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Spending my Time (S9a:Ep3)

von | 2023 | 21. Mai | Die Serie, Staffel 9a - Little Oblivions

 

„Since the love that you left
is all that I get
I want you to know
that if I can’t be close to you
I’ll settle for the ghost of you.
I miss you more than life.
And if you can’t be next to me
your memory is ecstasy.
I miss you more than life.“

(Justin Bieber, Jonathan Bellion: Ghost. 2021)

 

 

Ferien,
auf dem Balkon.
Irgendwie die Zeit rumkriegen,
ohne sich mit dem Alltag 2023
ablenken zu können.
Ausführlich aufräumen,
putzen und sich um den ganzen Rest kümmern,
aber erst morgen…
Aber egal auf welchem Balkon,
hier in Quedlinburg,
war es in dieser Woche
zu oft noch zu windig,
um den Sonnenschein genießen zu können,
den es auch nur in Abwechslung
mit viel zu großen Wolken gab.
Der Sommer hat uns ganz schön warten lassen.
Kann der so machen,
was bedeutet dem schon die Zeit?
Vor allem abends
war es sogar den Katzen noch zu frisch.
Weswegen sie lieber eingerollt
in den Häusern ihrer Menschen schliefen.

Bevor wir aber später
zur Magie dieser Hausgeister zurückkommen,
an dieser Stelle jetzt erstmal wieder
eine halb ernstgemeinte Entschuldigung.
Wegen letzter Woche
und wegen dieses Overkills an Bedeutungsebenen,
zu dem sich die Episode ausgewachsen hatte.
Wie sehr vorbei am Zeitgeist das war,
das werden wir spätestens im September sehen,
wenn die nun schon oft erwähnte Naomi Klein
ihr wohl wichtigstes Buch veröffentlicht:
„Doppelgänger“;
und ich warte nur noch darauf,
dass da auch irgendwas
über Spiegelneurosen drinsteht…

Jeder hat also bekanntermaßen
seine/ihre ganz eigene Art des Eskapismus,
und diese temporäreren Ausflüge,
knapp über die Metaebenen hinaus,
scheinen manchmal die meine zu sein.
Aber das könnte sehr wahrscheinlich
auch nur daran liegen,
dass ich eine der momentan
populärsten Formen der (literarischen) Weltflucht
aus tiefstem Herzen ablehne:
Das Kartografieren
des geheimen Innenlebens
„ausgedachter“ Personen.
Also: Biedermeier 2.0,
das immer noch beschwiegene Comeback
der schlimmsten Literaturepoche aller Epochen.
Heute spielen Inneneinrichtung und Garten
nur noch eine marginale
(und dadurch um so exklusivere?) Rolle,
dafür aber können wir den Figuren
über die Mandeln bis ganz tief ins Herz schauen.
So tief rein,
dass sämtliche Gegenwart völlig verschwindet,
was ja der Zweck dieser Meditation ist.
Was bewegt eine Kunstfigur?
Was bewegt das Alter?
Was bewegt einen Massenmörder?
Was bewegt einen Frauenhasser?
Was bewegt die Jugendbewegten?
Was löst das alles in ihnen aus?
Was wollen die alle?
Wo kann man relaten?
Wo ist das Ventil?
Wo ist die Katharsis?
– Und wann
ist aus Bildung
eigentlich Soul-Porn-Unterhaltung geworden?
Schlimm.
Wenn die Welt und die Geschichte
zur reinen Kulisse degradiert werden,
die nur den Zweck verfolgt,
der Figur irgendeine Authentizität anzudichten,
die dann zum Kaufargument vergärt,
weil es doch immer nur
eigentlich nur um uns selbst geht,
dann, … ja, dann bleibt alles wie immer.
Und die Massen,
die sich als solche
nicht mehr erkennen können,
vor lauter diversifizierter Identifizierung,
stopfen sich zum Zeitvertreib
ihre Hirne voll.
Mit dem Leben der anderen;
insgeheim alle auf der Suche
nach ihrem Doppelgänger;
wenn das mal kein postmoderner Charakterzug ist.

