Bild: Friendly Reminder. Quedlinburg. 2025.
„Hope has come another day.
Hold me close in every way.
The other side of everything
it’s coming back inside of me.
Everyone and everything
coming home another way.“
(Mogwai: 18 Volcanoes. 2025)
So.
Willkommen zurück
in Eurer Wohlfühlecke,
am hinteren Rand der Blogossphäre,
wo Igel und Hase
gerade noch Winterschlaf,
bzw. keinen Winterschlaf machen.
Auf die Oberflächen der Provinz
(Felder, Straßen, Gärten, Fußwege,
Markt- und Parkplätze,
Wiesen und Bäume,
Vor- und Hinterhöfe,
Balkone und Terrassen,
sowie Dächer und Gassen)
rieselt seit Tagen schon
Schnee
in all seinen wunderschönen Formen,
es weht dabei kein Wind,
und die Flocken schmelzen
sobald sie die Oberflächen erreichen;
kaum etwas bleibt wirklich liegen;
der Frühling
stemmt sich dem Winter
bereits von unten entgegen.
Noch dazu sind die ersten Kraniche zurück.
Fanzine Made Of Flesh (Hidden Story)
Am Mittwoch, an dem das zweite Winterwundermärchen des Jahres gerade begonnen hatte, betrachtete der Brillenträger den einsetzenden Schneefall im Rückspiegel, als er vom Beschleunigungsstreifen direkt auf die linke Spur der A36 wechselte, im Autoradio hätte er von den sich in diesem Moment häufenden schweren Verkehrsunfällen im Harz und dessen Vorland hören können, wenn aus den Boxen nicht gerade die Songs von „The Bad Fire“ auf fast Maximallautstärke geliefen wären.
Eine halbe Stunde später als erhofft umarmten sich der Gitarrist und der Brillenträger im ersten Stock nahe der Könneritzer und verweilten dort nicht lange. In Plagwitz, zehn Gehminuten vom Täubchenthal entfernt, wärmten sie sich bei Hummus und Tee auf, bevor sie sich in die lange Schlange vor dem Club einreihten. Rockmusik ist, wenn sich gute Menschen in einem vollgerammelten Club im Winter gegenseitig aufwärmen; im Sommer ist das ja easy für alle; Rockmusik ist nicht Freibad im Juli, sondern Sauna im Februar. Auch noch nach der Zugabe hatten die meisten ihre dicken Jacken immer noch an, in denen sie die Wärme der Musik mit nach Hause nahmen.
Gegen Mitternacht bog der Brillenträger auf den Parkplatz am Petersberg (bei Halle) ab. Beim Aussteigen erst sah er, dass der Schnee es schon bis hierhin geschafft hatte. Kaum mehr als fünfzig Kilometer weiter lag bereits über allem eine weiße Decke, unter der es sich der Frühling noch ein paar Tage gemütlich machen wollte.
Während also draußen
vor dem Fenster
vor meinem Schreibtisch
die Schneeflöckchen
auf den Innenhof taumeln,
darf ich mir weiter warme Gedanken machen:
Die Wanderung am Ende des Frühlings ist fix,
Übernachtungen unter freiem Himmel,
aber in der Nähe der Zivilsation,
sind fest verabredet.
Das Selketal kann sich schon mal frisch machen,
bei 30°C Ende Mai
gibt es keinen schöneren Ort
als den Wald.
Gut,
bevor mir für den Rest der Episode
keine schönen Dinge mehr übrig bleiben,
setze ich die subjektive Brille
also wieder ab,
die beste aller Welten
ist das ja schließlich
immer nur
im Vergleich
mit allen anderen.
Ja, liebe Provinz,
das war ein Kompliment.
Und,
Holy Fuckin’ Shit,
wie beschissen
die anderen Welten
gerade sind,
das hätte ich mir als Konterkarikatur
nicht mal so ausdenken können,
wenn ich mir ganz viel Mühe gegeben hätte.
