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Lost Summer (S14:Ep12)

von | 2026 | 16. August | Die Serie, Staffel 14 - Flipping The Script

Bild: Duster.

 

 

„Fist through the drywall.
I’m frozen in place
but not afraid.

When I am on the outside, watching
I am on the outside, watching.“

(Phoebe Bridgers: The Outside. 2026)

 

So,
keine Zeit für Missverständnisse,
die Deadline,
das morgen startende Schuljahr
und der schnell lieb gewordene neue Alltag
lassen nicht mal mehr ans Trödeln denken:
Der heutige Titel bezieht sich
natürlich fast ausschließlich
auf die Außenwelt.
Denn, als ob #DieDoppeltenZwanziger
es nicht schon immer gesagt hätten,
kein Widerspruch kann größer sein
als der zwischen Weltuntergang und provinziellem Glück.
Das Biedermeier 2.0 bleibt stabil,
hier ist jeder Sommer der Letzte,
weil jeder davon besser
eigentlich nicht mehr werden kann.
Eigentlich;
es kommen ja noch drei.

Beginnen wir den Wochenrückblick
also mit dem heutigen Morgen,
denn manchmal sind Idylle und Tragödie
auch nur wenige Katzensprünge voneinander entfernt:
Kurz nach Neun beginnt
direkt am Lehof
ein mehrstündiger Großeinsatz.
Nein, es brennt nicht,
das Blaulicht blinkt auf Rettungswagen.
Erst zwei, dann drei,
dann vier, dann fünf,
dann sechs.
Dann ein Hubschrauber.
Dann Polizei.
Dann noch ein Hubschrauber.
Nach zwei Stunden
wird eine Person geborgen,
Polizei, Hubschrauber und Rettungswagen
bleiben jedoch zunächst
noch vor Ort.
True Crime im Veranda-TV.
Wer braucht da noch die Weltlage?

Das Programm der letzten Ferienwoche
hatte aber auch schönes,
wenn auch nicht minder dramatisches
auf dem Sendeplan:
Kinder, Teens und Erwachsene
in ganz Europa
sitzen und stehen
am Mittwoch Abend
mit dem Blick nach Westen gerichtet
aufgeregt vor einem brutal schönen Sonnenuntergang.
Zugegeben, hätte mensch nicht umständlich
durch teure Sonnenbrillen, Rettungsdecken oder CD-Rohlinge geschaut,
von der Sonnenfinsternis war hier in der Provinz nur wenig zu bemerken,
vielleicht ist es etwas schneller dunkel geworden,
das war’s dann aber auch schon.
Die folgende Nacht hingegen
war deutlich spektakulärer:
So viele Wünsche,
wie nach so vielen Sternschnuppen in Erfüllung gehen werden,
kann niemand für sich behalten.

Was macht die zeitgeistige Pädagogik also?
Anstacheln zum Träumefangen,
dürfte leicht werden,
dürften viele in der Luft liegen gerade;
Schuljahre können
mit weniger sinnvollen Projektwochen beginnen.

Und damit zum verlorenen Sommer,
sorry, not sorry,
für Beauty ist erst am Ende wieder Zeit.
Fangen wir an
mit einer relativ kleinen
vergegebenen Chance:
Der französische Verfassungsrat
hat das geplante Social-Media-Verbot
für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren
gekippt.
Es stelle „einen unverhältnismäßigen Eingriff“
in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit der Betroffenen dar.“
Wrong.
Social Media
stellt einen unverhältnismäßigen Eingriff
in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit der Betroffenen dar.
Könnt Ihr jede KI fragen.
Wie der Siegeszug der Digitalisierung
in den Schulen weitergeht,
darüber berichte ich an entsprechender Stelle,
auf den allermeisten Einschulungen
wurden jedoch noch keine KI-fähigen Tablets
an Erstklässler*innen ausgegeben,
hoffe ich.

