Hui,
ganz schön schnell
bis zur Staffelmitte geslidet;
sechs Sonntage in Folge
ohne literarische Atempause
haben #DieDoppeltenZwanziger
so auch noch nicht geschafft;
das Profil
schleift sich ein.
Der heutige Abrutsch beginnt unvermittelt da,
wo der letzte
die Brotkrumen des Post-Eskapismus
hat liegen lassen:
Auf dem rutschigen Abhang
der Post-Satire.
Die tut stur weiter, mehr als sie kann:
John Oliver legt bei seiner Rückkehr auf die Schwarzen Spiegel
eine der Perversionen der US-Verfassung offen:
Er bietet dem schwer korrupten
obersten Bundesrichter Clarence Thomas
einen riesigen Batzen Geld,
wenn dieser sofort zurücktritt,
und wundert sich im selben Atemzug darüber,
dass dieser dieses Angebot
überhaupt annehmen dürfte:
„How is this fucking legal?“
Die Youtube-Ausgabe dieser Fragwürdigkeit
erreicht in den ersten Tagen
jeweils eine Million Aufrufe
und wird genau den gleichen durchschlagenden Effekt haben
wie so viele Versuche zuvor:
keinen.
Hope Questing (formerly known as Doom Scrolling)
heißt ja aber nicht umsonst so,
vielleicht macht ja schon
die nächste Ausgabe den Unterschied.
Also, weiter sliden.
– Damit ist übrigens
für einige viele US-Teenager demnächst Schluss:
In Florida ist Social Media bald für alle verboten,
die noch kein Auto fahren dürfen.
Die Content-Creator werden aber deshalb
nicht weniger müde,
zumal nicht hier in Deutschland,
wo die Post-Satire inzwischen
die widerlichsten Folterungen des Diskurses provoziert:
Hendryk M. Broder vergeht sich mal wieder
am demokratischen Diskurs,
und zwar bei Welt-TV:
Nazi sei ja inzwischen alles,
was nicht grün oder hellrot ist.
Diese gerührte Scheiße
sondert er als Kommentar
zur letzten ZDF Magazin-Ausgabe ab,
Die Kommentarfunktion auf Youtube
wird gar nicht erst aktiviert.
Gut,
zur Wirkmacht von Content-Creator*innen,
Welt-TV und dem ZDF-Magazin
kommen wir später noch mal zurück,
doch zunächst geht die Rutschpartie
auf der Profipiste weiter,
da wo es deutlich weniger zu lachen gibt.
Die Chemnitzer Polizei
hat es zu Wochenbeginn fertig gekriegt,
die Entsorgung der Blumen
eines Gedenkens an die Opfer von Hanau
der Anmelderin in Rechnung stellen zu wollen.
Es bedarf einiges an öffentlicher Empörung,
bis das „Missverständnis“ medial aufgearbeitet werden muss,
wahrscheinlich ist da wieder nur mal
jemand auf der Mouse ausgerutscht.
So
sehr wir auch weiterhin versuchen,
die Handbremse nach oben zu zerren,
in der Hoffnung
erleichtert aufzulachen,
wenn wir kurz vor dem Crash
doch noch zum Stehen gekommen sind,
so sehr bleibt deutlich,
dass die ganze Geschichte
endgültig ins Rutschen gekommen ist.
Beispiel?
Weltkrieg:
Im Schatten von Nawalnys Tod,
der bis in die Wochenmitte
die weltweiten Schlagzeilen beherrscht,
weil er so gut die „Dämonisierung des Feindes“ befeuert,
und in einem weiteren,
verdoppelten Schatten,
der Aufregung um die bevorstehende Auslieferung
von Julian Assange,
ist die EU beinahe geräuschlos in den Krieg eingetreten.
Die „Mission Aspides“ beginnt
im Roten Meer.
Boris Pistorius besucht die Fregatte „Hessen“
und verspricht den Matrosen,
dass das jetzt keine Übung mehr ist,
sondern eine Schutz- und Verteidigungsmission.
Geschützt und verteidigt werden dabei
die europäischen Handelsschiffe.
Deswegen wahrscheinlich auch der Name:
Aspides gilt einigen als
der Schutzgott der Schwachen und Unterlegenen.
Wortwörtlich aus dem Lateinischen übersetzt
heißt Aspides zudem „die Nattern“.
Die Pointe dazu
traue ich mich irgendwie nicht aufzuschreiben.
