Bild: Noch nicht März. Quedlinburg. 2025. Wahlsonntag Morgen.
„I hope you find
some peace of mind
in this lifetime.
Tell them,
tell em,
tell them the truth!
I hope you find
some paradise
(tell them, tell ‚em the truth).
Tell em,
tell em,
tell em,
tell them your –
I’ve been goin‘ through somethin
one thousand, eight hundred and 55 days.
I’ve been goin through somethin.
Be afraid!“
(Kendrick Lamar: United in Grief. 2022)
So.
Ham’wer’s dann endlich, ja?
Ist die Spaltung
endlich zementiert?
Und sind die Risse
in den Mauern
auch wieder
gut genug
verfugt?
Dann
kann’s ja
weitergehen.
Im Moment
sind es noch sechs Stunden
bis zur ersten Hochrechnung.
Besonders die letzte Woche des Wahlkampfs
war allumfassend unerträglich;
als ob wir nicht alle
auch noch was anderes zu tun hätten.
Das einzig erträgliche dabei
ist die Rückkehr der Linken.
Dazu zunächst erstmal nur ein, zwei kurze Gedanken,
denn ob es nur 6% oder gar 9% werden,
das steht ja noch nicht fest
(mein Tipp: 7,7%).
Die Umfrageergebnisse der letzten Wochen
legen die Analyse einer „neuen“ Spaltung nahe:
Den größten Zulauf haben die Linken
vor allem in den urbanen Gebieten des Westens (NRW etc.),
aber auch in Teilen der ostdeutschen Metropolen,
wobei das Vorhandensein einer erstzunehmenden Universität
(Halle, Leipzig, Jena, Dresden, Berlin, Rostock)
ein entscheidender Faktor zu sein scheint.
Was haben diese Gebiete gemeinsam?
Sie sind bunt.
Im Gegenteil dazu
marschieren die Provinzen des Landes
immer weiter auf dem Weg
zur Tolerierung des Faschismus.
Bürgerkrieg will vorbereitet sein.
In fünf Stunden schließen die Wahllokale.
Unterdessen
liegt gefühlt die Hälfte der Nation
mit Fieber u.ä
im Bett.
Die zur Saison gewordene Grippen/Corona/etc.-Welle
hat im Harzkreis gerade ihren Höhepunkt erreicht;
ich kann mich an keine Woche der Pandemie erinnern,
in denen ich von so vielen
schweren Krankheitsverläufen gehört habe.
Immer öfter trifft es vor allem Kinder und Jugendliche,
ein Trend, der seit fünf Jahren
ununterbrochen anhält.
Meine Klasse hat es an keinem Tag der Woche
auf über die Hälfte gebracht,
im Kollegium war der gleiche Zustand
am Ende der Woche ebenfalls erreicht.
Egal:
Maximal gelungene Podiumsdiskussion
mit Bundestagskandidat*innen
von CDU bis Linke,
und ohne FDP (abgesagt)
und AfD (nicht eingeladen)
– check.
Juniorwahl (Ergebnis noch geheim)
ohne Komplikationen abgehalten
– check.
Ghettofäuste am Mittagstisch,
weil trotz allem so viel klappt
– check.
Unterdessen
rollt die erste Streikwelle des Jahres
durchs Land.
Beziehungsweise rollt eben nicht.
Die Verkehrsbetriebe
proben schon mal
den ersten Arbeitskampf
unter Merz.
Unterdessen
kratze ich mir die Stirn
und frage mich,
nicht zum ersten Mal
in den letzten fünf Jahren,
aber noch nie so ernsthaft:
Hört es sich nun mal so an,
wenn alle Roms
gleichzeitig stürzen?
Erkennen wir
die Implosionen daran,
dass wir
vor lauter Krach
gar nichts mehr hören?
Und ja,
ich frage mich auch,
ob ich es einfach nur
mit dem Pathos übertreibe,
oder ob ich
erschreckenderweise
auch noch recht habe.
Fest steht aber:
Für eine Woche
und eine ambitionierte Episode darüber
war einfach mal zu viel Krach
für taubgeschriene Ohren.
Und zu viele Explosionen
auf zu vielen Schwarzen Spiegeln.
Also gebe ich es (vorübergehend) auf,
den Überblick zu behalten,
und schaffe einfach nur,
was ich schaffe.
Ich meine,
die Tagesschau hat jetzt
einfach mal zwei bis drei Liveticker
direkt auf der Startseite
(BuWa, Naher Osten, Ukraine).
