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The Witch is Dead, Long Live the Witch (S8:Ep15)

von | 2023 | 26. März | Die Serie, Staffel 8 - Fallen Leaves

(Bild: No AI, no filter. März 2023)

 

 

„It’s high time.
You took what you’ve broken.
It’s high time.
You took what you’ve broken
and fixed it.
It’s high time.
You realize it’s all.
It’s high time.
You realize it’s all self-inflicted.
We can built a different world!
The rain came down
to wash us all away.
Self mythologising time!
My patience is wearing thin.“

(Empire State Bastard: Harvest. 2023)

 

 

Die diesjährigen Frühjahrsbrenntage
kommen nicht richtig voran;
der Grünschnitt liegt noch feucht am Boden.
Das Aprilwetter im März setzt sich sich weiter fort.
Das heißt aber auch:
Beste Grüße aus dem Regenbogenwunderland!
Allein heute, am Samstag,
waren es mindestens zehn verschiedene,
welche die dunklen Regenwolken
nach Osten vor sich her schoben.

Deswegen wird die heutige Episode
vielleicht auch mal wieder ein bisschen positiver,
wer weiß schon,
welcher neue Fluch
uns ab der nächsten Woche wieder verfolgt.
Ostern ist zwar noch zwei Wochen hin
(„Is wied’r speet dieses Jahr, wa?“ – mein Nachbar),
aber sei’s drum,
ich fange einfach an,
schonmal zu kokeln.
Zu Beginn mit einem kleinen Strohfeuer,
das sich allmählich zum Flächenbrand ausweitet;
allmählich in Kategorien des Hyperinformationszeitalters.
2023 ist nämlich das Jahr,
in dem endlich mal
was ganz was neues
ins (digitale) Osterfeuer fliegt:
Unser aller Lieblingssuchmaschine
ist nur noch nutzloser Schrott.
GPT-4 ist an Google vorbei-
und durchmarschiert.
Was das bedeutet,
das kann sich noch niemand so wirklich vorstellen,
aber alle wollen erstmal fleißig mitverdienen.
Alle.
Sogar Microsoft.
Momentan läuft das Rennen,
wie wir die Befragung der KI eigentlich nennen wollen,
und welches Verb, nach „googlen“,
das neue It-Wort wird,
wenn es darum geht auszudrücken,
dass wir selber grade feststellen,
dass wir etwas nicht wissen,
aber wissen,
wer es weiß.
Postmodern Times indeed.
Und wer im Angesicht der fast unbegrenzten Möglichkeiten
jetzt noch in schlichter Digitalfotografie macht,
der ist nicht mehr nur schon Retro,
der ist schon fast wieder Analog.
„No AI“ ist das neue „ohne Filter“.

Soviel zunächst zur Schnelllebigkeit
im ausgehenden Digitalzeitalter.
Kontern wir das doch gleich mal
mit etwas Langlebigkeit.
Mit Verlässlichkeit.
Mit Feuern,
die eher vor sich hin knistern,
als im Sturm des Weltuntergangsinfernos
zu verlodern.
Genau,
die Rede ist von den Flammen
unter dem Scheiterhaufen
des Donald J. Trump.
Wirklich wahr:
Er ist immer noch nicht im Gefängnis,
geschweige denn angeklagt.
Deswegen hier meine Hausaufgabe
aus der letzten Woche,
standesgemäß fünf vor Deadline.

 

Hey there Dickhead,

just tell me,
is there another single witchhunt in history
that took several years
like yours did?
Everyone is waiting
to see you in chains.
Billions of posters
of your mugshot
are waiting to be printed.
The courts are ready as fuck.
But still no arrest or indictment,
not a single one
while you deserve hundreds.
Even if you asked them pretty please,
like you did last week,
it just won’t happen.
And I tell you why:
We all are enjoying
to see you go down
on your own
by your own tiny hands
and with your own tiny voice.
Soon enough there will be
no more amplifying.
Until then we will have our show:
You going down
in flames.