Aber apropos:
Die EU soll auch in Zukunft
mit der gleichen starken Hand geführt werden
wie bis hierhin:
Ursula von der Leyen (CDU)
möchte gerne weitermachen
und stellt sich für niemanden überraschend zur Wiederwahl.
Ihre Waffenschwester
Marie Agnes Strack-Zimmermann (FDP)
fällt derweil mit ganz schlimmem Bellizisten-Content auf:
Sie lässt sich von ukrainischen Hinterbänkler*innen
zu einem Selfie überreden,
für das sie extra ein neues Shirt überzieht:
In Blau und Gelb
ist darauf ein Wut schnaubender Stierkopf zu sehen,
und darunter steht tatsächlich:
„Zusammen bis zum Sieg!“
Dass sie das anscheinend genau so meint,
zeigt sie auch bei der Bundestagsabstimmung
zu den Taurus-Lieferungen
und lässt ihr Gewissen mit Ja abstimmen,
obwohl die Regierung,
der sie angehört,
dagegen stimmt.
Der Antrag scheitert,
man einigt sich aber auf die Lieferung
„weitreichender Waffen“.
Zeitgleich verunsichern neue Meldungen die Republik:
Hunderte (russische?) Drohnen
werden über Bundeswehrstandorten gesichtet.
Zwischen Berichterstattung
und Kriegspropaganda
verläuft selbst bei der Tagesschau
nur noch eine sehr dünne Linie.
Und Welt-TV sendet derweil
ein Interview seines Starfontreporters Ronzi,
dessen Interviewpartner
zum Jahrestag des Kriegsbeginns
aus der ukrainischen Hauptstadt berichtet,
während der Luftalarm im Hintergrund
auf Anschlag gedreht ist.
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe. Woche 103.
Kiew heißt jetzt Kyjiw. Montag: Die Industrieanlange in Awdijiwka (Kohle, Chemie) ist vollständig unter russischer Kontrolle. Next up: Tschassiw Jar. Robotyne steht vor der „Rückeroberung“. Das Gedenken an die russische „Opposition“ ist in vollem Gange: „Die Europäische Union ist schockiert über den Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, für den letztlich Präsident Putin und die russischen Behörden die Verantwortung tragen.“ Kanada will 800 neue Drohnen an die Ukraine liefern. Dienstag: Im Nordosten der Ukraine (Sumy) sterben Zivilisten nach in russischem Artilleriefeuer. Radio Free Europe ist in Russland ab sofort verboten. Mittwoch: Der nächste Drohnen- und Raketenbeschuss wird von der Ukraine abgewehrt, in Kramatorsk schlagen die Geschosse allerdings ein. Die Ukraine trifft einen russischen Truppenübungsplatz nahe Donezk, dutzende Soldaten sterben abseits der Front. In Krynky (am Dnipro) wird ein Brückenkopf erobert, oder auch nicht. An der Front im Süden wächst der Druck auf die ukrainischen Truppen immer weiter. Auf die russische Botschaft in Berlin dürfen keine Bilder aus dem Krieg projiziert werden. Scholz bleibt noch beim Nein zu Taurus-Lieferungen. Donnerstag: Der russische Vormarsch um Awdijiwka geht ungebrochen voran. Biden nennt Putin einen „durchgeknallten Mistkerl“, der Kreml antwortet mit „Hollywood Cowboy“. Italien bietet auch ein Sicherheitsabkommen an. In Donezk wird das nächste Dorf „erobert“ (Pobieda). Der „Taurus“-Antrag der CDU wird im Bundestag abgelehnt; „weitreichende Waffensysteme“ werden dagegen bewilligt. Bei Lyman und Kupjansk (Charkiw) werden die russischen Truppen verstärkt. Zum russischen „Tag der Vaterlandsverteidiger“ sagt Putin, die russische Armee kämpfe für „Wahrheit und Gerechtigkeit“. Freitag: Odessa wird von russischen Drohnen attackiert. Steinmeier besucht die Colbitz-Letzlinger Heide und die dort trainierenden ukrainischen Soldaten. Dänemark und die Ukraine unterzeichnen ebenfalls ein Sicherheitsabkommen. Bei der UN betont Russland, keine ukrainische Gebiete besetzt zu haben, da diese nunmehr zu Russland gehören. Joe Biden sieht den Kampfeswillen der Ukraine „ungebrochen“. Das deutsche Außenministerium gibt auf X bekannt: „Was für viele schon länger gängige Praxis ist, ändert sich nun auch im ‚Länderverzeichnis für den amtlichen Gebrauch‘. Damit wird jetzt im deutschen Amtsverkehr die ukrainische Schreibweise für Kyjiw verwendet.