Aber,
so viel gerne vorweg:
Auch der frostige Silberstreif
färbt sich langsam wieder rot,
oder wenigstens fühlt es sich so an.
Ich würde jetzt gerne schreiben:
„Aber der Reihe nach“,
aber das wäre wie immer gelogen.
In diesem Sinne
ein weiteres Mal:
Welcome back
to the never ending future.
In Deutschland
wird das TV-Duell ausgewertet.
Fazit:
Kaum neue Erkenntnisse.
Irgendwie auch beruhigend.
Gewonnen haben wieder mal
Maybrit Illner und Sandra Maischberger,
wahrscheinlich weil sie nicht selber antreten.
Offiziell jedoch
hat der Kanzler den besseren Eindruck gemacht,
also der mit der Regierungserfahrung.
Der dritte in der aktuellen demokratischen Rangfolge,
Robert Habeck,
hat für zwei Tage
einen dubiosen Plagiatsjäger am Hacken;
der CSU fällt einfach nichts mehr ein.
Die Partei aber,
die gerade noch mal richtig Wellen schlägt,
heißt tatsächlich
Die Linke.
25.000 neue Mitglieder*innen
in den letzten sechs Wochen,
sogar enttäuschte Altwähler*innen
kommen zurück nach Hause,
jetzt wo die böse Stieftochter
endlich ausgezogen ist
und in ihrer Datsche versauert.
Nach der letzten Generaldebatte
der scheidenden Ampelregierung
muss sich sogar die Bild anstrengen,
daran noch irgendwas zu skandalisieren.
Und das obwohl
es einiges gegeben hätte,
was aber eben für die Bild
keine Skandale sind.
Als erstes wäre da die Tatsache,
dass die Entscheidung über §218
bis nach der Wahl verschoben wird,
um unter Merz dann
mehr als stiefmütterlich behandelt zu werden,
es kommen schließlich harte Zeiten,
da brauchen wir jeden Mann.
Sich selbst endgültig ins Aus geschossen
hat sich am gleichen Tag
übrigens Alice Weidel.
Ich bin gespannt,
wie schnell sie nach der Wahl
(wenn die AfD (deutlich) weniger als 20% erreicht)
von wem abgelöst,
und ob es bereits Björn Höcke selbst sein wird…
Sie dreht jedenfalls komplett frei,
nachdem sie von Bärbel Bas
dahingehend eingenordet wird,
sich doch bitte auch an ihre eigene Fraktion zu richten,
wenn sie sich über die ständigen Zwischenrufe beschwert.
Mit „Sie lassen mich nicht ausreden“
kommt sie also nicht mehr weiter,
also ergeht sie sich in Lächerlichkeit:
„Sie alle hier
haben noch nie in ihrem Leben richtig gearbeitet.
Gehen sie arbeiten!“
Das ist angesichts ihres eigenen Arbeitslebens
so selbstentlarvend,
dass es echt schon weh tun würde,
wäre es nicht Alice Weidel,
Kanzlerkandidatin der rechtsextremen AfD.
Am nächsten Tag kriecht sie dann
auch noch Victor Orban das Hosenbein hoch,
und die AfD
hat zum allerersten Mal
einen eigenen Stand
auf der didacta;
antieuropäische Wertevermittlung.
Auch in Österreich
könnte die Häme größer sein,
die antifaschistischen Kräfte
halten sich aber erstaunlich bedeckt.
Vielleicht war es ja diese letzte Ungeheuerlichkeit,
die zum Abbruch der Koalitionsverhandlungen geführt hat:
Die FPÖ schlägt nebenbei
einen neuen Straftatbestand vor:
Das „Gutheißen der illegalen Einreise“
soll künftig mit irgendwas bestraft werden.
Okay.
Vielleicht war es aber auch das Leak der Verhandlungsprotokolle,
die wieder irgendein unbescholtener Passant
auf einer verschneiten Parkbank am Prater gefunden hat.
