So.
Bevor hier die nächste Variante von Gegenwartskompensation
aus der Taufe gehoben wird,
gleich mal schnell ein erstes Beispiel,
ohne weitere einführende Bemerkung:
In einer unterdurchschnittlich gewarteten Sporthalle
irgendwo in der Ostprovinz
(wo „frühs“ ein Wort ist, das im Duden steht)
sitzen auf harten Holzbänken
Menschen in einem Halbkreis vor einer Leinwand.
Es ist kurz vor Mittag.
Fast die Hälfte der Menschen
schaut immer im Wechsel
auf diese Leinwand oder einen kleineren Screen,
den sie vor sich stehen haben
oder in den Händen halten.
Eine Wand in einem der Geräteräume
neben der Leinwand
wird ebenfalls als Leinwand genutzt.
Auf der ersten Leinwand
werden wichtige Informationen
für Basketballschiedsrichter gezeigt
und obendrein engagiert erklärt.
Auf allen anderen Screens
und auf der Wand im Geräteraum
verliert die deutsche Basketballnationalmannschaft
gerade das Spiel um Bronze
bei den diesjährigen Olympischen Spielen in Paris.
Und zwar gegen Serbien.
Weil bei denen dieses Mal
eben einer mehr mitspielt
als beim Weltmeisterschaftsfinale vor einem Jahr,
nämlich einer der derzeit drei besten Spieler der Welt
(neben Luca Doncic und Lebron James),
Nikola Jokic.
Die Schiedsrichterleistung bei diesem Spiel
wird vom Kommentator
übrigens als unterirdisch bezeichnet.
Gut.
Ich hoffe,
diese Szene konnten sich alle gerade gut vorstellen,
also vor allem erst mal bildlich.
Denn von diesen „Szenen“
wird es in dieser Episode noch einige mehr geben.
Warum, das wollen
die jetzt erst folgenden einführenden Bemerkungen
versuchen zu erklären:
Am Anfang der Woche hatte ich mir vorgenommen,
mal wieder irgendwas am Text zu verändern,
damit nicht gleich zu Beginn der Staffel
schon wieder
langweilige Wiederholungen
den Ton angeben.
Bei der Suche nach einem neuen Take
musste ich mal wieder gar nicht so viel machen,
im Gegenteil:
Noch bevor ich einen zum Take passenden Titel gefunden hatte,
hatten sich schon drei weitere Romane angedroht,
die alle etwas mit Museen und/oder Bibliotheken
(was ja im Grunde zwei sehr ähnliche Orte sind)
zu tun hatten,
und
mit irgendeiner Form
von Mitternacht.
Also dem Zeitpunkt
in der Menschheitsgeschichte,
auf den wir uns gerade zubewegen
und von dem wir nur noch ein paar Millimeter
auf dem Ziffernblatt entfernt sind.
Warum ich mich beim Titel
dann nicht für „The Midnight Library“ entschieden habe,
wird verstehen,
wer den Roman kennt;
und allen anderen
darf es herzlich egal sein.
Also,
Taschen und Jacken
bitte an der Garderobe abgeben,
nein, einen Audioguide gibt es nicht,
und ja, Ihr könnt fotografieren,
wenn es sein muss,
kostet nicht mal extra.
Überfliegt aber mit mir
noch schnell den Flyer
zur aktuellen Ausstellung
im Meme-Museum:
„Stellen Sie sich vor,
es ist erst in vielen Jahren,
wenn Sie die folgenden Ausstellungsstücke betrachten,
wenn Sie wirklich alt sind,
und Museumsbesuche
eines der letzten Highlights in Ihrem Leben sind.
