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No fronts! (S4:Ep14)

von | 2021 | 21. Februar | Die Serie, Staffel 4 - The times they are a changing

Stimmungsbild, Mitte der Woche:
Überall taut es,
es wird aufgeräumt,
die Sonne scheint.
Die Pandemie flacht vorerst ab
(außer in Brasilien).
Immer mehr Menschen bekommen
seriöse Impfangebote.
Eine halbwegs sinnvolle Öffnungsstrategie
nimmt immer konkretere Formen an.
Nach und nach öffnen die Schulen.
Die Sterbezahlen gehen (zu) langsam runter.
Die Krankenhäuser sind weniger überlastet.
Keine zwei Wochen mehr,
und allen kann wieder
ein Frisurangebot gemacht werden.
Das Homeschooling war oll,
aber besser als nix
(wie in vielen, vielen anderen Ländern).
Und die Tage werden wieder länger.

In Deutschland aber wird weiter
gefrontet was das Zeug hält.
Aber eben auf Deutschland-Art:
Auf andere mit dem Finger zeigen,
und drauf aufmerksam machen,
wie sehr die leiden würden,
eigentlich aber sich selbst meinen,
gleichzeitig unter Beweis stellen,
wie super achtsam
und wie robust
man doch selber ist,
und wie wenig davon diejenigen sind,
die nicht mit in dieses Jammerlied einsteigen wollen:
Seht nur, die Gastronomen wie sie leiden!
(Ich vermisse es so, sorglos gutes Essen zu genießen!)
Die Künstler, wie sie leiden!
(Ich vermisse es so, live unterhalten zu werden!)
Die Familien, wie sie leiden!
(Also die anderen Familien,
bei uns läuft‘s eigentlich wie immer.)
Die Bildung, wie sie leidet!
(Ach, zum Lesen fehlt mir grad die Ruhe!)
Die Kultur!
(Wie ich das Shoppen vermisse!)
Alle leiden,
alle! (Und vor allem ich.)

Da muss also etwas getan werden!
Da muss man drauf aufmerksam machen!
Da muss man sich zusammentun!
Da werden Petitionen gestartet!
Da werden offene Briefe unterschrieben!
Da wird mal ordentlich
auf das ganze Leid hingewiesen!
Und Verantwortliche benannt,
die jetzt endlich mal was machen müssen!
Die sichtbarer werden müssen!
Da müssen noch mehr Interviews geführt,
noch mehr Talkshows befüllt,
noch mehr Onlinekonferenzen abgehalten,
noch mehr Meinungsartikel geschrieben werden.
Damit endlich mal jemand mitbekommt,
wie hier alle leiden.

Leute, echt?
Danke für den Hinweis.
War mir gar nicht so aufgefallen,
hatte ich so gar nicht auf dem Schirm.
Ich dachte immer,
die die wirklich leiden,
sind die,
die grade auf den Intensivstationen
oder zu Hause Angst haben zu ersticken,
oder wenigstens deren Angehörige.
Deren gemeinsame Zukunft
gerade auf einer Rasierklinge balanciert.
Nichts, das sie dann wieder aufbauen
oder nachholen könnten.
Und das sind immer noch
über 500 pro Tag.
Aber auf deren Leid
kann man,
wenn sie gestorben sind,
eben nicht mehr so wichtigtuerisch
aufmerksam machen.
Darauf wollte ich nur noch mal hinweisen.

Für alle, die die Neue Normalität
vorerst (und mitunter auch zähneknirschend)
akzeptiert haben,
wird das ein ganz schönes Wochenende:
In der Sonne fast bis zu 20°C.
Was für ein Temperatursprung!
Spazieren gehen wird noch mal schöner,
Angrillen im Garten
ja beinahe schon ein Muss.
Alles andere muss aber noch warten,
wollen wir eine Chance haben,
dass es nicht bald wieder
deutlich mehr als 500 Covid-19 Tote pro Tag sind.
Bei allen anderen, die es nicht so haben
mit dem Akzeptieren,
scheint der Geduldsfaden
aber wieder mal bald zu reißen.
Da trägt man im Februar schon
Sonnenbrille beim Flanieren,
damit die anderen die angestaute Wut
nicht so sehen müssen.
Da fragt man sich,
ob denn die Friseure
nicht eigentlich auch schon
eine Woche früher aufmachen könnten.
Da werden aus normalen
Pausengesprächen unter Kollegen
ganz schnell Belehrungen
und Empörungen.
Und Enttäuschung,
wenn sich nicht sofort mit empört wird.
Anscheinend können einige Social Distancing
nur mit persönlicher Abschottung übersetzen.
Grenzen sind nicht nur wieder da,
sie verhärten sich in allen Bereichen.
Schade, zum Jahresanfang war wirklich
kurz Besinnung eingekehrt.
Und jetzt geht alles wieder von vorne los,
Mutationen sei Dank.