Am Folgetag,
nachdem der verhinderte „Volkskanzler“
den Regierungsauftrag wieder zurücklegen musste,
fordert er umgehend Neuwahlen,
was soll er auch machen?
Auf Wien marschieren?
So weit,
so Nazi.
Die letzte Forsa-Umfrage
bei deutschen Wähler*innen bis 29 Jahre
überrascht da schon mehr:
Die SPD erreicht gerade so 7%.
Die FDP 6%.
Die CDU 16%.
Die AfD 17%.
Die Grünen 19%.
Die Linke 19%.
Die Zwischenergebnisse
der gerade laufenden Juniorwahl (also unter 18)
sind fast noch überraschender:
Danach wäre eine stabile Koalition möglich
aus Linken, SPD und Grünen,
die zusammen auf gut über 50% kommen würden.
Das ganze übrigens unter Führung der erstgenannten.
Die rechte Opposition (CDU, AfD)
würde dabei auf kaum mehr als 30% kommen.
Nur zur Erinnerung:
In den Neunzigern
hat sich der Wind
auch ziemlich schnell mal gedreht.
Aber:
München.
Der Zynismus gewinnt schnell
gegen die Betroffenheit,
auf allen Seiten:
Ein IS-Freak
fährt mit einem Fiat
in eine ver.di-Demo,
zwei Menschen,
eine Mutter und ihre zweijährige Tochter,
überleben nur noch einen weiteren Tag.
Der Attentäter ist gefasst
und kann von niemandem Gnade erwarten.
Die Rechte jedoch
hat gar keine Probleme mehr damit,
ihre Hässlichkeit zur Schau zu stellen:
„Nun war München dran
und weitere Taten werden leider folgen.
Trauer und Wut mischen sich.
Wer vor dem Hintergrund
mörderisch verfehlter linker Politik
nun wieder gegen rechts demonstrieren will,
spuckt vor den unzähligen Opfern aus
und ist ein ideologisches Charakterschwein!“
Sowas fällt nur unserem Poggi ein.
Und vor allem der erste Satz
kann auch ziemlich selbstverräterisch
analysiert werden.
Denn woher weiß der André das so genau?
Weiß der was, das wir nicht wissen?
Meine Verschwörungstheorie dazu
geht momentan so:
Weil den Faschos
das mit dem Bürgerkrieg
nicht schnell genug geht,
haben sie IS-Schläfer angeheuert,
um die dann,
von Putin bezahlt,
auf deutsche Zivilist*innen loszulassen.
Auch die jüngste Tat passt dabei ins Bild,
denn wenn die Linken
es dann immer noch nicht kapieren,
wenn sie selbst zu Opfern werden,
dann müssen sie eben
zu ihrem reinrassigen Glück gezwungen werden.
Oder, weil so weit sind wir ja noch nicht,
wie es ein Freund von unserem Poggi
noch etwas zurückhaltender ausdrückt:
Eigentlich nicht so schlimm,
Mutter und Tochter
waren doch nur Linke.
Mehr Verkommenheit braucht es nicht
für einen Krieg.
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 153.
