Bild: Die Alternative.
So,
Leute,
das war dann also doch zu viel.
Nach gut vierzehn Tagen Dauerleben,
also keinem wirklich freien Tag,
zu wenig gutem Schlaf
und eben der einen überfüllten Berliner U-Bahn zu viel,
lag ich bis Mitte der Woche buchstäblich um;
„Männergrippe“, hat mein Arzt gesagt;
dann war das eben so,
schön war das nicht.
Und ist auch schon wieder fast vorbei,
Erfolgsrezept, wie immer:
weiter machen,
nur langsamer,
ausdauern, ausliegen,
Kräfte einteilen,
durchhalten.
Und schlafen, schlafen, schlafen.
Also das Gegenteil von dem,
was der Zeitgeist jetzt ja schon seit längerem so treibt;
dass der nicht auch auch mal irgendwann flachliegt,
war, ist und bleibt das große Wunder der (Spät-)Moderne.
Aber!
Endlich wird sich mal wieder wirklich
auf irgendwas geeinigt,
und mal wieder auf nichts weniger
als die Zukunft der Gegenwart.
Die immer weiter, immer schneller
zunehmende Zersplitterung
von fast allem (Zeit, Wahrheit, etc.)
verhindert das ja sonst so oft sie kann.
Ein schnelles Beispiel
(nach fünf Wochen Serienpause
muss ich mich mal schnell warm/freischreiben):
Serien.
An wenig kann man das eben genannte Phänomen
besser zeigen
als an der Tatsache,
dass sich inzwischen jede*r
mit einem ausreichend schnellen Internetzugang
in seinem ganz eigenen Geschichten-Kanon bewegt.
Denn wie selten ist es geworden,
dass wir feststellen,
dass wir gerade die gleiche(n) Serie(n) schauen
(wenn wir denn Serien schauen).
Ich könnte das ganze auch anhand von Büchern durchspielen,
aber das würde nur noch mehr ausarten.
Ich bleib deswegen auch nur bei mir:
Momentan schaue ich (nur) zwei Serien,
selten mehr als eine Episode am Abend.
Zum Einen „Night Country“ (2023)
(Top Shelf Dark Noir-Crime
mit wirklich gelungenem Ende)
und zum Anderen „Euphoria“ (2019 and running)
(High End Gen Z Coming of Age Drama
mit einer Zendaya für die Ewigkeit).
Und?
Bei wem ist das auch so?
Seht ihr!?
Jeder guckt für sich allein.
Gut,
egal,
ich mach mir dann mal noch
ein Glas mit Cola voll,
oder lieber nur halbvoll?,
oder lieber eine Tasse Tee?,
oder lieber doch Kaffee?,
mit Milch?,
aber auch mit Zucker?,
besser doch nur Wasser?
In meinem Rücken lacht die Deadline,
ich kann sie förmlich denken hören:
Na, das sind doch nicht etwa
Entscheidungsschwierigkeiten?
Die ewige Qual
der ewigen Wahl?
– Danke für’s Stichwort.
Vor fünf Wochen fand ja die vorletzte Schicksalswahl
dieses schicksalshaftigsten Schicksalssuperduperwahljahr
aller schicksalshaftigen Schicksalswahljahre statt,
in Österreich.
Die guten Nachrichten zuerst:
„Volkskanzler“ Kickl regiert noch immer nicht.
Gute Nachrichten gibt es hingegen bis jetzt noch keine,
die möglichen Koalitionspartner
sind sich bis heute noch sehr uneins.
Vielleicht einfach noch mal wählen?
Sometimes you have to flush twice.
In Georgien wird gerade auch noch mal nachgezählt,
ändert aber nix,
die Georgier*innen bleiben „dem Osten“ verbundener.
Und in Moldau ist heute auch schon wieder Stichwahl:
EU oder doch lieber Russland et al?
Tja, und am kommenden Dienstag
ist es dann auch endlich schon soweit:
Das absolute Wahlhighlight des bisherigen Jahrzehnts,
aber zur ersten US-amerikanischen Präsidentin
erst am Ende der Episode noch mehr;
Spannungsbögen schlagen sich nicht von allein.
