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You Like It Darker? (S14:Ep4)

von | 2026 | 3. Mai | Die Serie, Staffel 14 - Flipping The Script

Bild: Nicht notwendig.

 

 

„Die wichtigsten Dinge
sind am schwersten zu sagen.
Es sind die Dinge,
deren man sich schämt,
weil Worte sie kleiner machen.“

(Stephen King: Die Leiche. 1982)

 

Leute!,
sinnvolle Sätze zusammenkriegen zu wollen,
das ist an diesem besten
ersten Maiwochenende des ganzen Jahrzehnts
ja wohl absolut und überhaupt
nur sehr leicht möglich:
Gestern ist hier die Frühlingsfieberkurve
nach steilst ansteigendem Verlauf
bei satten 27°C angekommen,
denn in der Nacht davor
hat der „Wonnemond“ besonders breit
über den Gassen des Weltkulturerbes gegrinst.
Bienen und Schmetterlinge
flattern über die Felder vor der Stadt,
zufriedene Menschenmassen
wissen nicht, wohin sie ihre Blicke richten sollen,
der brutal blaue Himmel aber
zieht die meisten davon auf sich.
Entspannte Wochenendtouris kicken
mit ihren Kindern in der Hölle,
nackte Kinder lachen
unter der Dusche aus dem Gartenschlauch
im Hof gegenüber;
dunkle Gestalten
sieht mensch höchstens noch
als Alkoholleichen der vergangenen Walpurgisnacht.
In der Blasiikirche
wird bis spät in die gestrige Nacht
ein top besetztes Weltkulturerbemusikfest gefeiert,
und hinter wie vielen Fenstern der Fachwerkhäuser
hier im Kiez
gleichzeitig
Augen nur halb geschlossen wurden,
das wissen nur die immer noch gurrenden Turteltauben,
die auf dem Markt auch heute noch
davon ein Lied singen.

 

“Was die Leute nicht bedenken, ist,
dass sie erst ihre eigenen Unsicherheiten anzweifeln sollten,
bevor sie an ihren Herzen zweifeln.”

(Stephen King: Friedhof der Kuscheltiere. 1983)

 

Aber
so gut es sich auch anfühlt,
bei so viel sonstiger
zeitgeistig abgefuckter Dunkelheit
über leuchtende Schönheit
schreiben zu können,
machen sich #DieDoppeltenzwanziger
natürlich nichts vor:
Sorry, not sorry,
die Deadline erinnert sich mit Leichtigkeit daran,
was auch nach 57 Jahren noch
auf dem Grabstein
über der zu Staub zerfallenen Leiche von Herbert Marcuse
immer noch in Stein gemeißelt steht:
„weitermachen!“

Und somit ist es ja dann auch fast schon klar,
dass diese Chronik
mit reichlich mehr Darkness
dagegen halten muss.
Was sie kann,
wie bekannt sein dürfte.
Beginnen wir also.
In Deutschland.
Und:
Machen wir es kurz
und schmerzlos.
Prozessarbeit
für zu schwere Schultern,
made in Germany;
falls das mit den Autos
dann doch nicht mehr so klappen sollte.

Denn sogar in den provinziellen Autowerkstätten
fürchten sich alle vor dem noch so jungen Jahr,
und das tatsächlich mal nicht nur wegen der Kosten.
Denn die Frage,
ob wir gerade angekommen sind
im ewigen Kriegszustand,
die beantwortet der Bundeskanzler
man gerade noch so
mit einem vorläufigen Nein:
Dieses Jahr auf keinen Fall
neue Schulden wegen Irankrieg.
Reicht ja auch mal hin mit Rüstungskrediten:
Im vergangenen Jahr
hat dieses Land
mehr Steuergeld für Kriegszeug ausgegeben
als jemals(!) zuvor:
2.900.000.000.000 Euro.
Da staunen sogar die Technofaschisten.
Und überraschend kommt das auch bloß nicht:
Sowas ist in Deutschland schon seit mehr als 10 Jahren
wieder ganz normaler „Trend“,
+25% im Jahresmittel.

Was die da auf uns zukommende Zukunft angeht,
muss jetzt also auch noch die Frage gestellt werden,
die dann ab 2029
die tagesschau beschäftigen wird:
Kann Höcke Kriegskanzler?
Was ausgerechnet die Demonstranten
im Thalenser Klubhauspark
am kommenden Mittwoch
genau dazu sagen werden,
das weiß ich noch nicht,
aber ich hätte schon mal eine Frage:
Wie rechtfertigen es eigentlich
die Betreiber des Klubhauses in Thale
dass da
am kommenden Mittwoch
zwei lupenreine Remigrations-Fanatiker
(Ulrich Siegmund und Hanns-Thomas Tillschneider)
den unbescholtenen Thalenser Bürger*innen
ins Hirn scheißen dürfen?
Konnte Ronny Große
ja wahrscheinlich nicht wissen.

