Bild: Hello From The Other Side.
Teil 2
Bending The Crack Where The Light Comes In
In dem unsere Helden sich nicht sehen, nichts voneinander hören, wie immer (nicht) aneinander denken, und sich trotz allem …
Sie machen nicht viel mehr als das. Sie freuen sich über das nahende Winterende, kümmern sich um ihren Haushalt, fliehen vor ihrer Vergangenheit oder lassen sie erneut hinter sich; ihre Leben bleiben Romane; Der Gerissene Himmel, Christa Wolf Und Das Meer. Über ihrer Stadt strahlt die Sonne und Walnussknospen zittern in ihrem Licht.
So,
damit dürfte auch klar sein,
dass ich mich berufen fühle,
jetzt auch noch den endgültigen Roman
über das seltsame Verhalten
in der Zweiten Pubertät
zu schreiben,
in die wir Millenials
gerade eintreten
und in der die Gen X
sich bereits bestens auskennt;
die coolen Kids
kommen immer als letztes.
Aber, ganz ehrlich,
auf der Suche nach einer neuen Rolle
lassen sich aufregendere Pfade wählen.
Lichtbändiger,
zum Beispiel.
Here Comes the Fuckening!
Aus dem Tagebuch eines Elder Millenials (2)
sonntag, 15. märz 2026:
– am frühen nachmittag liegt der hof bereits in frühlingslicht
– futique on rotation, fuckin’ biffy ahead
– solarplexus immer noch im dauerkrampf,
weinen hilft
– Timothy Very (drummer, manchester orchestra)
dead at 42
Also dann
aber mal ganz, ganz schnell
zurück zur Weltlage,
Eskapismus ist immerhin
keine Einbahnstraße.
In München
ist im Moment
die gesamte Innenstadt gesperrt:
Sicherheitskonferenz.
Die ganz große Bühne.
Die Hauptfiguren des Stücks:
Europa,
Der Nahe Osten,
Die Nullinie,
China
und die USA.
Wisst Ihr Bescheid.
Für letztere sind angereist:
Marco Rubio,
der auffallend weichgespült klingt,
Gavin Newsom,
dessen Frisur allein
als Argument überzeugt,
und Alexandria. Ocasio. Cortez.
Die SZ sieht sie schon auf dem Sprung ins Weiße Haus,
was ziemlich voreilig von der SZ ist,
aber lieber so als gar nicht.
AOC jedenfalls lässt die alten weißen Männer
aber auf dem Podium schwafeln
und diskutiert lieber eine Stunde lang
über Populismus.
Knowing the enemy,
the first step to defy him.
Besagte alte weiße Männer
machen derweil Alte-Weiße-Männer-Sachen:
Macron fordert mehr Mut von Europa.
Der Sohn vom Schah
will sich der Vorsehung nicht verweigern,
bittet aber die USA um ein bisschen mehr Hilfe;
vor den Toren des Bayrischen Hofes
demonstrieren 250.000 Menschen
für einen Regime Change im Iran.
Einen Tag vorher schon,
also gleich am ersten der Konferenz,
versucht sich Merz an einer Grundsatzrede:
Mehr Europa,
mehr Eigenständigkeit,
aber keine Abkehr von den USA,
Nato-Treue dennoch wichtiger.
Und weiter:
„Der Kulturkampf der MAGA-Bewegung
ist nicht unserer.
Die Freiheit des Wortes endet
hier bei uns,
wenn sich dieses Wort
gegen Menschenwürde und Grundgesetz wendet.
Wir glauben nicht an Zölle und Protektionismus,
sondern an freien Handel.
An Klimaabkommen und Weltgesundheitsorganisation
halten wir fest,
weil wir überzeugt sind:
Globale Aufgaben werden wir nur gemeinsam lösen.“
Und um dem ganzen
die gerade so angesagte Würze von Großmachtdenken
nicht zu verwehren,
denkt er auch noch
über den „Führungsanspruch der Vereinigten Staaten“ nach,
der „angefochten, vielleicht verspielt“ ist.
Friedrich, dass du sowas mal sagen musst,
hättest du auch nicht gedacht, oder?
Immerhin keine allzu gemixte Message.
