Bild: Einer für Alles.
Leute,
Ihr könnt Euch das Grinsen
nicht vorstellen,
das den Schausteller*innen
und On the Fly-Gastronom*innen
in der gesamten Innenstadt
schon seit gestern Nachmittag
im Gesicht kleben bleibt:
Ab-so-lu-tes Königswetter
über die gesamten Königstage
aka Pfingsten
aka Beginn der Hochsaison
hier im Weltkulturerbe;
was kann dieser Mai
eigentlich nicht?
Sich bedingungslos
auf die Zukunft zu freuen,
ist jedenfalls keine
der möglichen Antworten.
Und das ist auch noch,
während, wie immer,
im Rest der Welt
die Aussichten düster sind,
wie immer,
egal:
Ein ex-Saxophonist von Roland Kaiser
bespielt am Vorabend
der provinziellen Festtage
von einem weißen Flügelimitat aus
das Quedlinburger Volk,
zwei Brillenträger
halten vor lauter Lebenslust
sogar das noch aus,
und der emotionale Ausnahmezustand
irgendwelcher Millenials
ist Dauerzustand..
„Dennoch! Nicht Aber!“,
flüstert mir jedoch
die Deadline zu.
Und Recht hat sie;
denn, immerhin:
Konterkarierungen
sind dann am kontrastreichsten,
wenn sie die Wirklichkeit wi(e)derspiegeln.
So.
Here.
We.
Just.
Let.
It.
Go.
Beginnen wir
mit Musik:
Nachdem das Kaisermania-Franchise
auf dem königlichen Mittelaltermarkt
schon wieder abgebaut wurde,
feierte das beste Fernsehorchester der letzten 10 Jahre
sein 10-jähriges im Fernsehen.
Mit brennenden Herzen,
mit Dendemann,
mit durchschnittlich gefälligem Pop
und mit einem „Debut“,
das sich mit jeder Zeile
im #vibeshift verbissen hat.
„Ist alles nicht so tief,
Friedenstauben starten Krieg.
Bin auf dem Weg
vom Zahnflеisch in die nächste Psychiatrie.
Ist allеs nicht so tief,
Fidget-Spinner sind auf Speed.
Halt mich nicht mehr fest,
wenn ich aus der Kurve flieg‘.“
(Jolle: Tief. 2026)
Und damit in die USA.
Nach elf Jahren
beginnt Stephen Colbert
seinen letzten Monolog
im Ed Sullivan Theatre
mit der einfachen Feststellung,
dass für Trauer keine Zeit ist,
sondern nur für Dankbarkeit.
Das gute Leben
ist keine Selbstverständlichkeit.
Also:
Weiter im Text.
Einfach immer weiter.
Die News des Tages;
Only Revolutions.
Und genau deswegen
spielt Bruce Springsteen
auch den letzten Song:
Sieben Minuten
„Streets of Minneapolis“.
Trumps letzter Sommer
hat begonnen,
sagt der Mai.
Unterdessen
wächst in Kuba
die Sorge vor einem möglichen Angriff der USA:
Angesichts der Spannungen
mit den Vereinigten Staaten
hat der kubanische Zivilschutz
ein Handbuch mit Richtlinien für die Bevölkerung
im Falle einer militärischen Aggression veröffentlicht.
Der Leitfaden empfiehlt,
einen Rucksack mit Lebensmitteln
und Medikamenten bereitzuhalten
und sich bei Luftalarm
sofort an einen sichereren Ort zu begeben.
Warum?
Weil der letzte Castro
jetzt vor ein US-Gericht gezerrt werden soll;
wenn Kriegsgründe in Lawfirms gepromptet werden.
Wie gewohnt ist die Coverup-Story dazu
irgendwas doofes
mit dem Feind im Inneren:
Trump erfindet die „Dumacrats“,
die er selbst aber auch gerne „Dumbocrats“ ausspricht.
Keine Pointe.
Schluss mit lustig
ist jetzt anscheinend aber auch endlich im Senat:
„It took eight tries,
but the Senate has finally voted
to advance a resolution
to limit Donald Trump’s war on Iran.