“ Die Ukraine schießt ein russisches Aufklärungsflugzeug ab. Guiterrez sieht „höchste Zeit für einen dauerhaften Frieden. An der Front gibt es was Neues: Unkrainische Soldaten bauen ihre Kampfdrohnen selbst. Samstag: Zum Jahrestag hisst der Bundestag die ukrainische Flagge. Andrij Melnyk befürwortet Angriffe auf das russische Hinterland. Ukrainische Geschosse treffen Kursk, Tula und Lipezk. Auch der Beschuss von Odessa setzt sich fort. Greenpeace beleuchtet die russische Botschaft in Berlin. Selenskyj zum Jahrestag: „Wir kämpfen seit 730 Tagen unseres Lebens dafür. Wir werden am besten Tag unseres Lebens gewinnen.“ Auch Kanada schließt ein Sicherheitsabkommen mit der Ukraine. ACAB zündet in Odessa Kerzen an, kurze Zeit später muss sie in einen Luftschutzbunker flüchten. Die G7 kündigen dauerhafte Unterstützung an. Sonntag: Über Belgorod und dem Schwarzen Meer werden weitere Drohnen abgefangen, so wie über der gesamten Ukraine. 400 private Firmen produzieren inzwischen in der Ukraine Kriegswaffen. Die ersten Gegenangriffe um Awdijiwka werden zurückgeschlagen. Der Bahnhof von Kostjantyniwka (Donezk) wird zu Staub geschossen. ACAB muss erneut fliehen, dieses Mal vor Drohnen über Mykolajew. Selenskyj korrigiert die bisherigen Verluste um eine Null nach unten, auf 31.000. Desweiteren habe die letzte russische Offensive keine Ergebnisse gebracht, und außerdem habe die Ukraine einen neuen Plan für eine neue Gegenoffensive.
Und gerade
als Julia Nawalny
Wladimir Putin vorwirft,
den Leichnam ihres Mannes
als Geisel zu nehmen,
wird er an dessen Familie überstellt.
Propaganda dient immer auch
der eigenen Profilschärfung.
Und nutzt sich auffallend langsam ab,
auch weil man immer noch was dazu erfinden kann,
nicht nur die Wahrheit kennt keine Grenzen.
Dieser Tage wird nämlich
auch ein doppelter Jahrestag begangen,
der Ukraine-Krieg dauert
nämlich eigentlich
schon zehn Jahre.
Zehn Jahre „Euro-Maidan“,
zehn Jahre Krim-Annexion,
zehn Jahre Krieg im Donbas.
So jedenfalls wiederholt es Wolodymyr Selenskyj
in jedes sich ihm entgegen streckende Mikrofon.
Dass dessen Fall so langsam Gestalt annimmt
(es hagelt inzwischen offene Kritik
aus der ukrainischen Opposition
und größeren Teilen des Militärs),
freut seinen Gegenspieler so sehr,
dass er direkt noch einen draufsetzt,
wie so echte Diktatoren das eben machen:
In Russland sind die Schulbücher
inzwischen umfassend umgeschrieben,
anscheinend von ihm selbst.
Ein Highlight:
Stalin war eigentlich ganz ok.
Nicht nur das Recht,
auch die Geschichte
hat der Politik zu folgen.
Am besten mit einem Rückfall
durch die Zeit.
Dass der Nahostkrieg
auch noch nicht ganz in die Barbarei abgerutscht sein soll,
das soll wohl auch die Tatsache unterstreichen,
dass die finale Offensive in Gaza
erst zu Beginn des Ramadan (in zwei Wochen) gestartet werden soll,
wenn das ägyptische Lager in der Wüste
halbwegs bezugsfertig ist;
der erste Kriegssommer wird heißer
als jeder zuvor.
Dazu kommen bereits auch
kriegsbedingte Umweltkatastrophen,
wie der riesige Schwerölteppich,
der gerade auf dem Roten Meer schwimmt,
nachdem die Huthis
auch mal das richtig schwere Arsenal ausprobiert haben.
Sollte das Schiff übrigens sinken,
würden weitere 41.000 Tonnen Düngemittel ausfließen.
Der Frachter „Rubymar“
war dabei nicht etwa auf dem Weg in die EU,
sondern nach Dschibuti.