Das sind einfach mal
zu viele Level auf einmal.
Das triggert einfach mal
zu viele Diskurse auf einmal.
Jede*r von uns Milliarden Main Characters
ist von dieser Gamifikation der Zeitgeschichte
so dermaßen überfordert,
dass wir uns nur noch wie NPCs
an der Stirn kratzen können;
der Technofaschismus
lässt sich nicht gewinnen.
Aber:
„Defeat is a self fulfilling prophecy.“
Daran muss ausgerechnet John Oliver
zu Beginn der Woche
nochmal erinnern.
Und Jon Stewart
muss sich die Frage gefallen lassen,
warum er den neuen US-Faschismus
nicht beim Namen nennen will,
worauf auch dem nichts besseres einfällt,
als das Märchen
der abgezählten Faschismuskugeln zu wiederholen.
Und damit auch schon
willkommen im US-Block.
Wo es natürlich auch noch
andere Ansichten gibt.
Frei nach dem Motto
„Angriff ist die beste Verteidigung“
hält sich auch der radikale Antifaschismus
im Gespräch:
Luigi Mangione
darf aus der Untersuchungshaft heraus erklären:
„I took one out
to avenge a few thousand.“
Da lassen sich Mitstreiter nicht lange suchen,
und die USA haben ein wachsendes RAF-Problem:
Die Zizian Group.
Eine abseitige, radikale Gruppe
von „Berkley Pseudointellektuellen“,
bzw. „Anarchistischen Computerwissenschaftlern“
betritt die Bühne
als sich ihr Anführer,
Jack LaSota, 34,
am letzten Sonntag
zusammen mit seiner Genossin,
Michelle Zajko, 33,
in Maryland festnehmen lässt.
Was genau die vorhatten,
bleibt jedoch noch unklar.
Jeder Faschismus braucht innere Feinde.
Just Some Sand in the Gears?
oder: On the Brink of Technofascism
– Die ersten Amtsenthebungsverfahren
gegen Richter,
die die Verfassung schützen,
laufen,
weitere werden angedroht.
– Kash Patel (der kommende FBI-Chef)
will Joe Biden und Kamala Harris
verhaften lassen.
– Elon Musk hat den „größten Betrug der Geschichte“ gefunden:
Tote im Datensystem!
Viel mehr Sozialversicherungsnummern als Bürger!
Ach, Elon,
was sagt Gogol wohl dazu.
– Immer mehr (auch) US-Medien
nennen das Liebeskind der beiden Wahnsinnigen
beim Namen:
Putsch.
– Trump und Musk sitzen derweil gemeinsam
bei Sean Hannity:
„Sie werden uns nicht auseinander bringen!“
– Wer „Sie“ sind:
erste größere Proteste
in D.C.,
New York,
Portland,
Vancouver,
Orlando,
Frisco.
– Gegen DOGE
werden die ersten Massenklagen eingereicht,
in Arizona,
Michigan,
Kalifornien,
Connecticut,
Hawaii,
Maryland,
Massachusetts,
Minnesota,
Nevada,
New Mexico,
Oregon,
Rhode Island,
Vermont und Washington.
– Vor Tesla Showrooms
kommt es zu ansehnlichen Protesten.
– Musk ist da schon weitergezogen:
„Grok 3“ (KI)
wird das das Flagship von „xAI“,
seinem nächsten Luftschloss.
– Trump räumt derweil
im woken Kennedy Center auf,
sein Buddy und Kulturveteran Richard Grenell ist mit dabei.
Zusammen beschließen sie,
als erstes ein Kinderstück zu streichen:
„Finn“ fliegt raus.
– Musk macht da schon wieder Buisness,
sein nächster Großabnehmer soll Indien werden.
– Laura Trump,
Schwiegertochter des Frisurensohns
kriegt eine eigene Fox Show.
– Andrew Tate soll
zur Flucht verholfen werden;
was der wohl sonst ausplaudern könnte?
– Der Chef der Social Security tritt zurück.
– Die MAGA-Reps schlagen ein Gesetz vor,
dass Trumps Geburtstag
zum Nationalen Feiertag macht.
– Ständig wird das Programm unterbrochen:
Live Übertragung aus Mar-a-Lago:
Trump unterschreibt irgendwas.
– Dann ist sogar Fox News geschockt:
Trump nennt Selenskyj
einen „nicht gewählten Diktator“.