Der Grüne Tisch wird aufgebaut. Montag: Kiew wird mit Drohnen attackiert. Auf Kramatorsk fallen Gleitbomben. Polen kündigt Rekordinvestitionen von 155.000.000.000 an. Das Geraune vom Kriegsende hebt erneut an. Dienstag: Gleitbomben treffen ein Dorf in Saporischija. In Poltawa fällt der Strom aus, Kraftwerke stehen in Brand. Jasenowe (Donezk) ist „befreit“. Selenskyj kann sich die gehaltenen Gebiete in Kursk als Tauschmasse vorstellen. Mittwoch: Kiew wird am Morgen mit Raketen angegriffen. Die Regierung bietet aktuell einen Monatssold von 2.900 und einen Bonus von 23.000 für jeden der sich innerhalb des nächsten Jahres abschlachten lassen möchte. Pistorius trifft sich in Brüssel erstmals mit Pete Hegseth, ein „sehr, sehr fruchtbares Gespräch“, die ukrainischen Kriegsziele schätzt der US-Verteidigungsminister als „unrealistisch“ ein, besonders den Nato-Beitritt und die Grenzen von vor 2014. Trump und Putin telefonieren zum ersten Mal miteinander. Danach erst sprechen Trump und Selenskyj. Donnerstag: Deutschland liefert 6.000 bewaffnete Drohnen an die Ukraine. Klingbeil und ACAB sind unzufrieden mit den angekündigten Geprächen, die über die Ukraine hinweg geführt werden, Pistorius mag nicht am Katzentisch sitzen, Scholz will keinen Diktatfrieden. Hegseth beteuert: „Das ist kein Verrat.“ Der Hafen in Odessa wird von Drohnen attackiert. Wodjane (Donezk) ist „befreit“. Momentan sucht das Rote Kreuz in der Ukraine nach 50.000 Vermissten. Bereits zwei Drittel des von der Ukraine besetzten Gebietes in Kursk sind wieder verloren. Freitag: Der Sarkophag in Tschernobyl wird von Drohnen getroffen, der Kreml distanziert sich. JD Vance verrät die Ukraine auf der SiKo. Datschne und Selene Pole (Donezk) sind „befreit“. Kiew macht den USA ein erstes Angebot bezüglich seltener Rohstoffe. Steinmeier sagt auf der SiKo: „Unsere Bundeswehr muss stärker werden. Nicht um Krieg zu führen, sondern um Krieg zu verhindern.“ Samstag: Der Krach in München übertönt den an der Front. Sonntag: Laut Sondergesandtem Kellogg soll Europa nicht an den Friedensgesprächen in Saudi Arabien teilnehmen. Ein EU-Sondergipfel in Paris wird einberufen. Die Außenminister der USA und Russland telefonieren erstmals miteinander. Polen spricht sich gegen europäische Streitkräfte aus, wohlwissend, dass die alleine nicht reichen würden. Russland und die USA würden nun über Frieden und nicht über Krieg sprechen, sagt Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Binnen der letzten 24 Stunden ist es in Donezk zu 261 Gefechten gekommen. Gute 100 davon allein um Pokrowsk. Bei Mykolajiw explodiert ein Heizwerk, 10.000e sind ohne Strom und Wärme. Selenskyj sieht den nächsten Krieg schon kommen: „Wir glauben, dass Putin Krieg gegen die NATO führen wird.“ Putin warte möglicherweise „auf eine Schwächung der NATO“, zu der es dadurch kommen könnte, „dass die Vereinigten Staaten von Amerika darüber nachdenken werden, ihr Militär aus Europa abzuziehen.“ Die wahrscheinlich letzte russische Offensive in Kursk beginnt.
Und während es nach der Schlappe
für die Rechte in Österreich
zum nächsten Messerattentat (Kärnten) kommt,
das genauso die oben gesponnene Theorie bestätigen könnte
wie es beklagenswert ist,
kündigt die Nato,
noch vor Beginn
der Münchner Sicherheitskonferenz
eine Erhöhung der Beiträge an,
um fast das doppelte.
Der Dritte gibt sein x-tes Stelldichein.
Alle Player sind am Start
um irgendwas zu retten,
als letztes aber den Frieden
oder gar die Demokratie.
Selenskyj ist am Start.
Alle europäischen Staatsoberhäupter auch,
sowie deren eventuelle Nachfolger.
Alle sind am Start,
nur Russland nicht.
Wie wenig es um den Frieden geht,
demonstriert,
bei allem Getöse um Friedensverhandlungen,
der US-Vizepräsident,
der ja wirklich allen Ernstes J.D. Vance geworden ist,
und der sich mit dieser Show hier
der Welt vorstellt:
Er wirbt auf offener Bühne
für eine Zusammenarbeit
der deutschen Regierung mit der AfD.
