„Ashes blowing in the air.
Our world’s on fire,
but we don’t care.
Wasted youth,
always on the road,
never looking back
and we’re never getting old.
‚Cause the skies are black,
but our heart’s made of gold.
Fuck doing what you’re told.
We’re going nowhere fast.“
(Eminem. 2017)
So,
vor meiner Haustür
sitzen immer noch die Streckenposten
der immerhin schon 10. „Hölle“.
Ob die es da einfach gemütlich finden,
oder ob wirklich noch
auf ein paar Nachzügler*innengewartet wird,
das weiß ich nicht.
Aber schön,
wenn mensch auf den Sonntag
noch genug Zeit für so was hat,
denn egal wie,
eilig scheint es jetzt gerade keiner mehr zu haben;
es geht auf die Kaffeezeit zu.
Dementsprechend wenig Zeit
bleibt heute auch für die Chronik.
Die Gründe sind vielfältig
und zum größten Teil privat genug,
um sie hier nicht auszurollen,
immerhin ist nichts schlimmes passiert.
Nur Spätsommer,
schwüle Hitze,
ein überraschend angenehmes Hauptstadtbild
und vielleicht die ein oder andere Pommes
über dem Verfallsdatum.
Springen wir also rein,
Trockenköpper,
geduscht wird erst später,
und zwar zu Hause.
Die erste richtige Schulwoche,
also mit Unterricht und Hausaufgaben,
ging wie erwartet gleich super los;
die Wahl in einer Woche
wirft ihre hässlichen Schatten
auch noch in den letzten Papierkorb,
der halbleer unter dem Waschbecken
neben der Tafel steht.
Ich weiß, wie es an meiner Schule war, bzw. ist,
und habe genug Vorstellungsvermögen,
um mir auszumalen,
wie es an allen anderen war, bzw. ist:
Am Freitag ist bereits Juniorwahl.
Unter der Schirmherrschaft
von Landtagspräsident Dr. Gunnar Schellenberger
beteiligen sich daran
in diesem Jahr
190 Schulen
mit insgesamt rund 45.000 Schülerinnen und Schülern.
Damit verzeichnet dieses Schulprojekt
zur politischen Bildung
einen neuen Rekord
in Sachsen-Anhalt.
Wie traurig der wirklich wird,
das lest Ihr nächste Woche.
Was der vermeintlich künftige Kultusminister
zum ausführlichen Lesen
des Tagebuchs der Anne Frank denkt,
kann ich mir denken
und es ist mir jetzt schon egal,
ob es mir in der übernächsten Woche
auch noch egal sein darf.
Um über die dunkelsten Jahre unserer Geschichte aufzuklären
ist mir in all den Jahren
nun mal noch kein besserer „Stoff“ untergekommen.
Kultur ist auch immer Erinnerungskultur.
Und ja, ich könnte mich jetzt stundenlang
über die angebliche Bildungspolitik der AfD auslassen,
aber:
keine Zeit,
keinen Bock
und außerdem noch mehr als eine Gelegenheit
in der kommenden Woche,
mich ausführlich mit denen darüber auszutauschen,
die davon direkt betroffen sind.
Die, die übrigens auch hiervon betroffen sind:
Der Facebook-Mutterkonzern Meta
hat in einem Prozess
um Social-Media-Sucht von Kindern
einer Zahlung von insgesamt
knapp 16,7 Milliarden US-Dollar
(ca. ein Fünftel des Konzerngewinns im letzten Jahr)
zugestimmt.
Zugleich verpflichtet sich der Konzern
zu weitreichenden Änderungen.
Nicht schuldig gesprochen zu werden
befreit nicht von der Schuld;
Liebe Digitalisierungsfans,
schreibt ruhig mal wieder was mit.
Zurück zur AfD-Bildungspolitik,
die immerhin weg will von den Screens in der Schule,
denn diesbezüglich hat Ullreichmund Siegesheil
in der letzten Woche eins von vielen kleinen Waterloos erlebt:
Der Ausschnitt aus der Elefantenrunde beim mdr,
in dem unsere Suse nur Fakten ausgesprochen hat
(u.a. sinngemäß „Sie beschreiben nur das Problem,
bieten aber keine Lösungen an.“),
zieht im Internet weite Kreise.
Auch weil er die „Politik“ der AfD
ganz simpel und klar auf den Punkt bringt.
