen eigenen 10-Punkte-Plan zur Migration vor.
Unter anderem fordert er
eine »Vollstreckungsoffensive«,
170.000 Haftbefehle würden nicht vollstreckt,
nicht deutsche Gefährder
sollen konsequent abgeschoben werden.
Und Die Partei
macht ein Dorf weiter Wahlwerbung
mit diesem Plakat hier:
„Black Rock Matters“.
Tja, Friedrich.
Was tun?
Nur noch zwei Wochen
bis zum nächsten Rechtsruck,
und auch der März
ist nur noch eine weiter weg.
Die Umfragen sind unverändert,
der Krach im Gebälk
ist noch lange nicht laut genug.
Ist auch die Minderheitenregierung noch drin?
Zur Not auch mit den Grünen?
Oder wird sogar Christian Lindner Kanzler,
mit den Stimmen der AfD?
Nichts,
was nicht schon ausprobiert worden wäre…
Aber auch dazu hat Friedrich was zu sagen,
allerdings lieber nicht in Deutschland:
„Vier Prozent sind vier Prozent zu viel für die FDP
und vier Prozent zu wenig für die Union“,
sagt der CDU-Chef und Unions-Kanzlerkandidat
der französischen Zeitung Ouest-France.
Das Volk unterhält sich unterdessen
aber auch noch anderweitig:
Der „neue“ CO2-Preis ist beschlossen!!1!
Darüber regen sich die Kartoffeln in ihren Winterkellern so sehr auf,
dass sie gar nicht mitkriegen,
dass Porsche ankündigt,
wieder neue Verbrenner zu bauen,
und die Fleischproduktion in Deutschland
wieder kräftig zugelegt hat.
Wer sich empören will,
der findet immer was.
Vielleicht bleibt ja aber dann
bei der nächsten Pandemie
den meisten auch einfach keine Kraft mehr;
in Nevada wird ein Vogelgrippestamm entdeckt,
der schon wieder die nächste Evolutionsstufe erreicht hat…
Und heute ist dann später
auch noch das erste große TV-Duell
zwischen den beiden demokratischen Spitzenkandidaten.
Ich werde jedoch nicht eine Minute davon sehen,
denn mir ist immer noch viel zu kalt.
Weswegen ich mich jetzt auch endlich
den versprochenen schönen Dingen widme,
der Kaffee in der Tasse vor mir
dampft verlockend heiß.
Zuerst zum Basketball.
Während Anthony Davis
beeindruckend unter Beweis stellt,
dass sich der Trade des Jahrhunderts
auch für die Mavericks gelohnt hat
(26/16/7/3 in 30 Minuten),
und während Luca Doncic und LeBron James
in Los Angeles auf der Bank sitzen,
ist es natürlich Austin Reaves,
der mal kurz übernimmt:
Mit 45/7/7/3 (gegen Indiana)
katapultiert er die Lakers
auf Platz 4
der wie immer hart umkämpften Western Conference.
Auch musikalisch
kündigt sich der Frühling an:
Gerüchteweise nehmen Biffy Clyro
irgendwo im Berliner Friedrichshain
ihr nächstes Album auf,
auf den Monat genau
30 Jahre nach ihrem allerersten Konzert
und 12 Jahre nach dem berüchtigten Becherwurf im Kesselhaus;
ich kann die Vibes bis hierher spüren.
Und meine zweitliebste Band aus Schottland
ist auch gerade im Lande.
In drei Tagen
lassen Mogwai das Täubchental in Leipzig beben,
und ich habe vor,
mittendrin zu stehen.
Aber auch politisch ist nicht alles schlecht.
Jan Böhmermann
rettet mit der Rückkehr des Magazins
die „Freiheit“
Das erste Mal in über 10 Jahren
sitze ich am Ende mit null Informationszuwachs da,
dafür aber mit 100/100 Zustimmungspunkten,
sowas von groß.
