Bild: Hartes Pflaster – if you know you know
So,
ich hoffe,
alle genießen
aber mal so richtig
die Sommerferien,
die im Moment auf ihrem Scheitelpunkt ankommen,
denn allem Anschein nach
werden es dann wohl die letzten,
zumindest hier in Sachsen-Anhalt.
Am Anfang der Woche
erreicht mich folgende
ziemlich ernst gemeinte Nachricht aus Berlin
auf meinem Schwarzen Spiegel:
„Ich hab so Angst.
Der ist wirklich böse.
Und die Leute im Osten
sind wirklich verrückt geworden.
Geh da weg, Mathias. Lauf.“
Mit „der“
ist Ulrich Siegmund gemeint.
Genau, der Ulrich Siegmund.
Über den hier schon so oft geschrieben werden musste,
dass ich mir die Einleitung getrost sparen kann.
Um der Chronik jedoch ihren Dienst zu erweisen,
hier zunächst eine kurze Darstellung
der aktuellen Situation
aka „Kampf“
gegen
die Refaschisierung Deutschlands:
Vor zwei Wochen fordert die CSU(!)
offen ein Verbotsverfahren für die AfD-Thüringen(!),
man müsse „dem Geschwür den Kopf abschlagen“.
Zumindest rhetorisch
befindet sich die „Wehrhafte Demokratie“
also endlich auch in der Militanz.
Das Gefühl von too little, too late
bleibt jedoch,
denn nur drei Tage später
stellt die AfD-S-A
ihr „100-Tage-Programm“ vor,
das sie von Minute 1 an umsetzen wollen,
und wenn es auch nur geschieht,
um ihr Scheitern von Minute 1 an
„Berlin“ in die Schuhe schieben zu können.
Hier ein paar Auszüge (geframt und gegengeframt)
um zu schildern,
wie Sachsen-Anhalt
bereits zum Jahresende aussehen soll,
wenn es nach Ulrich Siegmund und Konsorten geht.
– Abschaffung der Schulpflicht:
Die Partei plant, die reguläre Schulpflicht zu beenden,
„um Familien die Wahlfreiheit
für Hausunterricht (sog. Homeschooling) zu ermöglichen“.
Zudem soll die „Gymnasialquote“
auf 25 Prozent begrenzt werden.
Damit soll sichergestellt werden,
dass künftig nur ein Viertel eines Schuljahrgangs
den gymnasialen Weg zum Abitur einschlägt,
um „angesichts überfüllter Klassenzimmer
und überforderter Lehrkräfte
ein Mindestmaß an Bildungsniveau zu garantieren“.
Klar. Der alte Hut.
Nur mit noch ein bisschen
mehr Bildungsbürgertumssoße,
damit es auch dem ein oder andern
Oberstudienrat in Halle (Saale) schmeckt.
– Bildungsreform:
Vorgesehen ist eine „radikale“ Streichung
von „sogenannten“ Antirassismus-Projekten
an Schulen und „staatlich vorgegebener Schulbücher“,
um der „linksgrün-woken Indoktrination“
von Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken.
Erstens:
Es gibt keine staatlich vorgegebenen Schulbücher.
Die Fachschaften bestellen in regelmäßigen Turnussen
nach bestem Dafürhalten,
an jeder einzelnen Schule.
Zweitens:
„Links-Grüne Indoktrination“
ist nicht nur ein Hirngespinst,
sondern vor allem
ein ziemlich low dick energy-Kampfbegriff
von dumm grinsenden Scheitelträgern.
– Restriktive Migrationspolitik:
Geplant ist der Aufbau einer eigenen
landesweiten „Taskforce Abschiebungen“,
um die Rückführung von illegalen Migranten
effektiv zu beschleunigen.
Klingt verdächtig nach „ICE“-Einheiten,
wird aber wahrscheinlich
nur die Neuschaffung irgendwelcher Posten,
nicht dass da noch irgendwelche Familienmitglieder
nichts vom Kuchen abbekommen.
– Streichung von NGO-Fördergeldern:
Vereinen und Organisationen
im Bereich u.a. der „vorgeblichen“ Demokratieförderung
und der „angeblichen“ Flüchtlingsintegration
sollen sämtliche öffentliche Gelder
und steuerliche Vergünstigungen entzogen werden.
Im Zusammenspiel
mit den bereits weiträumig durchsetzten Stadt- und Landräten
wird das sogar ziemlich schnell in die Tat umgesetzt werden.
In der Reiche
werden Kurse im Barrikadenbau geplant.
– Aufbau einer „Bürgerwacht“:
Als „Ergänzung zur Polizei“
soll eine freiwillige Bürgerwacht
mit Hilfs- und Kontrolltätigkeiten
vor Ort betraut werden,
um Menschen „die Möglichkeit zu geben“,
bei der Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung „mitzuhelfen“.
Die Bürgerwacht soll vor allem
in „problematischen“ Wohnvierteln aktiv werden.
Jap:
Holy Shit!
Das soll nichts anderes werden
als eine SA.
Oder das Blockwartsystem.
Je nachdem,
welches „gute, alte Deutschland“
sich gerade zurückgesehnt wird.
– GEZ-“Staatsfunk“:
Angestrebt wird eine „fundamentale Änderung“
und gegebenenfalls Kündigung des Medienstaatsvertrags.
Mein Tipp:
Das ist eine Drohung.