Und dumm wie seit 19irgendwas
ist dann auch seine „Lösung“:
Dem Lehrerinnenmangel
wird die Abschaffung der Schulpflicht entgegengestellt.
Oberflächlich betrachtet
ist das eigentlich eine vorzeitige Kündigung
aller noch verbliebenen.
Wo keine Schule mehr ist,
braucht es auch keine Lehrerinnen.
Sollen die Eltern doch sehen,
wie wichtig ihnen die Bildung ihrer Kinder ist.
An den diversesten Privatschulen des Landes
wird schon neu kalkuliert.
Und auch sonst
hat die AfD
aus dem „Sieg in Quedlinburg“
(Kleerswiese vs. Bossewiese)
erstaunlich wenig gemacht,
außer ein paar beeindruckenden Bildern
von viel zu vielen stinkenden Auspuffrohren
(ja, das ist auch metaphorisch zu verstehen).
Gleich am nächsten Tag
bezichtigt sich Siegi selbst der Lüge
als es auf einmal nicht mehr 5.000,
sondern mehr als 12.000 Teilnehmer*innen
gewesen sein sollen,
die mal einen Blick
auf seine weißen Beißerchen werfen wollten.
Die haben sich hoffentlich auch gemerkt,
dass er am Sonntag schon gesagt hatte,
es sei ja auch egal
wie die Wahl ausgeht,
von wegen „Bewegung“
und „nicht mehr aufzuhalten“
und so.
Dass diese Bewegung
irgendwie ganz schlimm
nach zwielichtigen Rockern riecht,
die keinen Bock auf Zähneputzen haben,
also die Art,
mit der mensch schon in den 90ern
nicht allzu viel zu tun haben wollte,
sei hier nur noch nebenbei bemerkt.
Die 15jährigen Jungs und Mädchen,
die es einfach nur geil fanden,
mal mit über 1.000 anderen
über die Dörfer zu knattern,
sind davon natürlich ausgenommen.
Kann ich irgendwie verstehen.
Wir werden ja am Freitag sehen,
wie gut die Propaganda geklappt hat.
Und wie gut die Gegenaufklärung.
Denn das Netz
wird seit der letzten Woche
geradezu überflutet
mit Enthüllungsstories
über das Umfeld des neuen Landesvaters.
So vielen,
dass auch Noch-Landesvater,
Homeboy Sven Schulze,
sogar ganz klar auf die verweisen konnte
als er gefragt wurde,
ob sein Konkurrent zu recht
als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.
Für uns Wissende
hier nur ein paar Stichworte:
Burschenschaften.
HDJ.
Seitenscheitel.
Oder: Vollzeitwichser mit zu kleiner Brille.
Und ja,
vielleicht, vielleicht
hat Jana Hensel ja recht:
„Die AfD
wird die nächste
große
Enttäuschung
der Ossis.
Aber da es nicht
die erste ist, …“,
haben alle,
die in der Schule ab und an mal aufgepasst haben,
jetzt eben einfach noch einen Grund
zum Jammern.
Und ja,
ich gebe mich der „Aufbruchsstimmung“ mal hin:
Gefühlt haben die Faschos hierzulande
mal wieder ein historisches Maximum erreicht
(ausgerechnet mit dem „Sieg in Quedlinburg“),
und ab jetzt könnte es tatsächlich
nur noch bergab gehen.
Und zwar so:
Siegmunds „Partei“
verpasst die absolute Mehrheit in Magdeburg.
Zwei Wochen später
beweist auch der MV,
dass die letzten Lichter noch brennen.
Dann, wieder zwei Wochen später,
wählt Berlin eine linke Bürgermeisterin.
Und dann,
nur ein paar Wochen später,
verendet in den USA
die MAGA-Bewegung,
die Demokraten
gewinnen das House und den Senat zurück,
und Alexandria Ocasio-Cortez
verkündet ihre Präsidentinnenschaftskandidatur.
Nur mal angenommen…
Bis dahin gebe ich mich
mit 6% zufrieden.
Bei dieser Marke stehen nämlich aktuell
die Grünen in Sachsen-Anhalt;
die Zweitstimme ist wieder vollwertig.
Und dass das
auch und vor allem
an einem guten, weil sympathischen Wahlkampf liegt,
das weiß die Suse am besten selbst.
Um rauszufinden,
dass grüne Politik
eh für alle das beste wäre,
hat aber jetzt ausgerechnet die FAZ
19 KI-Chatbots befragt,
was man wählen sollte als Bürger.
