Teil 1 – Wiedereingewöhnung
„I have this thing
where I get older
but just never wiser.
Midnights become my afternoons.
When my depression
works the graveyard shift
all of the people
I’ve ghosted stand there in the room.
I should not be left to my own devices,
they come with prices and vices,
I end up in crisis
(tale as old as time).
I wake up screaming
from dreaming.
One day I’ll watch as you’re leaving
cause you got tired of my scheming
(for the last time).“
(Taylor Swift: Anti-Hero. 2022)
Wahrscheinlich bemerkt man
den Neigungswinkel
des immer steiler werdenden Abhangs,
der dieses Jahrzehnt nun mal ist,
tatsächlich am ehesten,
wenn man sich darauf
nicht all zu sehr
vom Fleck bewegt.
Ist man aber damit beschäftigt,
in der Weltgeschichte rumreisen zu können,
wird das alles wirklich
ziemlich nebensächlich.
Und man kriegt es dann
auch mal hin,
nicht immer „man“ zu schreiben,
wenn mensch alle meint.
Und damit dann
einfach mitten rein
in den gegenwärtigen Zeitgeist.
Ohne weitere Umschweife
zum Ober-Nervthema des Sommers,
das vor allem dadurch nervt,
dass es nur noch nervt,
wie aufdringliche Wespen
an der Kuchengabel.
Und dabei ist es immer noch
so verdammt wichtig…
Denn neben allen schlimmen Tragödien der Gegenwart
ist die aller tragischste Schlimmheit momentan
der permanente Geschlechterkampf.
Tragisch in der Art,
wie er (sozial/medial) geführt wird
und noch tragischer in der Art,
wie er verloren wird,
ständig und an allen Fronten
(nicht zuletzt an der Sprachfront).
Das „Thema“ verkleistert inzwischen
alle anderen.
Am aller aller tragischsten aber ist,
dass es inzwischen,
zumindest auf kultureller Ebene,
irgendwie zum Verteidigungskampf
des Feminismus geworden ist.
Und das ist gar nicht gut,
so wie ich meine Geschlechtsgleichen
im Allgemeinen kenne,
besonders wenn sie „wissen“,
dass sie bereits „verloren“ haben.
Beispiel?
Momentan stehen zwei Frauen
unangefochten an der Spitze
der globalen Musikszene
(Beyoncé und Taylor Swift);
mehr Konzertbesucher*innen als derzeit
hat es noch nie in der Geschichte gegeben,
beider Welttourneen sind restlos ausverkauft,
trotz ebenfalls noch nie da gewesener Preise.
Die Popwelt wird also
von gleich zwei Königinnen regiert.
Die eine kann es sich leisten,
die New Yorker U-Bahn für alle zu bezahlen,
weil ein Konzert verspätet begonnen hatte,
die andere zerfickt
einen Boysclub der Musikindustrie,
indem sie ihre Platten
einfach noch mal selbst
aufnimmt und veröffentlicht.
Und dann ist auch noch
der „Barbie“-Movie
inzwischen erfolgreicher
als „The Dark Knight“.
Alles im Lot also,
oder?
Aber nicht doch!
Zumindest in Deutschland
muss seit über zwei Monaten
stattdessen darüber diskutiert werden,
ob Machtmissbrauch und Arschlochsein
nicht auch nur
Ausdruck einer Geschlechtsidentität sind,
über die man ja wohl wenigstens
noch diskutieren darf.
Dazu so viel:
Ja, es gibt Männer.
Nicht wenige davon sind cis-Männer.
Viele davon essen (gerne) Fleisch.
Oder sind auch Sportfans.
Oder fahren gerne Auto.
Oder erfüllen gerne
irgendein anderes Klischee.
Die meisten davon sind keine Frauenhasser,
sondern halt das Gegenteil.
Einige davon finden auch Sex plus Gewalt irgendwie okay,
solange „die Frau“ nicht ausdrücklich Nein sagt.
Ganz wenigen ist sogar das egal.
Und dann gibt es da noch
einen einzigen anderen Mann,
der sich über all das anscheinend nur kaputtlacht
und seiner Kunstfigur
derweil den Schaft poliert:
Lindemann.