„Ihr sendet,
was wir sagen,
oder ihr sendet von der Straße.“
– Wirtschaft: Die AfD setzt auf „Entlastung“ und „Deregulierung“.
Im Mittelpunkt stehen heimische Unternehmen,
die „vor allem“ durch niedrigere Energiekosten
entlastet werden sollen.
Das Goldene Handwerk
kann sich also bald
in Diamantenes Handwerk umbenennen.
Schwarzarbeit in Eigenheimen
wird nie lukrativer gewesen sein.
So weit,
so radikal.
Sollten „Berlin“
und/oder „die Verfassung“
dem ganzen dann Steine in den Weg legen,
dann wäre zumindest der Bundestagswahlkampf
schon mal eröffnet:
Sachsen-Anhalt
als die nervigste Arschwarze,
die seit Ende des Zweiten Weltkriegs
am braunen Ende der Geschichte gewachsen ist.
Frohes Kratzen,
ihr Loser!, …
oh, wait …
… bisschen Angst hab ich jetzt schon irgendwie.
Und damit dann
zum titelgebenden Titel der Episode;
Anführungszeichen gibt es schließlich
nicht ohne, sondern wegen Gründen.
Hier erstmal der Text,
über den das ganze Land
seit mehr als einer Woche redet.
Die einen so,
die anderen so.
„Es gibt jetzt zwei Option’n,
beide machen Stress,
eine ab morgen schon,
die andere ab jetzt.
Wir könn’n darauf warten,
dass sie in den Parlamenten
und auf der Straße erstarken,
bevor wir sie bekämpfen.
Und wir warten, warten, warten,
das ist erstmal bequemer.
Es geht uns trotzdem an den Kragen,
nur halt etwas später.
Die and’re Möglichkeit bedeutete schon heute
Stress mit der Polizei und den ganz besonders Deutschen.
Dafür ’ne kleine Chance, das Blatt nochmal zu wenden
Oder vielleicht das Schlimmste noch verhindern zu können.
Du weißt nicht, was du tun kannst,
du weißt nicht, wie das geht?
Hör mir zu, ich hab‘ vielleicht eine passende Idee:
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst!
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst!
Ruf erst mal ein, zwei Leute an,
denen du vertraust,
auf die man sich verlassen kann,
und macht ein Treffen aus.
Ihr gründet eine Gruppe,
die keinen Namen hat,
kein Gründungsdatum und auch kein Verein
oder so nen Quatsch.
Redet mit Bars und Kneipen, fragt, ob die für ’nen Abend
Räumlichkeiten für ’ne Party gegen Nazis haben.
Ladet eure Freunde ein, ein kleines Festival,
DIY, Eintritt frei, sammelt auf Spendenbasis Geld.
Mit dem Geld, das ihr verdient,
kauft ihr Dosen, um zu sprüh’n,
Kauft ihr Aufkleber und Marker,
sorgt dafür, dass jeder sieht:
Ihr habt kein’n Bock auf Faschos
und das hier ist eure Stadt.
Lasst euch nicht erwischen,
schaut nach Überwachungskameras.
Nie ohne Handschuh, nie ’n Fingerabdruck hinterlassen
und erst recht nie film’ und niemals ein Foto davon machen.
Von Aktion’n nur den‘, die selbst dabei war’n, erzähl’n;
Es geht um linke Straßenpolitik
und nicht um Fame.
Ihr braucht Regeln für die Kommunikation.
Nicht nur Nazis und Konsorten,
die in eurer Gegend wohn’n,
auch die Sicherheitsbehörden werden sich schnell intressier’n.
Ihr dürft von Anfang an alles nur geheim kommunizier’n,
das bedeutet: keine DMs, keine Messenger und Mails;
alles, was verboten sein könnte, immer face to face.
Lasst das Handy zu Haus wegen Bewegungsprofil’n.
Und wenn sie euch erwischen,
redet nicht mit ihn’n.
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst
Man wird sich wundern, wenn man weiß,
dass in den Kern dieser Gruppen meistens
nur ein paar wenige gehör’n.
Eine Handvoll Leute reichen meistens aus,
eigene lokale Antifa-Strukturen aufzubau’n.
Als Nächstes müsst ihr die rechten Struktur’n recherchier’n,
heimlich ihre Treffen und Demonstration’n fotografier’n.
Findet raus, wer sie sind, was sie tun, wo sie leben,
wo sie arbeiten, und findet raus, mit wem sie sich umgeben.
Baut Fake-Accounts bei TikTok und bei Telegram,
dokumentiert alles, was sie schreiben, alles, was sie sagen.
Holt den Papiermüll ab, lauft ihn’n nach
zu ihren Häusern, ihren Wohnung’n, den Treffpunkten und Bars.
Meldet euch bei jeder Singlebörse an;
irgendwie und irgendwann kommt man an jeden Nazi ran.
Werdet dreist, delinquent, akribisch und kreativ,
Stück für Stück füttert ihr so euer Antifa-Archiv.
Faschos leben abgeschottet, sie leben im Wahn,
mit Argumenten kommt man meistens nicht mehr an sie ran.
Die Erfahrung zeigt, dass aber trotzdem doch etwas passiert,
wenn man ihr gesamtes Umfeld kontaktiert.
Früher nannte man so etwas „Outingaktion“,
es hing’n Flyer und Plakate in den Vierteln, wo sie wohn’n.
