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Flags Don’t Lie (S12:Ep13)

von | 2025 | 22. Juni | Die Serie, Staffel 12 - Dancing With Wolves

Bild: The Only Flags In Town. Quedlinburg, Juni 2025

 

 

So.
Sommer.
Die Mittagssonne
wird gerade zur Nachmittagssonne,
auf meinem Balkon sind demnächst 40°C,
unten, in der schattigen Hölle,
herrschen weniger (33°C),
die kürzeste Nacht des Jahres
ist auch schon wieder Geschichte.
Und, wie immer,
vom Weltkulturerbe mal abgesehen,
keine gute.

Weswegen die Ereignisse in der Provinz
mal wieder hintenan stehen werden,
wie immer als gut gemeinte Konterkarikatur,
in der Hoffnung,
wenigstens etwas von ihrer Schönheit
vor dem Weltuntergang zu retten.

Denn:
Der US-Kostümfaschismus
hat eine weitere seiner vielen Masken fallen gelassen,
und alles, was den Publizisten weltweit dazu einfällt,
ist es, noch so lange wie möglich zu vermeiden,
die Worte „Dritter Weltkrieg“
ohne Fragezeichen
in einer Headline zu verwenden.
Wie turbulent
sich diese historische Nachgeburt
vor unser aller Augen entfaltet hat,
während wir nur noch wegschauen wollten,
das zu beschreiben,
daran werde ich nun,
mal wieder,
mit großem Vergnügen scheitern:

Es beginnt/geht weiter damit,
dass Trump zunächst den US-Bürgerkrieg
weiter anfacht:
Nachdem sich sie Lage in Los Angeles
wohl erstmal wieder beruhigt hat,
will der Frisurensohn jetzt natürlich
noch viel härtere ICE-Einsätze,
und zwar vor allem in den „Sanctuary Cities“,
also den demokratischen Metropolen,
die das mit der Verfassung noch ernst meinen.
Trumps Söhne übernehmen daraufhin
für einen halben Newscycle,
und verkünden allen Ernstes
den US-amerikanischen Volksempfänger:
„Trump Mobile“,
inklusive exklusivem Endgerät,
100% made in the USA.
Klar.
Klar auch,
dass der Launch mächtig vor den Baum geht,
die Verbindungen sind instabil,
die Propaganda bleibt im Äther stecken,
und glücklicherweise
erkennen auch ein paar ganz dumme „Rednecks“,
dass sie damit nur wieder über den Tisch gezogen werden.
Bis in die Tiefen des MAGA-Verse
muss aber auch vorgedrungen sein,
dass es einer der ihren ist,
der für einen politischen Doppelmord
zur Rechenschaft gezogen wird;
der Schütze von Minnesota ist gefasst.
Also nehmen die ICE-Schergen,
und zwar gleich mal ohne Uniform,
einen Bürgermeisterkandidat in New York fest,
dessen Verbrechen es ist,
ein Anwalt für Einwanderungsrecht zu sein.
Und überall draußen auf dem Land,
in jeder Ecke von „Rural America“,
herrscht die erste Waffe eines jeden Krieges,
die Lüge.
Jede*r lügt sich seine Welt zurecht,
denn wenn Propaganda eine Sache kann,
dann das Empfinden für die Wahrheit
nachhaltig zu beschädigen;
die Grundvoraussetzung
für gesellschaftlichen Dissenz
und der erste Schritt
in eine Zeit,
in der vor jedem Haus
irgendeine Flagge wehen muss,
denn Flaggen vereinen nur dann,
wenn genug Menschen die gleiche hissen,
oder?

 

„Cast off the crutch that kills the pain,
the red flag wavin‘ never meant the same.
The kids of tomorrow don’t need today
when they live in the sins of yesterday.“

(Billy Talent: Red Flag. 2006)

 

So jedenfalls
denkt sich das der US-Faschismus.
Die Wahrheit allerdings
ist (auch) eine andere:
Denn am „National Flag Day“,
genau, der Tag der Trumpparade in D.C.,
fand ja auch noch der „No Kings Day“ statt.
Und, nun ja,
es waren dann wohl doch gut 3,5% der US-Bürger*innen
gegen Trump auf den Straßen der USA.
Und zwar circa 13.140.000
auf circa 2.300 Events.
Das ist der größte politische Protest
an einem einzigen Tag
in der Weltgeschichte.
Und ganz nebenbei
wird sich dabei auch noch die US-Flagge zurückgeholt,
auch wenn sie mehr als einmal
verkehrt herum getragen wird.

