Wann, wenn nicht
am letzten Schultag vor den Sommerferien
kann es nochmal gerne
so richtig regnen!?
Dem aufmerksamen Leser
wird nicht entgangen sein,
dass ich hier nur sehr spärlich
über meinen Beruf schreibe,
was etliche sehr gute Gründe hat.
Und dabei könnte ich
hier Geschichten erzählen,
die noch viel krasser sind,
als alles, das hier sonst so abgesondert wird.
Jeder, der schon mal ein bisschen mehr
mit Schule zu tun hatte,
als selber auf eine gegangen zu sein
und/oder zum Abendbrot kurz zu fragen,
wie es denn in der Schule war,
wird sich vorstellen können,
was in inzwischen über 10 Jahren Schulalltag
schon alles passiert ist.
Aber da jetzt Ferien sind
und man bei MDR Kultur nicht müde wird
zu berichten, dass
jetzt sogar Sachsen (!)
Gemeinschaftsschulen hat,
und weil das letzte Halbjahr
schlicht und ergreifend
das krasseste bis jetzt war,
werd ich doch mal ein wenig
aus meiner beruflichen Bubble berichten:
Jeder, der momentan nur aus der Ferne
Urteile darüber abgibt, wie:
das mit dem Homeschooling geklappt hätte,
und was es für Kinder und Eltern bedeutet hat,
was es bedeutet, keine Ahnung zu haben,
wie es im Herbst weitergeht,
miterlebt zu haben,
wie viele daran gewachsen sind
oder wie viele es zu schwer hatten,
wie es sich anfühlt,
jedes Mal beim Händewaschen
Vorbild sein zu müssen,
wie man ehrlich aufklärt,
ohne Angst zu machen,
wie man cool bleiben will,
obwohl man selber unsicher ist,
wie man mit Eltern redet,
die genauso ratlos sind,
genauso mutig sein wollen,
die die gleichen Fehler gemacht haben
und noch viel größere Verantwortung tragen;
jeder, bei dem das alles
nur an Schreibtischen und in Sitzungen Thema ist,
der sollte sich mindestens zwanzig mal überlegen,
was er dann von sich gibt.
Also, ich bin dann mal so frei
und erlaube mir ein Urteil:
Die Mischung von
Präsenzunterricht und „Homeschooling“
(in diesem Konstrukt auch
schlicht Hausaufgaben zu nennen)
halte ich auch unabhängig von „Corona“
für äußerst sinnvoll.
Natürlich erst ab einem bestimmten Jahrgang
(ab dem 6./7. vielleicht).
Wenn ein Ziel von Schule sein soll,
zu Selbständigkeit zu erziehen (was ich so sehe),
dann kann man hier leicht
eine Win-Win-Win Situation erkennen:
1. Entlastung von Schülerinnen und Schülern
und Pädagoginnen und Pädagogen
(Jeden Tag mit hunderten
von unterschiedlichsten Menschen
an einem Ort lernen zu wollen und zu sollen,
das ist nicht immer ein Zuckerschlecken,
ihr erinnert euch vielleicht.)
2. Bei geschickter Umsetzung
eine gute Antwort auf den akuten Lehrermangel.
3. Mehr „Qualitytime“ für Eltern und Kinder.
Von einem großflächigen Umstieg
auf digitalen Unterricht
hat nur die Digitalbranche wirklich was
und von irgendeiner Form humaner Sozialisierung
könnten wir uns dann auch verabschieden
(ganz zu schweigen von der Handschrift).
Und eine einfache Rückkehr zum „davor“
schließt sich von selbst aus,
so lange es keinen sicheren Impfstoff
oder eine wirkungsvolle Behandlung gibt;
weswegen ich das Wunschdenken
unseres Bildungsministeriums
absolut nicht nachvollziehen kann.
(Außer, wenn sich die Bedenkenträger denken sollten:
„Kommt, wir müssen spätestens im November
eh wieder alles zurückfahren,
lasst die Kinder bis dahin
noch so viel wie möglich zusammen sein.“)
Eine kleine Geschichte über Schule 2020:
Im Herbst des letzten Jahres hat meine Gruppe
mit (teils) großem Interesse
das Tagebuch der Anne Frank gelesen.
Einige entschieden sich,
in die Rolle von Kitty (Annes Name für ihr Tagebuch)
zu schlüpfen und Anne zu antworten.
Zwei von diesen Briefen
landeten dann in unserer Schulzeitung
in der Rubrik: „Schreiben im Ausnahmezustand“.
Die Redaktion hat den Lockdown
weitestgehend ignorieren können,
weswegen die neueste Ausgabe
kurz nach Wiederöffnung erschien.
Ein treuer Leser entdeckte diese Briefe
und erinnerte sich,
eine Bekannte in Seattle zu haben,
die, wie sich herausstellte,
eine Nachbarin und Schulkameradin von Anne war,
nachdem diese von Frankfurt
nach Amsterdam geflohen war.
Vor einigen Tagen bekamen wir Post aus Seattle:
Eine hochbetagte Dame
zeigte sich ehrlich berührt
und wollte die Schreiber dieser Briefe
gerne kennenlernen.
Und genauso begeistert
schrieben diese am nächsten Tag per Hand zurück,
wie klein die Welt doch sei.
No end of story.
So long Kittys,
thank you for reading.
Have great holidays
no matter what.
Und nicht vergessen:
Dieses Jahr war Malle nur ein mal im Jahr.
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