30 Kilometer lang ist die Öllache aktuell,
und den oberflächlich schmierigen Gag dazu
spare ich mir;
Post-Satire kann zwar,
muss aber nicht alles.
Denn außerdem haben wir ja auch
endgültig die Kontrolle über das Klima verloren,
beziehungsweise hat die seit 250 Jahren
völlig ungebremste globale Industrialisierung
(aka Ressourcenverbrennung im Namen des Fortschritts)
die Kontrolle übernommen:
Der ausgehende Februar
ist natürlich wieder mal
der wärmste aller Zeiten;
auf den Durchschnittstemperaturskalen
setzt das neue Jahr
gleich mal sehr weit
über dem Durchschnitt an.
Eine maritime Hitzewelle
vernichtet unendliche Korallenriffe
im Golf von Mexiko.
Aber der Fortschritt
torkelt durstig weiter:
Grünheide (Brandenburg)
muss sich schon wieder wehren,
Tesla kriegt einfach nicht genug
und möchte weiter ausbauen.
Also noch mehr
Wasser und Energie verbrauchen.
Und es gibt immer noch Abiturient*innen,
denen gezeigt werden muss,
dass Elon Musk
einer der narzisstischsten Egotaktiker
der Weltgeschichte sein dürfte,
der aber wirklich auch überall
seine Pfoten mit im Game hat:
Die „Nova-C“
startet an Bord einer SpaceX-Trägerrakete
vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral
im US-Bundesstaat Florida
ins All.
Der „Nova-C“-Lander
mit dem Spitznamen „Odysseus“
ist etwa so groß wie eine altmodische britische Telefonzelle,
hat Aluminium-Beine,
wiegt rund 700 Kilogramm
und kann etwa 130 Kilogramm Ladung befördern.
Und:
weil es auf dem Mond nicht regnet,
besteht absolut keine Rutschgefahr.
Zudem hat der US-Künstler Jeff Koons
125 Miniaturskulpturen aus rostfreiem(!) Stahl mitgeschickt.
Okay…
Scheren wir also zwischendurch
mal schnell rechts
auf den Bremsstreifen für Schwerlast aus,
die Reifen dieser Episode
haben bald ihr letztes Profil verloren,
und kommen zu etwas unverrückbarem.
Sowas wie Autobahnbrücken,
oder hunderte Jahre alte Eichen.
Richtig,
wir sind beim aktuellen Lieblings-Thema
der Chronik angekommen:
Faschos.
Denn es bereitet weiterhin Freude,
und die Abwechslung tut noch immer zu gut,
denen beim (zwischenzeitlichen) Abrutschen zuzuschauen:
In Schkopau bläst ein strammer Gegenwind
durch das Gebälk des neurechten Rattenlochs,
die Wehrhafte Demokratie läuft Klingelsturm.
In Schnellroda schaut der Schwarze Block vorbei,
weswegen bereits am letzten Sonntag
die Winterakademie des „IfS“
vorzeitig abgebrochen werden musste.
1.000 Menschen empfangen
Andre Poggenburg in Berlin,
1.000 mit denen er eher nicht gerechnet hat;
nicht mal für die Feindpropaganda eignen sich die Bilder.
„Proteste gegen Rechts“
gibt es jetzt sogar schon in Bernburg (!).
Es scheint nur noch eine Frage von Wochen,
bis es auf der ersten dieser Demonstrationen
mal häßlich wird;
den Ratten ist es nur noch zu kalt.
Und S-As finest,
Ulrich Siegmund,
wird in Magdeburg
als Sozialausschussvorsitz abgewählt.
Das allerdings ist eine eher schlechtere Entwicklung,
denn sein Nachfolger ist niemand geringeres
als Hans-Thomas Tillschneider.
Da mir aber auch dieses „Thema“
heute gerne entgleiten will,
versuche ich mich zur Abwechslung mal
als Verschwörungstheoretiker:
Ist es möglich,
dass die AfD
und der ganze stinkende Scheißhaufen,
der an ihr klebt,
vielleicht einfach nur eine Erfindung
der Post-Merkel-CDU sind?
Ein perfider Hebel bei der Diskursverschiebung
zurück in die 1980er?
Ist die AfD nur der rechtsextreme „Bailey“
zur rechtskonservativen „Motte“ der Union?
War das also Gaulands Opfergang?
Was weiß Merz?
Und welche Rolle
spielt dabei
Maximilian Krah,
der ebenfalls bis 2016 in der CDU war?