Und ausgerechnet der
bestimmt den hiesigen Diskurs um Männlichkeit
seit Monaten.
Da kann Ryan Gosling
eine Performance für die Ewigkeit hingelegt haben,
der Deutsche hat’s gern richtig schmutzig;
sowas würden Österreicher
nicht mal im Keller verstecken.
Als provinzieller Schreibtischtäter
kann ich mir die Version der Gegenwart
aber halt nur bedingt aussuchen.
Klar würde ich gerne alles so anrichten,
dass mensch es
wie ein Stück Sonntagstorte genießen kann:
Nur die schönsten Cocktail-Kirschen rausgepickt,
nur den gelungensten Teig aus der Schüssel geleckt,
und mit der Zunge geschnalzt
noch bevor sie gekostet hat.
Aber nicht mal das
würde im Ansatz funktionieren,
denn das Wetter der letzten Wochen
hat wohl wenig Lust
auf Kaffeekränzchen im Garten gemacht,
habe ich gehört,
und die hiesigen Unwetter der letzten Woche
haben das ja auch
mit unzähligen umgestürzten Bäumen bestätigt.
Sommer 2023 in Quedlinburg:
Eher so kacke.
Tatsache ist jedoch:
Unser Wetter
ist gerade noch das beste weltweit.
Denn gefühlt überall woanders
übertrifft 2023
gerade alle seine Vorgänger.
Und zwar in jeder Hinsicht:
Der Süden und Osten der USA
leiden immer noch
unter biblical heatwaves
und epic thunderstorms.
(Hagelkörner so groß
wie sehr große Kartoffeln).
Auf Maui
fordern Waldbrände etliche Todesopfer
und vernichten eine ganze Stadt (Lahaina).
In Slowenien
wird der Wiederaufbau
nach den katastrophalen Unwettern
noch viele Jahre dauern.
In Portugal
brennen die Wälder wieder unkontrolliert.
In Skandinavien
rutschen bewohnte Berghänge ab
und es bricht ein großer Damm
(selbst der Kreuzfahrtverkehr
war für Wochen eingestellt).
In Peking
müssen hunderttausende
vor den Wassermassen gerettet werden.
In Indien ebenfalls,
dort sterben dutzende Menschen
und ein Tempel stürzt ein.
In Rio
kann man sich übrigens wieder mal auf gar nichts einigen,
den Amazonas betreffend,
warum sollte man auch.
Nur in Montana (my love)
sind einige junge Kläger*innen
gegen die Umweltzerstörung
ein wenig erfolgreich.
Und die anderen (Katastrophen-)Meldungen
dringen schon gar nicht mehr
bis an den heimatlichen Kaffeetisch
unter dem Paraweng.
An dem vielleicht sogar gerade
über neue Investitionschancen gelabert wird;
Wasser soll als Geldanlage
(und groteske Geldwäscheoption)
ganz schwer am Kommen sein.
Und zwar genauso
wie ja auch der Herbst
und dann der Winter.
Und nur damit es hier schon mal steht:
Im UK macht gerade „Eris“ die Runde.
Die Sars-Cov-2 Variante EG.5.1
hat bereits in wenigen Wochen
zu einer Verdopplung
der Krankenhauseinweisungen geführt.
Wissen alle noch was eine Inzidenzzahl ist
oder wie man einen Atemschutz in der Öffentlichkeit trägt,
um zumindest andere nicht zu gefährden?
Nicht doch!
Das wird dann alles wieder neu ausdiskutiert,
nicht dass noch irgendwer
das falsch verstehen könnte.
Und außerdem werden wir
bis Weihnachten sowieso
noch weiter über Lindemann lesen und reden,
über dessen Niedergang
und darüber,
dass die Cancel Culture
doch eigentlich auch mal reif wäre
gecancelt zu werden.
Wer jetzt
kurz innerlich zum Nicken angesetzt haben sollte,
sollte nicht vergessen,
dass zum Gegenstand dieser Debatte
die Tatsache gehört,
dass der Spiegel darüber berichtet,
wie ein 47jähriger „Rockstar“,
liiert mit einem 25jährigen „Model“
gleichzeitig eine monatelange „Liebesaffäre“
mit einem 15jährigen Mädchen hatte.