– Zur Ablenkung kündigt Musk
5.000$ Checks für Amerikaner an,
die durch DOGE-Einsparungen finanziert werden.
– Trump hat übrigens seit Amtsantritt
11.000.000(!)$ Steuergeld
für Golfreisen ausgegeben.
– Noch vor der CPAC
beginnt sich Musk
bereits von DOGE zu distanzieren.
– Gerüchte sind im Umlauf,
Trump wolle die USA aus der Nato ziehen.
– Die Welt framt
Trumps Diktator-Quatsch
als „Warnschuss“.
– Trump krönt sich auf Social Media selbst,
nachdem er die Maut in New York City abgeschafft hat:
„Long live the king!“
– Kash Patel wird als FBI-Chef bestätigt.
– Dann auch noch die CPAC,
die Gruselshow
für „Patrioten“,
die absolut gar nichts mehr mitkriegen:
– Elon kriegt
eine verchromte Kettensäge
von Milei geschenkt.
– In Fort Knox soll demnächst
nach dem Gold geschaut werden
(mit Livestream!).
– J.D. Vance teasert den Rückzug der US-Truppen
aus Deutschland an,
wenn sich Berlin das mit der „Meinungsfreiheit“
nicht bald noch mal überlegen sollte.
– Am Todestag von Malcolm X
ist sich selbst Steve Bannon
für einen astreinen Hitlergruß auf offener Bühne
nicht mehr zu schade;
und fast schon so beiläufig,
wie Kubitschek damals in Frankfurt dumm rumgestanden hat.
– Sogar Jordan Bardella (Ziehsohn von Marine LePen)
cancelt seinen geplanten Auftritt.
– Trump selbst fordert dann am Ende
US-Ausrüstung von den Taliban zurück,
sonst wird das Aid eingestellt.
– Zeitgleich gibt der Polizistensohn aus Bremen (Deutschland)
sein bestes in der New York Times,
vielleicht hört ja jemand auf den blassen dünnen Onkel
aus dem Faschismusexpertenland Nr.1.
Und in den US-weiten Kommentarspalten,
außerhalb der Gaming-Community,
wird auch endlich mal deutsch gesprochen…
– Die Umfragewerte der Chaosbrüder
gehen nach kurzem Uptick wieder rasant runter:
45% dafür,
51% dagegen,
6% ohne Angabe.
Musk liegt teilweise bei nur 20% Zustimmung.
– Deswegen behauptet Trump
auf Truth Social
ganz einfach
das Gegenteil.
– Um direkt im Anschluß
Selenskyj zum eigentlichen Feind zu erklären.
– Das Weiße Haus will inzwischen
die Aufsicht über immer mehr Bundesbehörden,
unter anderem die Börsenaufsicht.
– Die New York Post (right wing)
korrigiert Trump bezüglich der Behauptung,
wer warum weshalb ein Diktator sei;
Mike Pence sekundiert auf einer PK.
– „Trump säubert übrigens gerade das Militär,
vorzugsweise von schwarzen und weiblichen Offizieren,
während seine Unterstützer
auf der CPAC-Konferenz
reihenweise Hitlergrüße zeigen.
Aber keine Angst,
das ist sicher aaaalles nur
Trolling und Owning the Libs
und Art of the Deal
und gaaanz sicher kein faschistischer Coup.“
(Bernhard Torsch)
– Elon soll als nächstes
dann bitte mal
noch ein bisschen aggressiver DOGEn,
sagt Trump;
wer auf Elons Mails nicht bis morgen antwortet,
was er letzte Woche gemacht hat,
der fliegt raus;
Personalmanagement like it’s 1984.
– Ein Bundesrichter lässt die Beschwerde
einer 19-köpfigen Gruppe von Staatsanwälten zu,
die den Putsch verhindern will.
– Jap, das alles (und noch viel mehr)
in nur einer Woche…
Würde Trump 2.0
in Deutschland spielen,
sie hätten sich keine passendere Zeit aussuchen können.
Denn wann kann man sich
denn schonmal ungestraft
auf Schwachsinn berufen,
wenn nicht im Fasching?
In diesem Sinne.
Happy War Zone Anniversary!
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 154.
