„Die innere Feinabstimmung
zwischen der Notwendigkeit,
informiert zu sein,
um in der Zeit verankert zu bleiben,
und der absoluten Überforderung
ist heikel.“
(Sibylle Berg: Nerds retten die Welt. 2021.)
Es ist ungefähr fünfundvierzig Tage her,
dass ein guter Leser zu mir gesagt hat:
„Machste richtig mit der Sommerpause;
zum Schluss haste nur noch angehäuft.“
Die ausführliche Erwiderung dazu,
dass das ja auch genau der Eindruck gewesen wäre,
den ich erzähltechnisch erzielen wollte,
denn wir häufen ja alle nur noch an,
die habe ich uns beiden erspart,
denn es stimmte ja auch so.
Inzwischen ist also schon Ende Juli 2022,
höchster Hochsommer,
und ich bin immer noch
jeden Tag
den ganzen Tag
am Kopfschütteln.
Also innerlich.
Seit weit mehr als zwei Jahren
bemühe ich mich,
diesen Quatsch hier (aka Gegenwart) mitzuschreiben,
immer noch selbst mein bester Leser,
und immer noch in der Hoffnung,
dass doch noch irgendeine
spektakuläre Wendung
zum Guten eintritt,
dass diese Zwanziger endlich
doch noch irgendwie „golden“ werden;
auch wenn es bedeuten würde,
dass der Charleston
wirklich wieder getanzt werden würde.
Von mir auch
als Abendgymnastikkurs
am Strand von Hiddensee
(it‘s funny because it‘s true).
Wäre doch cool,
wenn es in fünfzig Jahren
dazu kommen würde,
dass es über die Doppelzwanziger heißen müsste:
Ja, die ersten Jahre ziemlich beschissen,
aber dann!
Dann endlich hatten sich alle besonnen.
Es war zu offensichtlich geworden,
worin die Probleme bestanden.
Sogar Elon Musk hatte einen lichten Moment:
Der Welthunger
war nach der Spende der Hälfte seines Vermögens
bis weit in die Dreißiger
kein Thema mehr.
Die Budgets für die Energiekriege
wurden allesamt
in wirklich grüne Technologien investiert,
zu Beginn der Vierziger
war die Welt emissionsfrei geworden.
Die Klimakatastrophe
war zwar nicht mehr aufzuhalten gewesen,
aber nachdem alle faschistoiden Führer dieser Welt
freiwillig abgedankt hatten,
die Grenzen abgeschafft wurden,
und das Menschenrecht zur ultima ratio geworden war,
blühte die Welt
in den Fünfzigern und Sechzigern
wieder auf.
Sogar in der Wüste waren Städte gewachsen,
wie sie sich nie jemand hätte erträumen können.
Und in der Rückschau der Siebziger
hießen diese Zwanziger
dann nur noch:
Das Spiegel-Jahrzehnt.
From Hero to Zero to Hero
in nur zehn Jahren.
Soweit sind wir aber
bekanntlich noch nicht.
Im Gegenteil,
momentan fühlt sich alles
nur gegenteilig an.
Und da in diesem Jahrzehnt ganz bestimmt
noch überhaupt niemand
gesagt oder geschrieben hat,
dass die Welt und die Zeit und die Spiegel
endgültig (und außerdem schon etwas länger)
kaputt sind,
hebe ich mir das auch
noch ein bisschen länger auf
und schiebe auch den Versuch
einer cleveren Überleitung
zurück zur Chronik
auf das hintere Bankende.
Damit dann
zum Sport.
In exakt in diesem Moment
spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft
bei der diesjährigen Europameisterschaft
gegen Frankreich.
Die Engländerinnen
haben sich gestern spektakulär
gegen die favorisierten Schwedinnen durchgesetzt
und warten schon füßescharrend im Finale,
das natürlich im Wembley-Stadion ausgetragen wird.
Es duftet also schon ganz herrlich nach Fußballgeschichte.
Da freuen sich schon alle auf den Winter.
Wenn die Männer in der Wüste
den Weltmeister unter sich ausmachen.
Ohne Bier auf den Rängen.
Wahrscheinlich.
Beim Basketball ist gerade Pause,
die EM beginnt erst in fünf Wochen,
und alle reden schon jetzt
nur von Luca Doncic.
Wichtige Schlagzeilen macht
die beste Mannschaftssportart
aller Multiversen und Zeitlinien
aber dennoch.