Aber:
Am Dienstag,
als die ganze Welt
auf eine ganz andere Entscheidung
der US-Regierung wartet,
werden vor dem weißen Haus
die beiden riesigen neuen Flaggenmaste errichtet.
Bigger is better.
Und deswegen ist dem Pentagon-Chef Hegseth
auch völlig egal,
was diese ganzen liberalen meinen,
wenn sie hunderttausendfach die Flagge schwingen,
was die verfassungswidrige Entsendung
von Truppen nach Kalifornien angeht,
da würde er auch ein Supreme Court-Urteil
erstmal nur abwarten…

Bereits einen Tag eher
wurden auch in Europa,
genauer vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag,
nochmal ein paar Fahnen geschwungen,
vor allem Palästina-Flaggen.
150.000 Menschen nehmen ein letztes Mal
Abschied vom Völkerrecht.
Denn Gaza rückt wieder in die Reihe
der „vergessenen Kriege“,
die Welt kann sich immer nur
auf einen Krieg gleichzeitig konzentrieren,
sonst müsste sie sich ja eingestehen,
dass viele „kleine“ Kriege
ja auch bloß irgendwann
ein ganz großer sind.
In und um Teheran brennen
nach vier Tagen Dauerbombardement
sämtliche Raffinerien,
Öl- und Gasfelder stehen in Flammen;
der Ölpreis steigt,
auch weil die Straße von Hormus
kurz vor der Sperrung steht.
Die letzten Deutschen
werden aus Israel ausgeflogen
als das iranische Staatsfernsehen
während einer Livesendung getroffen wird.
Und im israelischen Staatsfernsehen
lügt Netanyahu munter drauf los:
Never ever ist das etwa
ein gewaltsamer Regime Change!
Trump bleibt vor heimischen Kameras
wie gewohnt eindeutig uneindeutig:
„Wir könnten den Mullah umbringen,
machen es aber (noch) nicht.“
Der deutsche Kanzler Merz
sekundiert beim Angriffskrieg:
Es wäre gut,
wenn dieses Mullah-Regime an sein Ende käme.
Die „Umgestaltung“ des Nahen Ostens
scheint also for real zu sein.
Nur in den USA
hat immer noch jemand was dagegen:
Bernie Sanders
stellt am Dienstag
den „No War Against Iran Act“ vor,
um zu verhindern,
dass Bundesmittel zur Kriegsführung verwendet werden,
ohne dass der Kongress zugestimmt hat.
Taub auf diesem Ohr poltert Trump weiter:
Der Mullah soll sich bedingungslos ergeben,
die USA wissen wo er wohnt,
und Vance soll verhandeln.
Die Massenflucht aus Teheran
läuft auf Hochtouren,
und die Weltpresse spekuliert
über einen Kriegseintritt der USA.
Der deutsche Außenminister Wadephul
will in Genf mit dem Iran verhandeln,
da ruft Israel zur Evakuierung rund um den Atomreaktor Arak auf,
und Trump weiß noch nicht,
ob er Nuklearanlagen angreifen will oder nicht,
aber in spätestens zwei Wochen weiß er es.
Merz sekundiert weiter:
„Israel macht die Drecksarbeit für uns alle.“
Angriffskriege werden hier nicht geführt,
schmutzige Hände hat hier niemand.
Im Golf von Oman
kollidieren in diesem Chaos
auch noch zwei Öltanker,
die Ölpest breitet sich so schnell aus wie immer.
Wer wohl als erstes auf die Idee kommt,
den Golf in Flammen zu schießen?
Nach einer Woche Raketenkrieg
schlagen gestern Abend die ersten israelischen Raketen
nicht mehr neben,
sondern in einer iranischen Atomanlage ein (Isfahan),
und die USA verlegen ihre B-2 Bomber,
welche nur Stunden später,
im Morgengrauen der kürzesten Nacht des Jahres,
die schwersten nicht nuklearen Bomben der Menschheitsgeschichte
auf gleich drei Atomanlagen fallen lassen,
ohne jegliches Mandat.
Haben die USA also gerade
doch noch den Dritten Weltkrieg begonnen?
Fordo, die größte und sicherste Atomanlage des Iran,
ist jedenfalls „gone“,
sagt Trump,
und er sagt auch,
was so ein zukünftiger Friedensnobelpreisträger
nun mal sagt:
„Now ist the time for peace.“
Netanyahu ordnet den Überfall
als „historische Tat“ ein.
So historisch,
dass jetzt auch AOC ein Amtsenthebungsverfahren fordert.
Und der Iran?
Der Iran hat ein Recht auf Selbstverteidigung,
sagt der Iran.
Was sagen die BRICS-Partner?
Was sagen Brasilien,
Russland,
Indien,
China,
Südafrika?
Was sagt also die Mehrheit
der Weltbevölkerung?