Stellen Sie sich vor,
wie Sie sich zurückerinnern werden an damals,
an die Jahre,
in denen wir uns wirklich an alles gewöhnt hatten
und durch unsere Feeds nur noch slideten,
als würden wir kurz mal
durch ein Museum schlendern,
um danach wieder weiterzumachen wie zuvor.“
Und bevor wir dann endlich
unseren mitternächtlichen Rundgang beginnen können,
bei dem nur die Ausstellungstücke angeleuchtet sind,
und alles andere im Dunkel bleibt,
folgt mir nur noch kurz
durch dieses Loch hier in der Vierten Wand
bis auf meinen Schreibtisch,
wo die Skizzen liegen,
die bei Vorbereitung und Kuratierung
zur Debatte standen:
– Talking about memes
(auch weil ich denke,
dass ich das Konzept
inzwischen halbwegs umfänglich verstanden habe,
beziehungsweise es erst jetzt
seine volle Bedeutung
(für die kulturelle Kommunikation)
erreicht hat
– das wichtigste (neue) Medium des Jahrzehnts
– was ist eigentlich noch kein Meme?
– man kann Memes „freischalten“
(z.B. irgendwas sehr schwieriges
„mit Hand in der Tasche“ bewerkstelligen)
– je mehr Kontext man hat,
desto deeper wirds
(z.B. „mit der Hand in der Tasche“:
Was wird bewerkstelligt?
Wie schwer ist das?
Wie cool ist es,
das mit der Hand in der Tasche zu machen?
Was sagt das Internet dazu?)
– mit jedem neuen Meme
wird eine „Situation“ besetzt,
immer weniger Momente werden meme-frei
– Memes sind die Graffiti der Sozialen Medien:
tauchen ständig überall auf,
werden kopiert, variiert, persifliert, etc.
– Memes sind (im Gegensatz zu Kunst in Museen)
völlig kostenlos (mal von unseren Daten abgesehen)
– Memes funktionieren wie Schablonen
– Banksy-Art als Quelle?
– Exkurs: Neue Banksy-Reihe in London:
„latest street art has been designed
to cheer up the public
during a period
when the news headlines
have been bleak,
and light has often been
harder to spot
than shade.“
Tja,
dass #DieDoppeltenZwanziger
leider einen anderen Ansatz verfolgen,
verärgert hier hoffentlich niemanden mehr;
nicht umsonst heißt diese Episode
ja nicht Nachmittags im Meme-Museum.
Es ist soweit:
Taschenlampen an!,
die Kuratierung der gegenwärtigen Gegenwart beginnt
im ersten (virtuellen) Raum.
Bitte hier rechts entlang.
Room 1, Exhibit 0:
Nachhaltiger Absturz
Wir sehen eine schlichte Grafik.
Klar und deutlich zu erkennen
sind die Umrisse Deutschlands,
zwei mal, nebeneinander.
Auch die Grenzen der einzelnen Bundesländer
sind scharf umrissen.
Jeweils links oben
werden wir darüber informiert,
auf welchen Monat des Jahres
sich die abgebildeten Daten beziehen.
Links die Umfrageergebnisse der AfD
aus dem Januar,
rechts die Umfrageergebnisse
der eben genannten deutschen Faschopartei
aus dem Juli.
Besonders in den östlichen Bundesländern
weisen die Prozente einen Unterschied
von mindestens fünf aus.
Durch farbliche Absetzung
wird auch der Verlust der Spitzenposition markiert;
in Sachsen ist die Karte
von blau zurück zu schwarz gewechselt.
Lassen wir jetzt die Strahlen unserer Taschenlampen
kurz rund um das Ausstellungsstück wandern,
erkennen wir eine Unmenge
von aus dem Internet ausgedruckten Überschriften und Kommentaren,
die scheinbar wahllos arrangiert,
teilweise einander verdeckend,
den Kontext zum zentralen Werk liefern.
Das Wortpaar,
das darunter am häufigsten zu lesen ist,
lautet: Wehrhafte Demokratie.
In der linken unteren Ecke der Grafik
erkennen wir bei genauerem Hinsehen
ein Sternchen und einige sehr klein geschriebene Worte:
„Siehe auch: Exhibit 6.“
Diese Art der Einbettung in den Kontext
wird uns in den kommenden Räumen
immer wieder begegnen,
Ihr wisst also was dann zu tun ist.
Das nächste Ausstellungsstück
befindet sich auf der Wand
zu unserer Rechten.
Room 1, Exhibit 1:
Der Kettensägenmann
In Dauerschleife
flackern kurze verwackelte Videoaufnahmen über die Wand,
immer wieder ist darauf ein Mann zu sehen,
der inmitten einer Menschenmenge
lachend eine Kettensäge schwingt.
