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Anti Fa Fitna (S14:Ep15)

von | 2026 | 13. September | Die Serie, Staffel 14 - Flipping The Script

Bild: Draußen vor der Tür.

 

 

So,
die erste Woche im ernst gemeinten
(weil unbedingt notwenigen) Widerstand
war eigentlich dann doch
noch recht entspannt;
aber bis zum 6. Oktober,
dem nächsten Tag X der Demokratie,
wenn der
in der Mitte durchgehackte
Landtag zusammentreten muss,
sind es keine vier Wochen mehr;
wie sehr ich diesen Dauerwahlkampf doch verachte.
Es scheint so
als wäre nichts mehr
nicht mit Politik aufgeladen,
und als wäre der Rückfall
nicht mehr nur ein Buch
von einem,
der es gut mit uns meint.
Und es kann auch kein Zufall sein,
dass die finale Staffel von „Babylon Berlin“
ausgerechnet in dieser Woche beginnt;
vor lauter Gleichklang der Geschichte
bimmeln mir nur noch die Ohren.
Kann es sein,
dass diese Zwanziger hier
die letzten Zwanziger hier
schon durchgespielt haben?
Haben wir also
nicht mal mehr drei Jahre Zeit,
um den Durchbruch des Faschismus
dieses Mal
doch irgendwie
noch zu verhindern?

Fürs Erste jedoch
sorgen sich die Hoteliers am Quedlinburger Markt,
in allen Gassen drumherum
und bis weit hinter das Schloss hinaus
über eine anrollende Stornierungswelle,
das Weltkulturerbe liegt nämlich dummerweise
nur wenige Fußstunden vor
der Festung Harz.
Die Stadt schüttet schnell
ein paar Fugen im Kopfsteinpflaster zu;
Stolpersteine haben so etwas unangenehmes.
Aber außer ein paar Männergruppen (alt, weiß) mehr,
die sich den einen Tick zu laut
in den herbstlichen Cafés
über die Lage des Landes austauschen,
scheint der Faschismus
noch in seinen Löchern zu warten.

 

 

Vibeshift in S-A
(Hidden Story)

 

„Schon krass, wie sich alles verschiebt.“

(AMK. 2013)

 

Der Brillenträger schob Szenen und Sätze in seinem Kopf hin und her als er sich am Bernburger Kreuz zum x-ten Mal verfuhr. Noch passten sie nicht aneinander. Egal wie er die einzelnen Gedanken übereinander legte, immer blieben die Ränder unscharf. Das was er sah, sah noch genauso aus wie letzte Woche, aber das was er jetzt sah, fühlte sich einfach anders an als letzte Woche. Vor einer Viertelstunde, noch weiter hinten im Hinterland, war er unter einer besetzten Brücke durchgefahren: Vier Mopeds, zwei Autos, drei Deutschlandfahnen (alle mit Frakturaufschriften), eine Reichsflagge, ein Dutzend zum Gruß ausgestreckte rechte Arme. Bis vor einer knappen Woche hätte der Brillenträger leise in sich hinein gelacht: Gut, zehn Typen, jeder zwei Bier zu viel, wedeln nach Feierabend mit ihren Fahnen rum; peinlich, aber egal. Egal fühlte sich dieses Bild aber seit dieser Woche nicht mehr an. Er war kurz nach diesem Anblick auf den nächsten Parkplatz ausgeschert und musste tief durchatmen, ganz tief, ein, aus, tief einatmen, tief ausatmen: Alles nich so tief. Lasst diese Typen doch ihr Re-Enactment durchziehen, wenn es denen reichte, endlich wieder ungestört auf Brücken rumzuwedeln, lasst sie doch, vielleicht machten sie dann wenigstens keinen anderen Scheiß. Nur würde ihnen das eben nicht reichen. Nicht mehr. Nicht in Sachsen-Anhalt. Nicht im Deutschen Herbst. Keine vier Wochen mehr.
Die beiden Zusatzschleifen, die er drehte als er in Sachsen angekommen war, machten ihm wenig aus; so eine Flucht für einen Abend konnte selten ausgiebiger gewesen sein. Und trotzdem hatten sie vor dem Konzert noch Zeit für Essen, Bier und Uhrenvergleich. Ihr Alter winkten sie mit zwei Sätzen durch, dann sprachen sie über sich, ihre Familien, ihre gemeinsamen Freunde, über ihre Arbeit, über ihre Heimat. Und über Sachsen-Anhalt; nicht mehr als über alles andere.
Ihre Sitzplätze in der Arena hätten nur dann bessere sein können, wären es Stehplätze gewesen. Aber auch die Karten für die Zusatzshow waren schneller weg gewesen als Henning Mays Halsschlagader anschwillt, wenn er mit 12.000 Menschen gemeinsam „Es tut mir leid, …“ singt. Der Vibe in der Arena war über zwei Stunden wie Balsam auf seiner geschundenen Seele, wollte der Brillenträger denken, denn es fühlte sich tatsächlich so an. Schon krass, wenn Menschen, die zehn Jahre jünger sind, unironisch Nostalgie verwenden konnten, damit so ein Abend werden konnte, was er schon immer werden sollte. Schön. Normal. Ohne die AfD in Regierungsverantwortung. Wie hier gerade, in Sachsen.
Die gesamte Rückfahrt durch die angebrochene Nacht, der untergegangenen Sonne hinterher, versuchte der Brillenträger einen Platz für dieses mulmige Gefühl zu finden, dass ihn hinter Halle bereits wieder erwartete. Den symbolischen, schweren Verkehrsunfall (Vollsperrung, Kran) auf der Gegenseite nahm er nur noch mit einem Grummeln war. Er fuhr zu schnell. Fuhr voll rein. Die Festung Harz lag schwarz vor ihm. Und mittendrin stand ein rotes Haus.