Mit Fotos und Funktion’n, mit Nam’n und mit Adressen,
niemand wird ein Nazischwein als sein’n Nachbarn möchten.
Das flankierte man mit ein paar Telefonaten,
um ihre Schul’n, Unis, Arbeitgeber zu beraten.
Man wünschte ein’n guten Tag und fragte dann:
„Wie passt so etwas in eure Firm’nphilosophie?“
Helft euren Lokalzeitung’n mit Information’n,
wenn sie nicht schon von selbst dahinterkomm’n,
dass es Probleme gibt mit Nazis in der Stadt,
vielleicht wird dann sogar die Staatsanwaltschaft wach.
Mit etwas Glück kriegen sie Post oder geh’n in den Knast
doch ihr wärt blöd, wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst.
Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil:
Es gibt so viele Faschos bei der Polizei.
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst!
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst!
Man möchte mein’n, dass die Sicherheitsbehörden
rechte Struktur’n nicht bekämpfen, sondern fördern.
So mancher Polizist steht für die AfD zur Wahl.
Uniter hat die Munition vom KSK.
Das bedeutet, parallel zum Recherchier’n,
müsst ihr eure Sicherheit selbst organisier’n.
Nazis machen ihre Politik immer mit Angst,
mit Hass, mit Terror und roher Militanz.
Man kann ihn’n vieles vorwerfen, aber jedoch nicht
dass man das, was sie mit uns vorhaben, nicht wüsst.
Und die Geschichte hat uns schon mal gezeigt,
es wird noch schlimmer, wenn man gar nichts tut und schweigt.
Keine Angst, nehmt es selber in die Hand!
Die seh’n gefährlich aus, aber wir legen sie lang.
Koordiniert euch, fangt an zu trainier’n,
wenn ihr zusamm’n kämpft, dann kann es funktionier’n.
Schon am ersten Tag, wenn ihr die Party macht,
besteht die Möglichkeit, dass es vor der Türe kracht.
Also plant immer mit der Konfrontation,
habt Überraschung’n dabei, wenn sie komm’n.
Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrammt,
ich lass‘ ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant.
Ist eh klar, was zu tun ist, ich sag‘ nix mehr dazu.
Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk.
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst!
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst!“
Diese Brechstange von Diskursbeitrag
stammt von Danger Dan,
also von dem liberalen Linksradikalendarsteller,
der er leider sehr schnell geworden ist.
Und wie es in diesen Zeiten zu sein hat,
wird diese 1:1 Anleitung zur militanten Demokratie
von einer Medienkampagne herrlichsten Ausmaßes
unter das Volk gespielt:
Phase 1:
Social Media:
Überall breit inszenierte Empörung!
Danger Dan wurde vom ZDF gecancelt!
Gefühlt erst während der Aufzeichnung
der 100. Ausgabe von „Die Anstalt“,
mindestens wegen
des offenen Aufrufs zur Gewalt,
wenn nicht sogar wegen
des offenen Aufrufs zur Gründung einer kriminellen Vereinigung
(inklusive des detaillierten Aufrufs zu Straftaten (u.a. Doxing)).
Phase 2:
Der Streisand Effekt:
Durch das de facto „Auftrittsverbot“,
erzeugt der Nicht-Auftritt
noch deutlich mehr Aufmerksamkeit,
ergo noch mehr Leute wissen
(mehr oder weniger) über den Inhalt Bescheid,
und noch mehr Leute hat der maximal simple Refrain erreicht;
Es kann schlechtere Hooks geben,
die uns durch die nächsten sechs Wochen tragen.
Phase 3:
Die Stellungnahme:
Als Ersatz für das „verbotene Lied“
sitzen die Gesichter von „Die Anstalt“
vor einem stummen Klavier
und zeigen klare Kante;
immerhin.
Phase 4:
Die Veröffentlichung:
Zeitgleich wird das Lied auf allen relevanten Kanälen veröffentlicht
und steht momentan (nach 9 Tagen)
allein bei Youtube bei weit über 1.000.000 Aufrufen.
Was an Reactions und Kommentaren da dazu kommt,
könnt Ihr Euch denken.
Phase 5:
Der Widerstand:
„Morgen spielen wir „Keine Angst“
dann aber doch noch.
Unter dem Motto „DIE KEINE ANGSTALT“
laden wir ganz herzlich ein
zu einer musikalisch – politischen Ersatzveranstaltung
im Columbia Theater in Berlin,
es wird auch einen Livestream
auf unseren YouTube-Kanälen geben.
Einlass 20:00 Uhr
Beginn 21:00 Uhr
Tickets gibt es ab sofort auf https://dangerdan.shop.
Der Gewinn geht
an den Verein Opferperspektive / Antidiskriminierungsberatung,
die zentrale Anlaufstelle in Brandenburg
für Betroffene von rechter, rassistischer
und antisemitischer Gewalt.“
Viel mehr auf die Zwölf
geht also eigentlich nicht mehr.
Und doch kann ich nicht zu 100% warm damit werden.
Zu viel dabei fühlt sich irgendwie unangenehm an.
Da wäre zunächst die aufdringliche Pose.
Leichte Verunsicherung
verpackt in weinroter Bomberjacke
und drippy Springern dazu.
Das ist einfach too much 90er,
um halbwegs authentisch zu sein.
