Staffelpausen sind doch auch
schon wieder Schnee von gestern!
Entschleunigung?
My ass!
Hätte ich die Review nicht
eben noch schnell umschreiben müssen,
wäre sie auch heute schon
wieder irrelevant gewesen.
Die Pandemie wird gerade erst
ein halbes Jahr alt,
die USA steuern auf
den dramatischsten Wahlkampf aller Zeiten zu,
große Teile des Planeten brennen wie noch nie,
und die NBA-Finals stehen endlich vor der Tür.
Nur weil noch nicht alle
komplett durchgedreht sind,
ist es nicht so, dass der Arsch
nicht doch schon reichlich Kirmes hätte!
Für Staffelpausen und coole Sprüche
ist einfach keine Zeit,
weil sonst einfach mal noch viel mehr
undokumentiert bleiben würde.
Zum Beispiel, dass Hans-Thomas Tillschneider
AfD-Vorsitzender in Sachsen-Anhalt werden möchte.
Damit würde der Schulterschluss
ins rechtsextreme Lager abgeschlossen,
zumindest im Osten.
Immerhin dürfte das eher Stimmen kosten,
aber dass so was überhaupt möglich ist,
hätte noch vor ein paar Jahren
auch niemand gedacht.
Außerdem ist die Landtagswahl
schon nächstes Jahr:
Zu wenig Zeit,
um Dummes
nicht zu wiederholen.
Zurück zum Wesentlichen,
ja, die Pandemie nimmt wieder Fahrt auf.
Und zwar so richtig.
Alarmisten klatschen schon in die Hände:
Haben wir euch doch gesagt!
Im Schnelldurchlauf:
In Indonesien wissen sich die Behörden
schon nicht mehr anders zu helfen
und schicken „Geister“ zur Aufklärung ins Land.
Menschen mit übergehängten weißen Laken
ziehen durch die Städte
und warnen die Bevölkerung.
In Afrika ist es Beifuß,
von dem sich Heilung versprochen wird.
Vor lauter Verzweiflung
beteiligt sich sogar die WHO
dort an Forschungen.
Aber vielleicht, vielleicht…
Die in den USA für Anfang November
prognostizierten 200.000 Todesopfer
sind bereits heute gezählt;
weltweit sterben im Schnitt
täglich 5.000 Menschen
an den Folgen einer Infektion.
Seit Rosch ha-Shana (Neujahr)
ist ganz Israel im zweiten Lockdown,
Krankenhausbetten werden knapp.
Weite Teile des UK sind bereits
oder stehen ebenfalls an dieser Stufe.
Während in Irland die Pubs wieder öffnen sollen,
verhängt Wales den nächsten Lockdown.
In Madrid sind ganze Stadtviertel abgeriegelt,
natürlich die dicht besiedelten Arbeiterghettos.
In allen Nachbarländern
und auch hier steigen die Infektionszahlen
rasant wieder an.
Sogar die gesamte Abiturstufe
eines Magdeburger Gymnasiums
darf gerade erleben,
was das für Konsequenzen hat,
als sie aus Amsterdam zurückkehrten,
das zwei Tage vorher
zum Risikogebiet erklärt worden war.
10 Tage Quarantäne.
Die deutschen Großstädte,
allen voran München,
reißen zusehends die 7-Tages-Inzidenzen.
Wann ist es Köln, wann Hamburg,
wann Berlin? (edit: heute, Friedrichshain-Kreuzberg)
Und was ist dann?
Der Bundesgesundheitsminister stellt heute
ganz gelassen seinen Plan vor:
Nächsten Dienstag treffen sich die Länderchefs.
In Sachsen-Anhalt sollen demnächst
die Diskotheken und Clubs
wieder öffnen dürfen,
wahrscheinlich dann ohne Ausschank
und mit Mindestabstand,
was genauso cool
wie wahrscheinlich ist.
Die Infektionen im Blankenburger Klinikum
oder die Quarantäne
der Basketball-Regionalligamannschaft in Aschersleben
sind dann aber bestimmt
schon wieder vergessen.
Alles sicher nur Fehlalarm.
Je schneller die Zahlen wieder steigen,
desto dümmer werden die Ausreden,
desto leichtsinniger
erscheint jeder weitere Schritt.
Auch weltpolitisch ist alles
nur noch hektisch über‘n Ecktisch
und weit und breit
keine Verbesserung in Sicht.
Die diplomatischen Entspannungen
im Nahen Osten
werden von den USA
als nobelpreisverdächtig hingestellt.
Gleichzeitig werden schon die ersten
Drohnendeals mit den beteiligten Staaten verhandelt.
Hauptsache es geht irgendwie weiter.
Da können legendäre
oberste Bundesrichterinnen sterben,
im nächsten Newscycle ist das schon wieder
weit zurückliegende Vergangenheit.
Nur noch ein weiteres,
brennendes Streichholz
in das überlaufende Ölfass
der Menschheitsgeschichte.
Und als ob das alles (und noch viel mehr)
nicht schon wieder mal genug wäre:
Die Klimastreiks sind immer noch da!
Am Freitag gehen sie in die 111. Runde.
Was für eine Ausdauer!
Mitsamt Verklagen der EU
und allem Drum und Dran.
Wäre nicht alles eh schon so abgefuckt,
niemanden würde ich mir mehr
auf der richtigen Seite
der Geschichte wünschen,
als die Menschen, die noch
an eine bessere Zukunft glauben wollen.
Die gerade mit Studienplatzabsagen
(trotz super Abi) zu kämpfen haben
(generell ist Studieren bestimmt eh ganz toll grade…).
Die keinen Ausbildungsplatz finden,
deren Berufsschulen, wie alle anderen,
gerade wackeln, deren Betriebe
in Engpässe geraten sind.
Die einen Sommer erlebt haben,
den wir alle gehasst hätten.
Und die trotzdem freitags
auf Märkten und Straßen
Vernunft fordern.
Denen die Zeit schneller
als uns davon läuft.
Woran sollen die denn noch glauben,
wenn in einer Zeit wie heute
ab morgen dann also auch noch
Warnstreiks im Öffentlichen Dienst stattfinden müssen?
Vorbei das Klatschen und Prämienversprechen.
Lehrermangel, war da was?
Strukturelle Probleme bei der Polizei?
Nein, jetzt geht es um die Löhne!
Wie kann es eigentlich sein,
dass jetzt noch Tarifverhandlungen
nicht erfolgreich sein können?
Im Öffentlichen Dienst?!
Was für astronomische Forderungen
müssen die Gewerkschaften denn gestellt haben,
dass darauf jetzt nicht eingegangen werden kann?
Was für gefühlstaube und dumme Menschen
sitzen da am Verhandlungstisch
auf der anderen Seite?
Keiner von denen sollte je wieder
seine heiße Luft zum Thema
„systemrelevante Berufe“ ablassen.
Was ist denn bitte „systemrelevanter“
als der Öffentliche Dienst?
Der ist das System.
Wie dumm kann man sein?
Leute, die Zeiten, in denen man
die Schuld an gescheiterten Verhandlungen
den Arbeitnehmern zuschieben kann,
um sie dann bei Streiks
als habgierige Sozialisten
hinstellen zu können,
die sind einfach mal nicht jetzt!
Wenn es zu Lebzeiten
des Öffentlichen Dienstes
jemals einen Moment gegeben hat,
an dem er der wichtigste
staatliche Investitionssektor war,
dann jetzt.
Denn jetzt kommt es drauf an.
Auf alles.
Und das auch noch gleichzeitig.
2020 is on.
Beast Mode.
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