 

Trotzdem wird es echt
endlich mehr als Zeit
für das einzig mögliche Ende dieser Shitshow.
Denn solange es „der Westen“ nicht hinkriegt,
diesen Groß-Kleinkriminellen einzubuchten,
brauchen wir über Putin und Den Haag
überhaupt gar nicht erst nachdenken.
Vielleicht ja dann nächste Woche.
Der Whisky bleibt noch zu,
der Scheiterhaufen braucht noch kein Feuerwasser.

Für ein unendlich viel nichtigeres Freudenfeuer
nehme ich mir noch kurz Zeit
und dann schlage ich wieder
die wichtigeren Seiten dieser Chronik auf;
one witch at a time.
Michael Ballweg,
gründliche Leser*innen wissen,
welcher Hirni gemeint ist,
darf jetzt vor dem Gericht in Stuttgart antanzen.
Ist also nichts geworden
aus seiner Drecksmasche.
Sein best Buddy, Thomas G. Hornauer,
dessen Vergangenheit noch absurder ist,
als der schlechteste TV-Trash,
hat sich derweil aber zum TikTok-König gekrönt,
womit die braune Sauce des Querdenkersumpfs
weiterhin die Socialmediakanäle zukleistert,
während „König Thomas“
die neueste Lachnummer der GenZ ist.
Zum Glück ist deren Geduldsfaden
aber bekanntermaßen kürzer als ein Streichholz.

Gut.
Dann legen wir also mal ein paar Kohlen nach.
So ein Dritter Weltkrieg
brennt schließlich nicht von allein.
Sorry, da ist mir doch glatt die Metapher verrutscht,
ich meine natürlich irgendwas
mit „Öl ins Feuer“,
dann macht die Überleitung auch viel mehr Sinn.
Die Hauptfeindin des Westens,
auch weil Big Sister von Russland,
die Kommunistische Volksrepublik China,
hat sich nämlich entschieden.
Für russisches Öl
und Gas.
Und um das zu bekräftigen,
war Xi Anfang der Woche ganz selbstpersönlich
in Moskau zum Händeschütteln
mit dem Kriegsverbrecher;
auf langen roten Teppichen
und mit allem volksherrschaftlichen Schnaschnie.
Das Motto des Besuchs:
Die chinesisch-russische „Freundschaft“.
Das Land des Drachens
steht „fest an der Seite“ des Bärens,
und Xi lädt umgehend zum Gegenbesuch ein.
Am großen Tisch werden dann
die wie besprochen massiven Energielieferungen vereinbart
und gleich noch ein nächstes Abkommen
zur Vertiefung der strategischen Partnerschaft geschlossen.
Die Hexer des Ostens sind bereit,
den Himmel des Westens
in Flammen zu setzen.
Weil: vice versa.

