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Hell Or Suburbia (S14:Ep10)

von | 2026 | 31. Juli | Die Serie, Staffel 14 - Flipping The Script

Bild: Der Himmel kann warten.

 

 

Ein provinzieller Freitag Abend,
die Hundstage sind keine Woche mehr entfernt,
immer noch mitten drin
in den letzten Sommerferien
im ersten Sommer
nach dem Letzten Sommer:
Beim Wochenendeinkauf fehlen
noch viele vertraute Gesichter,
die Nachbarn haben den Rasen
für dieses Jahr bereits aufgegeben,
schwarze Katzen dösen auf Vorstadtbalkons
und von drei angekündigten Gewittern
kommt höchstens eins;
vielleicht haben wir ja heute
wieder Glück.

Und damit willkommen zurück aus dem Urlaub,
wo auch immer Ihr gewesen seid.
Willkommen zurück im Alltag.
Willkommen zurück in der Normalität.
Willkommen zurück
in Sachsen-Anhalt.
Wo es tausend gute Gründe gibt,
Suburbia der Hölle vorzuziehen.
Zum Beispiel
braungebranntes Unkraut
aus den Kopfsteinpflasterfugen
unter dem Carport kratzen;
jeden Tag nur fünf Minuten, reicht.
Aber dazu später mehr,
wenn es nicht mehr um einen Freitag Abend,
sondern, noch alltäglicher,
um einen Donnerstag Abend geht.

Ob aber die vergangene Woche
auch jenseits des noch zu bauenden Gartenzauns
genauso herrlich langweilig war,
das darf heute wieder die Deadline entscheiden,
ich gebe ihr noch drei Stunden.
Dann wird nochmal gegossen,
trotz wenig Sonne waren heute durchgängig 30°C,
Hochsommer deluxe.

Deutsches Top Thema,
auch eine Woche nach dem Attentat,
ist Abdul B.,
IS-Terrorist.
Noch am letzten Sonntag,
keine 24 Stunden nach dem CSD in Berlin,
wird der in einer Gartenlaube abgeknallt.
Fahrzeughalter der Tatwaffe.
„Hochrisikoperson“.
Deutscher Staatsbürger
mit IS-Bekennervideo auf dem Handy.
Hat bei seiner Festnahme
mit einer Waffe rumgefuchtelt.
Tja.
Wollte also sterben.
Die deutsche Polizei
als Steigbügelhalter des islamistischen Märtyrertums.
Well played. Nicht.
Immerhin kann Kanzler Merz
jetzt endlich auch mal
coole, sympathieheischende Parolen raushauen:
„Wir sind mehr!“;
Welche PR-Beratungsklitsche
wohl auf die clevere Idee gekommen ist,
will ich gar nicht wissen.
Der Innenminister gräbt ebenfalls
nicht besonders tief in seiner Kiste:
Die neue/alte Debatte lautet:
„Präventivhaft oder Fußfesseln für Gefährder“?

Mitte der Woche dann auch noch
ein ARD-Brennpunkt zum Kabinettsumbau,
wenn Deutschland gar nichts besseres mehr zu tun hat,
dann wird übers Personal gestritten!
Dass die Inflation schon weit vor dem Herbst
wieder spürbar anzieht,
der Sprit einfach nicht wieder billiger wird
und immer noch millionenfach humaner Wohnraum fehlt,
darüber wird höchstens noch
in den Sommerinterviews gelabert,
die nicht ohne Grund
während des Sommerlochs gesendet werden.

Das und die Flaute nach der WM und vor der Vereinssaison
wollte anscheinend auch Gianni Infantino
zum Höchstverrat nutzen:
Die Fifa will die WM (teilweise) an Investoren verkaufen,
sogar Jared Kushner,
immer noch Schwiegersohn
des US-Präsidenten
und Fifa Peace Preisträgers Donald J. Trump,
soll im größeren Stile mitverdienen.
Aber, oh Wunder,
der Gegenwind setzt umgehend ein:
Die UEFA will die kommenden Fußball-WM boykottieren,
sollte der Weltverband FIFA
an seinen Investorenplänen festhalten.
Dafür sprechen sich die Mitgliedsverbände
der Europäischen Fußball-Union einstimmig aus.
Die Banner in den Stadien
dürften in den anstehenden Wochen
ähnlich eindeutig sein.

Und da wir erneut
bei einer Menge heuchlerischer Arschlöcher angekommen sind,
bekommt der Chef der Bande
hier auch noch seinen obligatorischen Auftritt:
Sein „Board of Peace“
hat angeblich
eine Einigung über die komplette Entwaffnung
der Hamas im Gazastreifen erreicht,
dem die Hamas, laut eigener Aussage,
sogar zustimmt.
Man bleibt dran.
Außerdem waren noch Selenskyj
und Netanyahu
(am gleichen Tag)
im Goldenen Haus.
Ohne besondere Skandale.
Auch Super-Präsidenten brauchen mal
business as usual.