In Sachsen-Anhalt.
In Deutschland.
In Europa.
Auf der ganzen Welt.
Gefüttert mit den 38 Fragen des Wahl-O-Mates
und mit jeweils 6 Durchläufen.
Simuliert wurden 1,97 Millionen Wähler.
Darunter waren Systeme von
OpenAI,
Google,
Anthropic,
Meta,
xAI
und Mistral
sowie Modelle chinesischer Anbieter.
CDU und AfD kamen dabei
auf genau
null
Sitze in irgendeinem Parlament.
Nur die vom Faschisten Musk
manipulierte KI kam
zu einem anderen Ergebnis
und sah die neoliberale FDP vorn
(very funny because it’s true).
Warum das Ergebnis?
Weil alle KI Modelle Diskriminierung vermeiden,
den wissenschaftlichen Konsens berücksichtigen,
was in wesentlichen Fragen
wie Klima, Migration, Gleichstellung, LGBTQ+
und ähnlichen Themen (kurz: Menschenrechte)
die AfD und CDU deutlich schlechter dastehen lässt.
Surprise.
Gut,
und damit wieder zurück
in die Wüste der Gegenwart,
wieder mal erstmal
weitermachen.
Denkt sich auch der Einzelhandel.
Bei 29°C Außentemperatur
schwitzen die ersten Weihnachtsleckereien
in den Sonderauslagen,
es ist noch August.
Aber das nur so nebenbei.
Kriegsprotokoll. Deutsche Heimatfront. Letzte Reihe.
Woche 231.
„Der Ernstfall ist da.“ Montag: Die Ukraine begeht halbwegs feierlich ihren 35. Unabhängigkeitstag. Bei gegenseitigen Angriffen (Charkiw, Krasnodar) sterben fünf Zivilisten. Die EU gibt das nächste Milliardenpaket frei. Am Abend muss Selenskyj nach über vier Jahren Krieg ungefragt sagen, dass eine Kapitulation nicht in Frage kommt. Dienstag: Ein wenig bekannter US-Gesandter reist extra nach Moskau, um Putin vor einem Angriff auf die Nato zu warnen. Die ungarische Regierung hat Russland zur Bedrohung erklärt. In einem Dokument heißt es, Ungarn verurteile die militärische Aggression gegen die Ukraine. Die Erklärung bedeutet einen Bruch mit der Außenpolitik der Vorgängerregierung. Mittwoch: Nichts Neues. Donnerstag: Ebendas. Freitag: Schon wieder gefährliche (russische?) Drohnen am Flughafen Leipzig/Halle. Samstag: Bei russischen Luftangriffen auf Kiew sterben 37 Menschen. Getroffen wurde dabei auch ein Munitionslager, das in einem Wohngebiet versteckt war. Sonntag: Beginnt dann im Herbst also wirklich wirklich der Dritte?
In Other Wars
antwortet Kanada im Zollkrieg,
man befindet sich offiziell im Krieg,
50% auf alles.
Trumps Antwort,
kein Witz:
Der Lake Ontario
heißt jetzt Lake America.
In Other Wars
verhängen die USA
neue Sanktionen
gegen Iran.
6 Monate dauert der Krieg jetzt.
Also,
die Richtung stimmt
noch lange nicht,
und die Geschwindigkeit
wird so bald auch nicht nachlassen,
aber was soll’s?
Eminem und Brandon Boyd
(und noch so viele andere)
haben ihre Visionen
bis heute
ja auch überlebt.
Aber die leben ja auch nicht in Gebieten,
die alles für die Klimakrise können
und vergleichsweise nichts davon abkriegen.
Also zum Beispiel nicht im Himalaya.
Da wird in diesen Stunden
das wahre Ausmaß
der Jahrhundertkatastrophe der Woche
mehr als deutlich sichtbar:
Momentan werden 700 Tote gemeldet,
weitere 3.000 werden vermisst.
Darunter auch hunderte Touristen,
die allesamt mit dem Flugzeug angereist waren,
um im Spätsommer
die reine Höhenluft zu genießen.
Ein ganzes, dicht besiedeltes Tal in Nepal
unterhalb eines wärmebedingt abgestürzten Gletschers
wird innerhalb von Minuten
von einer gigantischen Sturzflut
komplett zerstört.
Da kommen epische Waldbrände in Algerien
oder neue Temperaturrekorde in Italien (nochmal 45°C+)
auch nicht mehr hinterher.
