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The empires strike back (S4:Ep1)

von | 2020 | 8. November | Die Serie, Staffel 4 - The times they are a changing

„Das dumpfe,
nichts mehr in sich
unterscheidende Wesen des Geistes
ist also in sich selbst
jenseits des Bewusstseins getreten,
welches dagegen sich klar geworden ist.“

(Hegel: PdG. VI.b: Die Wahrheit der Aufklärung.)

So.
Genug gefreut, genug gelacht.
Endlich ist die finale Staffel
von „Trump“ vorbei,
was für ein tolles Happy End.
Nur eine kleine Story noch,
dann ist das Zeitalter
der Gegenaufklärung
vielleicht doch schneller
wieder vorbei als befürchtet,
und die #DoppeltenZwanziger
kriegen die Chance,
doch noch ein ganz normaler Text
über ein überhaupt nicht
normales Jahrzehnt zu werden.
Aber zur Zukunft dieses Textes hier
später mehr.
Also, ein letztes Mal zurück
in diesen totalen Abfuck an Absurdität:
Die finale Ansage des Trumpanwalts Guilliani
war an Unmöglichkeit einfach
nicht mehr zu überbieten:

Da es beim Buchen der Location
wohl zu einer Verwechslung gekommen sein musste,
fand sich der Troll doch tatsächlich
vor einem Gartencenter
der Kette „Four Seasons“ wieder.
Das sonstige Bühnenbild:
Nebenan ein Pornostore
und hintendran ein Krematorium.
Downtown Philadelphia,
Heimat der Unabhängigkeitserklärung
und ältesten der neuzeitlichen Demokratien.
Und was macht man,
kurz bevor man
am Ende der Karriere
die Tonne anzündet?
Genau, betteln.
Denn für die kommende Justizschlacht
scheint die Kasse knapp zu sein.
Aber immerhin:
Besser als Bürgerkrieg.

Aber ist deswegen auch gleich
das Zeitalter der Gegenaufklärung
endlich vorbei?
Werden wir nicht mehr gezwungen,
in der unglaubwürdigsten aller Skandalshows
als Statisten mitzuwürgen?
Hoffen wir es vorerst,
denn ein Spinoff wird es ja noch geben:
vor dem Supreme Court
(es seie denn irgendwelche Republikaner
kriegen mal den Arsch vom Topp
und feuern Trump einfach.
Diese Sprache dürfte er ja verstehen).

Dazu aber dann nur,
falls es soweit kommen sollte,
es ist ja nicht so,
dass die anderen Realityshows
nicht auch mindestens spannend wären;
und abgesetzt wird davon auch keine.
Denn an Antagonisten mangelt es nie.
Die Unsympathen der nächsten Staffeln
sind dabei sogar noch gefährlicher,
weil gebildeter.
Allen voran marschieren gerade
Macron und Erdogan.
Was bisher geschah:
Reboot der Spannungen
an der östlichen Mittelmeerküste
(Uraufführung: vor und während des 1. Weltkrieges),
Renaissance der Staatsreligion
in der Türkei.
Steigerung der Säkularisierung
in Frankreich zum Zynismus
(Charlie Hebdo, Houllebeque).
Dann: „Flüchtlingswelle“ 2015,
Aufstieg der Neuen Rechten
(immerhin schon zweite bei den Präsidentschaftswahlen),
Vor einigen Tagen:
Die Rückkehr des IS-Terrorismus
nach Frankreich, Österreich, Deutschland.
Öffentliche Verteidigung der Meinungsfreiheit
(am Beispiel bewusst verletzender Karikaturen).
Daraufhin Boykottaufrufe im Nahen Osten,
beantwortet durch ein geplantes Verbot
der türkischen Paramilitärs („Graue Wölfe“)
in Europa.
Na, klingt nicht gut, was?
Der 3. Weltkrieg lauert immer irgendwo.

Und wovon lenkt das alles ab?
Eben, von der wirklichen Wirklichkeit.
Das wissen wir Schlafschafe natürlich,
besser wird davon allerdings
genau:
Nichts.
Wie sich die multiplen Krisen
gerade beginnen
immer stärker miteinander zu verweben,
müssen wir auf den Phillipinen sehen:
Einer von vielen Taifunen
zwingt Hunderttausende
obdachlos gewordener Menschen
in Evakuierungslager.
Genau das,
was während einer
sich zunehmend zuspitzenden Pandemie
keiner will.
Genauso wollen wir nicht hören,
dass auch hier
die Intensivstationen fast schon wieder
so voll wie im April sind,
und selbst die „normalen“ Betten
waren schon mal weniger ausgelastet.
Die Idee mit den häuslichen Quarantänen
wird zum Rohrkrepierer,
wenn gleichzeitig die Schulen
so tun als wäre nichts.
Und so weiter und so fort.
Aber während in Frankreich
inzwischen die Schüler streiken,
weil die Hygienemaßnahmen
gar nicht umgesetzt werden können,
trifft sich in Leipzig lieber der Schwurbelfasching
und fordert das Ende der Fake Pandemie.
Lieber die alten Staffeln
nochmal gucken,
diese neumodische Normalität
ist denen einfach zu anstrengend.
Warum Teil der Lösung sein,
wenn man auch mit Nazis
spazieren gehen kann.
Aus dem Freistaat kommen deswegen
auch nur Neuauflagen
von abgehangenen Beschwichtigungen:
Kretschmer kündigt an,
die Vorfälle werden überprüft,
die Polizei sei (überraschenderweise)
überfordert gewesen.
Vielleicht sollten die mal drüber nachdenken,
neue Autoren einzustellen,
da schlafen einem ja
die Füße beim Marschieren ein.
Wie immer
gibt es noch
so unendlich viel mehr,
aber an dieser Stelle
jetzt erst mal
die angekündigte
Ankündigung:
Ab dieser Staffel
versuche ich,
mich auf eine Episode pro Woche*
zu beschränken,
dafür wird es dann wahrscheinlich
jeweils etwas länger.
Gründe dafür gibt es viele,
sucht Euch selbst was raus.
Nach langem Überlegen
habe ich mich momentan
für den Sonntag entschieden,
wenn nichts dazwischen kommt,
immer so gegen 19 Uhr.
Wer das für eine gute Idee hält,
lässt bitte einfach mal nen Daumen da,
wer bessere Vorschläge hat:
Gerne her damit.
Wem das aber völlig egal ist,
der macht das bitte nur,
falls er die Episode
irgendwie gut fand.
Ach so, und wem das hier zu stressig ist,
also das am Handy zu lesen,
zwei Sachen:
Man kann Facebook
auch auf dem Rechner lesen,
und:
Ich arbeite daran*,
aus dem ganzen Rumms hier
tatsächlich bald einen Blog zu machen.
Also: Spread the word!

*Alle Angaben ohne Gewähr

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