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The World Has Turned and Left Me Here (S13:Ep13)

von | 2026 | 22. Januar | Die Serie, Staffel 13 - The Rest Of Us Just Live Here

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„I had a marvelous time
ruining everything.
A marvelous time
ruining everything.
A marvelous time
I had a marvelous time.“

(Taylor Swift: the last great american dynasty. 2020)

 

Wann ich das letzte Mal
an einem Donnerstag
geschrieben habe,
müsste ich jetzt mühevoll nachscrollen
und dafür habe ich weder Zeit
noch Muße.
#DieDoppeltenZwanziger
fügen sich dem unvermeidlichen
Fortgang der Geschichte
und lösen somit auch ihr Versprechen ein,
vor allem dann
die nächste Episode abzuschließen,
wenn sich die Welt mal wieder
für alle erkennbar
ein Stück weiter gedreht hat.
Der genaue Tag dafür
lässt sich in diesen Tagen
sowieso nicht mehr finden,
es ist einfach irgendeiner dieser Tage,
an denen wir mal wieder
nicht schnell genug hinterherkommen,
und erst in den nächsten Tagen realisieren werden,
welche Haken der Zeitgeist
denn dieses Mal geschlagen hat.
Worauf wir dann
völlig verängstigt und erschöpft
auch nur wieder
auf die nächste Wahnsinnigkeit
warten.
Warum es in dieser Woche
aber trotzdem nicht
der Freitag,
der Samstag
oder gar der verdammte Sonntag
wird,
das hat auch ganz praktische,
wenn nicht sogar schöne Gründe:
Halbjahresabendessen mit den Herzenskolleg*innen/Freund*innen
und dann zwei Tage lang
Halbjahreszeugnisse schreiben.
20+ mal
sich jedes Wort genau überlegen,
denn es geht
nicht um mich.
Und außerdem
war ja auch wirklich, wirklich
wieder mehr als genug
Paradigmenwechsel
für eine Woche;
soll die Welt sich doch weiterdrehen,
ich hab immer noch
was besseres zu tun.
So let’s get it over with:

Der 22. Januar 2026
markiert einen Wendepunkt.
Und zwar für TikTok,
Variante USA.
Heute wird der Verkauf des US-Geschäfts der App
an ein Investorenkonsortium abgeschlossen.
Vorhang auf für
Larry Ellison:
Oracle-Gründer,
Milliardär,
Trump-Unterstützer,
und mit besten Verbindungen
zum arabischen Hochadel.