Das drückt sich dann auch
im Hin und Her
weiterer Kollateralmeldungen
im Propagandakrieg aus:
Die USA kündigen zu Beginn der Woche
ein Gesetz zur Veröffentlichung von „Corona“-Geheimdokumenten an.
Was da wohl drin stehen wird?
Die Demokraten können
etwa auch „China-Virus“ brüllen?
Eine aktuelle, chinesische Studie jedenfalls
ist sich gerade mal wieder sicher:
Nope. Nix Biolabor in Wuhan.
Sehr wahrscheinlich doch eher Marderhunde
auf dem Wetmarket.
Wäre mir auch lieber.
Nur einen Katzensprung weiter nord-östlich,
über dem japanischen Meer,
kreisen einen Tag später russische Bomber,
denn der japanische Ministerpräsident
besucht Butcha.
Zeitgleich ist,
wie angekündigt,
die deutsche Bundesbildungsministerin in Taiwan,
als erste Bundesministerin seit 25 Jahren.
China is natürlich not amused.
Dann legt Seymor Hersh
ordentlich Zunder nach:
Olaf Scholz soll
am „Nord Stream-Komplott“ beteiligt gewesen sein.
Als ob der sich daran noch erinnern könnte.
Jedenfalls werden die naheliegenden historischen Vergleiche
umgehend gezogen.
Denn wäre das so,
wäre Scholz,
was Tony Blair
im letzten Irakkrieg gewesen ist.
Der Typ, der das letzte Streichholz angerissen hat.
Und gerade der ist auch
gerade wieder in aller Munde,
der Beginn des Irakkrieges unter Bush dem Zweiten
wird dieser Tage 20 Jahre alt,
ab dem nächsten Jahr
darf dieser völkerrechtswidrige Angriffskrieg
mit all den anderen völkerrechtswidrigen Angriffskriegen
der Vergangenheit anstoßen,
mit richtigen Gläsern,
und nicht mehr nur mit roten Plastebechern.
Demzufolge liest man momentan auch aller Orten,
was für eine unsägliche Scheiße dieser Krieg war,
dass der Verantwortliche
Den Haag
nur aus den Nachrichten kennt,
und wie die damals eingesetzte Uran-Munition
immer noch Schäden verursacht,
nach 20 Jahren.

Und damit zum aktuellen Krieg.
Die neue Form der Kriegsberichterstattung
von #DieDoppeltenZwanziger,
die ich letztlich bei einer ausgedachten Preisverleihung erlogen habe,
scheint ihre Sache ganz gut zu machen.
Jedenfalls macht sie es mir irgendwie leichter,
über diesen Abfuck zu schreiben.
Here. We. Go.

 

Ein Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.       Woche 57.
Die Schlacht um Bachmut dauert jetzt beinahe schon doppelt so lange wie die Schlacht um Stalingrad. Historikern hüben wie drüben wird schon ganz warm beim Gedanken an die neu zu schreibenden Lehrbucheinträge. Vielleicht ist sie nächste Woche vorbei. Vielleicht schließt sich aber auch gleich die Rückeroberungsschlacht an; momentan sind die Grenzen fließend. Montag: Die Sturmangriffe auf Bachmut halten weiter an. „Schleichende Fortschritte“ an der Front gibt es auch weiter südlich, in Awdijiwka. Nahe Saporischschja hagelt es Granaten. Kämpfe gibt es aber auch in Lyman, Iwaniwske, Bohdaniwka und Hryhoriwka. Die Front brennt greller als jemals zuvor. Am Abend gibt Prigoschin bekannt: 70% von Bachmut sind unter Kontrolle. Verstärkung gegen die baldige Gegenoffensive wird angefordert. Dienstag: Nächtliche Drohnenangriffe auf die Krim, die „Entmilitarisierung Russlands wird fortgesetzt“. Bachmut hält immer noch durch. Der UK liefert demnächst als erstes auch wieder Uranmunition; „verwenden wir doch schon seit Jahren“ (um genau zu sein: seit genau 20 Jahren). Mittwoch: Nächtliche Drohnenangriffe auf Kiew. Selenskyj verteilt Orden an der Front und verkündet das „Nachlassen des Angriffsschwungs“ auf Bachmut. Das schwedische Parlament stimmt für den Nato-Beitritt. Donnerstag: Die ukrainischen Truppen bei Kremmina sind gerade zurückgedrängt, da wird die ukrainische Offensive auf Bachmut angekündigt. Medwedjew frohlockt: „Der militärisch-industrielle Komplex ist heißgelaufen“, Russland baut noch in diesem Jahr 1500 neue Panzer. Der finnische Präsident unterzeichnet die Natobeitrittsabsichtserklärung. Kiew informiert: Russland „säubert“ Cherson. Die USA schließen jetzt langfristig Verhandlungen über neue Grenzen nicht mehr aus. Freitag: Russland will keinen direkten Konflikt mit der Nato. Nichts Neues an der Front. Samstag: Selenskyj: Die Gegenoffensive kann doch noch nicht beginnen, wegen Munitionsmangels. Die Lage in Bachmut nutzt sich also weiter ab. Und Wagner hat bereits 5.000 Söldner begnadigt und entlassen. Dann kündet Putin am Abend an: In Belarus werden russische Atomwaffen stationiert. Sonntag: Das Institute for War Studies (US) hält den Ball flach: Kaum erhöhtes Risiko eines Nuklearkriegs. Von der Front weiterhin nichts Neues. Dafür aber nahe Moskau: Drohnenangriff in Tula.