Dann hat nämlich auch Fabian Lehr recht,
wenn er dem Text Anachronismus andichtet.
Denn genau so
und exakt genau so
(„Früher nannte man so etwas „Outingaktion“,
es hing’n Flyer und Plakate in den Vierteln, wo sie wohn’n.“)
lief das damals,
sogar hier (und eigentlich nur hier)
in der Ostprovinz.
Die ist aber heute eben nicht mehr so,
auch wenn sich Ostalgiekritiker das gerne anders wünschten,
die ist in der Masse
rechtskonservativ+bisschen sozial.
Hier gibt es keinen Kiez,
keine Nachbarschaft,
keinen Block,
in dem keine verängstigten Kleinbürger
oder verängstigte Lohnabhängige
oder staatliche unterstützte Menschen
ein äußerst menschenwürdiges Leben führen.
Das soll doch bitte schön auch so bleiben,
oder?
Konservativ ist die neue, gespaltene Mitte,
immerhin aber noch mit allen entsprechenden Rändern.
Was ich Danger Dan auch ungefragt vorwerfe,
ist dieses Ans Licht Gezerre der Gegenkultur,
als ob die nicht davon leben würde,
eben nicht im Mainstream stattzufinden.
Oder eben diese sogenannte „staatstragende Linke“,
die einfach zu sehr nach Establishment stinkt,
um keinen Kotzreiz auszulösen.
Was ich Danger Dan,
und allen an dieser Aktion Beteiligten,
jedoch nicht vorwerfe:
Eine auch moralisch nicht unberechtigte
und allem Anschein nach ja wohl
absolut notwendige Kampfansage,
nur für den Fall,
dass wir die Faschisten
wieder küssen müssen,
wenn wir sie treffen.
Oder
eben auch nicht:
Am selben Tag, an dem Danger Dan,
Igor Levit und Freunde
den Berliner*innen das linke Mütchen anheizen,
ist Heidi Reichinnek
auf einer Demokratiedemonstration in Halberstadt.
Und dabei wird dann auch umgehend demonstriert,
wie das mit dem Widerstand dann in die Tat umzusetzen ist,
bevor es zu spät sein wird;
Quelle: Internet:
„HUHU, ihr kleinen Kackfaschos
von „Harz Verteidigen“ / „DieHeimat“ / „JN“ / „KDN“!
Ihr wundert euch,
warum ihr heute #DieLinke
auf dem Domplatz nicht stören konntet?
Ich verrate euch was:
Wir haben jeden eurer Anmarschversuche
aus sämtlichen Richtungen beobachtet
und an die Polizei/die Veranstalter weitergeleitet.
Sorry Consti, du kleiner #JN NeoNazi.
Du warst der Erste
und hast gleich auch noch andere
mit deiner auffälligen Art und Weise
des Heranschleichens verraten.
Wir waren euch so nah;
und hatten
#KeineAngst.“
Gut,
haben die Nachwuchsfaschos auch wieder was gelernt:
beim nächsten Mal
einfach unauffälliger anschleichen.
Bevor wir aber erst am Ende noch einmal kurz schauen,
was die Rechten so treiben,
hier zunächst nur die aktuellsten Umfragewerte
für die Landtagswahl,
in Sachsen-Anhalt,
in genau sechs Wochen:
CDU: 24 (aktuelle Regierungspartei)
Linke: 14
SPD: 5
Grüne: 4.
AfD: 41.
Da kann selbst Odysseus
noch so beeindruckend einsichtig und weise geworden sein,
wie wir es momentan im Kino
auf maximal bequemen Sitzen
beinahe schon miterleben,
aber seine größte Angst
ist auch unsere:
Die Angst davor,
dass wir unsere Fehler
vergessen.
Und also dazu verdammt scheinen,
sie zu wiederholen.
Ich persönlich fürchte mich
in diesem Zusammenhang ja am meisten
vor der angekündigten,
„historisch exakten“ KI-Version der Odyssee,
die Elon Musk in Auftrag gegeben hat.
Und damit zu irgendwelchen anderen furchtbaren „Themen“
der letzten Wochen,
bevor die Chronik
endlich ihren furchtsamen Rhythmus
wiederfinden darf,
welche aber eben noch größere Folgen
haben sollten/haben werden.
– Auch die EU beschließt mal wieder was,
während die Fußball-WM in die heiße Phase eintritt.
Die Chatkontrolle kommt!
Oder so etwas ähnliches.
Überlegt Euch also jedes geschriebene Wort!
– Lukas Krieger(!) wird neuer Generalsekretär der Berliner CDU,
also potenzieller Nachfolger
des noch regierenden Kai Wegener,
der jetzt aber doch über ein paar Tennisstunden
während eines Stromausfalls bei den Rich Kids gestolpert ist.
Lukas Krüger jedoch ist vor allem
für folgende Aussage bekannt:
»Ich denke, dass wir uns darum kümmern müssen,
dass wir in Deutschland auch wieder als Deutsche erkennbar sind,
dass Deutschland deutsch bleibt
und wir gegen den jüdischen Bolschewismus
durchaus vorgehen.« (L.K., knapp 18 Jahre alt)
Gesagt hat er das vor zwanzig Jahren,
immerhin aber bereits als Mitglied der Jungen Union.
Und das in einem Berlin,
das bald von den Linken regiert wird!
– Zu guter Letzt
muss Jens Spahn seinen Posten räumen.