Wie schnell
kann eigentlich so eine internationale Hilfsbereitschaft
austrocknen?
Und schon
sind wir im letzten Drittel der Episode angekommen,
besser bekannt auch als
Schlagzeilen,
die jede eine ganze Romanreihe
für sich wären.
Heutiger Schwerpunkt:
Das Aufgehen,
Untergehen
und wieder Aufgehen
von Leitsternen aller Art,
denn auch da
kommt mensch irgendwie kaum noch mit.
– Kriegsverbrecher und Massenmörder
Ratko Mladic stirbt endlich,
bekommt jedoch ein serbisches Staatsbegräbnis.
– Norwegens König Harald stirbt,
Haakon wird emotional im Staatsfernsehen.
– Gianni Infantino steht bald vor Gericht?
Wer?
Der Infantino?
Der Fußball ist doch noch nicht ganz erledigt.
– In Magdeburg und Halberstadt
feiert Neuinfluencer „Marcant“
seinen endgültigen linksextremen Durchbruch,
vielleicht ja sogar gerade noch rechtzeitig.
– Phoebe Bridgers Jahrhundertalbum („Lost Weekend“)
klettert auf Nr. 2 der Billboardcharts
– genau in der Woche,
in der Übermutterfolksängerin Dolly Parton
die Gesellschaft im Legendenhimmel aufmischt.
– „Von hier an blind“ (Wir sind Helden)
feiert ein zeitgeistgemäßes Comeback.
– Helge Schneider feiert
sichtlich gealtert aber immer noch scheißenlustig
seine lang ersehnte Rückkehr auf den Hexentanzplatz.
Und damit genug für heute,
eine Woche hat die Beschleunigung noch,
und ich teile mir mal meine Kräfte
weiter ein.
Zwei Geschichten aus der Provinz
sollen dafür noch reichen,
das Abendbrot wartet nicht ewig.
Die eine ist ein Nachschlag
zum Hauptthema der momentanen Wochen,
setzt euch lieber hin
oder stellt wenigstens einen Eimer bereit,
die andere ist hingegen
einfach nur herrlich entschleunigend.
Auf hiesigen Spielplätzen
wird an diesem Wochenende
der allerletzte Schrei
im Anti-Grünen-(also AfD-)Wahlkampf
auf die Wippe gesetzt:
Suse verkündet
morgen ihren Rücktritt!!1!
Wegen ihres Mannes.
Der war in seiner Jugend
nämlich mal auf lokalen Antifarecherchebögen aufgetaucht,
inklusive wenig sympathischen Bildern
eines Teenagers in den Baseballschlägerjahren.
Diese Story,
die zur lokalen Legendenbildung nicht wenig beizutragen hatte,
ist eigentlich ein wirklich alter Hut,
und wer David heute noch als „Neonazi“ bezeichnet,
darf sich auf eine schmerzhafte Klage einstellen.
Dennoch hat „Tichys Einblick“
vor lauter Panik (6%!)
das ganze nochmal rausgekramt
und für Social Media aufgehübscht,
weswegen es eben zu beschriebenen Blasen
in der Gerüchteküche kommt.
Dass ausgerechnet die sich auf Antifarecherchen berufen,
ist dann auch schon das lustigste an der ganzen Scheiße.
Familie Sziborra-Seidlitz
hat ganz sicher besseres zu tun.
Und damit meine ich das hier,
liebe Suse:
Der Zustand der Schafsbrücke
hat sich weiter verschlechtert!!
Brückenexperte Dr. Günter Borg empfiehlt deshalb,
das Bauwerk bis zu einer zukünftigen baulichen Lösung
nicht mehr mit Fahrzeugen zu befahren.
Auf diese aktuelle Einschätzung
muss!!! die Welterbestadt unmittelbar reagieren!1!!
Zu Fuß bleibt die Schafsbrücke weiterhin passierbar.
Aber, und jetzt kommt’s erst:
Radfahrer können sie ebenfalls überqueren,
müssen ihr Fahrrad dabei
jedoch schieben!!!!1!!!1
Suse, kümmer Du Dich erstmal
um die Faschos,
und dann um die Welt,
wir schieben auch gerne mal.
„Will I ever get to where I’m going?
If I do, will I know when I’m there?
If the wind blew me in the right direction, yeah,
would I even care?
I would.“
(Incubus: Nowhere Fast. 1999)
0 Kommentare