„Ich bin ein ‚vaterlandsloser Geselle‘,
der sich schon seit jungen Jahren
nicht dem Land zugehörig fühlt,
in dem er zufällig geboren wurde,
sondern der ganzen Welt.“
(Herbert Feuerstein)
Wieder ein Sisyphos des Humanismus,
der das Handtuch geschmissen hat:
Ohne ihn wäre Harald Schmidt
nur ein weiterer grantelnder Intellektueller gewesen,
und noch heute frage ich mich,
warum die damalige Late Night eigentlich nicht
„Feuerstein“ hieß.
Diese Woche war das Handtuchwerfen
von Berühmtheiten
mal wieder schwer angesagt:
Bei jedem Blick in den schwarzen Spiegel
der nächste Name, das nächste Gesicht,
die nächsten Tonnen von Vermächtnis.
Und zwischendrin sogar
fast so was wie Leichtigkeit:
Johnny „I can see clearly now“ Nash
hörte ebenfalls auf,
den Stein wieder und wieder
den Berg hochzurollen.
Ein funktionierender,
demokratischer Rechtsstaat allerdings
schafft es dann und wann
aber doch mal bis ganz oben:
In Athen jubelten heute abertausende
nach dem Urteil
über die „Goldene Morgenröte“:
Bildung einer kriminellen Vereinigung,
versuchter Mord, Mord.
Insgesamt über 60 Führungsmitglieder
der griechischen Faschopartei
standen über fünf Jahre lang vor Gericht.
Einige davon verbringen bald deutlich mehr Zeit
in der sicheren Verwahrung.
Es wäre vielleicht etwas übertrieben,
die AfD mit den hellenischen Rechtsextremen
gleichzusetzen,
aber auch sie tut, was sie kann:
Nämlich gegen die Masken-
pflicht im Bundestag klagen;
fast schon so harmlos
wie eine Schafsherde,
aber wo Schafe sind,
sind Wölfe nicht weit.
Angesichts des dämmernden
75jährigen Jubiläums der Nürnberger Prozesse
(November 45 bis April 46)
ist die Aktion der Erben
(google: B. v. Storch, Großvater)
nur noch oberpeinlichst.
Aber mit „Corona“ lässt sich nun mal
effektiv Politik machen.
Erst recht, wenn man selbst infiziert ist.
Denn was im Weißen Haus gerade abgeht,
wäre ein weiterer Plottwist gewesen,
den jede Produktionsfirma
unter schallendem Hohngelächter abgelehnt hätte.
Sogar Hypernazi und Fake-Redenschreiber
Stephen Miller hat es jetzt erwischt.
Ehrlich, das sind einfach zu viele Spannungsbögen.
Der letzte Monat vor der Wahl
hat doch gerade erst begonnen,
da kriegt sogar der Frisurensohn
glatt Schnappatmung.
Wenigstens hier bei Facebook
wird die Geschichte mal sinnvoll entschlackt:
Mit Qanon braucht hier keiner mehr kommen,
religiöse Sekten gibt es schon genug,
und deutlich erfolgreichere als diesen Bullsh*t.
Einer davon mussten israelische Polizeibeamte
gerade die Regeln noch mal verdeutlichen:
12 Synagogen wurden wurden geräumt,
weil auch dort
irgendeine alternative Wahrheit
dazu führte,
dass die Menschen vor Ort
die Existenz der Pandemie
mindestens bis zur Unkenntlichkeit relativieren.
Die Aufklärung stemmt sich also weiter
unermüdlich mit den Schultern
gegen den Felsen des Aberglaubens.
Irgendwie ist es so also auch poetisch,
dass der, bis vor einem dreiviertel Jahr
noch unbekannte Todeshauch,
die Menschen dazu bringt,
so sehr außer Puste zu sein,
dass sie keine Luft mehr holen können.
Die eigentliche Strafe des Sysiphos
war allerdings,
dass er den Felsen
alleine
den Berg hochschieben musste;
da geht auch dem absurdesten Korinthenkacker*
irgendwann der Atem aus.
„And if I only could
I’d make a deal with God
And I’d get him to swap our places.“
(Kate Bush. 1985.)
*Dieser Witz wurde Euch präsentiert von mindestens drei Semestern Literatur zu viel.
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