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Touch-And-Go (S13:Ep5)

von | 2025 | 28. September | Die Serie, Staffel 13 - The Rest Of Us Just Live Here

Bild: Gut festhalten!

 

 

„Wir können wirklich
nicht mehr ausschließen,
dass wir 2050
drei Grad
globale Erwärmung bekommen.“

(Frank Böttcher (DMG). 25. September 2025)

 

 

So.
Ab jetzt
ist unser fehlgeschlagener Ritt auf der Rasierklinge
also auch wissenschaftlich
nicht
mehr
auszuschließen.
Während sich draußen
der Himmel
nach nur wenigen Sonnenstunden am Vormittag
schon wieder zuzieht,
muss ich heute zu Beginn
wohl schnell mal daran erinnern,
was das obige Zitat,
das bei Weitem nicht genug Aufmerksamkeit bekommen hat
in dieser
wieder viel zu strangen Woche,
eigentlich vielleicht wahrscheinlich
bedeutet:
Drei Grad Celsius
über dem vorindustriellen Durchschnitt.
Die Hälfte davon war es,
die wir uns eigentlich vorgenommen hatten
nicht zu überschreiten,
bis 2100.
Weil sonst:
Klimakatastrophe.
Jetzt reden wir vom Doppelten
in der halben Zeit.
Und das schlimmste daran:
Das ist keine Überraschung.

Auch nicht beim UN-Klimagipfel.
Nur dass dort eben
sehr unterschiedlich darauf reagiert wird:
Die USA nehmen gar nicht erst teil.
Und China kündigt an:
Die Emissionen sollen noch schneller sinken,
nämlich auf Null
bis, Ihr dürft raten,
genau, bis 2050.
Xi sagt vor der Weltgemeinschaft:
Der Übergang zu sauber(er) Energie
ist der „Trend of our time“.
„While some country is acting against it,
the international community
should stay focused
on the right direction.”
Dass auch ihm dabei
der Arsch auf Grundwasser geht,
beweist „Ragasa“,
der Rest eines Mega Taifuns,
der gerade über China fegt
und zuvor in Taiwan
schon 17 Tote gefordert hat,
trotz aller Vorwarnungen.
So ist er,
der Neue Herbst.

Die Grauen Tage
beginnen aber auch hier im Weltkulturerbe
entsprechend trist,
die Sonne war in den letzten vier Tagen
vielleicht vier Stunden zu sehen.
Die Abende beginnen wieder deutlich früher
und sind auch wieder dementsprechend lang genug,
um sich ausführlichst auf die Couch zu legen
und Musik zu hören.
Mit dem Tanzen halte ich mich
auch hier im Fachwerk zurück,
aber trotzdem setzt es pünktlich zu Beginn
der schlecht gelaunten Jahreszeit
die erste Beschwerde wegen Lärmbelästigung
(nachmittags um Fünf).
Sorry, not sorry,
Biffy Clyro sind Schuld.
Was kann ich denn dafür,
dass die laut einfach
noch viel geiler klingen?!
Außerdem kann ich den Nachbarn
doch nicht einfach
das No. 1 Album im UK
(und Top Ten in Germany)
vorenthalten, oder?
Die sollen lieber froh sein,
dass ich nicht auch noch
Tom MacDonald’s “Charlie“
einer lautstarken Analyse unterziehe,
immerhin momentan die Nummer 1 der Billboard Charts,
denn das wäre dann wirklich Lärmbelästigung,
egal wie leise ich das drehen würde
und in erster Linie für mich.

Und wie ich da also abends
so auf meiner Couch liege,
zu schlechte Nachrichten lese
und zu leise Musik höre,
verpasse ich doch tatsächlich „The Rapture“,
also den Beginn der Apokalypse,
sofern man Evangelikalen auf Tik Tok glaubt.
Es seie denn,
sie meinten damit
das Erscheinen ihres Erlösers
auf der historischsten UN-Generaldebatte des Jahres,
aber dazu später.