The measure passed 50-47
after Senator Bill Cassidy flipped
and joined Democrats
just days after losing his primary.
Republican Senators
Susan Collins,
Lisa Murkowski,
Rand Paul,
and Cassidy
all broke with Trump
to move the resolution forward.
This marks the strongest bipartisan rebuke yet
of Trump’s unilateral war powers.“
Und ja,
das „yet“ steht da offensichtlich
nicht umsonst,
denn nur einen Tag später
„distanziert“ sich die nächste Grande der MAGA-Bande:
Tulsi Gabbard tritt als US-Geheimdienstchefin zurück.
Als Grund gibt sie die schwere Erkrankung ihres Ehemannes an.
Und mit dem Ballroom hat es sich auch erstmal wieder geschissen:
Der Senat zieht die staatliche Förderung
des Protzbauvorhabens zurück.
Damit der Frisurensohn deswegen
nicht gleich Taiwan besetzt oder Brasilien befreit,
dürfen frühere Steuererklärungen des US-Präsidenten
behördlich nie wieder geprüft werden.
Das geht aus einem Vergleich
zwischen Trump und der US-Steuerbehörde hervor.
Das gleiche gilt auch
für Don Jr. und Eric.
Alles beim Alten
im Mutterland des modernen Turbokapitalismus.
Und dass „SpaceX“
jetzt an die Börse gehen soll,
ist nur ein letzter, überflüssiger Beweis
für diese These.
Warum die Welt retten,
wenn man denkt,
den Mars kolonisieren zu können?
Ein kurzer Blick aus dem Fenster zum Hof:
Mittagsruhe,
nur ein paar Vögel,
die ich hier seltener höre,
geben ihr sommerliches Stelldichein.
Es sind 27°C,
der Himmel ist ausschließlich blau.
Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 215.
Der fünfte Kriegssommer beginnt. Montag: Nach dem heftigen Angriff auf Moskau am Wochenende: Drohnen- und Raketenangriffe auf Cherson, Saporischija, Odessa und Dnipro. Gegenangriffe auf Rostow und Belgorod. Der Turn-Weltverband lässt alle russischen und belarussischen Turner*innen wieder zu. Dienstag: Über Estland wird eine Drohne von einem Nato-Jet abgeschossen. Mittwoch: Nichts Neues, obwohl nicht Dienstag. Donnerstag: Merz schlägt einen exklusiven Status als EU-Partner für die Ukraine vor. Rubio ist „sehr enttäuscht“ von der Nato. Freitag: In Luhansk wird ein Studierendenwohnheim bombardiert, mindestens elf Menschen sterben. Putin spricht von einem ukrainischen „Terrorakt“, das ukrainische Militär dementiert, Ziel sei eine militärische Einrichtung gewesen. Wadephul sieht Putin noch an keinem Tisch. Samstag: In der Hafenstadt Noworossijsk am Schwarzen Meer treffen ukrainische Drohnen das nächste Öllager.
Die anderen Kriege
erspare ich uns für heute,
aber auch da gibt es erwartbar
Nichts Neues.
Außer vielleicht,
dass sich jetzt sogar
der Zentralrat der Juden in Deutschland
vom israelischen Oberfascho Ben-Gvir distanziert;
good you already noticed.
Und, als Überleitung
zum Deutschland im Mai-Block,
vielleicht dann das:
Die Bundesregierung
hat eine Entscheidung
über den Einstieg beim Rüstungskonzern KNDS getroffen,
womit auch die Machtverteilung
bei dem deutsch-französischen Panzer-Unternehmen
geklärt wäre.
Die zusätzlichen 10.000.000.000 neuen Euros
für den deutschen Zivilschutz
sprechen die gleiche Sprache
und sind laut der FU Berlin
„nur der erste Schritt“.
Als Gegenleistung
liegt in der Kiste mit den Brotkrumen für die Regierten
der diesjährige Ausfall der Diätenerhöhung,
man muss auch mal nicht gönnen können.
