Foto: Alerta. Thale. April 2024
„Denn das ist ja das Erschütternde an dem Ereignis, dass es ganz wie jener Weltkrieg nicht nur die schlichtern Idioten berauscht, sondern auch die Intelllektuellen um den Verstand gebracht hat. Zufrieden bemerkte der deutsche Pressechef: Vorgestern waren in Berlin alle Fahnen ausverkauft und das ist wohl ein Beweis dafür, dass wir nun das ganze Volk hinter uns haben.“
(Karl Kraus: Dritte Walpurgisnacht. 1933)
So.
Nächster Versuch.
Nach knapp zwei Wochen Spätwinterwetter
riecht es schon wieder verdammt
nach Summer in the Weltkulturerbe!
Der Mai ist nur noch wenige Tage entfernt,
Katzen schreien in der Dämmerung,
die „Königstage“
werden per Briefkasten angekündigt,
und der Sommer steht bereits mit beiden nackten Füßen
in der Bode.
Doch besonders die vergangene Woche
hat auch verheerende Spuren hinterlassen,
die sich allerdings erst im Herbst richtig bemerkbar machen werden:
Die Obstblüte hat der Frost voll erwischt.
In Bayern lag tagelang Schnee
auf den Apfel-, Pflaumen- und Aprikosenbäumen,
ungezählte Frostfeuer brannten in den Nächten
zwischen Bielefeld und Dortmund,
und die meisten Weinbauern haben
an ihre diesjährige Ernte schon einen Haken gemacht.
Aber: Eeegaaahal!
In 8 Wochen schon
beginnen die Sommerferien,
und spätestens dann wird schon wieder massiv abgefeiert
in Deutschland;
das nächste letzte gute Jahr
beginnt heute!
EM und Olympia!
Überteuerte Festivals!
Nie zu teurer Urlaub!
Wohlstand wie niemals zuvor!
(Bier-)Garten und Public-Viewing!
Und (fast) überall wird immer noch lieber heimlich gekifft.
Alles also nichts,
das wir nicht schon
wer weiß wie oft erlebt haben.
Zum Beispiel vor zwei Jahren erst.
Im ersten Jahr der „Freiheit“ („nach dem Virus“).
Und im ersten Jahr des Krieges.
Nichts ist uns mehr unbekannt.
Alles ist schon immer da,
nichts verschwindet jemals mehr
und versucht mittlerweile auch nicht mal mehr
sich zu verbergen.
Hinter den Schwarzen Spiegeln
spielen schwarze Katzen
Du Chat Perché.
Im Französischen
wird das den heutigen Episodentitel gebende
psychische Phänomen
u.a. in folgende Formen aufgeteilt:
Déjà-entendu bzw. Déjà-écouté
(‚schon gehört‘),
Déjà-vécu
(‚schon erlebt‘)
oder Déjà-rêvé
(‚schon geträumt‘ (bzw. vorgestellt)).
Um welches (oder um wie viele) davon
es heute gehen soll,
habt Ihr sicher schon mitbekommen.
Darüberhinaus halte ich es mit dem Französischen
eher mal so wie Karl Kraus
es vor hundert Jahren
mit dem Englischen gehalten hat.
Also, auf geht’s ins Phrasenlabyrinth der vergangenen Woche;
alles schon tausendmal gehört,
gelesen,
erlebt,
geträumt und vorgestellt.
Oder?
Beginnen wir deshalb
mit etwas scheinbar unbekanntem:
Deutschland hat einen neuen Gedenktag,
zur Premiere in diesem Jahr an einem Samstag.
Der 15. Juni ist also ab 2024
tatsächlich der deutsche „Veteranentag“.
Unter dem ganzen Kriegslärm
ist Deutschland (wieder) stolz auf seine Soldaten;
hätte man sich vor ein paar Jahren noch
auch nicht ausdenken können.
Ich warte schon auf die Wohnmobile
mit deutschen Kosovo-, Afghanistan-, Maliveteranen,
die ihre Pension vercruisen,
um das schöne Land,
das sie auf dem Balkan, am Hindukush und/oder in Afrika
verteidigt haben,
mal so richtig durchzureisen.