Versailles in Riad, Ratlosigkeit in Paris. Montag: Selenskyj besucht die VAE. Keir Starmer bietet britische Soldaten zur Friedenssicherung an, auch Schweden ist bereit zur Entsendung, Polen sagt nein, Berlin zögert. Charkiw und Kiew werden mit Drohnen überzogen. Fyholiwka (Charkiw) ist „befreit“. Lawrow übt sich in Sarkasmus: „Welche territorialen Konzessionen wollen Sie – dass wir auf die russisch-sprachige Bevölkerung verzichten oder auf Seltene Erden?“ Dem US-Ukrainebeauftragten Keith Kellogg zufolge wird niemand dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein Friedensabkommen aufzwingen. In Paris wird bereits beraten. Dienstag: ACAB verplappert sich: Nach der Wahl kommt ein 700.000.000.000 Paket für die Ukraine. „Thoughts after reading the American plan for Ukrainian „reconstruction,“ which will effectively turn Ukraine into an American colony burdened with a $500 billion bill that is proportionally much larger than what post-World War I Germany had to pay in reparations according to the Treaty of Versailles.“ (Ingar Solty) Nur Russland und die USA finden den vorgeschlagenen Deal gut, sogar Hofreiter ist enttäuscht. Der Kreml ist offen für einen EU-Beitritt der Rest-Ukraine und, „wenn nötig“, auch zu Gesprächen zwischen Putin und Selenskyj. Ein Treffen zwischen Trump und Putin wird noch in diesem Monat angekündigt. In den Schützengräben nichts Neues. Mittwoch: Die USA stoppen Einwanderungen aus der Ukraine. In Odessa bricht die Energieversorgung nach einem russischen Angriff zusammen. Lawrow lobt Trump: „Er ist der erste und meiner Meinung nach bislang einzige westliche Staatschef, der öffentlich und lautstark erklärt hat, dass eine der Grundursachen für die Situation in der Ukraine die unverschämte Haltung der vorherigen Regierung gewesen ist, die Ukraine in die NATO aufzunehmen.“ Trump: Selenskyj ist ein „Diktator ohne Wahlen.“ – Alle (außer Russland) sind maximal empört. Donnerstag: Cherson wird bombardiert. Mehr als die Hälfte des besetzten Gebietes in Kursk ist wieder unter russischer Kontrolle. Die Energieanlagen in Odessa werden weiter attackiert, landesweit wird nach Angriffen die Gasversorgung unterbrochen. Der Kreml stimmt „vollständig“ mit der neuen US-Position überein. In Kostjantyniwka (Donezk) sterben vier Zivilisten nach russischem Beschuss. Ungarn stellt sich gegen die neuen EU-Hilfen. Freitag: Merz zu deutschen „Friedenstruppen“ in der Ukraine: „Diese Frage stellt sich im Augenblick nicht.“ Robert Habeck hat eine Erkenntnis: „Das ist ja Imperialismus, was die da machen. Das ist Verrat und Imperialismus.“ Nowosilka und Nadijiwka (Donezk) sind „befreit“. Das Brüsseler Forschungsinstitut Bruegel und das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnen vor: Ohne die USA braucht Europa 300.000 Soldaten. Musk will X in sofern „reparieren“, dass niemand mehr „Falschinformationen“ zum Krieg posten kann. Samstag: Die USA drohen mit der Abschlatung von Starlink, wenn das mit den Seltenen Erden nicht so läuft wie gewünscht. Bei Kiew strbt ein Zivilist durch russischen Drohnenbeschuss. Nowoljubiwka (Luhansk) ist „befreit“. Selenskyj darf sich jetzt doch selbst mit Putin treffen. Der Spiegel behauptet, Selenskyj habe allen Grund, Wahlen zu fürchten. Sonntag: Die Angriffe lassen nicht nach, sie werden jedoch weniger drastisch: Am Morgen herrscht wieder Luftalarm in der ganzen Ukraine, in Kiew werden erneut Wohnhäuser getroffen. Die Schweiz könnte sich nach den Worten ihres Armeechefs Thomas Süssli an einer UN-Friedenstruppe beteiligen, sollte das Militär dazu aufgefordert werden sowie Regierung und Parlament in Bern zustimmen. Ulakly und Nowoandriiwka (Donezk) sind „befreit“. Selenskyj geht aufs Ganze: Für einen Nato-Beitritt der Ukraine würde er seinen Rücktritt anbieten.
In Other Wars
gibt die Hamas
die Leichen von zwei Kleinkindern und deren Mutter
an Israel zurück.
Und zwar als Show Event für Social Media.
Schon irgendwie ein Wunder,
dass nicht sofort wieder Raketen fliegen.