 

Und damit seid auch Ihr
auf’s Herzlichste willkommen
zurück im Landkreis Harz,
eine Woche nach dem großen Knall.
Haltet Euch die Ohren zu
so viel ihr wollt:
„Liebe Bürgerinnen und Bürger
der Stadt Thale und deren Ortsteile,
das jährliche Bürgerfrühstück
findet am 13.09.2026 ab 10:00 Uhr im Thalenser Klubhaus statt
und wir sind erneut dabei.
Die AfD-Fraktion der Stadt Thale
möchte die Gelegenheit nutzen,
um Sie besser kennenzulernen.
Kommen Sie vorbei,
für das leibliche Wohl wird gesorgt.
Es grüßt Sie herzlichst die
AfD-Fraktion Thale.“
Wohl bekomm’s!
Der Landrat, ehemals Bürgermeister der Perle des Bodetals,
hält maximal nüchtern dagegen
und übernimmt erst im Nachgang
das Narrativ:
„Bereits zum 13. Mal
fand heute Vormittag
das Bürgerfrühstück der Bürgerstiftung Thale statt.
Auch dieses Bürgerfrühstück fand großen Anklang.
25 Tische von 20 Vereinen und Institutionen wurden angemietet.
Die Erlöse fließen zu 100%
in die gemeinnützigen Projekte der Stiftung.
Der Stiftungsrat unterstützt durch eine Förderung
in diesem Jahr den ASB in Thale,
die „Freunde Stecklenberg“ für einen Kletterparkour
und den SV Grün-Weiß Friedrichsbrunn
zur Anschaffung eines Loipenspurgerätes.
Die Bürgerstiftung Thale möchte dabei
das ehrenamtliche Engagement der Vereine unterstützen.
Recht herzlichen Dank für dieses Engagement.
Recht herzlichen Dank dem Team vom Klubhaus Thale
für die tolle Gastfreundschaft.
Im Harz gibt es immer etwas Neues.“
Genau,
nämlich Gastfreundschaft
für Faschos;
es sei auch dahingestellt,
wie neu diese dann ist.

Bleiben wir noch kurz in Thale,
denn auch da wurde in der ersten Woche
unter Ulrich Siegmund
(der gerade die Verantwortung für eine Regierungsbildung trägt)
die „Bewegung“ noch mal richtig mitgenommen:
Für wie dumm diese Partei ihre Wähler hält,
zeigt sich auch in Thale besonders schnell,
denn alle Wahlplakate waren spätestens am Mittwoch abgehängt,
und zwar von der „Bewegung“ selbst,
Devotionaliensammeln für Anfänger.