Maskendeals,
Korruption,
Immobiliengeschachere,
generelles Kotzbrockentum,
nichts hatte ihm etwas anhaben können.
Jetzt ist er plötzlich
doch kein Bundestagsfraktionsvorsitzender mehr.
Weil er und sein Mann
in den USA eine Leihmutter bezahlen.
Und eben dort,
Rest-USA,
beendet Trump einfach so
das „Rahmenabkommen“ mit Iran,
am 8. Juli,
am Rande des NATO-Gipfels.
Außerdem werden aus einer Laune heraus
sämtliche Handelsbeziehungen mit Spanien abgebrochen.
Marc Rutte sucht
seine Selbstachtung nicht mal mehr vergeblich.
Trump fragt auch wie nebenbei,
ob Selenskyj nicht mal nach Moskau reisen würde,
why not?
(Weil ihm da gerade zu viele ukrainische Drohnen seien,
was ziemlich gefährlich sei.
Hat der wirklich geantwortet!).
Außerdem sind Mitch McConnell (fast)
und Lindsey Graham (plötzlich) tot.
Also wird jetzt eben einfach so
mit den Saudis
über die Bombe verhandelt.
Angst?
Wovor denn?
Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 226.
Der Krieg erreicht Russland. Und weitet sich aus. Montag: Im schwarzen Meer werden mehrere russische Schiffe getroffen. 400 Drohnen greifen die Region um Moskau an. Dienstag: Der ukrainische Oberbefehlshaber Syrskyj wird entlassen, nachdem in der letzten Woche bereits Verteidigungsminister Fedorow ersetzt wurde. Mittwoch: Mychajlo Drapatyj wird neuer Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee. Donnerstag: Rubio und Lawrow treffen sich in Manila. Russische Rakten treffen gezielt eine Rüstungsmesse bei Kiew. Ukrainische Drohnen treffen gezielt „Wildberries“-Lagerhallen nahe Moskau. Freitag: Nichts Neues. Samstag: Die gegenseitigen Angriffe gehen weiter. Die Ukraine bestätigt Raketenangriffe auf einen iranischen Tanker im Kaspischen Meer. Sonntag: Siehe Freitag.
Lauf!,
Mathias, lauf!
Lauf?
Nichts lieber
als das.
Tannenliebe
(Ein wahres Schauermärchen)
Sterntaler und der Munk sitzen nebeneinander auf der Mauer.
Ihre müden Beine baumeln knapp über dem Pflaster.
Alle paar Minuten gehen Fußgänger an ihnen vorbei.
Dann senken sie ihre Stimmen,
zu geheim sind die Dinge über die sie sprechen.
Als die Sonne hinter den Altbaufassaden untergeht
und endlich auch der Gipfel des Schlossbergs über der Freiburger Neuburg im Schatten liegt, rauchen sie noch immer.
Ihre Nervosität halten sie in beiden Händen.
Das versprochene Gewitter am Nachmittag wartet immer noch im Westen.
Vor zwei Tagen waren sie schon in Himmelreich aus der Bahn ausgestiegen und warteten auf einen Ersatzwagen nach Titisee-Neustadt, denn die Schienen im Höllental waren an diesem späten Nachmittag unbefahrbar. Das Geröll musste erst vor Kurzem von den Talklippen gestürzt sein, aber vor dem Bahnhof sammelten sich bereits über einhundert Reisende, die alle heute noch auf der anderen Seite des Hochschwarzwalds ankommen wollten. Über ihnen zog ein Gewitter auf, doch noch bevor es anfing richtig zu regen, stiegen sie in einen der endlich anrollenden Ersatzwagen.
Der neugierige Kuckuck, der sie in ihrer Hütte am See beobachtete, wurde dann schon kurz nach ihrer Ankunft ein erstes Mal neonrot, so etwas erlebte selbst er nicht alle Tage.
Sterntaler und der Munk konnten sich zunächst nicht entscheiden, als sie am Abend die große berühmte Grotte weiter unten im Tal betraten. Doch nachdem sie sich schnell an die feucht-warme Luft gewöhnt hatten, probierten sie einfach so viele Gänge wie möglich. Hinter jeder Kurve, hinter jeder Wand entdeckten sie neue Räume, dazwischen immer wieder sich selbst. Mal waren die Räume hoch und voller Wasserfälle, die riesig und hart wie flüssige Kristalle auf ihre Rücken fielen, mal waren sie flach und voll von duftendem Wasser, in das Sterntaler und der Munk mit geschlossenen Augen eintauchten. Dass sie in dieser Grotte doch nicht alleine waren, dass sie also doch noch nicht das Paradies gefunden hatten, bemerkten sie erst, nachdem sie bald über eine Stunde ihre gemeinsamen Runden gedreht hatten. Musik und Tanz! Schwitzende Menschen bildeten einen großen Kreis. Sie nahmen in der Mitte, gegenüber des Eingangs, ihre Plätze ein als ob auf sie gewartet wurde. Und draußen sangen die Berge. Als ob sie wirklich am Leben wären. Ihre Ängste hatten sie alle vergessen.
Der Kuckuck hatte sich am späten Abend dann auch nicht noch einmal blicken lassen; selbst die neonroten wissen, welches Nest sie ausspähen sollten, und welches lieber nicht. Sterntaler und der Munk schliefen friedlich bis zum frühen Morgen, das Gewitter war schon lange wieder abgezogen.