Nein, sorry, not sorry,
war nur Spaß,
von solchen Nebensächlichkeiten
lasse ich mich heute nicht ablenken.
Die Welt wird live
vor unseren Augen
neu aufgeteilt,
die Pushnachrichten der großen Medien
lassen keinen Schwarzen Spiegel
länger als fünf Minuten im Dunkel,
und das geht jetzt schon seit Montag so.
Bevor zur Stunde in Davos
Sharpies auf Rollups
wirre neue Linien ziehen,
spielt die EU aber noch schnell Catch-Up
und kündigt ohne großes Federlesen
Gegenzölle auf die angekündigten Strafzölle an
und kann sich plötzlich sogar vorstellen,
den letztes Jahr geschlossenen Deal
mit Trump
einfach so
wieder
aufzukündigen.
Hört, Hört!
Ob das den Frisurensohn jucken wird?
Lasst Euch gerne mal überraschen…
Als dann am Dienstag
die ersten größeren Reden geschwungen werden,
wundert sich sogar die neutrale Schweiz,
wie eindeutig sich da positioniert wird:
Noch bevor irgend jemand
vor der stechend blauen Wand
seinen Mund aufmachen kann,
drehen Gerüchte
über eine „Handels Bazooka“ der EU
ihre Runden durch die Redaktionen.
Über ein geheimnisvolles „ACI“ wird berichtet,
das noch nie angewendet wurde.
Trump sieht da bereits schon überraschend verunsichert aus,
wird aber von Ursula von der Leyen
abseits der großen Bühne
noch mal freundlich vor einer „Abwärtsspirale“ gewarnt.
Den ersten Tiefschlag darf daraufhin
sein vermeintlicher Nachfolger landen,
der dabei auch gleich noch dem Rest der Bande
eine mitverpasst,
denn zur „Appeasement“-Politik der restlichen Westens
hat er nur das hier zu sagen:
„I can’t take this complicity,
people rolling over,
I should have brought a bunch of kneepads
for all the world leaders.
I hope people understand
how pathetic they look
on the world stage,
it’s embarrassing.“
Rede, Gavin, rede!
Und als Emanuel Macron
dann mit maximal verspiegelter Wintersonnenbrille
vor den Weltkameras ausspricht,
was ausgesprochen werden muss,
dass die USA
den Rest der Welt
einfach nur erpressen,
da soll Stephen Miller
schon das Taschentuch weggelegt haben.
Trump ballert Macron daraufhin
200% Zölle auf Wein und Champagner rein,
und wenn der weiter so mache,
dann…
Aber darüber
wird nicht mal mehr groß berichtet,
der Trumpismus
gibt tatsächlich mal das Narrativ aus der Hand.
Beziehungsweise hat er sich komplett im eigenen verloren,
denn im Mainstream des MAGA-Verse (Truth Social)
passiert zeitgleich das hier:
Trump teilt ein KI-generiertes Bild
von ihm selbst im Oval Office,
das ihn dabei zeigt
wie er anderen Staatsbesitzern
(Starmer, Meloni und Macron)
eine Karte der nordwestlichen Hemisphäre zeigt,
auf der die USA,
Kanada
und Grönland
mit Stars and Stripes bedeckt sind.
In der Wirklichkeit,
also in Davos
erscheint ebenfalls gleichzeitig
der Schriftzug «No Kings»
riesig und leuchtend über dem alpinen Nachthimmel.
450 Fackeln,
welche zehn Personen
innerhalb von rund drei Stunden
800 Höhenmeter hinauf
auf den Grüniberg getragen haben
– zu Fuss und durch den Schnee.

Mehr Steilvorlage
hätte sich der kanadische Premierminister
niemals wünschen können;
auch ein Grund,
warum dessen Rede
anscheinend jetzt schon
als eine der Reden
des gesamten Jahrzehnts (oder mehr?) gilt.
Der „Paradigmenwechsel“
besteht zunächst erst einmal darin,
dass Mark Carney
sich und uns
erfrischenderweise
schlicht und ergreifend
mal ehrlich macht.
So ähnlich wie Selenskyj damals,
drei Tage vor der vorletzten Zeitenwende…
Und vielleicht ist diese Rede
auch einfach nur Carneys Bewerbung
für den Posten des UN-Generalsekretärs,
und der Status Quo
bleibt weiter am Tropf,
anyways,
das hier sind trotzdem historische Worte:
„Wir wussten,
dass die Erzählung
von der regelbasierten Ordnung
teilweise falsch war…
Wir wussten,
dass internationales Recht
mit unterschiedlicher Strenge angewendet wurde,
je nachdem,
wer der Angeklagte
und wer das Opfer war.
Diese Fiktion war nützlich.
Also stellten wir das Schild ins Schaufenster.
Wir nahmen an den Ritualen teil.
Und wir vermieden es weitgehend,
die Kluft
zwischen Rhetorik und Realität
offen anzusprechen.
Dieses Arrangement funktioniert nicht länger.
Lassen Sie mich offen sein:
Wir befinden uns mitten in einem Bruch,
nicht in einem Übergang.
Man kann nicht in der Lüge
eines gegenseitigen Nutzens durch Integration leben,
wenn Integration zur Quelle der eigenen Unterordnung wird.“
Oha.