Warum?
Weil Lindemann kann.
Seit kürzestem gibt es jetzt auch wieder Gerüchte
um eine Rammstein-Welttournee im nächsten Jahr!?
Lindemann selbst darf aber erstmal
in Virginia auftreten,
da gibt es anscheinend
genug Männer seines Schlages.
Danach dann geht es tatsächlich auf Solotour,
beginnend übrigens
in der größten Arena
der bald Millionenstadt LE.
Eine weitere Veranstaltungsreihe des Grauens
geht aber auch hier im mitteldeutschen Hinterland
ebenfalls munter weiter.
Frisch gestärkt nach dem Sonntagsbraten
(und anschließender Sahnetorte)
ist die aktuelle Montagsdemo
beim letzten Mal
kaum 15 Menschen groß gewesen.
Dafür sitzen die Trommelrhythmen inzwischen ganz sicher
und die schwarz-weiß-rote Sachsen-Anhalt Flagge
weht ungestört und regelmäßig
auf dem sommerlichen Markt.
Die Gesichter vieler Touris in den Cafés
sprechen Bände.
Viel interessanter,
weil wenigstens ein bisschen optimistisch stimmend,
ist die andere Demo,
die sich seit einigen Monaten
am selben Ort etabliert hat.
Am Montag stand ich zusammen mit ca. 30 anderen,
deutlich jüngeren Menschen,
die eine Menschenkette vor der Rathaustreppe bildeten,
vor zwei Antifaflaggen.
Uns gegenüber zunächst eine kleine Mannschaft Polizisten,
die einfach ihren Job gemacht haben.
Und dahinter dann,
die sich schnell wieder auflösende Querfront.
Kaum 15 Kilometer weiter westlich jedoch,
zeigte sich am letzten Sonntag
schon ein ganz anderes Bild:
Schauplatz Wienrode.
Ein fast 100 Menschen dichter,
ziemlich schwarzer Block
schiebt sich durch das Dorf am Harz
und wird von nicht wenigen Bewohnern bepöbelt,
die offensichtlich immer noch nicht verstehen (wollen),
wer da seit diesem Sommer,
im Herzen der Gemeinde,
das (Volks)“Haus Lindenquell“ betreibt.
Hätten sie genauer hingeschaut,
wen „Veda Elysia“
am Wochenende zum Dorfschutz bestellt hat,
hätte ihnen eigentlich ein Licht aufgehen können.
Wenn die antifaschistische Aktion
aber offensichtlich als die größere Bedrohung angesehen wird,
dann hat die Völkische Landnahme
ein wichtiges Etappenziel erreicht.
Und wenn es „nur“ Wienrode ist.
Bleiben wir noch kurz in der näheren Heimat
und erinnern uns schmerzlich daran,
was vor kurzem in Magdeburg passiert ist:
Auf dem AfD-Parteitag
wurden inzwischen ganz unverschämt
offen Faschoreden gehalten
und ein „neuer“ Spitzenkandidat
für die kommende Europawahl gekürt.
Eine Einordnung
könnt Ihr anhand weniger Fakten
gerne selbst vornehmen:
Geboren in Dresden,
Absolvent des dortigen Kreuzgymnasiums,
Absolvent und Doktorand der TU
(Jura, Promotion zum Unternehmenskauf),
inzwischen Alter Herr der Chursachsen,
ehemaliges Mitglied der CDU,
seit Ende 2016 AfD,
katholisch,
verwitwet,
acht Kinder mit drei Frauen,
seit 2019 Mitglied des Europaparlaments,
Manipulationsvorwürfe,
Betrugsermittlungen,
mehr als latent antisemitisch,
sagt gerne, er sei „rechts“,
auch „Umvolkung“ geht ihm leicht von der Zunge,
er steht auf Carl Schmitts „Ethnopluralismus“,
findet die USA doof
und hat im Antaios-Verlag (Schnellroda)
ein Buch herausgegeben:
„Politik von rechts – ein Manifest“.
