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Two Times Twenty Two (S13:Ep7)

von | 2025 | 26. Oktober | Die Serie, Staffel 13 - The Rest Of Us Just Live Here

Bild: Back to School. Barbara Schück. Nordkalifornien, Oktober 2025.

 

 

„I’m twenty two,
don’t know what I’m supposed to do
or how to be,
to get some more out of me.
I’m twenty two,
so far away from all my dreams.
I’m twenty two,
twenty two,
feeling blue.“

(Millencollin. 1997)

 

 

So
schnell
werden Träume
(sogar verdoppelte)
also (schon wieder)
zu unvergesslichen Erinnerungen…
Der Brillenträger und seine Mutti
haben es übrigens
gesund, erschöpft und glücklich
zurück in die provinzielle Gegenwart geschafft.
Wie viele Gespenster
sie in Kalifornien gelassen haben,
das wird sich dann zeigen,
aber sie sollten genug am Straßenrand ausgesetzt haben,
damit es nicht allzu viele
bis hierher zurück schaffen.

Wäre das hier eine Chronik,
die sich dem Sensationalismus hingeben würde,
würde ich über die Rückreise schreiben,
dass wir es wirklich gerade so noch rausgeschafft haben
aus den protofaschistischen USA unter Trump,
denn der hatte am Abend
vor unserem Flug angekündigt,
100 Federal Agents
auf die Zustände in San Francisco loszulassen.
Aber wie die Umstände es wollten,
ist es dazu nicht gekommen,
und der Sicherheitscheck am Flughafen
geriet wegen anderer Gründe zum Thriller.
Trump hatte sich nämlich
von Freunden darüber aufklären lassen,
der Major der Stadt an der Bay,
Daniel Lurie,
mache ganz gute Fortschritte.
Dafür drehte der lowkey Civil War
in Chicago auf,
aber da sind wir nicht mal drüber weg geflogen.

Unsere Ankunft in Deutschland
war dann auch noch mal ein Krimi für sich,
aber als uns das Navi vorgeschlagen hatte,
doch lieber durch den Harz
(anstatt drumherum) zu fahren,
und wir genau das dann auch
nach guten 20 Stunden ohne Schlaf getan hatten,
waren wir schnell wieder versöhnt:
Ein orangenes Meer aus Herbstlaub
hieß uns willkommen;
als ob man nach einem langen Traum
noch mal kurz einschläft,
nur um dann genauso eindrücklich
weiter zu träumen…

Jetzt ist aber wieder jetzt,
das heißt:
Es ist 17.36 Uhr.
Und die Deadline
hat beide Augenbrauen
auf Anschlag oben.
Aber mit der Erleichterung,
während der Reise
mal wirklich
eine ganze Woche lang
überhaupt
gar
nichts
mitgeschrieben zu haben,
traue ich mir dieses Kunststück
durchaus zu.
Außerdem
haben wir heute Nacht
eine ganze Stunde zurückbekommen
und eine „kurze Woche“ liegt vor uns.
Das hätte also kein Alman
besser planen können.

Die Horrornachricht der Woche
deswegen gleich zu Beginn:
Über Deutschland
fallen zur Stunde
immer noch
hunderte Kraniche
tot
vom Himmel.
Die „Vogelgrippe“ kündigt sich
auf grauenhafteste Weise an;
Virologen beißen jetzt schon
verzweifelt in Tischkanten.

Aber Deutschland
hat natürlich immer noch
viel drängendere Probleme.
Mehr als eine ganze Woche
beschäftigt sich der deutsche Main Stream
mit seinem Kanzler:
Merz,
das „Stadtbild“
und deutsche Töchter.
Die Grünen in Castrop Rauxel
stellen sogar Strafanzeige wegen Volksverhetzung
und selbst Fox berichtet höchst anerkennend.
Aber es bleibt nicht bei dieser rassistischen Kackscheiße:
Angesichts einer zunehmenden Zahl
Schutz suchender junger Männer
aus der Ukraine
bringt CSU-Chef Markus Söder
Einreisebeschränkungen ins Spiel.
Söder verweist darauf,
dass nach jüngsten Lockerungen
ukrainischer Ausreisebestimmungen
„sehr viele junge Männer
insbesondere sich überlegen,
nach Deutschland zu kommen,
nach ganz Europa“.
Es sei notwendig,
„auch hier diesen Zugang wirksam zu begrenzen“.
Die jungen Männer
sollten in der Ukraine ihre Wehrpflicht erfüllen
und ihr Land schützen und verteidigen.
Mein Gott, Markus.

Fast genauso drängend
ist vorübergehend auch wieder
der Krieg gegen die Drogen.
Wie immer geht das besonders dumm:
Während der Konsum und Missbrauch
vor allem synthetischer Drogen (Meth et. al.),
Hardcore Tranquilizern (Keta, Tilidin, Benzos)
und Kokain in nie dagewesene Höhen schießt,
wettert die CDU/CSU
gegen das Cannabisgesetz.
Häh?

