Bild: Buridans Déjà-vu. Quedlinburg/Westerhausen. Mitte Juli.
So.
Das gestern noch für jetzt angekündigte Gewitter
ist weder am Himmel auszumachen,
noch wird es auf irgendeiner Wetterapp
mehr angezeigt,
es ist halb Eins,
draußen sind knapp 30°C,
auf dem Balkon bald wieder 40°C.
Und ich habe noch knapp fünf Stunden
bis zur Sommerpause,
von der ich nur ahnen kann,
wie lange sie dauern wird.
Die Deadline
hat mindestens fünf Wochen vorgeschlagen,
aber immerhin darf ich ein bisschen mitschreiben,
das mit der Mediendiät
hat bekanntlich noch nie funktioniert.
Und warum auch?
#DieDoppeltenZwanziger
sind erst satt,
wenn sie vorbei sind;
petty me.
Also, wo waren wir?
Ach ja,
immer noch Untergangsstimmung
bei bestem mitteleuropäischen Wetter.
Für den Einstieg
in dieses zweite Staffelfinale
musste ich mal wieder nicht lange suchen,
denn die folgende Geschichte aus Belgien
ist an Symbolik schon wieder mal
schwer zu toppen:
Zwei Tage
vor Beginn des Elektrofestivals Tomorrowland,
auf den Feldern vor der Kleinstadt Boom,
brennt die Hauptbühne komplett ab.
Ausgerechnet diese Bühne
gehört zu den spektakulärsten Festivalbühnen der Welt
(bei Bedarf gerne mal googeln)
und ist demzufolge
auch die größte einzelne Umweltsünde,
die die Popkultur bis heute hervorgebracht hat.
Auch und vor allem
wegen der enormen Mengen an Pyrotechnik,
die da jedes Jahr verballert werden.
Und eben diese Pyrotechnik
war auch die Ursache für den Großbrand,
bei dem es, Gott sei Dank,
keine Verletzten gegeben hat.
Aber damit ist die Symbolik noch lange nicht am Ende,
denn das Festival findet trotzdem statt,
nur eben auf den anderen paar Bühnen.
Da aber bei dem Brand
auch die komplette PA der Hauptbühne zerstört wurde,
was eine unfassbare Schande ist,
suchten die Veranstalter panisch nach Ersatz.
Und?
Wer hat liebend gerne ausgeholfen?
Richtig, Metallica.
72 Stunden Techno
mit einer Heavy Metal Anlage.
Mehr Industrial Punk geht nicht.
Kann.
Man.
Sich.
Nicht.
Ausdenken.
Hier im Weltkulturerbe
wird gerade das Bergfest der Sommerferien ausgehalten.
Wirklich alle haben Urlaub,
und viele sind unterwegs:
Ostsee, Allgäu, Seenplatte,
Türkei, Italien, Taschkent;
als ob’s der letzte wäre.
Und auch notwendige Umzüge
werden durchgezogen,
eigenwillige Kleiderschränke werden gebaut,
Rosenhecken zurückgeschnitten,
die Füße in den Pool gehalten.
Und dabei wird
der alljährliche „Ferienstreit“
(welches Bundesland wann und warum)
nur mit einem Kopfschütteln bedacht.
Neu ist dieses Jahr nur,
dass sich jetzt auch Elternvertreter*innen einmischen
und was ganz schlaues fordern:
kürzere Ferien!
Die Belastung in den Familien sei zu hoch;
wenn Fremdschämen weh tut.
Nächstes Wochenende beginnen
also schon die Homecoming Gartenparties,
und das neue Schuljahr noch eine Woche später,
vielleicht bleibt mir also sogar noch Zeit,
mich im diesjährigen Sonnenblumenlabyrinth,
nur zwei Kilometer westlich
von meinem Schreibtisch,
hemmungslos zu verlaufen.