Dann beschimpft er die EU,
droht halbherzig US-Truppen für die Ukraine an
und will aber eigentlich nur
die Meinungsfreiheit retten.
Zum Schluss sagt er dann auch noch das hier:
„Trust me, I say this with all humor,
if American Democracy
can survive 10 years of Greta Thunberg scolding,
you guys
can survive a few months of Elon Musk.“
Deutlicher kann
der Technofeudalismus
(siehe weiter unten)
kaum noch werden.
Nach seinem Auftritt
trifft er sich natürlich mit Alice Weidel,
gerüchteweise im Hofbräukeller
gleich um die rechte Ecke.
Auf der Konferenz aber
bleibt im direkten Anschluss
der beliebteste deutsche Politiker
erfreulich stabil:
Nicht jede Minderheit habe automatisch auch recht,
nur weil sie sich als Minderheit veropfert.
Das Motto der Bundeswehr sei ja nicht umsonst:
Wir kämpfen dafür, dass du gegen uns sein kannst.
Auch Scholz hält dagegen,
soweit ihm das noch möglich ist:
Sowas gehört sich nicht
unter Freunden und Verbündeten.
Sogar Merz erklärt mit übergeschlagenem Bein:
Redefreiheit bleibt Redefreiheit,
aber Fake-News, Hetze und Beleidigung
bleiben durch das Grundgesetz beschränkt.
Andere US-Stimmen
beteuern hinter den Vorhängen
wenigstens noch den Zusammenhalt der Nato,
vielleicht reichen ja auch nur 3,5%,
der Robert hat sowas ja auch gesagt.
Am nächsten Tag legt dann auch Macron noch nach;
die europäische Brandmauer steht noch.
Meint auch Selenskyj
und fordert folgerichtig,
dass Europa sich anpassen müsse,
und eine europäische Streitkraft
nötiger sei denn je,
die Demokratie stirbt schon länger
nicht mehr nur in der Dunkelheit.
Unterdessen
frieren auf dem Marktplatz des hiesigen Weltkulturerbes
gute 500 Menschen für die Wehrhafte Demokratie.
Soweit alles schick.
Schicke Reden,
schicke Songs,
schicke Leute.
Problematisch ist daran
aber leider auch einiges.
Erstens:
Die Opfer von München liegen gleichzeitig noch im Sterben,
die Rechten verhöhnen die Menschen auf dem Markt
als Charakterschweine und bekommen dafür auch noch Beifall.
Zweitens:
Die Parolen greifen nicht mehr,
in Athen drängeln sich nur Eulen aneinander.
Drittens:
Von knapp 24.000 Einwohner*innen
waren also knapp 23.500 nicht da.
Viertens:
Ohne AfD-Stand hat nicht mal die Antifa was zum Hassen.
Fünftens:
Dieser Frieden muss
von sechs Wannen geschützt werden.
Sechstens:
Es ist scheißkalt
im letzten Schützengraben des Widerstands.
In Other Wars
kommen die Verhandlungen
zwischen Gaza und Israel
schon wieder ins Stocken,
die 40 Tage Gnadenfrist sind bald rum,
die Hamas beklagt,
die IDF hielten sich nicht an die Waffenruhe.
Trump kündigt umgehend die die „Hölle“ an,
wenn sich bis gestern nichts bewegt hat,
Truppen werden wieder in Stellung gebracht,
Kampfjets steigen auf.
Am Donnerstag lenkt die Hamas ein;
bis zur nächsten Charge Geiseln.
Trump kümmert sich wieder
um irgendwas anderes,
Hauptsache die Disruption
lässt nicht nach.
Shift
oder: Technofeudalism Breakthrough
– Barron Trump,
der 2,07m große Frisurensohnsohn
hat seit kurzem ein eigenes Facebookprofil.