Hier in Kartoffelland
wird sich immerhin auch weiterhin
fleißig für irgendwas entschieden,
zum Beispiel für Neuwahlen.
Laut irgendeiner wichtigen Umfrage
ist eine knappe Mehrheit des Deutsch*innen dafür,
warum, dazu gleich.
Aber wenn wir schon mal so überdeutlich
beim Grundmotiv dieser Episode angekommen sind,
kann, darf, soll und muss erwähnt werden,
dass sich ab sofort jede*r Bürger*in dieses Landes
ihre/seine Geschlechtsidentität
und seinen/ihren Vornamen
selber aussuchen kann,
ganz einfach beim Meldeamt vorbeischauen
und ein bißchen Kleingeld dabeihaben;
Win-Win.
Entscheidungsmäßig
überhaupt absolut gar nichts mehr
auf die Kette
kriegt momentan die deutsche Bundesregierung,
was die Bürger*innen laut einer gewissen Umfrage
ja auch bereits erkannt haben.
Und was macht man,
wenn man sich für nichts mehr gemeinsam entscheiden kann?
Jeder hält einfach seinen eigenen Gipfel ab.
Scholz trifft sich mit den einen Geldsäcken hier,
Habeck mit den anderen Geldsäcken dort,
Lindner mit wieder anderen wieder woanders,
Merz wahrscheinlich auch,
die AfD trifft sich an den Stammtischen mit dem Mittelstand,
und die Linke will weiterhin keinen treffen.
Warum die ganze Aufregung?
Neben gelebter Dysfunktionalität
ist es aktuell der Traditionsweltkonzern Volkswagen,
der die Hühner verrückt macht:
Mindestens drei Werke sollen geschlossen werden
(100.000+ Arbeitsplätze sind insgesamt bedroht),
der Gewinn der urdeutschen Rechenkünstler
bricht im dritten Quartal um beeindruckende 64% ein.
Die Tagesschau fragt schon nach Mitverantwortung der Aktionäre,
und die bieten den Angestellten an,
doch bitte auf 10% ihres Lohnes zu verzichten.
Oberautofan Christian Lindner (Bundesfinanzminister)
weiß aber immerhin,
wer Schuld hat:
Merkel.
Beziehungsweise deren Ära
(in der er ja mal lieber nicht mitregieren wollte
als schlecht mitzuregieren),
die er mit einem ganz selbst ausgedachten
„Grundsatzpapier“ endgültig beerdigen will,
für das ihm Friedrich Merz kräftig auf die Schulter klopft,
dann muss er diese neoliberale Scheiße
schon mal nicht alleine vermarkten:
Austerität,
Bürokratieabbau,
Klimaschutzabbau,
Sozialabbau,
keine Steuererhöhungen
(also nicht für’s Kapital)
und: keine Subventionen für die Bördemetropole!
Reiner Haseloff ruft bei Olaf Scholz an,
er wäre dann jetzt auch für Neuwahlen.
Wichtiger als der Inhalt des Grundsatzpapiers
ist aber natürlich,
dass die Grünen das Ding an die Presse durchgestochen haben sollen.
Die SPD lehnt das Ding jedenfalls schon mal ab,
und Lindner muss sich im Internet fragen lassen,
ob das jetzt endlich
sein anarchokapitalistisches Coming-Out
gewesen ist,
oder einfach nur die Bewerbung auf den Preis
für das überheblichste Arschloch des Jahres.
Der nächste Termin bei der Scheidungsanwältin im Bundestag
ist dann die Haushaltsdebatte in zwei Wochen,
toi, toi, toi.
Da hilft es auch wenig,
dass die deutsche Wirtschaft überraschend gewachsen (0,2%) ist,
sogar die Welt weiß,
dass das „keine Trendwende“ ist,
immerhin aber keine „technische Rezession“;
was können wir doch froh sein.
Zumal die Inflation schon wieder anzieht,
besonders übrigens bei Nahrungsmitteln,
und zwar bei allen.
Die EU aber
hat selbst für den kommenden relativen Hunger
im Vorzeigemitgliedsland gerade keinen Kopf,
denn die ist dabei,
die nächste Phase des westlichen Wirtschaftskriegs
gegen China einzuläuten,
nämlich mit Strafzöllen
auf von eben dort kommende E-Autos.