Als „Ergänzung“ zum Volkstrauertag,
der allein an die Kriegstoten erinnere,
wurde die Feier der Kriegsuntoten
bewusst in den Sommer gelegt.
Der SPD(!)-Politiker Johannes Arlt
stellt sich das ganze übrigens so vor:
„Mehr Picknick und Bands im Tiergarten
als graue Handschuhe und Nieselregen im November.“
Und auf der Straße des 17. Juni
kann man dann wahrscheinlich auch
schwarze Katzen dabei beobachten,
wie sie sich zwischen den aufgereihten Panzern verlaufen.
Das war’s dann aber schon fast
mit den wirklich „neuen“ Sachen.
Denn ansonsten scheinen wir alle
tiefer in der Wiederholungsschleife zu stecken
als jemals zuvor.
Zum Beispiel die aktuelle Krankheitswelle,
die durch sämtlichste Einrichtungen rollt,
wo Menschen mit Menschen in Kontakt kommen.
Verrotzte Nasen und Rachen,
Halsschmerzen,
Fieber,
Magen-Darm.
Alle paar Tage bleiben andere
besser zu Hause.
Übrigens mitten in der Prüfungszeit.
Die Nachschreibtermine im Sommer
sind bereits voll ausgebucht;
doppelt hält besser.
Gut,
bevor hier noch jemand aufhört zu lesen,
weil jemand denkt,
das hätte jemand doch alles irgendwie schon mal gelesen,
glitscht die Episode ins Gegenteil
und flackert
als Jamais-Vu
(,nie gesehen’)
wie das Sonnenlicht in einem lockeren Rückspiegel.
Denn die Gegenwart
bleibt schrecklich wie niemals zuvor.
Oder?
In Jerusalem geht die Pessach-Woche zu Ende.
Und die ultraorthodoxe Regierungspartei
„Vereinigtes Tora-Judentum“
will endlich den Dritten Tempel bauen.
Heißt: Die Al-Aksa Moschee muss weg.
Zum Startschuss
wird getreu dem 4. Buch Mose
eine rote Kuh geopfert.
Wesentlich weniger nachsintflutmäßig
explodiert am Montag eine Autobombe mitten in der Stadt.
Der israelische Militärgeheimdienst wird umstrukturiert,
und am Mittwoch marschiert die nächste Fuhre Reservisten
nach Gaza,
die Rafah-Offensive rückt wieder näher.
Das allerdings finden immer weniger Menschen
auch nur irgendwie noch richtig,
und immer mehr Menschen sind im Recht,
wenn sie das Ende dieses genozidalen Rachekriegs fordern.
Besonders viele davon versammeln sich gerade
an den einschlägigen US-Universitäten,
so wie auch an erstaunlich vielen anderen.
Der Vergleich mit 1968
ist nicht mehr nur dahergeschrieben:
Dutzende Festnahmen
an der University of Southern California (L.A.),
das gleiche in Austin (University of Texas),
oder in Boston (Emerson College),
in einem Protestcamp in New York (Columbia University),
oder anderen Protestcamps in
Boston (MIT, Harvard),
New Haven (Yale),
Ann Arbor (University of Michigan)
und natürlich in Berkeley (University of California).
Wenn aus dem lustigen Witz,
dass die 90er heute genauso weit entfernt sind
wie es die 60er in den 90ern waren,
knallharter Ernst wird.
Massenhafte Studenten-Proteste
gibt es aber auch in Südamerika.
Die junge Intelligenzia in Argentinien
hat anscheinend vollumfänglich realisiert,
dass der neue Präsident Milei
doch keine schlechte Wahrnehmungstäuschung ist.
Nur in Europa ist an den Unis mal wieder zu viel Stress,
um noch an Revolution zu denken.
Und wenn die Jugend hier in Deutschland
nicht genug Stress hat,
dann macht sie eben einfach wieder das,
was sie in den 90ern auch schon gemacht hat:
welchen suchen;
Update in Sachen Baseballschlägerjahre 2.0:
Der Sänger der lokalen Alternative-Helden „The Birch“
wird am letzten Schultag der hiesigen Oberschulen
im Word-Garten krankenhausreif geprügelt und getreten.