Aber dafür haben wir in Deutschland
ja immer noch die Faschos:
Irgendwer von der AfD
fordert in Hitlers Home Away From Home
die „Führungsrolle Deutschlands
an der Nato-Ostflanke“.
„Friedenspartei“ war einmal,
wieder ein paar Prozent Wählerschaft verloren.
Gut so,
weitermachen.
Aber auch die SPD besinnt sich mal wieder
auf ihre Kerntugenden:
Lars Klingbeil will
sich wieder mehr
der „Arbeiterschaft zuwenden“,
in dem er die Frage der Vermögensungleichheit
noch stärker adressiert.
Hört, hört!
Außerdem kommuniziert er die Idee
einer Gesundheitsabgabe
aus Mieteinnahmen und Kapitaleinkommen!
Unerhört!
Derweil besucht ausgerechnet
Julia Klöckner (Bundestagspräsidentin, CDU)
als erste deutsche Politikerin
den Gazastreifen.
Würde sie dabei
nicht Hochsicherheitsausrüstung tragen,
man könnte meinen,
der Krieg sei vorbei.
Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 202.
Die Ruhe vor dem letzten Kriegsfrühling. 9. Februar: In Odessa und Charkiw sterben drei Menschen nach Bombenangriffen. 11. Februar: In Charkiw sterben erneut vier Menschen, diesmal durch Drohnen. Selenskyj spekuliert angeblich über Neuwahlen im Mai, allerdings nur während einer allgemeinen Waffenruhe. 12. Februar: Heizungsanlagen in Kiew werden getroffen. 13. Februar: Marco Rubio verpasst ein Treffen der Ukraine-Gruppe in München wegen eines zu vollen Terminkalenders. 15. Februar: Das ukrainische Volk wird mit dem Ewald-von-Kleist-Preis geehrt. Im Osten kämpfen weiter Drohnen.
Über den anderen Krieg,
den Julia Klöckner sich gerade eben noch angeschaut hat,
redet unterdessen, neben all der anderen Scheiße
im Goldenen Haus,
kein geringerer als Benjamin Netanyahu,
der jetzt also schon zum fünften Mal nicht verhaftet wurde,
obwohl die USA wissen,
was der Internationale Strafgerichtshof dazu sagt.
Kehren wir also zurück
an unsere eigene Front,
die Ruinen der Brandmauer
werden weiter nur mühsam geschützt:
Um vom Kurswechsel
in Sachen Militarismus
und/oder der parteiinternen Korruption abzulenken,
bedient sich die AfD
natürlich einer Schmutzkampagne,
wie sich nicht mal der letzte Praktikant von Steve Bannon
hätte ausdenken dürfen:
Ziel:
Heidi Reichinnek (Die Linke).
Vorwurf:
Doppelmoral.
Mittel:
Fake Bild.
Aussage:
Guckt mal hier,
die Linken,
fahren auch bloß
mit nem A8 durch die Gegend
und lachen dabei
in ihren Desingnerklamotten.
Klappt so mittel.
Denn sogar die Harzer Volksstimme
macht am Donnerstag
mit einer großen Übersichtstafel auf,
die ebenso gut
von Claus von Wagner stammen könnte:
Der Mann,
der sich am meisten der Vetternwirtschaft bedient,
ist Tobias Rausch (MdL S-A, Parlamentarischer Geschäftsführer).
Insgesamt 10 Familien dürfen sich über gut bezahlte Jobs freuen,
darunter:
Weiss (MdB),
Korell (MdB),
Schmidt (MdB),
Reichert (MdB),
Büttner (MdL),
Waehler (MdL),
Hecht (MdL)
und natürlich
Tillschneider (MdL)
und Siegmund (MdL, Fraktionschef und Spitzenkandidat).
Die Trendfarbe bei Filz
bleibt blau/braun.
Der „kommende Landesvater“
erklärt das auch so:
Man könne nur noch der Familie trauen,
weil Correctiv oder Verfassungsschutz, oder so …
Wenn aber sogar bei Nius
über ein „Eldorado für Glücksritter und gescheiterte Exitenzen“
und massig Koks und Nutten berichtet wird,
dann wird wohl auch ein Streitschlichter
wenig ausrichten können.