Zurück zum Fasching;
Sorry,
not sorry,
zum Zustand der Europäischen Rest-Demokratie;
in 90 Minuten werden die Urnen entsiegelt,
und der neue Harlekin im Kanzleramt
kann endlich seine neueste Bütt performen.
Ob er darin wohl auch darauf eingeht,
dass mehrere Bundestagsabgeordnete
erst kürzlich Schmiergeld
von Blackned (Tochter der Rheinmetall)
angenommen haben sollen?
Sicher nicht,
daran wird er wohl nichts ungewöhnliches finden.
Bevor aber auch hier gleich die Korken knallen,
überbrücke ich die Zeit bis zur Zeitenwende 4.1
noch mit ein paar rechten Randnotizen:
Die AfD
arbeitet weiter hart für das kommende Verbotsverfahren:
Erst wird über illegale Parteienfinanzierung berichtet,
ein Immobilienmulti,
Henning Conle, Duisburg,
wird als Nazifan geoutet.
Dann vergleicht Alice Weidel
J.D. Vance mit Gorbatschow.
Und dann macht Höcke
gestern in Erfurt den Sack erstmal wieder zu:
Mit Fanschal verkündet er,
bald die „Nummer Eins in Deutschland“ zu sein.
Der lautstarke Gegenprotest
hindert ihn nicht daran,
sich an ein Land zu erinnern,
für das die Zeit endlich wieder gekommen sei:
„Zeit für uns!
Zeit für die Normalos!
Zeit!
Für!
Deutschland!“
Nicht uninteressanter weise
fängt auch er
schon länger
jeden neuen Redeblock mit „Freunde!“ an,
nur falls sich jemand gewundert hat,
woher Alice so viele Faschos in Ostdeutschland kennt.
Sein Resümee lautet,
dass alle anderen (außer den „Patrioten“)
nur noch „Selbstoptimierer“ seien,
der Parteienstaat eh kaputt wäre,
also auch gleich weg könne, oder, Freunde?
Denn, so viel war zu ahnen:
„Es lebe das Wahre Europa!“
Damit zitiert er nicht nur sich selbst
von vor zwei Jahren zur EU Wahl,
sondern auch den gesamten großdeutschen Arschlochkanon,
über den Volker Weiss
erst letzte Woche
ein aufschlussreiches Buch geschrieben hat.
Die nächste gute Nachricht an der Faschofront
kommt schon wieder aus Österreich:
Dort steht
„wohl schon in wenigen Tagen eine neue Regierung,
der keine Rechtsextremisten angehören werden.
Es wird auch geben,
was zuvor angeblich unmöglich war,
nämlich eine Bankenabgabe
und eine höhere Besteuerung für Stiftungen.
Es wird keine vergnügliche Regierungsperiode werden,
da ÖVP und SPÖ Milliarden einsparen werden müssen.
Aber in einer Zeit,
in der wegen Putin-Trump
und ihren Fünften Kolonnen
alles auf dem Spiel steht,
was das Leben in Europa
möglich und erträglich machte,
ist jeder Rückschlag
für die Putinisten und Trumpisten gut.“
(schon wieder Bernhard Torsch)
Also nix da Neuwahlen!
ÖVP und SPÖ
und sogar die Neos
wagen’s noch a mal!
Aber sowas wie in den Niederlanden
kriegen die bestimmt auch
ohne Faschos ganz gut hin,
das Haushaltsdefizt ist als Ausrede groß genug.
Die Niederlande nämlich
wollen die Mittel für Entwicklungshilfe
drastisch kürzen
und Gelder nur noch einsetzen,
wenn es dem eigenen Interesse dient.
Das teilt die rechte Ministerin
für Außenhandel und Entwicklungshilfe, Reinette Klever,
dem Parlament in Den Haag
in einem Schreiben mit.
Nach den Vorhaben werden keine Projekte mehr
für Frauenrechte,
Gleichstellung der Geschlechter,
Ausbildung,
Sport und Kultur gefördert.
Gestrichen wird auch drastisch
bei Klimaschutz,
Demokratieförderung
und multilateraler Zusammenarbeit.
Der Beitrag für das UNO-Kinderhilfswerk (UNICEF)
wird um die Hälfte gekürzt.
Aber auch in Südamerika
ist der Krieg
zwischen Faschos
und allen anderen noch nicht ganz verloren:
Tropentrump Bolsanaro
wird wegen seines Putschversuchs
endlich vor Gericht gestellt.