Die hat wahrscheinlich,
genau wie wir hier,
eigentlich immer noch ganz andere Sorgen
als den Beginn des „letzten Sommers“.
Nur so zum Beispiel:
Sogar hier im Harz haben jetzt ahnungslose
Angst vor „Pumas in Europa“;
das muss so ein Sommerloch Revival sein.
Aber im Ernst,
hier war in der letzten Woche
jeden Tag tatütata:
Ein Feuer
hat ein Einfamilienhaus (mit Ferienwohnungen)
in der für Bad Suderode typischen Bäderarchitektur zerstört
und eine Familie in Lebensgefahr gebracht.
Zwischen Neinstedt und Quedlinburg kracht es ohne Pause,
einmal muss ein Motoradfahrer mit Helikopter
aus einer 70er-Zone gerettet werden.
Und auf die nächsten Hexeneinsätze (Löscharbeiten im Harz)
muss auch nicht mehr lange gewartet werden.
Egal, die Freibäder platzen aus allen Nähten,
und die Hauptstadt wird zu „Bad Berlin“,
die Spree hat noch kühlende 22°C.

Gut.
Zur Stunde
befinden sich also
zwei von vier militärischen Großmächten
ganz offiziell in einem Krieg,
nur halt noch nicht in dem selben.
Beim G7-Gipfel in Kanada
rollte Meloni also nur mit den Augen
als ihr Macron die Angriffspläne der USA ins Ohr flüsterte.
Trump selbst
hielt es nicht mal einen ganzen Tag
außerhalb der USA aus,
gerade so ein „Gespräch“ am runden Tisch
lässt er über sich ergehen,
bevor er sich in den Situation Room verzieht
und zur Evakuierung von Teheran aufruft.
Der Rest der westlichen Großmächte
schafft es somit sogar,
sich auf eine gemeinsame Erklärung zu einigen:
Soweit alles okay,
der Iran ist nun mal die größte Bedrohung ever,
und Israel darf sich ja wohl auch präventiv selbst verteidigen,
dabei soll aber auch auf Zivilisten Rücksicht genommen werden.
Und natürlich ist es abschließend
Ursula von der Leyen,
die, den Kanzler locker überschattend,
sagt, was alle nicht vergessen sollten:
China ist doof!
Wegen ihres Monopols auf Seltene Erden.
Verdammter Nationalmonopolismus!
Warum kann es China nicht genauso
wie die anderen machen
und einfach andere Länder überfallen,
um sich Zugang zu Seltenen Erden zu verschaffen?
Ganz in diesem Sinne
muss auch Vizekanzler Klingbeil gedacht haben,
als er verkündete,
das 3,5%-Ziel der Nato
sei schon auch machbar.
Krieg kostet.
Das kann der als SPD-Mensch so sagen,
und trotzdem klingt das schon wieder moderat,
denn gerade eben
geben die 32 Mitgliedstaaten der Nato bekannt,
sich beim Gipfel nächste Woche
auf 5% Beitragshöhe zu einigen:
150% mehr Kriegstüchtigkeit.

 

Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe. Woche 169.
Krieg, welcher Krieg. Montag: Kein Liveticker. Dienstag: Selenskyj fragt sich, wer vom Israel-Iran Krieg (und der dahingehenden Aufmerksamkeit) mehr profitieren wird, Kiew oder Moskau? Bei einem weiteren schweren Luftangriff auf Kiew sterben 14 Zivilist*innen. Mittwoch: Kein Liveticker. Putin: Die Lieferung von Taurus würde Deutschland zur Kriegspartei machen; er will aber nochmal mit Merz reden. Donnerstag: Kein Liveticker. Nato-Rutte erwartet keinen Bündnisfall. Freitag: Odessa wird mit Drohnen angegriffen, ein Mensch stirbt. Moskowka (Charkiw) wird eingenommen. Auf dem russischen Wirtschaftsforum kündigt Putin den weiteren Ausbau der Rüstungsindustrie an. Und er sagt: „Wo der Fuß eines russischen Soldaten steht, das gehört uns.“ Samstag: Kein Liveticker. Sonntag: Kein Liveticker.