Denn damit ich nicht all zu schnell
wieder zurück in die trübe Realität
eines viel zu dunklen Deutschland muss,
hier erst mal die politischen Gewitterschläge der Woche:
Das INSA-Institut sieht zum ersten Mal
die AfD als stärkste Partei bundesweit.
In Mecklenburg-Vorpommern
stehen die Faschos aktuell,
wie es der Trend im Osten verlangt,
bei 38%.
Das ist so übel,
dass es nur noch mit noch mehr Übelhaftigkeit
bekämpft werden kann:
Nach seinem umjubelten Auftritt
im Vorprogramm von Sahra Wagenknecht
am letzten Sonntag in Berlin
kündigt der Rapper „Massiv“
ganz ernsthaft seine Kanzlerkandidatur an.
Für 2038.
Also erst nach dem Dritten Weltkrieg
und nach dem Ende des Vierten Reichs,
wenn wir Glück haben.

Derweil kündigt Bosch an,
bis 2030
13.000 Stellen abzubauen,
und gleich mehrere deutsche VW-Werke
stehen vor Schließtagen.
Ein Grund: Zu wenig Nachfrage nach E-Autos.
Sonderschichten gibt es dagegen in Wolfsburg
– wegen Verbrennern,
wobei Verbrenner alles sein kann,
von E-Panzern hab ich jedenfalls noch nichts gelesen.

Vergleichsweise langweilig
sind deswegen auch sämtlichste Bundestagsgeneraldebatten,
und nicht nur ein mal
müssen Gäste gebeten werden,
doch bitte nicht zu laut zu schnarchen.
Aber hey,
das Jahr mit der größten Kartoffelernte seit 25 Jahren,
das lässt sich der sprichwörtliche Michel
doch nicht durch Politik versauen;
Schlafwandeln ist ein Grundrecht.

Und damit sind wir auch
schon wieder raus
aus den sieben Bergen.
Und wenden uns erneut der Frage zu,
wie kurz denn nun
die Reste der US-Demokratie
wirklich davor stehen,
von Messers Schneide
aufgeschlitzt zu werden.
Spoiler:
Viel mehr als eine stumpfe Klinge
fehlt nicht mehr:
Das „Kirk Memorial“
war nämlich
genau die faschistische Shit Show,
die die meisten befürchtet hatten:
Das Goldene Haus weiß:
„This is the Turning Point“,
und Charlie Kirk ist ab sofort
ein heiliger Märtyrer.
Und dabei auch so viel besser
als sein neuester Prophet,
denn der Frisurensohn gibt offen zu:
„Hi did not hate his opponents.
He wanted the best for them.
That’s where I disagreed with Charlie.
I hate my opponnent
and I don’t want the best for them.
I’m sorry.“
Kurz nachdem er dann noch
das nächste „big announcement“ für Montag angeteasert hat,
legt sein Propagandastaatssekretär, Stephen Miller, nach,
damit auch niemand falsch versteht,
was sich da gerade dreht:
„We will prevail
over the forces of wickedness and evil.
They cannot imagine
what they have awakened.
They cannot conceive
of the army that they have arisen in all of us.
Because we stand for what is good,
what is virtuous…“,
und ja, in dieser gequirlten Wortsoße
gibt es wohl einige Parallelen
zu Goebbels „Der Sturm bricht los“-Rede von 1932,
die eine seiner liebsten war.
Die „Turning Point USA Campus Tour“
geht jedenfalls weiter,
mit Guest Hosts.
Wir sollen wohl gespannt sein,
wer sich als nächstes aufs Silbertablett setzt.

Auf der anderen Seite der Geschichte
nennt John Oliver nennt sein ganzes Segment
quasi zeitgleich
einfach „Kimmel“,
und nennt den Disney CEO
vor einem Millionenpublikum
inbrünstig einen Feigling.