In diesem Sinne also:
zurück ins Außen.
Fast alle Ferien sind,
für viele wie mich,
so eine Art
Arbeiten
und vom Arbeiten erholen,
nur eben in Gleitzeit.
Da gibt es, als ein Beispiel, die Welle zu surfen,
acht bis zehn Stunden zu finden,
in denen ein Klassensatz Klausuren
korrigiert und bewertet werden will,
in denen es um Moral und Marco Buschmann (FDP) geht.
Und nur in den Ferien kann es passieren,
dass man genau dabei im Radio
das Ergebnis der letzten IGLU-Studie hört:
Ein Viertel der 10jährigen in Deutschland
kann nicht sinnerfassend lesen.
Und ich behaupte,
deutlich mehr als die Hälfte der über 10jährigen
macht es gar nicht (mehr),
jedenfalls nicht über
die 10-Minuten-Marke hinaus.
Und ja, der Oberlehrerton an dieser Stelle
ist vollste zynische Absicht
(Alleinstellungsmerkmal und so…).

Da möchte man am liebsten gleich
wieder vom Schreibtisch aufspringen,
und irgendwas anderes machen.
Kram erledigen,
Tee trinken,
das Bad putzen,
die Blumen gießen, prokrastinieren.
Zum Geist im eigenen Haus werden,
damit es sich wenigstens hier
halbwegs richtig anfühlt,
mit Ordnung, Struktur
und einem ungefähren Zeitplan.
Wo sich noch Zeit findet,
die doppeltverglasten Fenster im Weltkulturerbe zu putzen,
nicht dass die Touris noch denken,
hier wäre doch nicht alles gold.
Man könnte sich sogar etwas
für die Abende in der Woche vornehmen,
eine Lesung zum Beispiel,
schließlich ist Bücherfrühling,
aber wenn man das macht,
wird die auch nur abgesagt,
und man muss sich seine Zeit
doch wieder mit etwas anderem vertreiben.
Die Gartenlaube fertigstreichen,
einen Freund der Familie zu seiner Rehaklinik fahren,
für den es in Thale
einzig im Elka-Kaufhaus,
das bald schließen wird,
noch einen Bademantel gab.
Oder man kann
mit anderen Männern vollauf beseelt
durch den Harz wandern,
ohne beim Berauschtsein
schief angeschaut zu werden.
Oder man könnte endlich mal „Klondike“ zu Ende schauen,
diesen beklemmend schönen Film
über eine Familie im Donbas,
im Jahre 2014.
Oder man könnte sich ärgern,
inzwischen dann doch einfach mal zu alt zu sein,
um sich noch einem Zeitvertreib hingeben zu können/wollen,
den es erst genauso lange gibt wie es uns gibt,
d.h. uns Millenials.
Der neueste Teil nämlich,
von „The Legend of Zelda“
scheint mal wieder
das beste Videospiel aller Zeiten zu sein,
immerhin hat es sich
in drei Tagen 10 Millionen verkauft
(in Ziffern: 10.000.000 in 72 Stunden),
und kann also bei seiner multigenerationalen Fanbase
dann gar nicht mal soo schlecht sein.
Mit dem Gleitschirm durch Hyrule fliegen;
wenn Eskapismus und Mythos sich treffen;
kein Zufall,
dass Link
der beste Name
für das Alterego in dieser fantastischsten OpenWorld ist.

Vom Super-Totem der meisten 90s-Boys
zu einem anderen,
und dann ist die Vorrede der Episode
auch endlich vorbei.
Das Tiertotem.
Nach fast einer Woche mit einer Katze
kann ich sagen:
Nein, auch die Katze ist es nicht,
meinen animalischen Doppelgänger
suche ich weiter.
Ich kann aber sagen:
Überaus faszinierend.
Vor allem, wie unfassbar leise,
nämlich absolut ohne jedes Geräusch,
sich diese Tiere bewegen.
Wie Geister.
Nur wahrscheinlich oft etwas hübscher.

