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… The Joke Is On Us (S10:Ep7)

von | 2024 | 18. Februar | Die Serie, Staffel 10 - But Here We Are ...

 

„Die Aufklärung ist ein unabgeschlossener Prozess.“

(Alexander Kluge. Februar 2024)

 

 

So.
Was Alexander Kluge
mit Satire zu tun hat,
das klärt sich hoffentlich
bis zum Ende der heutigen Episode.
Aber zunächst:
Alles Gute zum zehnjährigen Geburtstag,
hoch verehrte „Die Anstalt“!
Noch vor der Jubliäumsausgabe
hatte ich mir vorgenommen,
die Satire aus diesem Anlass
mal wieder genauer
unter die Post-Eskapismus-Lupe zu nehmen.
Am besten versehen
mit so einem nervigen
Ironie-on/Ironie-off-Gimmick,
um die vermeintliche Wirkungslosigkeit
dieser Form des Eskapismus
mal nach Strich und Faden
an die Wand zu argumentieren.

Aber das hat dann ausgerechnet
Olli Welke getan,
der den schlauen, dicken Onkel aus dem Westen
inzwischen zu absoluter Meisterschaft gebracht hat:
„Die Anstalt“ beginnt als „Heute Show“.
Und alle kriegen sofort ihr Fett weg,
vor allem Snowflake von Wagner,
weswegen der dann auch folgerichtig
in der nächsten Szene auf der Therapeutencouch liegt,
sich seinem aussichtslosen Kampf
gegen das Böse und Schlechte stellt
und sich fragen lassen muss,
ob er nicht alles nur noch schlimmer gemacht hätte,
was er bejahen muss:
„Wir haben den Grimme-Spezialpreis bekommen,
als wir aufgehört haben,
Satire zu machen.“
(Damit meint er den Auftritt eines syrischen Chores
zu Beginn der sogenannten „Flüchtlingskrise“ 2015.)

Eines kann man Claus von Wagner
jedenfalls nicht vorwerfen,
nämlich dass er es nicht versucht hätte,
die Aufklärung vor der Gegenaufklärung zu verteidigen,
nicht mal Frontalunterricht
war ihm dafür zu unsexy.
Die Satire hat ihre Maske
in den letzten Jahren
nicht nur in Europa
immer mehr zugunsten der Aufklärung preisgegeben
und sich in die zweite Reihe des Diskurses begeben.
Heute wird knallhart aufgeklärt,
und Humor
ist gar nichts anderes mehr
als notwendige Notwehr.
Das hat auch Jon Stewart („The Daily Show“)
endlich wieder eingesehen,
was übrigens die Rampe
zur feinsinnigsten Pointe
der gesamten Jubiläums-Anstalt ist;
was habe ich still in mich hinein gelacht.
Der einzige Wermutstropfen
bei diesen Satirefestspielen 2024:
Jon Stewart übergibt den nächsten Staffelstab
bereits an Jordan Klepper,
hoffentlich wollte Sarah Silverman einfach nicht.

Na dann.
Wenn alles eh nichts bringt,
warum dann nicht auch einfach weiter machen?
Neben sechsstelligen Jahresgehältern
ist den Top Anti-Satiriker*innen
dann aber sicher auch der Ruhm der Nachwelt sicher,
wenn in naher Zukunft
über die wenigen vernünftigen Stimmen gesprochen wird,
damals zu Beginn des Dritten.

In diesem Sinne
bleibt mir heute dann auch nichts anderes übrig,
schließlich bin ich ja Teil des Witzes:
Dem Westen geht es blendender denn je.
Nicht nur hat er der Welt
die Aufklärung, den Humanismus und den Fortschritt gebracht,
sondern sorgt seit bald 300 Jahren
für Gerechtigkeit, Vernunft und Frieden.
Blendend geht es dem Westen
aber nicht wegen letztgenannten Geisteserrungenschaften.
Sondern wegen seiner Wirtschaftskraft.
Und die wird inzwischen maßgeblich
von der Rüstungsindustrie befeuert.
Kein DAX-Unternehmen,
das nicht über höchstens zwei Ecken
an Kriegen verdient.
Kein Wunder also,
dass in Frankfurt am Main
wöchentlich neue Rekordzahlen vermeldet werden.
Der breiteren Masse der Gesellschaft
geht es aber zunehmend beschissener,
und über das wachsende „untere“ Drittel
schreiben nicht mal mehr die Satiriker*innen.