Der blaue Sommerhimmel spiegelte sich selbstverliebt im Titisee als sie ihren langen Aufstieg in den Hochschwarzwald antraten, bereit sich miteinander auseinanderzusetzen, so lange bis sie ihre Grenzen erreichten, denn nur so waren sie zu erkennen. Beim Laufen dachten sie sich also schnell Monster aus, die im See oder in den Bergen auf sie warteten, und die ihnen genug Angst einjagen würden, so dass sie sich gegenseitig vor ihnen beschützen konnten. Schon nach zwei Stunden, die Tannen standen dicht an dicht, raunten ihnen die ersten Stimmen aus dem Plätschern der Bergbäche zu: „Wer aus mir trinkt, der wird ein Reh“; Und furchtlos stillten sie ihren Durst.
Am Mittag, die Sonne brannte erbarmungslos auf den Wald nieder, führte sie ihr Weg vorbei an einem verlassenen Biberdamm. Sterntaler kühlte dankbar ihre Füße, und sie rätselten darüber, was die Erbauer wohl gerade machten und wo sie sich vor der Hitze versteckten. Auch der nachlassende Wind brachte kaum noch Abkühlung und schnell suchten sie wieder den Schatten der hochaufragenden, uralten Bäume.
Mit jedem Meter Höhe nahm der Rausch zu. Kurz vor dem Gipfel des Feldberges drehte sich plötzlich die Welt, aus Abstiegen wurden Anstiege, Hunger und Durst ließen sich nicht mehr unterscheiden, Aufgeben fühlte sich mit jedem Schritt richtiger an. Ihre Herzen schlugen wilder.
Unter dem höchsten Wasserfall des Hochschwarzwaldes kühlte Sterntaler dann ihren überhitzten Kopf, während der Munk heimlich und verstohlen versuchte, sich an diesen einen Reim, irgendwo tief in seiner Kindheit, zu erinnern, nur würde er ihn dieses Mal nicht auszusprechen; Keine Angst? Das ließ sich immer noch leichter sagen als es wirklich jemals gewesen war. Also, kein „Schatzhauser im grünen Tannenwald“ mehr, kein „Bist schon viel hundert Jahre alt“ mehr. Kein „Dir gehört all Land“ und kein „Wo Tannen stehn“ und erst recht kein „Lässt dich nur Sonntagskindern sehn.“ Das Leben funktionierte anders, ihre Wünsche erfüllten sie selbst.
Kurz vor dem nächsten Gewitter erreichten sie den letzten Gipfel des Tages. Und dieses Mal begleitete der Munk Sterntaler ins Wasser neben ihrer Hütte. Sie schwammen gemeinsam, kühlten ihre Körper auf kurzer Distanz und fanden sich aneinander wieder. Dann wunderten sie sich über einen seltsamen Sternenhimmel, der bald wieder über den Wolken zu sehen war und sich blind im Wasser spiegelte; selbstverliebt war in dieser Nacht niemand mehr.
Die Morgenluft weckte sie mit almigen Gerüchen, Kuhglocken läuteten von den Hängen unter ihrer Hütte. Und noch immer ging es bergauf. Der lange Abstieg versprach schon jetzt nicht weniger als Alles und wollte seinen Beginn deshalb noch etwas hinauszögern; und das wirkliche Fürchten zu lernen sollte gerade erst beginnen. Im Süden standen die Alpen, die Vormittagssonne erzählte Märchen von schneeweißen und noch viel höheren Gipfeln in der Ferne. Sterntaler und der Munk wendeten sich nach Norden. Noch ein letzter Anstieg, der wirklich letzte, führte sie endgültig zum langen, langen Abstieg, dem Abstieg, vor dem sie sich immer noch nicht genug fürchten konnten. Sie beruhigten ihren Herzschlag mit langen Ausblicken auf das vor ihnen liegende Tal, welche sich nicht festhalten lassen wollten. Und dabei ließen sie sich nicht los.
Erst die kleine Gruppe Färsen, die von ihrer Weide noch weiter unten im Tal ausbüxt war, um sich im Schatten des höher gelegenen Waldes gemeinsam nach frischem Gras umzuschauen, zwang sie dazu, wieder ihr eigenes Gleichgewicht zu suchen. Die Wege ihres Abstiegs wurden immer noch schmaler, nebeneinander zu gehen war kaum noch möglich; Manche Ängste bekämpfen wir besser allein.
Im Tal wateten die Störche über die weiten Felder, Sterntaler und der Munk hatten noch sie so viele auf einmal gesehen. Ihre Hände fanden sich wieder, der Abstieg war geschafft. Von hier aus ging es nur noch geradeaus. Woran konnten sie jetzt noch scheitern?
Sterntaler und der Munk sitzen immer noch auf der Mauer.
Sie schweigen immer noch nicht.
Die Nervosität hat es sich neben ihnen gemütlich gemacht
und plätschert vor sich hin
wie die Bächle in der nahen Altstadt.
Sie belauern erneut ihre Ängste,
kämpfen um ihre Unsicherheiten,
kratzen an längst verheilten Narben,
geben dem Kloß im Hals immer mehr Raum,
lassen das Scheitern immer noch ein bisschen näher an sich heran.
Und dann sitzen sie nicht mehr auf der Mauer.
Dann scheitern sie.
