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Final Countdown (S3:Ep11)

von | 2020 | 1. Oktober | Die Serie, Staffel 3 - Cope

Willkommen im letzten Quartal.
es ist dreiviertel 2021,
bzw. viertel vor 2021.
Dieser erste Flachwitz
wurde ihnen präsentiert von
„30 Jahre deutsche Einheit“ –
aber man soll den Tag
nicht vor dem Abend loben,
und in zwei Tagen
kann ja heutzutage noch viel passieren.
Das war in den letzten zwei nicht anders,
und auch davor schon nicht,
die Nachrichten fahren
sich langsam wieder fest.
Einige Themen werden zum Dauerbrenner,
irgendwas mit Nazikram u.ä.
geht immer gut.
Das Clickbait zur Einheit
geht momentan nämlich so:
Reichsflaggen verbieten?
In der AfD sind doch echte Nazis?
Bei der Polizei gibt es plötzlich doch
gar nicht mal so wenige Rassisten,
ganz ohne Untersuchung
durch das Innenministerium?
Das Internet übersieht nichts
und Captain Obvious‘ Superkraft ist,
dass er nie schläft.
Aber wir klicken und lesen weiter,
wenn sich irgendwo der rechte Arm erhebt;
auch eine Form von Antifaschismus.
Zum Jahrestag ist das also
die akute gesamtdeutsche Gretchenfrage:
Wie halten sie es mit rechts?

Und nicht nur hier ist das die Frage.
Auch diese eine Antwort
in der „Debatte“
zwischen den beiden Kandidaten
für das Amt des US-Präsidenten
ist ohne Umweg
in die Geschichte eingegangen:
„Stand back and stand by!“
Zur Einordnung:
Die Frage des FOX-News Moderators an Trump war,
ob dieser, hier und heute,
die „Weiße Vormachtstellung“ (white supremacy)
verurteilen werde.

Macht er natürlich nicht,
er würde sofort den letzten Rest
seiner verblendeten Wählerschaft verlieren.
Also lenkt er ab,
wen genau solle er denn da verurteilen?
Er fragt angesichts einer Ideologie
wirklich nach Namen,
und wirkt dabei nur noch hilflos.
Biden hilft nach
einigen quälenden Sekunden nach:
„Proud Boys.“
(Genau, die US-Nazis mit den dicken Knarren.)
Trumps Antwort zeigt dann,
wie der Typ eigentlich tickt:

Er sagt nicht das Erwartbare,
nämlich dass er die natürlich verurteile,
sondern das, was er denkt
sagen zu müssen,
wenn das Stichwort „Proud Boys“ fällt:
Sie sollen sich zurück und bereit halten.
Dass die verinnerlichte Parole
an dieser Stelle der Antwort
verheerend ist,
das fällt ihm anscheinend gar nicht auf.
Denn so hat er gerade
vor der Weltöffentlichkeit zugegeben,
dass die „Proud Boys“ ihn als Führer anerkennen,
auf dessen Befehle sie nur warten.
Was anderes waren die SA und SS auch nicht:
brutale, primitive Köter.
Kein Wunder also,
dass die das gerade als Durchbruch feiern.

Noch sind aber 33 Tage Zeit,
diesem größten Hochstapler aller Zeiten
die Tür zu weisen.
Die Frage wird sein,
ob seine Wachhunde dann schon
hungrig genug sind.
Gefüttert werden sie
im Moment noch ausreichend,
hier im Internet.
Gerade erst läuft ein neuer Film
über Cambridge Analytica,
die Datenkrake,
die schon das ländliche,
verarmte Großbritannien
auf Befehl von Boris Johnson
in hirnverbrannte Meinungszombies
verwandelt hat (Brexit).

In „People you may know“ wird gezeigt,
wie genau der gleiche Scheiß
einen scheinbar unüberwindbaren Graben
durch die USA gezogen hat.
Glückwunsch, beste Genesungsgrüße!
Erfahrungsgemäß kommen jetzt
ein bis zwei Weltkriege,
dann eine längere Landesteilung,
und dann noch mindestens 30 Jahre
Wiedervereinigungsgewürge,
wahrscheinlich aber mehr,
dazu liegen noch keine verlässlichen Daten vor.

Noch drei Datensätze,
dann ist der erste Countdown
des letzten Quartals
auch schon wieder durch.
Ein kurzes Covid-Update:
Scheinbar läuft es
zumindest bei der Testentwicklung gut.
Der erste echte Schnelltest geht in Produktion.
Ansonsten scheint man auch
an einem prophylaktischen
Nasenspray dran zu sein,
das gerade an Frettchen getestet wird.
Für das Problem des „verstummten“ Musikunterrichts
ist man auf die brillante Idee des Summens gekommen,
was eine irgendwie
beunruhigende Vorstellung ist:
25 Drittklässler dürfen
„Heho, spann den Wagen an“
nur summen, im Kanon.
Und wo wir grade bei beunruhigend sind:
Über 1.000.000 Opfer hat das neue Virus
innerhalb der ersten sieben Monate bereits gefordert;
vor dem ersten Winter.

Vor der letzten Sirene
dann aber noch etwas schönes
vom anderen Ende der Welt.
Der Sehnsuchtsort schlechthin,
Neuseeland,
ist anscheinend wirklich auf dem Weg,
in naher Zukunft
Aotearoa
zu heißen.
Das klingt nicht nur betörend,
es bedeutet auch noch so viel wie
„lange weiße Wolke“.
Einfach mal wirken lassen…

Dann also die Schlusssekunden:
Die Lakers scheinen aus ihrem Versuch,
die nächste Meisterschaft zu gewinnen,
keine lange Sache machen zu wollen.
Nach Monaten in der Bubble
wollen anscheinend alle schnell nach Hause,
das erste Spiel war nur
ein paar Minuten lang ausgeglichen.
Der Schlachtruf?
„Mamba on three!“
Kobes Geist lächelt irgendwo,
bis zum nächsten Countdown…

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