„Anger wants a voice.
Voices wanna sing.
Singers harmonize
until they can’t hear anything.
I thought that I was free
from all that questionin‘,
but every time a problem ends
another one begins.“
(Vampire Weekend: Harmony Hall. 2019)
So.
Wenn der (Hoch-)Sommer schon
noch eine Woche dranhängen muss,
dann ja wohl so eine.
Ein erholsames Wochenende
mit ausreichenden Siestas
im Schatten irgendeines Baumes,
oder an irgendeinem Gewässer
wäre also logisch gewesen.
Stattdessen jachtere ich in Turnhallen rum
und schreibe das Internet voll,
sorry, not sorry,
#DieDoppeltenZwanziger bleiben gnadenlos.
Vor ein paar Monaten noch
hätten wir so was „Hitzewelle“ genannt,
denn es blieb kein Tag aus,
an dem die 30°C nicht locker überschritten wurden,
meist von Mittag bis Sonnenuntergang,
kreis-, bundes- und landesweit
purzelten die Hitzerekorde,
und überhaupt steht wieder mal fest,
zur Überraschung von genau niemandem mehr:
Der weltweit heißeste Sommer seit Menschengedenken,
schon wieder.
Absolut folgerichtig und ebenso vorhersehbar,
fängt dann am Freitag
auch der Brocken wieder Feuer,
ebenfalls verheerender als jemals,
Evakuierungen,
stündliche Gefahrenwarnungen,
vier Löschflugzeuge,
zwei Hubschrauber
und hunderte Einsatzkräfte
im Dauereinsatz,
weiträumige Sperrungen …
Der geplante „Brockenlauf“
wird aber lediglich verlegt;
der Brocken brennt,
na und?
Ist das etwa was neues?
Erst jetzt, mehr als 48 Stunden nach dem Ausbruch,
ist das Großfeuer halbwegs unter Kontrolle,
immer noch steigen Rauchsäulen zum Gipfel auf,
fragwürdige Löschmittel werden nebenbei getestet,
heute Nacht aber
kommt endlich der Regen.
Ab Mitte der Woche läuft der Touriverkehr dann wieder;
wir haben uns schnell eingewöhnt.
Gut,
die Deadline hat gerade ausprobiert,
wie sich meine Schiripfeife anhört,
wenn man in einem ziemlich engen Raum
(im Vergleich zu Turnhallen)
da mal so richtig herzlich reinpustet:
Sonntag, 17 Uhr, letztmöglicher Anpfiff,
die Saison ist wiederöffnet,
es folgen Entscheidungen im Sekundentakt,
Konzentration bis zur letzten Zehntelsekunde,
die Uhr läuft nur in eine Richtung.
Genau zwei Wochen vor Saisonende ist die Entscheidung bereits gefallen:
Caitlin Clark wird Rookie of the Year.
Das war ja schon lange klar.
Allerdings ist es das Wie,
das alle umhaut.
Ernstzunehmende Experten
sagen völlig ernst,
dass sie sogar zu den Top 3 im MVP Race zählt,
anderen nennen sie einfach „Silent MVP“.
Zur Einordnung:
Im selben Jahr Rookie of the Year und MVP zu werden,
das haben bis heute genau nur drei Menschen geschafft:
Wilt Chamberlain, Wes Unseld und Candace Parker,
und angesichts der Monstersaison von A’ja Wilson
wird das wohl auch vorerst so bleiben.
Caitlin nimmt’s sportlich
und holt sich dafür als erste Rookie
(nach Larry Bird und Kelvin Remsey)
den Player of the Month Award.
Angel Reese übrigens bricht ebenfalls Rekorde,
und ebenfalls nicht nur für Rookies:
Mehr Rebounds hat in der WNBA
in einer Saison noch niemand geholt,
eine unvermeidliche Stat-Padding Debatte eingeschlossen.
Clark verteilt dafür die meisten Assists in einer Spielzeit,
all time.
Und die Playoffs kommen erst noch …
Auch sonst so,
also so ganz allgemein,
bleiben nicht wenige Anlässe
für hoffnungsfrohes Nachvorneschauen,
auch wenn ich, zugegeben,
ganz schön genau hinschauen musste:
– In Paris werden massig Bäume gepflanzt,
denn schon in wenigen Jahren
werden sommerliche 50°C erwartet.