Und echte Männer
sind für ihn übrigens nur dann echte Männer,
wenn sie rechts sind…
Das sollte soweit erstmal reichen…
Ach, eins noch:
Menschenrechte sind für ihn
nur ein politisches Instrument des Westens.
So so.
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe. Woche 75.
Drohnen, Drohnen, Drohnen. Bald auch deutsche Marschflugkörper. Montag: Nördlich von Moskau wird eine Drohne abgeschossen. In Cherson, Donezk und Charkiw sterben Zivilisten nach Artilleriebeschuss. 22 ukrainische Soldaten werden aus der der Kriegsgefangenschaft entlassen. Bei Kupjansk rücken die russischen Truppen weiter vor. Der SUB verkündet die Festnahme einer Frau, die im Juni an der Planung eines Tötungsversuchs von Selenskyj beteiligt gewesen sein soll. In Deutschland einigt man sich zusehends auf die Lieferung von Marschflugkörpern. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba bittet die USA um ATACMS-Langstreckenraketen. Dienstag: Wieder Raketeneinschläge bei Donezk, mindestens acht Tote. In russischen Schulen gibt es ab September neue Geschichtslehrbücher. Polen verlegt weitere 1.000 Soldaten an die Grenze zu Belarus. Das russische Haushaltsdefizit liegt inzwischen bei 1,8% des BIP, die Ausgaben für Rüstung umfassen ein Drittel der Staatsfinanzen. Rheinmetall kauft in Belgien 50 Leopard-Panzer, um sie dann zu reparieren und 30 davon an die Ukraine zu liefern. Russland sagt, die Ukraine hat Donezk bombadiert. Mittwoch: Nächtliche Angriffe auf Sumy, Charkiw und Nikopol. Über Moskau werden zwei Drohnen abgeschossen. Der UK findet noch was zum Sanktionieren. Nahe Moskau explodiert eine Rüstungsschmiede, bald darauf wird der Katastrophenfall ausgerufen. Polen verlegt 2.000 Soldaten an die Ostgrenze, Russland reagiert mit der Ankündigung, die eigene Westgrenze massiv zu verstärken. Die Ukraine wollte das AKW Saporischschija mit einer Drohne angreifen, sagt Moskau. Kiew sagt, es hat Tote nach einem Angriff auf die Stadt Saporischschija gegeben. Deutschland liefert Patriot-Abschussrampen, wofür sich Selenskyj bedankt und betont, das reiche nicht. Donnerstag: Abgewehrte, Gegenseitige Drohnenangriffe auf Sewastopol, auf Riwne und auf Moskau. Polen vervielfacht die Truppenvergrößerung an der Ostgrenze (10.000). Die Region um Kupjansk un die Stadt werden evakuiert. Bei Rheinmetall müssen neue Auftragsbücher aufgeschlagen werden. Cherson steht unter massivem Beschuss. Der russische Bezirk Pogarsky ebenfalls. Joe Biden bereitet sich darauf vor, den US-Kongress um weitere 13 Milliarden für die Ukraine zu bitten. Am Abend wird Saporischschija beschossen. Strack-Zimmermann ist inzwischen für Taurus-Lieferungen (Marschflugkörper). Freitag: In Saporischschija wird ein Hotel von einer russischen Rakete zerstört, über Kiew werden davon mehrere abgefangen, im ganzen Land erschallt Luftalarm. Der Luftraum über dem Flughafen in Moskau wird zeitweise gesperrt, Drohnen werden abgeschossen. Kiew verhandelt mit London über Sicherheitsgarantien und verspricht, „Taurus“ nicht auf russischem Staatsgebiet einzusetzen. Die russische Wirtschaft ist im letzten Jahr um 5% gewachsen, aber noch nicht ganz wieder auf Vorkriegsniveau. Samstag: Weiter unter heftigem Beschuss: Sumy, die Kertsch-Brücke, Charkiw, Saporischschija. Sonntag: Rheinmetall steigt bis jahresende auch in die Drohnenlieferungen ein. Bei russischen Angriffen auf Cherson sterben mehrere Zivilisten, Selenskyj kündigt Vergeltung an. Im Schwarzen Meer werden die ersten Warnschüsse abgegeben. Scholz zaudert bei den Taurus-Lieferungen.