Aber jetzt beginnt die letzte Woche erst:
Am Montag jagt Trump
das Gespenst des nächsten Shut Downs durchs Land,
und Karoline Leavitt zitiert bereits Demokraten,
um die Verhinderung davon zu rechtfertigen.
Morgen steht das erste „Gipfeltreffen“ im Goldenen Haus an…

Das „big announcement“
hat es dann aber ebenfalls mächtig in sich:
Trump kriegt dabei nicht mal den Namen des Medikaments raus,
vor dem er so eindringlich warnen muss
und das angeblich für Autismus verantwortlich sein soll.
Den Markennamen,
den kennt er aber anscheinend sehr gut:
Tylenol (in Deutschland meist Paracetamol).
Gesundheitsminsiter Kennedy
steht dabei kopfwackelnd am Rand.
Der Rest der Welt
weiß aber wenigstens mal,
ob er weinen oder lachen soll.

Auf der anderen Seite der Geschichte
interviewt Jon Stewart
die UN-Generalsekretärin der Herzen:
Jacinda Arderns Biographie
ist übrigens das herzerwärmendste Buch des Jahres,
just sayin’.

Am Dienstag wird
zur nächsten Seite umgeblättert,
im Playbook des US-Faschismus:
Die „Antifa“ jetzt offiziell
eine „inländische Terrororganisation“,
und gegen ICE zu protestieren,
ist damit instant antifaschistisch,
aber so ist es ja auch gemeint.
Interessant wäre hier noch,
dass im gleichen Zuge
eine andere „inländische Bedrohung“
von der Terrorliste gestrichen wurde:
„White Natiolaism“ ist wieder ganz normal,
aber dann kam schon
die Sache mit der Rolltreppe…

Auf der anderen Seite der Geschichte
ist immerhin ein Kanarienvogel im Schacht wieder auferstanden:
Disney/ABC lässt Jimmy Kimmel wieder auf Sendung,
die vielen Aboverluste waren wohl doch noch zu viel.
Untersender Sinclair Broadcast
bockt zwar in dieser Woche noch,
aber ab Dienstag
ist der kalifornische Strahlemann mit den ernsten Augen
wieder landesweit zu bestaunen.
Seine Rückkehr vor die Großstadtkulisse
ist dann ein eindringliches Statement
für die unbedingte Meinungsfreiheit.
Nach 12 Stunden hat allein
die Youtube-Variante 12.000.000 Views,
bis heute sind weitere 10.000.000 dazugekommen.
Warum?
Weil Jimmy Kimmel ein guter Mensch ist.
Und das hat er auch gezeigt,
der Mann sendet immer noch aus Hollywood:
Jimmy weint (ausdrücklich als gläubiger Christ)
als er beschreibt,
wie sehr es ihn angefasst hat
als Kirks Witwe dem Mörder vergeben hat.
Und so,
und nicht anders,
geht Versöhnung.

Obwohl die „Friendship Month Statue“,
die am gleichen Tag in D.C.
auf dem Rasen der National Mall auftaucht,
doch auch irgendwie sein muss:
Bronzeausgaben von Epstein und Trump
halten einander beim Tanz an den Händen,
Messingbeschläge ordnen unzweideutig ein.

Aber da muss Trump schon dem nächsten Fascho
aus der Scheiße helfen:
Das mit dem Anarchokapitalismus
in Argentinien klappt anscheinend so gut,
dass die US-Regierung 20.000.000.000 locker macht,
um die Wirtschaft unter Milei zu retten.
Farmer im Mittleren Westen der USA
kratzen sich mit der Mistgabel am Kinn.

Dann knallt es erneut.
Dieses Mal in Dallas.
Ein Schütze eröffnet das Feuer
auf einen ICE-Knast
in der Hauptstadt von Texas.
Ganz normaler Wilder Westen
könnte man denken,
aber: auf den Patronen steht „Anti-ICE“,
und Kash Patel braucht den Feind nicht mal mehr beim Namen nennen.
Ein Insasse und der Schütze sind tot,
ICE-Schergen wurden keine verletzt,
die „Antifa“ übt wohl noch.

Da hat der Trumpismus
hingegen schon den nächsten Meilenstein erreicht:
Das Heimatschutzministerium gibt an:
„In less than 250 days,
an estimated 1.6 million illegal immigrants self-deported,
and 400,000 were removed by federal law enforcement.“
Zur Feier des Tages
fordern ein paar Republikaner
die Prägung von 400.000 Silber Dollar
mit Kirks Counterfeit,
was einem Gesamtwert von knapp 20.000.000 entspricht;
Jürgen Elsässer ruft gerade bei Julia Ruhs an,
wegen der Rechte am Bild.