Ansonsten habe ich
nicht mehr oder weniger
als in allen anderen Wochen dieses Jahrzehnts
natürlich noch die „Neuigkeiten“ verfolgt,
um nicht vor lauter Zeitvertriebsdruck
auch noch ein Dankbarkeits-/Achtsamkeitstagebuch anzufangen,
und womöglich noch im Flattersatz.
Denn mein heimliches Millenial-Totemtier
sagt weiterhin:
„Gleite!“
Und dabei muss ich mich sogar etwas sputen,
denn allein die Notizen
sprengen bereits wieder
die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne
aller Leser*innen,
die es ohne interessante Hauptfigur
nicht länger als ein paar Momente durchhalten.
Was ihnen niemand verübeln kann
bei dieser abschüssigen Gegenwart.
So. Here. We. Go.

Für Sonntag Abend
war in dieser Gegend hier
also das erste Sommergewitter des Jahres angesagt.
Und: Niente. Sonnenschein, 20+°C.
Wir bleiben also zu Beginn gleich beim Klima.
Und beginnen mit einem Protestcamp
in der Berliner Wuhlheide.
Mit Baumhäuser und allet.
Wurde einfach jeräumt.
Denn wichtiger, wie immer,
alte weiße Männer:
Der ehemalige Audi-Chef legt endlich sein Abgasgeständnis ab
und wird endlich mal so richtig bestraft,
der Ungerechtigkeit ist vollauf Rechnung getragen:
Eine Bewährungsstrafe und,
festhalten, kein Tippfehler:
1,1 Millionen Euro.
Wie schlecht kann ein Witz eigentlich sein?
Auftritt Arnold Schwarzenegger,
dessen Bier ich mal kurz halten soll:
In Wien veranstaltet er einen „Klimagipfel“.
Greenwashing aus der Meisterspülküche.
Am besten Spültisch: BMW.
Aber, wenigstens die Farbe der Hoffnung bleibt:
Sebastian Striegel (Die Grünen S-A)
erinnert auf Facebook:
„Schaut in die Niederlande!
Dort befürworteten nur 46 Prozent
Tempo 100 vor der Einführung,
während sich zwei Jahre nach der Einführung
60 Prozent sogar für eine Reduktion
auf 90 Stundenkilometer aussprachen.
Ein riesiger Erfolg.
Für die Menschen
und das Klima.“

Und Ihr fragt Euch jetzt auch gerade,
wie heiß ein Stein eigentlich sein kann,
auf den der berüchtigte Tropfen fällt?
#DieDoppeltenZwanziger
vertreiben Euch mit ein paar Antworten
gerne die Zeit:
Das 1,5°C-Ziel wird jetzt schon 2027 erreicht.
Die UN sagt noch mal heißere Jahre voraus.
Weil: El Nino.
Der Klimageist aus dem letzten Jahrhundert
hatte eine längere Pause eingelegt,
will jetzt aber kräftig mithelfen
beim Eskalieren.
Über Myanmar und Bangladesh
zieht der stärkste Zyklon aller Zeiten (260+km/h),
zum Glück waren die Evakuierungen erfolgreich.
In Uruguay herrscht absolute Dürre,
noch 3 Wochen ohne Regen,
dann ist das Wasser komplett alle.
In Kanada brennt es inzwischen in vier Provinzen,
die Regierung bittet um internationale Hilfe.
In Italien sterben bald 20 Menschen
nach massiven Überschwemmungen in Emilie-Romagna.
In Kroatien reißen die Flüsse genauso.
Und währenddessen ist ACAB (Die Grünen)
in Saudi Arabien
(in Dschidda, mit Sonnenbrille).
In der Wüstensonne sieht sie
„unglaubliches Potenzial“
für eine Klimapartnerschaft
in den Bereichen grüner Wasserstoff
und Windenergie.
Da sie ja aber auch Außenministerin ist,
darf sie allen auch noch mal
die westlichen Werte erklären:
Wirtschaftliche Kooperation
gebe es nicht
„losgelöst von Rechtsstaatlichkeit,
Menschenrechten und Freiheitsrechten.“
Dies seien „zwei Seiten einer Medaille“.
Eine Vertiefung der Beziehungen
könne „nur funktionieren,
wenn Klimapartnerschaften
und Wirtschaftsbeziehungen
auf verlässlichen gemeinsamen Regeln basieren.“
Und im Oberrhein
bedrohen derweil Kalikokrebse
die einheimische Wasserwelt.
Stranger Times are coming.
Fast.