Denn Deutschland hat ja wohl immer noch auch
ganz andere Sorgen:
Eine historische Gesundheitsreform (Zuckersteuer),
einen super erfolgreichen „Tankrabatt“,
einen Jens Spahn,
der gerade mal wieder Lunte riecht,
weil der Kanzler gerade mal ne schwere Zeit hat,
und eine Forsa-Umfrage,
die die AfD bei 27% hat,
und die CDU bei 22%.
Da hilft es wenig,
wenn Maxe Krah
in Köln aus irgendeiner Kneipe fliegt,
solange Höcke
33 bis 45 Stunden lang
unwidersprochen
in eine Kamera pissen kann.
Die größte Sorge allerdings,
die ist Deutschland erstmal wirklich wieder los:
Timmy ist in der Nordsee untergetaucht.
Und wer weiß,
vielleicht lässt er sich ja wirklich
irgendwann wieder
jung und lebendig
in den Weltmeeren sehen.

Ein frohes Wiedersehen
gab es aber schon in dieser Woche:
Banksy ist back!
Mit einem dicken Fuck the fuckin‘ fuck off!
kehrt der größte graphische Künstler aller Zeiten
auf die Titelseiten der Weltfeuilltons zurück:
Mitten in Westminster
hat die Statue eines Menschen
bereits den letzten Schritt
über den Abgrund ihres Sockels getan,
ihr Gesicht verhüllt
von einer viel zu großen Fahne
an einer viel zu großen Fahnenstange.
Fuck Yeah!

Und damit in die USA,
wo es,
surprise,
keine Überraschungen gibt.
Es gibt nicht mal wirkliche „Breaking News“,
das sagen zumindest die Late Night Granden.
Nichts ist mehr neu:
Auch nicht das nächste gescheiterte Attentat,
dieses Mal beim Correspondents Dinner
in einem minimal geschützten Hilton Hotel.
Für Trump natürlich der ausschlaggebende Punkt,
um sein (gerichtlich unterbundenes) Ballroom Projekt
zu begründen:
Nur unter Kristallleuchtern
kann sich die Elite wirklich sicher fühlen.
Bei eben diesem Attentatsversuch
war es übrigens RFK jr.,
der als einziger nicht
seine ebenfalls anwesende Frau beschützt hat,
sondern sich erstmal selbst in Sicherheit hat bringen lassen;
das hat nicht mal Stephen Miller geschafft.
Das einzig „neue“ vielleicht
kommt ausgerechnet aus dem
seit 250 Jahren nicht mehr herrschenden
Königreich Großbritannien.
King Charles himself comes by
und fleddert dem Frisurensohn im Capitol
„Checks and Balances“ um die Ohren,
mit einem ernsten Lächeln im Gesicht.
Daraufhin prüfen die USA
eine einseitige Siegeserklärung im Irankrieg,
James Comey (FBI-Chef bis 2017)
wird tatsächlich wegen eines Muschelfotos angeklagt,
Pete Hegseth spielt
mit einem hochrangigen Militärkomitee
Dumme Sau
und pisst zielsicher die falsche an:
Ms. Golden (Vertreterin der größten Militärcommunity der USA, San Diego),
zuckt nicht mal mit der Augenbraue
als sie ihn vor der Weltöffentlichkeit
mit der Koksnase durch seinen eigenen Dreck zieht.

