So,
weiter geht’s.
Der Rest der Bescheidwisser*innen
kuriert zwischen den Katertagen,
und auch ich sitze mit verzogener Schulter
und kaltem Kaffee am Schreibtisch.
Draußen scheint die Sonne,
die Weihnachtstage waren bitterkalt,
die heimischen Stuben umso kuscheliger
und der Rotkohl neben dem Gänsebein
gerade so
noch lauwarm.
Aber bevor ich meinen Kopf
wieder regelmäßiger in den Sand stecke,
kündige ich hiermit jahresendgemäß an,
viele lang gehegte Pläne
im neuen Jahr
endlich wieder
ernsthafter umsetzen zu wollen.
Denn das, mehr oder weniger tatsächlich,
Gar. Nicht. Mitschreiben.
in den letzten Wochen
hat erneut heilsame(?) Effekte hevorgerufen.
Ich mach’s kurz,
denn die Deadline
wippt bereits mit den Beinen,
auch wenn sie noch im Sessel chillt
und versucht,
das Upside Down endgültig zu verstehen.
Effekt Eins:
Die regelmäßigen Schreibpausen
zwischen und inmitten der Staffeln
werden radikal durchgezogen;
das heißt auch
Bye, Bye „Ungeschriebene Episoden“,
ich denke, die meisten
haben diesen erzählerischen „Trick“ inzwischen durchschaut,
und spätestens dann
sollte er sich auflösen.
Effekt Zwei:
Dass es ernsthaft cool war,
den Untergang der westlichen Weltordnung
„mit Abstand“ zu betrachten
und zu erkennen,
dass vieles dann doch
genauso schnell/langsam geht
wie „früher“
(vor der digitalen Revolution),
das ändert nichts
an der Beschissenheit der Lage.
Aber dafür kann der Chronist
ja schließlich immer noch nichts.
Trotzdem werde ich
den Wochenrhythmus langsam aufbrechen
was auch einen Abschied
vom allsonntäglichen „So“ bedeuten wird.
Wie sehr mir dieses rhythmisierte Durchatmen
fehlen (und schaden) wird,
das wird sich zeigen müssen.
Aber zum Glück sind fixe Muster
für #DieDoppeltenZwanziger
noch nie ein relevantes Kriterium gewesen.
Die Schlagzahl soll dabei aber
so halbwegs aufrecht erhalten bleiben
(40 bis 60 Texte im Jahr),
damit die Deadline
(und mein Ego)
nicht vor lauter Ungeduld
zu früh vor dem Ende
doch noch platzt;
vier Jahre sind nicht wenig,
fragt mal 2020 bis 2023.
Um meinen Schreibdruck
werde ich mich jedoch wohl kaum sorgen müssen,
denn egal wo, wann und wozu,
die erste Hälfte des Jahrzehnts
war bekanntermaßen so katastrophal,
dass sich die zweite kaum noch steigern kann.
Kann sie doch nicht,
oder?
Und damit zurück
in die Gegenwart.
In Wirklichkeit
habe ich meine Schreibpause
in wahrscheinlich zu großen Teilen
mit Stranger Things verbracht.
Immerhin geht auch diese
unterhaltsamste und zeitgeistigste
aller Eskapismusversionen
gerade wirklich zu Ende.
An Neujahr dann
explodiert das Upside Down,
die Einstein-Rosen-Brücke kollabiert,
Eddie kehrt von den Toten zurück,
Holly rettet Henry aus seinem Camazotz,
das Militär wird vaporisiert
und allen geht es wieder gut,
auch Barbara.
So zumindest meine Theorie.
Was diese Serie
auch für die Entwicklung
von Empathie und Kritischem Denken
für die GenZ (und folgende)
bedeuten wird,
davon können die Hater nicht mal träumen.
Drei ganze Episoden damit zuzubringen,
Theorien zu entwickeln
(und wieder zu verwerfen)
und nebenbei noch
hoch emotionale Gespräche
über das echte Leben zu führen,
das muss man erstmal bringen.
Wie das ganze aus- und weitergeht,
weiß also noch niemand außer den Duffer Brothers,
die gerade erst begreifen,
was sie da die letzten 10 Jahre
eigentlich vollbracht haben:
Die Top Drei Serien (chronologisch)
des neuen Jahrhunderts
heißen nämlich
„Breaking Bad“,
„Game of Thrones“
und eben „Stranger Things“.