Weniger Zeitvertreib als vielleicht doch Zeitantrieb
sind die letzten Wahlspektakel geworden.
Bremen war eh egal,
aber in Thailand brechen wohl
im größeren Stile
neue Zeiten an.
Good Luck!
Und auch in der Türkei
bleibt es vorerst noch spannend:
Aus der „Ohrfeige,
die Erdogan als Erfolg verbucht“
ist eine Stichwahl geworden.
Für die sich Erdogans Gegner nicht zu frech war,
um nicht die „Flüchtlingsfrage“
mit der EU neu aufrollen zu wollen.

Innenpolitisch allerdings
weiterhin ein Treten auf der Stelle.
Fast schon gemütlich.
Die neue Regierung
hat sich endgültig eingerichtet.
Karl Lauterbach sagt zwar
immer noch manchmal
schlaue Karl Lauterbach-Sachen
und fordert auf dem deutschen Ärztetag
eine Entökonomisierung des Gesundheitswesens.
Es interessiert aber anscheinend
mal wieder keinen mehr,
was ein lustiger Karl
wieder so sagt.
Denn es lässt sich ja auch
noch gegen die Grünen schießen,
und das machen alle viel lieber.
Vor allem,
wenn es um Geklüngel bei denen da oben geht.
Der Staatssekretär Graichen
hat dem Minister Habeck
dann jetzt doch den „einen Fehler zu viel“ gemacht.
Traurig ist nur,
dass damit ein 600.000€-Scheck
für den Naturschutz dreckig geworden ist,
bei den Grünen.
Und richtig Dreck am Stecken
hat jetzt auch der Wannabe-Posterboy der CDU.
Aber womit Philipp Amthor
uns jetzt schon wieder die Zeit totschlägt,
ist völlig egal.
Denn:

 

Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe. Woche 64.
War. Eat. (No) Sleep. Repeat. Montag: Selenskyj war dann auch schon in Paris und bringt noch mehr Panzer mit. Die Washington Post weiß: Prigoschin wollte den Ukrainern die Positionen der russischen Stellungen verraten, was diese aber dankend abgelehnt haben. Russland schickt derweil neue Truppen nach Bachmut. Selenskyj ist bereits in London angekommen. Hunderte neue Kampfdrohnen werden versprochen. Und über die Jets bleibt man im Gespräch. Prigoschin lässt wissen: Er habe niemanden verraten (wollen?). Moskau dementiert ebenfalls; die „Washington Post“ lesen in Russland eher weniger Menschen. Russischer Raketenangriff auf Awdijiwka; die russische Luftabwehr fängt Nato-Raketen ab. Am Nachmittag wird der Statthalter von Luhansk bei einer Autoexplosion vor einem Friseursalon schwer verletzt. Selenskyj ist zurück in Kiew: „Wir kehren mit neuen Verteidigungspaketen nach Hause zurück: mehr Munition, stärkere Waffen für die Front, mehr Schutz für unsere Leute, mehr politische Unterstützung.“ Der Spiegel zitiert Ursula von der Leyen: „Ukrainer sichern mit Blut auch Zukunft unserer Kinder.“ Dazu der ukrainische Armeeoberst Saluschni: „Wir haben diesen Krieg mit unseren besten Soldaten begonnen und wir werden ihn mit Ingenieuren und Lehrern beenden.“ Gruselig, ich weiß. Momentan sind eine Million Ukrainer*innen „unter Waffen“. Dienstag: Wieder Luftalarm über dem ganzen Land, Kiew trifft es ungewöhnlich hart, die Luftabwehr kommt kaum noch hinterher, dabei wird ein Patriotsystem schwer beschädigt, was die Ukraine später aber dementiert, so wie das dann wiederum Russland, das auch behauptet, es seien ja gar nicht sooo viele Raketen gewesen. Agnes Strack-Zimmermann lehnt Kampfjetlieferungen weiterhin ab. Am Obersten Gericht der Ukraine kommt es zu zwei Verhaftungen wegen Korruption. Selenskyj wird von Bin-Salman zur Arabischen Liga eingeladen. Um Bachmut wird weiter zurückerobert, die Stadt selbst bleibt in russischer Hand. Kiew räumt am Abend ein, die Gegenoffensive werde sich gegen 400.000 russische Kräfte richten, inklusive der russischen Garde und Wagner. Der Europarat bürokratisiert auf dem letzten Loch: Ein Kriegsschadensregister soll eingerichtet werden. Mittwoch: Die USA bestätigen die Beschädigung des Patriotsystems. Der UK und die Niederlande denken laut über eine „Kampfjet-Koalition“ nach. Der ukrainische Geheimdienst talkt bei Youtube über getötete russische Propagandisten. Die Ukraine gibt bekannt, inzwischen mehr als 200.000 russische Soldaten getötet zu haben (allein heute Nacht: 610). Auf die Frage, ob Deutschland sich an einer geplanten internationalen „Kampfjet-Koalition“ beteiligen werde, sagt der Bundeskanzler: „Die Frage ist nicht so aktuell, wie sie gestellt wird.“ Pistorius ergänzt, die Bundeswehr werde keine aktive Rolle spielen. Der UK rudert schon zurück, von Lieferungen hat niemand etwas gesagt. Li Hiu kriegt von Kuleba erklärt, dass der Krieg weiterzugehen habe, keinen Zentimeter könne den Russen gelassen werden. Tödliches Artilleriefeuer in Cherson und Donezk. Donnerstag: Die Washington Post leakt weiter: Selenskyj wird zitiert, wie er über Angriffe auf russisches Staatsgebiet spricht, um bei zukünftigen Verhandlungen mehr Verhandlungsmasse zu haben. Kiew wird in der Nacht weiter mit Raketen beschossen, auch in Odessa explodiert es, der Luftalarm wird zum Dauerheulen. Der Sondergesandte Li Hiu war umsonst in Kiew, es wurden „vorerst keine Fortschritte gemacht“. Auf der Krim entgleist nach einer Explosion ein Getreidezug. 