– VW muss plötzlich heftig „sparen“;
das tut mir nur für die Arbeiter*innen leid,
vor allem, wenn man bedenkt,
dass die einzusparende Summe
ziemlich exakt so groß ist,
wie es die Kapitalausschüttungen im letzten Jahr waren.
– Clemens Meyer
ist auf dem Weg in die literarische Stratosphäre!
(Auch deswegen ist der heutige Text etwas überhitzt,
denn momentan würde ich am liebsten
den ganzen Tag nur lesen,
so faszinierend sind Die Projektoren.
– In Montana ist der erste Schnee des Jahres gefallen,
auf dem Logan Pass liegt puderzuckrig ein Hauch von Winter;
da macht auch die neueste Plage
(„Wild Fire Smoke“ aka Waldbrand Smog)
nichts groß aus.
– Kamala Harris zieht beinahe uneinholbar davon
(teils über 5%, national);
die Gegenaufklärung
bekommt wohl noch eine letzte Chance.
– Emanuel Macron testet hingegen,
wie weit er gehen kann,
um den drohenden Sozialismus noch aufzuhalten:
Nach seiner Nominierung eines Rechten
gehen ziemlich viele (dann vermutlich) Linke
in Paris auf die Straße,
wenn Volkszorn wieder Sinn macht.
– Und apropos Spaltung:
Immer öfter fällt mir auf,
wie selbst die ganz Coolen
in diesen Zeiten
dann auch wieder enger zusammenrücken;
die Wagenburg formiert sich,
wenn sie dazu gezwungen wird.
Unser Vorteil?
Wir halten uns
an unsere Regeln.
Tickin’ Boxes (hidden story)
Der größere seiner beiden schwarzen Spiegel und seine Brille waren frisch geputzt, als der Brillenträger pünktlichst um 14 Sekunden nach 19 Uhr dem Zoom Meeting beitrat, dem ersten von bisher überschaubar wenigen in seinem Leben, das ohne irgendwelche Probleme ablaufen sollte, abgesehen vom Hauptproblem, das wiederum aus 25 Einzelproblemen bestand, immerhin aber allesamt Probleme, für die es jeweils nur eine Lösung gab. Er sah und hörte dabei zu, wie der Admin die Anwesenheit aller Teilnehmer*innen überprüfte. Einige fehlten, und trotzdem war der Brillenträger erstaunt darüber, wie viele Schiedsrichter*innen seiner Staffel den alljährlichen Regeltest, so wie er, nicht bestanden hatten, und das beruhigte offensichtlich nicht nur ihn.
Ohne lange Vorrede wurde der Link zum Online Test in den Chat gestellt, nicht aber ohne um etwas Fairness zu bitten und daran zu erinnern, dass es wenig bringen würde, die 130 Fragen des Regelfragenkatalogs in der Nähe zu haben, was sich umgehend als wahr herausstellte, als der Brillenträger seinen Test gestartet hatte. Was allerdings etwas gebracht hatte, war, dass er in den letzten drei Tagen den Test aus dem August, den er fast noch spektakulärer vergeigt hatte als den im Jahr zuvor, solange wiederholt hatte, bis er keine Fehler mehr machte, auch wenn sich ihm einige Regelauslegungen auch beim fünften Mal nicht erschließen wollten. Der aktuelle Test war allerdings nicht der Test aus dem letzten Monat: Über den Feldern, in die er seinen Namen und den seines Vereins eintrug, stand fett gedruckt: Regeltest September 2024; die Außentemperatur vorm Fenster des Brillenträgers beträgt gerade immer noch 31°C; noch 25 Haken in 50 digitalen Boxen; die Uhr läuft.
Fünf Minuten vor Ablauf der Zeit sendete er seine Antworten und bekam umgehend sein Ergebnis. Die meisten Fragen waren nur leicht modifizierte (meist irgendwelche Ziffern betreffend) Versionen der Fragen gewesen, die er an den letzten Abenden mehr als mehrmals gelesen und zunehmend richtig beantwortet hatte. Einige Fragen hingegen waren neu, zum Beispiel die Frage danach, ob es richtig wäre, dass die Spielzeit eines Basketballspiels dann beginnt zu laufen, wenn nach dem Tip-Off der Ball von einem/einer Feldspieler*in kontrolliert wird. Das war dann auch die eine Frage, die der Brillenträger mit einem falschen Ja beantwortet hatte und somit offiziell für die kommende Saison zugelassen war. Wann beginnt also ein Basketballspiel? Die Uhr beginnt zu ticken, wenn der Ball die Hand des Schiedsrichters verlassen hat. Der Brillenträger hatte also endgültig die Seiten gewechselt. In Zukunft würden also auch andere ab und an wieder wissen, wo sein Auto steht.