Und so sind wir auch endlich
beim nächsten großen K angekommen,
es gibt schließlich immer noch auch was anderes
als Krisen der Wirtschaft
oder der Demokratie.
Nein, noch nicht Klima,
sondern,
richtig,
erst mal Krieg;
die Wahl des Schlachtfeldes ist dabei beliebig.
Zu Beginn der Woche
fliegen 100 israelische Jets
mehr oder minder ungehindert
Präzisionsangriffe auf den Iran.
Kurz darauf gibt die Knesset bekannt:
Das UNRWA Palästineserhilfswerk)
darf nicht mehr auf israelischem Boden arbeiten,
akuter Terrorverdacht.
Als nächstes kündigt Israel
für das nächste Jahr
den „Laser Iron Dome“ an,
der Iran muss sich also beeilen,
wenn er nicht auch
auf Real Life Star Wars vorbereitet ist.
Nach der Hinrichtung eines Deutsch-Iraners
werden drei iranische Generalkonsulate in Deutschland geschlossen,
was den Iran alles andere als davon abhält,
weitere Angriffe anzukündigen,
worauf die USA
den Iran warnen,
sie würden Israel
dann nicht zurückhalten können;
was sie also bis jetzt anscheinend erfolgreich getan haben,
holy fuckin’ shit.
Unterdessen fliegt die Türkei
mal wieder vermehrt
Angriffe auf Kurdistan,
und in Afghanistan dürfen Frauen
nicht mehr mit anderen Frauen sprechen;
der Kulturkampf des Westens
lief auch schon mal besser.
Damit dann zum soundsovielten Ur-Krieg des neuen Jahrtausends,
wie gewohnt als Protokoll,
aber vorneweg mit dem letzten
bellizistischen Brain Glitch
von Agnes Strack-Zimmermann (EU/FDP):
Die will tatsächlich Nato-Soldaten
einfach in ukrainische Uniformen stecken,
immerhin machten Nord-Korea und Russland
das doch auch so.
Na ja, Agnes, fast…
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 138.
Der Krieg hat viele Dienstage. Dienstag: Charkiw wird erneut bombardiert, ebenso Cherson. Zukuryne (bei Pokrowsk) wird „befreit“. Selenskyj besucht Island und macht Werbung für seinen Siegesplan. Mit Kroatien wird ein Ringtausch beschlossen (Leopard-2 gegen ältere Schützenpanzer). Dienstag: Die Luftangriffe auf Charkiw werden fortgesetzt, auch Kiew wird getroffen. Julija Nawalnaja gibt den Tagesthemen ihr erstes Interview, die russische Opposition soll geeint werden. „Ich kämpfe gegen Putins Regime und es ist für mich sehr wichtig, diesen Krieg zu beenden. Ich gebe mein Bestes, um mein Land zu einem demokratischen Land zu machen und diesen Krieg so bald wie möglich zu stoppen.“ Selydowe (Donezk) und drei weitere Orte in der Nähe sind „befreit“. Kadyrow kündigt Vergeltung nach einem ukrainischen Angriff auf eine tschetschenische Militärakademie an. Russland beginnt ein Übungsmanöver seiner strategischen Atomwaffen. Die ukrainische Armee soll um 160.000 Soldaten aufgestockt werden. Sieben Ukrainer werden zu jeweils 4-5 Jahren verurteilt, weil sie sich dem Kriegsdienst entzogen haben. Das Kriegsrecht und die Mobilisierung werden um weitere 90 Tage verlängert. Dienstag: Wieder nächtlicher Luftalarm und Explosionen in Kiew. Claudia Roth sorgt sich in Odessa um die ukrainische Kultur. Krugljakowka (Charkiw) ist „befreit“. Am Abend fallen mehr als zehn verschiedene Raketen auf Odessa. Dienstag: In Charkiw schlägt eine Lenkbombe in ein Wohnhaus ein, zwei Kinder sterben, dutzende andere werden verletzt. Das Dorf Jasna Poljana (bei Wuhledar) wird „befreit“. Lukaschenko fordert ein „Unentschieden“. Selenskyj beklagt sich über das Schweigen des Westens und Chinas die nordkoreanischen Truppen betreffend. Am