Kontext (Auswahl):
– Anarchokapitalismus in Argentinien
– Xavier Milei als Blaupause für Donald Trump
– Millionen von Twentysomethings voller Hoffnung
Wenn ich Eure Aufmerksamkeit
(und die Strahlen Eurer Taschenlampen)
bitte noch kurz auf den Fußboden lenken darf,
dann findet Ihr dort eine kurze Zusammenstellung
der bisherigen Folgen
des Libertarismus-Experiments in Südamerika:
– 57 Prozent der Bevölkerung
leben inzwischen in Armut
– Die Inflation liegt bei 300%
– Die Arbeitslosenquote ist um 1% gestiegen
– Die Energiekosten stiegen
seit Mileis Amtsantritt um 155 Prozent.
– Supermarkteinkäufe gingen um zehn Prozent zurück.
-Der Fleischkonsum ist auf dem niedrigsten Stand
seit der Staatsgründung Argentiniens.
– So viele Frauen und Mädchen
wie nie zuvor prostituieren sich.
– Statt der von Milei versprochenen
„Dollarisierung“ des Landes
müssen die Argentinier auf Befehl der Regierung
ihre Dollar-Ersparnisse verkaufen,
um ihre Steuerschulden zu bezahlen.
– Milei ließ große Teile der Goldreserven des Landes
still und leise außer Landes schaffen.
Ohne zu sagen,
wohin und zu welchem Zweck.
Und?
Hat auch jemand das Easter Egg
in diesem Ausstellungsstück gefunden?
Nein?
Dann bitte einmal die Taschenlampen
nach oben an die Decke,
dort seht Ihr das Cover
eines der erfolgreichsten Mangas der letzten Jahre:
„Chainsaw Man“.
Und ja, das sind Kettensägen an allen Extremitäten
und auch als Kopfersatz.
Für das letzte Ausstellungsstück im ersten Raum
drehen wir uns ein vorerst letztes Mal nach rechts.
Room 1, Exhibit 2:
Stalins Wiedergänger
Ein übertrieben riesiger grauer Schnauzbart,
nur schwer von der Farbe der Wand dahinter zu unterscheiden,
nicht gezwirbelt,
nicht gewichst,
einfach nur groß und buschig.
Der Rest des Gesichtes
ist nicht zu erkennen.
Nicht weil der Schnauzbart so groß wäre,
sondern weil das Meme sonst nicht funktioniert.
Kontext (Auswahl):
– Die USA, die EU und die anderen westlichen Mächte
erkennen die erneute Präsidentschaft Maduros in Venezuela (seit 2013) nicht an
– Gründe: Populismus, Sozialismus und Spuren einer Diktatur
– Maduro tritt den Beweis umgehend an:
Massenverhaftungen und Ermittlungen gegen die Opposition,
Glückwünsche aus Moskau und China
Bitte, schaltet die Taschenlampen kurz aus,
auch um die Batterien zu schonen.
Denn im nächsten Raum,
gleich hier links um die Ecke
erwarten uns nur noch größeren Schrecken.
Room 2, Exhibit 3:
Baklava und Wassermelonen
Blass an die graue, schon leicht verwitterte Betonwand
auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes
werden unscharfe Farbfotografien projeziert,
die sich im Licht der Taschenlampen
noch schwerer erkennen lassen,
die aber ausnahmslos
die beliebtesten Süßigkeiten
des Nahen Ostens zeigen,
am meisten darunter:
Baklava und Wassermelonen.
Am unteren Bildrand
steht permanent
in meme-klassisch weißen Großbuchstaben:
„Still not satisfied?“
Kontext (Auswahl):
– US-Außenminister Blinken warnt sehr früh am Montag,
Israel könnte innerhalb von 24h angegriffen werden
– Die Hamas ernennt Sinwar zum neuen Chef
– Deutsche in Israel
„sollen sich nicht auf Rettungsaktion verlassen“
– „Vergeltungsdrohungen sind Psychoterrorismus!“
(Benjamin Netanyahu)
– Neue Offensive in Chan Yunis
– Schule in Gaza Stadt getroffen,
1 toter Hamas-Führer, 100 tote Zivilisten
– die Woche vergeht ohne nicht-israelischen Großangriff
Bitte, dreht Euch nicht um,
das nächste Ausstellungsstück
erscheint sofort an gleicher Stelle.