Wie bei jedem Staffelfinale
ringe ich wieder mit der Versuchung,
den Blick nochmal zurück zu werfen.
Dieses Mal müsste ich mich dabei fragen,
welche neuen Tänze mit dem Chaos
(und der Barbarei)
wir in den vergangenen Monaten
unfreiwillig gelernt haben.
Oder ich müsste es bedauern,
den Aufstieg von ADHS
zur neuen Zivilisations“krankheit“
ignoriert zu haben,
oder mich darüber ärgern,
so selten über den unübersehbaren Wandel
von privaten Gesprächen geschrieben zu haben,
in denen entweder gar nicht mehr
über nicht privates,
oder nur noch auf dem „selben Level“ gesprochen wird,
was ein erschreckendes Symptom
der allgemeinen Zersplitterung ist,
und so weiter
und so fort.
Aber,
sorry,
not sorry,
dafür lassen mir
#DieDoppeltenZwanziger
nun mal einfach keine Zeit.
Also rauf auf’s Trampolin,
mal schauen,
wie viele Sprünge ich heute noch schaffe.
Zuerst lande ich
in der Hölle
vor meiner Tür.
Im Fenster der berühmten Nummer 10
gibt es etwas „neues“ zu sehen.
Nach fast einem Jahr
nur unverfänglicher Botschaften nach außen,
klebt die Innenseite einer vierseitigen Broschüre
von innen im unteren Fensterviertel
neben der Tür.
Auf der linken Seite
werden den Betrachter*innen
nochmal die 10 Gebote aufgezeigt.
Und auf der rechten,
was heutzutage, laut Broschüre,
daraus geworden ist.
Ihr könnt Euch denken,
worauf das hinausläuft,
schließlich ist Pfarrer Michaelis
immer noch Protestant.
Interessanter allerdings
ist das Layout,
denn das kommt schnell
unangenehm bekannt vor.
Grundfarbe: ein dunkles Hellblau.
Als Zeilenbrecher
schlanke Streifen
in schwarz,weiß,rot,
grundsätzlich sehr leicht zu verstehen.
Und tatsächlich,
auf der Rückseite
schimmert das AfD-Logo,
das nur von innen,
so wie sonntags,
alle zwei Wochen,
richtig herum gelesen werden kann,
zum Gottesdienst,
in der Hölle Nr. 10.
Und ich könnte mir nicht sicherer sein,
dass natürlich auch dort
über Gaza diskutiert wird.
Nur will ich absolut nicht wissen was,
wegen Gründen.
Aber auch ohne Diskussion
sind allein gestern
wieder mehr als 100 Zivilisten
ums Leben gekommen,
viele davon auf der Suche nach Nahrung und Wasser.
Die IDF haben derweil noch genug Kräfte frei
für einen Kurzauftritt
im weiter schwelenden syrischen Bürgerkrieg:
Truppen der neuen Regierungen
werden in Damaskus angegriffen,
um deren Übergriffe auf die Drusen
im Süden des Landes zu verhindern.
Der Krieg dauert nur fünf Tage,
vorgestern tritt eine Waffenruhe in Kraft.
Die USA wollen nicht in Vergessenheit geraten
und drängen auf ein neues Atomabkommen
mit dem Iran
und setzen nun offenbar eine Frist:
Bis Ende August soll ein neuer Deal stehen.
In Israel tobt weiter der Streit
um die Wehrpflicht für streng religiöse, jüdische Männer.
Die ultraorthodoxe Schas-Partei
würde lieber alle Posten in der Regierung aufgeben,
bevor sich ihre Söhne die Hände dreckig machen müssten;
der Opposition würden sie sich
allerdings auch nicht anschließen,
denn grundsätzlich sind sie ja schon für den Krieg.
Syrien und die Drusen
vereinbaren ebenfalls eine Waffenruhe,
und Suwaida wird an die Minderheit übergeben.