 

In other wars
Israel siedelt wieder mehr
und hat dazu ein Gesetz von 2005 gekippt.
Die USA bestellen umgehend den israelischen Botschafter ein;
so war das nicht besprochen.
Ein weiteres neues Gesetz macht es fast unmöglich,
den israelischen Ministerpräsidenten zu entmachten.
Doch es gibt wenigstens ersten Widerstand
gegen die Justizreform,
die immer noch Abertausende auf die Straßen bringt.
Verteidigungsmister Gallant traut sich was.
Nur wenige hundert Kilometer nördlich
fliegt die US-Airforce Angriffe
gegen Stützpunkte der iranischen Revolutionsgarden
in Syrien, da dort ein iranisches Drohnengeschwader
zugeschlagen hatte.
Aber, immerhin:
„Wir wollen keinen Krieg.“

So.
Wenn wir schon mal
beim launigen Rubrikenschrubben angekommen sind,
muss an dieser Stelle natürlich
die naheliegendste folgen,
denn, von Bild bis junge welt
ist man sich momentan einig:
Paris brennt weiter.
Le roi est mort,
vive le roi!

Burning Democracy
Die Rentenreform bleibt beschlossen,
die Misstrauensvoten sind gescheitert
(neun Stimmen haben gefehlt).
Die Proteste weiten sich aus:
Am Donnerstag liegt ganz Frankreich lahm,
auf der Großdemo in Paris sind 120.000
(inklusive der Doppelspitze der deutschen Linken,
Wissler und Schirdewan haben versprochen
Baguette mitzubringen).
Landesweit demonstrieren mindestens drei Millionen,
Stillstand und Blockaden überall,
jap, das ist de facto ein Generalstreik.
Die Gewerkschaften
weisen Macrons Gesprächsangebote zurück,
in Paris brennen fast 1.000 Feuer,
in Bordeaux das Tor des Rathauses,
das morgen eigentlich King Charles besuchen wollte,
das wurde aber Freitag schon abgesagt.
Nicht dass sich Charles noch den Mund verbrennt.
Dafür bekommt er aber in London Besuch.
Der angehende Diktator der jüngsten theokratischen Diktatur,
Benjamin Netanyahu, kommt zum Tee vorbei.
Und reist dann am Mittwoch
weiter nach Berlin.
Olaf Scholz lüftet noch mal durch
und guckt, dass der Ofen warm bleibt.

Vor den Fenstern des Regierungsviertels
stehen zwar noch keine Laub- oder Scheiterhaufen,
noch nicht mal kleinste Osterfeuerchen,
und trotzdem ist der „Wutfrühling“
auch hierzulande tatsächlich
schon etwas heißer als erhofft:
Diese Woche gab es Warnstreiks
so gut wie überall.
Bei der Müllabfuhr,
in den Krankenhäusern,
den Kitas.
Selbst der Hamburger Hafen
war zwischenzeitlich mehr oder weniger dicht.
Dass aber in Kitas überhaupt noch wer streiken kann,
grenzt bald an ein Wunder,
denn der Personalmangel ist bereits außer Kontrolle.
So gut wie überall
herrscht eigentlich Notbetrieb.
Und dann zieht morgen
auch noch die Bahn nach.
Verdi und EVG brechen mit viel Getöse
den Generalstreik vom Zaun.
In den meisten Bundesländern
ist die Präsenzpflicht an Schulen ausgesetzt,
zu viele wissen morgens einfach nicht,
wie sie pünktlich da sein sollten.
Aber die passende Metapher mit dem Strohfeuer,
die habe ich eben schon abgefackelt.
Dabei hätte sie sogar noch
für ein Beispiel aus den Staaten gereicht:
In Los Angeles waren die Lehrer gerade
ebenfalls in einem dreitägigen Streik.
Walkouts in allen Distrikten,
der kalifornische März macht’s leicht.