Friedrich Merz wird diese Erkenntnis
übrigens später noch auf besonders deutsche Weise spezifizieren,
aber jetzt ist erstmal Trump dran.
Und natürlich wird seine Rede
der ganz gewöhnliche Abfuck.
Aber:
Ungefragt(!)
kann er plötzlich ausschließen,
die USA würden sich Grönland
mit Gewalt nehmen;
Macron rückt seine Wintersonnenbrille zurecht,
Stephen Miller macht die Hose wieder zu.
Natürlich könnte Trump,
wenn er wollte,
aber großzügigerweise will er nicht.
Ohne Abschlussdrohung
kann der angeschossene Hundesohn
aber nicht zurück in den Garten:
„Ein Nein werden wir und merken.“ (Sicher?)
Aber:
Nur wenige Stunden später
rudert er sogar noch weiter zurück:
„Based upon a very productive meeting
that I have had with the Secretary General of NATO,
Mark Rutte,
we have formed the framework
of a future deal
with respect to Greenland
and, in fact, the entire Arctic Region.
This solution,
if consummated,
will be a great one for the United States of America,
and all NATO Nations.
Based upon this understanding,
I will not be imposing the Tariffs
that were scheduled to go into effect on February 1st.
Additional discussions are being held
concerning The Golden Dome
as it pertains to Greenland.
Further information will be made available
as discussions progress.
Vice President JD Vance,
Secretary of State Marco Rubio,
Special Envoy Steve Witkoff,
and various others, as needed,
will be responsible for the negotiations
— They will report directly to me.
Thank you for your attention to this matter!“
Ich fasse zusammen:
Mark Rutte hat mit mir am Kartentisch gestanden,
und wir haben solange darauf rumgekritzelt
bis ich endlich einen Ständer hatte.
Deswegen kann ich meinen Bluff jetzt wegschmeißen
und wieder von der nukleare Bedrohung
durch die östliche Hemisphäre faseln,
das klappt immer noch ganz gut.
Meine Lakaien
müssen jetzt den ganzen Papierkram erledigen
und mich beim Golfen
nur noch darüber in Kenntnis setzen,
wie viel ich mit der ganzen Scheiße
schon wieder verdient habe.

So,
hat die Welt
dann jetzt vielleicht doch mal verstanden,
wie man mit Bullys umgeht?
Stand Up!
Speak Up!
Mehr braucht es nicht,
um diese Wichser
zum Rückzug zu zwingen.

Aber:
Deutschland wäre ja wohl kaum Deutschland,
wenn es sich nicht auf alte Traditionen besinnen könnte,
gerade dann,
wenn uns vom Rotieren der Welt
mal wieder ganz schwindelig ist.
Friedrich Merz also
nimmt seinen Vornamen
seit gestern wieder anders ernst.
Für den langen Fritz
steht nämlich schon fest,
wie er denn nun genau aussieht,
der Paradigmenwechsel.
Und zwar nicht etwa
den Bruch
als Chance
für eine positive Wendung zu nehmen
(Trump entmachten,
Trumpismus zerficken
und anfangen
wieder
besser als das
zu sein),
sondern eben das hier:
„Wir sind in eine Zeit
der Großmachtpolitik
eingetreten.“
Unter Deutschlands „Platz an der Sonne“
wird es also wohl mal wieder
nicht abgehen,
die Finanzierung steht ja schon.

Tja,
und weil das alles
noch lange nicht
Paradigmenwechsel genug ist,
muss ich Euch
(und die Deadline)
daran erinnern,
dass das historische Treffen in Davos
auch noch gar nicht vorbei ist,
heute ist immer noch Donnerstag.
Was die andere Hemisphäre zu all dem sagt,
das wissen wir noch gar nicht.