Wartet nur, keine drei Wochen mehr,
und das Spargelproblem steht wieder an.
Vor allem, weil ausgerechnet jetzt
die Grenzen nach Osten geschlossen werden.
Die Tagesschau titel großspurig
die „Rückkehr des Schlagbaums“ daher.
Was sagt eigentlich die EU dazu,
dass Tschechien so aus der Reihe tanzt?
Ach ja, Grenzschließungen.
Die Frage ist nur:
Warum passiert das
nach dem absehbaren Abflauen
der 2. Welle?
Warum passierte es nicht vorher,
und könnte jetzt langsam aufgehoben werden?
Gab es im Winter etwa auch
irgendeinen Spargel zu stechen?
Andere Länder sind schon früher
auf diesen Kurs eingeschwenkt:
China sowieso.
Neuseeland und Australien
konnten das einfacher bewerkstelligen
(große Inselgruppe, sehr weit weg von allem),
aber auch Israel hat die Grenzen dicht.
Der Ben Gurion Flughafen steht praktisch
seit Wochen still.
In China ist man sogar schon
einen gehörigen Schritt weiter:
Seit dem neuen Schuljahr
steht die „Nationale Sicherheit“
als Fach im Lehrplan.
An Grundschulen.
Internationalismus ist auf lange Sicht
kein Thema mehr,
jetzt denken erst mal
alle an sich selbst zuerst.
Und, na ja, schaut man sich die Lebenssituation
in den genannten Ländern an,
sieht das schon wieder ziemlich normal aus.
Und wenn dann mal
ein paar wenige Infektionen auftreten:
Zack, eine Woche harter Lockdown,
sämtliche Infektionsketten nachverfolgen,
isolieren,
und dann schnell wieder öffnen.
Nicht so hier im fortschrittlichen Europa:
Da wird gleich mal
der deutsche Botschafter
in Wien einbestellt,
weil man doch nicht einfach so
die Grenze zu Tirol schließen könne,
nur wegen dieser Mutante,
und weil die Zahlen da dramatisch steigen!
Nein, wie Schweden sollte man es machen,
dahin könne man wenigstens noch
in den Urlaub fahren,
mal durchatmen, im Café sitzen
und keine Zeitung lesen.
Immerhin stehen die Osterferien an!
Wiederauferstehung,
vom Eis befreit,
dies, das.
Das passt doch so schön.
Na, und wenn schon,
dann könnten doch
immerhin die in den Urlaub fahren,
wo die Zahlen immerhin stimmen
im Moment.
Immerhin sind es bald
100 Städte und Kreise,
die unter 35 liegen.
Die kann man doch nicht
weiterhin einsperren,
das wäre doch ungerecht!
Also, jetzt nicht den anderen gegenüber,
aber: immerhin!

Und wenn das nicht geht,
dann muss das mit dem Impfen
eben schneller gehen,
dann könnte man sich wenigstens
Impfprivilegien einfordern.
Aber bitte nur das gute Zeug!
Nicht das, was alle kriegen.

An dieser Stelle kurz zurück zum Ernst der Lage:
Einer der entscheidenden Gründe übrigens,
dafür dass Europa so wenig
von dem „guten Zeug“ geordert hat,
scheint zu sein,
dass Biontech/Pfizer
ca. 500% Gewinn machen wollten,
was die EU abgelehnt hat.
Wer sich also fragt, warum
in den USA und Israel
die Impfkampagnen so gut laufen,
der kann sich seine Antwort jetzt denken.
Auch was die anderen
internationalen Bündnisse angeht,
kann man beobachten,
dass sich wenig verschoben hat.
Russland hilft den ehemaligen
Bruderstaaten in Südamerika,
China investiert in Afrika,
Indien kommt allein zurecht,
Südostasien muss zusehen,
wie es zurecht kommt,
im Nahen Osten weiß keiner,
was der Nachbar macht
(außer den Geheimdiensten).
Impfkolonialismus ist das nächste große Ding.
Dazu braucht es keine offenen Grenzen.