Und in Argentinien läuft das erste
Amtsenthebungsverfahren gegen Milei,
zunächst erstmal wegen seines jüngsten
Crypto Scams,
der natürlich „$Libra“ heißt.
Nur der Papst (Argentinier)
macht gerade allen noch mehr Sorgen.
Seit einigen Tagen liegt er
erst mit Bronchitis,
dann mit einer erst ein-
dann zweiseitigen Lungenentzündung
im Krankenhaus.
Zwischenzeitlich geht es ihm besser,
dann benötigt er Sauerstoff
und Bluttransfusionen.
Ja, diesen Krankheitsverlauf
kenne ich auch
unter dem Namen Covid-19.
Und pünktlich um 17 Uhr
beginnt dann auch auf Compact-TV
die Liveberichterstattung.
Jürgen Elsässer prognostiziert
mit 26% für die AfD
einen halben Punkt mehr
als für die CDU.
Seine Frau Steffi
hat wohl auch schon zu viel
vom Siegersekt getrunken:
„Deutschland ist wie ein angeschossener Adler.“
Den Rest der Medien
beherrscht zur Stunde schon
der Kanzler in spe,
der sich gestern noch mal so sehr entleert hat,
dass die Putzkolonne immer noch zu tun hat:
Er warnt vor der nächsten Finanzkrise
(wegen Staatsverschuldung)
und beschwört sein zukünftiges Volk:
„Links ist vorbei!“
Ach ja?!
Das letzte Lindner-Strategiepapier
geht dabei glücklicherweise unter,
fordert es doch
ein bisschen mehr DOGE
und noch viel mehr Technofaschismus,
ohne selbst zu wissen,
dass es das tut.
Um die Aufmerksamkeitsgunst
streitet sich der kommende Kanzler
aber auch noch mit der jüngsten Terrortat:
Im Stehlenfeld neben dem Brandenburger Tor
wird ein Mann lebensgefährlich mit einem Messer verletzt,
Antisemitismus als Motiv ist mehr als naheliegend,
und das auch noch am Jahrestag
der Ermordung der Weißen Rose
und nach der Bekanntgabe
des ersten „Dublin-Zentrums“
in Brandenburg;
Halleluja Berlin.
Gut,
hier im Weltkulturerbe
flieht grade ein einzelner Kondensstreifen in den Westen,
wo die Sonne gleich untergeht.
Eine dreiviertel Stunde länger noch
ist hier um die Ecke
übrigens der Poesiesalon „Antik & Feder“ geöffnet:
Die „Herzmomente“
werden bereits seit 7 Stunden feilgehalten,
gütigst versehen
mit einer knackigen Main Character-Hymne:
„Wähle mich,
sei so gescheit,
an diesem Ort ist Menschlichkeit,
die dir nicht das Herz entzweit.“
Etwas weniger ambitioniert
lässt es der vermeintliche Gewinner
des hiesigen Wahlkreises angehen:
„Artjom (CDU) wählen,
um Baum (AfD) zu verhindern!“
Ich würde mir jetzt noch einen Kaffee machen,
hätte ich nicht vor einer halben Stunde erst
den letzten getrunken…
Oder wie meine Mutter gestern
in ihrer fast 70-jährigen Weisheit gesagt hat:
„Spannende Zeiten!“
Ich hoffe,
Ihr versteht jetzt,
am Ende dieser Episode,
wieso ich hier und jetzt
weder Lust auf Analysen
noch auf Kommentare habe.
Deswegen hier jetzt nur
die Zahlen der ersten Hochrechnungen,
und der Rest ist auch nächste Woche noch Geschichte…
Ergebnis erste Hochrechnung:
CDU: 29%
SPD: 16% (Allzeittief)
Grüne: 13,3%
AfD: 19,6%
Linke: 8,6%
FDP: 4,9%
BSW: 4,7%
Ergebnis zweite Hochrechnung:
CDU: 28,9%
SPD: 16,1%
Grüne: 13,2%
AfD: 19,7%
Linke: 8,7%
FDP: 4,9%
BSW: 4,6%
Spannende Zeiten,
fürwahr:
Der Winter ist auf dem Rückzug,
Cooper Flagg spielt noch ein Jahr College Basketball,
die Lakers beenden den Win-Streak der Nuggets
in Denver, Luka hat die Fackel endlich in der Hand.
Und Biffy Clyro
nehmen also grade
tatsächlich ihr Berlin-Album auf;
Simon Neil versucht,
am Brandenburger Tor
nicht allzu fremd zu wirken.

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