Darauf stellt er mehrfach am Tag
ganz harmlose Fragen.
Zum Beispiel diese hier:
„Would you trade in
your current phone
for the XPhone
if it means you get full Starlink connectivity
anywhere, anytime?
A) Absolutely
B) No way“
Elon Musk gefällt das.
– Barrons Vater kündigt zu Beginn der Woche
allgemeine Zölle an,
auf Stahl und Aluminium (25%).
– Die EU warnt:
Das ist wirtschaftlich kontraproduktiv
und rechtswidrig;
in dieser Reihenfolge.
– Die Verfassungskrise ist inzwischen so groß,
dass auch bei MSNBC schon unklar ist,
wie viele Watergates
das in den letzten Tagen allein wieder waren.
– J.D. stellt die Kontrolle der Exekutive
durch die Judikative infrage
(aber nur wegen DOGE).
– Trump bleibt unbeirrbar
bei seinem Gaza-Kurs.
– Seine Zustimmungswerte steigen,
ganze 70% geben zu,
Trump hält seine Wahlversprechen.
– Die Verbraucherschutzbehörde
kann also geschlossen werden.
– Der Umgang mit USAID
wird mit dem Umgang mit den öffentlichen Ausgaben
in Berlin verglichen,
im Jahr 1933.
– Die Resistance zählt inzwischen
über 40 Klagen.
– Pete Hegseth
benennt „Fort Liberty“ um
zu „Fort Bragg“
(aber nicht etwa der Conderationsgeneral,
sondern Roland L. Bragg, ein WW2-Hero.
– Elon (and Friends)
bieten 100.000.000.000 für OpenAI.
Deren Chef Altman sagt:
Nein, danke.
Aber für 10.000.000.000
würde er X kaufen…
– Project 2025 ist schon wieder fast durchgespielt:
Der Senat bestätigt dessen Architekten,
Russell Vought,
zum Chef für die Staatsausgaben.
– Die Schulaufsichtsbehörde verliert
gleich danach 900.000.000.
– Das Time Magazine
hat Elon Musk
alleine auf dem Cover,
hinter dem Präsidentenschreibtisch.
– Trump übernimmt dafür
den Chefsessel im Kennedy Center of Performing Arts,
weil er nämlich von Kunst richtig was versteht.
– Zur Ablenkung belebt er den Plastestrohhalm wieder.
– J.D. ist da schon in Europa
und in Paris gegen internationale KI-Regeln.
– Der Papst schreibt einen bösen Brief an die US-Bischöfe,
ob bei denen die Kreuze nach richtig herum hängen würden.
– Trumps Namensidee für Grönland (engl. Greenland)
ist: Red, White and Blue Land.
– Wie schwer wäre es eigentlich,
wenn sich alle um ihn herum verschwören könnten,
und jeder ihn glauben lässt,
dass das alles wirklich passiert,
was er sich da am Schreibtisch ausdenkt.
Er darf jedem Land einen neuen Namen geben,
es wird ein Film über die Marsbesiedlung gedreht,
vor dem Lincoln Memorial wird eine Betonfrisur errichtet,
alles so lange,
bis Opa friedlich einschlummert;
soll bei seinem Vater ja auch ganz gut funktioniert haben.
– Der Google Calendar
entfernt den „Black History Month“
mitten im Februar.
– Mitte der Woche dann endlch:
„Die Friedensverhandlungen sollen sofort beginnen.“
Putin und Trump
sollen sich zuerst
in Saudi Arabien treffen,
der Hitler-Stalin-Pakt 2.0
wird schneller eine schale Allegorie
als Merz bis drei zählen kann.
– Die Zwangskündigungen nach DOGE-Analysen
werden vom nächsten Gericht wieder erlaubt.
– Das State Department
bestellt Cyber Trucks für 400.000.000.