Es bleibt mehr als zu vermuten,
dass das kein Zufall war;
den Jungfaschoschlägern wird offensichtlich
Nachhilfe im politischen Straßenkampf gegeben.
Nachdem die AfD nun also genug
von der Unzufriedenheit der Jugend profitiert hat,
dürfen sich die Standartenträger von morgen warmlaufen.
Gleichzeitig stehen die Parlamentsfaschos so beschissen da
wie selten zuvor.
Die Skandaldichte kann kaum noch höher sein:
Den beiden EU-Spitzenkandidaten
Krah und Bystron
droht vielleicht sogar der Parteiausschluss,
aber nur wenn sich die neueste „Russlandaffäre“ beweisen lässt;
die Tonaufnahme des zweiteren,
der sich über die Stückelung des Schmiergelds beschwert,
reicht der Parteispitze noch lange nicht aus.
Oberschmierfascho Krah allerdings kommt richtig unter die Räder:
Ein enger Mitarbeiter soll für China spioniert haben,
so richtig mit Dokumenten aus Brüssel rausschleusen und allem.
Zur Belohnung wird er dafür über sechs (!) Stunden lang
von Tilo Jung interviewt
und bekommt endlich
seinen Einseiter in der konkret.
Es hagelt Rücktrittsforderungen,
aber AfD-Geschäftsführer Baumann
wittert nichts als „Wahlkampfmanipulation“.
Die Faschos halten vorerst an ihrem Fascho fest,
aber der tritt erst mal nicht auf,
„um Schaden von der Partei abzuwenden“.
Aber nicht mal das stimmt,
denn gestern erst soll der Scheitelträger
in den Schatten der Halber85 in Magdeburg
geredet haben,
vor knallharten Faschos.
Damit aber noch lange nicht genug
von den führenden Köpfen der Neo-Nazis:
Höcke höchstselbst
soll vorgeschriebene Reden aus dem Kreml verlesen haben,
was ihn zur folgenden scheinlogischen Verteidigung nötigt:
„Das selbe ist nicht das gleiche.“
Die JA riecht jedenfalls Blut
und fordert rollende Köpfe,
während Timo Chrupalla
durchs Studio von Sandra Maischberger gekullert wird;
sogar Armin Laschet muss lachen.
Vielleicht hilft ja aber doch auch gegen Faschos
der alte Abnutzungstrick:
Einfach so lange reden lassen,
bis keiner mehr hinhört,
weil alles nur noch klingt
als hätten alle es schon viel zu oft gehört.
Aber Vorsicht!
Schwarze Katze von rechts!
Genau das war ja bekanntermaßen schon ein paar Mal die Täuschung.
Vorbild bleibt nach wie vor:
Italien, und irgendwas mit Mussolini.
Folgende Story erklärt,
was gemeint ist.
Es gibt ernstzunehmende Zensurvorwürfe
gegen Giorgia „Telemoni“ Meloni
wegen ihrer mutmaßlichen Mitwirkung
bei der Absage einer antifaschistischen Rede
zum Jahrestag der Befreiung vom Faschismus.
Der Schriftsteller Antonio Scurati
wird kurzfristig vom Staatssender RAI wieder „ausgeladen“.
Die Belegschaft spielt jedoch nicht mit.
Die Moderatorin der geplanten Sendung
verliest seinen Text trotzdem,
und am nächsten Morgen,
vor laufender Kamera,
verliest die Sprecherin der Frühnachrichten
einen Protest der Journalisten-Gewerkschaft.
Die Kontrollen
von Seiten der obersten Führungsriege der RAI
über die Nachrichten,
so heißt es,
würden von Tag zu Tag erdrückender.
„Wir stehen vor einem allgegenwärtigen Kontrollsystem,
das gegen die Grundsätze journalistischer Arbeit verstößt.“
Dann verlässt ein weiterer Quotengarant den Sender,
die Gewerkschaft droht mit Streik.
Und Meloni tut was?
Richtig, sie ist Post-Faschistin,
sie attackiert den Sender:
„Wenn man etwas schlecht macht,
dann ist es richtig, zu kritisieren.