Stattdessen kommen wir hiermit
zu Versäumnis Nummer Zwei,
beziehungsweise Drei, Vier, Fünf, und so weiter.
Denn auch in diesem Sommer
ist keine einzige Regierung der Welt
auch nur in die Nähe
von etwas mehr als einem Lippenbekenntnis gekommen.
Wahrscheinlich gerade weil
die Flammen des Infernos so unaufhörlich lodern;
Einschulungen bei 38°C sind wenig Spaß.
Jedenfalls waren der Juni und der Juli
in Westuropa (also hier)
auch offiziell
so heiß wie noch nie.
Den Weltmeeren geht es genauso.
Das Mittelmeer hat an fast allen Stränden 33+°C.
Aber immerhin brennt es noch nicht.
Das macht dafür alles andere.
Hier wieder nur eine kurze Momentaufnahme:
– Aufgrund einer tagelang andauernden Brandausbreitung
des Waldbrandes in Hürtgenwald
werden tausende Menschen evakuiert;
Nordrhein-Westfalen verzeichnet
den größten Waldbrand der Landesgeschichte.
– Auch der Harz bleibt natürlich nicht verschont,
wir wissen allerdings bereits,
wie mensch halbwegs cool bleibt.
Waldbrand bei Benneckenstein.
Waldbrand bei Ballenstedt.
Waldbrand bei Gernrode.
Die Feuerwehren bleiben einfach draußen.
– Seit Anfang der Woche
gilt im gesamten Landkreis
eine spürbare Einschränkung
der Wasserentnahme;
auch die letzten Vorgartenrasen
werden ihrem Schicksal überlassen.
Bauernpräsident Rukwied
fühlt sich berufen,
die Wahrheit auszusprechen:
In nicht wenigen Gebieten
ist ein totaler Ernteausfall möglich.
Ein Lied davon
singen hier gerade die vertrockneten Sonnenblumen.
– Stichwort Lippenbekenntnis:
Die Ministerinnen und Minister
für Finanzen,
Soziales und Arbeit,
Bauen und Entwicklung
stellen sich hinter die
von Bundesumweltminister Carsten Schneider
vorgebrachte Forderung,
das Grundgesetz für den Hitzeschutz zu ändern
und darin
eine „Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung und Naturschutz“
zu verankern.
„Sie ist Voraussetzung dafür,
dass der Bund sich an der Finanzierung
von Kommunal- bzw. Länderaufgaben beteiligen
und somit langfristig, rechtssicher und flächendeckend
bei Maßnahmen der Klimaanpassung
und des Naturschutzes mitwirken kann.“
Mit anderen Worten:
Ja, Brandenburg,
wir anderen Länder helfen euch.
Aber nur,
wenn Ihr Euch das mit der AfD noch mal gut überlegt, ja?

Bevor wir aber schon wieder zu den Faschos kommen,
schnell noch eine Alltagssprachanekdote
aus dem kühlsten Sommer
des Rests unserer Leben:
Eine Brillenträgerin und ein Brillenträger,
die sich null kennen,
stehen vor der Sonderauslage
gegenüber des Kühlregals
und starren ungläubig
auf die dort ausgestellten
neuen Kaubonbons.
Beide denken zeitgleich den selben Satz,
sie spricht ihn ungeniert aus:
„Boah, Fritt Eisbonbon,
das schmeckt bestimmt pervers geil.“
Spoiler:
Japp.

Gut,
die Faschos müssen
nur noch drei Wochen warten.
In der vergangenen
haben sie vor allem mit den folgenden Stories
Schlagzeilen gemacht;
nur zu Sachsen-Anhalt!,
gib dem Uli ruhig seine Chance,
die nächsten, völlig unbedeutenden Sommer
auch noch restlos zu verschwenden.
Hier, im Weltkulturerbe,
klingt dann aber auch schon mal an,
wie es dann auch laufen wird:
Die AfD hat im Kreistag
dem „Projekt Morgenrot“ zugestimmt.
Einfach so.
Rebellion war gestern,
Posten wollen ja schließlich behalten werden,
erst recht,
wenn sie durch Lug und Trug erschlichen wurden.
Wie, zum Beispiel,
auch beim AfD-Europaabgeordneten Arno Bausemer (43).
Der soll in Stendal zwei jugendliche Plakat-Abreißer
mit einem Baseballschläger angegriffen haben.
Einer davon (14) liegt
mit einer Platzwunde im Krankenhaus.
Selbstjustiz.
Gewalt gegen Minderjährige.
Cool, Arno.
Auch cool, dafür aber tatsächlich richtig cool:
Gegen den Schampus-Maxe
ist Haftbefehl erlassen worden.
200 Flaschen Champagner
vs. Jan Böhmermann.
Konnte ja nur klappen.
Und dann nicht mal zahlen.
Schade, dass Bodycams bei Verhaftungen
noch nicht erlaubt sind.
Leider läuft es weiterhin großartig
für die AfD in Sachsen-Anhalt.
Die letzten Umfragen
sehen sie weiterhin bei deutlich über 40%.
Und laut des Spiegels
ist Ulrich Siegmund
jetzt auch noch der „gefährlichste Mann Deutschlands“.
Nicht cool, Spiegel,
gar nicht cool.