Nur geht es nicht um Basketball.
Da die Story aber so schön nussschalig ist,
muss sie ihren Platz hier schnell noch bekommen,
bevor es dann doch noch relevant wird
für heute.
Brittney Griner,
US-Nationalspielerin,
Superstar der Phoenix Mercury
und in den spielfreien Monaten der WNBA
beim UGMK Jekaterinburg (Russland) unter Vertrag,
sitzt seit knapp fünf Monaten
in einem Moskauer Gefägnis.
Der Vorwurf: Drogenhandel.
Konkret geht es um einige Vaperkartuschen mit Haschischöl,
das sie in den USA legal verschrieben bekommen hat,
zur Behandlung chronischer Schmerzen.
Sie hat sich bereits schuldig bekannt,
aber angegeben, nicht mit Absicht gehandelt zu haben,
vor allem nicht, um damit zu handeln.
Bleibt nach russischem Recht immer noch:
Drogenbesitz.
Es drohen bis zu zehn Jahre Haft.
Ginge es um,
sagen wir mal
Luca Doncic,
wäre die Sache wohl schon lange erledigt,
so aber wurde die Affäre
schon zu Höhen getrieben,
die völlig absurd klängen,
gäbe es nicht gerade einen Kalten Krieg:
Es ist bereits ernsthaft
über einen Gefangenenaustausch verhandelt worden.
Griner gegen irgendeinen russischen Dissidenten.
Ob und wie dieser Trade zustande kommt,
oder ob das
die US-amerikanische Variante des Sommerlochs sein soll,
darüber sollen andere spekulieren,
mir ging es nur um den Kontext:
Rassismus,
Misogynie,
Politisierung von Profisport,
Diskriminierung durch
eine willkürliche und fragwürdige Justiz.
Basketball kann noch so viel mehr
als einfach nur geil zu sein.
So absolut überhaupt
und gar nicht geil,
sind übrigens die aktuellen Coronazahlen,
aber die haben es sich inzwischen
nun mal erst nach dem Sportteil
gemütlich gemacht.
Ganz grob:
Wir und die Welt
erleben gerade den vorläufigen Höhepunkt
der verflixten Siebenten Welle.
Covid-19 macht weiter, was es will.
Sieben Millionen nachgewiesene Neuinfektionen pro Woche,
weit mehr als eine halbe davon in Deutschland,
sechzehntausend Opfer pro Woche,
600 davon in Deutschland.
Tendenz: weiter steigend.
Besonders hilflos stehen gerade
Europa, Australien und Japan da.
Immunfluchtvariante
plus restlos erschöpfte Gesundheitssysteme
plus weitestgehende Ignoranz
der deutlichen Mehrheit der Gesellschaft
(siehe: Verhalten im Supermarkt)
sind eben keine so günstige Kombination.
Und es ist wieder mal
erst Sommer.
Zeit also zum sich Gedanken machen
über Maßnahmen,
die dann wieder nicht umgesetzt werden.
Und ich habe die Diskussionen
über den baldigen Zustand der Schulen
jetzt schon satt.
Eine der spitzen Ideen,
die bereits wieder begraben wurden,
wurde sogar nicht nur hier in Sachsen-Anhalt,
sondern sogar in Texas schon ausprobiert:
Eine Vier-Tage-Schulwoche.
Entzerrung, Entlastung,
ihr wisst, wozu das gut sein soll.
Und ihr ahnt,
dass die Sache gleich mehrere Haken hat.
Der schmerzhaftesten davon,
zumindest in meiner Bubble,
sind dabei sowohl der chronische
als auch der akute Lehrer*innenmangel
(Seiten- und Quereinsteiger*innenmangel,
you name it).
Denn es soll ja nicht einfach Unterricht ausfallen,
sondern auf vier Tage komprimiert werden.
Am fünften soll dann Homeschooling erfolgen.
Jap: Noch mehr Arbeit in noch weniger Zeit.
Da war es wohl schon etwas später
bei den Sitzungen der jeweiligen Bildungsexperten.
Schnapps und die verzweifelte Suche nach neuen Ideen;
hat wie immer gut funktioniert.
Vorsichtshalber gab es noch
das alljährliche Versprechen des Bildungsministeriums,
den Lehrer*innenmangel jetzt endlich anzugehen,
also demnächst.
Aber noch sind Ferien,
sogar noch eine ganze Weile.