Bester Laune ist die braune Brut
natürlich auch im Rest des Landes.
Nur ein einziger Wahlkreis
wurde nicht von der AfD gewonnen,
tatsächlich das Paulusviertel,
alle anderen 39 Direktkandidaten
(davon genau zwei Frauen)
treffen sich dann am Donnerstag in Magdeburg,
aber dazu später mehr.
Denn zunächst muss die AfD
das internationale Medienecho
(unisono:
„Die erste Rechtsaußenpartei
seit dem Zweiten Weltkrieg“)
wegfeiern.
So wie Hanns-Thomas Tillschneider:
„Liebe Freunde,
die Stimmen sind auch im Wahlkreis 32 ausgezählt,
das Ergebnis steht fest.
18617 Bürger haben mir die Aufgabe übertragen,
ihre Interessen im Landtag zu vertreten.
Das ist die höchste Anzahl an Erststimmen,
die je ein AfD-Kandidat in Sachsen-Anhalt errungen hat!
Dieses Ergebnis bestätigt mich in meinem Kurs,
unsere Standpunkte klar und deutlich auszusprechen.
Dafür wurde ich gewählt,
und das werde ich weiter tun:
Eine laute Stimme
für die Interessen unserer Bürger sein,
in Allstedt,
An der Finne,
Bad Lauchstädt,
Mücheln,
Querfurt,
Weida-Land
und weit darüber hinaus.“
„Interessen“ sind die „neue“ Ideologie.

Stand heute
herrscht in Sachsen-Anhalt
jedenfalls immer noch
Patt.
Noch mehr Spaltung
in der Provinz
aber erst später.

 

Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 232 (Nachtrag) und 233.
Vom Durchbruch immer nur einen Tag entfernt. Montag: Die Raketenangriffe auf Kiew werden fortgesetzt. Dienstag: Siehe gestern, mindestens 12 Menschen sterben. Mittwoch: Die Bundesregierung bestätigt die Herkunft der letzte Woche gefundenen Drohne am Leipziger Flughafen: Russland. Neue Sanktionen werden angekündigt. Putin sieht darin einen „schweren Fehler“. Donnerstag: Erneute Berichte über breite Fahnenflucht in der Ukraine kursieren. Freitag: US-Präsident Donald Trump fordert von den europäischen Staaten die Rückzahlung von Ukraine-Hilfen, die während der Amtszeit seines Vorgängers Joe Biden getätigt wurden („hunderte Milliarden“). Die Zentrale des ukrainischen Geheimdienst in Kiew wird getroffen. Samstag: Kushner und Witkoff reisen ins Kriegsgebiet, nicht nur nach Moskau, sondern wohl auch ein erstes Mal nach Kiew. Sonntag: Kein Durchbruch in Kiew. Montag: Wittkoff und Kushner reisen selbstzufrieden wieder ab. Dienstag: Die Raketenaungriffe werden fortgesetzt. Pistorius verspricht mehr Waffen. Trump und Putin telefonieren. Mittwoch: Kiew und Mykojaliw werden von Raketen getroffen. Donnerstag: Bei einem Angriff auf einen Supermarkt in Sumy sterben zwei Menschen. Momentan sterben jeden Tag so viele Zivilisten wie zu Beginn des Krieges. Freitag: In Pawlohrad sterben fünf Menschen, wieder wird ein Einkaufszentrum getroffen. Samstag: Nichts Neues. Sonntag: Nichts Neues.

 

In Other Wars:
„Erste Gerüchte gab es bereits im Frühling dieses Jahres.
Jetzt ist es fix.
Volkswagen verkauft sein Werk am Standort Osnabrück
an das Bundesland Niedersachsen
und den israelischen Finanzinvestor Aurelius Capital,
wie der deutsche Autobauer am Montag verkündet.
Das Brisante daran:
Nach 125 Jahren als Standort für VW-Cabriolets
könnten dort bereits ab nächstem Jahr Rüstungsgüter
vom Band laufen.
Bereits seit 2024 ist klar,
dass VW die Autoproduktion in Osnabrück
bis 2027 einstellen wird.
Mit dem Schritt sollen nun der Standort
und seine rund 2000 Arbeitsplätze gerettet werden.
„Volkswagen steht zu seiner Verantwortung für Osnabrück.
Mit der heutigen Vereinbarung
gehen wir einen wichtigen Schritt,
um dem Standort eine neue industrielle Zukunft zu eröffnen»,
erklärt VW-Chef Oliver Blume.
Ab nächstem Jahr produzieren die Werksarbeiter in Osnabrück
also nicht mehr für Volkswagen
– sondern für den israelischen Rüstungskonzern Rafael.
Denn das Bundesland Niedersachsen und Aurelius
planen mit der Waffenschmiede
«ein Ankerprojekt im Bereich Luftverteidigung»,
wie es in der VW-Mitteilung heisst.
Rafael stellt massgebliche Komponenten
für das Luftverteidigungssystem Iron Dome her.“
Apropos Israel:
„Dass Israels Premier Netanjahu Warnungen
vor dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023
ignoriert haben soll,
war bereits bekannt.
Nun erreicht der Vorwurf
durch eine brisante Enthüllung
eine neue Dimension
– und das kurz vor der Wahl.
45 Minuten lang soll der Präsident der VAE,
Mohammed bin Zayed,
Ende September 2023
mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu
telefoniert haben.
Eindringlich habe er in dem Gespräch
vor einem bevorstehenden Großangriff der Hamas
gewarnt.“
Und Ihr werdet nicht drauf kommen,
wie Bibi darauf reagiert hat:
Er will die „Haaretz“
für diese Berichterstattung verklagen.