Die IDF muss sich unterdessen mal wieder entschuldigen,
die einzige katholische Kirche in Gaza
sollte gar nicht so dolle getroffen werden.
Der Papst fordert trotzdem
die sofortige Waffenruhe.
Und Ingar Solty
fasst die übrige Stimmung
so zusammen:
„More and more
I am convinced
that Gaza
is to Western GenZ youth
what Vietnam
was for the Western Sixties generation
(aka Boomer).“
Zu Ende gedacht
ergeben sich daraus
durchaus interessante Zukunftsvarianten.
Wer ist der neue Bob Dylan?
Ren etwa?
Aber bis dahin
ist es hoffentlich nicht mehr lang,
und bis dahin
muss anscheinend
auch sowas hier
immer wieder passieren:
Auf der Facebookseite
eines Regional-Meinungsmachers
(also schon noch zwei Ligen über mir)
entbrennt eine dieser entlarvenden Debatten
unter einem dieser unterirdischen Posts,
dem auch die Misogynie nicht abzusprechen ist.
Der Autor rantet auf Stammtischniveau
gegen die ehemalige Staatssekretärin
und „Salon-Aktivistin“ Swasan Cebli
die ja wohl ganz klar Antisemitin sei.
Abgeleitet wird das
von einer kritischen Aussage der Autorin
zu dem geplanten Lager
in den Ruinen von Rafah,
in dem 600.000 Palästinenser*innen
konzentriert werden sollen.
Und bei „konzentriert“ geht es dann los,
die Argumentation geht ungefähr so:
Also erstens sei das höchstens „sammeln“,
also das, was Benjamin Netanyahu „humanitäre Stadt“ nennt,
und außerdem machen andere Länder das ja wohl auch,
und wer gerne den Holocaust relativieren möchte,
um den Juden Faschismus zu unterstellen,
dem sei wohl auch keine „Jauchegrube“ zu tief,
um das Wort „Konzentrationslager“ rauszukramen.
Und zack,
weg ist die „Israelkritik“,
die ja nur verschleierter Antisemitismus ist,
weil sie „den Juden“ Dinge „unterstellt“,
die sie anderen nicht unterstellt.
Ich will hier keinem was unterstellen,
aber blinde Loyalität
zu einer rechtsextremen Regierung,
das gab’s doch schon mal, oder?
Anyways,
wo wir gerade nicht bei Loyalität sind,
springe ich mal weiter,
der Krieg im Nahen Osten
bleibt uns wohl leider noch weiter erhalten,
aber nichts, das wir nicht gewöhnt wären.
Und wo lande ich nun also?
Genau,
mittendrin in der größten Loyalitätskrise
des Jahres,
in den USA.
Denn wundersames spielt sich ab,
und ausgerechnet ein Geist ist es,
der den Frisurensohn
so nahe an den Abgrund treibt,
das wirklich nur noch ein paar Schritte fehlen.
Donald Trump wird es wohl vermeiden,
in nächster Zukunft
mit seinem Vize zu reden,
denn Gespräche mit dem
sind wirklich auffallend oft die letzten ihrer Art.
Aber der Reihe nach:
Am Ende der letzten Woche
holt sich Trump erstmal
die nächste Blamage ab.
Bei der absolut überflüssigen
(und schlecht besuchten) Fußball Club-WM
wird er gnadenlos ausgebuht,
von 80.000 Menschen,
in New York.
Seine Rache aber
hat er vorher schon vollzogen:
Die Trophäe,
die die Spieler von Chelsea London
nach dem Finale nach oben recken dürfen,
ist nur eine Kopie,
das goldene Original bleibt im Oval Office.
Und vom Siegerfoto
wollte er natürlich auch nicht runter.
Aber wem die Geister der Vergangenheit
so sehr im Nacken sitzen,
was soll der machen?