So wie sie auch nicht
mehr über den Krieg schreiben (lassen).
Das überlassen sie der Aufklärung,
also allen selbst:
Olaf Scholz grinst
bei der Grundsteinlegung
eines neuen Werkes von Rheinmetall
irgendwo hinter den sieben Bergen:
„Wir müssen weg von der Manufaktur
– hin zur Großserien-Fertigung
von Rüstungsgütern.
Das ist dringend erforderlich.
Denn so hart diese Realität auch ist:
Wir leben nicht in Friedenszeiten.“
In was für Zeiten wir also leben,
auch das dürfen wir uns selber denken.
Er weiß jedenfalls auch,
während er den Spaten
in die feuchte Erde
des Vaterlandes sticht,
dass Putin die Welt erobern will,
und deswegen geht die Rüstung
eben weiter.
Seine Waffengeschwister
Agnes Strack-Zimmermann (FDP)
und Anton Hofreiter (Die Grünen)
trommeln derweil bei der Welt,
wieder zunehmend auch gegen China.
Auch die Kinder bleiben nicht unverschont
von der Wahrheit des Augenblicks:
Logo macht unverhohlen Werbung
für die Wehrpflicht,
auch weil die Kinder dann kostenlos Bahnfahren können;
ist das etwa nichts?
Und Markus Söder
geht schon mal als Bismarck zum Fasching.
Denn Deutschland meldet
zum ersten Mal seit immer
das Einhalten des 2%-Nato-Ziels.
Und damit Donald Trump uns erstmal
von seiner Liste
der Schuldnerstaaten streichen kann,
haben wir sogar schon mehr geschafft!
Nämlich, kein Witz:
2,01%!
Transparenz ist die kleine Schwester der Aufklärung.
Aber das Kleinbildungsbürgertum kann auch an anderer Front aufatmen:
Boris Pistorius will kein neues „Sondervermögen“;
sondern nur eine langfristigere Finanzierung…

Und genau (nur) darüber
wird heuer natürlich auch wieder
auf der SiKo gesprochen,
dem alljährlichen Festival der Westlichen Überlegenheit:
Scholz will mit US-Abgeordneten reden,
sogar mit Kamala Harris,
Selenskyj möchte persönlich mit allen reden,
was ihm sogar umgehend Sicherheitsabkommen
mit Berlin und Paris beschert.
Die komplett humorlose Antwort aus Russland
folgt postwendend:
Tragische Nachrichten
aus dem fernsten Sibirien
verbreiten sich in Sekunden über die ganze Welt:
Nawalny ist tot,
verstorben in Haft.
Seine Frau,
die gerade eine der vielen Bühnen auch auf der SiKo betritt,
ist schnell gefasst
und fordert umgehend Konsequenzen
für Putin.
Im direkten Anschluss
bekennt sich US-Vizepräsidenten Kamala Harris
mit ziemlich breiten Schulterpolstern
erneut zur Führungsrolle innerhalb der Nato,
und positioniert sich deutlich
gegen Donald Trump und dessen letzte Scheißparole.
Dass auch Deutschland wieder führen will,
darf dann dessen derzeit beliebtester Politiker,
Boris Pistorius, verkünden:
Das Nato-Ziel muss erhöht werden.
Aber dass nicht alles nur beschissenste Realsatire sein kann,
zeigt das SiKo-Ensemble
dann beim Nahost-Krieg:
Alle rufen Israel zur Räson
und fordern unisono die Zwei-Staaten-Lösung,
und sei es nur,
um einen der vielen Teufelskreise
zu durchbrechen.