In Other Wars
zeigen Satellitenbilder,
wie dichter Rauch aufsteigt
von Ölanlagen im Südwesten Saudi-Arabiens.
Die jemenitischen Huthi
reklamieren die Angriffe mit Drohnen und Raketen für sich.
Die Schläge seien eine Antwort
auf saudische Angriffe in den vergangenen Tagen,
behauptet ein Militärsprecher der Huthi:
„Dabei wurden schwere Verbrechen begangen,
zuletzt ein Angriff auf das Gefängnis in der Stadt Al-Hazm
– bei dem Insassen getötet wurden,
außerdem Frauen und Kinder,
die zu Besuch waren.
Dies geschah in dem Bestreben,
unser Land zu besetzen
und unser Volk zu töten.“
Am Donnerstag
nehmen die Huthis
Mokka ein.

In Other Wars
hat die Iranische Revolutionsgarde (IRGC)
nach eigenen Angaben
erneut mehrere Schiffe
in der Region der Straße von Hormus angegriffen.
In Vergeltung für US-Angriffe
auf fünf iranische Tanker
habe man Schiffe der USA
sowie Öltanker und Frachter beschossen,
die gegen iranische Regeln
zur Schifffahrt in der Meerenge verstoßen hätten.
Das US-Militär zerstörte
nach eigenen Angaben
als Vergeltung für Teherans Angriffe
auf ein US-Kriegsschiff
fünf iranische Rohöltanker
und versenkte einen davon.
Die Besatzungsmitglieder seien zuvor aufgefordert worden,
die Schiffe zu verlassen,
teilte das US-Regionalkommando Centcom
auf der Plattform X mit.

Und damit zu Elon Musk.
Denn der macht sich mal wieder
bei den falschen beliebt,
also immer bei den gleichen.
Ganz tief unten in seiner Kloake
drückt er seine „Meinung“ raus:
Die AfD ist nicht far right!
Wahrscheinlich sind das eher Sozialisten,
die damals gegen Hitler gekämpft hätten.
Die Antwort der AfD:
Musk ist geil.

Aber zurück zum Wesentlichen:
Ulrich Siegmund hat Bedingungen dafür aufgestellt,
dass er sich für die Wahl
eines Ministerpräsidenten in Magdeburg aufstellt.
„Selbstverständlich
trete ich als Ministerpräsidentenkandidat
in Sachsen-Anhalt an,
wenn es sich abzeichnet,
dass ich eine stabile Mehrheit
auf den Weg gebracht habe“, sagt er.
Das sei derzeit aber noch nicht absehbar.
„Deswegen ist es jetzt unser Anspruch,
genau diese stabile Mehrheit
in den nächsten Tagen und Wochen
zu organisieren.“
Organisieren will er die,
ganz genau.
Nur kurz zuvor hat BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze
im Deutschlandfunk betont,
die BSW sei dazu bereit,
einem AfD-Ministerpräsidenten im Landtag
durch Enthaltungen ins Amt zu verhelfen.