Ural werden Industriegebiete von ukrainischen Drohnen getroffen. Dienstag: „Noch einmal versprechen wir, dass wir bis zum Tag des Sieges stets fest an der Seite unserer russischen Kameraden stehen werden“, sagt die nordkoreanische Außenministerin Choe beim Besuch in Moskau. In Charkiw (Stadt) wird eine Polizeistation von einer russischen Rakete getroffen. Dienstag: Wieder die ganze Nacht Luftalarm in Kiew. Kurachiwka und Pershotravneve (Donezk) sind „befreit“. Ein aktueller Kiel Policy Brief (IfW) kommt zu dem Schluss, dass ein Stopp der deutschen Hilfen und ein daraus resultierender russischer Sieg jedes Jahr das 10- bis 20-Fache (aktuell rund 4.000.000.000) kosten könnten. Am Abend wieder Luftalarm über Kiew. Dienstag: Der Luftalarm über Kiew und der Ostukraine wird gar nicht mehr abgeschaltet. Selenskyj hat die Bombenangriffe der vergangenen sieben Dienstage durchgezählt: 900. Wyschnewe (bei Pokrowsk) wird „befreit“. Einer der neuen Linken-Chef*innen traut sich was: „Ich finde zu sagen, die einzige Sicherheit bekommen wir darüber, dass wir in der NATO sind, das halte ich für einen Irrtum.“ In Belgorod erlegen ukrainische Drohnen einen Zivilisten. Alle warten auf das Wahlergebnis am kommenden Dienstag, was aber wenig ändern wird, egal, wie die Entscheidung ausfällt.
Und ja, ja, ja,
auch das Klima bleibt wenig überraschend
ebenfalls eine Katastrophe.
Das Jahrhundertunwetter der Woche
hat sich in dieser vergangenen
Spanien ausgesucht:
In der Provinz Valencia
verlieren mehr als 200 Menschen ihr Leben
in den Fluten eines Jahrtausendhochwassers,
das auf den Straßen zu wahren Autolawinen führt,
die Wracks stapeln sich zu Dutzenden
zwischen den eng stehenden Häusern.
Um das irgendwie zu verkraften,
wird schnell über eventuelles Behördenversagen diskutiert,
irgendwer außer den Folgen der Turboindustrialisierung
muss schließlich Schuld haben.
Mehr als genug Arbeitnehmer bestanden zudem
auf Erscheinen am Arbeitsplatz,
trotz der viel zu späten Warnungen.
Die Katastrophe wird also
zum größten nationalen Militäreinsatz in Friedenszeiten,
endlich kann die Truppe mal zeigen,
wozu sie wirklich gut ist.
Derweil kündigen sich bereits die nächsten Unwetter an,
und das spanische Königspaar
wird beim Kondolieren mit Schlamm beworfen.
Schmutzig geworden
ist es auch auf dem höchsten Berg Japans,
der Fuji ist das erste Mal ever
komplett schneefrei,
zum Glück muss Hokusai das nicht mehr malen.
Im gar nicht mehr mal so ewigen Eis der Arktis
tauen im Moment übrigens
auch 1.000 Tonnen radioaktiver Abfall auf,
Property of the former USSR.
Und in Lahore
(Pakistan, 13.000.000 Einwohner*innen)
schließen die Schulen flächendeckend,
wegen Smog.
Die Cop16 (globale Naturschutzkonferenz)
wird folgerichtig einfach abgebrochen,
offiziell weil das Geld knapp ist.
Was sagt ein visionärer Weltenretter
wie Elon Musk
eigentlich dazu?
Wofür könnte der sich wohl alles entscheiden?
Der UK, besser: Labour,
entscheidet sich jedenfalls
schon wieder mal gar nicht mal so schlecht,
was so Linksextreme alles hinkriegen können,
ich glaube, ich rufe demnächst vielleicht
doch mal wieder in London an,
und sei es nur der alten Zeiten wegen.
Jedenfalls werden im Königreich
ab sofort
22.600.000.000 Pfund
ins britische Gesundheitswesen investiert,
und das ganze wird
mit der Erhöhung
der Arbeitgeberbeiträge
zur Sozialversicherung
gegenfinanziert.