Der Nahost-Krieg setzt sich unterdessen
von all dem Gerede unbeirrt
weiter gnadenlos fort:
Die IDF warten noch ein bisschen,
erst muss sich wenigstens
noch ein kleiner Teil von Palästina
in Sicherheit bringen dürfen.
Das Nasser-Krankenhaus wird aber schonmal gestürmt,
im Westjordanland bleibt es ebenfalls „unruhig“
und im Norden wird der Krieg
gegen den Libanon
in Stellung gebracht,
nachdem dort ein Hisbollah-Kommandeur getötet wurde.
Auf der Sinai-Halbinsel (also in der Wüste)
baut Ägypten immerhin
gerade ein riesiges Zeltlager
für 100.000 Menschen.
An der Grenze in Rafah
warten 2.000.000.
Die UN beobachten.

 

Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe. Woche 102.
Als nächstes dann Kramatorsk. Montag: Japan spendet weitere 100.000.000 für das ukrainische Militär. Der landesweite Beschuss setzt sich fort, in Dnipopetrowsk ist die unterbrochen. In diesem Jahr sollen in der Ukraine weitere tausende Kamikazedrohnen gebaut werden. Russland hat in der letzten Woche erstmals eine „Zirkon“-Rakete eingesetzt (10fache Schallgeschwindigkeit). Dienstag: In Dnipro ist die Strom- und Wasserversorgung ebenfalls unterbrochen, wieder russische Raketen und Drohnen. CDU-Mann Kiesewetter: „Es ist ja völlig klar, dass wir eher 300 statt 100 Milliarden benötigen, damit die Bundeswehr kriegstüchtig wird.“ Russland setzt die estnischen Regierungschefin auf die Fahndungsliste. Die UNESCO zählt aktuell 340 beschädigte Kulturstätten in der Ukraine. Auf Odessa wird ein Angriff mit Marschflugkörpern vereitelt. Mittwoch: In Selydowe (Donezk) wird ein Krankenhausflügel von einer russischen Rakete getroffen. Vor der Krim wird das russische Landungsschiff „Caesar Kunikow“ massiv beschädigt. Deutschland und Frankreich unterzeichnen eine „Fähigkeitskoalition“. In Charkiw hat die Luftabwehr keine Chance. Donnerstag: In den USA machen Berichte über „neue nukleare Fähigkeiten“ Russlands gegen Satelliten die Runde. In Kursk steht ein Treibstofflager in Brand. Dann gilt in der gesamten Ukraine erneut Luftalarm, in Charkiw, Kiew, Saporischija und Lwiw schlagen die ersten Raketen ein. Der UK liefert erneut Drohnen, im Wert von 200.000.000 Pfund. Neue ukrainische Truppen sollen in den Fleischwolf von Awdijiwka geschickt werden, das inzwischen fast komplett eingekesselt ist. Momentan sterben täglich circa 1.000 Soldaten an der gesamten Front. In Belgorod wird ein Einkaufszentrum von ukrainische Raketen zerstört. ACAB fordert die Aufstockung des Sondervermögens und bezeichnet den Krieg als „Generationenprojekt“. Selenskyj schwärmt von einer neuen ukrainischen Sicherheitsarchitektur, nächste Garanten sollen Frankreich und Deutschland sein. Freitag: Markus Söder ist nicht auf der Siko, fordert dennoch lautstark Taurus-Lieferungen: „Der Krieg darf nicht wegen Geiz und mangelndem Geld verloren werden.“ Merz schließt sich nahtlos an. Gerade als das deutsch-ukrainische Sicherheitsabkommen verkündet wird, erreicht die Nachricht von Nawalnys Tod die Weltpresse. Deutschland sagt neue Rüstungslieferungen im Wert von 1.130.000.000 zu. Die Endschlacht um Awdijiwka tobt. Harris versichert ihre weitere Unterstützung. Samstag: Awdijiwka wird aufgegeben, es fehlt schlicht an Munition. Weiter westlich graben sich die Truppen erneut ein, also auch von dort bald Nichts Neues. Die Ukraine schießt drei russische Kampfflugzeuge vom Himmel. Sonntag: Die Industrie bei Kramatorsk wird beschossen, das vorerst letzte große Schlachtfeld im Donbas wird markiert. Die Ukraine schießt eine weitere russische Militärmaschine ab. An der Südfront mal wieder mehr Nichts Neues: Panzerschlacht in Saporischiija. Am Mittag verkündet Moskau die „volle Kontrolle“ über Awdijiwka. Zum Abschluss der Woche darf Medwedew nochmal mit Atomkrieg drohen: Sollte Russland atomar angegriffen werden, dann würde es Kiew, Berlin und Washington nicht mehr lange geben.