Da!
Seht Ihr?
Die Betonwand stürzt ein!
Room 2, Exhibit 4:
We are not going back!
Wieder in Dauerschleife,
nur jetzt verdoppelt nebeneinander,
erkennen wir Menschen die tanzen.
Nicht miteinander,
beide in ihrer eigenen Dauerschleife.
Dazu hören wir Musik:
Ein Mash-Up aus Pete Seegers
und Beyoncés
größten Hits.
Kontext (Auswahl):
– Ist die Weltbörse auf Talfahrt?
(Nur am Montag:
Angst vor der Rezession in den USA)
– Trump verkündet umgehend den „Kamala Crash“
– alle anderen haben einen „Kamala Crush“
Als Kurator sei mir an dieser Stelle
kurz noch erlaubt,
zwei eher rhetorische Fragen zu stellen:
Was war Tim Walz von Beruf,
bevor er die USA retten wollte?
Richtig,
High School Teacher und Coach.
Und welche Art von Tonträger
zieht er allen anderen vor?
Richtig,
Vinyl, abgespielt auf einer Stereoanlage
mit richtig guten Kabeln.
Wie Ihr inzwischen vielleicht am Widerhall bemerkt haben dürftet,
befinden wir uns nicht nur im höchsten,
sondern auch im größten Raum des Meme-Museums.
Wegen Gründen.
Wer sensibel auf laute Explosionen
und die Schreie
schwer verletzter und/oder sterbender Menschen reagiert,
sei hiermit vorgewarnt.
Augen und Taschenlampen
dann bitte nach rechts, danke.
Room 2, Exhibit 5:
Nichts wirklich Neues
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 128
Eskalation in Nord-Ost. Montag: Drohnen über Kiew, Charkiw und Dnipro, dann über Belgorod. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung ist in Russland zur „unerwünschten Organisation“ erklärt worden. Seit Januar sind in der Ukraine 29.000 Strafverfahren wegen Fahnenflucht eröffnet, jeder 14. Soldat desertiert. Dienstag: Der gegenseitige Drohnenbeschuss hält an (Kiew, Cherson, Mykolajiw und Chmelnyzkyj; Belgorod und Sudscha. Tymofijiwka (Donezk) wird „befreit“. An der Front vor Pokrowsk ist das Trinkwasser alle. Mittwoch: Vor Kursk überschreitet die ukrainische Armee die Grenze nach Russland, und nimmt 50 Grenzschützer gefangen, tausende Menschen fliehen, der Ausnahmezustand wird ausgerufen, Betroffenen verspricht Putin 100€ Soforthilfe. Moskau verstärkt als erstes die Truppen am AKW in Kursk (Nationalgarde) und bezeichnet den Angriff erst als „groß angelegte Provokation“ dann als „Terrorakt“. Auf ukrainischer Seite (Sumy) werden mehrere Orte evakuiert. Donnerstag: Die EU-Kommission rechtfertigt den Angriff. Selensky im Scheinwerferlicht: „Russland muss die Folgen des Krieges spüren.“ Die russische Armee bezeichnet die Lage gegen Mittag als „stabil und unter Kontrolle“. Freitag: Kretschmer (CDU-Sachsen) will die Waffenhilfe für die Ukraine kürzen: „Wir können nicht länger Mittel für Waffen an die Ukraine in die Hand nehmen, damit diese Waffen aufgebraucht werden und nichts bringen. Es muss alles im Verhältnis stehen.