Nach dem „Blauen Wunder“ von Magdeburg
nehmen aber auch die Spekulationen
über mögliche CDU-Überläufer zur AfD schnell zu.
Siegmund befeuert noch am Wahlabend
im RTL-Interview die Spekulationen erneut.
Er erklärt, für eine Regierungsmehrheit müssten
„es ja nicht immer eine ganze Fraktion sein.
Vielleicht sind es ja auch einzelne Abgeordnete.“
Festlegen wollte er sich auf CDU-Überläufer aber nicht.
Zu niemandes Überraschung
macht hier in den Gassen des Weltkulturerbes
sofort ein Name die Runde,
aber Ulrich Thomas
lässt die Woche nicht vergehen,
ohne sich davon massiv zu distanzieren.

Während dann über alle Lager hinweg
über eine ominöse Expertenregierung
mit wechselnden Mehrheiten
schwadroniert wird,
kommt sich Ulrich
auf seiner ersten BPK nach dem Sieg
bei gar nichts mehr zu blöd vor
und tut so als ob er Tilo Jung nicht kennen würde,
als der ihn mit den Wahlergebnissen
von 1932 konfrontiert.

Dann endlich
mischt sich der Kanzler
in den Diskurs ein:
Die Mütter und Väter des Grundgesetzes
hätten aus dem Scheitern der Weimarer Republik gelernt.
Die Regierung sei fest entschlossen,
die parlamentarische Ordnung zu schützen.
„Wenn es nötig ist,
können wir das.
Und ich möchte für die Bundesregierung sagen,
und ich denke, ich darf das auch
in aller Ihrer Namen sagen:
Wir werden das auch tun.“
Details lässt er dabei zunächst bewusst aus.
Aber:
Nach diesem historischen Erfolg der AfD
bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
stellt er damit ein Instrument in den Raum,
das in der Geschichte der Bundesrepublik
noch nie angewendet wurde:
den Bundeszwang nach Artikel 37 des Grundgesetzes.
Der Bundeszwang ist eigentlich
eine verfassungsrechtliche Notfallmaßnahme.
Er erlaubt es der Bundesregierung
– mit Zustimmung des Bundesrates -,
ein Bundesland durch Zwangsmittel
dazu anzuhalten,
seine gesetzlichen Pflichten zu erfüllen.
Der Bund erhält dadurch
ein direktes Durchgriffs- und Weisungsrecht
gegenüber den Behörden und Beamten
des betroffenen Landes.
In letzter Konsequenz könnte Berlin
die Landesverwaltung faktisch übergehen
und eigene Anweisungen vor Ort durchsetzen.
Oder meinte der Kanzler
etwa gar ein Parteiverbotsverfahren?
Nein, aber
das macht dann Hendrik Wüst.
Für alle, die noch mal alle Gründe lesen möchten,
legt das ZPS am selben Tag
noch mal die Beweisliste vor.

Unterdessen geht unter AfD-Wählern
die Verschwörungsterzählung um,
dass die da oben
die Briefwahl-Ergebnisse so manipuliert hätten,
dass die AfD nicht
die absolute Mehrheit erreicht hat.
Lassen wir dabei mal außen vor,
dass die AfD selbst explizit dazu aufgerufen hatte,
nicht per Briefwahl zu wählen,
so lautet die Theorie also,
dass die da oben
dazu in der Lage sind,
eine Briefwahl ohne jegliche Hinweise
auf eine Manipulation
zu fälschen,
sämtliche Mitwisser zum Stillschweigen zu bringen,
die cleveren Wahlbeobachter der AfD hinters Licht zu führen,
aber zu blöde sind,
den Rest der Wahl
in ihrem Sinne zu arrangieren.

Erste Ergebnisse dieses vergammelten Spaltpilzmoves
fliegen dann der ersten Antifa-Demo in Halle um die Ohren:
Wie zum Hobby
wird da mit einem Luftgewehr
auf Menschen geschossen.

Die CDU-Landtagsfraktion
macht erstmal schlicht weiter
und wählt den noch amtierenden
Ministerpräsident Sven Schulze
zu ihrem neuen Vorsitzenden.
Schulze setzt sich am Dienstag
mit acht zu sieben Stimmen
gegen den bisherigen Fraktionschef Guido Heuer durch.

Das hält die AfD aber natürlich nicht mehr davon ab,
allen Parteien,
die künftig im Landtag von Sachsen-Anhalt vertreten sein werden,
Sondierungsgespräche anzubieten.
Dies gibt der parlamentarische Staatssekretär der Partei,
Tobias Rausch,
im mdr bekannt.
Als mögliche Partner für solche Gespräche
nannte er ausdrücklich die CDU
und die BSW.