Aber bevor es jetzt logischerweise
wieder in die andere Richtung geht,
nur kurz eine kleine Klarstellung,
immerhin interpretiere ich heute
meine selbstaufgestellten Regeln
für den Episodentitel (btw: viele)
sehr oberflächlich.
Natürlich heißt der Schiedsrichter im Basketball
auch im Herkunftsland USA
nicht Umpire.
So heißt er offiziell nur beim Baseball.
Aber, erstens,
hat sich dort die Bezeichnung
auch dort für andere Sportarten durchgesetzt,
und, zweitens,
würde der Titel mit „Referee“
ja auch den Witz abfeifen.
Und hier geht es ja wohl immer noch darum,
das Richtige zu entscheiden.
Entschieden haben sich,
wahrscheinlich aber nicht deswegen,
in dieser Woche auch mal wieder die Deutschen.
Wofür?
Ganz einfach:
Mal wieder dafür,
sich mit der Gesamtsituation
irgendwie unwohl zu fühlen.
Der aktuelle Deutschlandtrend:
So unzufrieden waren die Deutschen noch nie!
Womit?
Mal wieder mit
ihrer selbstgewählten Regierung.
Warum?
Mal wieder, weil
sich niemand mehr an irgendwelche Regeln hält.
Und deswegen denkt sich die gemeine Kartoffel eben:
So ist die Welt nun mal,
warum sollte auch nur irgendwer
sich auch nur an irgendwelche
(gesellschaftlichen) Regeln halten
(wenn man z.B. allein den Inhalt
der letzten knapp zweitausend Seiten mitdenkt)?
Nichts hat wirklich Konsequenzen,
außer eben für diejenigen,
die von den (Straf-)Taten betroffen sind.
Echt ma, Deutschland!,
erzähl mal noch irgendwem was von Täterkultur,
Educated Criminals work within the Law
ist für viele hier Staatsräson.
Wie leicht
wäre es an dieser Stelle,
die Pfeife für die letzten Regelbrüche des Frisurensohns rauszuholen,
aber, ähm, nein, heute einfach mal nicht …
Außerdem gehen ihm inzwischen
wirklich alle von der Fahne,
das sieht momentan
nach einem Erdrutschsieg für Kamala aus,
das lasse ich gerne vorerst so stehen.
Da ist momentan sogar viel spannender,
wie sich das mit den Kriminellen
hier in der Provinzpolitik so verhält,
auch wenn Rechtsextremismus immer noch keine Straftat ist:
Ein gewisser Roman Z.,
Mitglied des hiesigen Kleinbildungsbürgertums;
in seinem Falle soll Bildung dabei eher sehr klein geschrieben sein,
oder wie Hipster der Stadt ihn nennen:
der Breite von dem einen Laden für Jogginghosen;
ist als ehemals „freier“ Stadtrat zur AfD übergelaufen,
nachdem sein Vorgänger in Partei und Amt (Kulturausschuss)
wegen irgendwas mit Kriminalität
sein Amt niederlegen durfte.
Was das für die Weltkulturerbelandschaft bedeutet,
werden wir wohl bald erleben.
Und auch in anderen Provinzen
bleiben die kriminellen Faschos im Gespräch:
In Dresden und Radeberg
werden Ermittlungen wegen Wahlbetrugs
gegen die Freien Sachsen aufgenommen.
Ebenfalls in Dresden:
Identitäre bauen Fascho-Scheiße mit Kreuzen.
Und damit wären wir auch schon
bei der Verlängerung der „Ostwahlen“.
Eine Woche später bleibt zu bemerken:
Es ist verhältnismäßig ruhig geblieben,
dem Vorbürgerkrieg
ist es wohl noch nicht herbstlich genug zu Mute.