– Aber Vorsicht,
liebe True Conspiracy Fans,
Kaninchenlöcher sind und bleiben
eine äußerst rutschige Angelegenheit.
Gut.
Wenn wir also gerade mal wieder
beim Namensvetter
der Hitlerparodie
aus den Abenteuern des Alfred J. Kwak
angekommen sind:
„Das ist keine Satire mehr!“
Das haben jetzt auch endlich
die Feinde des „Staatsfunks“ mitgeschnitten.
Denn Jan Böhmermann
hält an seinem Geburtstag,
was gleichzeitig der Jahrestag
der Enthauptung der Weißen Rose ist,
weiter stur, frisch gekeult und hochentspannt
seinen Kopf hin
und rasiert weiter munter drauf los.
Auf dem Barbierstuhl sitzt
nämlich eben dieser Maximilian Krah,
das Rundfunktanzorchchester schmettert
„Schrei nach Liebe“,
und der letzte Rest des Bildungsbürgertums
kriegt auch noch mit,
dass Tik Tok
nichts anderes ist,
als ein Slideway
in die Hölle
der rechtsextremen Propaganda,
auf dem den Wähler*innen von morgen
direkt von Faschos
„in die Köpfe gesendet“ wird.
Vor lauter Schreck rutschen da sogar
ein paar Herzen in braune Reiterhosen:
Die „Werte Union“
hat nur drei Tage nach ihrer Gründung
gleich zwei Schwergewichte weniger.
Max Otte (ex-CDU)
und Markus Krall (ex-CDU, ex-Degussa Goldhandel)
treten aus,
das ist denen alles noch nicht nahe genug
zur AfD.
Eine vorzügliche Dünnschiss-Pointe
lässt sich auch immer zu Sebastian Kurz finden,
aber zum Abschied aus der Schmuddelecke
bleibe ich heute bei einer einfachen Meldung:
Der Ex-Kanzler Österreichs
wird wegen Falschaussage
zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt.
Darf dem also erstmal
nichts beschissenes mehr rausrutschen.
(Jetzt ist sie mir doch noch entfleucht,
sorry, not sorry.)
Die Rutsch-Metapher
ist derweil noch immer nicht
an ihrem Ende angelangt,
über Profillosigkeit lässt sich momentan
so einfach schreiben,
dass es geradezu flutscht:
Die Treckerreifen wollen einfach stillstehen,
die „Bauernproteste“
fahren sich kurz vorm Frühling
das Profil bis auf die Felgen runter,
die nutzlosen heiße Luft-Speicher
werden somit einfach abgefackelt,
wo es am meisten Aufmerksamkeit erregt.
Zum Beispiel hier,
also in der unmittelbaren Nähe,
der Bördemetropole,
noch genauer in der „StadtOase“,
wie gestern tatsächlich geschehen,
als die „Wut-Bauern“ (BILD)
fast eine Stunde lang
den Besuch der Bundesvorsitzenden der Grünen
sabotiert haben.
Auch in Hirschaid (Bayern)
musste eine Veranstaltung der Grünen abgesagt werden,
wegen akuter Rechtsrutschgefahr.
Und auch im Rest von Europa
kippen die Bauern
weiter demokratiezersetzende Gülle auf die Straßen:
Tausende Griechen veranstalten
einen Trecker-Konvoi nach Athen.
In Polen haben die Birnenpflücker
derweil auch völlig den Anschluss verloren:
„Putin, räum mit der Ukraine auf,
mit Brüssel und mit unserer Regierung“,
das ganze auch noch unter Sowjetflaggen.
Damit dann rüber zu den Stars and Stripes,
kein Abrutsch ohne den Frisurensohn.
Laut Fox-News
droht demnächst ein massiver Streik
der Truckdriver,
und zwar pro Trump;
Klassenkampf ganz neu gedacht.
Aber noch bevor die 47. Kolonne Putins
ins Rollen kommt,
gewinnt Donald Trump
schon die republikanischen Vorwahlen in South Carolina,
also dem Bundesstaat seiner letzten verbliebenen Konkurrentin Nikki Haley,
die allerdings mit ihrem Ausscheiden
noch bis zum Super Tuesday,
in etwas mehr als einer Woche,
warten will.
Solange können auch noch
die ganzen Renter*innen im Heartland warten,
die mit der Wahl Trumps
ihrer demokratisch verzogenen Brut an den Küsten
erneut eins auswischen will.
Das Phänomen hat neuerdings
auch einen absolut treffenden Namen:
Silver Tsunami.