Innerhalb der nächstgelegenen Landesgrenzen
sieht das Ganze momentan so aus:
Im Impfplan ist man fast überall so weit,
dass man schon der nächsten Prioritätsstufe
ein Angebot machen kann.
Die Kranken- und Pflegeeinrichtungen
sind soweit durchgeimpft,
die Rentner kriegen Post nach Hause,
an den Schulen wird der Bedarf abgefragt.
Auf dem Menu steht dabei vorwiegend
der britische Jedermann von AstraZeneca,
für den in Dessau
auch gerade ein Werk errichtet werden soll.
Das klingt ja fast
nach internationaler Zusammenarbeit.

Sachsen-Anhalt:
Wo Grenzen nur Worte sind.
Außer wenn es um Coronatouristen geht,
aber dazu dann nach Ostern mehr.

Last,
and nothing but least:

#saytheirnames

Gökhan Gültekin
Sedat Gürbüz
Said Nesar Hashemi
Mercedes Kierpacz
Hamsa Kurtovic
Vili Viorel Paun
Fatih Saracoglu
Ferhat Unvar
Kaloyan Velkov

#hanau
#halle
#fcknzs
#fckafd

 

„Der Mensch ist ein Unterschiedswesen, d.h. sein Bewußtsein wird durch den Unterschied des augenblicklichen Eindrucks gegen den vorhergehenden angeregt; beharrende Eindrücke, Geringfügigkeit der Differenzen, gewohnte Regelmäßigkeit ihres Ablaufs und ihrer Gegensätze verbrauchen sozusagen weniger Bewußtsein, als die rasche Zusammendrängung wechselnder Bilder, der schroffe Abstand innerhalb dessen, was man mit einem Blick umfaßt, die Unerwartetheit sich aufdrängender Impressionen.“

(Georg Simmel. 1902.)

 

Am ersten Fastensonntag klingen um 15 Uhr
in Quedlinburg die Kirchenglocken.
Und nur in den schattigsten Ecken
liegt noch ein bisschen dreckiger Schnee.
Hier zumindest sieht alles gerade
zu friedlich aus.
Die Spielplätze werden wieder besucht,
wenn auch noch spärlich.
Geht man früh genug los,
hat man alle Schaukeln,
Kletterspinnen und Wippen
fast für sich alleine.

„Daraus wird vor allem der intellektualistische Charakter des großstädtischen Seelenlebens begreiflich, gegenüber dem kleinstädtischen, das vielmehr auf das Gemüt und gefühlsmäßige Beziehungen gestellt ist. Denn diese wurzeln in den unterbewußteren Schichten der Seele und wachsen am ehesten an dem ruhigen Gleichmaß ununterbrochener Gewöhnungen.“

(ebenda.)

 

Ok, genug provinzielle Idylle für heute.
Denn alle wollen nur noch eins wissen:
Dritte Welle
oder
Nächste Pandemie?
Macht das Pandemische Jahrzehnt
schon im zweiten Jahr Ernst?
Ist die Vergangenheit wirklich vorbei?
Gibt es kein Zurück zur Normalität mehr?
Sind diese Zwanziger
das Gegenteil der letzten Zwanziger?
Das zu entscheiden,
ist es noch zu früh.
Aber man muss sich wirklich
nicht sonderlich viel Mühe geben,
um den Thesen
vom „Weltuntergang in Zeitlupe“
zustimmen zu können.

Nehmen wir mal
einen soliden Staat heraus.
Irgendwas großes, reiches.
Immer nices Wetter,
fernab von Krisenherden.
Viel Platz,
wenig Leute.
Doppelt so groß wie Deutschland,
kein Drittel der Einwohner:
Texas.
Zum Beispiel.
Da müsste doch alles dufte sein,
und wenn wir hier
so ein bisschen Winter
gut wegstecken,
kriegen die das doch sicher auch hin?
Na ja, fast:
Die progressive Hauptstadt des Staates,
Austin (ungefähr so viele Einwohner wie Köln),
war mindestens 3 Tage komplett ohne Strom.
Im gesamten Bundesstaat haben, Stand jetzt,
13 Millionen Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser
(Stichwort „Hygiene(regeln)“).
Ex-Präsidentschaftskandidat und local Hero
Beto O‘Rourke spricht völlig zu Recht
von einem „almost failed state“.
Texas ist ja bekanntlich schwer republikanisch,
sowas wie das Bayern der USA.
Und auch noch ziemlich weiß.
Und was machen Weiße im tiefsten Winter?
Richtig, Winterurlaub.