 

Mit Lustig
ist dann nächste Woche um diese Zeit
also spätestens schon seit zwei Jahren Schluss.
Was ja aber nicht heißt,
dass es nicht immer noch unlustiger sein könnte;
an dieser Dynamik
leiden #DieDoppeltenZwanziger
aber schließlich auch seit der ersten Episode,
besonders am folgenden Symptom zu beobachten:
Der Frisurensohn
erklimmt also doch wieder
eine neue Stufe der Absurdität:
Die ganze Welt zuckt zusammen,
als er in feinster Mafiamanier
die Nato zu seiner persönlichen Schutzstaffel umfunktionert:
Wer nicht genug zahlt,
mit dem kann Russland machen,
was immer es gerne machen würde;
das meint der anscheinend tatsächlich ernst.
Als nächstes geht er mal wieder in Berufung
vorm Supreme Court,
aber sein „Hush Money Prozess“
soll, wie geplant, in fünf Wochen beginnen.
Dann trifft ihn das nächste Zivilurteil:
350.000.000 wegen Kreditbetrug
und drei Jahre Unternehmerverbot in New York.
Pleite und mit anderthalb Beinen im Knast
schafft er es aber trotzdem,
die Republikaner gegen die US-Interessen aufzuhetzen:
Die Ukraine/Israel/Taiwan-Hilfen
(knapp 100.000.000.000)
gehen zwar durch den Senat,
werden aber mit Sicherheit im House beerdigt,
die Abstimmung selbst
soll schon gar nicht erst zugelassen werden.
Das schlechteste an diesem Witz:
Donald Trump spielt darin
den Pazifisten.

Denn wie er es mit Waffen hält,
ist hinlänglich bekannt.
Weswegen sich kaum noch jemand
um schärfere Waffengesetze bemüht,
weil die von ihm sowieso kassiert würden.
Da bringen auch die Schüsse
auf der Siegesparade der Kansas City Chiefs
(Super Bowl verteidigt) nichts,
wirklich gegen Waffen
scheinen wirklich nur noch einige Satiriker zu sein.

Denn ebenso wenig zur Satire
eignet sich das eigentliche Problem
unserer Zeit:
Die US-Ostküste
wird von einem Mega Wintersturm getroffen,
40.000.000.000 Menschen sind betroffen.
In Frankreich
ist im Februar schon wieder Sommer.
Und auch hier,
in der mitteleuropäischen Provinz
ist der Frühling bereits angekommen (bis zu 18°C).
Der bislang schrillste Vogel
hat dabei kürzlich in Halberstadt gezwitschert:
Auf einer „Demo gegen Rechts“
ruft ein Sänger („satirisch“) dazu auf,
Nazis einfach zu erschießen.
AfD-Wähler*innen so offen zu bedrohen,
denn mit Satire
haben die es bekannterweise ja eher nicht so,
ist schon eine Meisterleistung,
über die Claus von Wagner
nicht mal in Alpträumen nachdenken würde.

Wahrscheinlich hat der Halberstädter Domspatz
aber einfach nur falsch gekifft.
Kein Wunder also,
dass die Kleinbürgerfront
wieder was neues zum Fronten gefunden hat:
Die Innenminister*innen der Länder
schreiben derzeit wieder Brandbriefe,
einer davon geht an die Ampel:
„Die Legalisierung einer Droge
ist unverantwortlich.“
Die Ampel schreibt hoffentlich zurück:
Prost!

Hoch die Tassen
heißt es auch weiterhin
im neuen deutschen Antifa Mainstream:
Innenministerin Faeser will jetzt
„Rechtsextremismus entschlossen bekämpfen“
und legt einen höchsteffektiven 13 Punkte Plan vor;
die Satiriker*innen des Landes
haben bereits die Federn gespitzt,
die neue „Brandmauer“ beinhaltet u.a.:
Mehr Konsequenz in der Anwendung bestehenden Rechts.
Schärfere Waffengesetze.
Austrocknung der Finanzströme.
Intensivere Aufklärung,
auch durch Bildung.
Klingt nach nem Plan,
bin dabei,
toi toi toi.