– DOGE kriegt noch mehr Macht:
Sämtliche Neueinstellungen des Bundes
gehen ab sofort nur noch über Elons Schreibtisch.
– Auch Chevron entlässt
20% der Belegschaft.
– Tulsi Gabbard wird vereidigt,
und einem AP-Korrespondenten
wird der Zutritt zum Weißen Haus verwehrt,
die Medien sollten daran gehindert werden,
Lügen zu verbreiten;
zum Beispiel,
dass Donald Trump dabei vergessen hat,
die neue Geheimdienstchefin einzuschwören.
– J.D. Vance,
kaum in München angekommen,
versetzt Olaf Scholz.
– Trump kündigt an,
er will mit Putin und Xi darüber sprechen,
die Verteidigungsausgaben der Länder
um die Hälfte zu kürzen.
– Inzwischen erscheinen DOGE-Daily Reports of Fraud (Betrugsberichte),
aufgelistet darin sind aber nur Vorgänge,
die nicht zu Trumps Politik passen.
– Das Weiße Haus
postet am Valentinstag
auf X:
„Roses are Red,
Violets are Blue,
Come Here illegaly,
we’ll deport you.“
Kein Witz.
– Die Inflation
zieht weiter
mächtig an,
alles wird
immer schneller
immer teurer
für alle.
– Trump zitiert
Napoleon Bonaparte
oder wahlweise
Carl Schmitt
auf X:
„Derjenige, der sein Land rettet,
bricht keines seiner Gesetze.“
Würde er das wirklich ernst meinen,
müsste Luigi Mangione
weiter ungehindert durchs Land morden dürfen.
Stattdessen kriegt der aber nur 300.000 Spenden
für seine Anwälte.
Was für ein geiler Prozess
wird das bitte werden?
Aber auch der gesund gebliebene Rest der USA
hatte mal wieder was zu retten,
nämlich die Super Bowl Halbzeit Show.
Da ich mich im Rap Game eher so mittel auskenne,
musste ich mir die Bedeutung
von Kendrick Lamars Komplettabriss
erst durch unzählige Youtube Videos erschließen.
Aber ich sag mal so:
Da wurde noch mehr abgezogen
als für fünfzehn Minuten
auf die wahren Täter einzuprügeln,
ohne dass dabei auch nur irgendjemandem
ein Haar gekrümmt worden wäre.
Rap at its truest.
Serena Williams’ Crip Dance
ist dabei nur eine Kirsche
auf der großen Torte,
die dem Patriarchiat da ins Gesicht geschleudert wird.
Der schwarze Eminem
spielt also Diss-Rap durch
und sackt den Nobel Beef Preis ein,
während Uncle Sam-uel Jackson
dem Frisurensohn ins Gesicht lacht.
Der ist dann auch lange vor Abpfiff verschwunden,
und das auch nur,
um Taylor Swift auf Truth Social anzupöbeln,
die trotz der vielen Buhrufe
bis zum Ende geblieben ist,
um mit den Verlierern mitzfiebern
(die Kansas City Chiefs verlieren
so brutal wie selten ein Team zuvor).
Wie ich von
American Football
jetzt zum
Technofeudalismus
kommen soll,
das weiß ich auch nicht.
Ich weiß nur,
dass die Deadline
in weniger als zwei Stunden einschreiten wird,
und ich weiß,
dass sich „Themen“
heutzutage
so schnell abwechseln können
als würde alles
mit allem zusammenhängen.
Ich hole aber auch deswegen
hier nicht all zu weit aus,
weil ich mich gerade erst einlese,
bzw.
mein Klassenbewusstsein erweitere.
Die Sache ist nämlich so:
Der Kapitalismus ist bereits tot.
Was aber keine gute Nachricht ist.
Denn:
Wir leben bereits
in einer noch schlimmeren Gesellschaftsform,
eben in diesem Technofeudalismus.