Dann werden auch noch „Chipprobleme bei VW“ beschworen,
es droht ein Produktionsstopp und Kurzarbeit.
Aber so drängend ist das dann doch nicht,
einen Tag später gibt es Entwarnung.
Alarmismus mit Arbeitsplätzen,
ganz toll.

Am schlimmstdeutschesten ist aber,
dass Till Lindemann
schon wieder auf Deutschlandtour ist.
Ich kenne zum Glück niemanden mehr,
der da noch hingeht.

Die Shitshow,
der sich aber wirklich niemand entziehen kann,
geht derweil immer beschissener weiter.
Um gleich im Bild zu bleiben:
Nach dem „No Kings Day“
postet der Frisurensohn
ein KI-Video:
Mit einer goldenen Krone auf der Perücke
sitzt er im Cockpit einer Kampfjets
und lässt Scheiße regnen
auf die versammelten Massen
einer x-beliebigen US-Metropole.
Der Dreck hat es sogar
bis in die Tagesschau geschafft.
Am nächsten Tag setzt er wie gewohnt noch einen drauf
und spielt mit dem Gedanken,
den Insurrection Act
gegen friedlich protestierende Menschen anzuwenden.

Innerhalb von wenigen Tagen
wird daraufhin der gesamte East Wing
des Weißen Hauses abgerissen,
um Platz für den Ballroom zu schaffen,
der ca. doppelt so groß wird
wie das eigentliche Weiße Haus.
Okay.

Heimatschutzministerin Kristi Noem
befindet sich derweil in einer Kongressuntersuchung:
Mehr als 170 ICE-Festnahmen
(darunter mehrere Kinder)
haben ohne jeglichen Prozess stattgefunden.
Die Privatarmee des Project 2025
ist inzwischen dabei,
massenhaft Waffen zu horten,
besonders Kleinwaffen,
molekulare Bürgerkriege
werden schließlich nicht
mit Mittelstreckenraketen geführt.
Deswegen liegen in den Lagern
auch noch chemische Kampfstoffe
und eine unvorstellbare Menge an Sprengstoffen.
Die Ausgaben für die Schutzstaffel
sind seit Jahresbeginn um 700% gestiegen.

Die anderen Soldaten,
also die echten,
müssen auch in dieser Woche
in eine leere Lohntüte gucken.
Mach aber nix,
denn es finden genug anonyme Spender,
die für den Sold aufkommen.
Kann man sich alles wirklich nicht ausdenken.

Ausgedacht hat sich dafür aber Steve Bannon,
dass eine dritte Amtszeit des Frisurensohns
gar keine so große Unmöglichkeit sein wird;
seinen Plan will er aber noch nicht verraten;
vielleicht überlegt er sich das doch auch nochmal anders.

Ganz anders
könnte dagegen der Hase
aber bald
durch New York laufen.
Bei der Bürgermeisterwahl
in der übernächsten Woche
liegt der „Kommunist“ Mamdani weiter vorne
und wird sogar schon von Kogressgranden
wie Hakeem Jeffries empfohlen.

Und damit zurück nach Europa:
Catherine Connolly,
eine hocherfahrene Juristin
ist seit dieser Woche
die ersten linksradikale Präsidentin
von Irland.
Die Wahl hat sie übrigens mehr als überzeugend gewonnen,
was der kürzlich erst gewählten Mitte-Rechts Regierung
absolut nicht gefällt.
Mir schon.

So gar nicht gefällt mit deswegen auch,
dass das konkret nur noch ein mal
als richtiges Heft erscheinen wird.
Lesen, was andere nicht wissen wollen,
auf einem Schwarzen Spiegel?
Na, vielen Dank auch.

Gott sei Dank
hat aber die NBA-Saison wieder angefangen.
Und das auch noch mit Storylines
aus dem obersten Regal:
Chauncey Billups (ex-Headcoach der Blazers)
macht mit der Mafia rum,
und Terry Rozier (Heat)
mauschelt bei Sportwetten mit.
Nein, ich schreibe selbstverständlich davon,
dass „The Don“ anscheinend endlich in seiner neuen Familie angekommen ist:
92 Punkte in den ersten beiden Saisonspielen,
das hat zuletzt
noch niemand geschafft.
Und auch nicknamemäßig
erschließt die Liga
wieder ganz neue Universen:
Stephon Castle (Trikotnummer 5)
und Victor „The Alien“ Wembanyama (Nr. 1)
sind ab sofort die „Area 51“,
auch wenn die nicht in Texas liegt.

Gut,
war noch was?