Um von dieser Scheißigkeit abzulenken,
übernimmt AfD-Frohnmaier
kurz die Aufmerksamkeit
von Restdeutschland.
„Und dann wird es interessant.
Frohnmaier sagt:
„Ich hatte,
das dürfte Sie überraschen,
einen syrischen Mitarbeiter
jahrelang im Deutschen Bundestag beschäftigt.
Der kam aus Aleppo,
der hat seinen Teil hier beigetragen
und großartig gearbeitet.
Er hat sich legal in Deutschland aufgehalten.“
Das war die Antwort auf die Frage Klamroths,
was er, Frohnmaier,
denn dazu sage,
wenn Menschen wie Aras Badr
und viele andere mit Migrationsgeschichte
jetzt Sorge, sogar Ängste haben
in Sachsen-Anhalt.
Der „syrische Mitarbeiter“
sollte wohl irgendwie,
ja, was?
Beruhigen?
Dann kläre ich gerne mal auf,
von welchem syrischen Mitarbeiter
Frohnmaier hier sprach.
Es ist Kevork Almassian,
ein syrischer Christ mit armenischen Wurzeln.
2015 war er auf dem Höhepunkt der Fluchtbewegungen
mit einem Visum in die Schweiz geflogen
und von dort nach Deutschland gereist,
um schließlich in Freiburg
Asyl zu beantragen.
Asyl?
Es ist nicht ganz klar,
warum er das beantragt hat,
denn verfolgt wurde er in Syrien nicht.
Im Gegenteil:
Almassian ist bekennender Assad-Anhänger,
bis heute,
verteidigt auf Social Media
und seinem, nun ja, Informationsdienst „Syriana Analysis“
auf YouTube
das ehemalige syrische Regime,
diskreditiert sämtliche syrischen Geflüchtete,
die vor Assad und dem Krieg geflohen sind,
als Terroristen und Islamisten
und als eine Gefahr für Deutschland.
Die syrische Revolution seit 2011
sieht er als eine Verschwörung von „westlichen Imperialisten“,
die einen Regime-Change wollten.
Berichte von Menschenrechtsorganisationen
wie z.B. von Amnesty International
und Human Righst Watch
über massenhafte Hinrichtungen
und schwere Folter im Assad-Regime
bezeichnet Almassian als Fake-News und Propaganda.
Kevork Almassian scheint noch immer
in Deutschland zu leben.
2016 war er als Geflüchteter anerkannt,
2021 hat aber das BAMF ihm den Schutzstatus entzogen.
Soviel zur Aussage Frohnmaiers,
Almassian sei legal in Deutschland.
Kennengelernt haben sie sich übrigens
bei einer Konferenz prorussischer Separatisten im Donbass.
Almassian ist damit der Kronzeuge
und das Feigenblatt der AfD
für ihre rassistische und flüchtlingsfeindliche Politik.
Und so präsentierte Frohnmaier
gestern bei „hart aber fair“
grinsend mit Wattewolken-Worten
einen Mann,
der einen Diktator und Kriegsverbrecher verherrlicht
und bis heute verteidigt,
vor dem der Syrer Aras Badr geflohen ist.“
(Lutz Jäkel)

Aber sowas nur nebenbei,
denn es geht in die vollen,
mittwochs ist Generaldebatte:
AfD-Chefin Alice Weidel
und CDU-Chef und Kanzler Friedrich Merz
liefern sich ein Rededuell,
und was für eins.
Begleitet von massiven Zwischenrufen von den Abgeordnetenbänken
ist die Stimmung im Bundestag aufgeheizt,
und der Lärmpegel ist hoch
als Merz nach Weidel
ans Rednerpult tritt.
„Sie sind eine destruktive Kraft.“
Die AfD habe in Sachsen-Anhalt
nicht die absolute Mehrheit erzielt.
„Nirgendwo in Deutschland
werden Sie mit dieser Politik
die Mehrheit bekommen.“