175. Jahrestag der ersten deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche: „Wenn irgendwo Freiheit und Selbstbestimmung bedroht oder angegriffen werden, werden alle freien Menschen und Völker bedroht.“ (Steinmeier). Aha. Prigoschin bettelt inzwischen schon auf Telegram: „Bitte(!) gebt unsere Flanken nicht auf!“ Moskau zuckt mit den Schultern. London ist stolz auf seine „Storm Shadow“-Raketen. Im russischen Belgorod schlägt es inzwischen regelmäßiger ein. In und um Bachmut nichts Neues. Dafür gibt es neue Gerüchte: Das Einfrieren des Konfliktes wird wohl gerade wieder intensiver diskutiert. Freitag: Morgendlicher Fliegeralarm im ganzen Land wird zur Routine. Die Raketen treffen immer sicherer ihre Ziele und Nicht-Ziele. Auch in Krywyj Rih, der Heimatstadt des Helden. Selenskyj ist da aber schon auf dem Weg zum Treffen der Arabischen Liga, auf dem Assad von Bin-Salman mit Bruderkuss begrüßt wird. Interessiert Selenskyj aber nicht, er sehe hier nur eins: Zu wenig Unterstützung gegen Russland. Lustig. Danach soll es dann vielleicht noch weiter gehen, zum G7-Gipfel in Hiroshima. Da hat sich schon „der Westen“ versammelt: Die russische „Kriegsmaschinerie“ soll lahmgelegt werden. Womit? Mit Sanktionen. Womit auch sonst? Volkswagen verkündet zeitgleich, sich komplett aus Russland zurückzuziehen. Russland hat also auch die letzten Besatzer vertrieben, raunt es auf Telegram, und der Kreml verbietet 500 weiteren US-Amerikanern die Einreise, darunter auch Barack Obama und alle Chefs des MIK. Derweil stiegt der Ölhandel mit Indien ins unermessliche und Putin kann sagen, die Sanktionen würden die russische Gesellschaft nur noch weiter konsolidieren. Moskau stuft also auch Green Peace als unerwünschte Organisation ein. Die G7 bekennen sich wenigstens weiter zur atomaren Abrüstung. Die Arabische Liga immerhin zu einer „aktiven Neutralität“. Samstag: Selenskyj fliegt nach Japan. Klingbeil bleibt beim Nein zu Kampfjets, das letzte 2,7 Milliarden-Paket habe doch auch „noch mal langfristig Wucht.“ Kiew wird in der Nacht erneut mit Drohnen attackiert. Selenskyj trifft alle, alle sagen Hilfe zu, so gut sie können. Zum Mittag verkündet Prigoschin auf Telegram die absolut endgültige Einnahme von Bachmut, jedes einzelne Haus sei vom Feind gesäubert, am 25. Mai werde die Ruine besenrein an die russische Armee übergeben. Die Ukraine dementiert. Die G7 beschließen am Rande 21 Milliarden gegen die Hungerkrise (etwa ein Zehntel der bisherigen Kriegsausgaben). Am Abend, nach vielen weiteren Beteuerungen glaubt Selenskyj wieder an einen „Wendepunkt“. Kiew dementiert noch einmal den Fall von Bachmut, die Lage sei allerdings kritisch. Sonntag: Moskau bestätigt die Einnahme von Bachmut, Putin will die Wagner Söldner demnächst besonders ehren. Kramatorsk und Slowjansk sind die letzten Festungen im Donbas. Joe Biden kündigt die nächsten Waffenlieferungen an. Selenskyj besucht das Friedensmuseum, legt einen Kranz am Mahnmal ab, verspricht Biden, die womöglichen F-16-Jets nicht über Russland einzusetzen und hält am Mittag seine Rede in Hiroshima, und sagt dabei wirklich schöne, also schreckliche, weil wahre Sätze: „Our world is vast, but we are all in it together. And this is our shared cause – peace.“ „The one who takes the path of terror does not leave it by himself.“ Da fällt es den G7 nicht schwer, gleich noch ein Hilfspaket zu schnüren und die Ukrainer dann weiter kämpfen zu lassen. Der Papst ruft parallel dazu in Rom dazu auf, sich nicht an den Krieg zu gewöhnen. Am Abend gibt es eine neue Spur in Sachen Nordstream2. Sie führt in die Ukraine. Und am Internationalen Strafgerichtshof wird eine Jahrhundertklage eingereicht, gegen die eigenen Richter. Kläger: Russland.