“ In Donezk töten russische Artilleriegeschosse vier Zivilisten. Lipezk (Russland) wird mit mehr als 200 Drohnen angegriffen, ein Militärflughafen wird getroffen, der Ausnahmezustand wird ausgerufen. Kiesewetter (CDU) hält den Angriff auf russisches Gebiet für völkerrechtlich legitim. Die Kämpfe in Kursk halten an. Zusätzlich wird Kinburn im Schwarzen Meer angegriffen. Das AKW Kursk ist vom Stromnetz abgeschnitten. In Sudscha (Kursk) wird eine Gazprom-Anlage eingenommen. Ein russischer Nachschubkonvoi wird „ausgelöscht“. Samstag: In Sumy sind bereits knapp 30 Dörfer evakuiert. Raketen treffen Kramatorsk und Charkiw. Für die russischen Regionen Kursk, Brjansk und Belgorod werden „Anti-Terror-Maßnahmen“ angekündigt, in Kursk sind bereits mehr als 70.000 Menschen evakuiert worden. Im Schwarzen Meer wird ein russischer Gasturm getroffen, 40 Menschen sterben. Sonntag: Am frühen Morgen fliegt die russische Luftwaffe Angriffe auf Kiew. Die Evakuierungen in Kursk werden beschleunigt, Raketentrümmer verletzen dutzende Zivilisten. Kiew will mit der Offensive beweisen, „dass wir auch angreifen und vorwärts kommen können.“ Moskau antwortet: „Eine harte Reaktion der russischen Streitkräfte wird nicht lange auf sich warten lassen.“ Belarus verlegt nach wiederholten ukrainischen Drohnenangriffen Panzer an die Grenze.
Nehmt Euch ruhig Zeit,
das ist, wie jede Woche, nur eine kleine Auswahl.
Wenn Ihr denkt, fertig zu sein,
dann wendet Euch doch bitte ganz nach links.
Room 2, Exhibit 6:
Hool, Britannia!
Genau, das ist das Ausstellungsstück,
auf das vorhin schon einmal aufmerksam gemacht wurde.
Falls Ihr nicht wisst,
wen Ihr da gerade über die zerschlissene Leinwand
hampeln seht,
bekommt Ihr den Kontext gleich dazu:
Das ist Tommy Robinson,
ein mehr als abgehalfterter Neo-Nazi im UK.
Und der feiert grade seine 33. bis 45. Rückkehr.
Die kleinstädtische Fußgängerzone,
in der er hier zu sehen ist,
könnte momentan irgendwo in Nord-England sein.
Und ja, das dumme Grinsen
würde ich ihm auch gerne
aus der Visage boxen.
Noch mehr Kontext (Auswahl):
– Tommys neue Bewegung
will „Patriotic Alternative“ genannt werden
– Ein im Blut Sudeln* dieser Größenordnung
ist vergleichsweise selten,
selbst für Tommy Robinson
*Kontext zum Kontext:
– Tommy Robinson
führt aktuell die Krawalle gegen die Sicherheitsbehörden an,
die sich in Folge der Grausamkeit in Southport entwickelt haben
– seit einer Woche
ist es der UK,
der seine kontinentalen Nachbarn kulturell kopiert:
Bei jeder Faschodemo
tauchen x-mal so viele Gegendemonstranten auf;
vielleicht wird „Wehrhafte Demokratie“
das nächste deutsche Lehnwort der englischen Sprache
Die Hälfte der Ausstellung
haben wir damit hinter uns gebracht,
danke für die große Aufmerksamkeit bisher.
Vor dem nächsten Raum
muss ich Euch erneut warnen,
dieses Mal aber wegen eines technischen Fehlers.
Dort ist nämlich,
vor Wochen schon,
die Klimaanlage ausgefallen…
Okay, ich geb’s zu,
wir haben hier im Meme-Museum gar keine.
Wie auch?
Willkommen also im vorletzten Raum.
Hier müsst Ihr wahrscheinlich
etwas länger suchen,
ich hoffe es ist genug Saft auf den Taschenlampen.
Dafür solltet Ihr aber irgendwo
ein oberniedliches Katzen-Meme finden.
Was wäre das sonst für ein Meme-Museum?
Room 3, Exhibit 7:
Hundstage
Ganz hinten in der Ecke des Raumes
ist eine kleine Babykatze zu erkennen,
die oberniedlichst am Gucken ist.