Wie überall,
natürlich auch
hier in Quedlinburg.
Und weil niemand
fünf Wochen lang in den Urlaub fahren kann,
die umliegenden Betreuungseinrichtungen
aber allesamt Schließzeit haben,
hilft die topurbane Welterbestadt
traditionell dabei,
dass der Nachwuchs in seiner Freizeit
weiter auf‘s richtige Leben vorbereitet wird.
„Andershausen“ heißt der Spaß.
Für Unprovinzler:
Im Quedlinburger „Ökogarten“,
einem weitläufigen Spielplatz
und urbangardening place to be,
kurz hinter der Arschkerbe
und einen Katzensprung entfernt
von der ehemaligen Gartenschule/Asylunterkunft,
veranstalteten eine Reihe von Pädagoginnen und Helfern
eine Art Miniaturstadt,
in die man einziehen kann.
Als Kind.
Jede*r sucht sich einen Job
(Gemüseanbau, Tierhaltung,
Polizei, Handel, Verwaltung, etc.),
verdient „Geld“
und kann davon seinen Unterhalt bestreiten.
Ganz neu auf der Traumberufsliste
in diesem Jahr:
Social Media Manager.
In Andershausen nennt man das
noch (oder schon): Journalismus.
Insta-Stories aus
der Krabbelgruppe der Leistungsgesellschaft.
Hauptsache der Filter stimmt,
und die Instapuristen
kriegen noch authentische Aufnahmen gezeigt.
Nebenan bei Facebook
geht es hier momentan schon noch anders zu:
Da wird sich noch Wochen nach dem Abitur
darüber erregt, dass die ganzen Schlauen
in der Produktion fehlen.
Wer braucht schon Ärztinnen,
Juristen, Ingenieurinnen oder Lehrer?
Die Heizungen reparieren sich nicht von allein.
Und auf dem Schwarzmarkt des Handwerks
steigen die Löhne weiter und weiter.
Nicht nur das Material ist knapp.
Upps, sorry, im Internet falsch abgebogen.
Aber zur Refokussierung
reicht momentan
auch das Lauschen aus dem Fenster:
Heute war den ganzen, ganzen Tag
Tatütata – das Original;
dazu aber lieber erst später,
denn noch viel krasser:
Seit diesem Montag
heißt es in der Gegend:
„Der Harz ist abgeschnitten“
(Wie sich der Krieg doch immer weiter
in die Alltagssprache schleicht …)!
Chaos an allen Bahnhöfen,
an denen es bis heute noch nicht herrschte.
Gründe werden so viele genannt,
dass ich nur die wichtigsten notiere.
Offiziell:
Dringend notwendige Gleisarbeiten
(Unfallprävention).
Inoffiziell:
Brutaler Personalmangel,
finanzielle Schieflage der Betreiber.
Und das alles bis Ende August.
Ohne Ankündigung.
Am Bahnsteig in Thale
wiederholt die automatische Ansage
in Endlosschleife
den Ausfall aller Züge.
Ein Fiasko,
aber nicht etwa in erster Linie
für die Pendler,
sondern vor allem
für den Tourismus,
also der wichtigsten Branche der Gegend.
Die Bürgermeister machen
sich im Internet Luft.
Die Parkplatzbetreiber reiben sich die Hände,
Verknappung ist auch hier gut für‘s Geschäft.
Und es gibt immer noch genug Berliner,
die zum Runterkommen
ein paar Tage in den Bergen verbringen wollen;
etwas das jetzt dann wieder mehr Stress bedeutet.
Schade eigentlich,
dass man das nicht einfach
auch auf den Krieg schieben kann,
das klappt doch sonst ganz gut.
Auch weil man dann nicht so sehr
über dessen weiterhin makaberen Verlauf
sprechen muss.
Wichtig ist, dass sich die Kraftstoffpreise
wieder „normalisieren“.
Wenigstens die.
Der Krieg selbst ist derweil,
für alle Unbeteiligten, also uns,
nämlich schon ganz „normal“ geworden;
Schreckensberichte aus einer anderen Weltgegend,
nicht wirklich was neues.
Nur manchmal.
Wenn, z.B. die Ukraine
das AKW Saporischschja
mit Kamikazedrohnen zurückerobern will.
Oder wenn sich Russland
dann inzwischen doch wieder mehr vorstellen kann,
inklusive Regimewechsel in Kiew.