 

So.
Das Kriegsprotokoll
ist ganz schön lang diese Woche.
Und die „Gegenoffensive“
hat immer noch nicht mal „offiziell“ angefangen…
Kommen wir also zu einem anderen,
irgendwie ja artverwandten Dauerthema
von #DieDoppeltenZwanziger.
Nazis.
Und womit die sich so die Zeit vertreiben,
wenn sie gerade mal selber keinen Krieg verlieren.
Fangen wir klein an:
In einigen österreichischen Zügen
werden die Lautsprecheranlagen gehackt
und erst Kinderlieder (Test),
dann Hitlerreden abgespielt.
Wahrscheinlich nur ein „edgy“ Schülerstreich.
Bleiben wir bei klein:
Sven Liebich steht mal wieder vor Gericht.
Ihm und drei seiner Nazifreunde
drohen bis zu drei Jahre Haft.
Der Svenni wird wieder glimpflich davonkommen,
er hat ja selbst nicht zugetreten;
es seie denn, einer der anderen erkennt und verrät,
dass Svenni das gemacht hat,
was er am besten kann:
Auf- und Verhetzen.
Bleiben wir vor Gericht,
nur eine kleine Nummer größer:
Die „Vereinten Patrioten“
stehen ebenfalls vor Gericht,
und zwar in der „Causa Klabautermann“.
Genau, die Rentnergang,
die Karl Lauterbach entführen wollte.
Ein seeehr langer Prozess ist zu erwarten.
Derweil befeuert Roger Waters (Pink Floyd)
in der Benz Arena in Berlin
die Antisemitismusvorwürfe gegen ihn,
wenn man ihn denn gerne missverstehen möchte:
Auf der riesigen Leinwand prangt für lange Zeit
die freundliche Aufforderung:
„Fuck the occupation“.
Gemeint ist wohl Israel.
Es ist schon ein Kreuz
mit dem Faschismus.
Kommen wir zu Auschwitz.
Da haben sich gerade deutsche Gymnasiasten
dabei gefilmt, wie sie auf dem Lagergelände
den Hitlergruß zeigen.
Und jetzt wird’s erst richtig crazy:
Die ehemaligen „Hooligans gegen Satzbau“
fordern öffentlich,
doch mit genau diesen Rechten zu „reden“.
Immer wieder erstaunlich,
wie die Zeiten sich ändern können,
wenn es der aufmerksamkeitsgarantierenden
Verlängerung der Debatte dient.
Das ist also der Rat an die Pädagogen im Land?
Verständnis?
Gespräche?
Nach Hitlergrüßen in Auschwitz?
Was ist aus
„Keine Toleranz gegenüber Intoleranz“ geworden?
Man, in Brandenburg
sind jetzt ganz offiziell die „Baseballschlägerjahre“ zurück.
Und man, Nazis waren schon in den 90ern scheiße,
also das Gegenteil von „edgy“.
Nur scheint sich das kurioserweise geändert zu haben.
Blöd halt, wenn die Jugend „opponieren“ muss,
und die Gegenseite „links-grün-versifft“ ist.
Was Nazis aber noch machen können,
um eine ruhige Nazikugel zu schieben?
Sie arbeiten einfach beim ICMPD.
Und wem das jetzt nichts sagt,
die/der hat verpasst,
wen oder was
das ZDF-Magazin
in dieser Woche
trocken rasiert hat.

Und woher ich das schon wieder alles weiß?
Na aus dem Lieblingszeitvertreibeplätzchen
aller Antifa-Millenials+,
Facebook. Alerta!
Und genau da war für alle gebürtigen Millenials
in dieser Woche mal ganz kurz
auch noch richtig Rabbatz im Retrostübchen:
Über mehrere Tage ging das Rätselraten:
Gibt es ein Heldencomeback?
Selbst auf Patreon rasten die Leute aus.
Endlich.
Viel zu spät.
Aber egal,
Rüssel an Schwanz hinterher!
Hat also auch meine damalige liebste Lieblingsband
genug vom normalen Leben?
Die Auflösung war allerdings so einfach
wie unfassbar ernüchternd:
Das Debutalbum von Wir sind Helden
wird einfach nur mal eben zwanzig Jahre alt.
Und deswegen wird es rereleast.
In allen Farben und Formen.
Wie man das mit ikonischen Werken
schon immer gemacht hat.
Das Neunziger-Revival
hat seinen Höhepunkt noch gar nicht erreicht,
da setzen die Nuller direkt zum Überholen an.
Nostalgia never dies?