Medien- und Kulturwissenschaftler*innen
haben noch sehr viele Jahre
ordentlich was zu tun,
und da stecken die Spinoffs
noch in den Kinderschuhen.
So, Netflix,
what’s next?
Eine Antwort darauf
gibt die Plattform natürlich selbst,
denn eben diese (sehr nahe liegende) Frage
ist literally the question
im heute erschienenen Trailer
für eine neue Serie,
die ab Januar läuft
und über die es außer diesem Trailer
nichts im Internet zu finden gibt.
Spannung entsteht durch
noch nicht Wissen.
Also steht diese Comeback Episode
auch unter diesem Motto.
Was ich noch nicht weiß,
macht mich nicht heißer
als eine Tasse Kaffee am Schreibtisch,
und was ich schon weiß,
ist nur ein Beweis
dafür, dass die Welt
doch noch nicht untergegangen ist,
denn solange es noch etwas zu erzählen gibt,
hat die KI noch nicht gewonnen.
Dieser Übergang
ging auch Euch zu schnell?
Willkommen in der Zukunft.
Generative KI hat inzwischen
beinahe mühelos
das Uncanny Valley durchquert
und die Illusion perfektioniert.
Alles was an einem Bildschirm
kreiert und/oder konsumiert wird,
kann auch von KI kreiert und/oder konsumiert werden.
Wenn das so weitergeht,
können wir das Internet bald sich selbst überlassen
und gemütlich dabei zugucken,
wie es sich langsam aber sicher selbst zumüllt;
mehr als 20% des gesamten Youtube Contents
bestehen bereits aus KI-Slop.
Und spätestens in zwei Jahren
soll dann sowieso die Allgemeine KI soweit bereit sein,
um sich zu entscheiden,
ob sie schon bereit genug ist
und bereit wofür überhaupt.
Aber wenn wir uns ganz dolle Mühe geben,
dann können wir die Welt
auch vorher noch
ansehnlich zu Grunde richten.
Denn ja,
für Optimismus
bleibt auch abseits der digitalen Revolution
wenig bis gar kein Grund mehr übrig.
Und der Tiefpunkt der Multikatastrophe
ist immer noch weit vor uns,
egal von welcher „Einzel“katastrophe aus
wir die Geschichte betrachten.
Denn es bleibt dabei:
Keine Katastrophe geht jemals mehr vorbei:
Der Dritte Weltkrieg
steht an der nächsten Eskalationsschwelle,
da zieht ein biblisches Sturmtief über den Gazastreifen,
also macht eine lowkey Fortsetzung des Krieges
keinen großen Unterschied,
denkt sich das Kriegskabinett in Jerusalem.
Im Jemen wird die Hauptstadt von „Rebellen“ besetzt.
In Aleppo geht der Völkerkrieg gegen die Kurden weiter;
der Nahe Osten bleibt ein brennendes Ölfass.
Im Ukrainekrieg bleiben die Fronten
weiterhin verhärtet,
auch wenn Selenskyj heute mit einem neuen „Friedensplan“
nach Florida reist,
denn dieser wird wohl kaum
dem Inhalt der Grundsatzrede
des Nato-Generalsekretärs widersprechen,
in der Marc Rutte ganz grundsätzlich davon ausgeht,
dass die Nato
Russlands nächstes Ziel ist.
Aktuelles Ziel Russlands
ist jedoch Kiew,
wo heute Nacht
mehr als 400 Drohnen und 50 Raketen eingeschlagen sind,
die Hälfte der Bewohner*innen verfügt im Moment
über keinerlei Heizung,
die Temperaturen liegen
auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt.
Selenskyjs Reise
ist aber nicht nur deswegen sinnlos,
weil Russland seinen Plan gerade „studiert“,
sondern weil dort
eben der Frisurensohn auf ihn wartet.
Genau,
der den ich auch täglich versuche auszublenden
und der es täglich schafft,
dass ich daran scheitere.
Hier nur ein kurzes Update,
also das, was sich auch bei striktester Mediendiät
nicht vermeiden ließ,
was immer noch mehr als genug ist,
um auf die noch so größte Kuhhaut zu passen.
Die Trump-Regierung
hat erwartungsgemäß
weiterhin mehrfach die Constitution geschändet
und macht damit ungehindert weiter;
alle die da mitgemacht haben
und immer noch mitmachen,
gehören irgendwohin verbannt,
Miami von mir aus.