Damit aber wenigstens das Weltkulturerbe
sich nicht vorwerfen lassen muss,
den Sommer ohne Widerstand vergehen zu lassen,
unternimmt Siegbert Ulreichsson
am nächsten Sonntag den ultimativen Versuch,
die kleinbildungsbürgerliche Brandmauer
doch noch umzufahren:
Simsonausfahrt!
Gegen Suse!
Gegen den Vornamensvetter (nur vorgeblich)!
Gegen die Klimalüge!
Gegen die Verhältnisse!
Startpunkt Marktplatz.
Redebeiträge.
Gute Laune.
Sommer, Sonne, Mopedgeknatter,
der Sprit kostet heute nur 2,43€.
Spaß für Alt und Jung!
Wieder mal stolz sein,
wahrscheinlich auf Ostdeutschland.
… man könnte aber auch
einfach nur
ein Eis essen gehen.
Im Sommer.
Am Sonntagvormittag.
Auf dem Marktplatz.
Um 11 Uhr.

Längst über alles Maß hinaus verloren
bleiben natürlich auch die USA.
Dass auch da
der Planet brennt,
bleibt aber genauso natürlich
nur die gewohnte Hintergrundmusik
zum Jahrhundertabfuck des Jahrtausends.
Auf den hat jetzt sogar Karoline Leavitt
keinen Bock mehr.
Und dabei ist es nicht mal mehr spannend,
wer ihre Nachfolge
als Cheflügnerin
der Pressekonferenzen im Goldenen Haus
übernimmt.
Anscheinend hat aber auch der Rest der Welt
so langsam wirklich keinen Bock mehr.
Der Iran lässt nonchalant verlauten,
der angebliche Attentatsversuch auf die Air Force One,
dem Trump mal wieder heroisch entfliehen konnte,
sei doch gar nicht nötig,
weil der US-Präsident die USA doch ganz selbst kaputt macht.
Auch J.D. Vance
macht den nächsten Schritt zurück
und kündigt schon mal an,
dass Lügner und Betrüger
(meint er damit etwa auch Trump?)
in Zukunft noch weniger zu lachen haben werden.
Und ganz nebenbei,
sicher, dass die Attentatsstory genug Aufmerksamkeit bindet,
streut er ein:
Das wichtigste Kriegsziel im Iran ist,
Achtung!, massive Überraschung:
Öl und Gas für die Amerikaner
bezahlbar zu halten.

Apropos Konzerne,
nur eben Abteilung Health/Insurance:
Luigi Mangione hat sich vor ein paar Tagen
schuldig bekannt:
„I shot Mr. Thompson in Manhattan.“
Warum, durfte er nicht dazu sagen.
Musste er auch nicht.
Legenden erklären sich nur einmal.

Auf der anderen Seite des Turbokapitalismusspektrums,
also u.a. beim US-amerikanischen Imperialismus,
soll der Sommer aber doch noch zu was Nütze gewesen sein:
Donald Trump kündigt an,
die Straße von Hormuz
„nach dem Krieg“
zu US-Gebiet zu erklären.
Wahrscheinlich war es das,
was selbst Karoline Leavitt
keinem mehr erklären wollte.
Das größte Problem der US-Regierung,
im Moment,
ist offensichtlich der Präsident.
Well done, MAGA.

Und um auch diesen Aspekt der Ära Trump
nicht zu schnell zu vergessen,
und auch, um daran zu erinnern,
was in diesem,
wie schon im letzten Sommer
verloren gegangen ist,
hier eine kurze Einschätzung
von Bernhard Torsch.
No non-facts detected.
„Die außer Kontrolle geratende Ebola-Epidemie in der DRK
ist nur die aufsehenerregendste Folge
der von Trump dekretierten
und von Elon Musk gemanagten
Abwicklung von USAID,
der Entwicklungshilfe der USA.
Laut „The Lancet“
werden neben den bereits fast einer Million Toten,
die diese Herrschaften schon allein dadurch auf ihrem Konto haben,
in den kommenden vier Jahren
noch 22 Millionen weitere dazukommen.
Zählen wir dann noch die Toten dazu,
die durch Kriege und den beschleunigten Klimawandel hinzukommen,
ist das die mit riesigem Abstand
tödlichste,
man könnte auch sagen
mörderischste
US-Administration
aller Zeiten.“
Cool.
Und ich hab mal Gedichte
über den Amerikanischen Sommer geschrieben.
Kann ich auch wegschmeißen jetzt.

 

Here Comes The Unfuckening!
Aus dem Tagebuch irgendwelcher Millenials 4

freitag, 14. august:
– von wegen „lost summer“:
way too much beauty am letzten ferientag
(sonnenuntergang am sandtagebau,
von den klippen mit sandsteinen nach flaschen werfen,
improtanzperformance im garten,
zur mellow as fuck musik im wohnzimmer,
einschlafen mit dem „wolf“)

samstag, 15. august:
– die erste zeitgleich ausgesprochene Antwort,
der damit gewonnene wunsch: easy..
– meeting your friends gone good,
no surprise here..

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