 

Und damit die gleich folgenden
guten Geschichten
noch ein bisschen schöner werden,
hier noch schnell der Blick nach rechts,
nicht dass noch jemand vergisst,
dass wir unseren ganz eigenen (molekularen) Bürgerkrieg haben:
Am letzten Sonntag
wird in Bad Freienwalde (Sachsen)
ein friedliches Fest der Diversität
von vermummten Neonazis mit
Eisenstangen angegriffen:
Noch vor der Eröffnung der Kundgebung
greift eine Gruppe Wartende an.
Bei den Angreifern soll es sich
um zehn bis fünfzehn Personen gehandelt haben.
Mindestens zwei Menschen werden leicht verletzt.
Die Angreifer flüchten
noch vor dem Eintreffen der Polizei.
Flagge zeigen ist nichts für feige Patrioten.

Sondern nur was für stolze Landesväter,
sollte man meinen.
Aber nein,
Reiner Haseloff
platzt im Landtag
zwar reichlich die Hutschnur,
aber als Antwort auf die Bedrohung
im eigenen Haus
fällt ihm nur noch ein,
dass Sachsen-Anhalt
nicht mehr seine Heimat sein könnte,
wenn die AfD
im nächsten Jahr
auf seiner Regierungsbank sitzen würde.
Achtu Scheiße,
nächstes Jahr schon…
Aber Uns-Suse (Sziborra-Seidlitz, MdL, Die Grünen)
sitzt derweil
sichtlich relaxt
auf einer Bank in der Provinz
und träumt vom Hierbleiben.
Der Regenbogen braucht eigentlich
keine Flagge.

Inzwischen ist es wieder Abend geworden,
gleich beginnt sich der Himmel rosarot zu färben,
und die nächste Nacht
wird dann gleich
wieder länger
als die letzte,
und der nächste Winter
ist also schon wieder näher
als der letzte.

Und da ich vor einigen Stunden
nicht umsonst ausprobieren wollte,
wie weit ich in der Jimmy Eat World Diskographie komme,
bis diese Episode hier vorbei ist,
beginnt der ausnahmslos
(vermeintlich) harmlose Teil des Textes
mit dieser Nebenstory hier:

 

Love, Death and Aging in LE
(Hidden Story)

Der Brillenträger ließ seinen linken Arm aus dem Beifahrerfenster hängen, noch lange nachdem sie auf die A36 aufgefahren waren. Bis Leipzig fuhren sie selten mehr als 100km/h und das nicht nur wegen der vielen Elefantenrennen, die auf dem Weg nach Osten veranstaltet wurden. In neunzig Minuten fanden sie endlich den richtigen Zeitpunkt, um nicht über vermeintliche Belanglosigkeiten zu sprechen. Zwischen Sachsen-Anhalt und Sachsen verloren sie ihre Gedanken an den Tod, an das Altsein und an das Älterwerden. Musik lief nur nebenbei.
Im Biergarten an der Parkbühne im Clara-Zetkin-Park trafen sie noch nicht zu spät den Gitarristen und ließen es sich im Schatten eines Zaunes schmecken. Der große runde Tisch in der Sonne war vollständig von US-Amerikanern besetzt, die sie möglicherweise gleich wieder sehen würden.
Kurz nachdem die Vorband begonnen hatte betraten sie den Innenraum der Parkbühne, kaum mehr als 1.000 Menschen waren schon da und es war bereits ziemlich eng. Les Shirley (Kanada) schrammeln in der Sommersonne, der Kessel vor der Bühne erreicht schnell Betriebstemperatur, für Moshpits ist es aber entweder schon zu warm oder das Publikum dann doch auch irgendwann mal zu alt. Immerhin gehören Jimmy Eat World inzwischen zum sogenannten Dad-Rock. Wozu auch die quitschebunten Bandshirts am Merchstand ihren Beitrag leisten wollen. Der Brillenträger hatte da schon die Relevanz eines nicht so quietschebunten Shirts erkannt, wollte aber bis nach dem Konzert warten.
Und gleich nach diesem machte der Gitarrist sie darauf aufmerksam, warum der Funken heute irgendwie nicht so überspringen wollte. „Ist euch was aufgefallen? … Keine Verstärker und Boxen auf der Bühne.“ Dad-Rock musste auch bei Zimmerlautstärke noch gut funktionieren. Dem Brillenträger war während der vergangenen neunzig Minuten auch so einiges aufgefallen: Auch schwerst erwachsene Menschen kriegen es immer noch nicht hin, einfach mal irgendwo zuzuhören
und verpassen somit die wirklich guten Akustiksets, für die diese Bühne deutlicher besser geeignet ist. „May Angels Lead You In“, Jim singt sich wie immer die Seele aus der Brust, aber neben dem Brillenträger wird hemmungslos über Nichtigkeiten gelacht. Als dann eine gut fünfzigjährige Frau auf die Frage, wo denn die „Kids on Drugs“ (als Teenager durch Tabletten ruhig gestellt) seien, beide Arme nach oben reißt, erschlägt ihn die Bedeutung erneut, die (Rock-)Musik für Menschen haben kann. Und als der Chor gemeinsam „If you still care, don’t let me know“ singt, weiß er sich für ein paar Minuten nicht alleine mit seinem strangen Verständnis von Liebe. Und um Politikoder ging es auch mal neunzig Minuten lang nicht, US-Band hin oder her. Das war auch nicht nötig, wer Ohren hatte und denken und fühlen konnte, brauchte keine Flaggen. Denn das übernahmen in der Dad-Rock-Szene nun mal die Band-Shirts, und so stellte sich der Brillenträger nochmal beim Merch an: „Bleed American“ stand auf seinem neuesten Sammlerstück. Alles was blutet kann sterben.