Darüber hinaus
geht die nächste Landratswahl verloren,
ausgerechnet im Spreewald.
Und verloren hat auch Petr Bystron (AfD, EU-Parlament),
und zwar seine Immunität.
Gut so,
weitermachen.
Durch die offene Balkontür
tönen gerade jecke Klänge
vom Markt herein,
wir sind also wieder zu Hause:
Der neue Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt,
Sven Schulze,
spricht sich für eine stärkere Verpflichtung
von Bürgergeldempfängern
zu gemeinnützigen Tätigkeiten aus.
„Ich glaube,
wir müssen als Allererstes über diejenigen reden,
die arbeiten könnten,
aber nicht arbeiten gehen“,
sagt der CDU-Politiker der Bild am Sonntag.
Für staatliche Unterstützung
müsse aus seiner Sicht
eine Gegenleistung erbracht werden.
Konkret nannte der Regierungschef
kommunale Aufgaben
wie Laub zu fegen
oder Schnee zu räumen.
„Warum können das nicht auch Menschen machen,
die gesund sind,
zu Hause sind
und gerade keine Arbeit haben?“
Das ist so dermaßen CDU,
dass mir dazu nicht mehr einzufallen braucht.
Eben diese CDU
hat jetzt auch endlich
das Trendthema der 6. Stunde
für sich entdeckt:
Auf dem Bundesparteitag Ende kommender Woche,
soll der Parteivorschlag zum „Handyverbot“ vorgestellt werden,
„Denkt an die Kinder“ klappt immer,
auch wenn ich inhaltlich nichts dagegen habe,
und tatsächlich auch wegen der Kinder.
Überraschend undeutlich
positioniert sich jedoch Quedlinburgs finest,
Suse sagt auf Social Media:
„Auch wenn die Studien
auf die Gefahren von Social Media hinweisen,
haben junge Menschen
ein Recht auf digitale Teilhabe.“
Ihr Konterpart im Landtag,
Hanns-Thomas Tillschneiderei,
ist da sehr bei ihr,
wenn auch aus anderen Gründen:
„Der freie Zugang zum Internet
ist angesichts zunehmend tendenziöser Medien
essenziell für die Demokratie.“
Da bin ich dann tatsächlich mal Team-CDU,
da ist wenigstens Klarheit drin:
Sepp Müller (Bundesvize CDU):
„Die Schule muss
ein geschützter Raum für Entwicklung bleiben,
frei(!) von digitaler Ablenkung.“
Jetzt müssen sie nur den Digitalpakt noch zurücknehmen,
durch den die Schulen mit Plasteabfall zugemüllt wurden,
dann glaube ich sowas sogar.
Die EU bleibt auch nicht tatenlos
und plant immerhin
eine Meldeapp gegen Cybermobbing.
Gut,
das Ende des Staffelfinales
ist erreicht.
Die letzten Szenen
schreibe ich immer noch
unter einem blauen Himmel,
an dem nicht der kleinste Kratzer
mehr zu sehen ist.
Und das so lange,
bis die ersten Sterne funkeln.
Wie lange die Pause
bis zur siebenten Staffel dauern wird,
kann ich heute noch nicht sagen,
gefühlt aber bis Ostern,
das wären genau noch 44 Tage,
würde also passen.
Am ersten Tag dieser Pause,
also morgen,
werde ich mit Garantie etwas erleben,
das sich gut und gerne
als weiterer Meilenstein
zum Zauberwürfel verarbeiten lässt:
Mit meinem Schwesterherz
in der 10. Reihe stehen,
ganz nah am Berliner Mauerpark.
Aber darüber werde ich nicht schreiben,
auch das passiert
nur auf meiner Seite des Spiegels.
Und wie ernst die ganze Rollenneuerschaffung
danach dann wirklich werden wird,
das weiß ich mit Garantie noch nicht,
kann aber so viel verraten:
Eine mögliche, sehr späte Drittkarriere
als Dungeon Master
rückt momentan in greifbare Nähe,
auch wenn ich mein Spielleiterhandbuch
aktuell noch verliehen habe.