 

Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 227.
Kurze Woche. Montag: Selenskyj besucht seinen fünften britischen Premierminister in London. Dienstag: Ein weiterer Dienstag im Krieg. Mittwoch: Und noch einer. Donnerstag: Am frühen Morgen beginnt der nächste große landesweite Raketenangriff auf die Ukraine. Freitag: Nichts Neues.

 

Und schon
sind wir schon wieder durch
und zurück am kleinbürgerlichen Kleinstadtrand,
an einem Freitagabend,
mitten im Sommer.
Noch ist es schwül,
aus den Gewitterwolken sind aber
schon wieder Schönwetterwolken geworden,
der Wind hat schon etwas aufgefrischt.
Es bleibt trocken.
Furztrocken.

Da können auch schon mal schnell
Landeswahlkampf-Großplakate in Flammen aufgehen,
so richtig mit Tatütata und allem.
In Thale,
am Harzrand, Waldbrandstufe X.
Beachtet man die Angriffsziele
(Rot-Rot-Grün aka Woke),
stellt man fest:
Auch Nazis benutzen Brandbeschleuniger.
Vor lauter Schreck
müssen die hiesigen Ortsverbände ihr Social Media Fußvolk zur Mäßigung aufrufen,
und Christina Baum (MdB)
hat vor Entrüstung ganz vergessen,
warum sie eigentlich „König“ Fitzek im Knast besucht.
Weshalb jetzt auch so gemäßigte Demokraten wie die AfD-Anhänger
plötzlich zur militanten Meinungsäußerung greifen?
Einfach:
Die Grünen!
Uns Suse Sziborra-Seidlitz
wahlkämpft und lächelt ihre Partei zurück
in die Relevanz:
Seit der letzten Sonntagsfrage
ist das Bündnis theoretisch wieder im Landtag.
Und womit?
Mit Recht.
Wenn das taktische Wählen halbwegs diszipliniert abläuft,
dann hat die AfD
in Sachsen-Anhalt genau null Regierungschancen,
60% ist eben immer noch mehr als 40%,
Siegbert Ulmen muss noch fünf Wochen grinsen.
Und eine Brandmauer
wird aus Kompromissen gemacht.
Mit allen.
Außer mit Faschos.
Hashtag Wir Bleiben Hier, und so.

Außer
es sind Sommerferien.
Und also Festivalzeit.
Nachdem ich mir sowohl das nahe „Rockharz“
als auch heuer das ferne „Wacken“
mal wieder ganz bewusst geklemmt habe
(zu viele Rentner),
geht’s nächste Woche nach Hamburg,
bisschen Männer Rock genießen mal,
immerhin noch kein Grandaddy Rock.

Das bleibt aber noch Zukunftsmusik,
denn ich wollte ja noch mal zurück
zu einem Donnerstagabend,
in der Ostprovinz,
im Sommer:
Als noch keine riesigen Wolkenberge
über dem Lehof schwebten,
stand mensch auf der Veranda
und beobachtete in naher Ferne
einen Sandsturm.
Nur einen kleinen,
die Sandgrube in Sichtweite
ist auch nur provinziell groß.
Die Dünen regneten sich über
den nahe liegenden Feldern und Weiden ab,
bevor sich endlich ein Gewitter
über dem Osten des Weltkulturerbes verirrte,
der an diesem Tag in 40°C gebacken wurde.
Morgens, halb Zehn,
herrschten, dank Föhn, bereits 35°C,
sämtliche Gartenschläuche verweigerten den Dienst.
Am Himmel aber weit und breit,
Gott sei Dank,
keine „Gelbe Hexe“ zu sehen.
Denn die hilft gerade in der Gironde aus.
Die „Apokalypse bei Bordeaux
ist momentan völlig außer Kontrolle.
Auf Kreta toben Feuerstürme.
Die Donau trocknet zusehends aus.
2026 gab es bis heute
bereits 10.000 Hitzetote
in Deutschland.
Und der „Earth Day“
ist auch schon wieder durch.
Höchste Zeit für einen „Brand New Day“,
so zumindest der Titel des aktuellen Spider Man Films.

Gut,
mein Sommerpraktikum in der Vorstadt
neigt sich dem Ende zu.
Und ich kann sagen:
Die Hölle verliert ihren Reiz
mit jedem Tag mehr;
und Suburbia erscheint genauso trügerisch wie gedacht:
Himmlisch.
Und niemals langweilig.
Häuser und Grundstücke in Schuss zu halten,
ist mindestens ein Halbzeitjob.
Für die Weltlage
bleibt damit erfrischend wenig Zeit.
Denn auch so ein Vorstadtrasen,
der bleibt nun mal
nicht von alleine Grün!

In diesem Sinne:
Noch vier Wochen bis zur „Hölle (von Q)“!
Eigentlich ja sogar noch fünf,
aber Jahrhundertwahl und so weiter …
Es ist Freitag Abend.
In der Nachbarschaft
wurde bis vor ein paar Stunden
noch gebaut.
Und in ein paar Stunden nur
ist auch der Himmel
wieder komplett.

 

„Society, have mercy on me.
I hope you’re not angry if I disagree.
Society, crazy indeed
I hope you’re not lonely
Without me.“

(Eddie Vedder. 2007)

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