Unterdessen ist die Sache mit der Rolltreppe passiert,
und Trump fordert eine sofortige Untersuchung
der „Vorfälle“ („Triple Sabotage!“)
bei seinem Auftritt auf der UN-Generaldebatte,
bevor er im Faschismus Playbook weiter blättert:
Ein Gefängsniswärter in North Carolina
verliert seinen Aufpasserposten,
nachdem er auf Social Media beteuert hat,
„niemals in einem faschistischen Regime zu arbeiten“.

Die Säuberungswelle
macht auch keinen Halt
vor dem Kriegsministerium
(das heißt jetzt wirklich so):
Kriegsminister Hegseth lädt am kommenden Dienstag
sämtlichste Amtsträger persönlich nach Quantico, Virginia ein.
Noch sind keine Details öffentlich bekannt,
aber es wird gemunkelt,
mehr als 20% der Militärführung
sind ab Mittwoch keine Militärführung mehr.

Und natürlich auch im Justizministerium geht es hoch her,
so ein Autokrat pisst nun mal gerne
an jede einzelne Säule der Gewaltenteilung:
Pam Bondi klagt auf Geheiß des Frisurensohns
den ehemaligen FBI-Chef Comey an,
wegen Falschaussage
und angeblichen Staatsfeindlichkeiten.

Um die weiter abstürzende Wirtschaft weiter zu schädigen,
werden darauf neue Zölle angekündigt:
100% auf alle Arzneimittel,
Amerikaner sollen sich ihre Drogen
wieder selber zusammenrühren.
Und per Dekret wird dann auch noch
Tik Tok übernommen werden,
aber da tauchen schon wieder diese Geister auf:
In den Epstein Files stehen nämlich
unter anderen auch diese Namen hier:
Elon Musk,
Peter Thiel
und Steve Bannon.
Holy Shit,
Jeffreys Insel
muss ja das totale Herrenmenschenparadies gewesen sein.
Elon darf dazu aber auch mal wieder was sagen,
nämlich dass er den (bereits gebuchten) Trip dahin
ja wohl abgesagt hätte
(nachdem Epstein offiziell als Triebtäter eingestuft wurde).
Ach, Elon.

Wenig überraschend
muss also der „Civil War“ weiter angefacht werden,
als Nebelkerze ist der immerhin schon effektiv genug:
Kurz nachdem der Supreme Court
jetzt auch erlaubt,
rund vier Milliarden US-Dollar an Auslandshilfen zurückzuhalten,
schickt Präsident Trump Soldaten
ins „vom Krieg zerstörte“ Portland, Oregon.
Im Krieg sollen sich da genau zwei Partein befinden,
und natürlich habt Ihr recht,
die „Antifa“ kämpft gegen „ICE“,
Ergo: ICE = US-SA.
Oder so ähnlich.

Den letzten Scheißhaufen der Woche
muss dann selbstredend Fox-Oberdreckschleuder,
Jesse Watters,
die vollendete Karikatur
eines US Anti-Völkerrechts-Propagandisten
in den Äther pressen,
als er fast über seinen eigenen „Humor“
verwundert ist:
Nach dem Skandal mit der Rolltreppe
müssten die UN eigentlich weggebombt werden.
Aber Moment,
das würde ja ziemlich große Krater
ins schöne New York reißen,
deswegen wäre es wahrscheinlich sinnvoller,
die Vereinten Nationen „zu vergasen“.
Und ja,
das habe ich mir nicht ausgedacht.