Die Gegenwart des Krieges
heißt jedoch:
Stellungskrieg.
Unerbittlich
und an allen Fronten.
Da liegt jetzt schon mehr Kriegsmaterial rum,
als Schulexkursionen
in zehn Jahren nicht ausgraben können.
Und das Ende rückt in immer weitere Ferne.
Zu viele profitieren
von dieser Schlachterei.
Russland hat inzwischen beinahe komplett
auf Kriegswirtschaft umgestellt
und in Deutschland
scheitern die direkten Waffenlieferungen in ein Kriegsgebiet
im Moment nur noch an der langsamen Produktion.
Deren Grund: Die Energiekrise.
Waffen schmieden ist ebenfalls teurer geworden.
Russland hat hierbei
die nächste Schlacht gewonnen:
Das größte Kohlekraftwerk der Ukraine,
der Distrikt 12 dieser real-time Hungerspiele,
ist am Wochenende „gefallen“/“befreit“ worden.
Reaktion in Deutschland:
Schulterzucken.
Hier ist was anderes wichtig.
Kommt das Gas?
Kommt es nicht?
Wenn ja wann?
Und wie viel?
Wird es für den Winter reichen?
Getauft wurde dieser Teil
der (unfreiwilligen?) Gegenpropaganda:
„Gaskrieg“.
Und, holy shit!,
nicht mal über dieses deutsche Wortmonstrum
regt sich noch irgendwer auf.
Apropos aufregen:
Die geilen Macher unserer Tage
liefern weiter genügend Stoff,
um immer noch jemanden zu finden,
der es noch grandioser verreißt.
Hier nur kurz
meine persönlichen Top-Drei
der vergangenen Wochen:
Auf Platz 3:
Viktor Orban.
Rassistische Kackscheiße
aus dem letzten Jahrhundert absondern
(„keine Volksvermischung in Europa!“),
und dafür nicht mal mehr vom EU-Ratspräsidenten
eine gescheuert bekommen.
Platz 2:
Boris Johnson.
Endlich halb zurückgetreten,
und eiskalt weiter Party machen.
Erst im September
darf Liz Truss dann übernehmen.
Platz 1:
Christian Lindner,
inzwischen „Hart am Wind“.
Kaltschnäuzig und korrupt
(„Porscheaffäre“, klar was sonst?),
dafür aber mit vollendeter Traumhochzeit
auf Sylt.
Nicht mal eine
einzige Bierdose ist geflogen.
Gut, genug aufgeregt,
bei den Temperaturen
sollte ich auf meinen Blutdruck achten.
Dann also endlich zum Wesentlichen:
Die verheerendste Feuersaison
mindestens der jüngeren Geschichte.
In großen Teilen des globalen Nordens
ist die Frage nicht mehr länger:
Wo brennts?
Sondern: Wo nicht?
Südeuropa steht großflächig in Flammen,
der Westen der USA ebenfalls.
London hat gerade erst
den größten Feuerwehreinsatz
seit dem Zweiten Weltkrieg
überstanden
und einsame Temperaturrekorde erlebt.
Und in Deutschland
zählt auch schon keiner mehr mit.
Die Zahlen der brennenden Flächen
und die Zahlen der nicht brennenden Flächen
nähern sich an,
wie die Anzahl der Körner
in einer Sanduhr,
die wir selber umgedreht haben.
Alles was uns bleibt,
ist der unermüdliche Einsatz der Löschkommandos,
die Hoffnung auf Regen
und Bilder,
die einem Katastrophenfilm entsprungen scheinen:
Die Klippen der Sächsischen Schweiz
brennen zur Stunde,
und niemand kann sie löschen.
Nicht mal der steigende Meeresspiegel.
Da kann in Grönland noch so viel Eis schmelzen,
im Erzgebirge schlägt ein kaltes Herz.
Und inzwischen leiden
auch nicht nur unsere heimischen Wälder
in bis heute unbekanntem Ausmaß,
sondern zunehmend auch wir selbst.
Also, um genauer zu sein,
der Teil unserer Gesellschaft,
bei dem im Moment das gleiche Phänomen zu beobachten ist,
wie auch im Umgang mit den Pandemiefolgen.
Schon bei der zweiten Hitzewelle
wurde klar, dass diejenigen,
für die Außentemperaturen von über Körpertemperatur
nicht selten tödlich enden,
die Alten und Kranken
eben nur Zahlen in einer Statistik.