Kontext (Auswahl)
– Hundstage for real (bis 40)
– Für Süditalien gilt eine offizielle Reisewarnung
wegen extremer Hitze
– In der Antarktis (da ist tiefster Winter)
herrschen zwischenzeitlich 25 Grad
– Den 13. Temperaturrekord in Folge
haben wir ganz knapp verpasst
– Hurricane Debby is next in line
– tagelang 40°C in Tokyo
(Hitzetote en masse)
Bevor wir den letzten Raum betreten,
sei Euch ein Zitat angetragen,
das es erst heute ins Internet geschafft hat,
da eben (noch) nicht alle Äußerungen
gleich direkt zu Memes werden:
„Ich bin so froh, dass grade Olympia is,
und dass es so schön is alles.
Die anderen Nachrichten
hält doch kein Mensch mehr aus.“
Und damit überreiche ich Euch jetzt
schlichte 3D-Brillen,
ihr könnt die Taschenlampen ausschalten.
Room 4, Exhibit 8:
Real Life Avengers
Im letzten Raum
flackern überall,
nur nicht auf den Wänden,
kurze schnell geschnittene Szenen
des olympischen Basketballfinales auf.
Currys irre Dreiershow,
Lebrons Geflexe,
ADs Monsterrebounds,
KDs Trash Talk,
Embiids Publikumsbeschimpfung,
und alle Highlights von Victor Wembanyama,
so wie auch seine echten Tränen in Nahaufnahme.
Kontext (Auswahl):
– Die Zukunft des Basketballs
ist bei Wemby in gute Hände gegeben worden
– Das Datum des Finales
ist der 10.8.24,
das sind alle Rückennummern,
die Kobe Bryant als Profi getragen hat
– Jap, auch die Frauenmannschaft der USA
hat Gold gegen Frankreich geholt,
aber das war kein Avengers-Team,
die sind einfach immer so gut
Fehlender Kontext (Begründung):
– Warum ich mir keine Memes
vom aktuellen Weltmeister zusammensuche:
Auf Grund von
Dann-müsste-ich-über-die-“Wagner-Brüder“-und-so-weiter-berichten,
und das ist mir einfach zu deutsch,
sorry, not sorry.
– Und überhaupt und außerdem:
Die haben hintenraus (Bronze)
so schlecht gespielt,
ich konnte mich beim Regeltest
gar nicht richtig konzentrieren;
Danke Schröder!
So.
Ging doch angenehm schnell, oder?
Und wie in jedem guten Museum
führt der Weg zum Ausgang durch den Museumsshop.
Viel mehr als die letzten vier Bände
von #DieDoppeltenZwanziger gibt es dort zwar nicht,
dafür aber noch zwei Bonus-Ausstellungstücke.
Ich wünsche noch eine angenehme Nacht.
Gebt die Taschenlampen bitte am Ausgang ab
und überlegt Euch gut,
ob Ihr heute
auf Euren Schwarzen Spiegeln
noch mehr Memes sehen wollt.
Gift Shop, Bonus-Exhibit 1:
Neuland im Weltkulturerbe
Über ein Hausflurgeländer gebeugt,
sehen wir zwei ältere Damen,
die von einem Postboten
einen Karton überreicht bekommen,
der verdächtig danach aussieht,
als ob er ein Modem enthalten könnte.
Beide schauen sich skeptisch an.
Gift Shop, Bonus-Exhibit 2:
Singing Through the Terror
Zu sehen sind
untereinander drei Luftaufnahmen
von Wien.
Auf jeder davon sind riesige Menschenmassen zu erkennen,
einmal in nahe beieinander liegenden Freibädern,
darunter im Straßengeflecht des 1. Bezirks
und darunter dann auf dem Heldenplatz.
Bei näherer Betrachtung
scheint es so
als ob jede Person auf den Aufnahmen singen würde.
Kontext (Auswahl):
– Wien leidet in der fünften Woche unter einer Hitzewelle
– Alle drei Konzerte von Taylor Swift
sind nach einem angedrohten,
islamistischen Terroranschlag
abgesagt worden
– Die Stadt Wien hat allen Swifties
Freikarten für alles mögliche geschenkt
P.S.
Ja, natürlich
habe ich diese Episode
mit einer Hand in der Tasche geschrieben.
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