Wenn das nicht das letztmögliche Level Eskapismus ist,
was denn dann bitte noch?
Die tödlichsten Abenteuer bestreiten,
die wir uns überhaupt vorstellen können,
während wir die wirklichen Schrecken
weiterhin nur am Rande mitkriegen …
… unter den Gassen von Quedlinburg
warten die tiefsten Abgründe,
älter als 1000 Jahre,
Spuren von echten Drachen
sind möglicherweise authentisch.
Es ist also nicht unwahrscheinlich,
dass die nächste Staffel bereits
ge- oder verunglückte Kampagnenmanuskripte erwähnt,
immerhin ist der erweiterte Pool
von potenziellen Mitflüchtigen
mit 10 schon ganz gut gefüllt;
das reicht für drei Parallelkampagnen.
Multiversum,
mach dich frisch!
Für alle die,
die noch weniger Ahnung haben:
Jede Kampagne,
jedes Abenteuer,
jede Situation
in DnD (Dungeons & Dragons)
beginnt damit,
dass der DM
genau diese beschreibt.
Jedes Detail dabei
führt früher oder später
zu einer Entscheidung,
deren Konsequenzen
alles verändern können.
Eine erste von diesen Situationen
könnte in meiner Kampagne
dann folgendermaßen aussehen:
Tales from the Twenties
Die Gruppe steht vor dem Präsidentenpalast von Argamerik, die Nationalflaggen des ersten Landes, das dem Technofaschismus die Tore geöffnet hat, wehen vor einem blutroten Himmel. Die Gruppe schaut sich um und entdeckt ein weiteres großes Gebäude. Nur wenige Meter entfernt steht das „Büro der offiziellen Antwort“, und erinnert stark an den Ostflügel des Goldenen Hauses in Normatan, dem Tyrannenreich der Dummheit im hohen Norden, auf der anderen Seite des Mittelgolfes. Urplötzlich springt ohne Vorwarnung ein Monster vom Dach des Palastes, landet inmitten der Gruppe und ergreift als erstes die Initiative: „Rapid Response 47“ ist ein psionischer Angriff der 7. Stufe, der alle Gruppenmitglieder für den Rest der Runde in dunkle Schatten wirft. Was tut ihr?
Das soll dann aber auch endlich
an Zweiter Pubertät für heute
und für die nächsten Wochen
genügen.
Oder?
…
…
…
Nein,
wartet!
Am blutroten Himmel über euch
öffnet sich ein gleißender Riss,
durch den ihr
den Schatten eines allzuvertrauten Monsters erblickt:
Vecna lebt.
Am Broadway.
Und bald auch auf Netflix.
Aber eure Gruppe hat keine Angst,
dieses Böse
haben schon ganz andere vor euch überstanden,
und ihr wisst bereits,
wo seine wunden Punkte liegen.
Einer von euch erinnert sich daran,
wie Bannsprüche gebrochen werden.
Wer von euch ist es,
der sich nach Abseits der Zeit begibt,
um Vecna aus seinem Kerker in Camazotz zu befreien?
Vielleicht du,
Lichtbändiger?
Erzähl uns von Deiner Backstory,
damit die Gruppe entscheiden kann,
ob du dem Kampf
auch wirklich gewachsen bist.
Wonach suchst du hier
im Multiversum?
Nach Rache?
Nach Ruhm?
Nach einer besseren Zukunft?
Oder doch etwa nach Liebe?
Sag nichts,
wir kennen die Antwort.
Wirke einen Heilzauber,
um deiner Unsicherheit
ein Ende zu setzen.
„Eines Tages werd ich mich rächen
und werd die Herzen aller Mädchen brechen.
Dann bin ich ein Star, der in der Zeitung steht,
und dann tut es dir leid,
doch dann ist es
… .“
(Die Ärzte. 1984)
End of Season

Vielleicht alle vier?
(Wenn dann, den dann.)
Fantasie hat doch keine Grenze
Und Hoffnung ist immer immer
Mit dabei.
😉
Ohne die beiden ziehen wir gar nicht erst los.
Fantasie?
Hoffnung?
Grenzenlose Abenteuer?
1 und 2 um 3 zu erleben.