Und eigentlich hat ja auch
Sarah Wagenknecht die Wahlen gewonnen,
und zwar beide,
denn ohne das BSW lassen sich
weder in Sachsen noch in Thüringen
keine (stabilen) Koalitionen
gegen die Faschos bilden;
wahrscheinlich liebt sie es,
wenn ein Plan funktioniert.
Meine Mutter hat am letzten Sonntag übrigens Blaubeeren eingemacht
und die Gläser dann mit Aufklebern versehen,
auf einem davon steht
absolut und völlig richtig:
„Bernd Höcke ist ein Nazi“
(und jetzt ahnt Ihr auch,
woher #DieDoppeltenZwanziger
einen nicht unbrträchtlichen Teil ihres Humor haben).
Die AfD jedenfalls,
die ist jetzt vor allem eines nicht mehr:
Eine Protestpartei,
das heißt,
ihre Wähler*innen
sollten sich wohl langsam mal darauf vorbereiten,
was es bedeutet,
von Faschos regiert zu werden;
ich hätte da die ein oder andere Buchempfehlung …
Logischerweise hat die AfD
nämlich gleich mal das Recht auf Pressefreiheit ausgesetzt,
nur eben andersrum als sonst immer moniert wird:
Auf der Wahlparty in Erfurt war tatsächlich
nur ein Pressevertreter erlaubt,
und zwar, was sonst,
das Compact-Magazin,
die Reihen schließen sich.
Zum Glück
hat in Sachsen
nochmal irgendein Schiedsrichter
über das Wahlergebnis geguckt
und einen Rechenfehler entdeckt:
Die Sperrminorität in Sachsen ist wieder weg.
Dafür dürfte in Thüringen
demnächst einfach alles stumpf abgewürgt werden,
alles natürlich im Interesse der Thüringer*innen.
Die Taz ruft derweil schon dazu auf,
taktisch die CDU zu wählen,
die Taz!
Und oben auf den Trümmern der Brandmauer
steht gerade Markus Söder,
södert wieder was von Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur
und stellt fast unbeachtet die Gewaltenteilung in Frage,
öffentlich, natürlich auf dem Gillamos:
Über geltendes Asylrecht
hätte ja wohl die Politik zu entscheiden!,
und nicht irgendeine Judikative.
Sowas kann der alles sagen,
und zwar genau deshalb,
weil andere eben noch ganz andere Sachen sagen dürfen,
ohne dass sie von Markus Lanz
sofort des Feldes verwiesen werden:
Timo Chupalla ist inzwischen
bei mehr als einer 90°-Wende
in der Erinnerungskultur angekommen
und nur noch einen Paragrafen
von der Volksverhetzung entfernt,
als er behauptet:
„Nicht jeder, der in der NSDAP war,
war auch ein Nazi.“,
als ob das nicht einfach mal
die Definition davon wäre.
Der Schneeball ist also mal wieder
endgültig ins Rollen gekommen?
1928 ist nur noch wenig
weniger als 100 Jahre entfernt?
Damals haben die Nazis
(vor genau hundert Jahren noch verboten)
bei der Reichstagswahl
nur lächerliche 2,6% geholt.
Momentan steht die AfD
bundesweit
bei 17%.
Und zack,
da pfeift die Deadline
doch allen Ernstes ein Technisches Foul
und zeigt gleichzeitig auf die Uhr;
Das soll schon wieder
Zeitspiel gewesen sein?
Manche Regeln ändern sich wohl nie?
Die internationalen Regeln,
die haben sich aber bekanntermaßen
allein in den letzten paar Jahren
so sehr geändert,
dass es nicht verwundert,
wenn die allermeisten
das Spiel gar nicht mehr wiedererkennen:
Krieg ist Freiheit,
Frieden ist Sklaverei,
Wahrheit ist Schwäche.
Und während die Türkei
jetzt offiziell in die BRICS-Staaten will,
wahrscheinlich auch noch,
ohne deswegen aus der Nato auszutreten,
steht Benjamnin Netanyahu mal wieder
kurz vor einem D-Foul (disqualifizierend),
zu viele Menschenrechtsbrüche
scheinen dann doch mal irgendwann genug zu sein:
Allein am letzten Sonntag
waren wieder mehr als 500.000 Israelis
auf den Straßen des Landes,
am Montag gingen die allermeisten
zumindest stundenweise in den Generalstreik,
der nur vom Arbeitsgericht beendet werden konnte.