Deswegen ist dem texanischen Senatsabgeordneten
Ted Cruz auch erst aufgefallen,
dass es irgendwie uncool ist,
gerade jetzt nach Mexiko zu fliegen,
als er schon im Flieger saß.
Derweil zerfickt sein Schattenpräsident
seine ehemalige Partei nach Strich und Faden.
Das muss man ihm nicht lassen,
aber das ist das einzige,
das er, tausendfach bewiesen,
nun mal wirklich
richtig gut kann.
Trump möchte also
noch ein bisschen mitspielen,
bevor die Verurteilungswelle
ihn überrollt.
Die beste Klage bis jetzt
kommt aus dem Kongress:
Von dort wird sich auf den
sogenannten „KKK-Act“ berufen,
ein Gesetz von 1871.
Aber selbst das dürfte noch heißes Öl
für‘s faschistische Lagerfeuer
unterm brennenden Kreuz sein.
Sein „New Movement“
fängt gerade mal wieder erst an.
Trump spricht nächste Woche
auf der CPAC,
dem Megaevent der republikanischen Rechten.
Wir können gespannt sein,
wie die Steigerung
im Vergleich zu seiner
letzten öffentlichen Rede
(„Sturm auf‘s Kapitol“)
klingen wird.
Aber weniger als die Spaltung seiner Partei
wird wohl kaum das Ziel sein.
Danach haben alle zwei Jahre Zeit
bis zu den nächsten Kongresswahlen.
Zwei Jahre,
um sich richtig zu zerfleischen.
Sinnbildlich dafür
wurde vor einigen Tagen
Trumps ehemaliges Casino
in Atlantic City gesprengt.
Der Jubel soll die Explosion
fast übertönt haben.
Wie innerlich verfallen
die Republikaner aber wirklich sind,
das hat Senatshäuptling Mitch McConnell
zum Abschluss des Amtsenthebungsverfahren gezeigt:

Keine Stunde nachdem er
Trump freigesprochen hatte,
sagte er, dass dieser sowohl
praktisch als auch moralisch
für die Vorfälle verantwortlich ist.
Die Grenzen
zwischen Wahn und Wirklichkeit
sind nicht mehr fließend,
sie lösen sich auf.

Dafür werden dann eben bei den Demokraten
die nächsten Gräben gezogen,
die nächsten Heiligen Kühe vom Sockel geholt:
Noch vor einem Jahr war Govenour Cuomo (New York)
das Gesicht des Gewissens
im Angesicht der verheerenden ersten Welle.
Jetzt kommt raus,
dass er in den letzten Monaten
die Meldungen zu Totenzahlen aus Altenheimen
bewusst unterschlagen habe,
um schlechte Stimmung zu vermeiden.
Vorzeige-New Yorkerin
und Superstar der progressiven Linken,
Alexandria Ocasio-Cortez
wirft da gleich mal den nächsten Hut in den Ring,
keine zwei Tage später ist sie in Texas
und hilft bei der Wasserversorgung,
während Cuomo, ganz alter weißer Mann,
jegliche Schuld erstmal von sich weist.