Und auf dem surfen wir also
schnell noch zum Sport,
bevor die Deadline das Streusalz rausholt.
Und nein,
dabei geht es heute ausnahmsweise mal
um Fußball,
beziehungsweise um Tennisbälle,
denn die flogen seit Wochen
auf deutsche Bundesligarasen,
weil die Bundesliga
irgendwelche glitschigen Investoren
ins Ball-Geschäft reinsliden lassen wollte.
Aber: Eigentor, weil im Strafraum weggerutscht.
Und weiter am Abdriften
ist schlussendlich auch immer noch
die deutsche Wirtschaft.
Das Wachstumschancengesetz
will sich einfach nicht verabschieden lassen,
eine light Version zwar schon,
aber die Union kündigt bereits
die Blockade im Bundesrat an.
Da rutscht allen auch leicht mal durch,
dass der Finanzminister
die Sozialausgaben
zugunsten der Rüstungsindustrie
einfrieren möchte.
Weil es nun also doch
immer noch
ziemlich kalt ist,
gibt es in dieser Woche
dann endlich den viel zu lang ersehnten heißen Kräuteraufguss:
Am Freitag passiert die Cannabislegalisierung
mit exakt 420 Dafür-Stimmen den Bundestag.
Quatsch, es waren natürlich exakt 407:266 Stimmen,
und der Bundesrat muss ja auch noch zustimmen.
Aber die Tagesschau macht schon mal Werbung
für die Zukunft,
nämlich mit dem Vorbild Uruguay:
Seit zehn Jahren wird da frei gekifft,
es ist keine signifikante Verschlechterung
von irgendwas zu erkennen,
verkauft wird in lizensierten Apotheken.
Das einzig wirklich halbwegs zu Ende gedachte Detail
des deutschen Versuchs
ist übrigens die Verschärfung des Strafmaßes
für Menschen, die Cannabis an Kinder abgeben.
Wohl in diesem Sinne bringt Welt-TV
auch die schrägste Splitscreen-Maz der Woche:
Rechts wettert irgendein CDUler
gegen die Freigabe „noch einer Droge“,
während links ein Basiskurs Cannabis läuft;
Anbau, Ernte, Verarbeitung, Konsum;
fescher geschnitten als
jedes Drogenverherrlichungsvideo auf YouTube.
Der zwanzigste April 2024
wird für viele der erste etwas andere
nationale Feiertag ihres Lebens.
Let It Be (Hidden Story)
Der Brillenträger schlurfte kurz vor Sonnenuntergang gemeinsam mit seinem jüngeren Kollegen und baldigen Vater vom Bahnhof nach Hause; endlich Wochenende. Auf der Bahnhofsbrücke über der Bode wehte ein kalter Wind, das Wasser rutschte nur so nach Osten. Von der linken Seite der Brücke wehte in gleicher Richtung herbsüßer Duft zu ihnen herüber. „Guck, die feiern schon!“
„Klar, sind ja och Junke, die sind nu ma schon immer voreilig jewes’n.“
„Wieso? Meinste, irgendwer kippt das Gesetz noch?“
„Ach, warum denn? Die CDU blubbert nur ein bisschen im Populismustank. Viel ändern wird das Gesetz nich’, außer dass wir alle ab jetz’ öfter ma so was riechen werden.“
„Gar keene Angst um unsere Jugend, oder so?“
„Die haben größere Sorgen, glaub’ ich.“
„Kann sein. … Habt ihr noch Platz im Garten?“
„Für Zierpflanzen immer.“
„Und? Lasst ihr wachsen?“
Der Brillenträger schaute nur über seinen Brillenrand, als sie sich kurz vor Beginn der großen Null verabschiedeten. Dann schlurfte er nach Hause und ließ das Leben für diesen Abend gut sein.
„And when the broken hearted people
living in the world agree,
there will be an answer,
let it be.
For though they may be parted,
there is still a chance
that they will see:
There will be an answer,
let it be.“
(The Beatles. 1970)
Also schön,
die Staffel gleitet dann mal
maximal gechillt
in die obligatorische Halbzeitpause.
Bis zur Fortschreibung
war ich dann auch schon beim Reifenwechsel,
habe meinen Badezimmerfliesen
mehrfach beim Trocknen zugeschaut
und mir so ein lustiges gelbes Schild
bei Temu bestellt:
Caution!
Wet Floor!
Bis dahin:
Weiterhin Guten Rutsch!

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