Und damit zurück zum Weltkrieg.
Beginnen wir in Syrien.
Wie ernst die Waffenruhe im dortigen Bürgerkrieg gemeint war,
zeigt auch, dass der syrische „Interimspräsident“ al-Sharaa
seinen Besuch in Deutschland
kurzfristig absagt.
„Kurdische Quellen melden,
dass die islamistische syrische „Übergangsregierung“
die gestern beschlossene Waffenruhe
bereits gebrochen hat
und die islamistischen Truppen
Angriffe durchführen,
darunter auch einen Angriff
auf einen Gefängnis in Raqqa,
in dem tausende IS-Kämpfer festgesetzt sind.
Raqqa war über mehrere Jahre
die de facto Hauptstadt des IS
und wurde durch eine sehr verlustreiche Offensive
der syrisch-kurdischen Kräfte befreit.
All diese Erfolge
im Kampf gegen den IS und anderen Jihadisten
werden jetzt durch die Angriffe der „Übergangsregierung“
zunichte gemacht.
In Nordsyrien
sind am Montag heftige Gefechte
rund um die Stadt Ain Issa ausgebrochen.
Milizen, die der von der Türkei gesteuerten
syrischen „Übergangsregierung“ unterstehen,
versuchen offenbar,
die selbstverwaltete Stadt Kobanê einzukesseln.
SDF & YPJ Kämpfer:innen
leisten entschlossenen Widerstand.“
(Ismael Küpeli)
Und auch die nächste „Waffenruhe“
hält kaum ein paar Stunden.
In Kobane und Hasaka soll es zu heftigen Kämpfen kommen.
Insbesondere im von der Versorgung abgeschnittenen
und belagerten Kobane
scheint die Lage schwierig zu sein.
Strom und Internet sind unterbrochen.
Die Stadtverwaltung warnt eindringlich
vor möglichen Massakern.
Die Videos, die auf protürkischen Kanälen kursieren, sprechen Bände.
Bärtige Männer treten toten Frauen
mit ihren schlammverschmierten Stiefeln ins Gesicht
und rufen „Allahu Akbar!“.
Sie erschießen kaltblütig
verletzte Frauen
und rufen „Allahu Akbar!“.
Sie stehen über den Leichen
von kurdischen Kämpfern,
denen die Kehlen durchgeschnitten wurden
und rufen „Allahu Akbar!“.
Sie schänden die Gräber von Soldaten,
die im Kampf gegen den IS gefallen sind
und rufen „Allahu Akbar!“.
Sie dringen in die Camps ein,
in denen die Angehörigen von IS-Terroristen einsitzen
und rufen „Allahu Akbar!“.
Seit gestern
weht in Raqqa,
der ehemaligen de facto Hauptstadt des „Islamischen Staates“,
wieder die schwarze Fahne
des IS.
Die letzten 10er Jahre schicken verzweifelte Grüße.

Und wenn Ihr jetzt denkt,
mehr Paradigmenwechsel
wäre jetzt aber wirklich too much,
dann denkt Euch die Antwort.
Denn im Iran wird jetzt sogar offiziell
von mehr als 5.000 Todesopfern
während der Niederschlagung
gesprochen.
„Inoffiziellen“ Quellen zufolge
soll der Iranische Winter
fast 20.000 Menschen das Leben genommen haben,
und hunderttausende sind verletzt.
Gut, im Vergleich zum Arabischen Frühling
(400.000 Todesopfer allein in Syrien)
wirkt das erstmal wenig,
aber der dauert ja seit 15 Jahren an,
die Revolutionsgarden und Dschihadisten
stehen erst in der zweiten Woche.
Der Aufschrei des Westens?
Ihr ahnt es:
Der bleibt aus.

Denn hier ist doch
auch bloß Krieg,
und zwar immer noch gleich:
Die Ukraine
hat angeblich
die US-Geheimdienste
mit falschen strategischen Informationen gefüttert
– und beobachtet,
dass diese Informationen
an Russland weitergegeben wurden.
Wenn das stimmt,
hat Kyjiw entweder einen Maulwurf
in der US-Geheimdienststruktur enttarnt
– oder schlimmer:
einen systematischen Informationsfluss
von Washington nach Moskau nachgewiesen.

Womit wir auch schon wieder
beim Friedenspräsidenten von Gottes Gnaden
angelangt wären:
Nach einem Briefwechsel
zwischen Trump
und Norwegen (wo das Friedensnobelpreiskommitee sitzt),
fühlt sich der Frisurensohn
nun nicht mehr verpflichtet,
ständig immer nur an Frieden zu denken.
Deswegen will er auch
einen internationalen Friedensrat gründen,
sozusagen als Konkurrenz zur UN.
Ja, das klingt widersprüchlich,
aber das ist es ja auch.
Mit an den Tisch
darf übrigens jedes Land,
das mindestens 1.000.000.000 investiert.
Wie könnte man diesen größten Scam ever
eigentlich bezeichnen,
denn „Board of Peace“ passt irgendwie nicht?;
vielleicht hat er sich aber nur vertippt
und wollte den Laden eigentlich „Bored of Peace“ nennen.
Laut Karoline Leavitt
ist Belgien übrigens schon an Bord.
Davon weiß nur Belgien
aber bis zur Stunde noch nichts.
Die oberste Kirsche
auf diese zynische Scheißtorte
setzt dann aber natürlich
Wladimir Putin:
Er könne sich die neue Friedenstruppe
ganz gut vorstellen,
aber erst,
wenn auch wirklich Frieden ist.
Was für ein Arschloch.