Aber auch das letzte Schreckgespenst
der aktuellen Bankenkrise
schwebt noch über den Valleys.
Inzwischen fragt die Tagesschau schon,
wie hoch die Ansteckungsgefahr ist.
Soviel zum Thema überreizte Metaphern.
Die Deutsche Bank jedenfalls
verliert in wenigen Tagen zweistellig,
die Käufe von Risikoausfallversicherungen
steigen, als ob schon wieder 2007 ist.
Die Brände weiten sich wieder aus.

Nichts wirklich neues nicht mal im Sport:
Der FC Bayern München trennt sich von Trainer Nagelsmann,
weil die Deutsche Fußimeisterschaft
nicht schon fünf Wochen vor Saisonende gewonnen ist.
Der neue Besen heißt Thomas Tuchel,
und das hatte wirklich absolut niemand kommen sehn.
Nur beim Basketball bleiben die Zweige grün.
Das erste Mal seit Bestehen der Collegeliga (NCAA)
sind keine Eliteunis unter den Viertelfinalisten.
Kein Wunder, bei dem Feuerwerk,
das die GenZ-Superstars von morgen
da schon wieder abfackeln.

Und apropos Abfackeln,
die heißesten News natürlich zum Schluss:
Das IPCC veröffentlicht seinen Synthesebericht 2.0.
Zehn Jahre nach dem Schock,
der das Pariser Klimaabkommen zur Folge hatte,
stellen die Wissenschaftler unumwunden fest:
Dem 1,5 Grad Ziel sind wir wieder
noch schneller
noch näher gekommen,
am Ende dieses Jahrzehnts ist es spätestens soweit.
2100 liegen wir bei 2,8°C,
wenn nicht sofort drastischstes passiert.
In der Kritik stehen eigentlich alle.
Und alle antworten:
Momentan einfach zu teuer.
In Deutschland stirbt jeder fünfte Baum.
Alle zehn Jahre gibt es weltweit
eine Billion Tonnen Eis weniger,
in den Alpen ist Wasser
zum Mangel geworden,
es liegt kaum noch etwas auf den Bergen,
das schmelzen könnte,
und die Gletscher
hat man eh schon abgeschrieben.
Auch auf der UN-Wasserkonferenz vor ein paar Tagen
wurde konstatiert:
Alles ist noch viel schlimmer als jemals zuvor.
Deswegen einigt man sich
auf 689 freiwillige Verpflichtungen
zum Wassersparen.
Immerhin.
Die EU hat unter Federführung der FDP
gerade erst das Verbrenneraus verhindert,
demnächst wird dafür aber
nur noch E-Fuel in die SUVs gepumpt.
Tesla kündigt derweil die nächste Gigafabrik
in einer Wüste an.
Nach Brandenburg
kommen jetzt die nächsten Werkhallen in Mexiko.
Wahrscheinlich sicherer als den USA.
Denn in Kalifornien hat sich
der letzte Frühlingsorkan gerade erst wieder beruhigt,
da sterben zwei Dutzend Menschen
in Mississippi und Alabama
in einem Tornado mit golfballgroßem Hagel.
Und die ersten Großbrände
hat auch dieser März schon aufzuweisen.
In Spanien
verbrennen 3.000 Hektar Wald
in wenigen Tagen.
Der Kampf geht trotzdem weiter:
Susan Sziborra-Seidlitz
reist aus Quedlinburg nach Wolmirstedt
und weiht, gemeinsam mit Robert Habeck,
einen grünen Konverter ein.
Ab sehr bald fließt also
sauberster Öko-Strom von der Ostsee
in Richtung Süden.
Und nahe der Nordsee, in Hamburg,
klebt die Letzte Generation auf den Elbbrücken.