Bibi sieht sich genötigt,
immerhin wenigstens ein mal
für noch mehr tote Geiseln
um Gnade zu bitten,
da fliegt ab Donnerstag
auch die Lufthansa schon wieder nach Tel-Aviv,
wo sich inzwischen sogenannte Fury Rooms
(in denen man gegen Geld
irgendwelche Sachen zerdreschen kann)
immer größerer Beliebtheit erfreuen.
ACAB wird hingegen wieder etwas deutlicher,
das hochgelobte deutsche Vertrauen in Israel
schwindet wohl langsam,
auch weil Berichte darüber,
dass die IDF
Kriegsgefangene als menschliche Schutzschilde
im Häuserkampf benutzen,
nicht unbedingt zu einem besseren Image führen.
Bibis unverhohlene Antwort:
So ist er nun mal,
der Krieg.
Kriegsprotokoll. Schreibtisch. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 130.
Handtücher fliegen, dann Durchbruch bei Pokrowsk? Montag: Putin besucht die Mongolei, könnte verhaftet werden, wird es aber nicht. Stattdessen freut er sich über den Fortschritt der „Power of Siberia 2“, die bald 50 Millionen Kubikmeter Gas pro Jahr nach China transportieren soll. Kiew wird erneut mit Raketen angegriffen, eine Moschee wird getroffen. Auch Charkiw (Stadt) wird getroffen. Dienstag: In Dnipro stirbt ein Zivilist nach einem Raketeneinschlag, in Saporischija zwei. Die Bahninfrastruktur in Sumy und Dnipropetrowsk wird ebenfalls getroffen. In Poltawa kommen bei mehreren Raketenangriffen, unter anderem auf eine Hochschule, ein Krankenhaus und eine Militäreinrichtung, mehr als 50 Menschen ums Leben. Die ukrainischen Minister für Umwelt, Justiz und strategische Industrie legen ihre Ämter nieder, der stellvertretende Leiter des Präsidialamtes wird ebenfalls entlassen, die Vizeregierungschefinnen Olha Stefanischyna und Iryna Wereschtschuk wollen zurücktreten, und auch der Chef des Fonds für Staatseigentum, Witalij Kowal, hört auf. Für morgen wird eine Umbildung des gesamten Kabinetts angekündigt. Mittwoch: In Lwiw sterben in der Nacht mindestens sieben Menschen bei russischen Luftangriffen. Auch Kuleba bietet (wohl unfreiwillig) seinen Rücktritt an. Vor Prokowsk werden die Dörfer Pretschystiwka und Karliwka „befreit“. Auf einem Markt in Donezk (Stadt) sterben mindestens drei Menschen nach ukrainischem Beschuss, und auch in Belgorod sterben sechs Menschen durch ukrainische Artillerie. Donnerstag: Der Kreml erklärt die Kursk-Offensive für gescheitert (Stoltenberg: „viel erreicht“) und bietet erneut die Ergebnisse der Gespräche in Istanbul (April 2022) als Grundlage für Verhandlungen an. Die zweite Verteidigungslinie bei Pokrowsk kollabiert zusehends (Kostjantyniwka), 150.000 russische Soldaten umstellen nach und nach die Stadt, es fahren keine Evakuierungszüge mehr, 100.000 Menschen sind dort trotzdem auf der Flucht. Weiter südlich ist Vuhledar bereits so gut wie eingekesselt. Olexander Syrskyj (Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee) ordnet die aktuelle Lage dennoch so ein: „In den vergangenen sechs Tagen hat der Feind in Richtung Pokrowsk keinen Meter Boden gewonnen. Mit anderen Worten, unsere Strategie funktioniert.“ Das Vorrücken in Kursk habe „die Moral nicht nur des Militärs, sondern der gesamten ukrainischen Bevölkerung deutlich verbessert.“ Freitag: Selenskyj besucht erst Scholz in Frankfurt, dann das Ramstein-Treffen: „Wir leiden unter einem Mangel an Raketen und wir brauchen Langstreckenfähigkeiten, auch für den Einsatz auf russischem Territorium.