Besagte Vereinte Nationen
feiern in dieser Woche aber trotzdem
ihr 80jähriges Bestehen
und befinden sich demzufolge
in diesem Zustand hier:
Bereist am Montag
tritt eine extra Palästina Konferenz zusammen,
fordert die Zwei-Staaten-Lösung,
und Frankreich und Belgien
nutzen die Gelegenheit,
um ebenfalls einen Staat Palästina anzuerkennen;
in Deutschland fühlen sich wieder einige mehr „isoliert“.
Auf einer weiteren extra Nato Konferenz,
schwört sich das Bündnis unbedingte Bündnistreue,
jeder Zentimeter wird gemeinsam verteidigt.
Und bevor es dann so richtig losgehen kann,
kriegt die neue Präsidentin der Vollversammlung
auch noch mal richtig Gegenwind:
„Progressive International“
und das „New York chapter of the Democratic Socialists of America“
launchen eine „Block Baerbock“ Kampagne,
„seeing the nomination
of the former German foreign minister
as indicative of an aggressive foreign policy
by the US and its Western allies
to prevent US decline
and contain the emergent multipolar world order,
which, in return,
is also indicative of a crisis of the United Nations.“

Am Dienstag Morgen dann
stehen also Donald und Melania Trump
am Fuße einer Rolltreppe
im UN-Hauptquartier in New York City
und gucken dumm.
Nachdem der Secret Service extra noch
viele, viele gefährliche SIM-Karten in der Umgebung entschärft hatte,
wird der Frisurensohn einfach aufs übelste (nicht) ge(t)rollt.
Dann fällt auch noch der Teleprompter aus,
weswegen Trump freestyled,
was erwartbarerweise komplett eskaliert:
„In a period of just 7 months
I have ended 7 unendable wars…
an no calls from you.
No president or prime minister
— and, for that matter, no other country —
has ever done anything close to that
— and I did it in just 7 months“,
„Your Countries are going to hell“
ist dann der Satz,
der am Abend am häufigsten um die Welt geht.
Aber auch alles andere
ist nichts anderes als ein maximaler Frontalangriff gewesen,
gegen die UN,
als Gastgeber der UN.
Wie nebenbei streut er dabei lupenreines Hiltervokabular ein,
denn „Migranten“ seien „Kulturzerstörer“,
um dann auch noch eine maximale Kehrtwende
im Ukrainekrieg zu vollziehen,
denn das überfallene Land
könne alles, wirklich alles zurückerobern.
Dass er abschließend
den Klimawandel als Betrugsmasche hinstellt,
ist dann tatsächlich auch egal.

Sein wieder Verbündeter,
Wolodymyr Selenskyij,
darf dann am Mittwoch reden:
Die UNO kann den Krieg nicht stoppen,
er höre seit Jahren nur leere Worte,
und der „Zusammenbruch des Völkerrechts“
macht Waffen nun mal wichtiger,
womit wir „derzeit
das zerstörerischste Wettrüsten
der Menschheitssgeschichte“ erleben,
denn die Ukraine ist „nur das erste Land.“

Am Rande dieser Rede
stellt Trump derweil seinen
21-Punkte Friedensplan für Gaza-Israel vor,
wobei Annexionen in der West Bank schonmal tabu sein sollen.
Einen Tag später kündigt Oberpalästinenser Abbas
das Ende der Hamas-Herrschaft in Gaza an.
Und da ist Benjamin Netanyahu auch schon
(auf Umwegen) auf dem Weg nach New York,
wo er erneut nicht festgenommen wird.
Seine Rede wird sogar an den Grenzenmauern in Israel-Gaza übertragen,
dafür verlassen viele die UN-Sitzungssal,
und nur von den Rängen tönt demonstrativer Applaus.
„Israel is fighting your fight“,
und damit meint er den Westen.
Mag sein,
aber warum hören die IDF dann nicht auf,
wenn der Westen bald einstimmig sagt,
sie sollen damit aufhören?
Bibi selbst bleibt übrigens noch übers Wochenende in D.C.,
will sich dann noch mal das Goldene Haus anschauen
und sich dann vielleicht sogar zum Friedensplan äußern,
wahrscheinlich aber erst,
wenn er wieder zu Hause ist.
Als letzter Großkotz
darf am Freitag dann
Sergej Lawrow zu den Vereinten Nationen sprechen,
Putin hat gerade einen Geliebtenskandal am Hals.
Russland ist jederzeit bereit
für eine Antwort,
sollte der Westen eine provozieren.
Und was Deutschland angeht,
das sieht der Naziexperte
gar eine „Renazifizierung“;
womit er zumindest
ja nicht völlig daneben liegt.