Ganz einfach,
den anderen die Schuld geben
und weiter lügen, lügen, lügen:
Die Epstein Files
sind jetzt
der „Democrat Hoax!“,
das neue „Russia Russia Russia Gate“,
zusammengedoktort
von Obama und Hillary
und den ganzen anderen Kommunist*innen.
Noch am Montag reißt ihm der Geduldsfaden:
„President Trump surprised
attendees at a White House luncheon on Monday
by using expletives while discussing his legal challenges.
„I got indicted 5 times,
impeached 2 times.
All bullshit,“
he said,
eliciting a shocked reaction
from the religious audience.“
Um die Laune zu heben,
billigt der Supreme Court
auch die Massenentlassungen im Bildungsministerium,
was es anscheinend doch immer noch geben muss.
Und Coca Cola kündigt an,
in Zukunft auf künstliche Aromastoffe zu verzichten,
dann eben nur noch MAHA!
Außerdem haben sich auch tatsächlich noch Anwälte gefunden,
die jetzt AOC verklagen werden,
weil sie Trump einen „Rapist“ genannt hat.
I mean,
c’mon,
make. her. day!
Aber vielleicht klappt es ja sogar,
ohne dass sich die Demokraten
noch groß Mühe geben müssten:
Nummer drei der Regierung,
Speaker of the House, Mike Johnson,
will die Liste jetzt auch sehen,
der Druck von der Basis
scheint nicht zu ignorieren,
bei Steve Bannon wird schon davon geredet,
Trump sei jetzt selber der „deep state“.
Die Republikaner blockieren aber zunächst noch
einen Antrag auf Veröffentlichung der Aussage
von Gishlane Maxwell,
Epsteins partnerin in crime,
die noch 15 Jahre absitzen muss.
Aber sogar der alt-right fringe
um Lauren Bobert schäumt:
Matt Gaetz wird als Special Council vorgeschlagen;
es bleibt absurd.
Trump beschimpft die Basis sogar auch mal ganz offen
vom Golfplatz aus,
aber er wirkt dabei irgendwie angeditscht.
J.D. Vance übrigens,
übt mit den Marines Verstecken
und war übrigens auch der letzte
der Epstein lebend gesehen hat
(gruselig, aber dennoch kein Witz).
Am Donnerstag dann endlich
ein halbwegs ernstzunehmender Leak:
Auf der „Epstein Liste“
stehen hunderte.
Unter anderem auch
Noam Chomsky
und Stephen Hawking.
Genau, so ist diese Liste nichts wert,
und wird einfach als der Hoax hinzustellen zu sein,
den Trump glaubt zu brauchen.
Aber Hillary steht auch drauf!
Und damit ist für Maga World klar:
Es könnte sein,
dass Trump also auch Teil der globalistischen Eliten ist,
die er versprochen hat
zu bekämpfen.
Oder: Es gibt wirklich keine Liste,
und dann hat MAGA
mindestens ein Evangelium verloren,
und eine Menge Anwaltsfirmen
gucken in die Röhre.
Den US-Banken macht das alles nichts mehr aus,
die Zölle haben seit Amtsantritt
angeblich 100.000.000.000 Dollar
in die Staatskassen gespült.
Und trotzdem sieht Trump nicht gut aus,
ja geradezu krank.
Seine Pressesprecherin erklärt das so:
Seine Hände sind geschunden vom vielen Händeschütteln,
er nimmt regelmäßig Aspirin
(in Maga World als Krebsprophylaxe bekannt),
und seine Knöchel sind geschwollen,
weil er unter einer Allerweltsalterskrankheit leidet,
chronischer Veneninsuffizienz.
Zur Aufheiterung kann der Frisurensohn
aber ab nächstes Jahr auch wieder CBS einschalten,
ohne abendlich eine geschallert zu kriegen:
Die Late Show endet
nach der nächsten Staffel,
einen Frühling darf Stephen Colbert
noch zu Ende bringen,
die Mid Terms wird er woanders kommentieren müssen.
Die kritische Medienelite der Welt
hält jedenfalls die Luft an.