Und groß sind auch die Bemühungen
der Wehrhaften Demokratie:
Sogar in Wien
raffen sich wenigstens 20.000
gegen die FPÖ.
Die Gespräche,
die der „Volkskanzler“ immer noch führt
sind erfreulicherweise „schwierig“.
Auch in der Slowakei
bekommt der Faschismus reichlich Gegenwind:
Die Bilder aus Bratislava
sind die gleichen
wie letzte Woche
und sind die gleichen
wie gestern erst wieder in München (200.000),
Stuttgart (44.000),
Karlsruhe (5.000),
Mannheim (5.000),
Ulm (10.000),
und Hannover (25.000).
Letztere Landeshauptstadt
hatte übrigens mit einem Zehntel
der Demonstrierenden gerechnet.
Und ich hätte eigentlich
mit dem Eröffnungssong rechnen müssen,
habe ich aber nicht.
Bevor die Reden auf dem völlig überfüllten Opernplatz beginnen,
grölen Madsen aus den Boxen:
„Denn du schreibst Geschichte
mit jedem Schritt,
mit jedem Wort
setzt du sie fort.
Du schreibst Geschichte
an jedem Tag,
denn jetzt und hier
bist du ein Teil von ihr.“
Nach Niedersachsen eingeladen
haben übrigens die Omas gegen Rechts.
Gefolgt sind beinahe 50 Verbände
und abertausende Normalos.
Die vielen Familien
und auffallend vielen jungen Menschen
erwartet ein gediegendes Programm,
auch wenn Pastor Brandes zu Beginn
so ziemlich der Sack platzt.
Die Straßen rund um den Platz werden gesperrt,
letzte Woche hat der Platz noch gereicht,
da waren es nur 10.000,
bei strömendem Regen.
Unter schönstem Sonnenschein
betritt dann wirklich Boris Pistorius,
immer noch Deutschlands beliebtester Bundesminister,
die Bühne
und begrüßt die anwesenden „Beschützer unserer Demokratie“.
Unaufgeregt aber deutlich
findet er passende Worte.
Sein Protegé Adis Achmetovic
darf schon eine dickere Lippe riskieren.
Es folgt ein mittelalter Lokalrapper
mit froher Botschaft:
„Im Namen der Hoffnung:
Alerta!“
Als die Polizei die aktuelle Teilnehmerzahl durchgibt,
skandiert die Masse:
„Ganz Hannover hasst die AfD!“
Schon steht eine 16jährige Schülerin,
mit Namen Kassandra,
auf der Bühne
und gibt am Ende ihrer Rede
noch einen kurzen Hinweis:
„Fickt die AfD!“
Ich denke, die meisten hier
werden sich gerade noch so beherrschen können.
Zum Ende,
als die Massen nach gut zwei Stunden
langsam beginnen sich aufzulösen,
schmettert eine non-binäre Person
noch ein Paar schief gesungene Hymnen.
Doch da hat die Antifa
den einzigen AfD-Wahlkampfstand weit und breit
schon großräumig umstellt:
„Nazis Raus! Nazis Raus! Nazis Raus!“
tönt es noch Stunden später
über den Kröpke,
als Mama und ich
wieder zurück ins Nachbarsachsen fahren.
Und genau hier
endet die Episode auch heute wieder.
Denn der beste Moment der letzten Woche
war der hier:
Nach guten drei Stunden
„Der Besuch der alten Dame“
im Harztheater
muss nicht groß über die Zeitgemäßigkeit
der Inszenierung geredet werden
(Eine Milliardärin kauft sich Gerechtigkeit),
die Zigarette danach
schmeckt auf den kalten Stufen
gegenüber des Haupteingangs
besonders erinnerungswürdig,
und die letzten Deutschleistungskursler
brechen auf in eine neue Samstagnacht.
„Hang on to your hopes, my friend,
that’s an easy thing to say.
But if your hopes should pass away
simply pretend
that you can build them again.“
(The Bangles. 1987)

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