Aber wenn man etwas erfindet,
um zu kritisieren,
dann ist das, ehrlich gesagt,
kein guter Dienst.“
Der Vertrag mit Scurati
sei nur wegen dessen astronomischen Honorarforderungen
gekündigt worden.
Scurati erkennt aber natürlich
das ad hominem-“Argument“
und das damit erreichte Ablenken
vom eigentlichen Thema (Antifaschismus):
„Vor 100 Jahren
war das die faschistische Methode.
Nicht über Inhalte reden,
sondern die Person angreifen.“
Soweit sind wir aber wieder mal noch nicht.
Doch der Protofaschismus
(aka Nationalismus aka Patriotismus),
schlägt ja bereits Wellen,
die eigentlich hoch genug sein müssten:
Da wäre zum Beispiel der SPD(!)-Kanzler Scholz,
der die Einführung eines deutschen „Veteranentags“ begrüßt;
Moment, das hatten wir aber heute schon, oder?
Anyways,
den Rant gegen dessen echt schlechtes
(weil echt langweiliges) Deutsch
erspare ich uns.
Denn auch der Grüne(!!) Vizekanzler
sitzt mit im Panzerwagen
der Verteidigung
der deutschen Sicherheit:
Robert Habeck kündigt inzwischen nebenbei an,
dass die deutsche Rüstungsindustrie hochgefahren wird,
das Wort Kriegswirtschaft
verbietet sich
für den deutschen Wirtschaftsminister.
Der Oberhäuptling macht derweil
auch in Nationalitäten,
als er sich mit Erdogan auf wenig einigt,
aber darauf,
dass der Döner eigentlich das beste ist,
das Deutschland jemals passiert ist.
Ja, es fällt auch mir schwer zu glauben.
Der schwarze Panther
unter den als Schafen verkleideten Raubtieren
des freiheitlichen Westens,
Richi Sunak,
trägt natürlich auch gerne seinen Teil bei:
Der immer noch unfassbar inhumane „Ruanda-Plan“
wird wirklich Wirklichkeit.
Die BBC schafft es gerade noch so,
einen Notruf in die Zukunft zu senden,
und Orwells Geist schreibt bereits
an „2042“:
„Rishi Sunak bittet das Parlament,
zu beschließen, dass eine Unwahrheit wahr ist.“
Und gleich neben dem Nationalismus
dreht, wie immer,
auch der Kapitalismus weiter auf:
FDP-Bundesfinanzminister Lindner
verspricht schonmal
drastische Kürzungen beim Bürgergeld!
Die Rente mit 63 kommt auch weg!
Die FDP-Beschlussvorlage für den Parteitag
sorgt die ganze Woche für Stürme in antikapitalistischen Whiskygläsern:
Der „12-Punkte-Plan“
(aka die nächste neoliberale Rosskur)
wird nur Ende der Woche noch
durch die Ankündigung von mehr Elterngeld
wieder eingefangen,
bevor der Heilsbringer der obersten Steuerklassen
in Berlin den Pitch der Woche pitchen darf:
Die, man höre und staune bitte auffallend,
„Wirtschaftswende“.
Der Herbst 89 legt sich wieder hin.
Endlich Zeit für die Couch
nimmt sich übrigens auch
die Ex-Cum-Ex-Chefermittlerin,
mit dem schlichten wie wahren Befund:
„Die Kleinen hängt man,
die Großen lässt man laufen.“
Mit letzteren meint sie auch
Olaf Scholz.
Und der kann sich in Dauerschleife an nichts erinnern;
gefangen im Déjà-Vu
der erinnungslückenhaften Justizbeugung.
Und damit zum amtierenden Champion
in der offensichtlich immer noch sehr beliebten Kategorie
„What could possibly go wrong if he gets in power“:
Die ersten Plädoyers
in einem Strafprozess gegen einen US-Präsidenten
werden in New York verlesen.
Wirklich nichts,
aber auch überhaupt gar nichts,
was alle nicht schon seit Jahren wissen.