Und das ist noch lange nicht alles,
denn nur einen Tag nach dieser Debatte
denkt AfD-Brandtner das hier äußern zu müssen;
Anlass ist die Rede des Bundeskanzlers,
in der er der AfD-Fraktion auch vorgeworfen hat,
sie propagiere „Remigration“,
was „nichts anderes“ sei
„als eine ethnische Säuberung
nach Hautfarbe und Herkunft“.
Brandtner schäumt,
das soll er auch:
„Friedrich Merz hat mit seiner Rede
mal wieder eine Grenze überschritten,
diesmal jedoch strafrechtlich relevant.
Seine haltlosen und widerwärtigen Äußerungen,
mit denen er unsere Bundestagsfraktion
und jedes einzelne Mitglied
in den Dreck ziehen will,
sind vollkommen inakzeptabel
und auch justiziabel.
Die Unterstellung,
die AfD-Fraktion
– die fest auf dem Boden des Grundgesetzes steht –
setze sich für ethnische Säuberungen,
also in letzter Konsequenz für Vertreibungen und Morde, ein,
ist so eindeutig,
dass hier die Justiz tätig werden muss.
Die Äußerung des Kanzlers ist auch nicht
etwa von der Indemnität gedeckt,
denn es handelt sich nach unserer Auffassung
um verleumderische Beleidigungen,
die sich nicht nur
gegen jedes einzelne Mitglied der #AfD-Fraktion richten,
sondern letztlich auch
politisch
gegen Millionen Bürger.“

Und weil der Spalzpilz gerade so wunderlich gedeiht,
schiebt der Uli höchstpersönlich
die dickste benutzbare Berta
ins mediale Kanonenrohr:
Die AfD verschließe sich nicht
vor einer Rüstungsansiedlung
in Sachsen-Anhalt.
Schließlich könne man die „Rüstungsgüter“
auch für die große „Remigrationsaoffensive“
als „Hilfmittel“ brauchen.
Wegen Innerer Sicherheit.
Und Landesverteidigung.
Der Siggi stinkt nach Kriegslüsternheit.
Und das alles sagt er nicht unbewusst
am Vorabend des 11. Septembers,
wohlwissend, dass am nächsten Tag
kaum genug Platz in den Nachrichten ist
für so eine Bürgerkriegsansage.

Aber,
das findet nicht nur
sogar das Compact-Magazin scheiße
(kündigt ein (klärendes) Interview an),
sondern das Entsetzen ist tatsächlich groß.
Aber, auch das ist einkalkuliert.
Fabio de Massi und das BSW gehen noch mal auf Distanz,
der Uli wolle ja gar nicht regieren.
Ach?!
Was will er dann?
Doch nicht etwa Zwietracht säen?
Hat er im Geschichts- und Politikunterricht
am Institut für Staatskunst in Schnellroda
also doch richtig aufgepasst?
Ist er also doch ein Verfassungsfeind?
Und ein Faschist?
Nach eigener Selbstaussage
anscheinend schon.

Die Antifa kriegt derweil ein neues Gesicht im Bundestag,
was aber natürlich im Bürgerkriegsgebell untergeht.
Die Abgeordenete Köktürk fängt sich einen dicken Ordnungsruf
während der Redezeit der AfD in der Haushaltsdebatte.
AfD-Politiker René Springer hatte Asylsuchenden vorgeworfen,
den Sozialstaat zu missbrauchen.
Köktürk ruft dazwischen:
„Das ist rassistische Scheiße!“ – Rede.

Und als sich dann auch noch
Hans Georg Maaßen
als Innenminister von Sachsen-Anhalt
zur Verfügung stellt,
geht das BSW den nächsten Schritt zurück,
ethnische Säuberungen,
organisiert von einem Mann mit viel zu kleiner Brille;
vielleicht doch zu auffällig.
Stattdessen werden auf Social Media
einfach schon mal Fakten geschaffen:
Getreu den Lehren des Trumpismus
werden die Bilder
des Demokratiefestes am letzten Wochenende
als Siegerparty der AfD verkauft.
Schweine können nicht so dumm sein.
Immerhin aber
sucht die Harzer CDU
nach dem Debakel bei der Landtagswahl
einen Weg zurück zur alten Stärke.
Kreischef Ulrich Thomas kündigt Veränderungen an,
weist Spekulationen über eine Zusammenarbeit mit der AfD
jedoch entschieden zurück.
Stabil, Ulrich, stabil.

Aber wann kümmert sich mal wer darum,
wenn Fußball-C-Jugend-Jungs
festgehalten und geohrfeigt werden,
wenn sie Ulrich Siegmund scheiße finden?
Die 90er waren
also tatsächlich und schlussunendlich
nicht das Ende der Geschichte,
sondern eben nur ihr Umkehrpunkt,
in dem wir aber
bis zum Ausbruch des Dritten
noch festhängen werden.
Aber das sind ja nur
noch ein paar Jahre.