 

Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 186.
Darf die EU Wladimir Putin schon empfangen? Montag: Die USA drängen auf einen Waffenstillstand an der aktuellen Frontlinie. Die EU-Staaten wollen den Import von russischem Gas schrittweise bis Ende 2027 vollständig verbieten. Putin und Trump wollen sich in Budapest treffen. In der Ukraine kracht es an allen Ecken: Kiew, Sumy, Charkiw, Donezk, Dnipropetrowsk, egal, überall sterben Zivilist*innen, sitzen Menschen im Dunkeln oder erschießen andere auf Befehl. Trumps Kriegspolitik in a nut shell: „Sie (die Ukraine) könnten ihn (den Krieg) noch gewinnen. Ich glaube nicht, dass sie es tun werden, aber sie könnten ihn noch gewinnen“, sagt er im Weißen Haus vor Journalisten. Alice Weidel begrüßt ein Treffen in Budapest. Dienstag: Nach einem russischen Angriff auf die nordukrainische Region Tschernihiw sind Hunderttausende Menschen ohne Elektrizität, vier Zivilisten sterben. Das Treffen ist wieder in weite Ferne gerückt, die aktuelle Frontlinie reicht Russland noch nicht. Das Kriegsrecht in der Ukraine wird bis Februar 2026 verlängert, insgesamt dann schon 4 Jahre. Die EU möchte Trump zum Vorsitzenden eines Friedensrates machen. Mittwoch: Kiew wird in der Nacht mit Raketen angegriffen, sechs Menschen sterben. In weiten Teilen der Ukraine kommt es zu Notschaltungen der Energieversorgung. Orban würde gerne an dem Treffen in Budapest festhalten. Selenskyj findet Trumps „Plan“ einen „guten Kompromiss“. Die Dörfer Pawliwka in der südostukrainischen Region Saporischschja und Iwaniwka in der benachbarten Region Dnipropetrowsk sind „befreit“. Russische Drohnen treffen einen Kindergarten in Charkiw. Russland schränkt Whatsapp und Telegram ein. Donnerstag: Trump behauptet, das Treffen mit Putin abgesagt zu haben. Die Dörfer Pawliwka (Saporischschja) und Iwaniwka (Dnipropetrowsk) sind „befreit“, ebenso die Insel Karantynnyj (Cherson), die ukrainische Armee hat Kutscheriw Jar (Donezk) zurückerobert. Die EU beschließt das 19. Sanktionspaket gegen Russland. Kiew wird mit Drohnen angegriffen. In Kramatorsk sterben bei ukrainische Journalisten bei einem Drohnenangriff. Russische Flugzeuge dringen in den litauischen Luftraum ein. Freitag: Die deutsche Wirtschaftsministerin Reiche besucht die Ukraine, es geht um: Wiederaufbau der Energieinfrastruktur sowie der Ausbau der deutsch-ukrainischen Rüstungskooperation. In Schytomyr sterben vier Menschen, bei dem Versuch das Land zu verlassen. Kramatorsk wird zusehends eingekesselt. Pokrowsk steht ebenfalls kurz vor dem Fall. Samstag: In der Region Kiew sterben vier Menschen bei Drohnen- und Raketenangriffen. Sonntag: Trump rudert vollends zurück: „Ich werde wissen müssen, dass wir einen Deal erzielen werden. Ich werde meine Zeit nicht verschwenden.“ Kiew wird in der Nacht weiter von Drohnen getroffen, drei Menschen sterben. Putin kündigt die Stationierung einer Langstrecken Atomrakete an. 200 russische Soldaten sind ins Zentrum von Pokrowsk eingedrungen. Am Abend werden die Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur fortgesetzt. Donald Tusk warnt vor einem „ewigen Krieg“.

 

Genau diese These hatte ich leider
auch schon in der letzten Woche,
ich glaube sogar noch vor dem Rückflug:
Der Dritte Weltkrieg beginnt also wirklich gerade,
wird dafür aber nicht die Atomkatastrophe,
die so manche Apokalyptiker herbeisehnen,
sondern wird mindestens 50 Jahre oder länger dauern,
weil wenn es zu einem ähnlichen Abnutzungskrieg
zwischen dem Westen und den Bricsstaaten kommt,
wie er gerade in der Ukraine getestet wird,
dann:
Das Crazy!
(Die ironiefreie Version.)

Und auf diese Zukunft
darf auch ich dann
ab morgen wieder vorbereiten,
wie schnell aus Träumen
doch wieder Albträume werden.
Alexander Dobrindt
will nämlich ab sofort
verstärkt
Schüler
auf den Krieg vorbereiten.
Kein Wunder also,
dass selbst im Harzkreis
die Zahl der Schulverweigerer
sprunghaft ansteigt.

Da kann also nur noch eine helfen:
Meine aktuelle Deutschklasse (7. Jahrgang)
hat sich für nach den Ferien gewünscht,
zusammen „Momo“ zu lesen.
Nichts lieber als das!

Also, Deadline,
es ist 19.14 Uhr
und du kannst die Augenbrauen
wieder runter nehmen.
Ich bin immer noch
genug aus der Zeit gefallen,
um mir zum Ende auch gleich noch selbst
vorzeitig alles Gute
zum 44. wünschen,
der wird in der neuen Woche
anstandshalber keine große Rolle spielen.
Deswegen werde ich auch
die sich unangenehm aufdrängende Zahlenmystik
heute ausfallen lassen.
So weit weg von meinen Träumen
bin ich dann doch nicht mehr.

 

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