Beim ersten Versuch.
Bei welchem aber auch sonst?
Eng umschlungen warten sie auf Mitternacht.
Im tiefen Tannenwald
gibt der Holländer Michel schon vorzeitig auf:
Diese beiden sind ein Herz.
Dann beginnt es zu regnen.
Nach ihrem Ausflug in die Freiburger Altstadt, mit ihren hübschen Häusern, mit ihren netten Cafés, mit den vielen freundlichen Menschen, die so sorglos an den vielen niedlichen Bächle saßen, ihre süßen Füße im weichen Wasser, oder die mit ihren hübschen Gesichtern auf ihren netten Fahrrädern durch die friedlichen Straßen fuhren, lagen Sterntaler und der Munk wieder eng umschlungen in ihrer Hütte und fürchteten sich. Vor dem gerade wieder nahenden, dem letzten Gewitter. Als der erste Donner dann die Berge erschütterte, verwandelten sie ihre Zweifel in Tränen, sprachen auch noch ihre letzten Ängste aus und wurden von den letzten Albträumen geschüttelt. Dem Munk saß der Holländer Michel mit seinen steinkalten Füßen auf der Brust und schrie ihn an, mit brennenden Augen, sein schwarzes Herz pochend in der rechten Hand: „Denk an Lisbeth! Ja, denk an sie! Wie er sie geliebt hat. Und wie sie ihn geliebt hat. Und wie sie damit aufgehört haben. Einfach so. Weil sie aufgewacht waren. Einfach so. Wie sie einfach so weitergemacht haben. Und wie die Angst dann einfach stumm blieb, stumm, bis sie nicht mehr zu besiegen war. Nicht einmal gemeinsam! Hörst du, Munk? Hörst du mich? Bist du nicht doch schon viel zu lange viel zu erschöpft? Nein? Noch nicht einmal von dir selbst? Sicher? Kann dich denn der tiefe, dunkle Wald wirklich nicht mehr locken, Munk? Sehnst du dich etwa wirklich nicht mehr?“ Sterntaler erahnte diesen Albtraum nur und kämpfte derweil mit ihrem eigenen. Und wieder ließen sie sich dabei nicht los. Einfach so. Ihre Tränen vermischten sich auf ihrer Haut und lösten sich zwischen ihnen auf. Das Schauermärchen ging zu Ende. Einfach so. Das Gewitter hatte sich entlanden. Einfach so. Sie fürchteten sich vor gar nichts mehr. Und endlich auch wieder vor Allem.
„Du verlässt mich,
du verlässt mich nie:
True love anxiety.
Du verlässt mich,
du verlässt mich nie:
True love anxiety.“
(Von Wegen Lisbeth: Anxiety. 2025)
Als die Abendsonne wieder über der Altstadt lachte und die Albträume sich in die Berge zurückgezogen hatten, wo die Nacht bereits wieder tiefschwarz geworden war, saßen Sterntaler und der Munk noch kurz nebeneinander unter dem Dach eines großen Zirkuszeltes. Bis vor wenigen Momenten hatten sie nur darauf hoffen können, hier doch noch eingelassen zu werden. Aber weil sie zusammen gehofft hatten, hatte das Glasmännlein eine Stellvertreterin geschickt, Sonntagskinder hin oder her. Und tausenden Menschen um sie herum sah man ihr Glück ebenfalls an. Dann tanzten sie, einfach so, hielten sich, ließen sich los, hielten sich wieder. Als der massenhafte Tanz noch ein letztes Mal implodieren sollte, fragte der Munk Sterntaler, wie nah sie der Gefahr noch kommen wollten. Sie dachte nicht lange nach. Mittenrein. Nur nicht allein. Da gaben sie sich die Hand.
Sterntaler und der Munk sitzen ein letztes Mal auf der Mauer,
ihre Bahn zurück durch das Höllental fährt schon bald.
Sie waren auf Berge gestiegen,
hatten Täler durchschritten,
hatten sich dabei nicht einmal verlaufen,
waren angekommen,
waren immer weiter gelaufen
und hatten sogar kurz vor dem Ende doch noch getanzt.
Alles das ist nun eine Vergangenheit,
die sich anfühlt wie alle Zukunft,
wie Hände,
die sich nur verlassen,
um sich wieder zu finden.
Zurück zur Gegenwart,
Märchen geschehen,
aber eben nicht alle Tage;
sonst wären sie ja keine..
Es ist früher Nachmittag,
gerade hat es begonnen zur regnen.
Zum Glück,
denn eben wollte ich noch schreiben,
dass wir auch hier auf die nächste Dürre zusteuern,
weil es zwar wieder deutlich kühler
(max 20°C bis Freitag),
sogar ziemlich stürmisch,
aber eben furztrocken war.
Fragt mal die Rasenflächen
vor den Häusern
vor der Stadt.
Vor lauter Angst
habe ich schon ein ganz normales Sportflugzeug
für die „Gelbe Hexe“ gehalten,
unser regionales Waldbrandbekämpfungsmittel Nummer 1.
Aber noch erreichen uns die Horrormeldungen
nur aus dem Süden:
In Südfrankreich sind aktuell
ganze Regionen wegen Bränden evakuiert (besonders vor Bordeaux),
in der Mitte des Landes drohen in den nächsten Tagen
ortsweise bereits fast 50°C.