Und morgen ist wieder Schule.
Deswegen halte ich
den Schluss der Episode kurz,
das Abendbrot verpasse ich eh schon;
scheiß Hausaufgaben;
wegen Gründen.

Denn abseits des politischen Albtraums,
bricht sich noch ein anderer bahn:
Deutschland erwacht
zum nächsten Pisaschock.
Rechnen, Lesen, Verstehen –
so schlecht wie nie.
Das ist zwar eine Erklärung
für das Wiedererstarken des Faschismus,
aber immerhin sind wir nicht allein
und liegen im weltweiten Trend,
… oh wait.
So richtig abwärts
geht es übrigens schon
seit 2015,
und da hatte noch keine Pandemie
die Kinder an die Schwarzen Bildschirme gefesselt…

Bevor ich aber noch ein Stündchen
mit Stift und Papier arbeite,
hier also noch
eine beinahe schon vernachlässigte Rubrik,
was aber mich zumindest
gar nicht stört.

Trump
darf doch nicht mit Merz telefonieren.
Trump
verspricht jedem Wähler
5.000 Dollar cash.
Vance
stellt fest:
Dems sind
„Partei des Hasses“.
Trump
verspricht das Ende des Iran-Kriegs
einen Tag nach den Mid-Terms.
Trump
ist zum 25. Jahrestag von 9/11
nicht eingeladen;
gegen NYC Mayor Mamdanis Teilnahme
läuft eine rassistische Petition.
Der wiederum
ist die Speerspitze der sozialistischen Revolution.
Und diese ist in ihre nächste Phase eingetreten:
Nach Woke 1 (identity)
kommt jetzt Woke 2 (class).
Karl Marx
hungert, raucht und schreibt
dieses Mal
in Manhattan.

Den besten Witz der US-Woche
landet aber South Park.
Sorry,
not sorry,
aber das heißt
ab sofort
„South America“.
Das könnte tatsächlich reichen,
um
Trump
zufriedenzustellen.

Gut,
bei all der Dramatik
geht nebenbei
auch noch
völlig unter,
dass ausgerechnet in Berlin
zur Stunde die diesjährige
Basketballweltmeisterschaft
zu Ende geht.
Und zwar mit wenig überraschendem Ausgang:
Im Finale treffen Frankreich und die USA aufeinander.
Breanna Stewart schreibt weiter Geschichte
(all time international scoring leader bei WM-Turnieren),
Paige, Caitlin und Angel
sind die beste Bank aller Zeiten
und noch eine Spielerin
bewirbt sich für die Hall of Fame:
„No basketball player on Earth
owns
a high school state championship,
NCAA championship,
WNBA title,
Olympic 5-on-5
& Olympic 3×3 gold medals,
plus a World Cup title.
Jackie Young is working to change that
in Berlin.“

In Quedlinburg
war es heute
den ganzen Tag gritzegrau,
die Sonnenminuten waren an einer Hand abzuzählen;
die Stimmung schlägt aufs Wetter.
Unsere Influencerin trägt die Herbstmode auf
und stellt gespielt nicht ernüchtert fest:
Alle sagen immer,
es sei so schön hier.
Aber unter diesem Himmel,
abgetrennt vom Rest der Republik,
will nicht mal mehr
die Enthüllung des „Wendedenkmals“
versöhnlich stimmen.
Die Bronzestatuen liegen
noch 20 Tage verhüllt am Mühlgraben.
Unter den Planen
gedeiht der Pilz.

In diesem Sinne,
bis nächste Woche,
auch diese Staffel
geht zu Ende.
Siamo tutti
Anti Fitnaschisti!

 

Here Comes The Unfuckening!
Aus dem Tagebuch irgendwelcher Millenials 6

sonntag, 13. september:
– schnitzelbrötchen zum frühstück
– engel und orgelmusik
unter einem kirchendach
voller Fledermäuse
– rosen angebunden, kaum gestochen worden
– hausaufgaben statt abendbrot
– gemeinsam einschlafen,
montag ist erst morgen,
jeder tag ist eine erfolgreiche
und leicht bestandene prüfung,
eigentlich aber nur
noch ein schöner tag

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