Und nein,
bevor wir die Lupe wieder weglegen können,
schauen wir noch ganz kurz etwas weiter
nach den Rechten,
wegen Gründen:
In Thüringen
steht die AfD unter Höcke
momentan bei 34%.
In Weißenfels
attackieren 25 Faschos
den CSD.
Das AfD-Kreistagsmitglied Marie-Thérèse Kaiser
(Rotenburg an der Wümme)
wird der Volksverhetzung
schuldig gesprochen.
Warum eigentlich machen
die ganzen Podcaster*innen
und Youtuber*innen
und Live-Streamer*innen
mit Millionenpublikum
mal nicht dazu
Reaction-Videos?
Oder wenigstens zu den Nazis in Finnland,
die nicht nur da
die Medien dominieren.
Oder zu den Postfaschisten in Italien,
die den doppelten Nutzen
einer Übergewinnsteuer erkannt haben?
Aber nein,
nicht doch!
Nicht dass hier irgendwem
noch die Schlagsahne sauer wird.
Lanz und Precht, zum Beispiel,
die diskutieren viel lieber
über „die Jugend“.
Fazit:
Faul, verwöhnt,
nur noch bedingt bereit
zur erfolgreichen Teilnahme
an der Leistungsgesellschaft.
Und alle relevanten Youtuber*innen
springen breitwillig über dieses Stöckchen
und heizen die Debatte so lange weiter an,
bis sie restlos ausgebrannt ist.
Das Zielpublikum scrollt schon weiter.
Und wartet bloß
auf das nächste Highlight
der Social Media Wars.
Und eigentlich ja auf das absolute,
ultimative Highlight aller Bubbles:
Elon Musk
vs.
Mark Zuckerberg.
In einem Cage Match.
Die wollen sich also allen Ernstes
demnächst live im Internet
gegenseitig auf die Fresse hauen,
bis einer aufgibt.
Dazu fällt mir nichts mehr ein.
Zu einem Dreikampf kommt es aber jetzt dann
auf etwas seriöserer Ebene
und wahrscheinlich sogar bei Tik-Tok:
Das Kanzlerkandidatenrennen der Union scheint eröffnet:
Wie immer noch am hinteren Ende der Biergarnitur,
mit Brezn, Wurscht und Seidel beschäftigt:
Markus Söder.
In NRW lauert Hendrik Wüst,
der noch hübschere Röttgen.
Im Bundestag aber bräst
Fraktionschef Merz weiter in der Gegend rum,
wobei immer klarer wird,
dass er für die große Bühne
eigentlich völlig ungeeignet ist.
Als nur ein Beispiel
folgende Logik Masterclass:
„Die Union steht
ohne Wenn und Aber
zum Sozialstaat.
Aber
der lässt sich nicht aufrechterhalten,
wenn
immer mehr Leistungen versprochen werden,
ohne eine Gegenleistung zu verlangen
von denen, die arbeiten können.“
Jeder Grundkurs Philosophie
lacht sich schlapp bei sowas.
Auch endlich faktisch in der CDU angekommen,
und zwar gleich mal rechts
neben ihrem Vorgänger im Amt,
scheint inzwischen die SPD-Innenministerin:
„Sippenabschiebung“?
Vorstellbar.
Ohne Ankündigung?
Warum nicht.
Eine deutsche Variante von ICE
(Immigration and Customs Enforcement,
USA, gerne mal bei Netflix o.ä. nachschlagen)?
Keine so schlechte Idee.
Diese Haltung
ist geradezu ein Sinnbild
für die letzten Reste der SPD
im zweiten Kriegssommer.
Aber es geht natürlich
wieder mal noch schlimmer:
Die Linke Co-Fraktionschefin Mohamed Ali
schmeißt hin.
Ein bald nicht mehr Hinterbänkler
kündigt ein Parteikonvent an.
Dann schmeißt auch Bartsch hin.
Und nun?
Was tun, verdammt nochmal?