Eine Verfassungsreform ist dringender notwendig
als jemals zuvor,
auch wenn es so aussieht,
als ob sich die US-Demokratie
so bald nicht von diesen Verbrechen erholen wird,
und falls die USA
die nächsten 3 Jahre
überhaupt noch überstehen.
Gleiches gilt übrigens auch für die EU,
deren Auflösung Elon Musk gefordert hat.
Dem folgte dann eine neue US-Sicherheitsstrategie,
die nicht wenige Historiker
zu dem selben Schluss kommen lässt:
„Die transatlantische Allianz existiert nicht mehr.“
Neu ist an dieser Strategie natürlich ebenso wenig
wie an Trumps Frisur.
Den Hegemon der „Americas“ geben,
das wollte Präsident James Monroe schon
vor 200 Jahren.
Aber wer weiß schon,
wie ernst das alles gemeint ist,
denn der Grund für diesen radikalen Kurswechsel
könnten schließlich auch die Epstein-Files sein.
Denn was da in den letzten Wochen,
trotz (stümperhafter) Zensur,
schon alles rausgeleakt ist,
einfach nur irre,
„Pizza-Gate“ ist dagegen lachhaft.
Aber wenn auch nur ein Bruchteil davon stimmen sollte,
dann wachen hoffentlich endlich genug MAGA-Sheeple wieder auf.
Und durchschauen,
dass der eskalierende Konflikt mit Venezuela,
die Erhöhung des Verteidigungsbudgets auf eine Billiarde,
die Bombardierung irgendwelcher ISIS-Terroristen in Nigeria,
die ganzen anderen „Friedensbemühungen“
alles auch eine Ablenkung
von der eigenen Abgründigkeit sind.
Und, boy, oh boy,
was sind diese Abgründe tief.
Es hat seinen Grund,
warum sich nie jemand so finstere Bösewichte ausgedacht hat
wie Jeffrey Epstein
und seinen besten Freund.
Fürs Erste aber
müssen wir uns damit begnügen,
wie statt denen
zwei andere Alphaarschlöcher auf die Fresse kriegen.
Die beiden Manosphere-Superstars,
Andrew Tate und Jake Paul,
haben uns zum Weihnachtsfest
geplatzte Lippen und gebrochene Kiefer serviert,
und es ist nicht so,
dass sie das nicht so bestellt hätten.
Auch deswegen muss und will ich
meine Schadenfreude teilen.
Gut,
und das muss
zum Wiederreinkommen genügen,
auch weil sonst
die Messlatte für die zweite Hälfte der Staffel
auch bloß wieder
so elend hoch liegen würde.
Und auch die Sonne
ist gerade wieder verschwunden,
meine Schulter zerrt immer noch,
morgen beginnen die allerletzten Tage des Jahres
und was danach kommt,
das will ich für heute
einfach nicht mehr wissen.
Um aber auch diese Episode
nicht zu stumpf abbrechen zu lassen,
zum Ende
noch drei Vorhersagen
aus den noch fehlenden Standardrubriken:
1.
Das Klima dreht weiter frei:
Davon können sich auch
die Menschen in Los Angeles
seit den Feiertagen wieder überzeugen,
wenn sie die Trümmer der jüngsten Flutkatastrophe wegräumen.
2.
In L.A. wird nie wieder
jemand anderes
die Nummer 15 tragen,
in 15 Jahren hängt die unterm Dach,
ganz egal wie verletzt Austin Reaves gerade ist.
3.
Im nächsten Jahr schreibe ich eine
Weihnachtsgeschichte über
die Quedlinburger Hölle Nr.10,
die im Jahre 1892 angesiedelt ist.
Dazu reicht es nämlich schon,
was ich vorgestern beim Vorbeigehen
an den dortigen Fenstern gesehen habe:
Hausmusik von blonden Kindern
bei feierlichem Kerzenschein
und unter Aufsicht
ihrer weinseligen Eltern und Großeltern,
die sich freudig
über ihre Zukunft austauschen.
Nächstes Jahr um diese Zeit
könnten sie das in einem
von der AfD regierten Bundesland tun,
so wahr ihnen Gott helfe.
Aber nicht mal der weiß in diesen Tagen,
was als nächstes passiert.

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