Körner, die bereits
am Boden der Sanduhr liegen.
Und so betrachtet
muss ich
dem UN-Generalsekretär widersprechen.
Nein, unsere Reaktion auf die Klimakatastrophe
ist kein „kollektiver Selbstmord“,
sondern eigentlich nur
Tötung der Schwächsten
durch unterlassene Hilfeleistung.
Sorry, not sorry
für den Zynismus.
Deswegen jetzt noch
ein kleines Schlaglicht,
das vor diesem Hintergrund
genauso für sich selbst spricht,
wie es sich wirklich
so zugetragen hat:
In einem Modediscounter in Berlin
steht ein Mann in der Schlange
an einer der sechs Kassen,
an denen Euro gegen Kleidung getauscht werden.
Er hatte schon nach kurzer Zeit
ein Shirt auf einer Stange gefunden,
das ihm erstens passte
und zweitens an Ironie
wohl schwerlich zu überbieten sein dürfte.
Auf schlichtes Dunkelblau
ist eine giftgrüne Weltkarte gedruckt,
umrahmt von folgenden Worten:
„Change is coming!
Whether you like it or not!
– Greta Thunberg“.
Designed in Schweden.
Made in China.
Verkauft in Berlin.
Noch Fragen?
Ja!
Hab ich noch was vergessen?
Ach ja, die Inflation.
Was das schon wieder ist,
das hat John Oliver
am Wochenende brillant wie immer erklärt,
mit schwindelerregenden Einschaltquoten weltweit.
Und möglicherweise
kommt es doch nicht so schlimm wie alle befürchten,
die Notenbanken erhöhen, auch heute wieder,
mit zunehmender Geschwindigkeit
die Leitzinsen.
Auf eine weltweite Rezession
hat anscheinend doch niemand Bock.
Vielleicht macht es das
aber auch alles noch schlimmer,
was weiß ich schon.
Was ich aber weiß,
ist, dass eine Sanduhr
immer wieder umgedreht werden kann,
umgedreht werden muss,
sonst ist die Zeit nicht nur kaputt,
sondern stehen geblieben.
Und dass man aus Sand
noch ganz andere Sachen machen kann,
das soll in den nächsten fünfzig Jahren
in Neom,
in der nördlichen Wüste Saudi-Arabiens
beweisen werden.
Was jetzt kommt,
sind wirklich ernstgemeinte Pläne
für eine neue Megacity
des Kronprinzen bin Salman
(genau, der mit Kettensägenjournalistenmord):
„The Line“ soll bis zu neun Millionen Menschen
Wohnung, Arbeit und Leben bieten.
Die Stadt am Roten Meer
wird nur aus zwei Gebäuden bestehen,
die man nach den Plänen
getrost als zwei riesige Spiegel bezeichnen kann,
weswegen sie auch
„mirrored scycrapers“ genannt werden.
Jeder Wolkenkratzer sieht aus,
als würde er auf der Seite liegen,
denn er ist nicht nur 500 Meter hoch,
und 200 Meter breit,
sondern eben auch 170 Kilo(!)meter lang.
Kostenpunkt:
Eine Billiarde Dollar
(in Ziffern: 1.000.000.000.000)
und ungezählte Menschenleben.
Bauzeit: Fünfzig Jahre.
Wie viele Sandkörner
eine Sanduhr
mit so viel Zeit
wohl haben würde?
*** Breaking News ***
Abpfiff: Das Spiel ist aus.
Die Zeit ist um.
Das letzte Sandkorn ist gefallen.
Das Finale der diesjährigen Fußball-EM
heißt seit dieser Sekunde:
England gegen Deutschland.
Wer wird die nächste
Geoff Hurst?
So.
Zum Schluss für heute
noch einmal ganz zurück an den Anfang.
Zu diesem mutmachenden Zitat
von der Optimistin vom Dienst.
„Heikel“ ist das alles also.
So so.
#DieDoppeltenZwanziger
sagen dazu nur:
Sei‘s drum!
Bring it on!
Von heute an
wieder ohne Pause,
bis zum nächsten Sommer.
Chronik essen german angst auf.
„Cliff dive broken mind.
Wondering how I got here.
A million times tongue tied.
Spit it out!
Never mind.
I think I’m addicted to the fear.“
(Deep Sea Diver: Impossible weight. 2020.)

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