Um Madrid ist es ebenfalls „brenzlig“,
erstmals in der spanischen Landesgeschichte
wird der Notstand (wegen mehrerer Großbrände) ausgerufen.
Auch auf Sizilien brennen die dürren Wälder lichterloh,
und wir dürfen uns vor der nächsten Hitzewelle gruseln,
momentan bewegt sich der neue Hitzdom besonders auf Österreich zu,
wo bereits über 40°C gemessen werden.
Und schon wieder
hat es aufgehört zu regnen.
Deswegen zum Sport.
Die Fußball-WM ist seit einer Woche
schon wieder Geschichte.
Und die Welt hat schon wieder Angst
vor Deutschland.
Jürgen Klopp
ist seit Freitag
völlig überraschend
und auffallend geräuschlos
neuer Bundestrainer.
Spanien ist also nur noch vier Jahre Weltmeister.
So sagt man.
Caitlin Clark muss darauf
aber nur noch zwei Monate warten.
Gemeinsam mit Paige Bueckers
werden sie Berlin und den Rest der Welt
dann in großäugiges Erstaunen versetzen.
Nach ihrem Saisoncomeback (45 Punkte)
und drei Siegen in Folge mit den Fever,
sollten daran nur noch Unwissende zweifeln.
Die Basketballer (with balls)
ruhen sich im Moment noch aus,
aber zwei davon haben etwas mit den Los Angeles Lakers zu tun,
weswegen die Chronik nicht umhin kommt.
„Cream Abdul Jabbar“ aka Robbie Avila aka Sensation
ist tatsächlich ein Laker!
Die beste weiße Mannschaft aller Zeiten!
In Los Angeles!
Und von denen kann nicht mal wer springen!
Der King gegenhin
wechselt dann also doch noch mal.
Und zwar,
… ,
nach Philadelphia!
Wenn das mal keine historischen Finals wären!
Genug.
Über die Angst
ist immer noch nicht genug geschrieben.
Denn für alle,
die vor lauter Urlaubslaune
und Katastropheneskapismus
schon wieder mal kurz davor waren,
die Umstände mal wieder fast zu akzeptieren,
sie vielleicht sogar gar nicht soo schlimm zu finden,
ereignete sich gestern Abend
der nächste Zwischenfall im Betriebsablauf:
Ein islamistischer Terrorist
tötet mit einem Auto
eine Frau
auf dem Christopher Street Day in Berlin,
ein halbes dutzend weitere Menschen verletzt er schwer,
einige schweben zur Zeit noch in Lebensgefahr.
Die AfD braucht die Tragödie
nicht mal mehr auszuschlachten.
Und dabei lief es doch so gut.
Die Kabinettsumbildung der Regierung
ging beinahe geräuscharm von statten.
Keiner hatte größere Probleme
mit den bekannten Gesichtern;
bloß nicht noch eine Debatte!
Die Vorsitzende der Frauen Union,
Nina Warken,
wird erste Beraterin des Kanzlers
und Thorsten Frei
berät jetzt hauptsächlich die CDU-Bundestagsfraktion
als deren Vorsitzender,
Als Gesundheitsminister folgt auf Frau Warken
dann Carsten Linnemann,
der sich ab jetzt endlich
staatstragend („demütig“) benehmen darf.
Auch der Einzug ins Kanzleramt
von Philip Amthor, als Staatsminister für irgendwas,
regt keinen groß auf.
Neue CDU-Generalsekretärin
(also potenzielle Kanzlerkandidatin)
ist übrigens auch eine Frau,
nämlich Franziska Hoppermann,
die bis eben noch auf den Schatz aufgepasst hat.
Friedrich!,
kannst du also doch ein bisschen Krise.
Personalmanagement sollte ein Lehrberuf sein.
Und auch im UK
bleibt das Personalrad niemals mehr stehen:
Andy Burham,
eben noch Oberbürgermeister von Manchester,
heißt der nächste,
der es sich in der Downing Street
gemütlich machen darf.
Wirklich Grund zur Angst
haben aber wenigstens
endlich die Gebrüder Tate.
Ohne diesen Arschlochpuristen
zu viel Platz einräumen zu wollen,
will ich wenigstens festhalten,
wie sehr mich die x-te Verhaftung
dieser Vorzeigemodelle der toxischen Maskulinität
dann doch hoffnungsfroh stimmt.
Vielleicht müssen wir uns wenigstens
davor bald nicht mehr ganz so sehr fürchten.
Kommen wir schließlich
schlussendlich (für heute)
zum Schluss:
Während draußen,
Tatütata, die Feuerwehr,
dem Unwetter getrotzt wird,
ziehen die dunklen Wolken
wie im Herbst über das Land
und verstecken die vielen Drohungen
in den Schatten auf den frisch errichteten Wahlwerbewänden.
Von viel zu vielen davon
grinst Ulrich Siegmund,
der am Freitag von nur noch 60 Demokratieverteidiger*innen
nicht mehr daran gehindert werden konnte,
seinen Siegeszug zum Brocken zu inszenieren.
„Es beginnt hier“ –
wenn ihm das mal nicht der Teufel gesagt hat.
In diesem Sinne,
die Pause ist vorbei.
Noch fünf Episoden.
Dann beginnt der Deutsche Herbst 2026.
Ein Traum von einem Albtraum.
Noch fünf Episoden.
Haben wir noch Angst genug?

0 Kommentare