 

 

„Sie haben uns
ein Denkmal gebaut,
und jeder Vollidiot weiß,
dass das die Liebe versaut.“

(Wir sind Helden: Denkmal. 2004)

 

Wagen wir damit,
zum Ende hin,
also noch einen gemütlichen Gang
zwischen den Säulen
einer weiteren Ruhmeshalle.
Kann es irgendwo ein friedlicheres Spiel
der Geschichten geben,
als auf dem polierten Parkett?
War irgendein Zeitvertreib jemals schöner?
Das ewige Traumfinale (Lakers vs Celtics)
ist sogar immer auch noch möglich,
wird aber zunehmend unwahrscheinlich,
denn beide Teams stehen kurz davor,
von ihren Halbfinalgegnern gesweept zu werden
(also keines der Halbfinalspiele zu gewinnen).
Boston verliert gar die beiden ersten Heimspiele,
obwohl Jason Tatum nach seiner 50+-Gala in Spiel 7 gegen die Sixers
endlich wie der Leader aussah,
den viele in ihm sehen wollen,
der er aber eben (noch) nicht ist.
Deswegen raus ist aber der MVP (Joel Embid).
Also der falsche.
Denn Nikola Jokic ist dabei,
zur nächsten Legende zu werden
(4 20+Points Triple Doubles in Folge in den Playoffs).
Selbst Charles Barkley ist sich sicher:
Die Denver Nuggets holen endlich
ihren ersten Titel.
Die Lakers gewinnen höchstens noch ein Spiel,
und „Father Time remains undefeated“;
der King kann einfach nicht mehr.
Muss er ja auch nicht mehr.
Die nächste Generation
ist zwar seit dieser Woche
endgültig einen ihrer Super-Stars los,
Ja Morant zeigt schon wieder
eine Knarre bei IG live,
und jetzt springen die Sponsoren ab,
was ihn nicht nur seine Karriere,
sondern auch 60 Millionen Dollar kostet,
aber, keine Sorge,
mein Lieblingszeitvertreib
hat schon das nächste große Ding auf der Pfanne:
Der meistgehypte Spieler seit LeBron James
wird also von den San Antonio Spurs gedraftet.
Der Albatros unter den Parkettgeparden
begibt sich also in die Hände
von Gregg Poppovich, Tony Parker
und Tim Duncan.
Er hätte es wahrlich schlechter treffen können.
Jetzt muss er dann nur noch treffen,
dann wird Victor Wembanyana auch Legende.
So wie übrigens auch
die Baskets Bonn,
die als erstes deutsches Team
die Champions League gewonnen haben.
(77:70 gegen Hapoel Jerusalem).
Aber na ja,
Championsleaugue.
Diesen Wettbewerb gibt es wie lange?
Noch nicht mal zehn Jahre?
Warum damit seine Zeit vertrödeln,
wenn’s auch bald achtzig Jahre
Storylines zu studieren gibt?
Eben.

So.
Und als letzte Worte
dann heute noch einmal einige
über Katzen im Allgemeinen.
Genau.
Die, die sich so unfassbar unbemerkt
anschleichen können
wie das Ende einer Serienepisode.
Aber:
So unfassbar leise die auch sind,
so unfassbar schön ist es,
wenn man beginnt,
ihre Stimmen zu erkennen,
zwischen all
dem Gezwitscher, Gegakker,
Gegurre und Gequake
vor ihrer Haustür.
Wenn man sich kurz nicht sicher ist,
ob man es wirklich gehört hat,
oder ob es nicht doch nur
das Echo einer Erinnerung war,
der Erinnerung daran,
dass in ihrem Haus
nur gute Geister wohnen.

 

P.S. Ich schwöre, dass ich erst viel später rausgefunden habe, von wem diese trotzdem nicht nur zum Klauen schön passenden allerersten Zeilen stammen.

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