“ Der UK stellt Fluabwehrraketen zur Verfügung und verspricht jährlich 3.500.000.000 Militärhilfe. Deutschland liefert 12 neue Panzerhaubitzen, die EU verspricht eine Winterhilfe von 40.000.000. Charkiw und Dnipropetrowsk werden aus der Luft angegriffen, auch Pawlorhad wird von Raketen getroffen, mit Schurawka wird das nächste Dorf in Donezk „befreit“. Selenskyj reist weiter an den Comer See zum Teha-Wirtschaftsforum. Samstag: Der gegenseitige Beschuss, vor allem im Grenzgebiet geht unvermindert weiter. Giorgia Meloni erklärt ihrem Gast Selenskkyj: „Die Entscheidung, die Ukraine zu unterstützen, war vor allem eine Entscheidung im nationalen Interesse, und sie wird sich nicht ändern.“ In Wuhledar hören die Menschen bereits das Artilleriefeuer, mit Kalynowe wird das nächste Dorf „befreit“. Ex-Diplomat Melnyk sagt der Berliner Zeitung, Olaf Scholz könnte doch eine Vermittlung anstoßen. Selenskyj kündigt derweil an: „Wir bauen unterirdische Anlagen zur Waffenproduktion auf, damit die ukrainischen Soldaten sich selbst verteidigen können, auch wenn sich die Lieferungen unserer Partner verzögern.“ Sonntag: Die Ukraine fliegt weiter Luftangriffe auf Belgorod, die russische auf Sumy und Charkiw. In Donezk wird die Kleinstadt Nowohrodiwka eingenommen. Oha! Olaf Scholz glaubt etwas: „Ich glaube, das ist jetzt der Moment, in dem man auch darüber diskutieren muss, wie wir aus dieser Kriegssituation doch zügiger zu einem Frieden kommen.“ In den Natostaaten Lettland und Rumänien stürzen russische Drohnen ab.
Dann also Crunchtime,
die Deadline
steht im Türrahmen,
kaut gespannt auf der Pfeife
und fragt,
ob ich mir für heute dann endlich mal
genug Luft gemacht habe.
Habe ich.
Allerdings müssen noch zwei Ereignisse
auf dem Spielberichtsbogen nachgetragen werden,
bevor ich Harmony Hall wieder verlassen kann.
Denn Terrorismus und Umweltkatastrophen
gibt es schließlich weiterhin:
Ein österreichischer Islamist
wird nach einem Schusswechsel
vor dem israelischen Generalkonsulat
und dem NS-Dokumentationszentrums
in München abgeknallt,
ausgerechnet am Jahrestag
des Olympiaattentats von 1972.
Zum selben Zeitpunkt
verursachen die Huthis
vielleicht eine der größten
Umweltkatastrophen der Geschichte,
als sie einen Tanker
im Roten Meer in Brand schießen,
der mehr Rohöl geladen hat
als die Exxon Valdez.
Also,
Abpfiff!
Nach fünf Spielen an zwei Tagen
freuen sich meine Beine auf die Waagerechte.
Dass der Herbst beginnt,
erkennen Basketballumpires auch daran,
dass die Saison anfängt.
Wieder mal war also alles nur das Vorspiel,
aber, wer weiß,
vielleicht dieses Mal ja mal
für ein Drama
mit zumindest der Möglichkeit
für eine Art Happy End:
Keine zwei Monate mehr,
und mit Kamala Harris
beginnt endlich eine neue Ära,
also vielleicht,
ich entscheide das jetzt einfach mal so.
Und vielleicht gehe
ich mir gleich noch die Beine vertreten,
wenig ist hässlicher
als ein Wadenkrampf beim Einschlafen.
Dabei schlendere ich dann
noch beim Bühnenabbau auf dem Markt vorbei,
wo heute der Tag des offenen Denkmals beschunkelt wurde,
oder vielleicht entdecke ich
auch noch einen ZDF-Übertragungswagen,
denn heute kam der Fernsehgottesdienst
schon wieder aus Quedlinburg,
da scheint wohl ein gewisses Pastorenpaar
inzwischen einige Fans zu haben.
Und dabei lasse ich mir dann
den ersten Herbstwind um die Nase wehen,
der vor einer halben Stunde spürbar aufgefrischt hat,
kurz nachdem sich der Himmel
wieder lila färbte.
Heute Nacht
bleiben wir also wach,
bis der Regen
wieder leiser klingt.

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