Wie Recht Sarah Wagenknecht
dann doch hatte,
mit den „Lifestyle Linken“,
das werden die Wahlen
der nächsten zwei Jahre zeigen.
Meine Prognose?
Der große Teil des Scherbenhaufens wird,
wenn überhaupt noch,
dann eben doch Grün wählen
oder mit Protofaschos zusammen
die neue Wagenknechtpartei
(auf deren Namen ich mich freue
wie auf eine blutrote Beerentorte).
Der nächste Bundestag jedenfalls
wird sehr wahrscheinlich
keine Linksfraktion mehr haben.
Dafür aber vielleicht
eine Sarah Wagenknecht.
Und ganz ehrlich:
Das ist doch immer noch besser
als gar keine Linke mehr.
Oder?
Oder haben wir uns etwa ausassimiliert?
Kann Deutschland
einfach nicht progressiver und humanitärer?
Kann es eine Linke hier nur
in der inneren Emigration geben?
Hat die innere Sicherheit
doch noch gewonnen?
Auftritt Christian Lindner.
Der deutsche Marktmessias
tritt endlich
aus dem Schatten
des Chancendornenbusches heraus.
Und wie!
Antrittsbesuch in Kiew,
Händeschütteln und Tuscheln
mit Klitschko.
In der Ukraine lässt er die Katze aus der Box:
Die Lieferung deutscher Langstreckensysteme („Taurus“)
findet er grundsätzlich okay,
er empfinde dieser Idee gegenüber „Sympathie“.
Würg.
Und er will mit seinem Know How helfen!
Kennt der sich jetzt etwa auch
in allen Kriegsfragen aus?
Nicht doch!
Er ist gekommen,
um der Ukraine mitzuteilen,
dass die Privatisierung des Landes
ab jetzt massiv gefördert wird.
Der Ausverkauf kann beginnen.
Ob schon bekannt ist,
wie die neue Treuhand/Troika heißen wird
und wer sie verwalten darf?
Darüber schweigt sich Lindner
dann demnächst aber bestimmt erstmal wieder aus.
Stattdessen benutzt er sein „Wachtumschancengesetz“
(Steuerentlastungen für die Arbeitgeberfront),
um die politischen Feinde zu markieren.
Der SPD-Familienmisiterin, zum Beispiel,
darf man anscheinend inzwischen unwidersprochen vorwerfen,
ihre Bedingung, um dem Gesetz zuzustimmen,
nämlich dass Lindner die Kindergrundsicherung ausbaut,
wäre ja nichts anderes,
als die Interessen der Industrie
gegen die der Familien auszuspielen;
das klingt ja schon fast populistisch!!1!
Und was für die Tagesschau noch
„Fehlstart nach der Sommerpause“ heißt,
ist eigentlich die zweite Staffel
im Koalitionsscharmützel:
Die FDP beginnt also bereits,
aktiv die Kapitalhalter*innen
an allen Fronten abzugrasen,
gerne auch bei der AfD,
und deswegen auch gerne gegen deren Hauptfeind,
ihre Koalitionspartner, die Grünen.
ACAB zaubert gegen diesen Trend
eine besonders kuriose Story
aus dem Handgepäck:
Erst vor ein paar Tagen
ist die grüne Außenministerin
tatsächlich einfach so
in einem Linienflugzeug gesichtet wurden,
die Regierungsmaschine hat gestreikt.
Die süße Nachspeise
in der Buisness Class
soll ja besser sein als ihr Ruf.
Zum Ende
für den Moment
dann mal kurz zu den schlechten Nachrichten:
Im kommenden Herbst und Winter
wird, aller Voraussicht nach,
der Öffentliche Dienst
ernsthaft ins Wanken geraten.
Momentan fehlen bereits
360.000 Leute.
Und die Jahreszeit der gelben Scheine
hat noch lange nicht angefangen.
Aber nein, nicht doch!
Kein Grund,
beim Kuchenkrümelsammeln
traurig zu gucken.
Bis jetzt haben wie doch immer noch etwas gefunden,
um uns wenigstens das Wochenende zu versüßen.
Und so ein richtig guter Erdbeerkuchen
der reicht nun mal
nicht für alle.

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