Und das zu recht.
Offiziell hat der Haussender
eine rein finanzielle Entscheidung getroffen,
Kabelfernsehen funzt einfach nicht mehr,
der Vertrag wird einfach nicht verlängert.
Colberts offene Kritik an seinem Arbeitgeber
hat also gar nichts damit zu tun,
und die von ihm so genannte „Schmiergeldzahlung“
und die Fusion mit Skydance,
die vom Präsidenten abgesegnet werden muss,
stehen in keinem Zusammenhang damit.
Seine Kollegen wettern durch den Äther,
und Petitionen überlasten das Internet.
Und immer noch
spukt Epstein durch D.C.:
Justizministerin Pam Bondi
feuert die Epstein Ermittler,
eine davon ist zufällig
die Tochter von James Comey,
dem Typen mit dem lustigen Muschel-Portrait
vor einigen Wochen.
Pam Bondi hat hoffentlich schon mal darüber nachgedacht,
wer als erstes den Kopf hinhalten darf.
Trump wütet derweil weiter:
Er verklagt das WSJ
und Medienmogul Rupert Murdoch.
Und warum das alles,
das fasst wiederum Steve Bannon
bei der „Studentenparty“ der Neuen Rechten,
dem „Turning Point USA“ zusammen:
Wenn die Files nicht kommen,
gehen mindestens 10% der Basis,
40 Sitze im Kongress werden verschwinden.
Die Frage ist nur,
aber wohin?
Gestern dann
droht FBI Deputy Bongino damit,
darüber nachzudenken,
hinzuschmeißen,
wenn die Bondi nicht bald…
Und ja, natürlich bin ich erleichtert,
diese Scheiße in den nächsten Wochen
großflächig auszublenden,
weswegen ich jetzt auch
wieder zurück in die richtige Welt komme,
denn die dreht sich ja auch noch weiter,
im Sommer nur eben etwas langsamer.
So wie die Mühlen der Gerechtigkeit,
in diesem Falle für Jair Bolsonaro.
Trump kann sich weiterhin anschauen,
was ihm passieren würde,
würde im Westen
auch nur irgendwas noch normal sein.
Der Tropenfrisurensohn
kriegt eine Fußfessel.
Und zwar wegen Fluchtgefahr.
Und zwar in die USA.
Gähn.
Die Neue Normalität im Westen
sieht in dieser Woche
aber auch den deutschen Verteidigungsminister
mal wieder im Pentagon,
es müssen noch Verträge unterschrieben werden.
Ihm gleich tut es der Kanzler,
nur in London:
„27 Seiten Freundschaft“
werden an einem „historischen Tag“ unterschrieben,
und nebenbei auch die Neuaufteilung
des Westbalkans,
aber alles zu seiner Zeit…
Und auch der Vizekanzler versucht
sich weiter beliebt zu machen,
so wie vorgestern in Südafrika,
wo er Deutschland als verlässlichen Partner anbietet,
und zwar ausdrücklich
als Alternative zu den USA;
in Peking
fallen irgendwem fast
die Stäbchen auch der Hand.
Zu Beginn der letzten Sommerpause
in den europäischen Parlamenten
legt dann die EU schon mal vorsorglich
eine Liste mit Gegenzöllen vor,
noch zwei Wochen Urlaub
bis zum nächsten Handelskrieg.
Und auch die Slowakei
darf wieder vom Katzentisch aufstehen,
Präsident Fico
stimmt dem nächsten Sanktionspaket
gegen Russland zu.
Hauptthema der hiesigen Parlamentssommerferien
bleibt vorerst die Causa Brosius-Gersdorf,
die erste Causa,
die auch bei genauerem Hinschauen
keine ist.
Noch bevor sie bei Lanz
darüber nachdenken kann
ihre Kandidatur zurückzuziehen,
schlägt Markus Söder eben das vor.