Guck mal,
Christian Lindner,
so geht übrigens cool.
Cool geblieben
ist an diesem Wochenende
übrigens auch (vielleicht) Jan Böhmermann,
mit dem wir dann nur ganz kurz mal
nach den Rechten schauen:
In Koblenz soll gestern allen Ernstes
eine, von der „Werte Union“ organisierte
Veranstaltung stattgefunden haben,
auf der ex-CDU-ganz-Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen
die „Causa Böhmermann“ heraufbeschwören wollte.
Hat er wahrscheinlich sogar gemacht.
Der blasse dünne Junge
ist also endlich Staatsfeindefeind Nr. 1,
und am Freitagabend
wird beim Staatsfunk
nur eine Wiederholung
der beliebten Antifa-Propaganda-Maschine gesendet,
das letzte Wort dazu
wurde immerhin schon letzte Woche gesprochen.
In einer Halle, die mehr als 1.400 Menschen fasst,
hat der Fascho
dann vor genau 150 anderen Faschos
seinem Affen Zucker gegeben.
Schön, wenn Faschos was zum Aufregen haben,
dann kommen sie nicht auf andere Gedanken.
Die Deadline zeigt gerade auf meine Zeitanzeige,
noch fünf Minuten,
die Deadline zuckt kurz zusammen,
ich habe ihr auf die Füße getreten.
Und weil ich also eh schon überziehe,
kann ich auch noch ganz schnell
mal auf einen der Berge schauen,
auf dem hier,
in der Provinz,
zwischen mindestens sechs anderen Bergen,
im nächsten Jahr dann aber wirklich endlich
die Aufklärung wieder obsiegt:
Der Vorverkauf für die ersten Highlights
der kommenden, ersten Spielzeit
auf der angeblich neuen Grünen Bühne
auf dem Thalenser Hexentanzplatz
hat vor wenigen Tagen begonnen.
Was dabei rauskommt,
wenn Menschen die Bespielung eines Theaters planen,
die von Theater so viel Ahnung haben
wie ich von Musicals,
wahrscheinlich sogar noch weniger,
das verraten uns die allerersten Ankündigungen,
die nichts mit einem selbstkomponierten
Walpurgis-Musical zu tun haben:
Im Juli gibt sich Schiller die Ehre,
das weltberühmte Dichter-, Denker- und „Musikprojekt“
der Hamburger Realschule.
Und im August ist dann richtig Legendenalarm,
scheiß auf Shakespeare, Goethe oder Brecht!,
Die Münchner Freiheit lädt zum angetrunken-auf-Bänken-Wippen ein,
vielleicht kommt ja sogar noch Peter Maffay als Feature vorbei,
egal wessen Freiheit dann auch immer gemeint sein soll.
Sorry,
not sorry,
aber das musste noch raus,
so kurz vorm Endspurt.
Am kommenden Dienstag also
wissen wir dann
erstmal noch nicht so genau,
dass Kamala Harris gewonnen haben wird.
Aber wenigstens findet dann
die aktuelle Staffel
von „Trump – eine einzige Lüge“
ihr Ende.
Und nur aus Spaß an der Freude
fasse ich jetzt noch genau diesen Endspurt
gerne für euch zusammen,
setzt Euch bitte hin,
es wird maximal hässlich:
Im Madison Square Garden,
also mitten im Herzen
des den Frisurensohn aus tiefstem Herzen hassenden New York,
zieht ein bis dahin unbekannter Comedien
im Vorprogramm alle Aufmerksamkeit auf sich:
Puerto Rico sei eine „Floating Island of Garbage“.
Die Republikaner verlieren
die nächsten mindestens 500.000 Stimmen.
Tucker Carlson bringt dann eine Performance,
die selbst für ihn selbst
viel zu überdreht rüberkommt.
Dann kriegt Hulk Hogan sein Shirt nicht kaputt.
Elon Musk will nicht weiter fehlen
und räumt en passant den Dauercringe Award des Abends ab,
was immerhin was zu bedeuten hat,
denn Rudy Giuliani redet auch nur noch gequirrlten Durchfall:
„They better not try again (Attentat auf Trump),
what’s happened to god?,
we are not allowed to pray?“,
und sogar Melania Trump
muss auf die Bühne,
wo sie auch nur irgendwas oversizen soll.