 

Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 182.
Drohnen über Dänemark. Montag: In Foros (Krim) werden eine Schule und ein Sanatorium von ukrainischen Drohnen getroffen, drei Menschen sterben. In Saporischija, Kiew und Sumy sterben bei russischen Drohnenangriffen ebenfalls drei Menschen. Dienstag: „Wir müssen eine neue europäische Geisteshaltung annehmen – vom Mindset des Friedens hin zur Bereitschaft in Kriegszeiten“, sagt der schwedische Verteidigungsminister Jonson in Berlin, bevor er sich mit Pistorius in Berlin trifft. In Saporischija und Odessa sterben zwei Zivilisten bei russischen Luftangriffen. Das russische Militär hat eigenen Angaben nach die Kontrolle über einen Großteil der umkämpften Frontstadt Kupjansk im ostukrainischen Gebiet Charkiw erlangt. Mittwoch: Wolgograd wird massiv mit Drohnen angegriffen. Der Kreml kündigt an, zur weiteren Kriegsfinanzierung die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Der russische Flottenstützpunkt Noworossijsk wird ebenfalls attackiert, zwei Zivilisten sterben. Mehrere Iskander Raketen schlagen in einem ukrainischen Ausbildungszentrum ein. Donnerstag: Kein Liveticker. Erneut Drohnensichtungen über dänischen Flughäfen, Teil der hybriden Kriegsführung Russlands(?). Freitag: Kein Liveticker. Samstag: Kein Liveticker. Sonntag: Die Ukraine wird mit mehr als 500 Drohnen und 40 Raketen angegriffen, in Kiew sterben mindestens vier Menschen. Polen lässt vorsichtshalber Kampfjets aufsteigen.

 

Unterdessen wird die „Global Sumud Flotilla“
von italienischen und spanischen Kriegsschiffen beschützt
als sie ihren Weg im Mittelmeer
weiter gen Osten fortsetzt,
humane Hilfslieferungen
und globale PR
für Andreas Malm.
Ihr fragt Euch jetzt auch,
was Flotilla Kapitänin Thunberg
mit diesem wenig bekannten Schweden zu tun hat?
Ganz einfach:
Zu viel.
Und zwar deswegen:
„Ja, Andreas Malm
hält Israel
für einen der mächtigsten Vertreter
eines fossilen Weltzerstörungsregimes,
und ja,
er hält die Hamas
für die effektivste Ökorebellentruppe
unserer Zeit.“
(Richard Schuberth: Sunshine, Lollipos und Öko-Jihad. 2025)
Also mir würde da jetzt sofort jemand einfallen,
von dem Greta sich
wenigstens mal distanzieren könnte.
Aber solange die IDF weiter munter
den Jemen bombardieren,
werden solche Ideen
wohl weiter munter Gehör finden.
Aber gerade eben
sickern noch mehr Punkte
des 21-Punkte-Friedenplan der US-Regierung durch,
wenn das so umgesetzt werden kann,
dann soll sich der Frisurensohn
den Friedensnobelpreis von mir aus
auf’s Klo stellen dürfen:
Die arabische Bevölkerung soll bleiben
und zunächst von einer arabisch-europäisch-amerikanischen
Expertenregierung verwaltet werden.
Hamas-Mitglieder, die der Gewalt abschwören,
sollen Amnestie bekommen.
Die, die das nicht wollen,
sollen ungehindert auswandern dürfen.
Eine internationale Friedenstruppe
soll Gaza sichern, bis es wieder aufgebaut
und entradikalisiert ist.
Ein Programm zur Deradikalisierung Gazas,
der aber auch Israel betrifft,
beide Seiten sollen auf friedliche Koexistenz eingeschworen werden.
Koordination und Verteilung von Hilfsgütern
durch internationale Organisationen
ohne Beteilung einer der bisherigen Kriegsparteien.
Das ganze soll auch dann umgesetzt werden,
wenn die Hamas nicht zustimmt,
und zwar in jenen Gebieten Gazas,
aus denen die Hamas schon vertrieben wurde.
Hoffentlich kann Netanyahu
seine Dinnerparties in D.C. genießen.