Ein Bischof Gössl lässt noch wissen,
er wäre falsch informiert gewesen,
was an seiner Ablehnung aber kaum etwas ändert,
und Dobrindt sekundiert erwartungsgemäß
seinem bayrischen Parteifreund.
Nur Lars Klingbeil will an ihr festhalten,
und zwar auch aus Prinzip.
Und auch mit Prinzipien
bleibt es weiter schwierig:
Rheinland-Pfalz erlaubt
jetzt doch
AfD-Mitgliedern den Staatsdienst.
Und nach Afghanistan
wird eben doch weiter abgeschoben.
Und Merz selbst
schuftet eben doch
weiter, als ob er das Wort „Sommer“
nur aus dem Wetterbericht kennt.
Zum ersten Mal als Kanzler
besucht er die Bundespressekonferenz.
Und kommt ohne Umschweife zur Sache:
Erste Priorität:
Raus aus der Rezession!
Deswegen auch der massive
Infrastrukturaus-, auf- und wiederaufbau!
Und ansonsten:
Abkühlung über den Sommer!;
nicht die schlechteste Idee.
Sogar den letzten Schrei aus der Wirtschaftsforschung
lächelt er süffisant weg:
Der „Boomer Soli“
(reiche Boomer geben
nicht so reichen Boomerinnen
was ab)
ist erstmal nur ein Vorschlag.
Gut,
bevor wir ein letztes Mal für dieses Staffel
zum Wetter kommen,
nur noch schnell
die üblichen anderen Naturkatastrophen:
Die Tanimbar Islands (Indonesien)
werden von einem Erdbeben der Stärke 6,8 heimgesucht,
der befürchtete Tsunami
verliert sich jedoch noch vor den Küsten.
In Island sprudelt inzwischen
fast pausenlos Lava aus langgezogenen Kratern,
als ob die Nächte so weit oben
im Sommer nicht schon lange genug wären.
Der letzte Montag
war dann natürlich
der wärmste Julitag ever (global),
die Klimakatastrophe kennt keine Gnade:
Neue Mega-Waldbrände bei Madrid und Marseille,
Montana verliert in diesem Sommer
deutlich mehr Wald als sonst,
und in Süd-Korea
zerstören Erdrutsche nach Starkregen
hunderte Existenzen,
aber „nur“ zehn Menschen sterben.
Und ich überlasse den „letzten Sommer“
dann endlich sich selbst
und lasse Euch dann gleich
mit einer kleinen Sneak Preview allein.
Vorher aber natürlich das neueste vom Basketball:
Das WNBA-All Star Game
hat tatsächlich ohne Captain Clark stattgefunden,
die aufgrund einer Leistenzerrung
nur ein vielsagendes Trainingsshirt
beim Warmschießen trägt:
„Pay Us What You Owe Us“.
Ansonsten ist das eigentliche Game
schon genauso langweilig
wie bei den Männern,
Team Collier gewinnt mit 151:131.
Der Herbst kann jedenfalls genauso noch warten,
wie er nicht zu früh kommen kann:
Ren, „The Bard of Brighton“
is coming through!
Jetzt auch von den Millenials approved,
singt sich der britische Rapper gerade an die Weltspitze.
Mark Z. Danielewski verrät das Erscheinungsdatum
seines neuen Jahrhundertromans,
„Toms Crossing“ erscheint am 44. Geburtstag
irgendeines Provinzbloggers.
Und dann kommt ja auch noch
die letzte Staffel Stranger Things.
Zwei Wochen nach Halloween
geht es los:
Nicht weniger als insgesamt acht Filme
(keiner davon unter zwei Stunden,
die letzten beiden gar länger als drei)
erwarten alle,
die nicht nur heimlich
ein Ende des Upside Down herbeisehnen,
und zwar möglichst ein gutes;
der Titel der letzten Folge
macht aber schonmal Mut:
„The Rightside Up“.