 

Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 198.
Eingefrorene Front? Montag: Nichts Neues. Dienstag: In der Nacht wird Kiew erneut massiv angegriffen, 5.000 Wohnblöcke sind ohne Strom und Heizung. Mittwoch: Nichts Neues. Donnerstag: Selenskyjs Frust in Davos steht ihm ins Gesicht geschrieben.

 

Gleich,
gleich ist es vorbei,
die Zeiger der Doomsdayclock
sind wieder ein paar
der wenigen noch bis Zwölf verbliebenen
Mikrometer vorgerückt.
Und nicht nur auf mich
wartet eine warme Wanne,
das nächste in weiter Entfernung
zu einem Deprivationstank,
das ich mir zu leisten bereit bin.
Nur vorher noch
zwei Meldungen von gestern,
die morgen mit Sicherheit
wieder vergessen sind:
Das Gebäude des UN-Flüchtlingswerks
in Jerusalem
ist von „Israel“
zerstört worden.
Wegen der Hamas.
Das Außenministerium
spricht von einem „Tag zum Feiern“,
UN-Generalsekretär Guterres
begs to differ.
Und das Christentum
hat seit gestern auch einen Gründungsmythos weniger,
US-Justizministerin Bondi weiß nämlich,
dass „Jesus niemals
eine Kirche gestürmt hätte,
um gegen die Leute zu protestieren,
die sie betreiben.“
Zu dieser Offenbarung war sie übrigens gelangt,
nachdem Anti-ICE-Demonstranten
ein Sit-In in einer Kirche veranstaltet haben,
deren lokale Leitung
mit den Faschos kooperiert.
Ich lass das einfach mal
eiskalt auf der Kanzel so stehen.

Und komme endlich zum Ende,
ich kann
einfach
nicht mehr.
Wie so
viele.
Wie so
oft.
Wie so
lange schon.
Burn-Out,
Burn-On,
Burn-Quiet-Forever.
Who needs a match?

Deswegen auch wirklich endgeil passend
zur 7. Winterdepression
von #DieDoppeltenZwanziger
lief hier,
im kleinsten Kino Sachsen-Anhalts,
ausgerechnet
das heimliche Film-Kleinod des Jahrzehnts:
„Formen moderner Erschöpfung“.
Bis zwei Minuten vor Filmbeginn
sitze ich noch alleine im kleinen Saal,
in der dritten Reihe,
meine Augen so müde
wie es der Weltenbrand verlangt,
doch dann
kriege ich in der letzten Reihe
doch noch Gesellschaft,
und die Kamera nimmt uns mit
ins Sanatorium,
nach Braunlage,
die ersten Minuten (Stunden?)
folgen wir den hell leuchtenden Lampen
durch die Flure und Zimmer
der Heilstätte für Neurasthenie aka Burn Out
im Morgenschatten des Brockens.
Obwohl ich mich innerlich
eigentlich auf einen Walkout vorbereitet habe
(Müdigkeit und schlechte Filme),
bleibe ich bis zum Ende des Abspanns im Sessel kleben,
irgendwie weniger erschöpft;
Katharsis geht also auch
sehr leise.

Und
absolut
gar
kein
Geräusch
machen auch die Polarlichter,
die ich am Montag
das erste Mal in meinem Leben
mit eigenen Augen sehen kann:
Über den nördlichen Dächern,
rechts des kleinen Balkons,
flimmert eine blass rote Fläche
auf dem größten denkbaren Schwarzen Spiegel,
in dem wir uns am tiefsten sehen,
weil wir uns nicht sehen.
Um dem es egal sein kann,
wie schnell
sich hier
irgendwas dreht.
Gute Nacht,
liebe Doppel20er,
wir müssen morgen
wieder früh raus.

 

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