 

Schön,
bevor es für heute ein letztes Mal
um provinzielle Privilegien
am längsten Tag des Jahres gehen darf,
wedele ich nur noch schnell
mit der Basketballflagge
und drücke den Pacers für heute Nacht die Daumen:
Game 7 in Oklahoma City,
die NBA nickt ebenfalls zufrieden.
Dazu also jetzt nur so viel:
Caitlin Clark darf klarmachen,
warum es für das Spiel so gut wäre,
wenn ihre Kollegen aus Indianapolis
den Titel holen:
Sie spielen unselfish.
Eine kurze Statistik zum Verständnis:
Die Pacers sind das einzige Team in der Ligageschichte,
in dem acht verschiedene Spieler
jeweils mehr als 175 Punkte
in den Playoffs erzielt haben.
Ach, und apropos beeindruckende Zahlen:
Die Lakers wurden vor einigen Tagen
weiterverkauft,
für schlappe 10.000.000.000.
Das sind ein Dutzend
nicht gebaute B2-Bomber.

Und damit endlich zurück
ins Weltkulturerbe,
denn nirgends
wird der Weltuntergang schöner besungen.
Die gestrige Féte de la Musique
hat mich schon kurz nach Beginn
zu zutiefst gerührten Social Media Posts verleitet:
Dass ich heute nur ganz wenig
von der Sause mitbekommen werde,
weil ich auf einer anderen Sause
Musik aus der Konserve spielen darf,
das macht überhaupt gar nichts,
denn
mit absoluter Sicherheit
habe ich eines der Highlights des Tages
gerade noch gehört:
In der Blasiikirche
singt ein stark dezimierter Backfischchor („Good Moods“)
mit Hingabe und Wahrhaftigkeit
„Soundso“ (Wir sind Helden).
Mehr Stimmigkeit ist unmöglich.
Danke, Conny Richter.

Und nur unweit entfernt,
auf dem Schlossplatz in Ballenstedt
kommen drei mittelalte Kuttenträger
auf eine ganz tolle Idee:
Sie parken den von ihnen ausgeliehenen,
schokoladenbraunen Aston Martin
(ein tatsächlich unglaublich schönes Luxusauto)
mitten auf dem Mosaik des Stadtwappens,
um sich damit zu fotografieren.
Die Abschlussklasse,
die gerade aus dem Schlosspark kommt,
um gleich im Bernstein Hotel ihre Schulzeit zu beenden,
weiß nicht, ob sie lachen oder weinen soll.
Die Kleider und Anzüge
leuchten in allen Farben des Regenbogens,
die Residenzflaggen hängen lustlos am Mast,
der Sommer hat gewonnen.

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