Es ist nur lächerlich
wie er dabei mit verschränkten Armen da sitzt
und „aber Biden“ wiederholt,
als ob das wirklich sein bestes Argument wäre.
Mal sehen,
wie sich Pam Bondi bei ihrem nächsten Auftritt schlagen wird,
denn die nächste Vorladung ist raus:
Bis zum Ende des Monats
sollte sie ihr Burn Book
auf den neuesten Stand gebracht haben.
Am Freitag dann
ist der Krieg vorbei,
muss jedenfalls irgendein Regierungsvertreter sagen:
Ganz offenbar um eine gesetzlich vorgegebene
Abstimmung im Kongress zu vermeiden,
betrachtet die US-Regierung
den Iran-Krieg
als beendet.
Das „War Powers Resolution“-Gesetz
aus dem Jahr 1973 sieht vor,
dass ein Militäreinsatz
innerhalb von 60 Tagen beendet werden muss,
andernfalls braucht der US-Präsident
die Genehmigung des Kongresses.
Die Frist wäre eigentlich abgelaufen.
Aber die US-Regierung argumentiert,
der Countdown sei durch die
seit Anfang April geltende Waffenruhe
unterbrochen worden.
„Seit Dienstag, dem 7. April,
hat es keinen Schusswechsel
zwischen den US-Streitkräften
und dem Iran gegeben.“
Unterdessen übersteigen die Staatsschulden der USA
zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg
das Bruttoinlandsprodukt
der ehemalig größten Wirtschaftsmacht der Welt.
Also werden mal eben 5.000 Soldaten abgezogen,
und zwar aus Deustchland,
Farewell, and Thank you for your service!
Pistorius hält aber gekonnt den Ball flach:
War absehbar.
Am 1. Mai
(also an dem Tag,
an dem sich hier in Quedlinburg
ganz leise die Welt verschoben hat)
proben „Tausende“ den nächsten Generalstreik.
Und der Krieg?
Im Libanon knallt es einfach immer weiter,
und somalische Piraten
haben jetzt auch noch Bock,
auf offenem Meer
für irgendwas zu sterben.

 

Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 213.
Viel Neues. Montag: Nichts Neues. Dienstag: Nichts Neues. (auch weil: Dienstag) Mittwoch: Nichts Neues. Donnerstag: Nichts Neues. Freitag: Nichts Neues. Samstag: Nichts Neues. Sonntag: Absolut Nichts Neues.

 

Und dass der Horror
so allgegenwärtig ist,
dafür sorgt letztendlich
auch bereits
die KI.
Und dafür wiederum sorgt
u.a. Alex Karp.
Genau,
der real life Saruman
zum real life Mordor.
Und wie macht er das?
Natürlich mit einem „Manifest“,
das nichts anderes ist
als ein beschissener Tweet:
We can achieve peace through war,
billionaires brandishing grand narratives
in the manner of Elon Musk
should be in the country’s driver’s seat,
sending ordinary citizens
to the battlefield whether they like it
or not.
Auf Deutsch:
Karp fordert die Einführung
des verpflichtenden Wehrdienstes in den USA.
Zu einem Zeitpunkt,
zu dem die USA dafür bekannt sind,
Kriegsverbrechen als Alltäglichkeit
für die Newscycle abzufeiern.
Wenn der Horror real ist.

Gut.
Bevor ich dann
zum gierig ersehnten Ende der Episode kommen kann,
müsste ich es hier eigentlich
auch schnell noch
ein paar Dreier regnen lassen,
aber mehr als ein paar gute News
sind heute einfach noch nicht drin:
Cooper Flagg darf sich nächste Saison
den goldenen Aufnäher
des dann amtierenden Rookie of the Year dranpappen
und wird ihn auch hoffentlich bis in die Playoffs tragen,
wo vorgestern die Lakers
die nächste Runde erreicht haben.
Und dass Paige Bueckers
im ersten WNBA-Saisonspiel
ausgerechnet Caitlin Clark aus den Sneakern gespielt hat,
ist auch nur noch ein weiterer Grund,
dieses Spiel zu lieben.
Und damit endgültig
zurück in die Dunkelheit:

 

„There’s a place in most of us
where the rain is pretty much constant,
the shadows are always long,
and the woods are full of monsters.
It is good to have a voice
in which the terrors of such a place can be articulated
and its geography partially described,
without denying the sunshine and clarity
that fill so much of our ordinary lives.“

(Stephen King: The Long Walk. 1979)

 

Denn während sich gestern noch
die Rapsfelder in der Provinz
ihre volle Blüte von der Sonne haben anlachen lassen,
und die Blutbuche im Garten
das erste Mal dabei mitspielt,
ist der Himmel heute nicht mehr so blau,
die Sonne geht gleich unter,
und ich muss dann mal los.
Schade fast,
dass es nicht auch noch regnet,
aber die Dunkelheit
war auch so
noch nie anziehender.
Eines der letzten Male
noch heimlich
quer durch das Minenfeld,
das die Gassen der Mittelalterkleinstadt
wahrscheinlich
bald sein werden,
das aber immerhin
inzwischen auch irgendwie
mein Minenfeld ist.
Leap of Faith?
Just count to ten!

 

„Springe,
und du wirst aufgefangen.“

(Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz. 1973)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PS.

 

Und ganz zum Schluss für Heut’
noch ein Gedicht

 

„Schon müde?“

„Ich komm’ zu dir;
Noch nicht..“

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