Gute Omen soll man lesen,
wenn sie gebraucht werden.
Und vielleicht
wird das hier
ja auch wirklich
der letzte Sommer,
aber eben der letzte Sommer
im Krieg.
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe. Woche 173.
Zurück in die Moderne. Montag: Russische Drohnen im Donbass werden jetzt per (sehr dünnem Glasfaser-)Kabel gesteuert, wodurch keine Funksignale mehr gestört werden können. Die Ukrainer schießen sie dafür mit Schrotflinten vom Himmel. Generalmajor Freuding freut sich über die vielen Erfahrungen, die die Ukrainer „für uns sammeln“. Trump gibt Russland eine 50 Tage Deadline, um Frieden zu machen. Ansonsten werden Handelspartner von Russland mit 100% belegt. Sumy wird mit Drohnen und Gleitbomben angegriffen. Malyniwka (Saporischija) und Majak (Donezk) werden eingenommen. Rutte verkündet in D.C. neue, „massive“ Waffenlieferungen, für die die EU bezahlen. Pistorius bekräftigt beim Treffen mit Pentagonchef Pete Hegseth, dass Deutschland zu „größerer Verantwortung für die Abschreckung und Verteidigung Europas bereit“ sei. Dienstag: Deutschland will weitreichende Raketenwerfer vom Typ „Typhon“ in den USA kaufen, mit denen Ziele in 2.000 Kilometern Entfernung getroffen werden können. Die Ukraine greift die Regionen Lipezk, Brjansk und Woronesch mit Drohnen an. Kiew setzt das Verbot von Antipersonenminen aus und verlängert das Kriegsrecht um weitere 90 Tage. Der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal hat seinen Rücktritt eingereicht und damit die größte Regierungsumbildung seit Beginn des Krieges eingeleitet, als nächstes wird er Verteidigungsminister. Auf einem ukrainischen Übungsplatz erschießt ein Rekrut zwei Ausbilder. In Charkiw sterben zwei Zivilisten bei russischen Drohnenangriffen. In Krywyj Rih schlagen Drohnen und Raketen ein, Strom- und Wasserversorgung brechen zeitweise zusammen. Mittwoch: In der Nacht wieder landesweit Luftalarm, in Kupjansk sterben zwei Zivilisten. Sumy wird restlos evakuiert. Trump rät Selenskyj davon ab, Moskau zu attackieren. Auf Dobropillja (Donezk) werden Gleitbomben abgeworfen. Donnerstag: Julia Swyrydenko ist neue Ministerpräsidentin der Ukraine und kann sich weiter um neue Rohstoffabkommen kümmern. Freitag: Drohnen und Bomben schlagen in Dnipropetrowsk, Kamjanske, Saporischija und Charkiw ein. Samstag: Die Ukraine wird in der Nacht mit mehr als 30 Raketen und mehr als 300 Drohnen angegriffen, hauptsächlich in Sumy wird kritische Infrastruktur zerstört, in Odessa steht ein Hochhaus in Flammen, mindestens ein Zivilist stirbt, in Dnipropetrowsk zwei. Australien liefert 49 Abrams-Panzer. Die Ukraine schlägt neue direkte Gespräche mit Russland vor, das Treffen soll kommende Woche stattfinden. Sonntag: Kein Liveticker.
Und damit,
zum Abschied
für die nächsten paar Wochen,
und als dringend empfohlene Sommerferienlektüre
für Jung und Alt
(12 bis 99+)
eine der seltenen Buchempfehlungen
für eure viel zu warmen Abende:
Mit „Monsters Of Men“
findet meine persönliche Zuspätentdeckung des Jahrzehnts
ein unsagbar zeitgeistiges Ende,
der dritte Band der „Chaos Walking“ Trilogie
erzählt in einer Liga
mit den „Hunger Games“
und dem „Giver“ Quartett
vom Krieg.
Und auch davon,
wie er zu Ende geht.

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