Das sagt jedenfalls vorerst noch
erstmal nur so ein Linker,
nämlich Yanis Varoufakis,
der griechische Halbgott des Postkapitalismus.
Der Turbokapitalismus
ist demnach nur eine kurze Verpuppungsphase gewesen,
in der sich das Kapital
in Cloud-Kapital verwandelt hat,
über das nur noch eine Handvoll Tech-Oligarchen verfügt,
ohne dabei verstanden zu haben,
was für eine Minotaurusmutation
sie dabei geschaffen haben.
Noch sind die Phänomene
nur selten wirklich greifbar,
und noch lerne ich sie zu verstehen.
Aber wundern sollte sich keiner mehr,
wenn auch hier in Deutschland
demnächst „hire and fire“ an der Tagesordnung ist.
Commerzbank und Porsche preschen bereits vor:
4000 und 2000 Stellen weniger.
Oder wenn rauskommt,
dass Google Befehle annimmt,
und zwar nicht nur von Trump,
sondern genauso auch
von China
und Russland,
von überall da,
wo sich das Cloud-Kapital verdichtet.
Oder wenn Elon Musk ankündigt,
seine KI-Version, Grok 3,
wurde mit synthetischen Daten gefüttert
und kann damit nur
hundetausendmillionenmilliardenbillionentrillionenundendlich mal
besser sein als alles andere.
Und an dieser Stelle habe ich noch kein Wort
über die CO2-Emissionen verloren,
die der Technofeudalismus braucht,
um seine selbstersponnene Realität
aufrechtzuerhalten…
Anyways,
das Klima war sowieso niemals egaler.
Zum gefühlt 10. Jahrestag
von Fridays For Future
haben die Industrienationen
nicht mal mehr neue Pläne
zur Klimarettung eingereicht.
Geschweige denn
irgendetwas unternommen
als die Preise anzuziehen.
Nur die Luftqualität,
die ist hier immer noch besser als woanders,
in Berlin aber momentan schon schlechter
als in Peking.
Egal,
der DAX bricht den nächsten Rekord,
und die deutsche Touribranche
verzeichnet einen neuen Allzeitrekord
bei innerdeutschen Übernachtungen.
Das Lied,
das ich wöchentlich darüber singen könnte,
erspare ich uns gerne.
Und komme stattdessen zum Basketball,
die Episode ist schließlich reif für die Crunchtime.
Zum All Star Break heißt es
in Los Angeles
immer noch:
Magic Kingdom Come!
Auch wenn Luka,
im Vergleich zu LeBron,
tatsächlich sehr unfit wirkt
und lieber erstmal mitspielt
als aufzudrehen
(im ersten Spiel: 14/5/4 in 23),
sieht jede*r der/die Augen hat:
Sparks on every play!
Der König hält dem Zauberer
die Schlüssel zum Spiel vor die Nase:
„Don’t fit in, fit the fuck out!“
Auf der anderen Seite dieses immer noch unglaublichen Trades
hat die Tragödie nicht lange auf sich warten lassen:
Anthony Davis verlässt nach drei Monstervierteln im ersten Spiel
verletzt das Feld;
mindestens Pause bis zu den Playoffs.
Und als sich der zweite Center der Mavs
auch noch langfristig verletzt,
wird es am besten Ballhandler aller Zeiten liegen,
ob das Team aus Dallas die Endrunde überhaupt noch erreicht.
Und wenn Uncle Drew nochmal Bock hat,
dann kann auch das
immer noch spannend werden.
Und damit zum Ende.
Diesmal eins mit Schrecken:
Buh!
Nächste Woche um diese Zeit
haben wir uns eine neue Regierung zusammengewählt.
Vielleicht bleibt ja wenigstens
die Schneedecke noch so lange liegen,
die bis zum Sonnenuntergang
doch noch ganz ansehnlich geworden ist;
Ach, Winterwunderland,
wärst du doch nur etwas wärmer.

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