Es ist also soweit.
Zeitumstellung!
Die Gartenmöbel werden wieder
vor die Lauben gestellt.
Der Sommer ist da.
Dem Frühling gebe ich
höchstens noch drei Wochen.
Hier in Quedlinburg
heißt das ganze Spektakel
ja auch sowieso noch mal anders.
Hier wurde heuer der alljährliche „Bücherfrühling“ eröffnet,
ein absolut feuerfestes Kulturevent mit Tradition
und dutzenden Veranstaltungen.
Höhepunkt in diesem Jahr
dürfte die öffentliche,
hoffentlich nur metaphorische Selbstverbrennung
von Lisa Eckart im Palais Saalfeldt werden,
der ich vorhabe beizuwohnen,
und die so nachgefragt ist,
das sie gleich zwei mal stattfinden wird,
es seie denn es handelt sich doch noch
um einen unlustigen Aprilscherz.
Nächste Woche dann
die Pointe zu diesem Gag…
Bis dahin gucke ich endlos
die Wiederholung der letzten Ausgabe des ZDF-Magazins,
in der eben genannte Sprachgewalttäterin
schon mal zum Schafott begleitet wurde.
In der Buchhandlung Pfeifer
wurde der Bücherfrühling
aber schon diese Woche eröffnet:
Das Werk der Stunde: „Zinnobertod“,
„Das Landeskriminalamt in Magdeburg
schickt Kriminaloberkommissar Benno Lorenz
in den Harz.“
Ein Sagen-Krimi eines Urharzers und Metallurgen.
Wer jetzt nicht weiß,
was daran lustig sein soll,
dem sei hier in Erinnerung gerufen,
was Zinnober eigentlich ist:
der fehlgeschlagene Versuch,
aus Schwefel und Quecksilber
Gold zu alchemisieren.
Offensichtlich ein Buch,
an dem man sich nicht die Finger verbrennt.
Ihr seht, kulturmäßig qualmts hier schon mächtig,
das liegen gebliebene Winterlaub
glüht rot wie Zinnober.
Am Finkenherd werden bereits
die ersten Historienspiele abgehalten
(„Reichsversammlung“),
und im Theater
feiert am letzten Abend der Winterzeit
auch schon „Ein Sommernachtstraum“ Premiere.
Alles andere wäre ja auch Quatsch gewesen.

Bei soviel Programm kann ich nur hoffen,
dass die allgemein zu erwartende Frühjahrsmüdigkeit
nicht für leere Kassen sorgt.
Die aktuelle Touridichte
ist jedenfalls schon kurz vor knapp.
Deswegen mache ich jetzt auch die Fenster zu,
vor denen es um Acht immer noch nicht dunkel ist.
Dann feuere ich meinen imaginären Kamin an
und lasse auch diese Episode
in den Flammen vergehen,
bevor wir beim nächsten Mal
schon wieder beim Staffelfinale anlangen,
das dann auch bloß den Stab
an die nächste Staffel weitergibt.
Welche Farbe haben eigentlich
brennende Staffelstäbe?
Und sind Frühlingsträume,
in denen massig Hexen in regenbogenfarbenen Flammen verbrennen,
ein gutes oder ein schlechtes Omen?

 

 

„Wake up, you sleepy head,
rub your eyes, get out of bed!
Wake up, the wicked witch is dead!“

(E.Y. Harburg: Ding Dong! The Witch is Dead. 1939)

 

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