Trumps abschließende Kernhassparole:
„Kamala will lead us into WW3!“
Das macht sie dann übrigens auf ihrer Gegenveranstaltung
zusammen mit den zukünftigen Kriegsverbrecher*innen
Bruce Springsteen, Beyoncé und Michelle Obama.
Der fast schon vergessene Steve Bannon
kommt kurz vor der Wahl doch erst mal wieder frei
und sendet umgehend wieder
aus dem „War Room“ der Info Wars.
Jeff Bezos (nach Musk der zweitreichste Mensch der Welt)
verbietet seiner Washington Post gleich mal
die seit Bestehen der ältesten noch bestehenden Zeitung
der USA (1877 gegründet)
übliche Wahlempfehlung für ihre Leser*innen,
Trump (und/oder Elon)
hatte wohl Druck gemacht.
Einen Tag später hat das Blatt
250.000 Abonnent*innen verloren,
von Trump lernen,
heißt verlieren lernen.
Der inzwischen heißeste Anwärter
auf die Thronfolge
auf dem Friseurstuhl des Frisurensohnes,
genau, Elon Musk,
hat nebenbei übrigens die Wirtschaftspolitik
eines nochmaligen Präsidenten Trump verkündet:
„Hardship will come“,
und damit meint er nicht nur aber vor allen
die 20.000.000 Familien,
die eh schon an der Armutsgrenze leben.
Kamala Harris bleibt also nur noch Symbolik:
An der Ellipse,
dem Platz von dem aus Trump am 6. Januar 2021
seine Horden zum Sturm auf das Capitol gejagt hatte,
spricht sie zu fast zehn mal so vielen Menschen
als damals seinen Schlachtrufen gefolgt waren.
Anschließend gehen die dann alle wieder nach Hause,
but they are not going back.
Der Republikaner Arnold Schwarzenegger
(für die Jüngeren:
laaaange Geschichte)
wählt dann auch Kamala
und Lebron James ja sowieso.
Was dann noch folgt,
ist das widerlichste Verlustgeschrei,
zu dem selbst die ältesten weißen Männer
überhaupt noch fähig sein können:
Der Gesundheitsexperte RFK Jr.
soll die Gesundheitsbehörden übernehmen,
JD Vance zweifelt Impfungen im Allgemeinen an,
Trump verklagt Kamala wegen eines CBS-Interviews,
in dem sie ihn einen Faschisten genannt hat,
Trump verklagt die Washington Post,
warum weiß er hoffentlich wenigstens selbst,
und ganz hintenraus
wird’s dann,
wie angekündigt,
richtig dreckig:
Nicht nur wird aus allen Rohren
auf Frauen im ganz Allgemeinen gehetzt,
nein, bei Fox News
setzt deren neuer Oberwichser,
Jesse Watters,
die Wahl von Kamala Harris
mit einer Affaire gleich,
alle Frauen von Trumpwählern
sollten sich doch bitte mal
über Schuld und Scham
Gedanken machen.
Das letzte Wort hat dann aber natürlich Trump selbst:
Erst will er alle Frauen beschützen,
ob sie wollen oder nicht,
und dann bringt er einen Stunt,
den ich nicht mal auf deutsch beschreiben will:
At his final campaign speech in Milwaukee
he is literally chocking
when performing a blowjob
on a broken mic.
Metaphors Overkill,
meet your master.
Puh,
dann also doch eine ganze Stunde überzogen,
trotz Resterkältung
und in Erwartung einer vollen Arbeitswoche.
Aber lieber das
als Herbstdepression
oder mich über die Folgen der Zeitumstellung zu ärgern.
Aber, aber und Hey, hey!,
am Dienstag schon
wird doch alles wieder gut,
denn dann beginnt der neue Civil War,
und auf irgendwas müssen sich
die Menschen ja auch mal einigen.
„But no way out of this.
No way for us
to find a way
to peace
we never found before.
However we regret
all we will ever know
is bitter ends.
For we are born to war.“
(The Cure: Warsong. 2024)

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