Dafür darf das Land endlich ernsthaft
über die Rente mit 70(!) debattieren.
Als wäre das Sozialsystem
nie ernst gemeint gewesen.
Oder das Bildungssystem:
Eine UNICEF-Studie zeigt,
dass 40% der 15-Jährigen
die Grundkompetenz in Lesen und Mathematik fehlen.
Ich weiß nicht,
wer es der UNICEF sagen sollte,
aber ich denke weiterhin,
dass das nicht nur für 15-Jährige gilt.
Zum Beweis:
Frauke Petry (ex-AfD, jetzt AfD-Vorfeld)
unterstellt „dem Staat“
in der Ostdeutschen Allgemeinen
„Kontrolle durch Bildung“.
Genau, Frauke,
und das wegen guten Gründen.
Zum Beispiel deswegen:
Bei der Staatsanwaltschaft Magdeburg
wird jetzt gegen eine 71-jährige Oma (gegen Rechts) ermittelt,
die Björn Höcke als Nazi bezeichnete.
Leute, Nazi, Faschist,
so weit auseinander liegt das ja
nun wirklich nicht.
Es seie denn,
man könnte Geschichte
noch vor der achten Klasse abwählen, ne?
Kann man aber nicht.
Steht so ungefähr
auch seit genau 77 Jahren im Grundgesetz.
Alles Gute weiterhin!
Für alle.
Durch alle.
Recht kommt,
selbst wenn der Mai geht.
Brrrrrriiinng.
What? …
Brrrrrriiinng.
Really? …
Brrrrrrrrrriiiiiiinnnngg!
Okay, okay …
London? …
Is that really you? …
It is! …
This isn’t about the upcoming World Cup, I guess? …
So, you just wanna let me know … what? …
That our line will be safe? …
So it was in danger not to be? …
Ah. … I see. …
You blocked Palantir …
to get anything? …
Charles okay with this? …
His idea? …
Nice! …
Glad you was calling! …
Call again! …
Na sowas,
London ruft an
und hat auch noch gute Nachrichten.
So langsam wird mir der Mai wirklich unheimlich.
Aber hey,
wozu gibt es denn die Multikrise:
In der DR Kongo
kommt es zum schlimmsten Ebola-Ausbruch seit Jahren,
die WHO ruft den internationalen Gesundheitsnotstand aus,
erste Fälle werden auch aus Uganda gemeldet,
ein erstes Flugzeug darf nicht in den USA landen;
nicht dass sich hier irgendwer
noch zu sicher fühlt.
Memento Mori
dann auch noch in China:
Bei heavy Regenfällen
sterben dutzende Menschen
in den Frühsommerfluten.
Die UN reagiert umgehend
und stimmt mit 141 zu 8
für eine Resolution,
die die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet,
die Klimakrise zu adressieren.
Welches Land sich vor allem dagegen gestemmt hat,
könnt Ihr sicher leicht erahnen.
Und damit schnell, schnell wieder zurück
ins heimelige Zuhause
nicht weit von zu Hause:
Auf Rügen versammelt sich in diesen Stunden
die Speerspitze
im Kampf um die sagenumwobene Nachbarinsel,
meine Mutter hält dabei die Füße
in den Ufersaum der Schabe;
die Ostsee lässt sich vom Mai aufwärmen,
für den Herbst werden Rekordtemperaturen erwartet
und der Inselbürgermeister von Hiddensee
sieht jetzt schon seine Felle
über den Bodden davonschwimmen.
Gut,
vor der Hintertür
hier auf dem weltkulturerbigen Hof
staut sich die erste Sommerhitze
inzwischen unter halbherzigen Gewitterwolkenversuchen.
Bis zum Sonnenuntergang
fällt hier kein Thermometer unter 20°C
und dieses Pfingsten schickt sich an,
ganz federleicht
in die Geschichte einzugehen.
Mehr als ein paar dünne Decken
brauchen wir nicht mehr.
Der Sommer darf kommen,
die Tore sind weit.

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