Trumps Spiegelneuronen sehen
aber natürlich nur eins:
„Wahlmanipulation“,
„Nicht schuldig.“
Und auch vor dem Supreme Court
bleibt es spannend,
denn der verschleppt das Urteil zu Trumps Immunität
bis in den Winter nach den Wahlen.
Zu allem Überfluss
wird jetzt auch noch der Weinstein-Prozess wieder aufgerollt,
wegen Verfahrensfehlern.
Schwarze Katzen
tragen schwarze Talare
und verirren sich
in den schwärzesten Ecken
von Kafkas „Prozess“.
Ach ja, und Macron labert auch schon wieder
irgendeine post-nationalistische Scheiße,
aber da hab ich jetzt einfach keine Zeit mehr für,
denn gerade eben
schleicht die Deadline
in ihrem schwarzen Catsuit
um meine Beine
und betrachtet mit schmalen Augen
den Zettelkastenzettel,
der mir vorhin vom Schreibtisch gefallen ist.
Muss ich den eigentlich noch mal lesen?
„1964 schlug Robert Efron vom Veterans Hospital in Boston vor, dass ein Déjà-vu durch eine „doppelte neurologische Verarbeitung“ einer Erfahrung entsteht. Efron fand heraus, dass das Sortieren eingehender Signale im Temporallappen der linken Gehirnhälfte erfolgt. Die Signale einer Erfahrung treten jedoch vor der Verarbeitung zweimal in den Schläfenlappen ein, einmal von jeder Hemisphäre des Gehirns, normalerweise mit einer leichten Verzögerung von Millisekunden zwischen ihnen. Efron schlug vor, dass wenn die beiden Signale gelegentlich nicht richtig synchronisiert würden, sie als zwei getrennte Erfahrungen verarbeitet werden könnten, wobei die zweite ein Wiedererleben der ersten zu sein scheint.“
(Wikipedia)
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 113.
Die dritte Sommeroffensive hat die Schwelle überschritten. Montag: Gazprom ist jetzt größter Gaslieferant Chinas. Bei Donezk und Awdijiwka rücken die russischen Truppen weiter vor. In Charkiw stürzt der Fernsehturm nach russischem Beschuss in sich zusammen. Duda hätte gern Atomwaffen in Polen, wenn die Nato will. Knauf zieht sich aus Russland zurück (Monitor). Dienstag: Der UK schnürt sein bislang größtes Hilfspaket. Laut Selenskyj arbeiten die Ukraine und die USA an einem Sicherheitsabkommen. Drohnen greifen erneut Odessa an. Stoltenberg spricht sich noch gegen einen Stationierung von Atomwaffen aus. Das Pentagon schnürt das erste Sofortpaket, nachdem auch der Senat die Militärhilfen gebilligt hat. Mittwoch: In der Nacht treffen russische Raketen ein Wohngebiet in Charkiw. Agnes Strack-Zimmermann und Olaf Scholz bleiben bei ihren jeweiligen Haltungen zur Taurus-Lieferung. In Lipezk (Russland) wird ein Stahlwerk getroffen. Die Ukraine setzt zum ersten mal ATAMCS-Raketen gegen russische Truppen ein. Ukrainische Männer erhalten ab sofort keine Reisepässe mehr. Donnerstag: In der Zentralukraine (Tscherkassy) wird das nächste Infrastrukturziel getroffen. Lukaschenko bestätigt die erfolgte Stationierung russischer Atomwaffen in Belarus. Macron sagt in seiner Grundsatzrede an der Sorbonne: „Es besteht die Gefahr, dass unser Europa sterben könnte.“ Auf einer Preisverleihung in Berlin bekräftigt Stoltenberg: „Es ist nicht zu spät für die Ukraine zu siegen.“ Freitag: Die Ukraine zieht die Abrams-Panzer von der Front ab, zu viele Drohnen. Schoigu betont erneut, Russland habe „kein militärisches oder geopolitisches Interesse NATO-Staaten anzugreifen.“ Derweil ist die nächste Kleinstadt im Donbas „erobert“ (Otscheretyne) und Russland bombardiert die Bahninfrastruktur, wobei ein Zug mit Kriegsgerät explodiert. In Kiew werden zwei Krankenhäuser wegen vermuteter Angriffe geräumt. Samstag: Die Luftabwehr über dem russischen Krasnodar fängt einen Schwarm Drohnen ab. Die ukrainische Energieinfrastruktur wird pausenlos und landesweit mit Raketen angegriffen (Dnipropetrowsk, Lviv). Der „Taurus“-Streit wiederholt sich in Dauerschleife. Sonntag: Macron bietet sein Atomwaffenarsenal zur Verteidigung Europas an. In Saporischija schlagen unkontrolliert Artilleriegranaten in Wohnhäusern ein. Westlich von Awdijiwka wird Nowobachmutiwka „befreit“. Russland meldet die Zerstörung von drei ukrainischen Drohnen-, Waffen- und Munitionslagern. Neu ist nur: Die Ostfront verschiebt sich zusehends schneller nach Westen.