Der Sarkasmus sei mir verziehen,
aber zeitgleich passiert mal wieder
das Gegenteil:
Rechtsextremist Hans Georg Maaßen
gründet auf einem Boot
seine Werte Union.
Sie vertritt die Werte
von Kohl und Adenauer,
was einiges über die Werte der Union
unter Kohl und Adenauer aussagt.
Ich glaub ja eher,
dass diese „Partei“
nur ein Honeypot für (Alt-)Nazis ist,
denen die AfD zu doof geworden ist.

Und für die anderen
gibt es ja noch die andere Satire,
also die, die es nicht gibt,
nämlich die von rechts.
Ganz vorne weiterhin dabei:
Julian Reichelt,
aktuell mit seinem Format „Nius“,
was wohl irgendwie auch lustig sein soll.
Dieser sein „Sender“
steht seit dieser Woche allerdings
unter verschärfter Medienaufsicht.
Warum ist allen klar,
nur Julian Reichelt schwurbelt sich
lieber seine eigene Wahrheit zurecht,
wodurch er seine Fans auch genau da abholt,
wo sie sich gerne sehen:
als notorische Besserwisser
mit sehr „eigenwilligem Humor“.

Den haben sie dann
auch am vergangenen Aschermittwoch
erneut unter Beweis gestellt:
In Biberach wurde die Großveranstaltung der Grünen kurzfristig abgesagt,
der rechte Mob vor der Tür
war einfach schon zu groß.
Das „Compact Magazin“
fühlt sich inzwischen schon von der BILD getriggert,
wenn die titelt:
„Wenn Faschisten Fasching feiern“,
was der unlustigste Satz der Woche gewesen sein dürfte.
Aber Faschos fühlen sich ja heutzutage
selbst von so etwas hier auf die Armbinde getreten:
„Ampeln sind am besten,
wenn sie auf Grün stehen.“
Keinen Spaß mehr
versteht aber derweil auch die Polizei(-gewerkschaft):
Den „Bauernprotesten“ wird in Zukunft
massiver begegnet,
die Verstöße gegen die Verkehrssicherheit
haben ein unlustiges Niveau erreicht.
Zumindest sind bald
Trecker aufs Demos
verboten.

Der Rechtsruck der Doppel20er
ist also vorläufig gestoppt.
Denkste,
denn wozu haben wir denn schließlich Satiriker*innen?
Wenn nicht dafür,
uns weiter zur Aufklärung zu zwingen?
Gerade wenn man denkt,
es geht mal in die richtige Richtung,
werfen die besten unter ihnen
dann immer den Blick über den Zaun/Horizont/Tellerrand:
Das ZDF-Magazin
rasiert
am Freitag Abend
die FPÖ.
Kein Haar vom Hitlerbärtchen
ist nach diesen gut dreißig Minuten
noch zu sehen.
Der Höhepunkt?
Nun, es gab zwei,
ich schreibe aber nur über den ersten:
Ein Ehrenbürger Österreichs,
ein deutscher Polizistensohn,
klopft beim Wiener Martin S. an,
und fragt ob der nicht mal aufmachen wolle,
da wäre das SEK.
Martin S. steht derweil an einer Wand
und hat sich eingenässt.
Oder wie Böhmermann weiß:
Das sind nur die Tränen
über den Verlust von Königsberg.
Der zweite Höhepunkt
kommt bei einem Lied;
und ich kann nur hoffen,
dass es Herbert Kickl selbst war,
der den Originaltext
für diese famose Parodie verfasst hat.
Denn dann ist auch der
mehr als nur angepisst.
Meine Mutter hat schon gefragt,
ob der Böhmermann
eigentlich unter Polizeischutz steht.
Wie alles im Spätkapitalismus,
hat wirklich alles seinen Preis;
sogar der Humor.