Gut,
die Sonne war dann doch noch mal da
an diesem ersten Deutscher Herbst Wochenende.
Deswegen kann ich auch gefühlt entspannt nachschauen,
was unsere Faschos so erreicht haben:
Nicht viel.
In Gelsenkirchen hat sich Andrea Henze (SPD)
in der Stichwahl durchgesetzt,
aber im Rat der Stadt
sitzen ab sofort genauso viele AfDler
wie Sozialdemokraten.
Dazu kommt,
dass die Bundes-AfD
ihre Bundesparteizentrale räumen muss,
der Vertrag wird 2026 nicht verlängert.
Und weil es sonst
nichts weiter zu berichten gibt,
außer vielleicht,
dass der Antifaschismus erneut einstecken muss,
weil Hanna S., Faschoverklopperin,
in München zu fünf Jahren Haft verurteilt wird,
kann ich auch noch
eine weirde Geschichte aus dem Supermarkt wiedergeben:
Völlig entgeistert
halte ich das neue Compact „Magazin“ in der Hand
und bestaune das Titelbild:
Svenja Marla Liebich
in Pop Art,
darunter:
„Eine Frau mit Eiern foppt die Gender Mafia“.
Mein Lachen ist anscheinend laut genug,
um einem Endfünfziger als Steilvorlage zu dienen:
„Die könnse gleich ma hergeben,
wenn ihnen das nich jefällt.“
Er reißt mir das Hochglanzpapier aus der Hand,
entfernt sich einige Meter,
blättert darin herum
und bringt es mir dann tatsächlich wieder.
„Da jibt’s besseres!
Da jibt’s noch viel besseres!“
Kopfschüttelnd lege ich das „Magazin“
wieder zurück ins Regal,
gleich neben den Spiegel,
der vor einer Theokratie in den USA warnt,
und will nur noch zur Kasse,
Wochenenden sind immer noch heilig.

Im Moment schlägt die Marktglocke Sieben
und mein in dieser Woche besonders vernarbter Nacken
will nur noch in die warme Wanne.
Egal also,
ob die Münchner Wiesn
wegen Überfüllung gesperrt wird,
und egal auch,
dass bei „All Eyes on Gaza“
gestern 60.000 – 100.000 in Berlin
friedlich den Tiergarten verstopft haben.
Denn die Krankheitswelle rollt weiter
und morgens ist es schon verdammt kühl.
Aber in Zeiten,
in denen sich Unterrichtseinheiten
zur Meinungsfreiheit
von alleine schreiben,
also im Herbst 2025,
brauche ich meine Kräfte wohl noch eine Weile;
vielleicht bringt es ja doch was;
man soll nichts ausschließen.

 

Herbststurm über Buchenwald
(Hidden Story Pitch)

Deutschland,
Thüringen,
Weimar,
Sekundarschule,
kurz vor den Herbstferien 2025.

– Eine Freundesgruppe
(8. Klasse, nur Jungs)
hat auf Dischord „aufgeschnappt“,
dass man ((zu recht) unbeliebte) Lehrer*innen
sehr effektiv
mit neurechter Scheiße trollen kann,
und meint es am Anfang
tatsächlich nur „lustig“
(Pepe der Frosch auf dem Geschichtshefter,
dumme Faschoparolen auf der Lehrertoilette,
„provokante Fragen“ im Deutschunterricht,
etc.),
aber dann werden sie infiltriert
von einem stramm deutschen Jugendneonazikader (10. Klasse)
(in der Hooligan Szene von Erfurt radikalisiert),
der die Stimmung so lange anheizt,
bis … (Herbstferien)
– Eine Sozialkundelehrerin
und ihr bemerkenswert diverser Kurs, 9. Klasse,
halten zunächst erfolgreich dagegen,
bis … (Herbstferien)
– Final Battle am Glockenturm,
selbstredend bei Sturm
und (nach den Herbstferien)
am 9. November…

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