Und nicht nur die deutsche Kriegsjugend von heute,
sondern auch die westliche allgemein,
die stimmt sich weiter
munter ein.
Aber nicht etwa auf den Krieg,
sondern lieber schon mal
auf die Zeit danach.
In diesem Ausmaß dann doch überraschend,
erobert nämlich gerade „Fallout“
(in all seinen Versionen und mit sämtlichen Patches)
auch noch den letzten Gen-Z/Alpha-Screen.
(Post-)Atomares, maximal immersives
Überlebenstraining für die Erwachsenen
von heute und morgen.
Wenn Déjà-Vus auch mal Sinn ergeben;
und sei es auch ein noch so düsterer.
In Kurgan (Russland)
schmeckt es derweil aber schon mal nach 2077:
Unzählige Uranminen
sind nach dem verheerenden Uralhochwasser geflutet,
das Trinkwasser bis auf weiteres verseucht.
Und auch ansonsten zeigt sich das Klima
so vertraut,
als ob wir seit Jahren nichts anderes erleben würden:
Biblische Überflutungen und Erdrutsche in Tansania,
halb Kenia steht nach epischen Regenstürmen unter Wasser,
und über Athen leuchtet der Abendhimmel orange;
noch nicht aber wegen der kommenden Feuer,
noch ist es nur der Sahara-Sand,
der die Lichter der Stadt
aus dem Himmel zurückwirft.
Selbst hier in der hintersten mittelostdeutschen Provinz
werden die Katzen bald wieder
Pfotenabdrücke auf sandigen Motorhauben hinterlassen,
bevor sie sich zurück in die kühlen Schatten verkriechen.
Zum Ende also heute noch
ein doppeltes Schein-Déjà-Vu;
nur zwei Schnurrbartträgerinnen
mit zwei verengten Augenpaaren;
und dann hat die Episode
ihren Sinn wohl erfüllt.
Schauplatz Eins:
Der Saal der Quedlinburger Reiche.
Zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn
dunkel und verschlossen.
Vorne in der Bar
glaube ich einen Satz schon mal
genauso gehört zu haben:
Fällt aus,
wegen Krankheit.
Da sucht man sich eine Veranstaltung raus
zum Bücherfrühling,
und immer wieder passiert das selbe,
oder ist es das gleiche?
Schauplatz Nummer Zwei:
Die Karl-Marx-Straße in Thale.
Der Walpurgismarkt ist ausreichend völkisch besucht,
und bei den Devotionalienhändlern
stehen wie eh und je
Wotansknoten aus Blech
neben kitschigen Rammstein-Kaffeetassen.
Gut.
Die Spiegelneuronen haben genug reflektiert,
selbst Katzenaugen fallen irgendwann zu.
Ab morgen ist wieder weiter Prüfungszeit
und Brillenträger*innen
haben wieder wichtigeres zu tun
als sich über die Déjà-Vu-Haftigkeit
irgendwelcher dahergekommener Pseudozwanziger
die Hirne weichzudenken.
In Tennessee übrigens dürfen Lehrer
jetzt wieder verdeckt Waffen tragen.
Ach, wären doch wenigstens solche Neuigkeiten
nur ein schlechtes Déjà-rêvé,
oder wie das nochmal hieß;
alles schon wieder vergessen.

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