Wir sehen also,
die Deadline sieht vor allem ihr Nahen,
mit der Satire und der Aufklärung
bleibt es ein Kreuz;
alles aber nichts, das Abiturient*innen
nicht schon seit den 90ern wüssten,
zumindest solange sie bei Adorno
nicht ganz abgeschaltet haben.
Un deswegen kurz vor Schluss
mal etwas Aufklärung
fast ohne Satire.
Alexander Kluge höchstpersönlich
war der unumstrittene Ehrengast
auf seiner eigenen Ausstellungseröffnung,
die genau an seinem 92. Geburtstag begangen wurde.
Dementsprechend voll
war der Partysaal im Halberstädter Gleimhaus auch,
die gesamte Wendeltreppe war besetzt,
mindestens ein Dutzend Pressevertreter*innen
stand in den Ecken.
Es gab klassische Klaviermusik,
viele Danksagungen
und eine natürlich viel zu kluge Rede
vom Halberstädter selbst.
Die Ausstellung selbst
wirkt in den alten Gemäuern
noch hypermoderner als sie es eh schon ist,
unzählige Exponate sind im ganzen Haus verteilt,
viele davon sind mit KI geschaffene
und auf Aluminium gedampfte Bilder,
die spätestens beim zweiten Hinschauen
neben aller Kunst
vor allem auch eins,
nämlich lustig sind.
Die bittersüße Pointe
dieser Provinzkunstkulturgeschichte
ist somit aber der Titel der Ausstellung:
„Enlightenment (= Aufklärung)
– Eine Austellung für meine Heimatstadt“.
Nach der Satire
bleibt nur noch die Kunst.

Und vor allen beiden
dann wieder das richtige Leben.
Die Episode endet
erwartbar unsatirisch,
und zwar mit Basketball,
dem Spiel,
das erst richtig lustig ist,
wenn es ernstgenommen wird.
Weswegen Schiedsrichter
auch zu unrecht
als Spielverderber wahrgenommen werden,
zumindest bei den Anfängern
und Unbelehrbaren
ist das auch heute noch so.
Was aber beim Basketball heute nicht mehr so ist,
das sind Eltern,
die bei U12-Spielen
ihren Frust beim Schieri abladen.
Nein, wenn so einer seine Aufgabe ernst nimmt,
gibt es manchmal sogar Zwischenapplaus.

Aber genug von mir,
das Spiel feiert seinen nächsten Wahnsinnsrekord:
Caitlin Clarke holt sich die Krone
mit einem Wurf,
der allen Liebhaber*innen dieses Spiels
das Herz höher schlagen lässt:
Gleich zu Beginn des Spiels gegen Michigan State
bleibt kein Zweifel daran,
dass sie den NCAA-Rekord der Frauen
so schnell wie nur irgend möglich brechen will,
ihr dritter Wurf ist dann einer vom Logo,
drei Sekunden nach dem Rebound,
aus vollem Lauf,
wobei der Ball beim Verlassen ihrer Hand
anscheinend wirklich kurz Feuer fängt.
Die beste College-Spielerin der Basketballgeschichte,
die ja selbst auch eine College-Geschichte ist,
hat noch nicht mal das College abgeschlossen
und war auf der High School schon so gut,
dass sich Eltern beschwert haben,
sie dürfe nicht mit den Jungs spielen.
Die Vergleiche mit Pete Maravich
sind dann auch bald hinfällig,
denn dessen Rekord ist aktuell
nur noch 99 Punkte entfernt;
also höchsten noch drei Spiele.

Und nein,
zum All-Star-Weekend der Männer
schreibe ich jetzt nichts mehr,
wäre auch nicht besonders spektakulär,
und das eigentliche Spiel
beginnt eh erst in ein paar Stunden.
Deswegen hält die Deadline
noch einen,
wenn schon nicht ironischen,
dann doch mega ironic
Abschlussfakt als Belohnung bereit:
Das hier
ist der 242. Text
von #DieDoppeltenZwanziger.
Die Pointen (ja, es sind mehrere)
könnt/müsst Ihr Euch
natürlich selber denken.

 

„It’s the good advice
that you just didn’t take.
And who would’ve thought:
it figures.“

(Alanis Morissette: Ironic. Februar 1996)

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