Dann haben wir in absehbarer Zeit
ja vielleicht nicht nur drei,
sondern gleich vier Volksparteien in den USA.
Das wäre ja fast schon Demokratie.
Oder eben neue Grenzen,
aber ich will das mal
nicht zu schwarz anmalen.
Denn:
Die USA sind back!
Sagt jedenfalls Joe Biden.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Das ist da, wo jedes Jahr um diese Zeit
die Grenzen neu gezogen werden.
Also die zukünftigen.
Erstmal ganz ohne Krieg,
erstmal nur mit Diplomatie.
Bis auf das gegenseitige Versprechen,
gemeinsam (gemeint ist: „der Westen“),
alle anderen bei
der Pandemiebekämpfung zu unterstützen,
und die Tatsache,
das natürlich alles online stattgefunden hat,
hat sich auf der Siko nicht viel geändert:
Hauptforderung:
Mehr Geld für Rüstung.
Logisch, was sonst.
Der mit den konkreten Vorschlägen
war dann eben kein Staatsoberhaupt,
sondern Bill Gates:
Wenn wir nicht wollen,
dass „Corona“ noch mal passiert,
dann sollten wir mehr Geld
in die Prävention davon investieren,
also in Sicherheit.
Die Ankündigung,
dass Covax (Internationale Impfvereinigung)
daran arbeite einen Universalimpfstoff
gegen alle Coronaviren zu entwickeln,
klingt nach nem Plan,
aber das wird mit der Grippe
ja auch schon länger erfolglos versucht.
Dem Fortschritt sind
zumindest noch
zeitliche Grenzen gesetzt.
Und wenn es dann einmal so
schön reaktionär zugeht,
wird natürlich auch klar:
Wenn Amerika wieder da ist,
dann ist auch Russland
wieder da wo es vorher war,
nämlich jenseits
des transatlantischen Bündnisses.
Warum neue Grenzen ziehen,
wenn die alten so schön
übersichtlich geworden waren?
Dass dabei fast alle deutschen Medien
nur eine Meinung haben,
überrascht auch nicht.
Ein Glück, kann man die Textbausteine
von vor 5 Jahren wieder rausholen.

Was ganz neues gibt es dafür in Israel:
Der „Grüne Pass“ ist das hippe Ding
in Tel Aviv. Wer den hat, also geimpft ist,
der soll demnächst wieder ins Kino,
ins Restaurant und zum Sport dürfen,
vielleicht sind sogar Konzerte drin.
Die Grenzen sind übrigens
immer noch geschlossen.
Stellt Euch mal vor,
das wäre hier so:
Sven Liebich steigt sofort
wieder groß ein ins Geschäft
und verkauft seine antisemitischen Hetz-Shirts
demnächst nicht nur an Impfgegner.

Damit wird man dann an den Grenzen
gar nicht erst gefragt,
sondern gleich zum Umkehren aufgefordert.
Ein paar Grenzen hab ich noch:
Dänemark schließt vorübergehend die Grenzen,
in Flensburg grassiert B.1.1.7.
An den deutsch-tschechischen Grenzen
sind vergangene Woche
über 100.000 Menschen abgewiesen worden.

Was das alles auch für die Flüchtlingsrouten
bedeutet, davon redet lieber noch niemand.
Die Menschen im Irak, zum Beispiel,
sitzen in ihrem zerstörten Land fest.
Der Iran hat die Grenzen bereits geschlossen
und Erdogan zieht gerade ganz neue im Norden des Landes.
Oder Myanmar:
Dort ist seit einigen Tagen
das Internet abgeschaltet,
und trotzdem machen die Bilder
von den ersten Todesopfern
der Militärjunta die Runde:
Die Proteste halten an.
Die berüchtigte 33. Infantrie-Division,
die auch schon für die ethnischen Säuberungen
vor gut drei Jahren verantwortlich war,
macht klar,
dass auch hier ein Bürgerkrieg ansteht,
oder der erste ostasiatische Frühling?

Und weil alles so frühlingshaft ist gerade,
zum Ende noch zwei Grenzen,
die (wieder) eingerissen wurden:
Die USA sind zurück im Pariser Klimaabkommen,
John Kerry wird zum Grenzgänger,
ein echter Green New Deal
rückt in greifbare Nähe.
Die Menschheit ist dann doch vielleicht
auf dem Sprung in eine bessere Zukunft?
Wo NASA-Rover inzwischen schon regelmäßig
die Grenzen von Raum und Zeit überwinden,
da kann das bisschen Klima
doch nicht so schwer
in den Griff zu bekommen sein.
Ach, wie war es nur,
als es keine Grenzen mehr
zu überwinden gab.
(Dieser Schlusssatz wurde Euch präsentiert
von verzweifelter Verklärung
der grenzenlosen Neunziger:)

„No fronts,
no tricks,
no soap box politics.
No guns,
just blunts.
We kick this
just for fun.“

(Dog Eat Dog. 1994.)

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